Navigation überspringen

Amphitryon

von Heinrich von Kleist

Suhrkamp, 2011

Kategorie: Deutschsprachige Belletristik

Get the summary
Amphitryon
Wer bin ich? Heiter-düsteres Bewusstseinsraten mit Heinrich von Kleist.

Warum Sie Amphitryon lesen sollten

Riss in der Identität
Für das schlichte Gemüt des Dieners Sosias ist die Sache mit der Identität am Anfang des Amphitryon so klar wie nur irgendetwas. Er weiß: Ich bin ich. Und wenn er für diese Behauptung Prügel bezieht, schleudert er seinem Peiniger entgegen: „Dein Stock kann machen, dass ich nicht mehr bin. Doch nicht, dass ich nicht Ich bin, weil ich bin.“ Nur: Was passiert, wenn sonst niemand erkennt, wer man zu sein glaubt? Sosias’ Herr, Amphitryon, und dessen Frau Alkmene machen die schmerzliche Erfahrung, dass manchmal aus heiterem Himmel nichts mehr so ist, wie es scheint. Während Heinrich von Kleist dies schrieb, machte er gerade eine Beamtenausbildung und wünschte sich nichts sehnlicher, als von der Gesellschaft als Dichter anerkannt zu werden. Stattdessen lag er die halbe Zeit mit Blähungen und Magenschmerzen im Bett und musste sich von dem rüstigen alten Goethe als Hypochonder verspotten lassen. Kleist ahnte früher als andere, dass niemand zwischen Schein und Sein zu unterscheiden vermag. Seine Zeitgenossen waren von dieser Botschaft heillos überfordert. Und wer will es ihnen verdenken? Selbst heute ist das Thema für viele ziemlich starker Tobak. In Amphitryon schafft es Kleist, den Riss in der menschlichen Identität aufs Tragischste und zugleich aufs Komischste darzustellen.

Über den Autor

Heinrich von Kleist wird am 18. Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren, er stammt aus einer preußischen Offiziersfamilie. Als junger Leutnant nimmt er im ersten Koalitionskrieg gegen Napoleon, an der Belagerung von Mainz und am Rheinfeldzug (1793–1795) teil. Bald fühlt er sich vom Offiziersberuf abgestoßen und wendet sich der Wissenschaft zu. Beim Studium von Kants Philosophie erkennt er 1801, dass er nicht zum Gelehrten, sondern zum Dichter geschaffen ist. Kleists Versuche, durch eine Anstellung beim preußischen Staat oder durch journalistische Tätigkeit eine Lebensgrundlage zu finden, schlagen fehl. Auch seine Theaterstücke, die heute weltberühmt sind, bleiben erfolglos. Kleist sieht in der Bühnendichtung das ideale Genre für die Abbildung des wirklichen Lebens in der Literatur. Von 1801 bis 1811 entstehen u. a. die Tragödien Die Familie Schroffenstein (1803), Robert Guiskard und Penthesilea (beide 1808), außerdem Das Käthchen von Heilbronn (1808), Die Hermannsschlacht (1821 posthum erschienen) sowie die Komödien Amphitryon (1807) und Der zerbrochne Krug (1808). In dieser Zeit erscheinen auch die Erzählungen Die Marquise von O.... (1808), Das Bettelweib von Locarno (1810) und Die Verlobung in St. Domingo (1811). 1810 verweigert der preußische Staat Kleist eine Pension. Auch aus dem Königshaus erhält er keine Anerkennung, obwohl er der Schwägerin des Königs das patriotische Stück Prinz Friedrich von Homburg widmet. Dennoch ist es wohl weniger äußere Bedrängnis als innere Seelennot, die Kleist schließlich in den Freitod treibt. Am 21. November 1811 erschießt er zunächst seine unheilbar kranke Freundin Henriette Vogel und danach sich selbst am Wannsee in Berlin.


Gefällt Ihnen diese Zusammenfassung?

Kommentar abgeben

Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten!

Anmelden

Wollen Sie mehr?

Buch kaufen

Vom gleichen Autor