Brechts antikapitalistische Opern-Provokation über den Terror des Geldes und falsche Träume vom Glück.
Warum Sie Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny lesen sollten
Dieses Paradies ist die Hölle
Aus der vermeintlichen „Paradiesstadt“ Mahagonny wird eine unmenschliche Metropole des Geld- und Konsumterrors, in der man wegen Zechprellerei sofort zum Tod verurteilt werden kann. Bertolt Brecht schildert den Untergang eines kapitalistischen Sehnsuchtsorts – allerdings nicht als dramatische Tragödie, sondern als herrlich grob montierte Oper, in der groteske Szenen ebenso Platz finden wie bittere Pointen und schmissige Reime. Brecht, frisch bekehrter Marxist, war auf der Suche nach neuen Theaterformen, als er das von Kurt Weill vertonte Stück schrieb. Die Uraufführung von Mahagonny wurde auch deshalb ein Skandal, weil Brecht es bewusst vermied, dem bürgerlichen Opernpublikum ein herkömmliches, „kulinarisches“ Verschmelzungserlebnis zu gestatten. Die spannende Offenheit dieses Stücks voller Nähte und Risse, seine satirische Härte und seine geradezu explosive Sprache machen Mahagonny zu einem aufregend frischen, fast zeitlosen Werk.
Über den Autor
Bertolt Brecht wird am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1917 beginnt er mit einem Medizinstudium, das er jedoch wegen des Kriegsdienstes als Sanitätssoldat unterbrechen muss. 1918 verfasst er Baal, sein erstes Theaterstück. Von 1924 an arbeitet er als Dramaturg bei Max Reinhardt in Berlin. Hier setzt sich Brecht mit der Philosophie des Marxismus auseinander. 1928 gelingt ihm mit der Dreigroschenoper ein grandioser Erfolg. In diesem Stück probiert er seine Technik des „epischen Theaters“ aus, das sich erheblich von den traditionellen Theaterformen unterscheidet. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten werden Brechts Stücke verboten, ihm selbst wird die Staatsbürgerschaft entzogen. Er flieht ins Exil. Nach vielen Zwischenstationen, darunter Prag, Paris, Schweden, Finnland und die Sowjetunion, siedelt er sich mit seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel, in Kalifornien an. Während des Exils entstehen seine berühmtesten Dramen, u. a. Leben des Galilei (1938/39), Mutter Courage und ihre Kinder (1939) und Der kaukasische Kreidekreis (1944/45). Auch mit Gedichtzyklen tritt Brecht immer wieder hervor. Zwei Jahre nach dem Krieg, als in den USA die Hexenjagd auf Kommunisten beginnt (McCarthy-Ära), kehrt Brecht den Vereinigten Staaten den Rücken. Die deutschen Westzonen verweigern ihm die Einreise, sodass er, nach einer Zwischenstation in der Schweiz, nach Ostberlin zieht. Gemeinsam mit seiner Frau gründet er hier 1949 das Berliner Ensemble. Im Theater am Schifferbauerdamm findet er eine geeignete Experimentierbühne für seine Stücke, die er dort höchstpersönlich zur Uraufführung bringt. Bertolt Brecht stirbt am 14. August 1956 in Berlin.
Gefällt Ihnen diese Zusammenfassung?
Vom gleichen Autor
-
Leben des Galilei
von Bertolt Brecht
-
Mutter Courage und ihre Kinder
von Bertolt Brecht
-
Die Dreigroschenoper
von Bertolt Brecht



