Jakob und sein Herr
oder Der Glaube an das Walten des Schicksals
Kategorie:
Fremdsprachige Belletristik
Warum Sie Jakob und sein Herr lesen sollten
Schicksal oder Willensfreiheit?
Folgt unser Leben einem vorherbestimmten Schicksal oder haben wir die Fäden selbst in der Hand? Der launische Diener Jakob und sein namenloser Herr zotteln in Diderots berühmtem Roman zu Pferd übers Land und kommen immer wieder auf diese alles entscheidende Frage zurück. Dazu passend, inszeniert der Autor ein literarisches Verwirrspiel der Extraklasse: Es finden sich Liebesgeschichten, die den eigentlichen Reisebericht unterbrechen, Anekdoten, die wiederum diese Liebesgeschichten zweiteilen, Zwischenfälle, von denen die Anekdoten unterbrochen werden, und Kommentare des Erzählers, der schließlich alles infrage stellt. Jakob und sein Herr ist an stilistischer Raffinesse kaum zu überbieten und wohl nur mit Laurence Sternes Tristram Shandy zu vergleichen – den Diderot im Roman denn auch ausführlich zitiert. Goethe sprach von einer „köstlichen und großen Mahlzeit in Einschiebeschüsseln“, Hans Magnus Enzensberger nannte den Roman „eines der intelligentesten Bücher der Weltliteratur“. In der Tat: Das Werk liest sich heute so frisch wie vor 200 Jahren.
Über den Autor
Denis Diderot wird am 5. Oktober 1713 als Sohn eines wohlhabenden Messerschmieds in Langres geboren. Nach seiner Schulzeit geht er nach Paris, wo er Philosophie und Naturwissenschaft studiert. Die vom Vater verlangte theologische Karriere schlägt er aus und wird stattdessen für ein Jahr Anwaltsgehilfe. Danach lebt er von schlecht bezahlten Gelegenheitsarbeiten, geht häufig als Bohemien in die Pariser Cafés, wo er sich mit Intellektuellen wie Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Jean-Jacques Rousseau, Étienne Bonnot de Condillac und Melchior Grimm anfreundet. Als er den Vater bittet, in seine Heirat mit einer Wäscheverkäuferin einzuwilligen, lehnt dieser ab und schickt den Sohn ins Kloster von Troyes. Diderot gelingt bald die Flucht nach Paris, wo er die Heirat 1743 heimlich vollzieht. Drei Jahre später ruft er, zusammen mit einem Autorenkollektiv, sein berühmtestes Projekt ins Leben: die 28-bändige Encyclopédie, dem Anspruch nach eine Zusammenstellung des gesamten Wissens seiner Zeit. 1749 wird Diderot wegen seines religionskritischen Lettre sur les aveugles (Brief über die Blinden) von der Zensurbehörde für drei Monate in Vincennes eingesperrt. Viele seiner literarischen Werke lässt er daraufhin unveröffentlicht, darunter später berühmte Werke wie La religieuse (Die Nonne), Le neveu de Rameau (Rameaus Neffe) oder Jacques le fataliste et son maître (Jakob und sein Herr). Zu Lebzeiten tritt er vor allem als Philosoph, Naturwissenschaftler, Kunstkritiker und Dramatiker in Erscheinung. Seine Abhandlung Le paradoxe sur le comédien (Paradox über den Schauspieler, 1773) revolutioniert die Theaterszene. 1765 kann Diderot, der stets unter Geldnot leidet, die russische Zarin Katharina II. als Mäzenin gewinnen. Sie kauft ihm seine Bibliothek ab und besoldet ihn für 50 Jahre im Voraus als Bibliothekar. 1773 reist er auf ihre Einladung hin für ein halbes Jahr nach St. Petersburg. Am 31. Juli 1784 stirbt er in Paris an Herzversagen.
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