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Dshamilja

von Tschingis Aitmatow

Dshamilja
Verlag: Suhrkamp Verlag
Diese Ausgabe: 2006
Erstausgabe: Bischkek/Moskau 1959
ISBN: 9783518458419
Anzahl Seiten: 123

Kategorie: Klassiker
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Warum Sie Dshamilja lesen sollten

Die Liebe in Zeiten der Kolchosen
Louis Aragons 50 Jahre altes Lob, Dshamilja sei „die schönste Liebesgeschichte der Welt“, lastet schwer auf dem schmalen Büchlein. Freilich ist die Novelle über eine verbotene Liebe im kirgisischen Sommer 1943 sehr schön. Sie lässt den Leser in eine fremde Welt eintauchen, in der es noch immer salzig nach dem Nomadenleben riecht, obwohl das Zeitalter tatkräftiger Sowjetmenschen inmitten goldener Weizenbündel längst begonnen hat. Die Mischung aus zentralasiatischem Volksmärchen und sozialistischem Sendungsbewusstsein macht die Erzählung einzigartig. Heute sind die meisten ehemaligen Kolchosen pleite, und viele arbeitslose Kirgisen ziehen im Sommer wieder mit ihren Jurten und Viehherden in die Berge. Die ideologische Moral von Dshamilja hat sich überlebt. Nicht aber die menschliche: Liebe ist das Schönste in der Geschichte der Welt – und so schwer fassbar, dass in jeder Epoche neu und in jeder Kultur anders von ihr erzählt wird.

Über den Autor

Tschingis Aitmatow wird am 12. Dezember 1928 im kirgisischen Dorf Scheker geboren. Die Zwangskollektivierungen unter den Sowjets haben gerade begonnen, doch Aitmatow lernt das traditionelle Nomadenleben seines Volkes noch kennen. Im Zuge der stalinistischen Säuberungen wird sein Vater des „bürgerlichen Nationalismus“ angeklagt und 1938 hingerichtet. Aitmatow beginnt im Alter von 14 Jahren, für den Sekretär des Dorfsowjets zu arbeiten. Er studiert Veterinärmedizin und ist mehrere Jahre am wissenschaftlichen Forschungsinstitut seiner Heimat tätig. Parallel übersetzt er kirgisische Literatur ins Russische und schreibt eigene Geschichten. Von 1956 bis 1958 studiert er am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau, 1957 wird er Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbands. Mit seiner Abschlussarbeit Dshamilja schafft er den internationalen Durchbruch. Aitmatow arbeitet mehrere Jahre als Prawda-Korrespondent und wird in der Sowjetunion mit Auszeichnungen überhäuft. In den 70er Jahren beginnt er sich vom Dogma des sozialistischen Realismus zu lösen und verarbeitet zunehmend mythische Themen seiner kirgisischen Heimat. 1980 erscheint der Roman Ein Tag länger als das Leben, zunächst in einer zensierten Version. Mit Der Richtplatz aus dem Jahr 1986 kritisiert er die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Sowjetunion und unterstützt die Perestroika-Politik von Michail Gorbatschow, als dessen Berater er kurzzeitig fungiert. Aitmatow bekennt sich nach wie vor zum Ideal des Kommunismus, das nach seiner Ansicht von unfähigen Funktionären untergraben wird. 1990 geht er als sowjetischer Botschafter nach Luxemburg. Ab 1991 ist er als Botschafter des unabhängigen Kirgisistans in Brüssel tätig und setzt sich zunehmend für den Naturschutz ein. Er stirbt am 10. Juni 2008 an einer Lungenentzündung.

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