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Die Mappe meines Urgroßvaters

Letzte Fassung

von Adalbert Stifter

Manesse, 1997

Kategorie: Deutschsprachige Belletristik

Die Mappe meines Urgroßvaters

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Warum Sie Die Mappe meines Urgroßvaters lesen sollten

Der Urgroßvater als Alter Ego
Mehr oder weniger durch Zufall taucht im Elternhaus eines jungen Mannes eine alte Mappe auf, die die Lebensbeschreibung von dessen Urgroßvater Augustinus enthält. Der Finder beschließt, die Dokumente zu ordnen und zu veröffentlichen. Was durch diese Formgebung wie ein authentischer Lebensbericht erscheinen soll, ist in Wirklichkeit ein Roman: Der urgroßväterliche Lebenslauf - wie er Heilkunde studiert, sich verliebt und als erfolgreicher Arzt praktiziert - ist von vorn bis hinten erdichtet. Die Handlung hat wenig Dramatisches zu bieten, keine Konflikte, keine Spannung durch unerwartete Ereignisse, keine Entwicklung von Charakteren, kaum Gefühle. In den spärlichen Dialogen fällt auf, wie oft der Antwortende in fast gleichen Worten immer nur wiederholend bestätigt, was der andere gesagt hat. Widerspruch gibt es nicht. Stifters Romanfiguren sind fast alle von vornherein edel und gut. Seine Welt ist beschaulich, geordnet, perfekt eingebettet in Landschaft und Natur. Das einzige Bestreben scheint darin zu bestehen, eventuelle Schicksalsschläge herunterzuschlucken und anschließend die Idylle noch perfekter zu machen. In seiner Zeit war Stifter der große Außenseiter der Literatur - und heute ein fast vergessener Klassiker zwischen Romantik und Realismus, dessen eigenwilliger Stil aber immer noch Leser findet.

Über den Autor

Adalbert Stifter wird am 23. Oktober 1805 in Oberplan in Südböhmen geboren, das damals zum Kaisertum Österreich gehört. Als der Junge zwölf Jahre alt ist, stirbt sein Vater durch einen Unfall, die Familie gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Stifter ist pädagogisch und künstlerisch begabt, entscheidet sich aber für ein Jurastudium, um in den Staatsdienst eintreten zu können. Mit 22 Jahren verliebt er sich in die drei Jahre jüngere Fanny Greipl und wirbt viele Jahre erfolglos um sie: Als mittelloser Student hat er bei Fanny und ihrer Familie keine Chance. Aus Enttäuschung beginnt er eine Beziehung mit der ungebildeten Putzmacherin Amalie Mohaupt, die er, als Fanny ihn wiederholt abweist, schließlich heiratet; die Ehe ist nicht glücklich und bleibt kinderlos. Beruflich hat Stifter ebenso wenig Erfolg: Das ungeliebte Studium bricht er nach vier Jahren ab und hält sich von da an mühsam als Hauslehrer über Wasser. In seiner Freizeit dichtet und malt er. Einen ersten literarischen Erfolg erringt Stifter 1840 mit der Erzählung Der Condor. Mit den folgenden Werken, u. a. Die Mappe meines Urgroßvaters und Bunte Steine, wird er bekannt, aber seine späteren Arbeiten, wie die Romane Der Nachsommer und Witiko, stoßen bei Kritikern und Lesern größtenteils auf Ablehnung. Als Pädagoge ist Stifter seiner Zeit weit voraus, aber auch das bringt ihm mehr Ärger als Erfolg ein. So wird er zwar 1850 zum Schulrat ernannt, kann sich aber mit seinen Vorstellungen nicht durchsetzen und empfindet dieses Amt bald als Last. Ein von ihm 1854 verfasstes Schulbuch wird abgelehnt und erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern verwendet. Er holt zwei Pflegetöchter ins Haus, von denen eine an Tuberkulose stirbt; die zweite nimmt sich mit 18 Jahren das Leben. Mit zunehmendem Alter wird Adalbert Stifter verbittert, depressiv und hypochondrisch. Er erkrankt an Leberzirrhose und im Dezember 1867 an einer schweren Grippe. Am 26. Januar 1868 schneidet sich der Todkranke nachts mit einem Rasiermesser in den Hals und stirbt zwei Tage später. Ob es Selbstmord war oder ein Unfall, ob er an diesem Schnitt starb oder an der Krankheit, konnte nie eindeutig geklärt werden.

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