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Warum Sie Nachdenken über Christa T. lesen sollten
Leben im Arbeiter- und Bauernstaat
„Christa T. stirbt an Leukämie, aber sie leidet an der DDR.“ Marcel Reich-Ranickis plakativer Satz über Christa Wolfs Roman Nachdenken über Christa T. trifft fast ins Schwarze – aber doch knapp daneben. Denn die früh verstorbene Freundin der Ich-Erzählerin lässt sich nicht so einfach in ein Schema pressen. Jung und idealistisch träumt Christa T. nach dem Krieg vom Aufbau einer besseren Gesellschaft. Schon bald stellt sie enttäuscht fest, dass unter den Tatmenschen und Opportunisten des Arbeiter- und Bauernstaates kein Platz für sie ist. Die Individualistin kann sich nicht anpassen, zieht sich ins Private zurück und scheitert schließlich auch an übersteigerten Ansprüchen an sich selbst. Der Roman wurde im Westen gefeiert, während er im Osten zunächst nur in kleiner Auflage erschien. Womöglich haben beide Seiten mit ihrem Scheuklappendenken Christa T. Unrecht getan. Denn Wolfs Roman über das Leben in den Anfangsjahren der DDR ist von Zweifeln und vorsichtigen Deutungsversuchen durchsetzt. Jedes Fragezeichen fordert den Leser auf, eigene Antworten zu finden: Was ist ein erfülltes Leben? Lässt sich das Streben nach persönlichem Glück mit gesellschaftlichem Engagement vereinbaren? Wie in den meisten Werken von Wolf geht es auch in diesem um Ideologie und Alltag in der DDR, doch hier steht erstmals der Mensch im Mittelpunkt.
Über die Autorin
Christa Wolf wird am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe geboren. Nach der Vertreibung im Jahr 1945 lässt sich ihre Familie in Mecklenburg-Vorpommern nieder. Wolf arbeitet zunächst als Schreibkraft und macht 1949 ihr Abitur. Im selben Jahr tritt sie der Sozialistischen Einheitspartei (SED) bei. Während des Germanistikstudiums lernt sie ihren späteren Mann, den Schriftsteller Gerhard Wolf kennen. Nach dem Studium arbeitet Christa Wolf zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Deutschen Schriftstellerverband, dann als Verlagslektorin und als Redakteurin einer Literaturzeitschrift. Ab 1962 ist sie freie Schriftstellerin. Ein Jahr darauf erscheint die Erzählung Der geteilte Himmel, eine Auseinandersetzung mit dem Mauerbau und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen in beiden Teilen Deutschlands. Christa Wolf gilt als Vorzeigeintellektuelle der jungen DDR, doch schon bald gerät sie wegen ihres eigenen, subjektiven Stils und kontroverser Themen in Konflikt mit dem Machtapparat. Ihr zweiter Roman Nachdenken über Christa T. (1968) erscheint zunächst nur in kleiner Auflage. 1976 unterstützt die Autorin den Protest gegen die Zwangsausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Bei aller Kritik an der Realität bleibt sie der Idee des Sozialismus dennoch treu. Als so genannte „loyale Dissidentin“ darf sie reisen, hält Vorträge im Ausland und wird zunehmend als gesamtdeutsche Schriftstellerin anerkannt. 1980 erhält sie den renommierten westdeutschen Georg-Büchner-Preis. 1983 erscheint ihre Erfolgserzählung Kassandra. Nach dem Fall der Mauer setzt Wolf sich für den „dritten Weg“ einer reformierten DDR und gegen die Wiedervereinigung ein. 1993 gibt sie zu, zwischen 1959 und 1962 als inoffizielle Mitarbeiterin (IM) für die Stasi gearbeitet zu haben, weist aber auch darauf hin, dass sie ab 1969 permanent von der Spitzelbehörde überwacht wurde. In den 90er Jahren diffamieren westliche Kritiker die einst gefeierte Schriftstellerin als „Staatsdichterin der DDR“. Christa Wolf lebt und schreibt in Berlin und Mecklenburg.

