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Die nachindustrielle Gesellschaft

von Daniel Bell

Campus, 1984

Kategorie: Geschichte & Politik

Die nachindustrielle Gesellschaft

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Warum Sie Die nachindustrielle Gesellschaft lesen sollten

Abschied von der Industriegesellschaft
Die westlichen Industriegesellschaften – das ist nach wie vor eine gängige Bezeichnung für Westeuropa, USA/Kanada und auch Japan, deren Wirtschaftskraft und politische Stabilität sich ähneln. Doch der Blick auf die Veränderungen in den ehemals sozialistischen Staaten Osteuropas oder in den Tigerstaaten Südostasiens macht klar, dass die Sonderstellung des Westens hinfällig wird. Eine noch größere Veränderung vollzieht sich in den Industrienationen selbst: Die klassischen Industrien bieten immer weniger Arbeitsplätze, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt und ihre gesellschaftliche Bedeutung sinken. Im Aufwind sind stattdessen der Dienstleistungssektor, der Wissenschafts- und Bildungsbetrieb. Theoretisches Wissen, intellektuelle und kommunikative Fähigkeiten werden zur wichtigsten Ressource – mit dramatischen Folgen für die Lebensumstände und das Selbstverständnis jener Schichten, die die Industriegesellschaft getragen haben. Was heute als Analyse wenig überrascht, war 1973 noch eine kühne Voraussage. Doch dem amerikanischen Soziologen Daniel Bell reichte das, was er damals in den USA bereits erkennen konnte, als Material für seine Untersuchung, die durch ihre Präzision verblüfft: Bell prophezeite das Aufkommen der nachindustriellen Gesellschaft „in den nächsten dreißig bis fünfzig Jahren“ – genau da also, wo wir heute sind.

Über den Autor

Daniel Bell wird am 10. Mai 1919 als Daniel Bolotsky in New York als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer geboren. Er wird religiös erzogen und spricht Jiddisch als Muttersprache. „Daniel Bell kam mit einem soziologischen Blick auf die Welt“, wird später sein Freund, Kollege und Mitstreiter Wolf Lepenies über ihn sagen. Schon als Jugendlicher bekommt Bell Zugang zu linksintellektuellen Kreisen von Kommunisten, Trotzkisten und Anarchisten. 1932 tritt er der Young People’s Socialist League bei, später der League for Industrial Democracy und als Student dem sozialistischen Lesezirkel Alcove No. 1, in dem er vielen später bekannten Soziologen begegnet, u. a. dem neokonservativen Vordenker Irving Kristol. Nach dem Besuch des City College of New York studiert er ein Jahr an der Graduate School der Columbia University. Ab 1940 arbeitet er als Journalist, zunächst als Autor und dann als geschäftsführender Redakteur für die Zeitschriften The New Leader und Common Sense. 1945 geht er nach Chicago, wo er sowohl als Journalist als auch als Dozent für Soziologie tätig ist; nebenbei forscht und lehrt er am Center for Advanced Study in the Behavioural Sciences in Palo Alto, Kalifornien. Ab 1952 ist er wieder in New York, als Dozent und Doktorand der Soziologie. 1960 erscheint sein Buch The End of Ideology (Das Ende der Ideologie), das je nach persönlicher Einstellung sehr unterschiedlich aufgenommen wird: Die einen sehen darin einen Abgesang auf den Kapitalismus, die anderen auf sozialistische Ideen. Im selben Jahr heiratet er Pearl Kazin; es ist bereits seine dritte Ehe. Nachdem er 1959 zum Associate Professor ernannt worden ist, steigt er 1962 zum Professor auf und doziert ab 1969 an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, wo er bis zu seiner Emeritierung 1990 lehrt und forscht und seine immer zahlreicheren Nebentätigkeiten und Ehrenämter ausübt. Er lebt mit seiner Frau in Cambridge.

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