Zusammenfassung von Amphitruo

Suchen Sie das Buch?
Wir haben die Zusammenfassung! Erfassen Sie die Kernaussagen in nur 10 Minuten.

Amphitruo Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Komödie
  • Römische Antike

Worum es geht

Ein Beischlaf als göttliches Schelmenstück

Der höchste Gott Juppiter erschleicht sich eine Liebesnacht mit einer verheirateten Frau, indem er die Gestalt ihres Mannes annimmt – ein starkes Stück. Ein derart starkes Stück ist Plautus’ Amphitruo, dass es so häufig bearbeitet wurde wie kein anderes Drama der Antike. Dabei hat auch der Römer Plautus die pikanten Geschehnisse nicht selbst erfunden, sondern nach griechischen Vorlagen gestaltet. Seine Tragikomödie gibt also nicht nur Zeugnis davon, wie menschlich und freizügig man sich die Götter gerne ausmalte, sondern auch davon, welche Faszination die antike griechische Kultur auf die römische ausübte, obwohl sich das Römische Reich just zu jener Zeit alle griechischen Reiche einverleibte. Nach allen Regeln der Verwechslungskomödie werden die komischen Momente ausgeschöpft. Deutlich werden aber auch die tragischen Züge, die das Spiel der Götter mit den Menschen hat: Amphitruo verliert sämtliche Gewissheiten und wird darüber fast wahnsinnig. Der Zuschauer allerdings gerät nicht allzu sehr ins Mitleiden. Er ist in der komfortablen Situation, alles zu durchschauen, und ihm wird wiederholt versichert, dass die Geschichte durch göttliches Eingreifen gut ausgehen werde. So ist es dann auch. Trotzdem kann man sich fragen: Ende gut, alles gut?

Take-aways

  • Plautus’ Amphitruo ist die einzige erhaltene Mythenkomödie der Antike.
  • Inhalt: Gott Juppiter begehrt Alcumena und nimmt die Gestalt ihres Gatten Amphitruo an, um eine Nacht mit ihr zu verbringen. Ihr Mann kehrt am nächsten Tag aus dem Krieg zurück, und das Ehepaar gerät in Streit über die beiden Versionen der vergangenen Nacht. Am Ende klärt Juppiter Amphitruo auf, und Alcumena gebiert Zwillinge.
  • Amphitruo ist das am häufigsten bearbeitete Theaterstück der Antike. Berühmte Versionen gibt es etwa von Molière, Kleist und Giraudoux.
  • Der Römer Plautus schrieb das Stück um 190 v. Chr. und variierte damit eine (nicht erhalten gebliebene) griechische Vorlage.
  • Der Stoff war zuerst mehrfach als Tragödie, dann als Komödie gestaltet worden. Plautus wählte die Mischform der Tragikomödie.
  • Ihre Liebesabenteuer sollten den Göttern menschliche Züge verleihen.
  • Die Menschen erscheinen nur als Spielzeuge in der Hand der Götter.
  • Das Stück lebt stark von der Situationskomik einer Verwechslungskomödie.
  • • Amphitruo ist jedoch ein tragischer Held: Er verliert alle Gewissheiten und lädt schuldlos Schuld auf sich, indem er seine Frau des Ehebruchs bezichtigt.
  • Zitat: „Vielleicht ist hier / noch ein Amphitruo, der, wenn du verreist bist, deine Sachen treibt, / und wenn du verreist bist, auch in allem – deine Pflicht erfüllt.“
 

Über den Autor

Über das Leben des Plautus weiß man nicht allzu viel. Ungewiss ist auch, ob die abenteuerlichen Informationen aus den antiken Biografien immer glaubwürdig sind. Plautus, mit vollem Namen Titus Maccius Plautus, wird ca. 254 v. Chr. in dem Bergdorf Sarsina in der Romagna geboren. Der dörflichen Enge will er früh entkommen; so schließt er sich einer der fahrenden Theatertruppen an. Bald gelangt er nach Rom, wo er möglicherweise Soldat wird, dann Kaufmann. Als er durch einen Schiffbruch sein ganzes Vermögen verliert, schlägt er sich als Wanderarbeiter in Mühlen durch. Sowohl der Schiffbruch als auch die Arbeit in der Mühle sind aber auch Themen in Plautus’ Komödien; darum ist nicht klar, ob diese biografischen Informationen zuverlässig sind. Recht spät fängt er an, Theaterstücke zu schreiben, nämlich mit über 40 Jahren. Bereits seine ersten Komödien sind erfolgreich, sodass er sich bald ganz dem Schreiben widmen kann. Im ersten Jahrhundert n. Chr. werden ihm 130 Komödien zugeschrieben, doch davon gelten nur 21 als unbestritten echt. Dazu zählen Menaechmi, Miles Gloriosus und Amphitruo. Seine Stücke zeigen den Einfluss griechischer Autoren, auch wenn er die Konstellationen in seinen Plots römischen Verhältnissen anpasst und auf aktuelle Ereignisse Bezug nimmt. Im Mittelpunkt steht immer die burleske, manchmal derbe Komik. In der Aufführung sind die Komödien keine reinen Sprechstücke: Mit ihren eingefügten Liedern und Instrumentalbegleitungen gleichen sie wohl der komischen Oper oder dem Musical. Plautus wird mindestens 70 Jahre alt, er stirbt um 184 v. Chr.

 

Zusammenfassung

Ein Gott nimmt sich, was ihm gefällt

Es ist Nacht in Theben. Gott Mercur, zuständig für das Botenwesen und alles Finanzielle und Sohn des höchsten Gottes Juppiter, hält Wache vor dem Haus des Feldherrn Amphitruo. Er wirbt um die Gunst des Publikums für das folgende Stück. Dieses sei eine Tragikomödie und damit eine Mischung aus Tragödie und Komödie – was schon allein deshalb nötig sei, weil sowohl Götter als auch Sklaven auftreten würden. Er erzählt, was bisher geschah: Kurz bevor Amphitruo in den Krieg mit den Teloboern zog, wurde seine Frau Alcumena schwanger. In Abwesenheit des Gatten hat Juppiter, der in Alcumena verliebt ist, Amphitruos Gestalt angenommen, um eine Liebesnacht mit dessen Frau verbringen zu können. Die ist gerade in vollem Gange, während Mercur, seinerseits in Gestalt von Amphitruos Sklave Sosia, vor dem Haus wacht, um eventuelle Störungen von Juppiter fernzuhalten. Juppiter hat sogar die Nacht verlängert, um mehr Zeit mit dem Objekt seiner Begierde zu haben.

Sosia wird genarrt

In derselben Nacht kehrt Amphitruo siegreich von seinem Feldzug zurück, das Schiff liegt schon im Hafen. Sosia erreicht das Haus zunächst allein, von Amphitruo geschickt, um Alcumena von den Heldentaten seines Herrn zu erzählen. Er ist müde und hat Angst, so allein in dieser Nacht, die ihm auffällig lang vorkommt. Auch im zurückliegenden Kampf war er nicht der Mutigste, er floh auf dem Höhepunkt der Schlacht. In seinem Bericht für Alcumena will er allerdings den Augenzeugen geben; er studiert seine Worte zunächst für sich vor der Haustür ein: Alle außer ihm selbst waren vorbildlich tapfer, allen voran Amphitruo, der den feindlichen König selbst erschlug. Am nächsten Tag ergab sich die ganze Stadt samt ihren Fürsten, und Amphitruo erhielt von ihnen den goldenen Kelch des Königs als Anerkennung seiner Tapferkeit. Mercur, der alles mit angehört hat, bestätigt Sosias Bericht im Stillen.

„Ihr müsst das wollen, was wir möchten: Ich / und Zeus, wir taten was für euren Staat!“ (Mercur zum Publikum, S. 11)

Als Sosia die Gestalt vor seiner Haustür erblickt, hat er sogleich noch mehr Angst. Das kommt Mercur zupass: Er droht Sosia Prügel an und schlägt dann auch wirklich zu. Als Sosia sich dennoch nicht vom Haus seines Herrn vertreiben lässt, behauptet Mercur, er selbst sei Sosia. Es gelingt ihm, den Sklaven im Hinblick auf dessen Identität zu verunsichern, zumal er Details aus der zurückliegenden Schlacht kennt – und sogar weiß, was sonst keiner wissen kann, nämlich dass Sosia sich während der Schlacht aus Angst in ein Zelt zurückgezogen hat, um sich zu betrinken. Jetzt erkennt Sosia auch die optische Ähnlichkeit zwischen sich selbst und dem anderen: Er gleicht ihm bis aufs Haar. Schließlich gelingt es Mercur, Sosia mit diesem Verwirrspiel zu vertreiben. Der Sklave kehrt zurück zum Hafen, um seinen Herrn zu holen und ihm von den ungeheuerlichen Begebenheiten zu erzählen.

„Wie, eure Stirn gerunzelt, weil es hieß: / ,Tragödie‘? Ich bin Gott, ich ändre es gleich: / Dies Stück lass ich nach Wunsch mit gleichem Text / Komödie werden aus Tragödie! (...) Ich mische sie euch als ... Tragikomödie!“ (Mercur zum Publikum, S. 11)

Mercur ist zufrieden damit, wie er alle an der Nase herumführen kann, um seinen Vater abzuschirmen; im Haus zweifelt das übrige Personal nicht daran, dass er Sosia ist. Und er kündigt den weiteren Fortgang der Geschichte an: Der heimgekehrte Amphitruo wird mit Alcumena Streit bekommen und sie des Ehebruchs beschuldigen. Am Ende aber wird Juppiter die beiden wieder versöhnen, und Alcumena wird am gleichen Tag noch Zwillinge gebären, von denen der eine Juppiters, der andere Amphitruos Sohn sein wird.

Abschied unter Liebenden

In der Gestalt Amphitruos nimmt Juppiter vor dem Haus zärtlich Abschied von Alcumena – sie versichern einander ihre leidenschaftliche Liebe. Alcumena ist sehr traurig, dass ihr Mann sie schon wieder verlässt. Juppiter schenkt ihr als Zeichen seiner Liebe den goldenen Kelch, das Beweisstück für Amphitruos Triumph aus der vorangegangenen Schlacht. Dann verfügt Juppiter, dass es wieder Tag wird – ein entsprechend kürzerer Tag allerdings, damit die Gesamtbilanz stimmt.

Amphitruo wird verunsichert

Amphitruo, der seinen Sklaven andauernd beschimpft, weil der behauptet, in seinem Haus sei noch ein Sosia, kehrt mit ihm dorthin zurück. Er hält Sosia zuerst für verrückt, dann für betrunken, schließlich will er glauben, Sosia habe alles nur geträumt. Als dieser auf der merkwürdigen Geschichte seiner Verdopplung beharrt, beschließt Amphitruo, der Sache nachzugehen.

„Mein Vater schläft jetzt hier mit ihr im Haus. / Aus diesem Grund hat er die Nacht gedehnt, / solang er Lust mit seinem Schatz genießt. / Doch täuscht er die Gestalt Amphitruos vor!“ (Mercur, S. 15)

Er trifft Alcumena vor seinem Haus, während sie gerade ihr Schicksal beklagt, dass ihr Gatte so oft fern von ihr sei und sie auch eben nur so kurz besucht habe: Das Leben bringe doch insgesamt mehr Leid als Lust. Tapfer ringt sie sich dazu durch, Amphitruos Ruhm und ihre eigene Tugend als Ersatz für seine Anwesenheit zu akzeptieren, da steht ihr Mann plötzlich wieder vor ihr. Er begrüßt sie und macht ihr ein Kompliment für ihr schwangeres Aussehen. Alcumena findet es befremdlich, wie nach langer Abwesenheit begrüßt zu werden, und so geraten die beiden nach und nach in Streit: Alcumena behauptet, ihr Mann sei eben noch dagewesen, und Amphitruo, er kehre eben erst vom Krieg heim. Er bezeichnet seine Frau als verrückt, aber dann machen ihn die Details stutzig. Alcumena hat von Juppiter die Schlacht geschildert bekommen, sie weiß schon, dass Amphitruo den feindlichen König erschlagen hat. Zum Beweis lässt sie schließlich den goldenen Kelch holen, den sie geschenkt bekommen hat. Amphitruo lässt aus seinem Gepäck die Kiste holen, in der er den Kelch aufbewahrt hat – und sie ist leer.

Der Verdacht des Ehebruchs

Nun lässt Amphitruo sich von Alcumena den ganzen Hergang seines angeblichen Besuchs erzählen – und ist tief getroffen, als er erfährt, dass ein anderer das Bett mit seiner Frau geteilt hat. Er sieht Alcumenas Ehre von irgendeinem „Verwechslungskünstler“ befleckt. Alcumena schwört, außer ihrem Mann habe kein Sterblicher ihren Körper berührt. Amphitruo ist nun langsam auch im Glauben an seine Identität erschüttert; alles, was sicher schien, schwindet dahin. Er will zum Hafen zurückkehren, um einen Zeugen für seine nächtliche Abwesenheit zu holen, einen Verwandten Alcumenas, der mit ihm auf dem Schiff war. Für den Fall, dass er Alcumena widerlegen kann, schlägt Amphitruo die Scheidung als Strafe für sie vor. Alcumena, stolz und sich keiner Schuld bewusst, willigt ein. Als sie allein ist, beschließt sie, ihren Mann auf jeden Fall zu verlassen, sollte er seine Anschuldigungen nicht zurücknehmen.

Juppiter will mehr

Juppiter, erneut in der Gestalt Amphitruos, kommt wieder zum Haus und kündigt an, der unschuldigen Alcumena zu gegebener Zeit beizustehen; auch werde er dafür sorgen, dass sie völlig schmerzfrei die Zwillingssöhne gebären werde.

„Dass ich’s bin, dass ich die Wahrheit sage, schwöre ich bei Zeus. – Aber dass dir Zeus nicht glaubt, das schwöre ich dir – bei Mercur!“ (Sosia und Mercur, S. 43 f.)

Als er sich Alcumena erneut nähert, hat er Mühe, sie zu besänftigen. Er entschuldigt sich bei ihr für die harten Worte des echten Amphitruo und behauptet, alles nur im Scherz gesagt zu haben. Alcumena verzeiht ihm schließlich, und Juppiter will erneut mit ihr schlafen – dafür ruft er noch einmal Mercur herbei, der die Aufgabe hat, in Gestalt Sosias den zurückkommenden Amphitruo vom Haus fernzuhalten.

Amphitruo wird gedemütigt

In der Gestalt Sosias setzt sich Mercur aufs Dach und spielt den Betrunkenen, als Amphitruo erschöpft und verwirrt zu seinem Haus zurückkehrt. Vergeblich hat er Alcumenas Verwandten Naucrates überall gesucht, und jetzt findet er auch noch seine eigene Tür verschlossen. Mercur auf dem Dach verweigert ihm den Einlass und behandelt ihn wie einen Fremden – denn im Haus sei ja bereits Amphitruo, sein Herr, und dürfe nicht gestört werden. Mercur provoziert Amphitruo mit frechen Sprüchen und droht ihm sogar Prügel an. Der zunehmend fassungslose Amphitruo versucht es seinerseits mit Drohungen, dann mit Schmeichelei – vergebens. Als Mercur ihm auch noch einen Eimer Wasser über den Kopf gießt, zieht Amphitruo endlich wutentbrannt ab: Er will Hilfe holen, Freunde und Soldaten, die seine Identität bezeugen und die Tür sprengen können.

„Bei dem Reich des Himmelskönigs und bei Juno schwöre ich, / (...) dass den Leib mir mit dem Leibe außer dir kein Sterblicher / hat berührt, um mir die Ehre zu beflecken.“ (Alcumena zu Amphitruo, S. 81)

Als Amphitruo mit Verstärkung zurückkehrt, befindet sich Alcumena vor dem Haus, noch ganz beglückt von der Wandlung ihres Mannes – um dann sogleich wieder seine Rückverwandlung zu erleben. Amphitruo rast vor Wut, zumal Alcumena behauptet, er sei doch gerade eben mit ihr im Haus gewesen. Amphitruo will die Scheidung, und auch Alcumena will ihn sofort verlassen.

Ein Schiedsrichter?

Blepharo, der Kapitän des Schiffs, kommt herbei. Juppiter hat ihn von Sosia zum Festessen einladen lassen. Davon weiß natürlich Amphitruo nichts. Als Sosia kommt und er ihn für die Ungeheuerlichkeiten von vorhin bestrafen will, vermutet dieser sogleich, dass es sich um seinen Doppelgänger gehandelt haben muss.

„Er liebt – wie klug! Er hat schon Recht, zu tun, was er am liebsten mag. / Das sollten alle Menschen tun, vorausgesetzt man wahrt das Maß.“ (Mercur über Juppiter, S. 95)

Nun klopft Amphitruo an seine Tür und Juppiter tritt heraus – der echte Amphitruo ist starr vor Schreck, und auch Blepharo kann das Wunder dieser perfekten Ähnlichkeit kaum fassen. Juppiter behandelt Amphitruo wie irgendeinen Soldaten und will ihn wegschicken: Einfache Soldaten habe er zu seinem Festmahl nicht geladen. Amphitruo beschuldigt seinen Doppelgänger der Unzucht mit seiner Frau und weist die Thebaner an, auf ihn loszugehen. Aber sie halten inne, denn alle sind verunsichert, wer nun der echte Amphitruo ist. Sosia läuft weg, weil er denkt, in dieser Situation sowieso nur Prügel beziehen zu können. Juppiter fordert Blepharo auf, zu entscheiden, welche der beiden zwillingsgleichen Gestalten tatsächlich Amphitruo sei. Blepharo versucht durch hartnäckiges Nachfragen die Antwort zu finden, aber vergeblich: Beide heißen Amphitruo, beide wohnen in diesem Haus, beide sagen, ihre Gattin sei Alcumena. Auch da, wo sie sich widersprechen, lässt sich die Wahrheit nicht zuordnen: Der eine hat Sosia zum Haus geschickt, der andere schickte ihn zum Hafen, um Blepharo zu holen. Der eine wirft seiner Frau Ehebruch vor, der andere hat sich mit ihr versöhnt – beide könnten Amphitruo sein. Da gibt auch Blepharo auf und sucht das Weite.

„Ist in Theben noch ein Mensch so elend? Was soll ich jetzt tun? / Kein Mensch kennt mich, jeder spottet über mich, wie’s ihm gefällt.“ (Amphitruo, S. 123)

Juppiter selbst spricht aus, dass jetzt nur noch ein Gott helfen könne. Dann geht er ins Haus, weil Alcumena, wie er sagt, in den Wehen liege. Amphitruo, verzweifelt, von allen verlassen und nunmehr öffentlich gedemütigt, beschließt, blind vor Wut und Ohnmacht, seine Tür einzurennen und jeden umzubringen, dem er begegnet.

Gott aus der Maschine

Da ertönt Donner aus dem Haus, und Amphitruo stürzt betäubt und geblendet zu Boden. Als er wieder zu sich kommt, berichtet ihm Bromia, die Sklavin seiner Frau, dass Alcumena in ihren Wehen die Götter angerufen habe, und unter lautem Getöse und Strahlen habe Juppiter selbst geantwortet, er werde ihr helfen. Im nächsten Moment, ohne dass jemand mitbekam, wie, habe Alcumena zwei Söhne zur Welt gebracht. Als Bromia die Zwillinge badete, bemerkte sie, dass einer der Jungen ungewöhnlich groß und stark war, so stark, dass niemand ihm Windeln anlegen konnte. Er sprang kurz darauf aus der Wiege, um zwei Schlangen zu töten, die sich den Kindern in mörderischer Absicht genähert hatten. Dann ertönte wieder Juppiters Stimme und verkündete, dass er heimlich mit Alcumena geschlafen habe; das Schlangen tötende Baby sei sein Kind, das andere jenes von Amphitruo.

„Ich will nicht unzufrieden sein, / wenn es mir vergönnt ist, dass der höchste Gott mein Partner ist.“ (Amphitruo, S. 131)

Amphitruo ist sofort versöhnt mit seinem Schicksal und fühlt sich geehrt, den höchsten Gott als Nebenbuhler gehabt zu haben. Dann donnert es abermals gewaltig, und Juppiter ruft Amphitruo direkt an: Er erklärt, dass er Alcumena auf Zeit geliebt habe und dass ein Sohn daraus hervorgegangen sei, den anderen Sohn habe Amphitruo gezeugt, kurz bevor er in den Krieg gezogen sei. Er fordert ihn auf, wieder in Frieden mit Alcumena zu leben, denn sie treffe keine Schuld. Amphitruo eilt ins Haus.

Zum Text

Aufbau und Stil

Plautus’Amphitruo, im Original auf Lateinisch, ist in Versen verfasst, von denen nur ein kleiner Teil gesprochen wurde – einige wurden gesungen und die meisten zur Tibia (der Oboe ähnlich) rezitiert. Um die Mischgattung Tragikomödie handelt es sich, wie Mercur im Prolog ausführt, schon allein deshalb, weil sowohl Götter als auch Sklaven auftreten. Plautus vereint tatsächlich die unterschiedlichen Tonlagen dieser beiden Gattungen, er gestaltet sowohl derbe Komik als auch ergreifende Tragik. Die Handlung wird gleich am Anfang zusammengefasst und mehrmals wird der Ausgang vorweggenommen; dem Götterboten Mercur kommt dabei eine Erzählerfunktion zu. Der Handlungsaufbau enthält einige logische Widersprüche: So soll Alcumena von Juppiter schon im siebten Monat schwanger sein, andererseits nähert er sich ihr in der fraglichen Nacht zum ersten Mal. Zudem mutet es seltsam an, dass Jupiter sie kurz vor ihrer Entbindung noch ein zweites Mal als unersättlicher Liebhaber besucht. Der Witz des Stücks beruht auf der Situationskomik der Verwechslungskomödie, auf dem Verdrehen von Wörtern, dem Wörtlichnehmen von Sprachbildern und auf dem ahnungslosen Anrufen der Götter, die den Menschen doch gleichzeitig unerkannt gegenüberstehen.

Interpretationsansätze

  • Die Menschen sind in diesem Drama bloße Spielbälle in den Händen der Götter. Diese haben nur einen Antrieb: die eigene Lust. In den antiken Mythen verleihen Liebesabenteuer den erhabenen Göttern einen menschlichen Zug. Je menschlicher man sich die Götter ausmalte, desto wichtiger wurde eine gewisse Heiterkeit in diesen Liebesgeschichten. Doch sind die Götter bei allem Spaß an der Verwechslungskomik von überlegener Heiterkeit, während die ahnungslos irrenden Menschen sich immer mehr in ihrer Verunsicherung verlieren.
  • Die tragischen Züge sind nicht zu übersehen: Die komischen Verwechslungen und Verwirrungen steuern stets auf eine Situation zu, in der ein Mensch an den Rand der Katastrophe gerät, ohne zu verstehen, warum.
  • Amphitruo ist der tragische Held des Stücks: Anfangs strahlender Sieger, wird er Schritt für Schritt aus seinen gesicherten Bahnen geworfen. Bei seinen Versuchen, die Wahrheit zu ergründen, wird er gedemütigt und steht am Ende ganz allein da, dem Wahnsinn nahe.
  • Alcumena ist die tragische Heldin, sie bleibt aber durchweg hoheitsvoll und lässt sich in ihrer Version der Wahrheit nicht beirren. Sie erfährt bis zum Schluss nichts von dem Doppelspiel: Der Enthüllung bleibt sie durch ihre wundersame Entbindung fern.
  • Der Sklave Sosia muss durch Gewalt lernen, dass er der Wahrheit keine Geltung verschaffen kann, ja dass nicht einmal die Identität des Menschen sicher ist. Trotzdem passt er sich mit Galgenhumor der neuen Situation an, in der sich scheinbar alles verdoppelt hat – damit wird er den wirklichen Zusammenhängen am besten gerecht. Bei aller Komik seiner Rolle: In der Gehirnwäsche, der Sosia durch Mercur unterzogen wird, haben einige Interpreten die Verhörpraktiken totalitärer Staaten vorweggenommen gesehen.

Historischer Hintergrund

Griechenland wird römisch – und Rom griechisch

Die römische Republik dehnte ihren Machtbereich im dritten und zweiten Jahrhundert v. Chr. erheblich aus. Entscheidend für die Vormachtstellung Roms im westlichen Mittelmeerraum wurden die Punischen Kriege gegen die Großmacht Karthago. Im Ersten Punischen Krieg (264–241 v. Chr.) eroberte Rom vor allem Sizilien; im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) brachte Karthago unter Hannibal den Römern zwar empfindliche Niederlagen bei, aber dann besiegte der römische Feldherr Scipio Hannibal in Afrika, und Rom bekam Spanien.

Ab 200 v. Chr. fing Rom auch an, sich in die Machtkämpfe der hellenistischen Mächte einzumischen, denn die Griechen hatten keinen einheitlichen Staat, sondern mehrere konkurrierende Reiche. Im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg (200–197 v. Chr.) schlug Rom Makedonien vernichtend und 168 v. Chr. noch einmal. 192–188 v. Chr. kam es außerdem zum Römisch-Syrischen Krieg; die Römer kämpften hier gegen das hellenistische Seleukidenreich unter Antiochos III. – mehrere kleinasiatische Staaten hatten Rom um Hilfe gebeten. Rom siegte auch hier und eroberte weite Teile Kleinasiens. Griechenland wurde 146 v. Chr. römische Provinz, die griechische Kultur lebte im Römischen Reich jedoch weiter, ja sie wurde prägend für die römische Zivilisation. Das römische Publikum war fasziniert von griechischen Götterfesten und Leichenfestspielen, von griechischen Autoren und der griechischen Lebenskunst, die keine allzu strengen Moralvorstellungen kannte.

Entstehung

Die Amphitryon-Sage ist ein alter griechischer Mythos. Dort heißt Juppiter Zeus, Alcumena ist Alkmene, und der Sohn, den sie von Zeus empfängt, ist Herakles. In der Ursprungsversion verbringt Zeus die erste Nacht mit Alkmene, Amphitryon wohnt ihr in der darauffolgenden Nacht zum ersten Mal bei: Zuvor hat Alkmene einen Sieg über die Teloboer zur Bedingung für die eheliche Vereinigung gemacht. Damit will sie ihren Vater rächen, der von Amphitryon versehentlich getötet wurde.

Der Stoff wurde in der antiken griechischen Dichtung immer wieder gestaltet, zuerst ausschließlich als Tragödie, etwa von Aischylos, Sophokles und Euripides. Dann fand er Eingang in die Gattung der Komödie, vielleicht über Parodien einiger dieser Tragödien. Eine solche griechische Amphitryon-Komödie (keine einzige ist erhalten) war Plautus’ Vorlage. Wann genau er seinen Amphitruo schrieb, ist nicht bekannt. Man hat versucht, Sosias Schlachtenbeschreibung auf aktuelle römische Ereignisse zu beziehen, um Anhaltspunkte zu gewinnen. Vor allem aber verweist der Stil der Komödie auf Plautus’ mittlere Schaffensphase, und das sind die 190er Jahre v. Chr.

In dem spätantiken Exemplar des Amphitruo, das der Textüberlieferung zugrunde lag, gab es eine Lücke: mehrere Blätter fehlten. Einige Fragmente aus dieser Lücke sind jedoch an anderer Stelle überliefert, und zusammen mit den zahlreichen Vorausdeutungen im Stück lässt sich das Fehlende grob rekonstruieren. Die meisten Übersetzer nahmen selbst eine Ausgestaltung dieser Lücke vor, so auch Jürgen Blänsdorf, der Übersetzer der vorliegenden Ausgabe.

Wirkungsgeschichte

Plautus’ Amphitruo ist die einzige erhaltene Mythenkomödie aus der Antike. Sie wird zwar heute fast nie aufgeführt, hat aber so viele neue Theaterbearbeitungen herausgefordert wie kaum ein anderes antikes Stück – Jean GiraudouxAmphitryon 38 von 1929 bildete diese Tatsache schon im Titel ab. Zu der anhaltenden Faszination trug wohl maßgeblich der Zwittercharakter des Stücks als Tragikomödie bei.

Im Mittelalter geriet das Stück als einziges von Plautus nicht in Vergessenheit. Aus dem zwölften Jahrhundert stammt die Elegie-Komödie Amphitryon sive Geta des Vitalis von Blois. Eine ganze Reihe von Variationen des Stoffs entstand in der Renaissance in Spanien und Italien; in dieser Zeit wurde Plautus’ Stück öffentlich aufgeführt. Ein Meilenstein für alle späteren Bearbeitungen wurde der Amphitryon von Molière (1668) – darin werden Plautus’ dramaturgische Ungereimtheiten beseitigt, und auch die Zwillingsgeburt am Ende fällt weg, wodurch der Akzent noch mehr auf die Liebes- und Intrigenkomödie gelegt wird. Heinrich von Kleists Amphitryon von 1807 verlieh auch Zeus tragische Züge: Alkmene muss sich zwischen Gott und Mensch entscheiden. Bei Jean Giraudoux scheitert Zeus vollends an Alkmene – der Gott kommt nicht zum Zug, weil Götter- und Menschenwelt nicht vereinbar sind. Neben diesen und weiteren Theaterstücken gibt es auch zahlreiche Opernbearbeitungen.


Diese Zusammenfassung eines Literaturklassikers wurde von getAbstract mit Ihnen geteilt.

Wir finden, bewerten und fassen relevantes Wissen zusammen und helfen Menschen so, beruflich und privat bessere Entscheidungen zu treffen.

Für Sie: Entdecken Sie Ihr nächstes Lieblingsbuch mit getAbstract. Zu den Preisen >>
Business: Bleiben Sie auf dem Laufenden über aktuelle Trends. Erfahren Sie mehr >>
Studierende: Wir möchten #nextgenleaders unterstützen. Gratis-Studentenabo >>

Kommentar abgeben