Zusammenfassung von Atemschaukel

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Atemschaukel Buchzusammenfassung
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Klassiker

  • Roman
  • Gegenwartsliteratur

Rezension

Das Trauma des Lagerlebens

Ursprünglich hatten Herta Müller und Oskar Pastior ein gemeinsames Buch geplant. Doch dann starb Pastior 2006, und Herta Müller beschloss, den Roman allein zu schreiben. Als Grundlage für ihre Erzählung von einem jungen Rumäniendeutschen, der 1945 nach Russland deportiert und dort interniert wird, dienten ihr Pastiors Aufzeichnungen aus seiner Zeit in einem sowjetischen Arbeitslager. Auch Herta Müllers Mutter war, wie Zehntausende Rumäniendeutsche, am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Russland verschleppt worden, worüber in der Familie allerdings nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde. In einer ästhetisierenden Sprache, die die gewohnte Wahrnehmung aufbricht, schildert Herta Müller anschaulich den allgegenwärtigen Hunger, die Entbehrungen und Schikanen durch Lageraufseher. Ihr Roman Atemschaukel, für den sie 2009 den Literaturnobelpreis erhielt, führt vor Augen, wie Menschen im Lager ihrer Würde und Werte beraubt werden und moralisch verwahrlosen. Auf poetische, dabei höchst präzise Weise zeigt er zudem die traumatischen Folgen von Verschleppung und Unterdrückung.

Über die Autorin

Herta Müller wird am 17. August 1953 in Niţchidorf geboren. Ihre Eltern sind Banater Schwaben, die in Rumänien zur deutschen Minderheit zählen. Die ehemals wohlhabende Familie wird 1945 unter dem russischen Regime enteignet, die Mutter in die Sowjetunion deportiert und zu mehrjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Der Vater, ein ehemaliger SS-Soldat, arbeitet als LKW-Fahrer. Nach dem Abitur an einem deutschsprachigen Gymnasium, das Herta Müller gegen den Willen der Mutter besucht, studiert sie an der West-Universität Temeswar Germanistik und Rumänistik. Nebenbei schreibt sie auf Deutsch und nimmt an Treffen des linksgerichteten Schriftstellerzirkels „Aktionsgruppe Banat“ teil. 1976 beginnt sie, als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik zu arbeiten. Nachdem sie sich mehrfach geweigert hat, für den rumänischen Geheimdienst Securitate Spitzeldienste zu leisten, wird sie 1979 entlassen. Sie beginnt als Aushilfslehrerin an Schulen und unterrichtet privat Deutsch. Ab 1984 ist sie als freie Schriftstellerin tätig. Ihr Debütroman Niederungen (1982) und weitere Veröffentlichungen werden in Rumänien zensiert, sie selbst wird verfolgt und immer wieder verhört. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem zweiten Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, reist sie 1987 nach Deutschland aus, doch die Nachstellungen durch die Securitate enden auch hier nicht. Sie lebt in Berlin, nimmt aber immer wieder Gastprofessuren an deutschen und ausländischen Universitäten wahr. Mit ihrem Roman Herztier (1994), für den sie den Kleist-Preis und den International Impac Dublin Literary Award, einen der weltweit höchstdotierten Literaturpreise, erhält, wird Herta Müller erstmals einem breiteren Lesepublikum bekannt. Nach der Scheidung von Wagner 1990 heiratet sie in dritter Ehe Harry Merkle, mit dem sie das Drehbuch zum Film Der Fuchs – Der Jäger (1993) schreibt. 2009 erhält Müller den Literaturnobelpreis für den Roman Atemschaukel.

 

Zusammenfassung

Erinnerung wider Willen

Januar 1945 – noch herrscht Krieg. Der 17-jährige Rumäniendeutsche Leo Auberg soll aus dem rumänischen Hermannstadt in ein russisches Lager deportiert werden. Alle Verwandten haben ihm etwas mitgegeben: einen Mantel, Gamaschen, Handschuhe, einen Seidenschal, ein Necessaire. Leo hat keine Angst. Der Wegzug aus der Kleinstadt, in der er sich ständig beobachtet fühlt und wo er fürchten muss, dass seine heimlichen Rendezvous mit älteren Männern ans Tageslicht gelangen, kommt ihm sogar gelegen. Auch der Abschied von der Familie, die der nationalsozialistischen Ideologie anhängt und sich, als Siebenbürger Sachsen, der arischen Rasse zugehörig fühlt, fällt ihm nicht schwer. Er hofft, an einen Ort zu kommen, wo ihn niemand kennt. Nach rund zweiwöchiger Zugfahrt in einem Viehwaggon erreicht Leo zusammen mit anderen Deportierten – überwiegend Deutsche – das Lager irgendwo in der russischen Steppe. Hunger und Frost, Hitze und Läuse, schwere Arbeit in Fabriken oder auf Baustellen und ständige Angst vor den Schikanen der Aufseher gehören zum Alltag.

60 Jahre nach der Entlassung aus dem Lager, in dem er fünf Jahre...


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