Zusammenfassung von Aus dem Leben eines Taugenichts

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Aus dem Leben eines Taugenichts Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Novelle
  • Romantik

Worum es geht

Von einem der auszog, sein Glück zu machen

Wenn jemand den Helden seiner Erzählung nach einem Schimpfwort benennt, dann kann das nur ein Romantiker gewesen sein. Joseph von Eichendorff war einer, und seine fiktive Biographie Aus dem Leben eines Taugenichts von 1826 macht ein echtes Sonntagskind zum Titelhelden. Der Taugenichts (denn einen anderen Namen bekommt er nicht) wird wegen seiner Faulheit vom Vater vor die Tür gesetzt, durchwandert - gar nicht traurig darüber - die deutschen und österreichischen Lande und dringt bis nach Rom vor. Arbeiten tut er nur gelegentlich. Seine heimliche Liebe zu einer vermeintlichen Grafentochter verstrickt ihn in eine tolldreiste Entführungsgeschichte. Der Taugenichts ist eine naiv-märchenhafte Erzählung mit allen Zutaten, die eine romantische Geschichte ausmachen. Wie kaum eine zweite verarbeitet sie die Signalwörter der Spätromantik: "nichts als Traum, Musik, Gehenlassen, ziehender Posthornklang, Fernweh, Heimweh, Leuchtkugelfall auf nächtlichen Park, törichte Seligkeit, sodass einem die Ohren klingen und der Kopf summt vor poetischer Verzauberung und Verwirrung" (Thomas Mann). Gewürzt mit einigen der bekanntesten deutschen Volkslieder ist Eichendorffs Novelle ein Musterexemplar der Romantik.

Take-aways

  • Aus dem Leben eines Taugenichts ist einer der berühmtesten Texte der Romantik.
  • Die Erzählung ist bewusst heiter-naiv verfasst und lässt sich locker und leicht lesen.
  • Ein Müllersohn wird von seinem Vater als Taugenichts beschimpft und vom Hof gejagt.
  • Daraufhin zieht er in die Welt hinaus, um sein Glück zu machen - ein zentrales Element der märchenhaften Handlung.
  • Unterwegs nehmen ihn zwei hübsche Damen mit auf ein Schloss: In die eine verliebt er sich, traut sich aber nicht, der scheinbar Hochwohlgeborenen seine Liebe zu gestehen.
  • Der Taugenichts wird zuerst Gärtner und dann Zolleinnehmer im Schloss.
  • Als er seine Angebetete verheiratet wähnt, verlässt er den Hof in Richtung Italien.
  • Er wird in eine Entführung verwickelt und auf ein anderes Schloss gebracht, wo man ihn für eine verkleidete Dame hält, die vor ihrer Hochzeit in Sicherheit gebracht werden soll.
  • Erst nach vielen Erlebnissen in Italien kehrt der Taugenichts in die Heimat zurück.
  • Hier endlich erfährt er den ganzen Hintergrund der Entführung und kann seine Herzensdame, die glücklicherweise doch nicht adliger Herkunft ist, heiraten.
  • Eichendorffs luftig-sonnige Geschichte enthält einige seiner berühmtesten und später vertonten Gedichte, wie z. B. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen".
  • Der Taugenichts hat inzwischen eine unbestreitbare Schulbuch-Klassizität erreicht und ist Eichendorffs bekanntestes Werk.
 

Zusammenfassung

In die Welt hinaus

"Du Taugenichts!", beschimpft der Vater den Helden unserer Geschichte eines Morgens. Der junge Bursche räkelt sich mal wieder in der Sonne und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Der beginnende Frühling weht bereits wie ein Hauch über das Land. Der Vater, ein tüchtiger Müller, ist über seinen faulen Sohn dermaßen empört, dass er ihn dazu auffordert, in die Welt zu ziehen und selbst für sein tägliches Brot zu arbeiten. Der Taugenichts kann daran überhaupt nichts Schlechtes finden: Mit seiner Geige unterm Arm und einem fröhlichen Lied auf den Lippen geht er leichtfertig seiner Wege. Eine Reisekutsche mit zwei schönen Damen hält neben dem Vagabunden. Weil den beiden sein Lied gefällt und er angibt, dass er ebenfalls auf dem Weg nach Wien sei, bitten sie ihn in die Kutsche. Der Taugenichts kann sein Glück kaum fassen, zumal ihm die jüngere der Damen ausnehmend gut gefällt. Er berauscht sich an der Luft, den Lerchen, den Wäldern und blühenden Blumen - und schläft ein. Als er erwacht, ist er allein und befindet sich in der Einfahrt eines prächtigen Schlosses, von dem aus man die Türme von Wien erkennen kann. Eine Kammerzofe fragt den Taugenichts, ob er im Schloss als Gärtnerjunge arbeiten wolle. Weil ihm seine paar Groschen Reisegeld ohnehin abhanden gekommen sind, sagt er zu.

Blumen für die Dame

Seine Tätigkeit als Gärtner gefällt unserem Helden. Er ergötzt sich an der blühenden Pracht im Schlossgarten. Alles wäre so schön - wenn nur die Arbeit nicht wäre, die er als rechter Taugenichts natürlich scheut wie der Teufel das Weihwasser. Eines jedoch erweckt in ihm Hoffnung: Seine Angebetete aus der Kutsche erscheint dann und wann am Fenster, und bei jedem Anblick ihrer Schönheit geht dem Taugenichts das Herz auf. So manches Mal schleicht er in das Beet unter ihrem Fenster, um ihr ganz nahe zu sein. An einem schönen Sonntag bittet ihn die Hofgesellschaft, sie ein wenig über den See zu rudern und mit einem schönen Volkslied zu unterhalten. Der Taugenichts überwindet seine Scheu und singt ein Lied von einer hohen Dame, die so liebreizend und edel ist, dass er nicht würdig scheint, ihr auch nur eine Blume zu reichen. Seine geliebte Dame, die sich mit im Boot befindet, schlägt die Augen nieder und verlässt mit der Gesellschaft das Boot ohne einen Blick der Anerkennung oder ein freundliches Wort. Das bricht dem Taugenichts das Herz und er weint bitterlich: Seine Angebetete erscheint ihm wegen ihrer adligen Herkunft und ihrer Schönheit genauso unerreichbar wie die Dame aus dem Lied.

Beförderung und Enttäuschung

Als der greise Zolleinnehmer stirbt, bietet man dem Taugenichts dessen Stellung an, weil er sich als Gärtner gut geführt hat und - seinem Namen zum Trotz - nicht faul gewesen ist. Gern nimmt er das Angebot an und zieht in das Haus des ehemaligen Zolleinnehmers. Er legt einen Blumengarten an und bindet einen Strauß, den er für seine Angebetete auslegt. Und tatsächlich ist der Strauß verschwunden, als er wieder an die Stelle kommt. Schließlich überrascht er seine geliebte Dame: Sie trägt den Strauß bei sich. Allerdings fühlt sie sich offenbar ertappt und echauffiert sich so darüber, dass sie fortan die Blumensträuße des Taugenichts ignoriert.

Die Reise geht weiter

Doch von anderer Seite kommt ein Hoffnungsschimmer: Die Zofe erklärt dem Taugenichts, dass der Schlossherr von einer Reise heimgekehrt sei und nun einen Maskenball ausrichten wolle. Für die gnädige Frau, die als Gärtnerin erscheinen wolle, müsse nun ein Blumenstrauß her. Ohne zu wissen, dass es sich bei der "gnädigen Frau" gar nicht um seine Herzensdame handelt, bindet der Taugenichts einen seiner schönsten Sträuße. Bei der Übergabe allerdings erblickt er sie auf einem Balkon zusammen mit dem Schlossherrn. Beide werden vom Volk gefeiert, sodass unser Held denken muss, sie seien Mann und Frau. Da sinkt in ihm jede Hoffnung auf die Erfüllung seiner Liebe. Kurzum packt er seine Geige und macht sich am nächsten Morgen auf den Weg nach Italien. Doch leider kennt der Taugenichts den Weg nicht! Unter einem Baum schläft er ein: Hier träumt er von der Mühle seines Vaters und seiner Angebeteten. Im Traum verwandelt sich aber rasch die Stimmung der Umgebung, in der er sie erblickt: Die Idylle schlägt um in eine Schauerlandschaft, und der Taugenichts erwacht mit pochendem Herzen.

Entführung nach Italien

Der Taugenichts kommt in ein Dorf, wo unter den Linden ein paar Mädchen und Jungen lagern. Aus lauter Freude über die Gesellschaft greift der Reisende zu seiner Geige. Schon bald hält es niemanden mehr auf dem Stuhl und die ganze Gesellschaft tanzt zu seinen Klängen und steckt ihm sogar einige Münzen zu. Eines der Mädchen kredenzt dem Taugenichts Wein und bittet ihn, doch im Dorf sesshaft zu werden: Seine Musik sei so schön und Musikanten seien rar in dieser Gegend. Noch bevor sich der Taugenichts darüber ernsthaft Gedanken machen kann, wird er von zwei Reitern angesprochen, die ihn als Führer in das Städtchen B. gewinnen wollen. Zwar weiß der Taugenichts den Weg nicht, als er aber erfährt, dass die beiden Reiter ebenfalls nach Italien wollen, geht er, halb freiwillig, halb gezwungen mit. Bei einem gemeinsamen Picknick stellen sie sich als Maler mit Namen Leonhard und Guido vor. Eher zufällig finden sie tatsächlich den Weg nach B. Dort steht schon eine prächtige Postkutsche für die drei Reisenden bereit. Nachdem sie dem Taugenichts eine neue Montur verpasst haben, reisen sie gemeinsam gen Italien: die beiden, wie es scheint, lichtscheuen Maler in der Kutsche und der Taugenichts auf dem Kutschbock. Die vorbeiziehende herrliche Landschaft empfindet unser Held als einen einzigen Genuss. Zuweilen plaudert der Maler Guido mit ihm, was aber Leonhard offenbar nicht gern sieht.

Das einsame Schloss

In einer Gastwirtschaft ziehen sich die beiden Maler zum Briefeschreiben zurück, während der Taugenichts sich an einem üppigen Mahl gütlich tut. Vor der Haustür des Gasthofs streckt er sich anschließend aus, hört dem Gesang von Guido auf dem Balkon zu und fällt schließlich in einen tiefen Schlaf. Als er erwacht, sind seine beiden Mitreisenden nicht mehr da. Eine Magd berichtet, dass sie mitten in der Nacht eilig abgereist seien. In ihrem Zimmer findet der Taugenichts einen Sack voller Goldmünzen, die für ihn bestimmt sind. Als der Postillion ungeduldig in sein Posthorn bläst, macht sich der Taugenichts schnell auf in die Kutsche, um seine Reise allein fortzusetzen. Die Fahrt geht mit ungeheurem Tempo voran. Der Taugenichts weiß aber nicht, wohin er überhaupt reist. Der Kutscher fühlt sich in Eile und lenkt die Kutsche durch immer menschenleerere und abgeschiedenere Gegenden. Dem Taugenichts ist es, als sähe er ein buckliges Männlein auf einem Pferd wild durch die Gegend reiten. Da erreichen sie ein großes, altes Schloss auf einem Berg. Hier wird der Taugenichts mit allen Ehren empfangen. Man führt ihn in ein prächtiges Zimmer, gibt ihm ein Abendbrot und ein großes Glas Wein zum Schlafengehen.

Ein Brief von der Angebeteten

Nach einer angenehmen Nacht erwacht der Taugenichts am nächsten Morgen sehr früh. Bei einem Spaziergang im Garten greift er wieder zu seiner Fiedel, und alle Mägde und Knechte sind einigermaßen überrascht darüber, dass er sich aufs Musizieren versteht. Auch lachen sie fortwährend, wenn er nach Wein oder Tabak verlangt. Es scheint dem Taugenichts, dass niemand daran denkt, ihn wieder fortzuschicken. Doch warum? Das Schloss ist ja kein Gasthaus, sondern gehört einem reichen Grafen, über den ihm jedoch niemand Auskunft geben will. Der Taugenichts lässt es sich gut gehen, doch selbst für ihn grenzt das süße Nichtstun nach kurzer Zeit an Langeweile. Da bringt man ihm einen Brief, den der Postillion soeben für ihn abgegeben hat. Darin schreibt ihm eine gewisse Aurelie davon, dass inzwischen "alles wieder in Ordnung" sei und er doch endlich wieder zurückkehren solle, weil es ohne ihn entsetzlich öde sei. Da er nicht weiß, dass der Brief gar nicht für ihn bestimmt ist, wähnt der Taugenichts sich von seiner Angebeteten angesprochen und geliebt; er mutmaßt, dass der edle Herr neben ihr auf dem Balkon ja vielleicht gar nicht ihr Mann gewesen ist, und sinkt beglückt in den blühenden Blumengarten.

Flucht

Voller Freude lädt er die Dienerschaft zum Essen im Garten ein und spielt ihnen ein paar lustige Takte auf seiner Fiedel. Sogar ein bleicher, hagerer Student, der ebenfalls auf dem Schloss weilt, wagt ein steifes Tänzchen. Als der Taugenichts dem Knecht und der Magd jedoch davon berichtet, dass er bald das Schloss verlassen werde, erstarren ihre Gesichtszüge. In der Nacht hört der Taugenichts, wie sie sich im Treppenhaus an der Zimmertür zu schaffen machen - und ihn einschließen. Was soll das bedeuten? Im gleichen Augenblick hört er zärtliche Gitarrenklänge unter seinem Fenster. Kurz entschlossen klettert er die Ranke hinab in den Garten: Hier empfängt ihn zu seiner Verwunderung der Student mit heftigen Küssen! Er hilft dem Taugenichts, über das Schlosstor zu klettern, und beginnt danach auf Knien und in unterwürfigem Italienisch um dessen Gunst zu bitten. Spätestens jetzt ist der Taugenichts sicher, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss. Er flieht und kann wenig später beobachten, wie das gesamte Schlosspersonal sich mit Fackeln auf die Suche nach ihm macht.

In Rom

Vorbei an unheimlichen Heiden und Waldlichtungen gelangt der Taugenichts in die strahlende Stadt Rom. Aus einem Garten hört er Gitarrenklänge und Gesang - die Stimme seiner Dame! Voller Vorfreude klettert er über den Gartenzaun. Die Sängerin ist jedoch verschwunden, als er den Garten betritt. Traurig legt er sich auf einer Türschwelle zur Nachtruhe. Am nächsten Morgen begegnet er am Brunnen der Stadt einem Landsmann, noch dazu einem Maler, der ihn freundlich zum Frühstück einlädt. Das Angebot nimmt der Taugenichts gerne an. Als die Sprache auf seine ehemaligen Mitreisenden Guido und Leonhard kommt, erinnert sich der Maler daran, dass kürzlich eine deutsche Gräfin nach zwei Malern und einem Geigenspieler geforscht habe. Diese Nachricht macht den Taugenichts froh: Seine Gräfin scheint also nach ihm zu suchen. Wie verzaubert läuft er in der Stadt umher und begegnet am Nachmittag erneut dem Maler, mit dem er nach einer Nachricht von seiner Geliebten fahnden möchte. Eine Kammerjungfer steckt ihm unterwegs ein Zettelchen zu, auf dem zu lesen ist, dass sich eine junge Gräfin am Abend mit ihm treffen wolle. Doch zu seiner Enttäuschung handelt es sich dabei nur um eine korpulente Dame, die ein amouröses Abenteuer sucht. "Seine" Gräfin, so hört er, ist inzwischen längst wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Kurz entschlossen kehrt auch der Taugenichts Italien wieder den Rücken.

Happy End

Nachdem der Taugenichts auf einer Schifffahrt auf der Donau mit Prager Studenten und einem Geistlichen schon vieles über eine anstehende Hochzeit im Schloss des Grafen gehört hat, freut er sich umso mehr auf das Wiedersehen mit der alten Heimat: Insgeheim wähnt er sich als Bräutigam seiner Angebeteten. Im Schlossgarten findet er sie tatsächlich wieder. Neben ihr sitzt ein anderes Mädchen, das er nicht kennt. Zu seiner Verwunderung tritt schließlich sogar der Maler Leonhard auf ihn zu und begrüßt ihn. Endlich erfährt der Taugenichts, dass er die ganze Zeit unwissentlich eine Rolle in einer Entführungsgeschichte gespielt hat. Leonhard ist in Wahrheit ein Graf aus der Nachbarschaft, der sich in die junge Gräfin Flora verliebt hat - das Mädchen neben der Angebeteten des Taugenichts. Weil ihre Eltern aber einen anderen für sie auserwählt hatten, verkleidete er sie als Maler Guido und entführte sie nach Italien. Doch sie wurden verfolgt, so setzten sie ihren Weg nach dem Aufenthalt im Gasthof nachts alleine fort. Weil die Bediensteten eine als Mann verkleidete junge Frau erwarteten und weil der Taugenichts als Einziger in das abgelegene Schloss auf dem Berg kam, hielten sie ihn für die Dame und umhegten ihn entsprechend. Und der Brief, der ihn zur Rückkehr bewog, kam in der Tat von seiner Angebeteten: Aurelie schrieb ihn jedoch an Flora, um ihr zu signalisieren, dass man sich inzwischen ausgesöhnt habe und die Zeit für eine Rückkehr günstig sei.

Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde, und lässt mich alle Arbeit allein tun.“ (Vater, S. 5)

Aurelie erklärt nun dem Taugenichts, dass sie selbst keineswegs eine Adlige ist, sondern die verwaiste Nichte des Portiers, welche die gütige Gräfin zu sich aufs Schloss genommen hatte. Damit ist seine Angebetete für den Taugenichts auch nicht mehr unerreichbar. Die Hochzeitsglocken läuten und der Graf schenkt dem jungen Paar ein weißes Schlösschen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Schon der Titel deutet darauf hin, dass es sich beim Taugenichts um eine Biographie handelt. Sobald dann der Ich-Erzähler das Wort ergreift, wird schnell klar, dass es der Leser sogar mit einer Autobiographie zu tun hat. Eichendorff selbst bezeichnete sein Werk als Novelle, also als eine Kleinform der erzählenden Dichtung mit straff durchgeführtem Handlungsstrang, die mitunter die Eigenschaft hat, "eigensinnig, phantastisch, leicht witzig, geschwätzig und sich ganz in der Darstellung auch von Nebensachen verlierend" (Ludwig Tieck) zu sein. Bei Eichendorff gibt es aber noch eine Besonderheit: die über die Erzählung verstreuten Gedichte und Volkslieder, die keineswegs Nebensächlichkeiten sind, sondern die die Stimmung von Wanderschaft, Gottvertrauen, Frühling und Freiheit treffend unterstreichen. Viele Gefühlsausbrüche und Interjektionen (Ausrufe wie "Ach!"), die zumeist an die Schönheit der Natur gerichtet sind, lassen den Leser die Emotionen des jungen Helden spüren. Die Fabel (die Handlung) der Novelle erscheint trivial. Dementsprechend besitzen die zehn Kapitel des Büchleins einen sehr klaren Aufbau, der auch räumlich unterstrichen wird: Die Reise nach Süden, die beiden Schlösser und die Erlebnisse in Rom bilden einen einzigen Spannungsbogen der Konfusionen. Erst mit der Rückkehr zum Schloss der Geliebten löst sich der Knoten. Man spricht hierbei vom Dénouement (frz. "entknoten"), dem Auflösen der Handlungsstränge. Der lockere Novellenstil macht die Lektüre zum Spaziergang.

Interpretationsansätze

  • Hinter der Unbekümmertheit des Taugenichts steckt eine verführerische Botschaft: die Einladung zu einer Lebensführung ohne bewusste Planung, im Vertrauen auf Gott und/oder die glückliche Fügung, dass sich am Ende alles zum Guten wendet.
  • Der Taugenichts ist eine durch und durch romantische Figur: Er lebt außerhalb der gesellschaftlichen Vorstellungen von tätigem Leben, ist ein Künstler und Musiker. Damit steht er im Gegensatz zum "Philister", dem erklärten Feindbild Eichendorffs.
  • Der Philister (Spießbürger) ist der dumpfe Alltagsmensch, der in seiner bürgerlichen Biederkeit aufgeht und eine beschauliche, materiell abgesicherte Existenz dem unsicheren Künstlertum vorzieht. Philister begegnen dem Taugenichts mehrfach, z. B. in der Gestalt des alten Gärtners, der ihn gleich mit guten Ratschlägen eindeckt und vor den "brotlosen Künsten" warnt sowie vor der Idee, in der Welt herumzuvagabundieren.
  • Die Liebesgeschichte in der Novelle bleibt harmlos pubertär: Der Taugenichts bewundert neben der Geliebten manch hübsches Mädchen, und die Verwechslungen führen auch zu homoerotischen Andeutungen.
  • Zu den wichtigsten symbolischen Motiven in der Novelle gehören Blumen und das Fliegen, insbesondere die Leichtigkeit des Vogelflugs, der mit unendlicher Freiheit gleichgesetzt wird. Überall im Text tauchen Vögel auf, die nicht nur eine romantische Naturmacht sind, sondern auch Lebensanweisungen zu geben scheinen: Sperling und Goldammer flankieren den Aufbruch des Taugenichts, Lerchen begleiten ihn auf seinen Reisen und wecken ihn am frühen Morgen.
  • Musik - auch in Gestalt der vielen Gedichte und Volkslieder - spielt eine tragende Rolle in der Novelle. Die Geige des Taugenichts ist sein wichtigstes Utensil, das ihm überall Freunde und Gesellschaft verschafft. Die Romantiker sahen in der Musik die höchste der Künste und eine verfeinerte, gesteigerte Ausdrucksmöglichkeit des Menschen.
  • Vieles an der Taugenichts-Erzählung ist märchenhaft: der naive Erzählton ebenso wie einige Elemente der Handlung, z. B. die glücklichen Fügungen, die den Helden betreffen, oder die Landschaften, die er durchstreift.

Historischer Hintergrund

Eichendorff und die deutsche Romantik

Die Romantik reichte als Literaturepoche vom Ende des 18. bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Sie war ein gesamteuropäisches Phänomen, das später sogar seinen Weg in die USA fand, hatte ihren Mittel- und Ursprungspunkt aber in Deutschland. Die Romantik (vom altfrz. "roman") war eine Gegenbewegung zur strengen Klassik und der vernunftbetonten Aufklärung. Sie trug eskapistische Züge, war also eine Flucht aus der sozialen Wirklichkeit, sie richtete ihren Blick oft auf das Unbewusste und Triebhafte im Menschen. Die Romantiker rückten das Unlogische, Schwärmerische, Gefühlsbetonte und Mystische in den Mittelpunkt ihrer Dichtung. "Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, romantisiere ich es", so beschrieb der Dichter Novalis die Ziele der Romantik. Diese "Poetisierung aller Lebensbereiche" lässt sich auch in Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts erkennen, hier vor allem in den Naturbeschreibungen: Die Natur ist stets von einem mystischen Hauch durchweht, mal frisch, klar und munter, dann wieder unheimlich, bedrohlich und unbegreiflich.

Die Romantik begleitete eine Zeit des Umbruchs, die Entwicklung von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft. Die Romantiker unterstrichen zwar die Bedeutung der Französischen Revolution (1789), legten jedoch weniger Gewicht auf die neu gewonnene Freiheit des Bürgertums als vielmehr auf die künstlerische Freiheit. Nationalstolz, Nationaldichtung und eine - vor allem in der Spätromantik - verklärende Sicht des Mittelalters waren tonangebend. Die Romantiker interessierten sich gleichermaßen für Volksmärchen wie für Volkslieder. Eichendorffs Freunde Clemens Brentano und Achim von Arnim gaben mit Des Knaben Wunderhorn eine Sammlung alter deutscher Lieder heraus. Auch in Eichendorffs Taugenichts finden sich einige der berühmtesten deutschen Volkslieder.

Entstehung

Eichendorffs Taugenichts-Erzählung hat eine relativ lange Entstehungsgeschichte. Die Urfassung ist vermutlich schon 1817 entstanden. Dabei handelte es sich jedoch nur um zwei kurze Kapitel. Verschiedene Titel wurden vom Autor ausprobiert: Der neue Troubadour war einer davon, Ein Familien-Gemählde ein anderer. Der Bezug zu den mittelalterlichen Spielleuten taucht auch in einer späteren Handschrift aus dem Jahre 1823 auf. Dort heißt es: Zwei Kapitel aus dem Leben eines armen Taugenichts Oder der moderne Troubadour. Etwa 1823 wurde die Novelle schließlich fertig gestellt und erschien als Vorabdruck in der Zeitschrift Deutsche Blätter für Poesie, Literatur, Kunst und Theater. Das endgültige Werk trug dann den heute bekannten Titel und wurde erst 1826 gedruckt.

Wirkungsgeschichte

Die ersten Kritiken zum Taugenichts, die im Literaturbeiblatt des Morgenblatts für gebildete Stände erschienen, waren durch die Bank negativ. Doch das sollte sich ändern. Später wurde immer wieder das angeblich "typisch Deutsche" des Taugenichts hervorgehoben. Die Figur schien Theodor Fontane "nicht mehr und nicht weniger als eine Verkörperung des deutschen Gemüts, die liebenswürdige Type nicht eines Standes bloß, sondern einer ganzen Nation. Kein andres Volk hat solch Buch." Andere Kritiker sahen im Taugenichts ein unbekümmertes Sonntagskind und waren der Meinung, dass letztlich "nur ein Oestreicher solch ein ewiges Sonntagsleben" führen könne.

Seine Nähe zur Natur und seine naive Weltsicht machten den Taugenichts zum Ideal der Wandervogelbewegung. Dabei handelte es sich gewissermaßen um den ersten Jugendbund, der sich, 1896 von Berliner Gymnasiasten gegründet, schnell über das Deutsche Reich, Österreich und die Schweiz ausbreitete. Es war eine Protestbewegung gegen die ältere Generation und auch gegen das Philistertum, das Eichendorff in seinen Werken attackiert hatte. Als sich aus der lockeren Wanderbewegung feste Organisationen formten, war bereits die Zeit der Nationalsozialisten angebrochen: Sie übernahmen die Vereine und schalteten sie in der Hitlerjugend gleich. Der Taugenichts und seine Wanderlieder wurden vor den nationalsozialistischen Karren gespannt: Man lobte den Helden für seinen Nationalstolz und seine Ablehnung der romanischen Sprache und Kultur.

Der Taugenichts als Rebell diente sogar der Flower-Power-Generation als Vorbild. Peter Camenzind und Knulp sind zwei Figuren Hermann Hesses, die direkt vom Taugenichts inspiriert sind, genauso wie Holden Caulfield aus J. D. Salingers Roman Der Fänger im Roggen. Hermann Hesse schrieb über den Taugenichts: "Wir sind längst überzeugt, dass er zu den Klassikern gehört, und sehen ihn ganz ohne Lärm zu jener Unsterblichkeit eingegangen, an welcher keine Kritik mehr rütteln kann." Mehrere der in den Text eingestreuten Gedichte mit Volksliedcharakter haben die Zeit ebenfalls unbeschadet überdauert. Die berühmtesten davon, wie z. B. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", wurden von Robert Schumann und Felix Mendelssohn-Bartholdy vertont. Die Novelle selbst wurde dreimal verfilmt.

Über den Autor

Joseph von Eichendorff wird am 10. März 1788 als Sohn des Freiherrn Adolf von Eichendorff auf Schloss Lubowitz in der Nähe von Ratibor in Oberschlesien geboren. Hier verlebt er eine unbeschwerte Kindheit und Jugend und entdeckt schon früh seine Freude an der Dichtung. Zusammen mit seinem älteren Bruder wird er von einem strengen katholischen Hauslehrer unterrichtet. Eichendorff schließt seine Schulbildung am Matthias-Gymnasium in Breslau ab. Hier kommt er mit den Werken von Goethe und Schiller in Berührung. Zwischen 1805 und 1808 studiert er an den Universitäten Halle und Heidelberg Rechts- und Geisteswissenschaften. In Heidelberg macht er mit der romantischen Bewegung Bekanntschaft und trifft alsbald einige der prominentesten Romantiker in Berlin: Achim von Arnim, Heinrich von Kleist, Clemens Brentano und Adam Müller. Eichendorff unternimmt eine Bildungsreise nach Paris und schreibt Gedichte. Im Herbst 1810 geht er nach Wien, wo er seinen Abschluss macht. An den Befreiungskriegen gegen Napoleon nimmt er freiwillig teil, zuerst als Jäger, dann als Leutnant. Nach Kriegsende tritt er eine Stelle am Berliner Oberkriegskommissariat an. Er wird ein strebsamer Beamter und heiratet am 7. April 1815 Luise von Larisch, mit der er drei Kinder hat. Es entstehen Werke wie Aus dem Leben eines Taugenichts und Das Marmorbild, die 1826 zusammen in Buchform veröffentlicht werden. Nach dem Tod von Eichendorffs Vater 1818 müssen die meisten von dessen Gütern verkauft werden; Eichendorff trauert ihnen sein Leben lang nach. 1837 erscheint die erste eigenständige Sammlung seiner Gedichte. Rund zehn Jahre vor seinem Tod gibt er das Dichten weitgehend auf und arbeitet an einer deutschen Literaturgeschichte. 1855 stirbt seine Frau Luise. Eichendorff verbringt die letzten Lebensjahre auf der Sommerresidenz des Breslauer Erzbischofs Heinrich Förster und in Neiße, wo er am 26. November 1857 an einer schweren Lungenentzündung stirbt.


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    C. R. vor 1 Jahr
    hat mir sehr gefallen