Zusammenfassung von Buddenbrooks

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Buddenbrooks Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

Qualitäten


Worum es geht

Vom Verfall der Familie Buddenbrook

Was ist so faszinierend daran, vier Generationen einer Lübecker Kaufmannsfamilie bei ihrem langsamen Untergang zuzusehen? Darüber sind sich die Literaturkritiker heute, mehr als 100 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen von Thomas Manns Familienroman Buddenbrooks, immer noch nicht einig. Einigkeit besteht aber darüber, dass Manns Erstling, für den sein Autor 28 Jahre später den Nobelpreis erhielt, den Leser gefangen nimmt: durch seine detaillierten Beschreibungen, durch seinen pointierten Humor, seine feine Ironie und eine schicksalhafte Handlung, bei der jede weitere Generation der Buddenbrooks dem unausweichlichen Verfall näher rückt. Die Männer der Familie leiden unter Unsicherheit und einer immer stärker hervortretenden Todessehnsucht, während die Frauen, allen voran die naive Tony, rastlos und vergeblich dem bürgerlichen Familienideal hinterherjagen. Mann beschreibt die „Buddenbrook’sche Krankheit“ als Dekadenz, die er allerdings nicht nur negativ zeichnet: Vom alten Johann bis zum jungen Hanno wird die Familie zwar immer lebensuntüchtiger – aber auch feinfühliger und dem Künstlerischen stärker zugeneigt. Nach anfänglich eher zögerlichem Absatz konnte sich das Buch rasch mehrere Millionen Male verkaufen, hat längst Schulbuchklassizität erreicht und wird sogar von manchen Kritikern als größter deutscher Roman überhaupt bezeichnet.

Take-aways

  • Ursprünglich nur als größere Novelle geplant, schrieb Thomas Mann mit den Buddenbrooks seinen ersten großen Roman.
  • Inhalt: Der alte Johann Buddenbrook übergibt seinem Sohn Jean das florierende Familienunternehmen. Nach dessen Tod übernimmt sein Sohn Thomas das Geschäft und führt es zunächst erfolgreich. Nach Jahren des Wartens kommt endlich Thomas’ ersehnter Stammhalter zur Welt. Doch der kleine Hanno ist kränklich und eher künstlerisch als geschäftlich interessiert. Mit dem Tod Thomas’ und Hannos, der an Typhus erkrankt, stirbt die männliche Linie der Buddenbrooks aus.
  • Zwei Motive sind für den Roman zentral: das Dekadenzmotiv und der Konflikt zwischen Bürgertum und Kunst, der sich vor allem zwischen Hanno und seinem Vater entzündet.
  • Der Roman ist autobiographisch angehaucht: Manche Lübecker Bürger meinten sich wiederzuerkennen und waren darüber z. T. gar nicht erfreut.
  • Bei der Charakterisierung der Figuren spielen Dialekte und Redeweisen eine wichtige Rolle.
  • Mithilfe seiner berühmten Ironie gewinnt Thomas Mann Abstand zu seinen Figuren, stellt sie bloß oder verdeutlicht die Absurdität bestimmter Verhaltensweisen.
  • Buddenbrooks ist ein Familienroman: Alle wichtigen Entwicklungen spielen sich innerhalb der Familie ab, äußere Ereignisse treten dahinter zurück.
  • Die Philosophie Schopenhauers hatte einen großen Einfluss auf Thomas Manns.
  • 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur – maßgeblich als Anerkennung für die Buddenbrooks.
  • Zitat: „Der Tod war ein Glück, so tief, dass er nur in begnadeten Augenblicken, wie dieser, ganz zu ermessen war.“
 

Zusammenfassung

Einweihungsparty in der Mengstraße

Oktober 1835 in der Lübecker Mengstraße: Die Familie Buddenbrook hat an einem Donnerstag um 16 Uhr Familie und Freunde zu einem Mittagessen eingeladen. Anwesend sind: Johann Buddenbrook senior und seine Frau Antoinette Buddenbrook, sein Sohn, Konsul Jean Buddenbrook, und dessen Frau Elisabeth, geborene Kröger. Außerdem flitzen die Kinder des Konsuls, die achtjährige Enkelin Tony und ihre jüngeren Brüder Thomas und Christian, in der Wohnstube umher. Während der ernste Thomas für den Vater Wein aus dem Keller holt, unterhält Christian die Gesellschaft mit allerlei albernen Geschichten. Man feiert ausgelassen. Der Grund ist der Umzug in das neue große Haus. Doch Jean Buddenbrook hat Sorgen: Sein Halbbruder Gotthold, ein Sohn aus Johanns erster Ehe, fordert in einem Brief 33 335 Courantmark als Erbausgleich. Obwohl Jean viel am Familienfrieden liegt, will er so viel Kapital nicht aus dem Handelsunternehmen der Buddenbrooks abziehen.

Wechsel der Generationen

Am 14. April 1838 wird Clara als viertes Kind von Konsul Jean Buddenbrook und seiner Frau Elisabeth geboren. Stolz trägt der Vater Claras Namen in die Familienchronik ein. Tony aber bleibt der Liebling aller. Sie konkurriert in der Schule mit der neureichen Nachbarstochter Julchen Hagenström. Die Hagenströms werden von den alteingesessenen Lübeckern als Emporkömmlinge verachtet – und wohl auch ein wenig um ihren Erfolg beneidet. Währenddessen entwickelt sich Thomas Buddenbrook zu einem fleißigen, verständigen Jungen, sein Bruder Christian hingegen, der es liebt, im Mittelpunkt zu stehen, wird immer launischer und spleeniger. Als Antoinette Buddenbrook stirbt, übergibt ihr Mann seinem Sohn Jean die Geschäfte. Der Senior stirbt seiner Frau wenige Monate später nach. Während sich Thomas nach Abschluss der Realschule gut ins väterliche Geschäft einarbeitet, schlägt Tony in den Augen ihres Vaters über die Stränge. Deshalb wird sie in das Mädchenpensionat von Sesemi Weichbrodt geschickt. Christian erlaubt sich einen Fauxpas: Er überreicht einer Schauspielerin Blumen in ihrer Garderobe, was ihn zum Gespött ganz Lübecks macht.

Tonys Hochzeit

Die Jahre vergehen. Eines Sommernachmittags sitzt die Familie im Garten, als Bendix Grünlich auftaucht, ein Geschäftspartner der Buddenbrooks. Als Pastorensohn mit einem gut gehenden Geschäft schätzen ihn die Eltern sehr, doch Tony und Christian finden ihn arrogant und albern. Schließlich eröffnet Jean Tony, dass Grünlich um ihre Hand angehalten hat. Tony lehnt verstört ab, was ihre Eltern bedauern. Sie fühlt sich sehr unter Druck gesetzt, ist blass und magert sichtlich ab. Daher schickt der Konsul sie in die Sommerfrische nach Travemünde. Dort lernt sie Morten Schwarzkopf kennen, der in Göttingen Medizin studiert und einer Burschenschaft angehört. Er ist gegen die Monarchie eingestellt und befürwortet demokratische und freiheitliche Grundrechte. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch Grünlich bedrängt bereits den Konsul, um sein Recht als künftiger Ehemann Tonys einzufordern. Auch der Konsul übt brieflich Druck auf seine Tochter aus, sodass Tony schließlich resigniert und eigenhändig ihre Verlobung mit Grünlich in die Familienchronik einträgt. Der Konsul gibt ihr 80 000 Courantmark als Mitgift. Nach der Hochzeit zieht Tony zu Bendix Grünlich nach Hamburg.

Revolution und Bankrott

Tony schreibt an ihre Mutter und beklagt sich darüber, dass Grünlich sich nicht gern mit ihr in der Gesellschaft zeige und sie meistens allein lasse. Ende des Jahres wird ihre Tochter Erika geboren. Obwohl die Geschäfte stagnieren, ermahnt Jean Thomas, am Leitsatz der Familie festzuhalten: bei Tag nur solche Geschäfte zu machen, die einen in der Nacht ruhig schlafen lassen. Die Auswirkungen der Revolution von 1848 bekommt auch Lübeck zu spüren. Es kommt zu Straßenkrawallen, obwohl bereits eine neue Verfassung auf den Weg gebracht wurde. Aufständische belagern den Saal der Bürgerschaft. Niemand traut sich heraus, bis Konsul Buddenbrook die jungen Leute auf Plattdeutsch anspricht, sie beruhigt und ihnen versichert, dass die Republik, die sie fordern, „ja längst da“ sei. Ein wenig verdutzt, aber befriedigt gehen die „Revoluzzer“ nach Hause. Buddenbrooks Schwiegervater Lebrecht Kröger allerdings hat sich so aufgeregt, dass er in der Kutsche verstirbt. In Hamburg wirft Grünlich Tony vor, dass sie das Geld mit vollen Händen ausgebe. Sie bekommt mit, dass Grünlichs Geschäfte seit Jahren schlecht laufen. Er hat Tony nur wegen ihrer Mitgift geheiratet und den Konsul mit gefälschten Bilanzen getäuscht. Konsul Buddenbrook eilt sofort nach Hamburg. Er teilt Tony mit, dass Grünlich bankrott ist. Diese Nachricht trifft sie wie der Schlag, denn bankrott zu sein erscheint ihr schlimmer als der Tod.

Die Ära Thomas Buddenbrook

Jean Buddenbrook hat ein schlechtes Gewissen, weil er Tony in die Ehe gedrängt hat, und weigert sich, Grünlichs Schulden zu begleichen. Tony und Erika übersiedeln wieder nach Lübeck in ihr Elternhaus; die Ehe mit Grünlich wird 1850 geschieden. Fünf Jahre später wird der Konsul krank und stirbt. Thomas Buddenbrook wird Chef des Familienunternehmens. Den Posten als Honorarkonsul der Niederlande, den sein Vater innehatte, tritt Thomas großzügig an seinen Onkel Gotthold ab. Das im Testament verteilte Vermögen ist weit höher als erwartet. Nach achtjährigem Aufenthalt in London und Valparaiso kehrt Christian 1856 zurück und tritt in die Firma ein. Er wirkt zerstreut und verlegen, stürzt sich aber zunächst eifrig in die Arbeit. Alle sind überzeugt, dass sich die Brüder ausgezeichnet ergänzen, aber Christian treibt sich bald lieber im Klub oder Theater herum. Als Gotthold stirbt, wird Thomas Honorarkonsul der Niederlande und reist sogleich nach Amsterdam, wo er sich in Gerda Arnoldsen, Tonys Freundin aus dem Pensionat, verliebt und sie als Braut nach Hause führt. Gerda bringt die stattliche Mitgift von 300 000 Mark in die Firma ein. Die Witwe des verstorbenen Konsuls wendet sich immer stärker der Religion zu und veranstaltet fromme Abende. Zu Tonys Missfallen kommen ständig Gäste, die religiöse Lehren verbreiten. Pastor Tiburtius aus Riga bleibt gar zehn Tage – und hält um Claras Hand an. Die beiden heiraten und leben von nun an in Riga.

Ein bayerisches Abenteuer

Unter den kritischen Augen der alteingesessenen Lübecker versucht sich Thomas’ Frau Gerda einzuleben. Tony reist nach München zu einer Freundin und lernt dort den Hopfenhändler Alois Permaneder kennen. Die Stimmung zwischen Thomas und Christian verdüstert sich zusehends. Christian entwickelt sich zunehmend zum Hypochonder und will keiner ernsthaften Beschäftigung nachgehen. Zudem munkelt man in der Stadt, dass er ein Verhältnis mit einer Statistin am Theater hat. Als er schließlich im Klub scherzt, jeder Geschäftsmann sei eigentlich ein Gauner, kennt Thomas’ Verachtung keine Grenzen mehr. Erbost bietet er seinem Bruder an, ihm sein Erbe von 500 000 Courantmark sofort auszuzahlen, wenn er Lübeck nur verlasse. Christian akzeptiert. Überraschend kommt Herr Permaneder zu Besuch. Durch seine bayerische Mundart gibt es leichte Verständigungsschwierigkeiten. Tony freut sich, einen Verehrer zu haben. Thomas holt Erkundigungen über Permaneders Firma ein und kommt zu dem Schluss, dass der Hopfenhändler ein gut gehendes Geschäft betreibt. Der Hochzeit steht also nichts im Weg. Doch wieder meint es das Schicksal nicht gut mit Tony: Permaneder nutzt die Mitgift, um sich zur Ruhe zu setzen, und enttäuscht Tonys Ansprüche an ein luxuriöses Leben. Sie fühlt sich in München nicht wohl, ihr zweites Kind stirbt kurz nach der Geburt und schließlich erwischt sie ihren Mann beim Fremdgehen. Auch diese Ehe wird geschieden und Tony kehrt zerknirscht zum zweiten Mal nach Lübeck zurück.

Senator Buddenbrook

Thomas Buddenbrook führt die Firma erfolgreich und meistert seine gesellschaftlichen und politischen Verpflichtungen – wenn auch ständig unter Zeitdruck. Zudem macht er sich Sorgen um seine Geschwister und seine eigene Kinderlosigkeit. Endlich jedoch kommt der erwartete Nachwuchs: Mit großem Pomp wird der kleine Johann, genannt Hanno, getauft. Christian ist pleite und bittet um Geld. Gleichzeitig konkurrieren Thomas und der Emporkömmling Hermann Hagenström um ein freigewordenes Senatorenamt. Nach langem Bangen kann sich Thomas durchsetzen. Die Ehre ist groß, aber auch die Pflichten. Thomas hat so viel zu tun, dass er bereits mit 37 Jahren an Erschöpfungszuständen leidet. Er kleidet sich besonders sorgfältig und zieht in ein größeres Haus, um von seiner inneren Müdigkeit abzulenken. In Riga verstirbt Clara. Die fromme Konsulin übergibt dem Schwiegersohn, Pastor Tiburtius, Claras Erbe von 127 500 Courantmark – ohne Thomas’ Erlaubnis. Dieser ist empört und betrachtet das als einen Schlag ins Gesicht. Zu Tonys Freude heiratet ihre Tochter Erika den gut situierten Direktor einer Feuerversicherung, Hugo Weinschenk. Sie richtet dem Brautpaar ein Haus ein, zieht zu ihnen und blüht angesichts des Glücks ihrer Tochter, das ihr selbst nie vergönnt war, regelrecht auf.

Der Schlussstrich

Christian Buddenbrook zieht wieder zu seiner Mutter. Er nimmt am Geschehen um ihn herum nur selten Anteil, wirkt geistig angeschlagen und manisch-depressiv. Tony schlägt Thomas eine lukrative Investition in Getreide vor. Thomas, der zusehends in Selbstzweifeln versinkt, wagt die Investition – und verliert wegen einer verhagelten Ernte auf einen Schlag ein stattliches Vermögen. Hanno ist ein schwächliches Kind: Er weint oft und ist in der Schule verträumt. In Kai Graf Mölln, einem verarmten Adelsspross, findet er einen einzigen gleichaltrigen Vertrauten, mit dem ihn eine intensive Freundschaft verbindet. 1868 feiert die Firma Buddenbrook ihr 100-jähriges Bestehen. Tony und Hanno überreichen Thomas eine Tafel, auf der die vier Generationen der Firma abgebildet sind. Bei den Feierlichkeiten muss Hanno ein Gedicht aufsagen: Er stottert, die Stimme versagt ihm und schließlich bricht er weinend ab. Dafür verachtet ihn sein Vater. Hannos einzige Stärke ist die Musik, die er, wie seine Mutter, über alles liebt. Er erhält Klavierunterricht und fällt bald durch besonderes Talent und eine außerordentliche Gabe zur Improvisation auf. Sein Vater hat dafür jedoch nichts übrig. Als er Hanno dabei erwischt, wie er in der Familienchronik unter seinem Namen einen „Schlussstrich“ zieht, erscheint ihm das wie ein Menetekel des Untergangs. Ein weiterer Schicksalsschlag: Es kursiert das Gerücht, dass Tonys Schwiegersohn Versicherungsbetrug begangen habe. Er wird verhaftet und Tony zieht mit Tochter und Enkelin erneut zur Mutter.

Die Erlösung

Die alte Konsulin stirbt an einer schweren Lungenentzündung. Der Hausrat wird zwischen den Geschwistern aufgeteilt. Besonders Christian greift zu, denn er will seine langjährige Liebe Aline Puvogel heiraten, mit der er ein Kind hat. Zwischen Christian und Thomas kommt es darüber zu einem Streit von nie gekannten Ausmaßen. Schweren Herzens verkauft die Familie das Haus zu einem lächerlichen Preis an den Makler Gosch. Tony ist entsetzt darüber, dass ausgerechnet Erzrivale Hermann Hagenström das Haus erwirbt. Sie ist der Meinung, dass die Familie Buddenbrook nun am Ende sei. Thomas Buddenbrook hat depressive Stimmungen. Er weiß, dass er alles erreicht und nichts mehr zu erwarten hat. Der Firma geht es zunehmend schlechter. In der Stadt kursiert außerdem das Gerücht, dass Gerda ihn betrügt. Thomas versucht, Hanno für das Geschäft zu begeistern, was ihm jedoch nicht gelingt. Hanno bleibt lebensuntüchtig, woran auch die Sommerfrische in Travemünde nichts ändert. Thomas flüchtet sich in religiöse und philosophische Schriften: Schopenhauers Hass auf die Welt entspricht seiner eigenen Gemütsverfassung. Er verfällt in eine unbestimmte Todessehnsucht. Im Januar 1875 geht Thomas Buddenbrook nach einer Senatssitzung mit schrecklichen Zahnschmerzen zum Arzt. Die Behandlung ist schmerzhaft und er bittet um Abbruch. Auf dem Heimweg bricht er bewusstlos auf der Straße zusammen. Einige Tage später verstirbt er, ohne das Bewusstsein noch einmal wieder erlangt zu haben.

Die Familie zerstreut sich

Nach Thomas Buddenbrooks letztem Willen soll die Firma, sehr zu Tonys Entsetzen, liquidiert werden. Durch überstürzte, unvorteilhafte Verkäufe entstehen erhebliche Verluste. Das große, vornehme Haus wird verkauft und Gerda zieht mit Hanno in ein kleineres Haus vor den Toren der Stadt. Christian hat in Hamburg seine langjährige Freundin Aline geheiratet, muss aber aufgrund seines kritischen Gemütszustands in eine Anstalt. Hanno lebt in Angst und Schrecken vor der Schule, wo er mit der Strenge der Lehrer nicht zurechtkommt und wo die anderen Jungen ihn schikanieren. Jeder Schultag ist für ihn eine große Seelenqual. Dermaßen erschöpft stirbt er bald an einer Typhusinfektion. Gerda geht daraufhin zurück nach Amsterdam. Nur Tony bleibt in Lübeck zurück.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die elf Teile der Buddenbrooks sind von nahezu einheitlicher Länge. Thomas Mann wählte eine der Chronik nahe stehende Erzählform: Die Ereignisse von 42 Jahren (1835–1877) werden chronologisch erzählt, wobei der Autor gelegentlich die Zeit extrem dehnt, um bestimmte Ereignisse noch ausführlicher zu schildern (z. B. Hannos Schultag). Die Sprache ist meist nüchtern, sachlich und kühl, Beschreibungen gehen oft über mehrere Seiten und werden in einer für Thomas Mann typischen hypotaktischen Syntax (viele verschachtelte Nebensätze) vorgetragen. Der Stil verändert sich im Lauf des Romans: Am Anfang werden die Personen hauptsächlich durch das charakterisiert, was sie tun, was sie sagen und wie sie es sagen – später kommen psychologisierende Passagen dazu, insbesondere bei der Beschreibung des kleinen Hanno. Dialekte und Redeweisen spielen eine besondere Rolle bei der Charakterisierung der Figuren. So fällt beispielsweise der alte Johann Buddenbrook durch seine zwischen Platt, Hochdeutsch und Französisch changierende Sprache auf, was ihn als gebildeten und aufgeklärten Kaufmann ausweist. Die genaue Wiedergabe von Dialekteigenheiten (z. B. ostpreußische und bayerische Sprachfärbung) rücken die Buddenbrooks in die Nähe der Erzähltechnik des Naturalismus. Eine besondere Rolle spielt Thomas Manns berühmte Ironie, mit deren Hilfe er Abstand zu seinen Figuren gewinnt, sie bloßstellt oder die Absurdität bestimmter Verhaltensweisen durch eine bewusst übertriebene Schilderung verdeutlicht.

Interpretationsansätze

  • Buddenbrooks ist ein Familienroman: Alle wichtigen Entwicklungen spielen sich innerhalb der Familie ab, äußere Ereignisse treten dahinter zurück. Der Verfall der Familie vollzieht sich im Inneren: Das zu Beginn des Romans noch intakte Familienideal des 19. Jahrhunderts gerät zunehmend in Auflösung, die Bindungsstärke der Familienmitglieder nimmt ab und die Loyalität der Ehepartner zerfällt.
  • Die Philosophie Schopenhauers hatte einen großen Einfluss auf Thomas Manns künstlerische Arbeit, der sich auch in den Buddenbrooks zeigt (Thomas Buddenbrook liest ebenfalls Schopenhauer): Der die Handlung bestimmende Gegensatz zwischen Alltagsleben und Kunst, die Schopenhauer als das einzige Mittel identifiziert, der Tretmühle des „Willens“ zu entfliehen, wurzelt hier.
  • In der Figur des Hanno Buddenbrook zeigt sich das bei Thomas Mann immer wiederkehrende Thema der Dekadenz: Hanno ist schwächlich, grüblerisch, nach innen gekehrt, aber zugleich fantasiebegabt und musikalisch. In seiner Liebe zur Musik offenbart sich seine tiefe Abneigung gegenüber dem kaufmännisch-bürgerlichen Leben seines Vaters. Die Dekadenz wird von Thomas Mann durchaus nicht nur negativ gesehen: Lebensuntüchtigkeit geht einher mit Sensibilisierung und Ästhetisierung.
  • Deutlichstes Zeichen der Dekadenz ist die Todessehnsucht der männlichen Familienmitglieder: Während Johann Buddenbrook senior noch voll im Leben steht, erfüllt schon der Konsul seine Pflichten nur mit „zusammengebissenen Zähnen“ und einem starken „Schutzwall“ aus Frömmigkeit und Pietismus. Thomas ist, trotz seiner strengen Ernsthaftigkeit, dem baldigen Verfall preisgegeben. Christian verwandelt sich schon früh in einen Psychotiker. In Hanno schließlich kulminiert die Sehnsucht nach dem Tod z. B. darin, dass der jüngste Buddenbrook Arsen-Tabletten gegen seine Schwächlichkeit verschrieben bekommt und diese als „süß und beglückend“ empfindet.

Historischer Hintergrund

Der Niedergang des bürgerlichen Patriziers

„Mache bei Tage nur solche Geschäfte, sodass wir des Nachts gut schlafen können“, lautet der weise Leitspruch des alten Patriarchen Johann Buddenbrook, den sein Enkel Thomas zum Firmenjubiläum sogar auf den Gedenkstein gemeißelt vor sich sieht. Ironischerweise hat er zu diesem Zeitpunkt bereits die Fehlinvestition seines Lebens gemacht und eine Getreideernte „auf dem Halme“, also noch vor der Ernte erworben, die durch einen Hagelschlag vernichtet wird. Diese Form des „Wagniskapitals“ hätte der alte Buddenbrook sicher nicht gutgeheißen. Wohl aber handelt es sich um eine Investitionsform ganz nach dem Gusto der konkurrierenden Hagenströms. Wo diese Neureichen agil, wendig und schlau erscheinen, wirken die Buddenbrooks apathisch, innovationsskeptisch, in Traditionen erstarrt, ja macht- und hilflos. Sozialgeschichtlich spielt sich im exemplarischen Widerstreit der zwei Familien eine bedeutende Entwicklung ab: weg vom Patrizier mit seinen Idealen und Prinzipien, hin zum knallharten kapitalistischen Bourgeois, der seine Ellbogen einsetzt um weiterzukommen.

Thomas Manns an seinem eigenen familiären Hintergrund orientierter Roman ist natürlich zu individuell, als dass diese Entwicklung in jeder Einzelheit verallgemeinert werden könnte. Sie ist tendenziell aber richtig, zieht sie doch eine Bilanz des Bürgertums in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Besonders deutlich wird dies, wenn (historisch verbürgte) Themen im Roman diskutiert werden: So zeigt sich z. B. im Hause Buddenbrook eine tiefe Abneigung gegenüber dem Zollverein. Dieser sollte ab 1834 die Handelsbarrieren zwischen den deutschen Kleinstaaten abbauen und für einen reibungslosen Warenaustausch zu geringeren Kosten sorgen. Bei den Gesprächen im Hause Buddenbrook steht jedoch nicht in erster Linie der wachsende Profit, sondern der Verlust der Selbstständigkeit im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Entstehung

Nach Thomas Manns ersten kleineren Veröffentlichungen im S. Fischer Verlag brachte Samuel Fischer das Gespräch auf einen ersten Roman. Seit dem gemeinsamen Italienaufenthalt (1896–98) mit seinem älteren Bruder Heinrich Mann trug Thomas Mann bereits den Entwurf zu einem größeren Werk mit sich herum. Ursprünglich sollte aus dem Stoff nur eine Novelle werden, die sich ausschließlich um Hanno, den jüngsten Spross der Familie, rankte. Thomas Mann gab freimütig zu, dass er sich zu diesem Zeitpunkt lediglich für Hanno und allenfalls noch für Thomas Buddenbrook interessierte. Doch schließlich uferte das Thema so aus, dass er damit begann, einen Stammbaum der Kaufmannsfamilie auszuarbeiten. In einer Art Arbeitsgemeinschaft mit seinem Bruder entstanden Kapitelentwürfe und eine Grobskizze des Romans. Mann suchte sich „Experten“ für bestimmte Themenstellungen: Ein Cousin beriet Thomas Mann in finanztechnischen Fragen für die Beschreibung des Kontors, seine Mutter steuerte alte Rezepte für die üppigen Mahlzeiten der Buddenbrooks bei, die Schwester machte sich Gedanken über die Figur der Tony Buddenbrook, und für den Krankheitsverlauf von Hannos Typhuserkrankung griff der Autor auf ein Medizinlexikon zurück. Zwischen Oktober 1897 und Mitte 1900 beschäftigte sich Mann mit der eigentlichen Ausarbeitung des Romans. Im August 1900 bekam der Verleger das Manuskript in die Hände – und protestierte entsetzt: Der Roman sei viel zu lang, so etwas würde doch niemand lesen. Mann blieb stur. Schließlich gab Fischer nach. 1900 wurde der Druckauftrag erteilt und das Buch erschien, vordatiert auf 1901.

Wirkungsgeschichte

Thomas Mann war sich des Erfolgs seines ersten Romans keineswegs sicher: Lesungen im Familienkreis verliefen nicht gerade berauschend. Der schleppende Absatz des Buches schien dieses Urteil zunächst zu bestätigen: Die erste, noch zweibändige Auflage verkaufte sich miserabel – vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil Thomas Mann noch ein weitgehend unbekannter Autor war. Als 1903 dann aber eine preisgünstigere einbändige Ausgabe herauskam, wurden rasch 2000 Exemplare abgesetzt. Bis 1929 wurden 185 000 Exemplare verkauft. Nach der Verleihung des Literaturnobelpreises erschien eine erschwingliche Volksausgabe, die innerhalb kürzester Zeit 150 000 Mal über die Büchertische ging. Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten war die Millionenauflage erreicht. Der Roman wurde in bisher 32 Fremdsprachen übersetzt. Die ersten Kritiken waren wohlwollend, aber nicht überschwänglich. Als Erster erkannte der Berliner Kritiker Samuel Lublinski das Potenzial des Romans zum Klassiker. In seiner Rezension im Berliner Tageblatt stand schon 1902 zu lesen: „Und darum eben, weil sich in den Buddenbrooks ein erlebtes und tief empfundenes Weltgefühl mit einer bewussten Kunst innig verbunden hat, deshalb bleibt dieser Roman ein unzerstörbares Buch. Er wird wachsen mit der Zeit und noch von vielen Generationen gelesen werden: eines jener Kunstwerke, die wirklich über den Tag und das Zeitalter erhaben sind, die nicht im Sturm mit sich fortreißen, aber mit sanfter Überredung allmählich und unwiderstehlich überwältigen.“ Spätestens seit dem Nobelpreis gilt Thomas Manns Erstling als einer der wichtigsten Romane der Moderne. Der Roman wurde dramatisiert und mehrere Male verfilmt.

Über den Autor

Thomas Mann wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Er ist der zweite Sohn einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie, sein älterer Bruder Heinrich wird ebenfalls Schriftsteller. Thomas hasst die Schule und verlässt das Gymnasium ohne Abitur. Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie 1894 nach München, dort arbeitet Mann kurzfristig als Volontär bei einer Feuerversicherung. Als er mit 21 Jahren volljährig ist und aus dem Erbe des Vaters genug Geld zum Leben erhält, beschließt er, freier Schriftsteller zu werden. Er reist mit Heinrich nach Italien, arbeitet in der Redaktion der Satirezeitschrift Simplicissimus und schreibt an seinem ersten Roman Buddenbrooks, der 1901 erscheint und ihn sofort berühmt macht. Der Literaturnobelpreis, den er 1929 erhält, beruht vor allem auf diesem ersten Buch – Mann, nicht uneitel, erwartet die Auszeichnung allerdings schon 1927. Trotz seiner homoerotischen Neigungen heiratet er 1905 die reiche Jüdin Katia Pringsheim. Sie haben sechs Kinder, darunter Klaus, Erika und Golo Mann, die ebenfalls als Schriftsteller bekannt werden. Weil Thomas den Ersten Weltkrieg zunächst befürwortet, kommt es zwischen ihm und seinem Bruder Heinrich zum Bruch, der mehrere Jahre andauert. 1912 erscheint die Novelle Der Tod in Venedig, 1924 der Roman Der Zauberberg. In den 1930er Jahren gerät er ins Visier der Nationalsozialisten, gegen die er sich in öffentlichen Reden ausspricht; seine Schriften werden verboten. Nach der Machtergreifung Hitlers kehrt er von einer Vortragsreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Zunächst leben die Manns in der Schweiz, 1938 emigrieren sie in die USA, 1944 nimmt Mann die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1947 erscheint Doktor Faustus, eine literarische Auseinandersetzung mit der Naziherrschaft. Nach dem Krieg besucht Thomas Mann Deutschland nur noch sporadisch; die von ihm vertretene Kollektivschuldthese verschafft ihm nicht nur Anhänger. Als die Manns 1952 nach Europa zurückkehren, gehen sie wieder in die Schweiz. Thomas Mann stirbt am 12. August 1955 in Zürich.


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