Zusammenfassung von Carmen

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Carmen Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Novelle
  • Romantik

Worum es geht

Eine tödliche Affäre

Obwohl heute jeder den Namen Carmen mit der bekannten Oper von Georges Bizet in Verbindung bringt, lohnt es sich doch auch, die literarische Vorlage zur Hand zu nehmen. Diese stammt von dem französischen Romantiker Prosper Mérimée, der die fatale Liebesgeschichte 1845 als Novelle veröffentlichte. Fatal ist die Liebesgeschichte vom Dragonerleutnant Don José und der Zigeunerin Carmen aus mehrerlei Gründen: Der Soldat setzt zunächst seine Karriere, dann seine Ehre und schließlich sein Leben aufs Spiel, weil er der verführerischen Carmen erliegt – und das, obwohl sie ihn mehrmals vor einer Beziehung zu ihr warnt. Aber es ergeht José wie der Motte mit dem Licht: Er kann nicht von Carmen lassen, bis er sich schließlich an der erotischen Anziehung und der entfesselten Leidenschaft dieser Femme fatale verbrennt. Für Carmen wird er zum Dieb und zum Mörder. Mit seiner Leidenschaft wächst auch seine Sehnsucht, die schöne Zigeunerin ganz allein zu besitzen. Spätestens hier ist für Carmen eine Grenze erreicht: Ihre Freiheit will sie sich von niemandem nehmen lassen. Es kommt, wie es kommen muss: Beide gehen an ihrer Liebe zugrunde. Die Erzählung wirkte auf die Zeitgenossen Mérimées skandalös. Solch eine Wirkung vermag sie heute nicht mehr zu entfalten, sie weiß aber als raffinierte, romantisch-realistische Liebesgeschichte zu gefallen.

Take-aways

  • Carmen ist der Inbegriff der Femme fatale, die die ihr verfallenen Männer ins Verderben stürzt.
  • Berühmt wurde sie durch die Oper von Georges Bizet, die auf Prosper Mérimées Novelle beruht.
  • Die Erzählung hat eine Rahmenhandlung, die dem Leser Authentizität vorspiegelt: Der Erzähler trifft den gefürchteten Räuber Don José.
  • Als dieser an Soldaten verraten werden soll, warnt ihn der Erzähler und rettet ihm so das Leben.
  • In Córdoba begegnen sich die beiden erneut im Haus der stadtbekannten Zigeunerin Carmen.
  • Schließlich treffen sie sich ein drittes Mal: Don José sitzt im Gefängnis und berichtet dem Erzähler von seiner verhängnisvollen Liebe zu der schönen Zigeunerin.
  • Don José lernte Carmen kennen, als er Soldat war. Er wurde degradiert, nachdem sie verhaftet worden war und er ihr zur Flucht verholfen hatte.
  • Später musste er seinen Dienst ganz quittieren, weil er einen Nebenbuhler aus dem Weg geräumt hatte.
  • Daraufhin schloss er sich den Zigeunern an und wurde Schmuggler.
  • Seine Beziehung zu Carmen blieb ambivalent: Mal waren sie ein Herz und eine Seele, mal trieb sie ihn in durch ihr Verhalten zu rasender Eifersucht.
  • Die Eifersucht war es schließlich auch, die beider Schicksal besiegelte: Weil sie ihm nicht allein gehören wollte, ermordete Don José Carmen und stellte sich der Justiz.
  • Carmen wurde mehrfach verfilmt, vertont und literarisch bearbeitet.
 

Zusammenfassung

Der seltsame Fremde

Andalusien, im Herbst 1830: Der Erzähler reitet von Córdoba aus durch das südliche Spanien, um historische und geografische Forschungen zu betreiben. Zusammen mit seinem Führer Antonio erkundet er das Land. Eines Tages erreicht er, todmüde, durstig und von der Sonne gezeichnet, eine kleine Hochebene, in die sich ein erfrischender Fluss ergießt. Im Gras einer regelrechten Oase schlummert ein kräftig gebauter Mann mit einem wilden Gesichtsausdruck. Der Erzähler setzt sich zu ihm und bietet ihm eine Zigarre an. Mit dem Zigarrenrauch kehrt auch das Leben in den bislang stummen Fremden zurück. Eine improvisierte Mahlzeit lässt die gegenseitige Sympathie wachsen, sodass der Fremde den Erzähler bei dessen Aufbruch fragt, wo er denn übernachten wolle. Die „Schenke zum Raben“ stellt sich als ihrer beider Ziel heraus, und so machen sie sich gemeinsam auf den Weg. Die Unruhe und die versteckten Zeichen seines Führers erhärten den Verdacht des Erzählers, dass es sich bei dem Fremden um einen Schmuggler oder gar einen Räuber handelt. Je länger er ihn beobachtet, umso richtiger erscheint es ihm, in seinem Gegenüber den landesweit gesuchten Straßenräuber José-Maria zu vermuten. Schließlich erreichen die Reisenden die Herberge, die sich als üble Spelunke entpuppt. Die Wirtin begrüßt den fremden Mitreisenden freudig als „Don José“.

Eine schlaflose Nacht

Die dringliche Bitte, dem Erzähler etwas auf der Mandoline, die an einer Wand hängt, vorzuspielen, kann Don José nicht zurückweisen. Die baskische Melodie, die er zum Besten gibt, versetzt den Musikanten in eine sentimentale Stimmung, aus der er erst wieder hochfährt, als Antonio seinen Herrn bittet, ihn in den Stall zu begleiten, um nach einem kranken Pferd zu sehen. Offensichtlich will er unter vier Augen mit seinem Mitreisenden sprechen. Dies erregt Don Josés Argwohn. Um sein Misstrauen zu zerstreuen, lehnt der Erzähler die Bitte Antonios ab. Stattdessen folgt Don José ihm in den Stall und kehrt kurz darauf allein wieder zurück: Antonio werde die Nacht damit verbringen, das Pferd abzureiben.

Rettung in letzter Sekunde

Geplagt von Wanzenbissen verlässt der Erzähler mitten in der Nacht das Haus und legt sich auf eine Bank. Da entdeckt er Antonio, der sich klammheimlich mit dem Pferd auf den Weg zum nächsten Militärposten machen will: Denn bei dem Fremden handele es sich um José Navarro, den meistgefürchteten Räuber in ganz Andalusien. Er wolle jetzt aufbrechen, um mit ein paar Lanzenreitern zurückzukommen – zumal ihm Navarro im Pferdestall gedroht habe, dass er ihn ermorde, wenn Antonio ihn verrate. Räuber hin oder her – der Erzähler ist nicht damit einverstanden, seinen neuen Freund einfach so ans Messer zu liefern. Er eilt in die Gaststube und weckt den friedlich schlafenden Räuber auf, der sofort seinen Revolver zieht. Als er hört, dass Antonio bereits zum Militärposten unterwegs ist, rafft er sein Hab und Gut zusammen, bedankt sich und reitet im gestreckten Galopp davon. Der Erzähler und die Wirtin beteuern gegenüber den heranreitenden Soldaten, dass Navarro schon lange fortgeritten sei.

Wiedersehen in Córdoba

In Córdoba verbringt der Erzähler einige Zeit in einem Dominikanerkloster. Dort fahndet er nach einer Handschrift, die seinen archäologischen Studien in der Gegend eine neue Richtung geben könnte. Am Ufer des Guadalquivir macht er eine ungewöhnliche Bekanntschaft: Es ist bereits dunkel geworden, da huscht eine junge Frau die Stufen zum Quai empor, wo sich der Erzähler niedergelassen hat, um eine Zigarre zu rauchen. Die beiden unterhalten sich höflich miteinander und er versucht anhand ihres Dialektes herauszufinden, woher sie stammt. Schließlich erklärt sie, dass sie eine Zigeunerin sei – die stadtbekannte, als Hexe verschriene Carmen. „Vorige Woche habe ich mit einem Straßenräuber soupiert: Warum sollte ich heute nicht Pistazieneis essen mit einer Tochter der Hölle“, denkt der Erzähler sich und lädt Carmen ein.

„Es war ein Mann jugendlichen Aussehens, von mittlerem, aber kräftigem Wuchs, mit finsterem, stolzem Blick.“ (über Don José, S. 7)

Im Lokal zeigen sich die anderen Gäste über die Zigeunerin empört, der Erzähler jedoch ist ganz von ihrer Schönheit gefangen. Gemeinsam begeben sie sich danach in die karge Behausung des Mädchens, wo sie mit allerlei magischem Brimborium dem Erzähler die Zukunft voraussagen will. Allerdings wird sie jäh unterbrochen: Ein vermummter Fremder betritt das Haus und beginnt, mit der Zigeunerin zu streiten. Bei dem wild aussehenden Mann handelt es sich um niemand anderen als Don José, der Carmens Redeschwall mit wenigen knappen Worten beendet, die der Erzähler nicht versteht. Dieser wird von Don José schließlich ein Stück auf dem Heimweg begleitet, sodass er seine Herberge finden kann. Dort erst stellt er fest, dass seine goldene Taschenuhr fehlt, für die sich Carmen auffallend stark interessiert hat …

Das Versprechen

Mehrere Monate reist der Erzähler durch Andalusien, bis er schließlich erneut in Córdoba Station macht, um alte Freunde zu besuchen. Im Dominikanerkloster wird er mit Begeisterung begrüßt. Man freut sich, ihn lebendig wiederzusehen. Seine gestohlene Taschenuhr sei inzwischen aufgetaucht, und der Dieb sitze hinter Schloss und Riegel. Diesen erwarte, weil er aus adligem Hause stamme, nicht der Galgen, sondern die Garotte, eine Art Würgschraube, mit welcher der Delinquent erdrosselt werden soll. Eher widerwillig spricht der Erzähler beim Magistrat vor und wird zu dem Gefangenen gebracht: Wie er schon vermutet hat, handelt es sich um Don José. Der Erzähler hegt keinen Groll gegen den Räuber und bringt ihm sogar Zigarren mit. Er wird von diesem zunächst frostig begrüßt, dann aber wächst Don Josés Zutrauen. Der Räuber beginnt, seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Don Josés Geschichte

Don José Lizzarrabengoa hätte eigentlich Geistlicher werden sollen. Der Zufall aber wollte es, dass er der Spielsucht anheimfiel – allerdings nicht bezogen auf das Karten-, sondern auf das Ballspiel. Nach einem Match verwundete er einen anderen Burschen und sah sich deshalb genötigt, die Gegend zu verlassen. Unterwegs ließ er sich für die Armee anwerben und stieg rasch zum Brigadier auf. Eine eher langweilige Aufgabe war die Bewachung einer Tabakmanufaktur außerhalb der Mauern von Sevilla. Das Besondere an dieser Fabrik: Kein Mann erhielt Zutritt, weil die Belegschaft ausschließlich aus Frauen bestand, die es sich bei der schwülen Arbeitsatmosphäre gerne etwas „bequem“ machten.

„Ich kannte den spanischen Charakter hinlänglich, um überzeugt zu sein, dass ich von einem Manne, der mit mir gegessen und geraucht hatte, nichts zu befürchten haben würde.“ (S. 12)

Eines Mittags, als die Arbeiterinnen bei ihrer Rückkehr aus der Pause von den Soldaten begrüßt werden, tritt eine von ihnen direkt vor José hin. Es ist Carmen, die ungezwungene Zigeunerin. José ist zunächst nicht gerade von ihr angetan, aber ihre kecke und provokante Art imponiert ihm. Kurz darauf kann er das Mädchen noch auf eine ganz andere Art erleben. Er wird in die Fabrik gerufen, wo ebendiese Zigeunerin eines Attentates auf eine ihrer Genossinnen bezichtigt wird. Don José fällt es zu, sie ins Gefängnis zu führen. Auf dem Weg dorthin versucht Carmen mit allerlei Tricks, ihre Freilassung zu erreichen. Als Zigeunerin in allen Dialekten des Landes bewandert, beginnt sie mit José auf Baskisch zu sprechen, seiner Heimatsprache, und gibt vor, von den anderen Mädchen wegen ihrer baskischen Abstammung verhöhnt worden zu sein. Das kränkt José in seiner Ehre: Er ermöglicht Carmen die Flucht. Allerdings schöpfen die anderen Soldaten Verdacht, und die Strafe folgt auf dem Fuß: Degradierung und ein Monat Arrest.

Verliebt in eine Zigeunerin

In der Zelle verflucht sich Don José, dass er seine Karriere wegen einer Zigeunerin aufs Spiel gesetzt hat. Aber wegen was für einer Zigeunerin! Keine der Frauen, die er durch das Gitter seiner Zelle beobachtet, kann es mit ihr aufnehmen. Ein Wärter bringt José ein Geschenk von „einer Cousine“. Es handelt sich um einen Laib Brot, in dem er zu seinem Erstaunen ein Goldstück und eine Feile findet, mit der sich die Gitter durchsägen lassen. Doch Flucht kommt für ihn nicht infrage. Nach der Entlassung aus dem Arrest wird José zum gemeinen Wachdienst abkommandiert – eine Schmach sondergleichen. Wie es der Zufall will, muss er ausgerechnet vor dem Haus des Colonels Wache stehen, der zu einem großen Empfang eine lustige Zigeuner-Musikantengruppe geladen hat, bei der auch Carmen mit von der Partie ist. Seine Degradierung bemerkt sie natürlich sofort. José leidet: Er spürt, dass er sich in sie verliebt hat, und muss regungslos dastehen, während die Gäste zweideutige Bemerkungen an Carmen richten. Beim Hinausgehen jedoch raunt ihm seine Angebetete eine Botschaft zu, damit er sie finden kann.

Die Liebschaft wird gefährlich

Tatsächlich trifft José Carmen bald wieder. Sie gehen gemeinsam spazieren und Carmen erwirbt in der ganzen Stadt köstliche Dinge, als würde sie einen Festtagsschmaus planen. In ihrer Stube angekommen schlemmen sie gemeinsam, tanzen und vergnügen sich auf mancherlei Weise. Beim Zapfenstreich will José in die Kaserne zurückkehren, doch Carmen überredet ihn, die Nacht bei ihr zu verbringen. Am nächsten Morgen jedoch hat sie es eilig, ihren Liebhaber wieder loszuwerden – nicht ohne ihn zu warnen, sie lieber zu vergessen, weil ihm sonst Unheil drohe. Nach der Trennung kann José die Geliebte für Wochen nicht mehr treffen.

„Sie war eine seltsam wilde Schönheit, und ihr Gesicht, das zuerst etwas Befremdendes hatte, musste jedem, der es einmal gesehen, unvergesslich bleiben.“ (über Carmen, S. 28)

Carmens nächstes Auftauchen zieht schlimme Folgen für den Soldaten nach sich: Während er einen eingestürzten Teil der Stadtmauer bewachen muss, bezirzt ihn Carmen so sehr, dass er die von ihr angeführte Schmugglerbande passieren lässt. Als Belohnung winkt ihm eine weitere Nacht mit ihr. Doch daraus wird zunächst nichts: Carmen verweigert sich ihm. Ein erster Streit endet dann doch noch in einer gemeinsamen Liebesnacht, die weiteren Verabredungen hält die Zigeunerin jedoch nicht ein. Schließlich erwischt José sie in ihrer Absteige mit einem Leutnant aus seinem Regiment. Es kommt zu Handgreiflichkeiten und am Ende hat der Leutnant einen Säbel im Bauch. Auch Don José ist verwundet und flieht in ein Versteck, das ihm Carmen weist: Sie pflegt ihn gesund und staffiert ihn mit Zivilkleidern aus.

Schmugglerkarriere

Um der drohenden Verurteilung und Exekution zu entfliehen, folgt José Carmens Rat und geht an die Küste, wo er zum Schmuggler wird. Insgeheim träumt er davon, kühne Abenteuer zu bestehen und damit seine Carmen fest an sich zu binden. Tatsächlich blüht José als Schmuggler regelrecht auf – vor allem, weil er Carmen nun oft zu sehen bekommt. Sie jedoch spricht in der Öffentlichkeit niemals davon, dass sie beide ein Paar sind, und ermahnt José zu großer Zurückhaltung. Eines Tages kommt die Rede darauf, dass Carmens Ehemann zur Bande stoßen werde. José ist entsetzt zu hören, dass seine Carmen verheiratet ist. Er erfährt, dass Garcia das Einauge ein brutaler, über alle Maßen durchtriebener Zigeuner ist, dem Carmen nun endlich zur Flucht aus der Galeerenhaft verhelfen konnte. Bei einer nächtlichen Schmuggelaktion werden einige Schmuggler von Reitern verfolgt und einer von ihnen wird angeschossen. José will dem Kameraden helfen, aber Garcia schießt dem Verwundeten brutal ins Gesicht, damit die Übrigen schneller vorankommen. Carmen, die in Gibraltar einen neuen Coup einfädeln soll, meldet sich nicht mehr. Deshalb wird José, als Orangenhändler verkleidet, dort hingeschickt und sucht nach ihr. Tatsächlich findet er sie: in ihrer Rolle als Geliebte eines englischen Edelmanns. José kocht innerlich, als er für eine Orangenlieferung ins Haus des Engländers gerufen wird. Carmen beteuert, dass alles nur eine Komödie sei, um an das Geld des Engländers zu kommen.

Das Ende der Romanze

Carmen weist José an, zurückzukehren. Auf der Straße von Gibraltar nach Ronda soll er mit den anderen dem Engländer auflauern und ihn aus dem Hinterhalt umbringen. José erschauert ob solch brutaler Pläne. Beim Kartenspiel mit Garcia kommt es zu einem Streit, der in einer Messerstecherei endet: José rammt Carmens Mann sein Messer tief in den Hals. Er glaubt, die Zigeunerin jetzt ganz für sich allein zu haben. Eher gleichgültig nimmt Carmen die Botschaft vom Tod des Einäugigen hin. Einige Monate geht es zwischen José und ihr gut, aber Josés Eifersucht und Carmens Freiheitsliebe vertragen sich auf die Dauer nicht. Seinen Plan, gemeinsam nach Amerika zu gehen und dort eine ehrliche Existenz aufzubauen, lehnt sie ab. Stattdessen bandelt sie mit einem Stierkämpfer an, den sie heimlich besucht. Als José davon erfährt, wird er rasend vor Eifersucht. Er stellt sie vor die Wahl: ein neues Leben mit ihm oder Tod. Carmen gesteht ihm, dass ihre Liebe für ihn gestorben sei, und wirft den Ring fort, den José ihr einst geschenkt hat. Traurig und wütend zugleich ergreift er sein Messer, ersticht Carmen und besiegelt damit ihr und sein Schicksal. Er lässt für sie eine Messe beten und stellt sich den Wachen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Carmen ist eine Mischung aus Reisebericht, Abenteuergeschichte und romantischer Erzählung. Der Autor ist unverkennbar der europäischen Romantik verpflichtet, er will die teilweise fantastischen Geschehnisse aber offenbar in ein möglichst realistisches Gewand kleiden. Deshalb ist die Geschichte von Carmen und dem einstigen Dragoner Don José in eine Rahmenhandlung eingebettet, in der ein Erzähler – das literarische Alter Ego des Autors – eine Forschungsreise durch Andalusien unternimmt. Das ganze erste Kapitel ist seiner Begegnung mit dem mysteriösen Fremden gewidmet, der sich später als Don José entpuppt. Das zweite Kapitel führt den Erzähler mit der zweiten Hauptperson der Novelle zusammen: In Córdoba begegnet er der Zigeunerin Carmen und wird – genau wie José – von ihr ausgetrickst. Nachdem die beiden Handlungsstränge am Ende des zweiten Kapitals zusammengeführt wurden, übernimmt im finalen dritten Kapitel Don José die Rolle des Erzählers. Rückwärtsblickend berichtet er als Gefängnisinsasse, wie er von Carmen verführt wurde, ihr verfiel und sich dadurch in die ausweglose Lage brachte, in der er sich nun befindet. Im Gegensatz zu vielen anderen Novellen endet Carmen nicht damit, dass die Rahmenhandlung des ersten Erzählers noch einmal aufgegriffen würde: Mit Carmens Tod ist, wie Mérimée die Titelheldin selbst feststellen lässt, „alles zu Ende“ – folgerichtig auch die Erzählung. Mérimées Sprache ist nüchtern und kühl, insbesondere in den Abschnitten, in denen er aus der Sicht des Historikers und Forschers berichtet. Hierdurch verleiht er der romantischen Geschichte über Sinnlichkeit, Räuberleben und Messerkämpfe bis zum Tod einen scheinbar objektiven Rahmen.

Interpretationsansätze

  • Mérimée machte mit seiner Novelle den Frauentyp der Femme fatale, der verhängnisvollen Frau, berühmt. Die Rolle der allerersten Verführerin Eva aufnehmend, ist die Femme fatale einerseits erotisch und anziehend, andererseits reißt sie durch ihr Verhalten die männlichen Verehrer ins Verderben. Dieser Frauentypus wurde zu einem Mythos der europäischen Romantik und der Literatur des 19. Jahrhunderts und ist bis heute populär.
  • Manche sehen die Erzählung als im Kern frauenfeindlich an, eine Haltung, die u. a. von dem griechischen Epigramm beeinflusst ist, das Mérimée seiner Novelle vorangestellt hat. In deutscher Übersetzung lautet es: „Zweimal taugt eine Frau – für die mich Gott bewahre! –: / Einmal im Hochzeitsbett und einmal auf der Bahre.“
  • Carmen ist allerdings eine äußerst stolze und selbstbewusste Frau, die allein über ihr Leben bestimmt und die sogar bereit ist, in den Tod zu gehen, um ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben zu müssen.
  • Ihre Funktion als Verführerin erfüllt Carmen nicht nur durch ihre äußere Schönheit und ihr wildes, ungezügeltes Wesen, sondern auch durch ihre Sprache. Als Zigeunerin kennt sie sich in unzähligen Dialekten aus und macht die Sprache zum Instrument der Verführung, etwa wenn sie Don José auf Baskisch anredet, um sein Vertrauen zu gewinnen.
  • Der Name Carmen leitet sich von dem lateinischen Wort für Gesang, Tanz oder Zauberwort ab – eine treffende Charakterisierung der Zigeunerin.

Historischer Hintergrund

Zeit der Umbrüche: Frankreich im 19. Jahrhundert

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war in politischer Hinsicht eine Zeit des Umbruchs. Weil König Karl X. die Errungenschaften der Revolution in Frankreich mit Füßen trat und eine zunehmend reaktionäre Politik verfolgte, explodierte im Juli 1830 das Pulverfass Paris: Auf den Barrikaden in den Straßen der Stadt setzte sich das Volk in der so genannten Julirevolution durch und erreichte die Abdankung des Königs. Dennoch wurde in Frankreich nicht die Republik ausgerufen, sondern das Land wurde zur konstitutionellen Monarchie, an deren Spitze der „Bürgerkönig“ Louis Philippe gewählt wurde. Dieser mutierte aber nach seiner Wahl mehr und mehr zum Anhänger der Restauration. Er musste im Zuge der aus immer drängenderen sozialen Problemen erwachsenen Februarrevolution von 1848 abdanken. Die Revolution war erfolgreich, jedoch gerieten die Franzosen abermals vom Regen in die Traufe: Sie erkoren nämlich den Neffen von Napoleon Bonaparte zum Präsidenten ihrer neuen Republik: Napoleon III. sicherte sich drei Jahre später durch einen Staatsstreich diktatorische Vollmachten, löste die Republik auf und proklamierte das Zweite Kaiserreich. Prosper Mérimée veröffentlichte einen Großteil seiner Werke also zu einer Zeit, die – auch literarisch – von Umbrüchen gekennzeichnet war. Literaturgeschichtlich schlug er eine Brücke zwischen der Romantik und dem Realismus. Während die Romantik im ausgehenden 18. Jahrhundert das Übersinnliche, Schwärmerische, Fantastische betonte, verschrieben sich die Autoren des Realismus (etwa von 1830 bis 1880) der möglichst genauen Abbildung der Wirklichkeit. Diesen offensichtlich schroffen Gegensatz wusste Mérimée gekonnt aufzulösen, indem er eine vermeintlich objektive und realistische Erzählperspektive mit typisch romantischen Inhalten verquickte.

Entstehung

„Jenseits der Pyrenäen beginnt Afrika“ – dieses Zitat von Prosper Mérimée verdeutlicht die Auffassung, die er und seine Zeitgenossen von Spanien hatten. Spaniens Süden galt als abenteuerliche, orientalische Gegend, die sich hervorragend für Reiseberichte und romantische Erzählungen eignete. Im Jahr 1830 hatte Mérimée selbst eine halbjährige Reise durch Spanien unternommen. Bei dieser Gelegenheit freundete er sich mit der Familie Montijo an, deren Tochter Eugenia später die Gattin von Napoleon III. werden sollte – eine Bekanntschaft, die maßgeblich dazu beitrug, dass Mérimée nach Napoleons Machtübernahme alle seine Ämter behalten konnte. Die exotische spanische Kulisse war also von vornherein ein wichtiger Bestandteil der Erzählung. In der Rahmenerzählung der Novelle lässt Mérimée einen Erzähler (der dem Autor erstaunlich ähnlich ist) als Vertreter der noch jungen historischen Wissenschaft nach Spanien reisen. Die Erstveröffentlichung des Textes erfolgte 1845 folgerichtig in einem Magazin, das keineswegs auf fiktionale Texte spezialisiert war und in dem Mérimée bereits vier Reiseberichte über Spanien publiziert hatte. Den Lesern der Revue des deux mondes musste daher auch die Novelle zunächst wie ein authentischer Reisebericht vorkommen. Diesen Effekt verstärkte der Autor noch mit seiner Umarbeitung von 1847: Er fügte der Erzählung ein viertes Kapitel hinzu, das nüchterne und präzise Ausführungen zur Lebensweise der Zigeuner enthält.

Wirkungsgeschichte

Trotz der raffinierten Mischung aus romantischer Erzählung und realistischem Reisebericht – oder vielleicht gerade deswegen – kam die Novelle beim Publikum zunächst nicht besonders gut an. Das lag wohl nicht zuletzt an dem verruchten Sujet, das als unmoralisch angesehen wurde. Die Deutung der Carmen-Figur variierte über die Jahrzehnte erheblich: Sie wurde als gewöhnliche Prostituierte oder teuflische Verführerin, aber auch als Verkörperung von Leidenschaft und sexueller Freiheit, mithin als Heldin der feministischen Bewegung interpretiert. Sicher ist die Bedeutung der Carmen als einer der ersten Femmes fatales in den schönen Künsten kaum zu überschätzen: In Frank Wedekinds Lulu (1895), Heinrich Manns Professor Unrat (1905) oder Dashiell Hammetts Malteser Falke (1930) wird dieser Frauentypus literarisch verarbeitet. Er lässt sich darüber hinaus in der Malerei (insbesondere im Art déco), in der Fotografie (Helmut Newton) und in unzähligen Kinofilmen finden – in der von Brigitte Helm im Stummfilmklassiker Metropolis dargestellten Verführerin ebenso wie in der von Sharon Stone verkörperten Femme fatale in Basic Instinct. Auch der Carmen-Stoff selbst wurde mehrmals be- und verarbeitet. Am bekanntesten ist die gleichnamige Oper von Georges Bizet aus dem Jahr 1875, die bei der Uraufführung in Paris zwar floppte, sich aber in der Folgezeit zu einer der beliebtesten französischen Opern entwickelte, insbesondere weil sie mehrfach verfilmt wurde. Bekannte Carmen-Verfilmungen stammen u. a. von Cecil B. DeMille (1915), Otto Preminger, der in seiner Carmen Jones (1954) die Handlung in die afroamerikanische Szene der 50er Jahre verlegte, Carlos Saura, der 1983 Bizets Musik in einer Ballettversion mit dem Flamenco vermischte, und schließlich von Francesco Rosi, der 1984 Placido Domingo in der Rolle des Don José und Julia Migenes als Carmen nicht nur singen, sondern auch sprechen ließ.

Über den Autor

Prosper Mérimée wird am 28. September 1803 in Paris geboren. Früh regt sich in dem jungen Gymnasiasten die Liebe zur Literatur. Parallel zu seinem Jurastudium widmet er sich etwa der französischen Übersetzung der Ossianischen Gesänge, einer vermeintlich altkeltischen Lyriksammlung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts groß in Mode ist, sich aber später als Fälschung herausstellt. Nach dem Studium macht er sich mit zahlreichen französischen Autoren persönlich bekannt, darunter Stendhal und Victor Hugo. 1825 und 1826 unternimmt er ausgiebige Reisen nach England und Spanien. Die literarische Karriere Mérimées beginnt 1825 mit der Veröffentlichung des Sammelbandes Théâtre de Clara Gazul, den er unter einem Pseudonym publiziert. 1827 folgen zwei Theaterstücke, die jedoch unaufgeführt bleiben, und eine (fingierte) illyrische Sammlung von Volksliedern, mit der er an der romantischen Begeisterung für Volksliedgut teilnimmt. Den wirklichen Durchbruch schafft Mérimée jedoch als Erzähler, insbesondere mit der literarischen Kleinform der Novelle: Zwischen 1829 und 1847 erscheinen 25 Erzählungen, die ersten in rascher Folge, die späteren eher vereinzelt. Dazu gehören La Vénus d'Ille (Die Venus von Ille, 1837), Colomba (1841) und natürlich Carmen (1847). Ab dem Jahr 1830 erhält Mérimée mehrere höhere Posten in den Ministerien des Königs Louis Philippe. 1834 wird er zum obersten französischen Denkmalschützer ernannt und unternimmt Inspektionsreisen durch Frankreich, die er auch für Reiseberichte zu nutzen weiß. Nach der Februarrevolution von 1848 kann sich Mérimée in seinen Ämtern halten: Hilfreich ist seine gute Bekanntschaft zur spanischen Gattin des neuen Kaisers Napoleon III. 1856 quittiert er aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst im Ministerium. Sein Interesse gilt nunmehr der Verbreitung von Werken russischer Autoren in Frankreich. Prosper Mérimée stirbt am 23. September 1870 in Cannes.


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