Zusammenfassung von Das Gartenfest

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Das Gartenfest Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

Qualitäten


Worum es geht

Die ruhige Schwere des Lebens

Die Kurzgeschichtensammlung Das Gartenfest ist das letzte von nur drei Werken, die Katherine Mansfield zu Lebzeiten veröffentlichte. Die eigenwillige und skandalumwitterte Neuseeländerin beweist darin, weshalb sie, neben ihrer Freundin Virginia Woolf, als eine der bekanntesten und besten Vertreterinnen der literarischen Moderne gilt. In schlichten und ruhigen Erzählungen, glasklaren Charakterstudien und eindrucksvollen Stimmungsbildern fängt sie die Lebensschicksale und Gefühlsdynamiken ihrer Protagonisten ein. Über allen Geschichten schwebt das bedrückende Gefühl einer tiefen Entfremdung, das so charakteristisch für die klassische Moderne geworden ist, aber auch die beklemmende Einsicht in die Endlichkeit des Lebens. Als Mansfield diese Kurzgeschichten schrieb, war sie selbst bereits schwer von ihrer Tuberkuloseerkrankung gezeichnet. Die Veröffentlichung dieser sehr erfolgreichen und beliebten Sammlung im Frühjahr 1922 überlebte sie um nur knapp ein Jahr.

Take-aways

  • Die Erzählsammlung Das Gartenfest ist die dritte und letzte Veröffentlichung von Katherine Mansfield, die zu ihren Lebzeiten erschien.
  • Inhalt: Die Kurzgeschichten geben alltägliche Situationen verschiedener Personen wieder, die oft durch den plötzlichen Hereinbruch des Todes aus der Bahn geworfen werden.
  • In schnörkelloser und direkter Sprache beschreibt Mansfield das Gefühlsleben und die subjektiven Wahrnehmungen ihrer Helden.
  • Das 1922 erschienene Buch versammelt 15 Kurzgeschichten, die größtenteils zuvor bereits in Zeitschriften erschienen sind.
  • Katherine Mansfield gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Moderne.
  • Sie starb 1923 im Alter von 34 Jahren an Tuberkulose.
  • Das Gartenfest steht im Zeichen ihrer Krankheit; die Endlichkeit des Lebens ist ein wichtiges Motiv.
  • Mansfield verarbeitet darin viel Autobiografisches, etwa ihre homosexuellen Neigungen oder die Traumata ihrer Fehlgeburt und des Todes ihres Bruders.
  • Die feministische Literaturtheorie hat Katherine Mansfield ausgiebig gewürdigt.
  • Zitat: „,Ist das Leben nicht‘, stammelte sie, ,ist das Leben nicht …‘ Doch wie das Leben war, konnte sie nicht erklären.“
 

Über die Autorin

Katherine Mansfield wird am 14. Oktober 1888 als Kathleen Mansfield Beauchamp in eine wohlhabende und gut situierte Familie in Wellington, Neuseeland geboren. 1903 zieht sie nach London, wo sie eine Karriere als Konzertcellistin anstrebt. Nach ihrer vorübergehenden Rückkehr nach Neuseeland wendet sie sich jedoch der Literatur zu. Sie übernimmt das Pseudonym „Katherine Mansfield“ und erhält erste bezahlte Aufträge. Unglücklich in Neuseeland, zieht sie 1908 endgültig nach London und beginnt mit der finanziellen Unterstützung ihres Vaters ein Bohemienleben. Nach einigen lesbischen Affären wird sie 1909 schwanger, heiratet überstürzt einen anderen Mann, lässt sich sofort wieder scheiden und wird von ihrer Mutter nach Bayern geschickt, wo sie eine Fehlgeburt erleidet. Nach ihrer Rückkehr aus Deutschland erlebt sie eine erste äußerst produktive Schaffensphase und veröffentlicht 1911 In einer deutschen Pension (In a German Pension). Mansfield tut diese Sammlung rückblickend als schlechtes Jugendwerk ab und spricht sich gegen eine Neuveröffentlichung aus. 1911 beginnt eine lange und unstete Beziehung mit dem Herausgeber John Middleton Murry. Sie verlässt ihn mehrmals und hat Affären mit Francis Carco und Ida Baker. 1918 heiraten Murry und Mansfield, doch auch ihre Ehe bleibt turbulent. Mansfield hält sich mit Zeitungsartikeln und Buchrezensionen über Wasser. Nach 1916 wird sie zwar immer produktiver, leidet aber auch zunehmend an einer 1917 diagnostizierten Tuberkulose sowie an psychischen Problemen. Ende 1920 gelingt ihr mit der Sammlung Seligkeit (Bliss) der Durchbruch, den sie mit Das Gartenfest (The Garden Party) 1922 bestätigt. Am 9. Januar 1923 stirbt sie im Sanatorium des berühmten Esoterikers Georges Gurdijeff und wird im französischen Avon beigesetzt. Nach ihrem Tod veröffentlicht Murry ihren literarischen Nachlass sowie ihre Briefwechsel.

 

Zusammenfassung

An der Bucht

In der Sommerkolonie Crescent-Bucht verbringt das Ehepaar Stanley und Linda Burnell mit ihren Kindern sowie Stanleys Mutter und seine Schwester Beryl ihren Urlaub. Die Kinder spielen am Strand mit denen der anderen Urlauber. Jeden Tag um 11 Uhr gehen die Frauen und Kinder der Kolonie gemeinsam im Meer baden. Beryl unterhält sich mit Mrs. Kember, einer alten Kettenraucherin. Deren Mann Harry Kember sieht aus wie ein Filmstar, und niemand weiß, was er an ihr findet. Linda liebt ihren Mann, doch so etwas wie Mutterliebe zu ihren Kindern hat sie nie empfunden. Abends unterhält sie sich mit ihrem Nachbarn Jonathan, der sein Angestelltendasein wie ein Gefängnis empfindet, aber sich unfähig fühlt, etwas zu verändern. Als es Nacht wird, lädt Harry Kember Beryl zu einem Spaziergang ein. Sie ziert sich etwas, und als er zudringlich wird, reißt sie sich los und geht zurück ins Haus.

Das Gartenfest

Mitten in die geschäftigen Vorbereitungen für die Gartenparty der Familie Sheridan platzt die Nachricht, dass ein junger Fuhrmann namens Scott tödlich verunglückt sei. Er lebte mit seiner Frau und fünf Kindern in den ärmlichen Katen unweit des Sheridan-Anwesens. Die junge Laura Sheridan will die Party abblasen, trifft damit bei ihrer Familie aber auf Unverständnis. Die Party ist ein voller Erfolg. Abends sitzt die Familie beisammen und spricht über den Unfall. Man einigt sich, die Reste des Buffets den Hinterbliebenen zu bringen – was nun Laura unangemessen vorkommt. Sie selbst soll den Gabenkorb in die heruntergekommene Nachbarschaft bringen. Dort empfängt sie die Schwester der Witwe, und ehe sie es sich versieht, steht sie der Trauernden selbst gegenüber, bevor sie in das Zimmer geführt wird, in dem der Tote aufgebahrt liegt. Wunderschön sieht er aus, als würde er seelenruhig schlafen. Völlig verwirrt und in Tränen aufgelöst stolpert Laura nach draußen, wo ihr Bruder Laurie sie findet und nach Hause begleitet.

Die Töchter des Obersten selig

Constantia und Josephine Pinner haben ihren Vater verloren. Sie vermissen ihn und haben große Mühe, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Schwester Andrews, die den Oberst bis zum Schluss gepflegt hat, stört sie. Selbst als sich die beiden Schwestern von ihm verabschieden wollten, war sie dabei. Ihr Vater hatte sie nicht einmal richtig angesehen, nur ein Auge geöffnet. Als sie nun seine Sachen sortieren wollen, bekommen sie Angst, er würde es ihnen übelnehmen, und brechen ihr Vorhaben ab. Sie fühlen deutlich, dass ihr Vater ihnen nie verzeihen wird, dass sie ihn so schnell und auf diese Art haben begraben lassen. Sie überlegen, ob sie ihrem Bruder Benny die Uhr ihres Vaters schenken oder lieber dem einzigen Enkel ihres Vaters, Cyril. Sie besprechen, ob sie die Haushälterin Kate entlassen sollen, weil sie sich von ihr bespitzelt fühlen. Als vor dem Haus der von ihnen geliebte Leierkasten zu spielen beginnt, merken sie erleichtert, dass sie ihn nun nicht mehr auf Geheiß des Vaters wegschicken müssen – denn der ist ja tot.

Herr Tauber und Frau Taube

Reginald steht kurz vor seiner Abreise nach Rhodesien, wo er eine Obstfarm geerbt hat. Er ist nervös und eilt, an seiner strengen Mutter vorbei, zu Anne Proctor, in die er schon lange verliebt ist. Die beiden reden über Reggies bevorstehende Abreise. Anne zeigt ihm ihr Taubenpärchen und schildert das Verhalten der Tiere: Frau Taube lacht kurz, wenn sie Herrn Tauber sieht, läuft dann davon und Herr Tauber folgt ihr nickend, worauf Frau Taube wieder auflacht und ihm weiter davonläuft. Im Garten hält Reggie um Annes Hand an, doch sie lehnt ab. Sie habe ihn zwar sehr gern, erklärt sie, doch Liebe empfinde sie für ihn nicht, als verheiratetes Paar wären sie wie Herr Tauber und Frau Taube. Reggie will überstürzt aufbrechen, doch Anne ruft ihn zurück: Er soll sie genauso glücklich verlassen, wie er gekommen ist. Reggie kehrt um und geht zu ihr.

Das junge Mädchen

Mrs. Raddick will mit ihrer bildschönen Tochter ins Casino. Sie ist aufgeregt und voller Vorfreude auf die Spiele. Ihre Tochter hingegen ist offensichtlich gelangweilt und genervt von der kopflosen Art ihrer Mutter. Als sie aufgrund ihres Alters nicht ins Casino gelassen wird, bittet ihre Mutter einen Freund, eine Stunde lang mit ihrer Tochter und deren jüngerem Bruder Hennie Tee trinken zu gehen, damit sie ins Casino gehen kann. Die drei fahren in ein nobles Café, wo sich das junge Mädchen offenbar langweilt. Widerstrebend nimmt sie ein Gebäck an und bestellt eine heiße Schokolade, die ihr aber dann viel zu süß ist. Ihre Begleiter sind nervös und versuchen, die junge Dame bei Laune zu halten. Nach einer Stunde fahren sie zurück zum Casino, von Mrs. Raddick fehlt jede Spur. Ihre Tochter bittet, allein auf sie warten zu dürfen, denn sie müsse ja ohnehin ständig warten.

Das Leben der Mutter Parker

Die alte Frau Parker putzt regelmäßig die Wohnung eines jungen, gelehrten Herrn. Sie hatte wahrlich kein leichtes Leben: Als Küchenmädchen ist sie nach London gekommen. Ihr Mann, ein Bäcker, bekam die Schwindsucht vom vielen eingeatmeten Mehl. Sie hatten dreizehn Kinder, von denen sieben starben. Die Schwester des Mannes kam zum Helfen, fiel aber nach zwei Monaten die Treppe hinunter und verletzte sich an der Wirbelsäule. Aus den Kindern wurde nichts, die meisten gingen fort. Und nun ist auch noch Lennie, ihr einziger Enkel, gestorben. Sie hat so viel erdulden müssen, ihr ganzes Leben lang. Nun ist es genug. Sie verlässt Hals über Kopf die Wohnung des gelehrten Herrn und sucht einen Ort, an dem sie für sich sein und lauthals weinen kann – doch es gibt keinen solchen Ort.

Ehe à la mode

William fährt nach einer langen Arbeitswoche nach Hause. Im Zug versucht er noch etwas Papierkram zu erledigen, doch er kann sich nicht konzentrieren. Er denkt an seine geliebte Frau Isabel und an ihre Vorhaltung, er würde es ihr verübeln, dass sie sich verändere, ein neues, größeres Haus für die Familie wolle und neue Freunde gefunden habe. Isabel und einige dieser Freunde holen ihn vom Bahnhof ab. Abends gehen sie schwimmen, William bleibt zu Hause bei den Kindern. Das Wochenende vergeht wie im Flug, und als William wieder nach London abreist, hat er Isabel kaum gesehen. Im Zug nach London schreibt William einen Abschiedsbrief an Isabel. Sie erhält ihn im Kreis ihrer Freunde und liest ihn zur Unterhaltung aller laut vor. Dann bereut sie es und läuft, vom Schmerz getroffen, in ihr Zimmer. Die anderen wollen schwimmen gehen und rufen nach ihr. Sie muss sich entscheiden: William schreiben oder mit ihnen schwimmen gehen. Sie geht zu ihren Freunden.

Die Schiffsreise

Fenella eilt mit ihrer Großmutter Mary und ihrem Vater Frank zur Picton-Fähre. Großmutter und Enkelin schiffen sich ein und Frank verabschiedet sich ausgiebig und ernst von den beiden. Fenella ist ängstlich: Wie lang wird sie von zu Hause fortbleiben? Die Stewardess empfängt sie freundlich vor ihrer Kabine. Sie kennt die Großmutter, und als Fenella einschläft, kommt sie in die Kabine, um sich mit ihr über den tragischen Tod von Fenellas Mutter zu unterhalten. Am nächsten Morgen gehen Großmutter und Enkelin von Bord. Sie werden abgeholt und zu Großmutters Haus gebracht. Fenella muss kurz im Wohnzimmer warten, ehe sie ins Schlafzimmer gerufen wird. Dort liegt Großvater Walter und freut sich, seine Enkelin zu sehen.

Miss Brill

Miss Brill ist froh, dass sie ihren schönen Pelz angezogen hat, als sie durch den Park flaniert – wie sie es jeden Sonntag zu tun pflegt. Sie liebt es, von einer Bank aus die Leute zu beobachten, den Gesprächen der Pärchen oder der Musikkapelle zu lauschen. Das kam ihr schon immer sonderbar vor und heute entdeckt sie, weshalb: Sie und all die anderen spielen ein Theaterstück, sie sind alle Schauspieler, die sich Woche für Woche zu selben Zeit am selben Ort treffen, um eine Vorstellung zum Besten zu geben. Alle Rollen scheinen so perfekt aufeinander abgestimmt, dass Miss Brill fast weint vor Glück. Da setzt sich ein junges Paar neben sie und macht sich über ihren Pelz lustig. Ohne wie üblich ein Stück Honigkuchen zu kaufen, eilt Miss Brill nach Hause, sitzt lange auf ihrem Bett und packt dann ihren Pelz in eine Schachtel.

Ihr erster Ball

Leila teilt sich mit ihren Cousinen ein Taxi zum Ball. Sie ist voller Aufregung und Vorfreude, es ist schließlich ihr allererster Ball. Und sie wird nicht enttäuscht. Völlig bezaubert vom Gewimmel und Gerede wird sie wie benommen von ihrer Cousine Meg durch die Menge gelotst und einem Tanzpartner überreicht. Ernüchterung setzt erst ein, als ihr Partner gar kein Verständnis für ihre Begeisterung zeigt. Er wirkt müde, abwesend und viel älter als die anderen, viel hübscheren Tänzer. Beim Tanzen offenbart ihr der ältere Herr, wie schnell die ursprüngliche Freude am Ball nachlassen und Leila als alte Dame auf den Tribünen sitzen und wehmütig ihren Kindern beim Tanzen zusehen werde. Leila ist zunächst bestürzt, doch während sie von immer neuen Partnern übers Parkett geführt wird, vergisst sie alle Trauer und beginnt wieder zu strahlen.

Die Singstunde

Als Miss Meadows an einem eisigen Wintertag ihre Musikklasse betritt, steht sie völlig neben sich. Die Chrysantheme, die ihr ihre Lieblingsschülerin und Klavierbegleitung in jeder Stunde überreicht, lässt sie heute links liegen. Während sie die Klasse immer wieder das Lied Eine Klage wiederholen lässt, denkt sie an den Brief ihres Verlobten Basil. Er könne sie nicht heiraten, hat er geschrieben, der Gedanke daran erfülle ihn mit Bedauern – das Wort „Abscheu“ hat er durchgestrichen, aber man kann es noch lesen. Als Miss Meadows immer mehr Ausdruck und Schwere von ihren Sängerinnen einfordert, wird sie unterbrochen und zur Direktorin gebeten. Sie hat ein Telegramm von Basil erhalten, in dem er schreibt, dass sie seinen Brief nicht ernst nehmen soll. Gelöst kehrt Miss Meadows in die Klasse zurück und lässt ein Freudelied anstimmen – dem die niedergeschlagene und traurige Klasse nur mit Mühe Ausdruck verleihen kann.

Der Fremde

Beunruhigt steht eine Menschenmenge am Kai und blickt zu dem Schiff hinaus, das seit einigen Stunden unbeweglich in der Bucht vor Anker liegt. John Hammond ist besonders aufgeregt, denn seine Frau Janey befindet sich an Bord des Schiffes. Schließlich läuft es doch noch ein. Als John endlich seine Frau erblickt, bricht eine freudige Erleichterung aus ihm hervor. Er ist aufgeregt, fahrig und hat es eilig, endlich allein mit ihr zu sein. Im Hotelzimmer angekommen, scheint Janey abgelenkt, die innige Wiedersehensfreude will sich nicht einstellen. Sie erzählt ihm, weshalb das Schiff so lange mit der Einfahrt gewartet hat: Ein junger, sehr kranker Mann ist an Bord verstorben – in Janeys Armen. John ist völlig außer sich: ein anderer Mann, allein mit Janey – und in ihren Armen verstorben! In diesem Moment zerbricht in ihm die Idylle ihrer trauten Zweisamkeit für immer.

Bankfeiertag

Gegenüber dem Obstladen erklingen eine Fiedel und eine Flöte. Es ist ein sonniger, heißer, aber auch windiger Tag. Junge und alte Frauen, Männer in Anzug, Uniform und Arbeitskleidung unterhalten sich angeregt und essen Obst, kaufen Hampelmänner, Kaugummi oder Dreispitze. Die Kinder toben herum, essen Eis oder stehen staunend vor den Musikern. Eine italienisch aussehende Frau bietet an, die Zukunft vorauszusagen. Ein verschwitzter Herr versucht vergeblich, Uhren an den Mann zu bringen. Die Menschen drängen ins Gasthaus, von der Sonne und der Hitze angetrieben.

Eine ideale Familie

Als Mr. Neave in den warmen Frühlingsabend hinaustritt, um nach Hause zu gehen, fühlt er sich alt und erschöpft. Er denkt an seinen Sohn Harold, der vom Leben und den Leuten verwöhnt ist. Unmöglich, ihm alles zu überschreiben und in Ruhestand zu gehen, wie Charlotte, Mr. Neaves Frau, und seine Töchter verlangten. Wer wird sich denn dann um die Geschäfte kümmern und der Familie ihren Luxus finanzieren? Zu Hause angekommen, ist er müde und ausgelaugt. Charlotte und die Töchter spielen Klavier und unterhalten sich über Eis. Sie nehmen ihn nur flüchtig wahr, als er in den Lehnstuhl sinkt und einzuschlafen beginnt. Die vielen Besucher im Hause Neave meinten stets, sie seien eine perfekte Familie. Doch hat er nicht sein ganzes Leben nur geschuftet und von seiner Familie gar nichts mitbekommen? Sein Butler lässt ihn hochschrecken: Der Abendbesuch ist angekommen.

Die Zofe

Wie schön und edel Madam doch ist, genau wie ihre Mutter, denkt die Zofe, die diese bis zu ihrem Tod gepflegt hat. Bereits früh, mit dreizehn Jahren, ist sie zu ihr gekommen. Von Anfang an hat sie in Uniform gearbeitet. Eine Familie hatte sie keine, oder keine gute: Ihr Großvater, ein Friseur, verbrannte ihr einmal einen Finger mit der Brennschere, weil sie sich ihre Haare abgeschnitten hatte. Einmal hätte sie beinahe geheiratet, einen Gärtner. Doch Madam alleinzulassen, brach ihr das Herz, also blies sie alles ab. Manchmal beginnt sie nachzudenken, dann weist sie sich selbst zurecht.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das Gartenfest ist eine Sammlung von 15 Kurzgeschichten. Die Sprache ist schlicht und klar, die Geschichten eher handlungsarm, dafür sehr impressionistisch. Mansfields Texte werden häufig mit Charakterbildern oder Porträts verglichen; sie versteht es, die individuellen Gefühlsdynamiken der Figuren sehr einfühlsam und eindrücklich wiederzugeben. Dieser stark subjektiv gefärbte Stil nimmt sehr viel häufiger die Perspektive von Frauen als jene von Männern ein und verbleibt größtenteils in der dritten Person. Die Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit oder Zukunft sowie zwischen Realität, Gedanken oder Tagträumen sind fließend. Längere Erzählungen wie An der Bucht oder Die Töchter des Obersten selig bestehen aus kurzen nummerierten Szenen, die in einem sehr lockeren Handlungszusammenhang stehen. Der sehr kurze Text Bankfeiertag ist überhaupt nur eine einzige, ausgedehnte Aneinanderreihung von unzusammenhängenden Beobachtungen und Details. Darin lässt sich Mansfields oft gewürdigte Vorreiterrolle für die moderne Literatur sehr gut erkennen. Ebenso in den häufigen offenen Enden der Erzählungen: Entweder bricht die Handlung mehr oder weniger abrupt ab, oder eine anstehende Erkenntnis über das Selbst oder das Leben wird nicht in Worte gefasst. Viele Geschichten sind in der sozialen Oberschicht angesiedelt und spielen an noblen Orten wie Anwesen oder High-Society-Cafés. Prosaisch und ruhig beschreibt Mansfield, wie unscheinbare Vorfälle für die Figuren zu Katastrophen und Krisen werden und den Alltag und Gewohnheiten der handelnden Personen durcheinanderwerfen.

Interpretationsansätze

  • Das dominierende Motiv der Kurzgeschichten in Das Gartenfest ist die Endlichkeit des Lebens, der Tod. Mansfield selbst erlebte 1915 ein Trauma, als ihr Bruder Leslie im Krieg fiel. Zudem schrieb sie die Kurzgeschichten von Das Gartenfest bereits unter der Vorahnung ihres eigenen bevorstehenden Todes.
  • Die immer wieder anklingende homosexuelle Spannung zwischen Frauen hat einen autobiografischen Hintergrund. Katherine Mansfield hatte immer wieder lesbische Beziehungen und Affären, stand diesen aber, ihrer Zeit entsprechend, sehr ambivalent und unsicher gegenüber.
  • Das für die Moderne charakteristische Gefühl der Entfremdung dominiert viele der Erzählungen. Dabei geht es um das Gefühl der Fremdheit gegenüber der sozialen Klasse (Das Gartenfest, Das junge Mädchen), dem Partner (Ehe à la mode) oder dem eigenen Leben (An der Bucht).
  • Ein wichtiges Motiv der Texte ist das Scheitern der Sprache im Versuch der Protagonisten, die Tragweite und Bedeutung eines Ereignisses oder des Lebens selbst in Worte zu fassen. Die Schwestern in Die Töchter des Obersten selig vergessen, was sie sagen wollen; in Das Gartenfest scheitert Laura daran, die Tragik des Lebens in Worte zu fassen, und Miss Brill in der gleichnamigen Erzählung glaubt, alles zu verstehen – ohne zu wissen, was. 
  • Die meisten Protagonisten in Mansfields Geschichten zeichnet eine auffallende Handlungsunfähigkeit aus. Jonathan in An der Bucht, Isabel in Ehe à la mode und andere Figuren: Sie alle sind unfähig, eine Entscheidung zu treffen, obwohl ihnen die Dringlichkeit einer Entscheidung sehr bewusst ist.
  • Die Forschung betont Mansfields Leistung, die soziale Stellung der Frau in der bürgerlichen Welt um 1900 thematisiert und ergründet zu haben.

Historischer Hintergrund

Das britische Neuseeland

Wie in den meisten Kolonien litten auch die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, unter der Landenteignung und Missionierung durch die britischen Kolonialherren sowie unter ihnen bisher unbekannten, eingeschleppten Krankheiten. Mit dem Vertrag von Waitangi, der das Land 1840 offiziell der britischen Krone unterstellte, erhielten die Maori Landgarantien und die britischen Bürgerrechte. Doch auch am Ende des 19. Jahrhunderts litt die stark dezimierte Urbevölkerung noch unter den Folgen der Kolonialisierung. Katherine Mansfield setzte sich zeitlebens stark für die Belange der Maori ein. Von den 1850er- bis in die Mitte der 1860er-Jahre vollzog sich ein politischer Wandel hin zu einer selbstregierten Kolonie; die volle legale Unabhängigkeit wurde allerdings erst 1947 umgesetzt. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts erließ die liberale Regierung zahlreiche soziale Reformen. Neuseeland war etwa 1893 das erste Land der Welt, das das Frauenwahlrecht einführte – durchaus ein Grund für das in England als skandalös empfundene emanzipierte Selbstverständnis Mansfields. Durch die enge Bindung an das Mutterland gab es einen regen wirtschaftlichen und sozialen Austausch zwischen Neuseeland und England. Die sozial höher gestellten Klassen schickten ihre Kinder mit großer Selbstverständlichkeit nach England, damit diese dort eine europäische, als besser empfundene Ausbildung absolvierten.

Entstehung

Ab September 1920 verbrachte Katherine Mansfield ein halbes Jahr mit Ida Baker in einer Villa bei Menton in Frankreich. Sie fühlte sich in dem Anwesen sehr wohl und arbeitete den ganzen Herbst hindurch eifrig an Buchrezensionen für Athenaeum, die Zeitschrift ihres Ehemanns John Middleton Murry. Allerdings war dieses Arbeitspensum für ihren schlechten Gesundheitszustand zu viel. Auch der anhaltende Streit mit Murry trübte immer wieder ihre Stimmung. Nach einer Episode beklemmender Albträume begann Ende Oktober eine sehr produktive Phase, in der sie hauptsächlich tragische Frauenporträts verfasste: Die Töchter des Obersten selig, Miss Brill, Die Kammerzofe und Das Leben der Mutter Parker. Oft schrieb sie die Erzählungen nachts in einem Stück durch. Nach einer Eifersuchtsszene mit Murry entstand im Dezember Der Fremde. Ende des Jahres erschien die Kurzgeschichtensammlung Seligkeit, die sehr positiv aufgenommen wurde und sich gut verkaufte. Den Sommer 1921 verbrachte Mansfield zusammen mit Murry in der Schweiz. Dort schrieb sie im August An der Bucht, Das Gartenfest, Die Seereise und Ihr erster Ball. Dabei war sie zeitweise zu schwach, um überhaupt das Bett zu verlassen. Fast alle in Das Gartenfest versammelten Kurzgeschichten erschienen zunächst als Einzeltexte in Literaturmagazinen, in Sphere, London Mercury und Athenaeum. Nur die Kurzgeschichte Das Gartenfest erschien in einem anderen Magazin, in der Weekly Westminster Gazette. Die Texte wurden zwischen Oktober 1920 (Das junge Mädchen) und Februar 1922 (Das Gartenfest) veröffentlicht und von Mansfield selbst Anfang 1922 zur Sammlung Das Gartenfest und andere Erzählungen zusammengefasst. Das Buch enthielt nur einen Text, der nicht bereits zuvor publiziert worden war: Die Singstunde.

Wirkungsgeschichte

Das Gartenfest und andere Erzählungen erschien im März 1922 in London und New York. Das Buch verkaufte sich sehr gut, kurz nach der Veröffentlichung folgten bereits eine zweite und dritte Auflage. Dieser zweite Erfolg nach Seligkeit machte Katherine Mansfield zu einer Berühmtheit, sie erhielt immer mehr Angebote für Veröffentlichungen und Übersetzungen. Für 1923 plante sie, ihre Texte in London vorzutragen, da sie die Stimmen ihrer Protagonisten exakt im Kopf hatte. Doch dieses Vorhaben zerschlug sich angesichts der immer schneller voranschreitenden Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Das Gartenfest erwies sich als die letzte Veröffentlichung, die sie noch selbst zusammenstellen konnte. Weniger als ein Jahr nach dem Erscheinen dieser Kurzgeschichtensammlung verstarb sie mit 34 Jahren an Tuberkulose. Die Beliebtheit ihrer Werke riss jedoch auch nach ihrem Tod nicht ab. Murry bewarb Mansfields Bücher in seinen Zeitschriften und arbeitete mit dem Verlag einen dichten Veröffentlichungsplan aus, wodurch von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre regelmäßig Neuauflagen oder Werke aus dem Nachlass erschienen. Nicht nur im angloamerikanischen Sprachraum, auch in Frankreich oder Deutschland erfreut sich Mansfield hoher Popularität. In den 1970er-Jahren wurde sie von feministischen Literaturtheoretikerinnen wie Hélène Cixous ausgiebig gewürdigt. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der literarischen Moderne Großbritanniens, vom Rang eines D. H. Lawrence oder einer Virginia Woolf – mit denen Mansfield befreundet war und die sie beide, als Schriftstellerin wie als Lebenskünstlerin, bewunderten. Um die Erforschung und Verbreitung ihres Werkes kümmert sich inzwischen die internationale Katherine Mansfield Society, die regelmäßig Konferenzen zu Mansfield abhält und jährlich die Katherine Mansfield Studies veröffentlicht.


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