Zusammenfassung von Das siebte Kreuz

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Das siebte Kreuz Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Politischer Roman
  • Deutsche Exilliteratur

Worum es geht

Deutschland vor dem Weltenbrand

Sieben Männer fliehen aus einem KZ. Wem wird der Weg in die Freiheit gelingen? Nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch ihre Helfer und diejenigen, die als Helfer verdächtigt werden, befinden sich in einer nervenzerreißenden Ausnahmesituation. Anna Seghers’ Roman Das siebte Kreuz hinterlässt atemlose Leser. Das liegt nicht nur am Stoff, sondern auch an der Darstellung: Radikal geschnittene Einzelszenen aus verschiedenen Perspektiven werden zu einer simultanen Gesamtschau montiert. Nebenbei entsteht ein Querschnitt durch alle Bevölkerungsschichten und Gemütslagen Nazideutschlands im Jahr 1937. Das siebte Kreuz ist ein antifaschistischer Roman, verfasst von einer Kommunistin, doch er kommt nicht ideologisch, nicht moralinsauer daher: Er ist spannend, ergreifend und unmittelbar plastisch.

Take-aways

  • Anna Seghers’ antifaschistischer Roman Das siebte Kreuz ist ihr erfolgreichstes Werk.
  • Inhalt: Sieben KZ-Häftlinge wagen 1937 die Flucht. Für sie lässt der Lagerkommandant sieben Kreuze errichten, an die er die Wiedereingefangenen festbinden will. Der politische Gefangene Georg Heisler ist letztlich der Einzige, der entkommt. Seine Freunde und Genossen spannen ein unsichtbares Netz, um ihm zu helfen; nach einer Woche ist er in Sicherheit.
  • Trotz der beklemmenden Thematik ist der Tenor des Romans zuversichtlich.
  • Die sieben Tage der Flucht entsprechen sieben Kapiteln. In kurzen, aufeinanderfolgenden Szenen werden gleichzeitige Ereignisse wiedergegeben.
  • Das christliche Motiv der Kreuzigung wird umgekehrt: Die Erlösung besteht darin, dass Georg Heislers Kreuz frei bleibt.
  • Bis 1938 waren vor allem politische Gegner, Homosexuelle und sogenannte Asoziale in KZs interniert.
  • Anna Seghers war Jüdin und Kommunistin. 1933 floh sie nach Frankreich, 1941 weiter nach Mexiko. Das siebte Kreuz verfasste sie von 1937 bis 1939 im Exil in Paris.
  • Der Roman erschien 1942 in den USA auf Englisch und noch im selben Jahr in Mexiko auf Deutsch.
  • Noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Das siebte Kreuz verfilmt.
  • Zitat: „Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, daß es im Innersten etwas gab, das unangreifbar war und unverletzbar.“
 

Zusammenfassung

Montag

An einem Montag Anfang Oktober fährt Franz Marnet vom Hof seiner Verwandten im Taunus zur Arbeit in den Höchster Farbwerken. Er hört, dass aus dem Konzentrationslager Westhofen mehrere Häftlinge ausgebrochen sind, und fragt sich, ob sein einstiger Freund Georg Heisler unter ihnen ist.

„Jetzt nur kein Mensch sein, jetzt Wurzel schlagen, ein Weidenstamm unter Weidenstämmen, jetzt Rinde bekommen und Zweige statt Arme.“ (Georg, S. 25)

Das ist tatsächlich der Fall: Unter Sirenengeheul, im dichten Nebel, gegen sechs Uhr früh, kriecht Georg im Sumpf unterhalb eines Damms entlang, auf dem Posten patrouillieren. Er schließt aus den Geräuschen, dass bereits einer der sieben Entflohenen gefasst wurde. Der Gedanke an seinen älteren Mitflüchtling Wallau, dessen beruhigende Stimme er innerlich hört, gibt ihm Kraft. Er kriecht weiter durch einen Graben, dann durch ein Abwasserrohr, schließlich geht er über ein Feld und versteckt sich im Schuppen einer landwirtschaftlichen Schule. Dort verbindet er sich die aufgerissene linke Hand, findet Jacken und wählt sich eine aus braunem Samt mit Reißverschluss. Er verlässt den Schuppen mit einem Maschinenteil auf der Schulter, deshalb winkt eine Motorradstreife ihn weiter. Er nimmt einen Feldweg zu einem Dorf. Als er einen Pfiff hört, versteckt er sich in einem Hof. Das Dorf ist eingekreist. Kurz darauf hört Georg, dass ein Flüchtling gefangen genommen wurde. Weil von einer Brille die Rede ist, weiß er, dass es Pelzer sein muss.

„Aber zugleich erhob sich in seinem Innern, leise und rein und klar, eine unverletzbare, unübertönbare Stimme, und er wußte, daß er sofort bereit war zu sterben, wie er zwar nicht immer gelebt, aber immer zu leben gewünscht hatte, kühn und ruhig.“ (über Georg, S. 49)

Georgs Plan ist es, nach Frankfurt zu gelangen, zu seiner geliebten Leni. Der Fahrer eines Brauereiautos nimmt ihn ein Stück nach Mainz mit. Als eine Streife den Wagen anhält, bemerkt der SS-Mann zwar die Samtjacke, deren Verschwinden inzwischen gemeldet wurde, aber weil Georg keine Ähnlichkeit mehr mit dem Foto auf den KZ-Aufnahmepapieren hat, winkt er ihn durch. In Mainz lässt Georg sich über Nacht im Dom einschließen.

„Wenn ich Wallau in meinem Leben nur in Westhofen treffen könnte, ich würde alles noch einmal auf mich nehmen (...)“ (Georg, S. 78)

Franz und Georg haben sich nach Ende ihrer Schulzeit auf dem Fußballplatz kennengelernt und sich vier Jahre später in einem Ferienlager der Arbeiter-Abendschule wiedergetroffen. Das nächste Mal sahen sie sich bei einer Demonstration. Danach zog Georg zu Franz, und so lebten, lernten und demonstrierten sie zusammen. Doch als Georg Franz die Freundin, Elli Mettenheimer, ausspannte, kam es zum Bruch. Georg und Elli heirateten, sie wurde kurz darauf schwanger, aber noch während der Schwangerschaft ließ Georg sie sitzen. Franz zog für ein paar Jahre nach Norddeutschland, wo seine Mutter bei einer seiner Schwestern lebte. Als seine Mutter starb, kehrte er Ende 1933 in die Nähe von Frankfurt zurück, auf den Hof seines Onkels. Der Einzige, der von Franz’ immer noch aktueller politischer Gesinnung weiß, ist hier Hermann, ein Freund und Genosse. Er ist es auch, der ihm berichtet, dass Georg verhaftet wurde. Von einem entlassenen Häftling erfahren sie, dass Georg trotz aller Misshandlungen keinen Gesinnungsgenossen verraten hat.

Dienstag

Georg lässt sich von einem jüdischen Arzt die Hand versorgen. Danach geht Georg zum Rheinufer. Ein Schiffer interessiert sich für seine Jacke, und er tauscht sie gegen einen Wollpullover. Ein Angler schließt sich Georg an. Da kommt ein Polizist, kontrolliert erst dessen Papiere und will dann auch diejenigen von Georg sehen. Georg rennt weg, beide ihm hinterher. Es gelingt ihm, sie abzuschütteln. Er kehrt zurück in die Stadt. Derweil sitzt einer der anderen Entflohenen, der Artist Belloni, auf einem Hoteldach. Er ist bereits entdeckt worden. Vom Dach des Nachbarhauses schießt man ihm in die Füße. Bevor die Häscher ihn festnehmen können, stürzt er sich vom Dach. Er stirbt wenige Stunden später im Krankenhaus.

„Er hatte jetzt keine Hoffnung mehr, aber auch auf diesem letzten Wegstück, dem Wegstück ohne Hoffnung, wollte er seine Freiheit verteidigen.“ (über Belloni, S. 106)

Alfons Mettenheimer, Ellis Vater, wird von der Gestapo vorgeladen. Man fragt ihn über seinen Schwiegersohn aus. Kurz darauf stellt er fest, dass er beschattet wird. Später sieht Franz Elli zufällig auf der Straße. Er beobachtet, wie sie in ihre Wohnung geht, und setzt sich in die Konditorei gegenüber. Damit ist er nicht der Einzige, der ihr auflauert, denn auch Elli wird bespitzelt. Franz und der Spitzel beobachten, wie ein Mann zu Elli geht, der Georg von Weitem ähnlich sieht. Sein Name ist Heinrich Kübler. Heinrich möchte, dass Elli Georg endgültig loswird und sich von ihm scheiden lässt. Deshalb beantragte sie vor über einem Jahr eine Besuchserlaubnis für das KZ Westhofen. Doch der Besuch war so schockierend, dass sie nicht von Scheidungspapieren sprechen konnte. Elli erkannte Georg zuerst gar nicht, so sehr hatten die Misshandlungen sein Äußeres verändert. Sie sagte schließlich nichts weiter, als dass es dem Kind gut gehe; Georg versuchte, eine geheime Botschaft hinter dieser Aussage zu erkennen. Die beiden waren sich fremd geworden. Nach diesem Erlebnis hatte Elli fast ein Jahr lang keine Lust mehr, sich mit Heinrich zu treffen, aber jetzt hat sie ihn doch wieder eingeladen. Franz beobachtet aus der Konditorei, wie Elli und Heinrich Kübler abgeführt werden. Da wird ihm klar, dass Georg geflohen ist und dass dessen Familie überwacht wird.

Mittwoch

Weil man Heinrich Kübler für Georg Heisler hält, wird er zusammengeschlagen und bewusstlos nach Westhofen gebracht. Die Verwechslung verursacht einen Wutanfall bei Lagerkommandant Fahrenberg. Kurz darauf wird Wallau in Worms gefasst. Einer seiner Freunde hat ihn im Verhör verraten; dieser Freund erhängt sich nun. Wallau wird verhört, doch er sagt die ganze Zeit über nichts. Er betrachtet sich schon als tot. Selbst als man ihm mitteilt, dass seine Frau und seine Schwester verhaftet und seine Söhne in eine Erziehungsanstalt gegeben wurden, schweigt er.

„Wenn ein noch so winziger Streich gelang gegen die Allmacht des Feindes, dann war schon alles gelungen.“ (ein Gefangener, S. 164)

Georg hat die Nacht in einem Schuppen verbracht. Als er wieder in Richtung Rhein geht, kommt er mit einem Lehrer und einigen Schuljungen ins Gespräch. Im Schutz dieser Gruppe gelangt er ans andere Ufer. Unterdessen wurde die Samtjacke gefunden. Der Landwirtschaftsschüler Fritz Helwig, dem sie eigentlich gehört, war zuvor ein überzeugtes Mitglied der Hitlerjugend, hat nun aber Solidarität mit dem Flüchtling entwickelt und leugnet, dass es seine Jacke sei. Dadurch verschafft er Georg einen wichtigen Vorsprung. Auf der Wiesbadener Landstraße winkt dieser ein ausländisches Auto heran und fährt ein Stück mit. In seiner Erschöpfung kommt ihm der Gedanke, den fremden Fahrer mit einem Schlag auf den Kopf unschädlich zu machen und ihn dann aus dem Wagen zu werfen, um sich schnellstmöglich ins Ausland abzusetzen. Darüber erschrickt er so sehr, dass er aussteigt. Bis nach Frankfurt sind es noch 2 Kilometer. Mit der Straßenbahn fährt er schließlich nach Frankfurt-Niederrad, zu Leni, die vor seiner Inhaftierung seine Geliebte war. Eine stramme Hausfrau öffnet die Tür. Sie leugnet, Leni zu sein, obwohl Georg sie wiedererkennt, und wirft ihn hinaus. Danach geht Georg in eine Straße, die Belloni ihm genannt hatte. Von einer Kostümschneiderin bekommt er neue Kleider und etwas Geld.

„Wie es Georg in der Nacht geahnt hatte, verwandelte sich seine Heimatstadt mit allen Menschen, die jemals in einem Zusammenhang mit seinem Leben gestanden hatten, (...) in ein System von lebenden Fallen.“ (S. 211)

Franz besorgt zwei Kinokarten und schiebt eine unter der Tür von Ellis Elternhaus durch. Sie denkt, die Karten seien von einer Freundin. Später setzt Franz sich im dunklen Kino neben Elli. Er fragt sie nach Georgs möglichen Anlaufstellen und verabredet sich für den folgenden Morgen in der Markthalle mit ihr. Georg steuert inzwischen die Wohnung eines einstigen Genossen an. Als er dort klingelt, sagt dessen Frau, ihr Mann sei gegenüber in der Wirtschaft. Georg sieht ihn dort unter lauter SA-Uniformierten, und ihm kommen Zweifel. Er geht weiter und beschließt, mit der erstbesten Prostituierten mitzugehen, um einen Schlafplatz für die Nacht zu haben. Die Erstbeste ist zwar erstaunlich hässlich, aber in ihrer Wohnung kann er tatsächlich schlafen. Nachts wacht er auf und erinnert sich daran, dass er im Treppenhaus vier Menschen begegnet ist. Er fürchtet, sie könnten ihn erkannt haben, und flüchtet aus dem Fenster.

Donnerstag

Georg, ganz schwach vor Hunger, kauft sich ein Brötchen. Ein junger Mann erkennt ihn, aber er will ihn nicht anzeigen, trotz des Geldes, das auf Georg ausgesetzt ist. In der Straßenbahn findet Georg eine Zeitung, er versteckt sich dahinter und entdeckt sein eigenes Bild darin, neben jenen von Aldinger und Füllgrabe: Sie sind also die Letzten, die noch nicht gefunden wurden. Panisch steigt er aus der Straßenbahn aus. Per Zufall trifft er Füllgrabe mitten in der Stadt. Der sieht gepflegt und elegant aus und sagt, er sei auf dem Weg zur Gestapo. Er will sich stellen, um mit dem Leben davonzukommen. Er empfiehlt Georg, das Gleiche zu tun, doch der hält ihn für wahnsinnig. Georg geht seine Freunde auf ihre Vertrauenswürdigkeit hin durch. Franz fällt ihm als Erster ein, aber Georg glaubt ihn weit weg. Auf vier Menschen kommt er schließlich. Er entscheidet, dass er sie nicht selbst aufsuchen kann, sondern dass das jemand Unverdächtiges tun muss. Erneut geht er alle Leute durch, die er kennt. Ihm fällt sein schlichter, unpolitischer Schulfreund Paul Röder ein. Paul erkennt seinen alten Freund, als der in seinem Treppenhaus wartet, und bittet ihn herein. Er weiß weder etwas von Georgs Lagerhaft noch von seiner Flucht. Auch seine Frau Liesel freut sich, Georg zu sehen. Er erzählt Paul die Wahrheit, und die Röders erlauben ihm, bei ihnen zu übernachten.

„Ruhig, Georg. Du hast eine Menge guter Gesellschaft. Etwas verstreut im Augenblick, das macht nichts. Haufenweis Gesellschaft – Tote und Lebende.“ (Wallau zu Georg in dessen Gedanken, S. 224)

Franz hat in der Stadt ein Netz gelegt, um Georg zu helfen. In der Markthalle hat Elli wie verabredet Äpfel bei Franz’ Tante bestellt. Franz hat die Äpfel nun Ellis Schwester geliefert, wodurch er ungestört mit Elli sprechen konnte. Als sie überlegten, an wen Georg sich wenden könnte, fiel ihnen beiden Paul Röder ein. Inzwischen hat Hermann vorsorglich Geld und Papiere für Georg aufgetrieben.

Freitag

Der alte Aldinger hat den ganzen Weg bis zu seinem Dorf zu Fuß zurückgelegt und ist nur durch Zufall allen Kontrollen entgangen. Aldinger stirbt vor Erschöpfung auf einer Anhöhe direkt über seinem Dorf. Er war das Opfer einer dörflichen Machtintrige: Ein Konkurrent ums Bürgermeisteramt hatte ihn denunziert. Nun wendet sich das Dorf gegen den Denunzianten und solidarisiert sich mit Aldingers Angehörigen.

„Franz fragte sich (...), ob dieses einfache Glück nicht alles aufwiege. Ein bisschen gewöhnliches Glück, sofort, statt dieses furchtbaren unbarmherzigen Kampfes für das endgültige Glück irgendeiner Menschheit (...)“ (S. 228)

In Westhofen hat der halb wahnsinnig gewordene Lagerkommandant Fahrenberg Bäume fällen lassen. Jetzt stehen nur noch sieben in einer Reihe, für jeden Flüchtling einen. Querbretter werden an die Platanen genagelt, jeden Abend werden die vier eingefangenen Flüchtlinge an diese Kreuze gebunden und müssen stundenlang stehen.

„Fiedler, du hast so lang und so gut auf dich achtgegeben, daß man dir ja nichts anmerkt, bis auf einmal das nicht mehr da war, was man dir nicht anmerken sollte (...) Aber es muß doch etwas geblieben sein (...), und der Röder hat’s gespürt.“ (Fiedler zu sich selbst, S. 327)

Paul geht am Morgen los, um Georg zu helfen. Dieser hat ihm zwei Namen gegeben. Bei der ersten Adresse erfährt Paul, dass der Mann jetzt in Westhofen sei. Die zweite Person denkt, Paul sei von der Gestapo und die verschlüsselte Botschaft sei eine Falle. Deshalb weist er ihn ab. Es sieht so aus, als müsste Georg noch einmal bei Paul übernachten, doch dann kommt Liesel vom Bierholen und erzählt, wie sie gehört hat, dass jemand in der Wirtschaft nach ihnen gefragt habe. Georg bricht sofort auf. Paul begleitet ihn nach draußen und hat eine Idee: Er bringt ihn zu seiner Tante, einer Fuhrunternehmerin, und gibt ihn als seinen Schwager aus, der demnächst bei ihr anfangen soll. Während Pauls Abwesenheit klingelt ein fremder Mann bei Liesel. Sie behauptet, ihr Mann sei verreist, nicht ahnend, dass es sich bei dem Fremden um Franz handelt.

Samstag

In Westhofen werden die vier eingefangenen Flüchtlinge ermordet. Davon nichts ahnend, überlegt Paul bei der Arbeit fieberhaft, wen er ins Vertrauen ziehen könnte. Seine Wahl fällt auf Fiedler, einen Arbeitskollegen von ihm. Dieser bestellt Paul für den Abend in ein Wirtshaus. Dort sagt Fiedler ihm, ein Auto werde Georg um Viertel nach acht vor dem Olympia-Kino erwarten. Paul überbringt die Nachricht Georg, der in der Werkstatt seiner Tante arbeitet. Am Abend steigt Georg in das Auto ein. Der Fahrer ist Doktor Kreß, den Fiedler aus der Arbeiter-Abendschule kennt, wo Kreß Chemie unterrichtet hat. Kreß fährt Georg zu sich nach Hause. Derweil wird Paul zum Verhör abgeholt. Fiedlers Frau erfährt davon, worauf Fiedler sie mit der Neuigkeit zu Kreß schickt. Er selbst verschwindet vorsichtshalber von zu Hause. Als Georg die Nachricht erhält, muss er abwägen, ob er bleibt oder verschwindet. Er entscheidet sich, Paul zu vertrauen und zu bleiben, bis die von seinen Helfern für ihn beschafften Papiere sowie das Geld zu ihm gebracht werden. Das Ehepaar Kreß harrt mit ihm aus. Sie warten die ganze Nacht, und bei jedem vorbeifahrenden Auto zucken sie zusammen.

Sonntag

Fiedler sucht einen weiteren vertrauenswürdigen Kollegen auf, Reinhardt. Der wollte selbst gerade zu Fiedler gehen, um eine Verbindung zu Paul Röder herzustellen – denn Reinhardt hat von Hermann den Umschlag mit den falschen Papieren und dem Geld für Georg bekommen. All das überreicht er Fiedler. Der Pass stammt vom Neffen eines holländischen Schleppdampferkapitäns, der regelmäßig mit seinem Onkel nach Mainz fährt. Fiedlers Frau übergibt Georg den Umschlag und teilt ihm mit, dass ihn am folgenden Morgen um halb sechs in Mainz ein Schiff erwarte.

„War das erlaubt, einen Menschen für den anderen aufs Spiel zu setzen? Unter welchen Bedingungen erlaubt? (...) ja, es war erlaubt. Nicht nur erlaubt, sondern nötig.“ (Hermann, S. 332)

Paul Röder kommt nach der Verhörnacht in gelöster Stimmung nach Hause: Obwohl man ihm mit allem Möglichen gedroht hat, konnte man ihm nichts nachweisen. Das Ehepaar Kreß fährt Georg am Abend nach Mainz. Der Glaubwürdigkeit halber soll er sich für die Nacht ein Schifferquartier suchen. Georg fürchtet aber, in Fragen verwickelt zu werden und geht in einem Gasthausgarten ein Bier trinken. Er flirtet mit der Kellnerin, und sie nimmt ihn über Nacht mit zu sich nach Hause. Am Morgen macht er sich auf zum Anleger, er geht an Bord und entkommt ins Ausland. Fahrenberg wird als Lagerkommandant abgesetzt und begeht angeblich Selbstmord. Sein Nachfolger lässt die sieben Kreuze abschlagen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das wichtigste Strukturmerkmal des rund 400 Seiten starken Romans ist die Gleichzeitigkeit in der Darstellung: Sieben Tage werden in sieben Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei jede Szene eine Verbindung zur Flucht Georg Heislers hat. Typisch sind verknüpfende Zeitangaben wie „um diese Zeit“ oder „währenddessen“. So ergeben sich mehrere Handlungsstränge mit zahlreichen Figuren. Die wichtigsten sind vorne im Buch in einem Personenverzeichnis aufgeführt, wie es sonst bei Theaterstücken üblich ist. Die Handlungsstränge sind in einzelne Szenen fragmentiert – insgesamt 127. Allein daraus ergibt sich eine große Spannung. Die Fülle der Figuren und unterschiedlichen Lebenswelten sorgt zusammen mit der szenischen Darstellungsweise für Unmittelbarkeit und Lebendigkeit. Auch die Erzählperspektive ist sehr beweglich: Mal spricht ein allwissender Erzähler, dann wird aus der begrenzten Sicht einer Figur berichtet und manches wird auch im inneren Monolog erzählt. Durch geschicktes Zurückhalten oder Herausgeben von Informationen wird zusätzlich die Spannung gesteigert. Seghers’ Sprache ist schnörkellos und direkt; durch gelungene Figurenpsychologie wirken alle Charaktere glaubwürdig.

Interpretationsansätze

  • Obwohl der Nationalsozialismus zum Zeitpunkt der Romanhandlung schon so viel Macht gewonnen hat, dass dessen Gegner kaum mehr gegen ihn ankämpfen können, zeugt die Geschichte von Zuversicht. Thematisiert werden die kleinen Triumphe: Georgs geglückte Flucht, Aldinger und Belloni, die sich den Verfolgern entziehen, wenngleich durch den Tod, und die mutigen Taten der zahlreichen Helfer.
  • Gerade jene Helfer, die wissen, wer Georg ist und welches Risiko sie durch den Kontakt zu ihm eingehen, gewinnen neue Kraft aus dem Widerstand. Sie erkennen, was ihnen wichtig ist, und durchbrechen mit ihrer Menschlichkeit die Übermacht des Naziterrors und den lähmenden Alltag.
  • Christliche Symbole werden im Roman umgekehrt. Die Geschichte entwickelt sich nicht auf das Kreuz hin, sondern vom Kreuz weg: Georg, den man nicht ans Kreuz schlagen kann, ist das Sinnbild der Rettung. Nicht ein Gekreuzigter steht also für die Hoffnung auf Erlösung, sondern ein frei bleibendes Kreuz. Und wenn Franz Ellis Schwester Äpfel bringt, dann werden damit nicht nur die Geschlechterrollen des biblischen Sündenfalls vertauscht, sondern der Sündenfall wird verworfen: Diese Äpfel lösen keine Vertreibung aus dem Paradies aus, sondern tragen zur Befreiung bei.
  • Eine wichtige Rolle spielt die Zahlensymbolik, insbesondere die Zahl sieben, die in Mythen und Märchen (sieben Zwerge, sieben Geißlein) wie auch in der Bibel (sieben fette und sieben dürre Jahre) prominent ist. Sieben KZ-Insassen sind geflohen, sieben Tage dauert Georgs Flucht, und der Roman hat sieben Kapitel. Sieben Stationen hat auch der Kreuzweg Jesu in der katholischen Tradition.
  • Die simultane Darstellung mit ihrer Fülle von Schauplätzen und Figuren zeigt einen Querschnitt durch die verschiedenen sozialen Schichten und die möglichen Haltungen zum Nationalsozialismus. Auch dem Lagerkommandanten und seinem wichtigsten Schergen sind ausführliche Psychogramme gewidmet. Dicht neben der Hölle des Lagers existiert der normale Alltag, neben Gleichgültigkeit und Angst gibt es Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Historischer Hintergrund

Konzentrationslager in Deutschland zur Nazizeit

Zwischen 1933 und 1945 gab es im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten rund 1000 Konzentrationslager (KZ), darunter waren sieben Vernichtungslager. Das Lagersystem war ein zentrales Instrument des nationalsozialistischen Unrechtsstaats. Interniert und zumeist ermordet wurden Juden, politische Gegner, Kriegsgefangene, Sinti und Roma, Homosexuelle, geistig Behinderte und sogenannte Asoziale. Etwa zwei Drittel der 6 Millionen ermordeten Juden starben in Lagern. KZ-Häftlinge wurden auch für Zwangsarbeit und für medizinische Experimente missbraucht.

In der ersten Phase von 1933 bis 1935 begann die SA damit, zusätzlich zu den Gefängnissen Inhaftierungslager aufzubauen. Diese sahen zum Teil wie Gefängnisse aus, zum Teil eher wie Scheunen. Zu dieser Zeit wurden vor allem politische Gegner in „Schutzhaft“ genommen, etwa 26 000 Menschen. Ab 1934 hatte die SS das Kommando über die Lager. Sie wurden zum rechtsfreien Raum, zu dem kein Außenstehender Zutritt hatte, nicht einmal die Feuerwehr. In der zweiten Phase von 1936 bis 1938 stieg die Zahl der Häftlinge sprunghaft an. Ende 1938 waren es 60 000 Menschen. Nun inhaftierte man verstärkt diejenigen, die nicht dem Menschenbild der Nazis entsprachen: „Asoziale“, „Arbeitsscheue“, Homosexuelle und Zeugen Jehovas. 26 000 Juden wurden während der Novemberpogrome 1938 inhaftiert. 1939 begann mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die dritte Phase: Viele KZ-Häftlinge wurden in SS-Produktionsstätten eingesetzt. Deshalb sank die Zahl der KZ-Insassen zuerst, stieg dann aber wieder an. Nun wurden auch Menschen aus den eroberten Gebieten inhaftiert, und man errichtete dort ebenfalls neue Lager. Die vierte Phase nahm etwa 1942 ihren Anfang; nun schlug sich vor allem die massive Judenverfolgung nieder. Bei Kriegsende waren über 700 000 Menschen interniert, 90 Prozent von ihnen waren nicht deutsche Staatsangehörige.

Entstehung

Anna Seghers schrieb Das siebte Kreuz zwischen 1937 und 1939 im Pariser Exil. Sie machte sich ein Bild der aktuellen Vorgänge und der Atmosphäre in Hitlerdeutschland anhand literarischer und dokumentarischer Quellen und mithilfe von Augenzeugenberichten, auch von KZ-Flüchtlingen. Bei diesen Recherchen stieß sie auf den Bericht eines Häftlings, der an ein Kreuz gebunden wurde, aber fliehen konnte. Das machte so großen Eindruck auf Seghers, dass das Kreuz in ihrem Roman zum zentralen Motiv wurde. Ein KZ Westhofen gab es nicht. Aber der Name verweist wohl auf das KZ Osthofen, das erste KZ in Hessen, das 1933 in der Nähe von Worms errichtet wurde. Es war ein Männerlager mit maximal 200 Insassen. Interniert wurden hier politische Gegner, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, sowie Juden. Das KZ bestand für etwa ein Jahr. Georg Heisler trägt möglicherweise Züge des Reichstagsabgeordneten Hans Beimler, dem 1933 die Flucht aus dem KZ Dachau gelungen war.

Bei der Gestaltung des Stoffs orientierte Seghers sich an der modernen Literatur ihrer Zeit: Stilmittel wie simultanes Erzählen und Montagetechnik finden sich auch bei Alfred Döblin (Berlin Alexanderplatz, 1929) und John Dos Passos (Manhattan Transfer, 1925). Die ersten Kapitel erschienen noch 1939 in der Moskauer Zeitschrift Internationale Literatur; nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurde in Russland allerdings keine antifaschistische Literatur mehr veröffentlicht. Als Buch erschien Das siebte Kreuz zuerst 1942 auf Englisch in den USA. Noch im selben Jahr kam es in Mexiko auf Deutsch heraus.

Wirkungsgeschichte

In den USA nahm Anna Seghers’ Ruhm seinen Anfang. Niemals zuvor und niemals danach war eine kommunistische Schriftstellerin in den USA so erfolgreich. Der Stoff erfuhr Bearbeitungen als Comic (1942) und als Film (1944, mit Spencer Tracy als Georg Heisler). Das siebte Kreuz wurde zum Bestseller. Noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs erschienen Übersetzungen in Mexiko, São Paulo, Stockholm und London.

Gleich nach dem Erscheinen äußerte die New York Times ihre „tiefste intellektuelle Bewunderung“, pries das „gewaltige menschliche Erlebnis“ der Lektüre und die „erstaunliche Vollendung“ des Romans. Zahlreiche Leser bekundeten ihre Ergriffenheit, auch in Briefen an die Autorin. In amerikanischen Kriegsgefangenenlagern war die Nachfrage nach dem Roman so groß, dass das Buch gar nicht schnell genug beschafft werden konnte. Und in Deutschland wurde immer wieder bescheinigt, wie genau Seghers die Wirklichkeit des Jahres 1937 erfasst habe. Hier gab es den Roman erst 1948 zu kaufen. In der DDR wurde er 1950 zur Schullektüre, in der BRD erst zwei Jahrzehnte später. Es entstanden auch Bühnen- und Hörspielbearbeitungen. Das siebte Kreuz ist Anna Seghers’ erfolgreichstes Buch. Allein auf Deutsch gab es 70 Auflagen. Damit ist der Roman in mehreren Millionen Exemplaren verbreitet.

Über die Autorin

Anna Seghers wird am 19. November 1900 in Mainz als Netty Reiling in eine großbürgerliche jüdische Familie hineingeboren. Schon als Kind schreibt sie Geschichten. Später studiert sie Kunstgeschichte, Sinologie und Geschichte in Heidelberg und Köln. 1924 promoviert sie in Heidelberg zum Thema Jude und Judentum im Werk Rembrandts. 1925 heiratet sie den ungarischen Soziologen und Kommunisten László Radványi und zieht mit ihm nach Berlin. 1926 und 1928 werden ihr Sohn bzw. ihre Tochter geboren. 1928 erscheint – unter dem Pseudonym Anna Seghers – auch ihr erstes Buch, Aufstand der Fischer von St. Barbara, und sie wird Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Als Kommunistin und als Jüdin doppelt von den Nationalsozialisten bedroht, flieht sie 1933 mit ihrer Familie nach Paris. Dort ist sie literarisch äußerst produktiv und zugleich politisch im antifaschistischen Widerstand engagiert. Sie veröffentlicht die Romane Der Kopflohn (1933), Der Weg durch den Februar (1935) und Die Rettung (1937) und verfasst in dieser Zeit Das siebte Kreuz (publiziert 1942). Als auch Frankreich zu weiten Teilen von den Nazis besetzt ist, flüchtet Seghers 1941 in letzter Minute mit ihrer Familie nach Mexiko. Ihr Mann ist zuvor bereits in einem französischen KZ inhaftiert gewesen, Seghers hat aber seine Freilassung bewirken können. Ihre Mutter allerdings kann sie nicht retten; diese wird 1942 in ein Getto bei Lublin deportiert und dort ermordet. Seghers bleibt auch im mexikanischen Exil literarisch und politisch aktiv. 1943 wird sie von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Manche halten den Unfall für ein Attentat. 1947 kehrt Anna Seghers nach Deutschland zurück, im gleichen Jahr bekommt sie den Büchnerpreis für Das siebte Kreuz. 1950 entscheidet sie sich als Kommunistin für ein Leben in Ostberlin. Auch in der DDR ist sie als Schriftstellerin erfolgreich. Lange Zeit ist sie Vorsitzende des Schriftstellerverbands und ab 1950 Mitglied des Weltfriedensrats. Nach dem Tod ihres Mannes 1978 zieht sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Am 1. Juni 1983 stirbt sie in Berlin.


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