Der Antichrist
Versuch einer Kritik des Christentums
- Philosophie
- Moderne
Worum es geht
Nietzsches Kampf gegen das Christentum tritt in die letzte Phase
Nietzsches Antichrist spiegelt die Radikalisierung in Nietzsches Denkens wĂ€hrend der spĂ€ten 1880er-Jahre und offenbart ein enorm gewachsenes Sendungsbewusstsein. Hier wird nicht gelehrtenhaft doziert, hier wird unter Einsatz aller geistigen KrĂ€fte ein historischer Kampf ausgetragen, voll Angriffslust und Pathos. Kritik am Christentum hatte Nietzsche sein gesamtes philosophisches Leben lang formuliert, hier bĂŒndelte er sie noch einmal in ungewöhnlicher SchĂ€rfe, bevor er kurz darauf endgĂŒltig dem Wahnsinn verfiel. Ob der Leser sich selbst als christlich versteht oder nicht â Nietzsche fordert ihn durch die ungeheure Leidenschaft seines Denkens wie kaum ein anderer Philosoph dazu auf, das eigene Denken zu ĂŒberprĂŒfen und in existenziellen Fragen Stellung zu beziehen. AktualitĂ€t wird diese Forderung gewiss nie einbĂŒĂen.
Zusammenfassung
Ăber den Autor
Friedrich Nietzsche wird am 15. Oktober 1844 im sĂ€chsischen Röcken geboren. Seine Kindheit ist vom strengen Protestantismus des Elternhauses sowie vom frĂŒhen Tod des Vaters geprĂ€gt. 1864 beginnt er in Bonn ein Studium der klassischen Philologie und wechselt spĂ€ter nach Leipzig. Mit 24 Jahren wird der begabte Student auf eine Professur in Basel berufen. Mit seinem unkonventionellen Werk Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) brĂŒskiert er seine Fachkollegen und wendet sich der Philosophie zu. Seine UnzeitgemĂ€Ăen Betrachtungen (1873â1876) stehen unter dem Einfluss Arthur Schopenhauers. Mit dem Text Richard Wagner in Bayreuth (1876) setzt Nietzsche seiner Freundschaft mit dem Komponisten ein Denkmal. Kurz darauf bricht er jedoch mit ihm, unter anderem wegen Wagners Hinwendung zum Christentum. Mit Menschliches, Allzumenschliches (1878) wendet Nietzsche sich auch von Schopenhauer ab. 1879 gibt er wegen einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustands das Lehramt in Basel auf. Er leidet unter schweren migrĂ€neartigen Kopf- und Augenschmerzen. Die folgenden zehn Jahre sind von gesundheitlichen Krisen geprĂ€gt, denen er mit Aufenthalten in der Schweiz, in Italien und in Frankreich zu entgehen versucht. In diesen Jahren erscheinen Nietzsches Hauptwerke: Morgenröte (1881), Die fröhliche Wissenschaft (1882), Also sprach Zarathustra (1883â1885), Jenseits von Gut und Böse (1886) und Zur Genealogie der Moral (1887). Im Januar 1889 erleidet er in Turin einen geistigen Zusammenbruch: Aus Mitleid mit einem geschlagenen Droschkengaul umarmt er weinend das Tier und fĂ€llt spĂ€ter in eine vollstĂ€ndige geistige Umnachtung; möglicherweise ist Syphilis die Ursache. Er stirbt am 25. August 1900 in Weimar. Nach Nietzsches Tod erscheint auf Betreiben seiner Schwester das Buch Der Wille zur Macht, eine unabgeschlossene Sammlung von Aphorismen, die lange als Nietzsches Hauptwerk gelten. Heute stuft die Forschung diesen Text aufgrund vieler VerfĂ€lschungen durch die Schwester als sehr unzuverlĂ€ssig ein. Zeugnis der letzten Schaffensphase Nietzsches und des zunehmenden GröĂenwahns legt Ecce homo ab, Nietzsches eigenwillige Autobiografie, die 1908 erscheint.
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