Zusammenfassung von Der große Gatsby

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Der große Gatsby Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Gesellschaftsroman
  • Moderne

Worum es geht

Eine verlorene Gesellschaft

F. Scott Fitzgeralds Der große Gatsby wurde erstmals 1925 veröffentlicht und gilt heute als einer der wichtigsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. So virtuos wie unterhaltsam wird darin die vornehme New Yorker Gesellschaft des „Jazz-Age“ porträtiert: die rauschenden Feste in den Wilden Zwanzigern, aber auch die innere Leere derjenigen, die scheinbar alles erreicht haben. Fitzgerald erzählt die Geschichte des Farmersjungen James Gatz, der seinen Traum vom Erfolg vor allem als brillanter Selbstdarsteller verwirklicht. Er arbeitet sich mit nicht immer legalen Mitteln zum Millionär hoch und gibt, fortan unter dem Namen Jay Gatsby, in seiner Traumvilla auf Long Island sagenumwobene Partys. Damit will er vor allem seine große Liebe Daisy anlocken, die aus besseren Verhältnissen stammt und inzwischen längst standesgemäß verheiratet ist. Am Ende geht Gatsbys Plan auf – und ist doch zum Scheitern verurteilt: Denn wie alle Menschen um ihn herum ist Daisy in ihrem Reichtum zu einer oberflächlichen, zynischen Person geworden. Fitzgerald beschreibt die starke Anziehungskraft des „American Dream“ und liefert zugleich einen desillusionierenden Abgesang darauf – künstlerisch anspruchsvoll und spannend zugleich.

Take-aways

  • Der große Gatsby zählt zu den wichtigsten Romanen der literarischen Moderne Amerikas.
  • Inhalt: Der aus einfachsten Verhältnissen stammende James Gatz hat es zum Multimillionär gebracht, sich in Gatsby umbenannt und eine vornehme Herkunft erfunden. Seine ganze Sehnsucht gilt seiner ehemaligen Geliebten Daisy, die jedoch den reichen, aber dümmlichen Tom Buchanan geheiratet hat. Die beiden kommen kurzfristig wieder zusammen, doch Daisy kann sich nicht dazu entschließen, ihren Mann zu verlassen. Es kommt zur Katastrophe, bei der viele Beteiligte ihr Leben lassen müssen.
  • Das Werk ist eine romantisch-tragische Liebesgeschichte und zugleich ein bissiges Porträt der New Yorker Gesellschaft um 1920.
  • Die Geschichte wird aus der Perspektive von Daisys Cousin und Gatsbys Nachbar Nick Carraway erzählt.
  • Obwohl der Text von Symbolen und Metaphern durchsetzt ist, liest er sich leicht.
  • Der Roman ist Fitzgeralds desillusionierte Analyse des amerikanischen Traums („Jeder kann reich werden, wenn er nur will“).
  • Einerseits ist das Buch ein Unterhaltungsroman, andererseits ein vielschichtiges Stück Literatur: eine Mischung aus ernsthafter und unterhaltender Literatur.
  • Fitzgerald pflegte selbst einen ausschweifenden Lebensstil, zu dem Alkoholexzesse und Geldprobleme gehörten.
  • Zu Lebzeiten F. Scott Fitzgeralds ein kommerzieller Misserfolg, ist Der große Gatsby heute eines der weltweit meistgelesenen Bücher.
  • Zitat: „Alle Glut und alle lebendige Frische reichen nicht aus, es mit den himmelstürmenden Traumgebilden aufzunehmen, deren ein Männerherz fähig ist.“
 

Zusammenfassung

Ankunft auf Long Island

Im Frühjahr 1922 zieht Nick Carraway aus dem Mittleren Westen nach New York, um dort als Börsenmakler sein Geld zu verdienen. Nick stammt aus einer gut situierten Kaufmannsfamilie, ist aber weniger wohlhabend als seine neuen Nachbarn im Wohnviertel West Egg auf Long Island. Er bezieht das einzige 80-Dollar-Mietshaus inmitten protziger Millionärsvillen. Außerdem unterscheidet sich Nick von den Anwohnern des West Egg dadurch, dass er familiäre Kontakte zum zweiten Wohnviertel Long Islands unterhält: dem aristokratisch-konservativen East Egg auf der anderen Seite der Bucht. Hier wohnt die alteingesessene Elite des Landes, deren sozialen Status die Emporkömmlinge des West Egg – Reichtum hin oder her – niemals erlangen können.

„Ich habe viel durchgemacht, Nick. Ich bin inzwischen ganz schön zynisch geworden – in allem.“ (Daisy, S. 25)

Eines Abends fährt Nick in das East Egg hinüber, um mit seiner Cousine Daisy und deren Ehemann Tom Buchanan zu Abend zu essen. Tom, ein hünenhafter Polospieler, hat sich zur Begrüßung im Reitdress vor dem Hauptportal seiner Villa aufgebaut. Drinnen liegt Daisy in Gesellschaft ihrer attraktiven Freundin Jordan Baker auf einer gewaltigen Couch. Beide Frauen scheinen müde und übersättigt von dem vielen Reichtum, der sie umgibt. Bei Tisch erzählt Tom von einem Buch mit dem Titel Aufstieg der farbigen Völker. Er ist fasziniert von der Theorie, dass die „weiße Rasse“ bedroht ist, wird dafür aber von Daisy aufgezogen. Als Tom den Raum verlässt, um ein Telefonat entgegenzunehmen, folgt Daisy ihm eilig, und Nick erfährt von Jordan, dass Tom eine Affäre mit einer Frau in New York hat. Die Stimmung ist nach diesem Zwischenfall ruiniert, die Abendgesellschaft löst sich bald auf. Jordan Baker ist eine erfolgreiche Golfspielerin und möchte für ein Turnier am nächsten Tag ausgeschlafen sein. Wieder zu Hause in West Egg sieht Nick erstmals seinen Nachbarn: Mr. Gatsby steht im Mondschein auf seinem pompösen Anwesen und beobachtet ein seltsames grünes Licht am anderen Ende der Bucht.

Gesellschaft in New York

Zwischen New York und Long Island liegt eine ärmliche Gegend, die von einem seltsamen Werbeaufsteller überragt wird: einem überdimensionalen Augenpaar, das von einem Augenarzt namens T. J. Eckleburg installiert wurde. In dieser Gegend besucht Nick zusammen mit Tom Buchanan die Autowerkstatt von George B. Wilson. Vordergründig wird über den Verkauf eines Wagens verhandelt, insgeheim entführt Tom die Frau des Autohändlers zu einem Ausflug in die Stadt: Myrtle Wilson ist Toms Geliebte. Nick lässt sich zu einem Nachmittag im geheimen Appartement der beiden überreden: Es werden Gäste eingeladen, und man trinkt Whisky. Von Myrtle Wilsons Schwester hört Nick zum ersten Mal eines der vielen Gerüchte, die über seinen Nachbarn Gatsby kursieren: Er sei ein Neffe von Kaiser Wilhelm und daher so wohlhabend. Myrtle beklagt sich lautstark über ihren Mann, den Autohändler, der sich nicht einmal zu ihrer Hochzeit einen eigenen Anzug habe leisten können. Nick ist entgegen seinen Gewohnheiten betrunken, er fühlt sich abgestoßen von der wichtigtuerischen Art der Leute, aber gleichzeitig angezogen von ihrer Lebensfreude. Die Party findet ein jähes Ende, als Tom seiner Geliebten mit einem wuchtigen Schlag das Nasenbein bricht. Sie hat sich nicht verbieten lassen, den Namen seiner Frau zu erwähnen.

Sagenhafte Gartenpartys

An den Wochenenden finden auf Nicks Nachbargrundstück im West Egg spektakuläre Abendgesellschaften statt. Gatsby scheut weder Kosten noch Mühen, um die gesamte High Society New Yorks anzulocken. Nick, der eines Samstags schriftlich eingeladen wird, begegnet dem Gastgeber zunächst nicht persönlich; er lässt sich am Arm der Golfspielerin Jordan Baker in die Gesellschaft einführen. Wieder kursieren Gerüchte: Gatsby sei als Spion in Deutschland gewesen und habe jemanden umgebracht. Als Nick den Gastgeber dann tatsächlich vor sich hat, erkennt er ihn nicht sofort, worüber Gatsby jedoch mit einem freundlichen Lächeln hinweggeht. Gatsby wird von seinem Butler ans Telefon gerufen und verschwindet erneut aus dem Partygetümmel. Später wird Jordan Baker in die Bibliothek gebeten und verbringt dort eine geheimnisvolle Stunde mit dem Hausherrn. Die Party endet in Betrunkenheit und Aufbruchschaos. Allein Gatsby verabschiedet sich nüchtern von seinen Gästen.

„Dieses Lächeln brachte einem gerade so viel Verständnis entgegen, wie man sich wünschte; es glaubte an einen, wie man selbst gern an sich glauben mochte.“ (über Gatsby, S. 54)

Nach dem rauschhaften Fest kommen Nick und Jordan Baker sich im Alltag näher. Da aber Nick seine Beziehung im Mittleren Westen noch nicht offiziell beendet hat, hält er sich aus Anstandsgründen vorerst zurück.

Alte Liebe

Nick wird von Gatsby zum Lunch abgeholt und bekommt dessen eigene Version seiner Herkunftsgeschichte zu hören. Das Geld sei ererbt, er habe in Oxford studiert, dann in Europa Juwelen gesammelt und sich schließlich im Ersten Weltkrieg zahlreiche Orden verdient. Nick hält die Geschichten für zu fantastisch, Gatsby hat jedoch zum Beweis ein Foto aus Oxford und einen Orden aus Montenegro dabei. Beim Lunch, den die beiden mit einem zwielichtigen Geschäftspartner Gatsbys einnehmen, begegnet ihnen Tom Buchanan, Daisys Ehemann. Gatsby gerät auffallend in Verlegenheit. Am Nachmittag beim Tee wird Nick von Jordan Baker aufgeklärt: Gatsby und Daisy waren ein Liebespaar, bevor Daisy in Gatsbys Abwesenheit den wohlhabenden Tom Buchanan heiratete. Auf einen Brief Gatsbys hin hätte Daisy damals die Hochzeit mit Tom beinahe platzen lassen, und nun, da sich Tom seinen Affären widme und Daisy von Jordan erfahren habe, um wen es sich bei Nicks Nachbarn handle, scheine die alte Liebe wieder zu erwachen. Gatsby habe sich sein Haus mit voller Absicht auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht gekauft, berichtet Jordan. Er lasse fragen, ob Nick seine Cousine zum Tee einladen wolle, damit er, Gatsby, ihr scheinbar zufällig wiederbegegnen könne.

Das Wiedersehen

Als Gegenleistung für das arrangierte Treffen mit Daisy bietet Gatsby Nick einen gut bezahlten Job an, doch Nick lehnt ab. Gatsby ist wegen des Wiedersehens mit Daisy aufgeregt und verlegen wie ein Schuljunge; auch Daisy bewahrt nur mit Mühe die Fassung. Nick lässt die beiden eine halbe Stunde in seinem Wohnzimmer allein und findet bei seiner Rückkehr eine vollkommen veränderte Situation vor. Gatsby und Daisy gehen nicht mehr unbeholfen miteinander um, sondern sind glücklich wiedervereint und von nun an ein Liebespaar. Gatsby möchte ihr sein Anwesen zeigen; sie gehen zu dritt hinüber. Daisy ist begeistert, bewundert seinen Reichtum, und Gatsby, der diesen Reichtum allein für sie angehäuft hat, ist überwältigt vom Glück. Bei aller Rauschhaftigkeit des Augenblicks ist Gatsby allerdings auch verwirrt. Denn der erregende und antreibende Traum, der für ihn das Wiedersehen mit Daisy über viele Jahre hinweg gewesen ist, verwandelt sich nun in einfache Wirklichkeit. Das grüne Licht am anderen Ende der Bucht wird zukünftig keine Metapher seiner unstillbaren Sehnsucht mehr sein, sondern ganz nüchtern die Beleuchtung an Daisys Bootssteg.

Die Wahrheit über Gatsby

Nick erfährt, dass Jay Gatsby in Wahrheit James Gatz heißt und als mittelloser Farmersjunge in North Dakota aufgewachsen ist. Seinen heutigen Reichtum fantasierte sich Gatsby bereits als 17-Jähriger in aufschneiderischer Manier herbei und ließ sich dann als Privatassistent bei dem trinkfreudigen Millionär Dan Cody anstellen. Die Wahrheit über die einfache Herkunft Gatsbys ist in der Gesellschaft noch nicht ans Tageslicht gekommen, als an einem Sonntagnachmittag Tom Buchanan in Begleitung seiner Frau Daisy erstmals an einer von Gatsbys Abendgesellschaften auftaucht. Tom ist weniger an dem allgemeinen Rummel interessiert als an Gatsbys Vergangenheit. Er kündigt an, Nachforschungen anzustellen. Daisy fühlt sich an diesem Abend von der vulgären Prasserei auf dem Anwesen ihres Liebhabers abgestoßen. Später am Abend berichtet Gatsby von ersten Unstimmigkeiten zwischen ihm und Daisy. Er habe sie gebeten, die drei Ehejahre mit Tom rückgängig zu machen, sich scheiden zu lassen und zu erklären, dass sie Tom niemals geliebt habe. Daisy aber habe nicht zugestimmt. Nick gibt zu bedenken, dass Gatsby die Vergangenheit nicht ändern könne, woraufhin der überrascht antwortet: Natürlich könne er das!

Offene Konfrontation

Gatsby und Nick werden von den Buchanans zum Essen eingeladen. Auch Jordan ist anwesend. Es ist unerträglich heiß, die Stimmung ist angespannt. Gatsby und Daisy werfen sich verliebte Blicke zu, und Tom durchschaut die beiden. Um der Situation zu entkommen, wird beschlossen, einen Ausflug in die Stadt zu machen. Daisy fährt mit Gatsby, während Nick und Jordan bei Tom einsteigen. Sie müssen zum Tanken einen Zwischenstopp beim Autohändler George B. Wilson einlegen. Es stellt sich heraus, dass dieser gerade von der Affäre seiner Frau erfahren hat, ohne allerdings zu wissen, dass ausgerechnet Tom der Liebhaber ist. Wilson erklärt, er werde mit Myrtle die Stadt verlassen. Im Plaza Hotel mieten Gatsby, Nick, Jordan, Tom und Daisy für den Nachmittag ein Appartement, und Tom spricht seinen Rivalen offen auf dessen Beziehung zu seiner Frau an. Gatsby verlangt noch einmal von Daisy – diesmal in Gegenwart aller –, dass sie erklärt, Tom niemals geliebt zu haben. Wieder kann Daisy sich dazu nicht durchringen. Gatsby steht der Vergangenheit der beiden Eheleute ohnmächtig gegenüber. Zudem muss er sich von Tom das Ergebnis von dessen Nachforschungen vorhalten lassen: Gatsby habe sein Geld auf dunklen Wegen verdient, mit Alkoholschmuggel und Schlimmerem. Um die beiden weiter zu demütigen, besteht Tom darauf, dass Daisy und Gatsby beim Aufbruch der Gesellschaft allein vorausfahren. Eine Gehässigkeit, die sich als folgenschwer erweist: Daisy steuert das Auto und überfährt auf dem Nachhauseweg Myrtle Wilson, die im Streit mit ihrem Mann aus der Werkstatt geflüchtet ist. Myrtle ist sofort tot. Daisy begeht Fahrerflucht.

„Leichtsinnige Menschen sind mir verhasst. Darum eben mag ich Sie so gern.“ (Jordan Baker zu Nick, S. 65)

Gatsby hält in dieser Nacht Wache vor dem Haus der Buchanans. Er erklärt Nick, dass er die Verantwortung für Myrtles Tod übernehmen und sich als Fahrer des Wagens ausgeben werde. Gatsby fürchtet, Tom könnte Daisy aus Eifersucht etwas antun. Als Nick aber einen Blick durch das Küchenfenster der Buchanans wirft, sieht er Daisy und Tom beim Essen sitzen. Im Haus der Eheleute kehrt bereits der Alltag ein.

Gatsbys Ende

In derselben Nacht versucht Nick, Gatsby zur Flucht zu bewegen. Früher oder später werde man ihn wegen seines auffälligen Wagens mit dem Unfall in Verbindung bringen. Gatsby weigert sich, die Stadt zu verlassen, da er immer noch die Hoffnung hegt, Daisy könnte sich für ihn entscheiden. Die beiden Männer verbringen die Nacht in Gatsbys Palast, der jetzt verlassen ist. Daisy sei für ihn das erste Mädchen aus guter Gesellschaft gewesen, erzählt Gatsby. In seiner Armeeuniform habe man ihm damals seine niedrige Herkunft nicht angesehen, und Daisy habe sich auf ihn eingelassen. Dann sei er in den Krieg geschickt worden, und während er sich in Europa aufhielt, habe Daisy, aus Ungeduld und wegen der guten Partie, den standesgemäßen Tom Buchanan geheiratet. Nick versucht seinen Freund aufzumuntern: Er sei im Grunde doch mehr wert als die ganze korrupte Gesellschaft um ihn herum. Denn obwohl auch Gatsby Teil dieser Gesellschaft geworden ist, ist er Nick mit seiner aufrichtigen Liebe zu Daisy sympathisch. Am Morgen fährt Nick zur Arbeit, mag sich aber in der Mittagspause aus Ekel vor der Gesellschaft nicht mit Jordan Baker treffen. Für Gatsby nimmt der Tag unterdessen einen tragischen Verlauf. George B. Wilson hat angesichts der Augen von Doktor T. J. Eckleburg eine Gottesvision. Er macht sich auf, um den Tod seiner Frau zu rächen. Tatsächlich findet er heraus, wer der Besitzer des Unfallwagens ist. Er erschießt zuerst Gatsby, dann sich selbst.

Abschied

Zwei Jahre später erinnert sich Nick an Gatsbys Beerdigung, zu der neben dessen greisem Vater nur ein einziger weiterer Gast erschienen ist. Daisy und Tom haben die Stadt mit unbekanntem Ziel verlassen. Gatsbys zwielichtige Geschäftsfreunde wollen in den Mordfall nicht hineingezogen werden. Die New Yorker Gesellschaft hat ihr Interesse an Gatsby verloren. Bevor Nick die Ostküste verlässt, trifft er sich ein letztes Mal mit Jordan Baker. Er fühlt sich noch immer zu der mondänen Golfspielerin hingezogen, weiß aber, dass er sich niemals auf ihren Lebensstil wird einlassen können. Auch Tom läuft Nick noch einmal über den Weg, und wie sich herausstellt, war er derjenige, der den vor Trauer rasenden George B. Wilson auf Gatsbys Spur gebracht hat. Tom hat Gatsbys Tod billigend in Kauf genommen, kann darin aber – ganz im Gegensatz zu Nick – kein moralisches Vergehen erkennen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Aufgeteilt ist dieser recht kurze Roman in neun Kapitel. Nick Carraway, der, was die Handlung betrifft, eher eine Nebenrolle spielt, fungiert als Ich-Erzähler und Zeuge der Ereignisse. Er gilt als Außenseiter aus der Provinz und wird von allen unterschätzt. So gewinnt er rasch das Vertrauen der anderen Figuren und erhält Einsicht in deren Innenleben, das er wiederum vor dem Leser ausbreiten kann. Die Erzählerfigur Nick wird zum Vermittler der beiden Welten, die im Roman aufeinanderprallen: die zynischen und blutleeren amerikanischen Geldaristokraten einerseits und die von Sehnsucht getriebenen Neureichen andererseits. Um die Lebensgeschichten der einzelnen Figuren in die Romanhandlung einzubinden, wird nicht ausschließlich chronologisch, sondern mithilfe zahlreicher Rückblenden erzählt. Die Sprache ist lakonisch und stark verdichtet, fließt aber trotzdem leicht und immer mit einem ironischen Unterton dahin. Fitzgerald hat das Kunststück vollbracht, einen von Symbolen und Metaphern durchsetzten Text zu schreiben, der trotzdem in keinem Moment an Lesbarkeit verliert. Bemerkenswert ist die Entwicklung der Symbole im Text, die erst im Lauf der Handlung an Deutlichkeit gewinnen, so etwa die gottgleichen Augen des Doktor T. J. Eckleburg.

Interpretationsansätze

  • Am Ende des Romans denkt Nick an die ersten Siedler an der Ostküste Amerikas und beschreibt die Urversion des amerikanischen Traums: das Streben nach Individualität und Freiheit. Diese Ziele sind für Fitzgerald in den 1920er Jahren jedoch durch die Gier nach materiellen Dingen entstellt worden. Und so greift Gatsby, um seinen Traum zu verwirklichen, auch zu kriminellen Mitteln.
  • Der Erzähler Nick Carraway ist nur bedingt glaubwürdig. Er verwendet viel Zeit darauf, seine Integrität und seine Charakterstärke zu betonen, und möchte sich offensichtlich von seinem egoistischen und vergnügungssüchtigen Umfeld absetzen. Gleichzeitig fühlt er sich aber angezogen von der dort herrschenden heiteren Dekadenz. Er passt seine moralische Strenge seinen persönlichen Sympathien an. Der große Gatsby ist auch ein Buch über die Korrumpierbarkeit des Menschen an sich.
  • Ein weiteres zentrales Thema des Romans ist die verlorene Vergangenheit. Gatsby ist besessen von der Idee, die Zeit zurückzudrehen. Er möchte die Beziehung zu Daisy dort wieder aufnehmen, wo sie Jahre zuvor unterbrochen wurde. Damit deckt sich das Empfinden der Hauptfigur mit dem der Schriftstellergeneration Fitzgeralds, für die der Erste Weltkrieg ebenfalls ein einschneidendes und desillusionierendes Ereignis war.
  • Die Augen von Doktor T. J. Eckleburg werden von dem Autohändler George B. Wilson als die Augen Gottes interpretiert, der zornig auf den Verfall der amerikanischen Gesellschaft blickt. Tatsächlich handelt es sich aber nur um einen verstaubten Werbeaufsteller. Die Symbole im Roman sind flexibel, sie werden je nach Figur mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt. Hinter diesem Kunstgriff verbirgt sich die Sichtweise des Autors: Die Beliebigkeit der Symbole verweist auf die Beliebigkeit des Lebens in der modernen Welt.
  • Das Wetter entspricht meist der Atmosphäre und dem Spannungsbogen der Geschichte. Gatsbys und Daisys unbeholfenes Wiedersehen beginnt im strömenden Regen; als ihre Liebe neu erwacht, bricht die Sonne durch die Wolken. Zum offenen Konflikt zwischen Gatsby und Tom Buchanan kommt es an einem drückend heißen Sommertag, und an Gatsbys Todestag beginnt der Herbst.

Historischer Hintergrund

Die Wilden Zwanziger

Die 1920er Jahre werden oft als die Wilden Zwanziger („Roaring Twenties“) oder das Jazz-Zeitalter („Jazz-Age“) bezeichnet. Vom wirtschaftlichen Aufschwung, der erst mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 sein Ende finden sollte, profitierten große Teile der amerikanischen Gesellschaft. Technische Neuerungen und Erfindungen veränderten den Alltag, man gab sich modern; als Gegenbewegung zur puritanischen Strenge des vergangenen Jahrhunderts wurde viel gefeiert, getanzt und getrunken. Das Selbstverständnis der Frau veränderte sich: Zigaretten rauchend und mit androgynem Bubikopf frisiert beteiligten Frauen sich erstmals öffentlich an den zuvor den Männern vorbehaltenen Vergnügungen.

Ausgerechnet in dieser aufgeheizten Atmosphäre trat 1920 ein Prohibitionsgesetz in Kraft, das die Produktion und den Ausschank von Alkohol in den USA verbot. Da die Nachfrage nach alkoholischen Getränken nicht zurückging, kam es in der Folge zu einem Boom des organisierten Verbrechens. Mit dem Alkoholschmuggel konnte während der Prohibition ein Vermögen verdient werden. In dieser halb kriminellen, aber ausgelassenen Stimmung stolperte so mancher aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrte Soldat, oft zynisch und desillusioniert, herum.

Eine Reihe erfolgreicher Schriftsteller, deren Werke vor diesem Hintergrund entstanden, bezeichnete sich selbst als die „Lost Generation“ („verlorene Generation“). Neben F. Scott Fitzgerald gehörten auch Gertrude Stein und Ernest Hemingway zu dieser Gruppe. Das gemeinsame Lebensgefühl formulierte Fitzgerald folgendermaßen: Für seine Generation seien „alle Götter tot, alle Kriege gekämpft, jeder Glaube zerstört“.

Entstehung

Im Juni 1922 schrieb der 25-jährige Fitzgerald an seinen Lektor, er wolle „etwas Neues schreiben, etwas Außergewöhnliches und Schönes und Einfaches und verschlungen Konstruiertes“. Es dauerte jedoch eine Weile, bis er tatsächlich die Ruhe fand, um sich an die Arbeit zu machen. Er zog mit seiner Frau Zelda Fitzgerald von Minnesota ins Plaza Hotel nach New York und von dort nach Long Island, wo sie das wilde Partyleben erwartete, das Fitzgerald später in seinem Buch beschreiben sollte. Die Trinkfreudigkeit des Ehepaars war bereits vorher berüchtigt gewesen und wuchs sich auf Long Island zu einem ernsten Alkoholproblem aus. Fitzgerald sollte seinen Roman erst anderthalb Jahre später in Paris beenden können. Während seiner Arbeit an Der große Gatsby beschäftigte er sich mit den Werken des für seine komplexen Ich-Erzähler bekannten Joseph Conrad. Das Erzählen aus der Ich-Perspektive war in der amerikanischen Literatur der 1920er Jahre kein Novum mehr; Herman Melvilles Moby Dick (1851) und Mark Twains Huckleberry Finn (1884) sind bekannte Beispiele für Erzählungen aus der Ich-Perspektive. Fitzgeralds Verwendung des – nur bedingt zuverlässigen – Ich-Erzählers kann aber als subtile Weiterführung dieser Tradition gelesen und auf seine Lektüre während der Arbeit am Gatsby zurückgeführt werden.

Wirkungsgeschichte

F. Scott Fitzgerald hatte mit Diesseits vom Paradies und Die Schönen und die Verdammten bereits zwei erfolgreiche Romane veröffentlicht, als 1925 Der große Gatsby erschien. Von der Kritik wurde das Buch wohlwollend aufgenommen, blieb aber aus kommerzieller Sicht ein Misserfolg. Zu Lebzeiten Fitzgeralds verkauften sich nicht mehr als 24 000 Exemplare. Grund für die zurückhaltende Resonanz des Publikums dürfte Fitzgeralds herbe Kritik am „American Way of Life“ gewesen sein. Der Roman wurde – zu Recht – als Spiegel der damaligen Gesellschaft gelesen und harmonierte nicht mit dem Selbstbild von Fitzgeralds bisheriger Leserschaft.

Ganz anders wurden der Autor und sein Roman von den schreibenden Kollegen bewertet. Für Ernest Hemingway war Fitzgerald „der Größte unter uns allen“, und T. S. Eliot schrieb, Der große Gatsby sei „der erste Schritt nach vorn, den die amerikanische Literatur seit Henry James getan hat“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Buch neu aufgelegt, und es kam zu einer regelrechten Fitzgerald-Renaissance. Der literarischen Kunstfertigkeit des Romans wurde nun allgemein größere Beachtung geschenkt, und die Verkaufszahlen stiegen: Noch heute werden allein in den USA jährlich 400 000 Exemplare abgesetzt. Der große Gatsby wird weltweit als Lehrtext an Schulen und Universitäten behandelt und nicht selten als wichtigster amerikanischer Roman des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es Fitzgerald auf meisterhafte Weise gelang, die Brücke zwischen ernsthafter und unterhaltender Literatur zu schlagen. Der große Gatsby wurde 1974 mit Robert Redford verfilmt und 2013 mit Leonardo DiCaprio

Über den Autor

Francis Scott Fitzgerald wird am 24. September 1896 als Sohn eines mittelständischen Kaufmanns in St. Paul, Minnesota, geboren. Nach seiner Schulzeit in New Jersey besucht er die Princeton University, bricht das Studium jedoch ohne Abschluss ab und meldet sich 1917 zum Militärdienst. Er wird in Montgomery, Alabama, stationiert, wo er seine spätere Frau Zelda Sayre kennen lernt. Zelda stimmt einer Heirat zu, verschiebt die Hochzeit aber mehrmals, da ihr Fitzgerald nicht wohlhabend genug ist und sie die Langeweile eines finanziell beschränkten Lebens fürchtet. Erst als ihn 1920 sein erster Roman Diesseits vom Paradies (This Side of Paradise) schlagartig berühmt macht, gibt sie ihm das Jawort. Auch Die Schönen und die Verdammten (The Beautiful and Damned, 1922) wird ein Verkaufsschlager. Nach dem Erfolg dieser Romane und der Geschichten aus der Jazz-Ära (Tales of the Jazz Age, 1922) wird das Ehepaar mit seinem ausschweifenden und glamourösen Lebensstil zum Inbegriff der „Roaring Twenties“. Von 1924 bis 1931 leben die beiden mit Tochter Scotty an der Riviera und in Paris, wo Fitzgerald Der große Gatsby (The Great Gatsby) vollendet. Der Roman fällt entgegen allen Erwartungen beim Publikum durch, und das Ehepaar gerät zunehmend in Schwierigkeiten. Die regelmäßigen Alkoholexzesse beeinträchtigen Fitzgeralds Schreiben, und das Geld für den aufwändigen Lebensstil wird knapp. Zelda erleidet nach dem Misserfolg eines 1932 von ihr veröffentlichten Romans mehrere Nervenzusammenbrüche und wird schließlich in eine Heilanstalt in Baltimore, Maryland, eingewiesen. Die Ehe zerbricht. Nachdem Fitzgeralds nächster Roman Zärtlich ist die Nacht (Tender Is the Night, 1934) erneut von der Kritik gelobt, vom Publikum aber ignoriert wird, verdingt er sich in Hollywood als Drehbuchautor und gibt sich voll und ganz dem Alkohol hin. Sein letzter Roman Der letzte Tycoon (The Last Tycoon) bleibt unvollendet. Fitzgerald stirbt 44-jährig am 21. Dezember 1940 an einem Herzinfarkt – hoch verschuldet und tief verbittert.


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