Zusammenfassung von Der Ruf der Wildnis

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Der Ruf der Wildnis Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Abenteuerroman
  • Moderne

Worum es geht

Abenteuer im hohen Norden

Mit Der Ruf der Wildnis gelang Jack London der Durchbruch als Autor. Der Erfolg verwundert kaum, schließlich verband der Roman zwei wichtige literarische Trends jener Zeit: Tiergeschichten und die so genannten Kanada-Geschichten über Abenteuer im Norden. Der Roman über einen Haushund, der sich unter den extremen Bedingungen in Alaska während des Goldrauschs nach und nach in ein Wildtier zurückverwandelt, besticht noch heute durch beeindruckende Naturbeschreibungen. Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Debatten von Londons Zeit, seines eigenen faszinierenden Lebenslaufs und seiner politischen Überzeugungen bietet der Roman einen wahren Schatz an Interpretationsmöglichkeiten. Im Kern ist und bleibt er allerdings eine unterhaltsame Abenteuergeschichte. Erwähnenswert ist, dass die zahlreichen Filmfassungen den Roman zu einer simplen Geschichte über einen treuen Hund verzerrt haben. Das Original ist mehr: eine fesselnde Beschäftigung mit dem Kampf ums Überleben und eine Huldigung ungezähmter Naturschönheit.

Take-aways

  • Der Ruf der Wildnis zählt zu den bekanntesten amerikanischen Romanen und wurde mehrfach verfilmt.
  • Inhalt: Mischling Buck wächst als Familienhund in Kalifornien auf, wird dann aber nach Alaska verkauft, um dort als Schlittenhund zu arbeiten. Nach und nach verwandelt er sich in ein Wildtier zurück. Nur die Freundschaft zu dem Abenteurer John Thornton kann Buck eine Weile in der Welt der Menschen halten, bevor er sich schließlich einem Wolfsrudel anschließt.
  • Die Handlung spielt um die Jahrhundertwende, während des Goldrauschs am Klondike in Alaska, an dem Jack London selbst teilnahm.
  • Der Abenteuerroman ist größtenteils aus der Sicht des tierischen Helden Buck verfasst.
  • Da London den Hund aber nicht vermenschlichen wollte, musste er diese Perspektive mehrfach verlassen.
  • Die Stärken des Romans liegen in der detaillierten Darstellung der Hundeverhaltensweisen und den spektakulären Naturbeschreibungen.
  • London, überzeugter Sozialist, war fasziniert von der Evolutionstheorie und den daran anschließenden sozialdarwinistischen Lehren.
  • Elemente dieser Theorien verarbeitete er in Der Ruf der Wildnis.
  • Neben Der Ruf der Wildnis begründeten auch seine Romane Wolfsblut und Der Seewolf seinen Weltruhm.
  • Zitat: „Und eng verwandt mit den visionären Bildern vom Behaarten gab es noch etwas, und das war der Ruf, der immer noch aus der Tiefe des Waldes zu ihm drang. Er erfüllte ihn mit großer Unrast und seltsamer Sehnsucht.“
 

Zusammenfassung

Der Beginn der Reise

Ende des 19. Jahrhunderts in Kalifornien: Buck, ein Mischling aus einem Schäferhund und einem Bernhardiner, ist 140 Pfund schwer, vier Jahre alt und führt auf dem Anwesen seines wohlhabenden Besitzers ein gemütliches Leben. Buck spielt mit den kleinen Kindern, geht mit den älteren zur Jagd, liegt am Kamin und fühlt sich den anderen Hunden so überlegen, dass er sie kaum zur Kenntnis nimmt. Eines Tages führt ihn der Gärtnergehilfe Manuel fort, und Buck erkennt zu spät, was los ist: Manuel verkauft den prächtigen Hund an einen Fremden, um seine Sucht, das Glücksspiel, zu finanzieren.

„Tatsächlich hatte er während seiner vier Jahre Welpenzeit das Leben eines saturierten Aristokraten geführt; er war ganz schön stolz auf sich, sogar etwas selbstgefällig, wie sich dies bei Landedelleuten aufgrund ihrer isolierten Existenz gelegentlich einstellt.“ (über Buck, S. 9)

Nach langen Zugfahrten landet Buck schließlich halb verdurstet und wahnsinnig vor Zorn bei einem Mann mit rotem Pullover, den er prompt angreift. Der Mann streckt ihn mit einem Knüppel nieder. Wieder und wieder greift Buck an, und immer wird er niedergeschlagen. Schließlich erkennt er, dass er gegen den Knüppel keine Chance hat. Er ordnet sich dem Mann unter, schwört sich jedoch, dass er sich niemals bei seinem Unterdrücker einschmeicheln wird. Der Mann stellt sich als Händler heraus; er verkauft Buck an den Schlittenführer Perrault und dessen Kompagnon François. Die beiden verstehen etwas von Hunden; Buck und die anderen Hunde werden fair behandelt. Zusammen gehen sie an Bord eines Schiffes, das sie in den Norden bringt. Am Ziel angekommen, sieht Buck zum ersten Mal in seinem Leben Schnee.

Ausbildung zum Schlittenhund

Buck und die anderen treffen am Strand von Dyae ein. Curly, eine freundliche Hündin, wird von einer Gruppe Huskys angegriffen und totgebissen. Buck lernt schnell, sich bedeckt zu halten und niemandem zu trauen, insbesondere nicht seinem Kollegen Spitz, der sich von Anfang an hinterhältig verhalten hat. Gleich am ersten Tag wird Buck von seinen neuen Besitzern in ein Geschirr gespannt. Zum Team gehören auch die erfahrenen Hunde Sol Leks und Dave, deren wichtigster Lebensinhalt und größte Leidenschaft das Schlittenziehen ist. Von ihnen lernt Buck alles, was er wissen muss, und erweist sich als talentierter Schüler. Nach und nach härten sich seine Muskeln und seine ursprünglichen Instinkte, die er zuvor nie gebraucht hat, erwachen zum Leben. Ganz unbewusst verlässt er sich auf das Erbe seiner wilden Vorfahren, um unter den neuen Umständen überleben zu können.

Kampf um die Führung

Bucks Feindschaft mit dem gerissenen Deichselhund Spitz prägt sich immer weiter aus. Spitz sieht in Buck einen gefährlichen Rivalen und nutzt jede Gelegenheit, ihn zu schikanieren. Eines Abends kommt es beinahe zum alles entscheidenden Kampf, als Spitz Buck den Schlafplatz streitig macht. Doch dann wird das Lager plötzlich von einer Horde wilder Huskys überfallen. Viele Hunde werden schwer verletzt und der Kampf zwischen Buck und Spitz wird vertagt.

„Der Knüppel war eine Offenbarung. Er führte ihn ein in die Welt des Urgesetzes, und mehr Einführung brauchte er kaum.“ (S. 17)

Buck will die Führung übernehmen und beginnt, Spitz’ Autorität zu untergraben. Alle warten gespannt auf den großen Kampf. Die Gruppe kommt in Dawson an und bleibt dort sieben Tage, ohne dass es zu einem Zwischenfall kommt. Auf dem Rückweg macht es sich immer deutlicher bemerkbar, dass die Disziplin unter den Hunden zusammenbricht. Eines Tages verirrt sich ein Hase in die Nähe des Camps und alle Hunde, inklusive der Tiere aus einem nahe gelegenen Polizeicamp, nehmen die Verfolgung auf – Buck vorneweg. Am Ende kann Spitz den Hasen fangen. Nun greift Buck seinen Rivalen an. Anfangs ist Spitz als erfahrener Kämpfer überlegen, doch mit einer List kann Buck ihn bezwingen. Spitz geht zu Boden und wird von den anderen Hunden zerrissen. Buck ist der neue Anführer.

Der neue Anführer

Nachdem er den Kampf gewonnen hat, besteht Buck darauf, auch Spitz’ Posten im Geschirr zu übernehmen, doch die Hundeführer wollen den Platz dem erfahrenen Sol Leks geben. Buck verweigert daraufhin so lange die Arbeit, bis Perrault und François ihn an der Deichsel einspannen. Sofort erweist er sich als hervorragender Anführer: Buck hat seine Kameraden sogar noch besser im Griff als Spitz. Sie schaffen den Rückweg nach Skagway in Rekordzeit. Dort geht das ganze Gespann in den Besitz eines schottischen Halbblutes über: Dessen Mannschaft soll Post nach Dawson bringen. Die Fracht ist deutlich schwerer, als die Hunde es von Perrault gewohnt sind, doch sie meistern auch diese Herausforderung mit Bravour.

„Im Südland, unter dem Gesetz von Liebe und Brüderlichkeit, mochte es gut und recht sein, privates Eigentum und persönliche Gefühle zu respektieren; aber im Nordland, unter dem Gesetz von Knüppel und Fangzahn, war jemand, der mit der Achtung solcher Worte rechnete, ein Narr (...)“ (S. 30)

Wie die anderen Hunde freut sich Buck am meisten auf die Fütterung und die Rast am Feuer, die sie jeden Abend erwarten. In diesen Momenten sieht Buck manchmal Bilder aus der Zeit seiner Ahnen, die mit urzeitlichen Menschen am Feuer wachten und ängstlich auf die Geräusche der Umgebung lauschten.

„Und eng verwandt mit den visionären Bildern vom Behaarten gab es noch etwas, und das war der Ruf, der immer noch aus der Tiefe des Waldes zu ihm drang. Er erfüllte ihn mit großer Unrast und seltsamer Sehnsucht.“ (S. 106)

Die schwere Arbeit zehrt an den Kräften der Hunde. Besonders schwer erwischt es Dave, der an einer seltsamen Krankheit leidet. Er wird zu schwach für die Arbeit und soll eine Weile hinter dem Schlitten herlaufen, um sich zu erholen, doch Dave liebt seine Arbeit so sehr, dass er seinen Posten nicht aufgeben will. Eines Morgens ist er zu schwach, um aufzustehen. Einer der Männer fasst sich ein Herz und erschießt Dave außer Sichtweite der anderen Hunde, die trotzdem sehr genau wissen, was geschehen ist.

Erschöpfung

Das Gespann ist völlig am Ende, als es in Dawson eintrifft, und alle sind sicher, jetzt endlich die wohlverdiente Pause zu bekommen. Doch die Post kann nicht warten und die Hunde werden durch frische ersetzt. Buck und seine Kameraden werden für einen Spottpreis an drei Abenteurer verkauft: Hal, Charles und Mercedes haben weder eine Ahnung vom Leben im Norden noch vom Umgang mit Hunden. Von Anfang an nutzen sie die Peitsche und den Knüppel, um die erschöpften Tiere zur Arbeit anzutreiben. Buck verliert seinen Kampfgeist und tut wie die anderen nur das Nötigste. Hal, Charles und Mercedes sind unorganisiert, faul und unfähig, das drohende Unheil abzuwenden: Das Futter geht mitten auf der Strecke aus und mehrere Hunde verhungern. Wie durch ein Wunder schafft es die Gruppe in das einsam gelegene Lager von John Thornton, einem erfahrenen Abenteurer. Thornton rät dem Trio, dort zu bleiben, weil das Eis nicht sicher sei. Hal will jedoch unbedingt weiter und treibt seine Hunde mit dem Knüppel an. Alle kämpfen sich hoch – nur Buck weigert sich, weiterzugehen. Hal drischt erbarmungslos auf ihn ein, doch Buck bleibt liegen. Schließlich wird es Thornton zu viel: Er hält Hal auf und befreit den halb toten Buck. Das Gespann zieht ohne ihn weiter. Noch in Sichtweite zum Lager bricht es durchs Eis.

Beste Freunde

Bei Thornton kann Buck in Ruhe seine Wunden auskurieren und wieder zu Kräften kommen. Thorntons andere Hunde, Skeet und Nig, kümmern sich um Buck und nehmen ihn freundlich auf. Die drei sind nicht eifersüchtig aufeinander, spiele gerne zusammen oder mit Thornton. Ihn beginnt Buck wie keinen Menschen zuvor zu lieben. Die beiden entwickeln ihre eigenen Rituale, um sich ihrer gegenseitigen Zuneigung zu versichern: Thornton schüttelt und beschimpft Buck, der seinen Herrn hin und wieder liebevoll beißt.

„Nichts konnte Buck aufhalten. Er stieß mitten unter sie und zerriss, zerfetzte, zerstörte, was ihn umgab, in grauenerregender Geschwindigkeit, die ihm erlaubte, den Pfeilen zu trotzen, die sie auf ihn lossandten.“ (über die Indianer, S. 118)

Thorntons Partner Hans und Pete kehren im Frühjahr zurück, und sie ziehen gemeinsam weiter. Thornton zuliebe stellt sich Buck jeder Herausforderung. Einmal will sein Herr ihn auf die Probe stellen und befiehlt Buck, von einer Klippe zu springen. Buck setzt sofort zum Sprung an und kann nur im letzten Moment zurückgehalten werden. Bucks Treue wird in der Gegend zu Legende, als er seinen Herrn bei einer Kneipenschlägerei rettet. Eines Tages stürzt Thornton in einen reißenden Fluss. Buck springt ihm hinterher und kann ihn nach zahlreichen erfolglosen Versuchen vor dem sicheren Tod retten. Buck ist schließlich so berühmt und Thornton von seinem Können und seiner Hingabe so überzeugt, dass er sich zu einer Wette hinreißen lässt. In einer Kneipe fordert man ihn heraus: Buck sei nicht in der Lage, einen 1000 Pfund schweren Schlitten, dessen Kufen festgefroren sind, allein loszubrechen und zu ziehen. Thornton schlägt ein. Als Thornton Buck bittet, sich der Herausforderung für ihn zu stellen, gibt Buck alles – und tatsächlich kann er den Schlitten bewegen. Auf diese Weise beschert Buck seinem Herrn einen überraschenden Geldsegen, der es Thornton erlaubt, sich einen lange gehegten Traum zu erfüllen.

In der Wildnis

Es geht die Legende, dass sich irgendwo im Norden, fern aller Zivilisation, eine Mine befinden soll, die unendlichen Reichtum bereithält und in deren Nähe eine Hütte gebaut wurde, um den Ort zu markieren. Thornton nutzt das gewonnene Geld, um sich zusammen mit seinen Partnern auf die Suche nach diesem sagenumwobenen Ort zu machen. Sie erjagen sich ihre Nahrung im Wald und durchstreifen die wilde Natur. Etwa ein Jahr durchkämmen sie so das Land, ohne die Hütte aus der Legende zu finden. Was sie aber finden, ist eine hervorragende Stelle, um am Yukon Gold zu waschen. Hier richten sich die Männer ein Lager ein. Die Hunde genießen derweil das Nichtstun und Buck träumt am Feuer immer öfter von den vergangenen Zeiten, als er mit einem behaarten Mann durch die urzeitliche Welt zog. Und immer öfter erreicht ihn ein seltsamer Ruf aus der umgebenden Wildnis, den er nicht versteht, der aber eine unstillbare Sehnsucht in ihm weckt. Dann hört er eines Tages ein seltsames Heulen, dem er sofort folgt. Buck trifft einen alten Wolf, der zunächst misstrauisch ist. Nachdem Buck ihn meilenweit verfolgt hat, versteht der Wolf endlich, dass Buck ihm nichts Böses will, und sie setzen ihren Weg durch die Wildnis gemeinsam fort. Buck erkennt, dass der Ruf der Wildnis ihn zu diesem Gefährten führen wollte, doch ihm wird auch klar, dass ihm seine Freundschaft zu Thornton wichtiger ist. Also lässt er den alten Wolf zurück und läuft wieder ins Lager.

Jagdglück

Doch Buck hält es nicht mehr lange bei den Menschen aus: Seine Ausflüge in den Wald werden immer ausgedehnter, obwohl er von seinem wilden Bruder keine Spur mehr findet. Seine Jagdstrategien werden ausgefeilter und er ist auf dem Höhepunkt seiner Kraft: das perfekte Raubtier. Ständig sucht Buck nach neuen Herausforderungen: Kaninchen, Fische und Biber sind nicht schnell genug, um ihm zu entkommen, und die Jagd nach der flinken Beute bereitet ihm echtes Vergnügen. Eines Tages kommt eine Gruppe Elche, angeführt von einem mächtigen Leitbullen, ins Tal. Buck ist sofort klar: Diesen Bullen, der aufgrund einer Pfeilverletzung extrem gereizt und gefährlich ist, will er erlegen. Mit Ausdauer und Gerissenheit versucht er, die Herde mürbe zu machen: Er lässt sie nicht fressen und stört sie ohne Unterlass. Schließlich geben die Tiere ihren Anführer auf. Buck kann sein Opfer nun nach Belieben ermüden und reißt es schließlich nach vier Tagen.

Verlust

Nach seinem Festmahl will Buck zu Thornton zurückkehren, doch er spürt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die dunkle Ahnung wird grausige Gewissheit, als er ins Lager zurückkommt und seine Kameraden tot vorfindet. Wie von Sinnen stürmt Buck auf die Lichtung und greift die Verantwortlichen, eine Gruppe Indianer, an. Mit unglaublicher Geschwindigkeit tötet er jeden, den er finden kann. Die Indianer haben keine Chance, sich vor ihm in Sicherheit zu bringen. Erst als er seinen Rachefeldzug beendet hat, sucht er nach Thorntons Leiche: Sie liegt in einem Teich, an dessen Ufer Buck den Tod seines Herrn betrauert. Zugleich ist Buck auch stolz auf sich – schließlich war er siegreich gegen einen der schwersten Gegner überhaupt: den Menschen.

Ein neues Leben

In der Nacht hört Buck Geheul: Ein Wolfsrudel ist in der Nähe und ruft ihn zu sich. Buck, den nun nichts mehr in der Welt der Menschen hält, folgt dem Ruf und trifft das Rudel, dem er sich furchtlos und ruhig stellt. Mehrere Wölfe greifen ihn an und er besiegt alle mit Leichtigkeit. Auch als die gesamte Meute sich auf ihn stürzt, kann Buck sich behaupten. Das Rudel gibt sich geschlagen, und als ein alter Wolf aus der Menge hervortritt – Bucks Gefährte aus dem Wald – und ihn willkommen heißt, wird Buck anstandslos in das Rudel aufgenommen.

„John Thornton war tot. Das letzte Band war zerstört. Die Menschen und ihre Interessen verpflichteten ihn nicht mehr.“ (S. 120)

Noch Jahre später erzählen sich die Indianer Legenden über einen Geisterhund, der immer wieder Stammesmitglieder tötet. Außerdem haben die jungen Wölfe in dieser Gegend merkwürdige Fellzeichnungen. Und jeden Sommer besucht ein ungewöhnlicher Wolf ein einsames Tal, um dort seinen Verlust zu beklagen. Dann kehrt er zurück zu seinem Rudel.

Zum Text

Aufbau und Stil

Jack Londons kurzer Roman ist in sieben Kapitel gegliedert, wobei die ersten fünf Bucks Odyssee von Kalifornien bis in die Hände der unfähigen Abenteurer erzählen und die letzten beiden seine Zeit mit John Thornton und seine Aufnahme in das Wolfsrudel umfassen. London folgt den Konventionen des Abenteuerromans und lässt die Herausforderungen, denen sich Buck im lebensfeindlichen Norden stellen muss, aufeinander aufbauen. Nach und nach erhöht sich der Schwierigkeitsgrad seiner Prüfungen, bis Buck an seinem Ziel – der vollständigen Rückkehr zu seiner wilden Natur – angekommen ist. Londons Stil ist dem Genre entsprechend einfach und flüssig lesbar. Einige betont poetische Passagen wirken darin eher sperrig – Londons Talent liegt zweifellos in der einfühlsamen Darstellung der Verhaltensweisen seiner Hauptfiguren, der Hunde, und in der glasklaren Schilderung des wilden Nordlandes. Diese beiden Punkte haben den Ruhm des Romans begründet und stellen auch heute noch eine spannende Lektüre sicher.

Interpretationsansätze

  • London bewegt sich mit seinem Roman aus der Perspektive eines Hundes auf einem schmalen Grat: Der Leser soll die Geschehnisse aus der Sicht des Tieres erleben, ohne dass diesem allzu menschliche Züge gegeben werden. In den meisten Fällen gelingt diese Gratwanderung gut, manchmal wird sie durch die Komplexität der dargestellten Episoden unmöglich. London weist bei diesen Abweichungen von der tierischen Perspektive explizit darauf hin, dass es sich hier natürlich nicht um die Gedankengänge des Hundes handle, „um dem Durchschnittsmenschen einzuhämmern, dass diese meine Hunde-Helden nicht von abstrakter Vernunft getrieben wurden, sondern von Instinkt, Empfinden, Emotion und von einfachem Verstand“, wie er 1908 in einem Artikel klarstellte.
  • Buck, der domestizierte, freundliche und etwas träge Familienhund, verwandelt sich auf seiner Reise Schritt für Schritt zurück in ein wildes Wesen. Er entdeckt seine Instinkte wieder, die lange in ihm geschlummert haben. Der Ruf der Wildnis bildet in dieser Hinsicht einen Gegenpol zu Londons Roman Wolfsblut. Dieser handelt von einem Wolf, der sich nach und nach zu einem Begleiter des Menschen entwickelt.
  • Der Sozialist London war fasziniert von Charles Darwins Evolutionstheorie und den daraus entwickelten zeitgenössischen sozialdarwinistischen Ideen, die er in seinem Roman verarbeitet. Abseits der Zivilisation gilt – für Mensch und Tier – das Recht des Stärkeren, das „Gesetz von Knüppel und Fangzahn“. Es ist aber nicht allein die körperliche Überlegenheit und Ausdauer, die das Überleben in der Wildnis sichert, sondern auch Willenskraft, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit, wie sich etwa im Kampf zwischen Buck und Spitz zeigt. Wer diese Fähigkeiten nicht besitzt, ist zum Scheitern verurteilt. Zu diesen Verlierern zählen die wenig lernfähigen Städter Hal, Charles und Mercedes oder die allzu vertrauensselige Hündin Curly.
  • Manche Interpreten sehen in Buck gar Nietzsches „Übermensch“ verkörpert – ein Wesen, das sich aller Fesseln entledigt und am Ende mythisch überhöht wird.

Historischer Hintergrund

Amerika im Goldrausch

Amerika erlebte in seiner Geschichte drei große Goldräusche, die allesamt erst durch die Erschließung des Landes mit der Eisenbahn und dem Telegrafennetz möglich wurden. 1848 versetzte der Fund von Gold in den Bergen von Kalifornien das ganze Land in Aufruhr. Tausende folgten dem Ruf: Schwärmer, Abenteurer, Gangster und Verzweifelte hofften auf den großen Fund, der sie für immer reich machen sollte. 1858 begann der Goldrausch in Colorado, und wiederum wurden zahllose Glückssucher angelockt. 1897 folgte dann der Goldrausch in Alaska, am Klondike und am Yukon River. Ausgelöst wurde er durch die Nachricht von einem Goldfund im Jahr 1896 am Rabbit Creek, die sich erst im darauffolgenden Jahr im ganzen Land verbreitete.

Die Anziehungskraft war die gleiche wie bei den Goldräuschen zuvor, doch die Bedingungen erwiesen sich als sehr viel härter als im milden Kalifornien oder in Colorado. Gier und Hoffnung auf ein besseres Leben trieben Tausende vollkommen unvorbereitet in den Norden. Sie landeten an den amerikanischen Häfen in Dyae und Skagway und mussten dann die über 800 Kilometer lange Strecke zur Gold-Hochburg Dawson City überstehen. Nur knapp ein Drittel derer, die sich an den Klondike aufgemacht hatten, trafen überhaupt dort ein. Von Dawson aus gelangten die Goldsucher zu ihren Claims. Der große Gewinn wurde allerdings nicht mit Gold gemacht: Der Handel mit Lebensmitteln, Waffen, Schlitten, Schlittenhunden, Alkohol, Tabak und Gerätschaften florierte. Mit den Jahren entwickelt sich die Goldsuche mehr und mehr zur Industrie, die Infrastruktur wurde ausgebaut und neue Methoden der Goldgewinnung wurden entwickelt. Bis heute wird in diesem Gebiet nach Gold geschürft.

Entstehung

Jack London verarbeitete in dem Roman eigene Erfahrungen: 1897 war er mit seinem Bruder nach Alaska aufgebrochen, um am Klondike nach Gold zu suchen. Er kaufte einen Claim und verbrachte einige Monate in Dawson City, wo einer seiner Mitbewohner einen stolzen Mischlingshund besessen haben soll, der zum Vorbild für Buck wurde.

Das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert war die Hochzeit der sogenannten Kanada-Geschichten: Abenteuerromane, die im hohen Norden spielten. Den meisten dieser Romane ist gemein, dass sie an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation liegen und oft die Form von Reiseberichten haben. Diesen Trend verband London in seinem Roman mit einer weiteren wichtigen Strömung: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich, ausgehend von den neuen Erkenntnissen der Forschung, über die gesellschaftlichen Schichten hinweg ein neues Interesse an der Natur und am Naturschutz. Meilensteine dieser Entwicklung waren die Veröffentlichung von Brehms Tierleben (ab 1863) und die Einrichtung von Nationalparks unter dem naturbegeisterten Präsidenten Theodore Roosevelt (ab 1901). Immer häufiger wurden Tiere in dieser Zeit zu zentralen Figuren in Romanen. Ein wichtiges Vorbild für Jack London waren die Werke des Autors Ernest Evan Thompson, der mit König der Grizzlys (1900) und anderen Tiergeschichten um die Jahrhundertwende Erfolge feierte. Diese wurden jedoch von Londons Ruf der Wildnis deutlich überflügelt, einem Buch, das noch konsequenter als seine Vorgänger auf die animalische Perspektive setzte.

Wirkungsgeschichte

Der Ruf der Wildnis war Jack Londons vierte Veröffentlichung: Nach einem Band mit Kurzgeschichten brachte er im Jahr 1902 zwei Romane heraus, doch der Durchbruch gelang ihm erst 1903 mit der Geschickte von Buck, die bei Macmillan mit einer groß angelegten Werbekampagne promotet wurde. Londons abenteuerliches Leben, das von den Medien nach Herzenslust ausgeschmückt wurde, gab dem Roman zusätzlich Auftrieb. Kritik blieb jedoch nicht aus: Man warf London vor, ein „nature faker“ zu sein, also nicht die wahre Natur zu beschreiben und seine Helden in Der Ruf der Wildnis und Wolfsblut zu vermenschlichen. London traf das tief: In einem Artikel von 1908 stellte er klar: „Dass ich diese zwei Geschichten geschrieben habe, war meinerseits in Wirklichkeit ein Protest gegen die ‚Vermenschlichung‘ von Tieren.“

Das Buch zählt zu den bekanntesten amerikanischen Romanen überhaupt. Es wurde in 80 Sprachen übersetzt und unzählige Male neu aufgelegt. In der späteren Rezeption entwickelte sich Der Ruf der Wildnis immer mehr genau zu dem, was der Autor eigentlich verhindern wollte: Zu einer für Kinder tauglichen Geschichte über die Freundschaft zwischen John Thornton und seinem treuen Hund vor dem Hintergrund eines sentimentalen Wildnisbildes. Der Ruf der Wildnis wurde mehrere Male, meist unter der erwähnten Deutungsperspektive, verfilmt: Zu den erfolgreichsten Adaptionen zählen William Wellmans Fassung von 1935 mit Clark Gable und jene von Ken Annakin (1972) mit Charlton Heston in der Hauptrolle.

Über den Autor

Jack London wird am 12. Januar 1876 in San Francisco als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter heiratet noch im gleichen Jahr den Tischler John London, der nicht Jacks Vater ist, ihm aber seinen Namen gibt. Jack wächst zunächst in recht ärmlichen Verhältnissen auf. Bereits im zarten Alter von elf Jahren verdient er sein erstes eigenes Geld als Zeitungsjunge, später arbeitet er in einer Konservenfabrik. 1893 heuert er als Matrose an Bord des Robbenfangschiffs „Sophia Sutherland“ an und segelt über Japan nach Sibirien, um nach seiner Rückkehr seine erste Kurzgeschichte über einen Taifun vor der japanischen Küste zu schreiben. Danach trampt er zusammen mit Obdachlosen und gescheiterten Existenzen durch die Vereinigten Staaten und kommt zum ersten Mal mit den Gedanken der modernen Philosophen Nietzsche, Marx und Darwin in Berührung. Jack London ist engagierter Sozialist und begeistert sich auch für die zu seiner Zeit noch recht neue Evolutionstheorie. Während seines vorübergehenden Studiums an der Berkeley Universität schreibt er die ersten soziologischen Aufsätze. 1900 heiratet er die Intellektuelle Bessie Maddern, die ihm zwei Töchter schenkt. Bereits vier Jahre später verlässt er seine Frau für Charmian Kittredge, die ihm charakterlich sehr ähnlich ist. Kurz vor Erscheinen von The Sea Wolf (Der Seewolf) im Jahr 1904 kämpft sich Jack London als einziger westlicher Reporter über Japan und Korea an die Front des Russisch-Japanischen Krieges vor, um Lebenserfahrung zu sammeln und darüber zu berichten. Jack London gilt als überdurchschnittlich gut aussehender und fröhlicher Mann, obwohl er sein Leben lang kränkelt. Ein Grund mehr für ihn, hart zu sich selbst zu sein, im Beruf wie im Privaten aus dem Vollen zu schöpfen und alles auf eine Karte zu setzen. Als Alkoholiker wird er nur 40 Jahre alt, er stirbt am 22. November 1916. Bis zum heutigen Tag ist umstritten, ob es sich bei seinem Tod um ein Nierenversagen oder um Selbstmord handelt. Zu Londons größten Erfolgen gehören die Romane The Call of the Wild (Ruf der Wildnis, 1903), White Fang (Wolfsblut, 1906) und Burning Daylight (Lockruf des Goldes, 1910).


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