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Der Spieler

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Der Spieler

Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes

Insel Verlag,

15 Minuten Lesezeit
5 Stunden gespart
10 Take-aways
Text verfügbar

Was ist drin?

Einer der kürzeren Romane Dostojewskis: Ein junger Mann erliegt dem Spielrausch und verliert darüber die geliebte Frau.


Literatur­klassiker

  • Roman
  • Realismus

Worum es geht

Bekenntnisse eines Spielsüchtigen

Um 1865 war Dostojewski in Russland bereits ein bekannter Autor, der allerdings unter chronischer Geldnot litt. Nachdem er sich beim Roulette in Wiesbaden ruiniert hatte, kehrte er 1866 nach St. Petersburg zurück. Am 1. November musste er seinem Verleger einen Roman abliefern, dessen Vorschuss er längst verspielt hatte. Da die Zeit nicht für einen großen Stoff reichte, verarbeitete Dostojewski sein eigenes Debakel in den deutschen Kasinos sowie eine unglückliche Liebschaft. Der junge Alexej Iwanowitsch reist als Hauslehrer im Tross eines verarmten russischen Generals in eine Kurstadt mit dem sinnigen Namen Roulettenburg. Dort verliebt er sich in die Stieftochter des Generals. Vom Spielrausch gepackt, gewinnt Alexej zunächst zwar ein Vermögen, verspielt jedoch die Liebe. Am Ende des Romans hat er sich durch das Roulette finanziell wie charakterlich zugrunde gerichtet. Trotz der Kürze des Romans kommen darin die meisterlichen Fähigkeiten des Autors zum Vorschein. Der Spieler ist eine äußerst amüsante Geschichte, in der Dostojewski seine Gabe zur Karikatur von Charakteren beweist. Die Dialoge sind messerscharf. Der Leser betritt zusammen mit Alexej Iwanowitsch das Kasino, erlebt den Spielrausch und teilt am Schluss die Verzweiflung des Süchtigen. Sehr eindrücklich!

Take-aways

  • Der Kurzroman Der Spieler handelt von der Blütezeit des Glücksspiels im fiktiven Ort Roulettenburg.
  • Inhalt: Der junge Alexej gelangt im Tross eines russischen Generals nach Roulettenburg und verliebt sich unglücklich in dessen Stieftochter Polina. Der General hofft, eine todkrank geglaubte, reiche Tante zu beerben. Die taucht aber selbst in Roulettenburg auf und verspielt dort ihr ganzes Vermögen. Auch Alexej verfällt der Spielsucht. Er verjubelt nicht nur all sein Geld, sondern vergisst im Rausch auch Polina, gerade als er ihre Liebe fast gewonnen hätte. Am Ende bleibt ihm nichts als die Sehnsucht nach Gewinn.
  • Erzählt wird in der Form eines fiktionalen Tagebuchs.
  • Der Roman beschreibt anschaulich den Betrieb in den Kasinos, die höchsten Gefühle des Spielrausches und den unvermeidbaren Fall in die Sucht.
  • Das Buch gilt als Bekenntnis Dostojewskis zu seiner eigenen Spielsucht: Kurze Zeit vorher hatte er den gesamten Vorschuss seines Verlegers in Wiesbaden verspielt.
  • Zudem zeichnete er mit dem Verhältnis Alexejs zu Polina eine persönliche Hassliebe nach.
  • Die streckenweise äußerst komische Geschichte ist auch eine Satire auf die marode Aristokratie des späten 19. Jahrhunderts.
  • Dostojewski diktierte den Roman unter großem Zeitdruck innerhalb weniger Wochen seiner späteren zweiten Frau.
  • Der Spieler wird zusammen mit Schuld und Sühne, Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasow zu Dostojewskis Meisterwerken gezählt.
  • Zitat: „Aber doch … warum sollte ich nicht auferstehen können? Ja! Ich brauche nur ein einziges Mal im Leben ein guter Rechner zu sein und Geduld zu haben; das ist alles!“

Zusammenfassung

Russen in Deutschland

Der 25-jährige Alexej Iwanowitsch reist als Hauslehrer im Tross eines russischen Generals in einen deutschen Kurort namens Roulettenburg, in dem das Glücksspiel boomt. Der General ist verwitwet und finanziell ruiniert. Er lebt vor allem von der Hoffnung, bald seine reiche alte Tante in Russland beerben zu können, die angeblich sterbenskrank im Bett liegt. Außerdem strebt der General eine neue Heirat mit der schönen, aber zwielichtigen Mademoiselle Blanche an, die zusammen mit ihrer Mutter im selben Hotel wohnt.

„Sie weiß zum Beispiel, dass ich sie bis zur Raserei liebe, gestattet mir sogar, von meiner Leidenschaft zu sprechen, und sicherlich könnte sie mir ihre Geringschätzung durch nichts deutlicher ausdrücken als eben durch diese Erlaubnis, frei und unbehindert zu ihr von meiner Liebe zu reden.“ (über Polina, S. 32)

Alexejs Laune ist getrübt, weil er unglücklich in Polina Alexandrowna verliebt ist, die hübsche Stieftochter des Generals. Mit ihr geht er oft spazieren, sie schenkt ihm aber kaum Beachtung und macht sich über seine Gefühle lustig. Zur Entourage des Generals gehört auch ein kleiner französischer Hochstapler, der sich als Marquis de Grieux ausgibt und dem der General viel Geld schuldet. Den englischen Zuckerfabrikanten Mister Astley kennt Alexej von früher. Ihn schätzt Alexej – anders als den Franzosen – für seine zurückhaltende Art.

Aus Liebe in die Spielhalle getrieben

Polina gibt Alexej, der ihr hörig ist, etwas Geld, verbunden mit dem Auftrag, damit beim Roulette zu gewinnen, und zwar um jeden Preis. Alexej geht zuerst widerwillig ins Kasino, dort beobachtet er aber interessiert die unterschiedlichen Spielernaturen: Gentlemen, die nur um des Spieles willen spielen, ebenso wie den Pöbel mit seinem „unsauberen“ Trachten nach Gewinn. Vorsichtig setzt Alexej beim Roulette zunächst einen kleinen Betrag für Polina und verliert den ersten Einsatz. Doch dann hat er Glück und gewinnt 160 Friedrichsdor, er ergreift den ganzen Haufen Münzen und bringt ihn euphorisch zu Polina. Sie besteht darauf, dass er die Hälfte des Gewinns behält. Alexej leidet an Liebeskummer. Polina scheint mit seinen Gefühlen zu spielen und nimmt seine Liebesgeständnisse auf den gemeinsamen Spaziergängen unberührt zur Kenntnis. Alexej klagt, dass sie ihm zwar erlaube, alle Fragen zu stellen, ihm aber keine beantworte.

„Wozu ich Geld brauche, fragen Sie? Wozu? Nun, für Geld ist doch alles zu haben.“ (Polina, S. 51)

Der General ist mit seinen 55 Jahren leidenschaftlich in Mademoiselle Blanche verliebt, die die Gesellschaft reicher Männer mag. Sie ist offensichtlich nur im Fall einer Erbschaft am General interessiert. Deshalb schreibt er wiederholt Telegramme nach Hause, um recht unverblümt nachzufragen, ob denn die Tante bereits das Zeitliche gesegnet habe. Nur mit der erwarteten Erbschaft könnte der General sich aus dem „Schraubstock“ seines französischen Gläubigers befreien und die schöne Blanche heiraten.

„,Natürlich werde ich ihn töten!‘, rief ich. ‚Jeden, den Sie mich töten heißen!‘“ (S. 58)

Alexej bemerkt, dass auch der schüchterne Engländer Mister Astley in Polina verliebt ist. Der junge Russe geht ein zweites Mal für seine Angebetete zum Roulette. Diesmal glaubt er eine gewisse Ordnung in den Zahlen zu erkennen, verliert aber sehr schnell seinen ganzen Einsatz. Das Glücksspiel weckt jedoch neue, starke Empfindungen in ihm, z. B. den Wunsch, dem Schicksal mit etwas Glück „einen Nasenstüber zu geben“ und ihm „die Zunge herauszustrecken“. Er philosophiert über die Unterschiede im Naturell zwischen dem arbeitsamen, ehrlichen Deutschen und dem verschwenderischen, liederlichen Russen.

Spielstrategien

Wie sich herausstellt, kennen sich Polina und der Marquis von früher. Auch die Stieftochter des Generals scheint ihm Geld zu schulden. Alexej streitet mit Polina über deren Geldnöte und die Hoffnung auf einen Gewinn beim Spiel. Er gesteht ihr erneut seine bedingungslose Liebe und gelobt, ihr Sklave zu sein und all ihre Befehle zu befolgen. Für Polina, so ruft er, würde er sogar töten. Sie befiehlt ihm darauf zum Scherz, vor der dicken Baronin Wurmerhelm, die zufällig vorbeigeht, den Hut zu ziehen und ihr etwas auf Französisch sagen.

Ein Scherz verursacht einen Skandal

Alexej verneigt sich tatsächlich vor der Baronin und stellt sich auf Französisch als ihr Sklave vor, was dem steifen Baron Wurmerhelm gar nicht gefällt. Dass Alexej obendrein auf Deutsch ein paar Mal „Jawohl“ sagt, vermag die komische Szene im Park nicht zu entschärfen. Im Gegenteil, auch der General findet den Streich überhaupt nicht lustig. Er hält das Betragen von Alexej für einen Skandal und sieht sich sogar genötigt, ihn sofort zu entlassen. Der Hauslehrer ist nun seinerseits erschrocken über die gesellschaftliche Herabsetzung und will sich persönlich beim Baron und seiner Gattin entschuldigen.

„De Grieux war wie alle Franzosen, das heißt heiter und liebenswürdig, wenn dies nötig und vorteilhaft war, aber unerträglich langweilig, wenn die Nötigung, heiter und liebenswürdig zu sein, wegfiel.“ (S. 73)

Der General schickt den Marquis de Grieux zu Alexej, damit dieser von seinem Vorhaben abgehalten werde. Nachdem de Grieux den Hauslehrer mit keinem seiner Argumente beeindrucken kann, überreicht er ihm einen Brief von Polina. Darin bittet sie ihn, mit den Dummheiten aufzuhören und gehorsam zu sein. Diese Bitte kann Alexej ihr natürlich nicht abschlagen und er gibt nach.

„Ja, sie war es selbst, die gebieterische, reiche, fünfundsiebzigjährige Antonida Wassiljewna Tarassewitschewa, Gutsbesitzerin und Moskauer Hausbesitzerin, die Tante, um derentwillen so viele Telegramme abgeschickt und eingelaufen waren, die Tante, die immer im Sterben gelegen hatte und doch nicht gestorben war und die nun auf einmal selbst in höchsteigener Person wie ein Blitz aus heiterem Himmel bei uns erschien.“ (S. 94)

Alexej wundert sich darüber, dass sich die Bagatelle zu einem so großen Skandal entwickeln konnte. Beim Kaffee mit Mister Astley erfährt er, dass Mademoiselle Blanche vor zwei Jahren schon in Roulettenburg war, zusammen mit de Grieux. Blanche kam damals – unter anderem Namen – dem Baron Wurmerhelm zu nahe, und die Polizei verbannte sie daraufhin auf Geheiß der Baronin aus der Stadt. Deshalb fürchtet der General, Alexejs Streich mit der Baronin könnte seine Hochzeit mit Blanche gefährden, falls diese erkannt würde. Das würde auch de Grieux kaum erfreuen, der ebenso nach dem Geld der kranken Tante trachtet.

Der kolossale Auftritt der Tante ...

Zur großen Überraschung aller taucht die alte Tante, Antonida Tarassewitschewa, höchstpersönlich in Roulettenburg auf. Sie ist allen Gerüchten zum Trotz quicklebendig und weiß sich mit einem äußerst rabiaten Auftritt in Szene zu setzen. Die Tante wird vom Kurpersonal für eine Baronin gehalten und standesgemäß einquartiert, obwohl sie überall mit derben Beleidigungen um sich wirft. Ihre Ankunft und ihr gebieterisches Auftreten bringen die ganze Gesellschaft durcheinander. Auch die Tante ist offenbar mit de Grieux bekannt, den sie als Heuchler bezeichnet. Sie zerschlägt jeden Anflug von Hoffnung des Generals mit der klaren Ankündigung, ihm werde sie sicher kein Geld geben. Der General, de Grieux und Blanche sind am Boden zerstört.

„Kaufe mich! Willst du? Willst du? Für fünfzigtausend Franc wie de Grieux?“ (Polina, S. 190)

Die Tante will sich im Spielsaal vergnügen und wird in ihrem Rollstuhl triumphal ins Kurhaus gefahren. Mit Alexejs Hilfe setzt sie am Roulettetisch wiederholt und unbeirrbar sehr hohe Beträge auf Zero, womit sie im Hauruckverfahren den höchstmöglichen Gewinn erzielt. Mit der astronomischen Summe von 12 000 Friedrichsdor verlässt sie das Kasino.

„Ich schwöre es, Polina tat mir leid; aber sonderbar: Von diesem Augenblick an, wo ich gestern an den Spieltisch getreten war und angefangen hatte, Haufen Geldes zusammenzuscharren, von diesem Augenblick an war meine Liebe sozusagen in die zweite Reihe zurückgerückt.“ (S. 198)

Nach ihrem Triumph am Spieltisch zeigt sich die Tante gegenüber allen sehr großzügig, selbst Bettler werden beschenkt. Nur der General geht leer aus. Zusammen mit de Grieux und Blanche verfolgt er voller Besorgnis den Spielrausch der Tante. Die drei sehen ihre Erbschaft in Gefahr, sollte sich das Glück der Tante wenden. Deshalb bestürmen sie Alexej, er möge die Tante vom weiteren Spielen abhalten und sie damit alle vor dem Untergang retten. Alexej kämpft unterdessen mit der Eifersucht, nachdem Polina ausgerechnet ihm einen Brief für Mister Astley überreicht hat.

... und ihr tiefer Fall

Die unerschütterliche Tante zieht es zum zweiten Mal zum Roulette. Die Befürchtungen treffen ein: Sie verspielt in kurzer Zeit nicht nur den ganzen Gewinn des Vortages, sondern auch noch weitere 12 000 Gulden aus der Reisekasse. Um weiterzuspielen, lässt sie in einer Wechselstube ein Wertpapier wechseln und verjubelt auch diese flüssigen Mittel sofort.

„Was soll ich von Paris sagen? Mein ganzes Leben dort war einerseits ein fieberhafter Taumel, andrerseits eine große Narrheit.“ (S. 203)

Nun will sie plötzlich abreisen und wettert munter über die ganze Gesellschaft. Gegenüber Alexej macht sie auch Andeutungen über die Beziehung von Polina zu de Grieux. Die beiden haben sich offenbar näher gestanden, als Alexej lieb ist, was ihn sehr beunruhigt. Die Tante entscheidet sich plötzlich doch gegen eine Abreise und will all ihr verloren gegangenes Geld zurückgewinnen. Diesmal weigert sich Alexej mitzugehen. Die Tante verspielt auch noch den Rest ihres Vermögens.

Im Strudel des Spielrausches

Als die Tante ihr ganzes Vermögen verspielt hat, erleidet der General einen Nervenzusammenbruch. Die Tante muss sich von Mister Astley Geld leihen, um die Fahrt nach Hause finanzieren zu können. Inzwischen hat Alexej kaum noch Kontakt zu Polina und schreibt ihr verzweifelt einen Brief, in dem er sie anfleht, über ihn zu verfügen.

„Und nun ist nur wenig mehr als eine Zeit von anderthalb Jahren vergangen, und ich bin meiner Ansicht nach weit schlechter als ein Bettler! Denn was hat ein Bettler groß zu klagen? Armut ist kein Unglück. Ich aber habe geradezu mich selbst, meine Persönlichkeit, zugrunde gerichtet!“ (S. 218)

Polina überrascht Alexej in seinem Zimmer. Sie offenbart ihm ihre Vergangenheit mit de Grieux, der sie nun definitiv verlassen hat. Alexej glaubt, dass Polina ihn nun doch liebe. Aber statt bei ihr zu bleiben, begibt er sich wie im Rausch in den Spielsaal. Er will ein Vermögen erspielen, damit Polina ihre Schulden bei de Grieux begleichen kann. Dies gelingt ihm auch, dank einer äußerst kühnen Spielweise. Mit 100 000 Rubel Gewinn kehrt er zu Polina in sein Zimmer zurück, wo er ihr einen Berg Gold und Banknoten vor die Füße legt.

„Aber doch ... warum sollte ich nicht auferstehen können? Ja! Ich brauche nur ein einziges Mal im Leben ein guter Rechner zu sein und Geduld zu haben; das ist alles!“ (S. 233)

Statt Alexej seine Goldjagd zu danken und mit dem Geld ihre Schulden zu tilgen, reagiert Polina mit einer Mischung aus Hass und Verzweiflung, als sie seine Spielsucht erkennt. Sie wirft Alexej vor, sie kaufen zu wollen, gesteht ihm aber gleichzeitig ihre Liebe. Sie umarmt und küsst ihn, weint und lacht gleichzeitig. Sie bleibt über Nacht bei ihm, wirft ihm aber am nächsten Morgen den Beutel mit dem Geld direkt ins Gesicht. Im Fieberwahn flüchtet Polina zu Mister Astley, der sich ihrer annimmt. Alexej merkt, dass sein Spielrausch die Liebe zu Polina verdrängt hat.

Als Mademoiselle Blanche ihn nach seiner Glückssträhne in ihr Zimmer lockt und ihn leicht geschürzt bezirzt, geht er spontan auf ihr Angebot ein. Sie verspricht ihm das Blaue vom Himmel und will ihn nach Paris schleppen, um dort sein eben gewonnenes Vermögen zu verprassen.

Flucht nach Paris

Alexej und Blanche leben in Paris in Saus und Braus, wobei Blanche das Geld für Möbel, Pferde und Feste ausgibt und Alexej alles tatenlos geschehen lässt. Dass sie sein ganzes Vermögen provokativ vernichtet, kümmert ihn nicht. Gelangweilt flüchtet er sich in den Champagnerrausch und die Gesellschaft von Prostituierten. Weil ihre Verschwendungssucht Alexej überhaupt nicht beeindruckt, beginnt Blanche, ihn zu mögen. Als das Vermögen aber verbraucht ist, heiratet sie dann doch um des Titels willen den General. Dieser ist ihr nach Paris nachgereist und scheint seinen Verstand völlig verloren zu haben.

Das tragische Ende

Knapp zwei Jahre später befindet sich Alexej wieder in Roulettenburg. Er ist am Ende. Sein ganzes Leben dreht sich nur noch um die verzweifelte Hoffnung auf einen großen Gewinn; er ist völlig der Spielsucht verfallen. Der junge Mann zittert und bekommt Krämpfe, sobald er in die Nähe eines Spielsaales gerät. Zwischenzeitlich hat er sich als Lakai in Homburg verdingt und stets jeden noch so geringen Lohn verspielt, was ihn sogar für eine Zeit ins Schuldgefängnis brachte. Polina hat er fast ganz vergessen. Sogar als Mister Astley ihn in Homburg aufsuchte und ihm zu erkennen gab, dass Polina ihn noch immer liebe, konnte er nicht mehr umkehren.

Ohne Willen und Charakter steuert er mit 10 Louisdor, die ihm Mister Astley geschenkt hat, ins Kasino. Alexej klammert sich an die fixe Idee, im Spiel seine zerstörte Existenz zurückzugewinnen. Bis zuletzt glaubt er daran, so noch einmal reich zu werden. Die Leidenschaft für das Glücksspiel ist stärker als die Liebe zu Polina. Im letzten Satz seiner Aufzeichnungen beschwört Alexej das Schicksal: „Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen!“

Zum Text

Aufbau und Stil

Dostojewski beschreibt in Der Spieler die verhängnisvolle Spielsucht aus der Sicht des jungen Hauslehrers Alexej Iwanowitsch. Der Untertitel „Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes“ weist bereits auf die Form des fiktionalen Tagebuchs hin. Im Verlauf der Geschichte rätselt der Leser ähnlich wie bei einem Krimi zusammen mit dem Erzähler über die Verstrickungen der anderen Figuren und folgt Alexej in dessen psychologische Ergründung seines Liebeskummers. Sehr lebhaft und realistisch werden die verschiedenen Spielsituationen am Roulettetisch geschildert. Der Leser erlebt unmittelbar, wie der Erzähler vom Spielrausch gepackt wird, er ist sowohl Zeuge der Euphorie wie auch der verderblichen Sucht.

Der Roman ist in 17 Kapitel gegliedert, die Handlung erstreckt sich über fast zwei Jahre. In den ersten zwölf Kapiteln werden einige Tage in Roulettenburg geschildert. Danach setzt der Tagebuchschreiber seine Aufzeichnungen für einen Monat aus, den er in Paris verbracht hat. Ein zweiter Zeitsprung ereignet sich unmittelbar vor dem letzten Kapitel, in dem der Spieler, zurück in Roulettenburg, auf seinen Weg in die Spielsucht zurückschaut. Dostojewskis meisterhafte Charakterbeschreibungen und Dialoge sorgen immer wieder für Komik, die im pompösen Auftritt der alten Tante gipfelt. Unter großem Zeitdruck in nur wenigen Wochen entstanden, haftet dem Kurzroman etwas Hingeworfenes an, er besticht aber auch mit einer kurzweiligen Leichtigkeit.

Interpretationsansätze

  • Der Spieler ist ein moralisches Lehrstück über den Verlust von Existenz, Persönlichkeit und Liebe durch die Spielsucht am Roulettetisch. Dostojewski, der selbst in deutschen Kasinos bis zum Bankrott spielte und aus finanzieller Not wiederholt ins Ausland flüchtete, verarbeitete im Roman seine eigenen Erfahrungen.
  • Auch in anderer Beziehung ist der Roman autobiografisch gefärbt: In dem Verhältnis Alexejs zu Polina zeichnet Dostojewski die Hassliebe nach, die ihn mit Apollinaria Suslowa verband. Suslowa begleitete ihn während einiger seiner Aufenthalte in Deutschland und Frankreich und wies 1865 einen Heiratsantrag des Schriftstellers ab.
  • Der Spieler Alexej ist hin- und hergerissen zwischen zwei rivalisierenden Passionen, der Liebe und dem Spielreiz. Im Kampf der beiden Leidenschaften gewinnt schließlich das unheilvolle Spiel über die Liebe zur Frau.
  • Mit dem grotesken Bild der verschuldeten und hochstaplerischen Kurgäste in Roulettenburg wird eine Kritik an der Gesellschaftsordnung formuliert. Der Roman ist streckenweise eine burleske Satire über die marode aristokratische Gesellschaft Westeuropas.
  • Dostojewski entlarvt das unheilvolle Trachten nach Rang, Ansehen und Ruhm. Die menschliche Gier wird als destruktive und unverbesserliche Eigenschaft gezeichnet, die die Macht hat, ein Leben zu zerstören.
  • Der Spieler ist zwar weder an Umfang noch an Tiefe mit den großen Meisterwerken des Dichters vergleichbar. Aber auch dieser Kurzroman weist die für Dostojewski typischen Handlungsebenen auf: ein spannender Plot, gepaart mit psychologischen und moralischen Konflikten.

Historischer Hintergrund

Die Glücksspielmode im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Industrie und die Wissenschaften rasant, zugleich fanden in Europa zahlreiche demokratische Revolutionen statt. In Russland regierte seit 1855 Zar Alexander II. Er hob 1861 die Leibeigenschaft auf und löste dadurch ungewollt eine Massenflucht von Arbeitern in die Städte aus. In St. Petersburg wuchs die Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte um mehr als eine Million Menschen. Die Lebensverhältnisse der Arbeiter waren katastrophal. Der Zar überlebte mehrere Anschläge nihilistischer Revolutionäre, bevor er 1881 durch eine Bombe ums Leben kam.

Zur gleichen Zeit erlebten deutsche Kurorte wie Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden einen wahren Glücksspielrausch. Vor allem wegen der Spielsäle wirkte ihre Anziehungskraft weit über den deutschen Sprachraum hinaus. In Frankreich war das Glücksspiel zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund seiner negativen Auswirkungen eingeschränkt worden. 1840 schaffte man in Bad Homburg die zweite Zero im Roulettekessel ab und erhöhte so die Gewinnchancen der Spieler. Vermögende Gäste aus allen Ländern wurden angelockt, um sich in den alten Kurorten beim Glücksspiel zu amüsieren. Die Spielsäle waren nun nicht mehr nur Adligen vorbehalten und die Heilbäder wurden zu einem florierenden Wirtschaftsfaktor. Ab 1848 wurden aber auch in Deutschland immer mehr Spielbanken geschlossen. 1872, sieben Jahre nachdem sich Dostojewski beim Roulette in Wiesbaden ruiniert hatte, verbot Reichskanzler Otto von Bismarck die Spielkasinos in ganz Deutschland. Während der Weimarer Zeit blieben die Spielbanken in Deutschland zu. Das Glücksspiel fand nun andernorts statt, z. B. im Freistaat Danzig oder in Monte Carlo.

Entstehung

Dostojewski bekennt im Roman Der Spieler seine eigene Spielsucht. Die Kurorte Wiesbaden und Bad Homburg nehmen beide für sich in Anspruch, Vorbild für Dostojewskis fiktives Roulettenburg gewesen zu sein. Tatsache ist, dass der Schriftsteller 1865 beim Roulettespiel in Wiesbaden einen Vorschuss seines Verlegers von 3000 Rubel verspielte. Er hatte sich verpflichtet, bis zum 1. November 1866 einen neuen Roman vorzulegen. Der Spieler entstand unter großem Zeitdruck: Im Oktober diktierte Dostojewski in nur 26 Tagen den Kurzroman der jungen Stenografin Anna Snitkin, die er wenige Monate später heiratete. 1867 flüchtete er mit seiner jungen Frau vor den Gläubigern ins Ausland, wo er erneut Spielsäle aufsuchte. Offenbar war er von der Idee besessen, am Spieltisch zum Millionär zu werden, um sich dann ohne materielle Sorgen ungestört seinem Werk widmen zu können. Kurz vor der Publikation von Der Spieler hatte Dostojewski den Roman Schuld und Sühne veröffentlicht und sich damit definitiv einen Platz in der Weltliteratur gesichert. Die sozialen Umbrüche jener Jahre waren ein wichtiges Thema der Literatur. Politische und wirtschaftliche Debatten wurden in Literaturzeitschriften geführt. Eine davon, Vremja („Zeit“), wurde von Dostojewski zusammen mit seinem Bruder herausgegeben. Die Zeitschrift wurde zwischenzeitlich zensiert, später in Épocha („Epoche“) umgetauft und 1864 aus Geldmangel eingestellt.

Wirkungsgeschichte

Dostojewski gehört zusammen mit Leo Tolstoi, Iwan Turgenjew und Iwan Gontscharow zu den Vertretern des russischen Realismus. Ab den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Roman zur dominierenden literarischen Gattung. Der Spieler entstand in Dostojewskis produktivster Phase, die jedoch vorerst nichts an seiner prekären finanziellen Lage änderte. Sein Werk wurde in Russland zunächst vor allem wegen der philosophischen und psychologischen Inhalte bewundert. In der neueren Kritik und bei den russischen Autoren der Gegenwart wird immer mehr auch seine bahnbrechende, vielschichtige Romantechnik anerkannt. Neben Dostojewskis vier großen Romanen gilt Der Spieler als das „kleine Meisterwerk“ des Autors. Der Kurzroman ist eher improvisiert als durchkomponiert, allerdings klingen auch hier die Zentralmotive der großen Romane Dostojewskis an. Das Buch wurde bereits 1890 ins Deutsche übersetzt und liegt heute in mehreren Übertragungen vor. Dostojewskis Spielsucht ist nicht nur Gegenstand tiefenpsychologischer Untersuchungen geworden, der Stoff hat auch mehrere Bühnenautoren und Filmregisseure inspiriert. Sergei Prokofjew arbeitete den Roman bereits 1916 zu einer Oper um. 1959 wurde in Rostock erstmals eine Dramatisierung des Werks aufgeführt. Bis heute ist Der Spieler ein beliebter Bühnenstoff geblieben und wurde beispielsweise im Jahr 2004 von Johan Simons unter dem Titel Zocker auf die Berliner Volksbühne gebracht. Schon 1939 wurde Der Spieler in Deutschland ein erstes Mal verfilmt, es folgten eine Hollywoodproduktion mit Gregory Peck in der Hauptrolle (The Great Sinner, 1949) und eine französische Verfilmung (Le Joueur, 1958). Auch filmisch blieb der Stoff bis in die jüngste Zeit aktuell: 2005 verarbeitete Erhard Riedlsperger Motive des Romans in dem Fernsehdrama Die Spielerin. Das Werk wurde 2005 zudem als Hörspiel vertont.

Über den Autor

Fjodor M. Dostojewski wird am 11. November 1821 als zweites von acht Kindern in einem Moskauer Armenhospital geboren. Nach einer Jugendzeit in ärmlichen Verhältnissen tritt er 1838 gemeinsam mit seinem Bruder in die St. Petersburger Militärakademie ein. Hier zeigt sich bereits sein schriftstellerisches Talent. Nach Abschluss des Studiums wird Dostojewski 1843 im Kriegsministerium angestellt. Dort hält es ihn aber nicht lange: Trotz massiver finanzieller Probleme quittiert er den Dienst bereits ein Jahr später. Sein Ziel: Schriftsteller zu werden. Sein Erstling, der Briefroman Arme Leute (1846), macht ihn schlagartig berühmt. Die intensive Arbeit an weiteren Werken und die Versagensangst führen zu ersten epileptischen Anfällen. 1849 wird er wegen Mitgliedschaft im revolutionären Petraschewski-Kreis, einer Art Geheimbund, zum Tod verurteilt. Buchstäblich in letzter Sekunde, bereits auf dem Richtplatz, wird er jedoch vom Zaren begnadigt und zu vier Jahren Zwangsarbeit sowie vier Jahren Militärdienst verurteilt. Während der Zeit in Sibirien bekehrt er sich zum christlichen Glauben. 1854 lernt er Marja Dimitrijewna kennen, die er 1857 heiratet. Nach Beendigung des Militärdienstes kehrt er 1859 nach Moskau zurück. Die Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, eine Beschreibung seiner Verbannung nach Sibirien, erscheinen 1861 in der von Dostojewski gegründeten Zeitschrift Vremja. Im nächsten Jahr unternimmt er seine erste Europareise und ein Jahr darauf die zweite. Dostojewski ist ein Spieler, der sich wegen seiner Sucht hoch verschuldet. Nach der dritten Europareise erscheint 1866 der Roman Schuld und Sühne in der Zeitschrift Russkij vestnik. Der Roman Der Spieler wird im selben Jahr veröffentlicht. Bis 1871 reist Dostojewski auf der Flucht vor seinen Gläubigern durch Europa und hält sich unter anderem in Florenz auf, wo er seinen Roman Der Idiot verfasst. Die Romane Die Dämonen (1871) und Die Brüder Karamasow (1879) werden große Erfolge. Am 9. Februar 1881 stirbt Dostojewski in St. Petersburg an den Folgen seiner Epilepsie und einem chronischen Lungenleiden.

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