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Der Steppenwolf
Buch

Der Steppenwolf

Berlin, 1927
Diese Ausgabe: Suhrkamp, 2005 Mehr

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Literatur­klassiker

  • Roman
  • Moderne

Worum es geht

Roman der Psychoanalyse

Harry Haller ist eine gespaltene Persönlichkeit. Er glaubt aus zwei Naturen zu bestehen, Mensch und Wolf, Kultur- und Triebwesen. In der bĂŒrgerlichen Gesellschaft ist er ein Intellektueller und Außenseiter, der zunehmend depressiv wird und an Selbstmord denkt. Doch eines Nachts bekommt er scheinbar zufĂ€llig den mysteriösen Text „Tractat vom Steppenwolf“ in die HĂ€nde, in dem von ihm selbst die Rede ist. Schonungslos wird Harry auf seine persönlichen IrrtĂŒmer hingewiesen und dazu aufgefordert, zu seiner Heilung das „magische Theater“ aufzusuchen. Er macht die Bekanntschaft der Prostituierten Hermine, die sein Triebleben aufblĂŒhen lĂ€sst, und des Saxofonspielers Pablo, der ihm Drogen verabreicht und ihm eine Art Seelenspiegel vorhĂ€lt. Harry sieht in sein eigenes Unbewusstes und muss erkennen: Er ist nicht nur Mensch und Wolf, sondern ein noch weit vielfĂ€ltigeres Wesen. Ihm fehlen nur der Humor und die Gelassenheit, sich als solchermaßen gespalten zu akzeptieren. Hesse zergliedert im Roman die Seele seines Helden, der wohl nicht zufĂ€llig die gleichen Initialen hat wie der Autor. Ein vielschichtiges Buch, das Hesses internationalen Ruhm begrĂŒndete und auch heute noch fasziniert.

Zusammenfassung

Ein merkwĂŒrdiger Mieter

Ein anonymer ErzĂ€hler schildert in einem Vorwort seine Begegnung mit einem 48-jĂ€hrigen Fremden, den er den „Steppenwolf“ nennt und der einst zehn Monate lang ein Mansardenzimmer im Mietshaus der Tante des ErzĂ€hlers bewohnte. Der ErzĂ€hler, selbst ein durch und durch bĂŒrgerlicher Mensch, beschreibt den Untermieter Harry Haller als faszinierenden Sonderling, als einen hochintelligenten, aber menschenscheuen und vereinsamten Gelehrten. Eines Tages verschwindet Harry Haller auf mysteriöse Weise und hinterlĂ€sst ein tagebuchĂ€hnliches Manuskript. Dieses wird nun von dem ErzĂ€hler veröffentlicht. Dessen persönlicher Eindruck von Harry scheint sich mit den vorgefundenen Aufzeichnungen Hallers zu decken und diese zu ergĂ€nzen. In den Augen des ErzĂ€hlers ist Harry Haller ein gebrochener, seelisch kranker Mann, der fĂŒr die normale bĂŒrgerliche Welt zu viel Geist und Begabung besitzt, um Anschluss in ihr zu finden. Er hĂ€lt ihn fĂŒr einen Menschen einer Gelehrtengeneration, die „zwischen die Zeiten geraten ist“ und ein neurotisches Leben voller innerer WidersprĂŒche fĂŒhrt. Dies schließt er aus Beobachtungen und nur wenigen GesprĂ€chen...

Über den Autor

Hermann Hesse wird am 2. Juli 1877 im SchwarzwaldstĂ€dtchen Calw als Sohn des Missionars Johannes Hesse und der ebenfalls missionarisch tĂ€tigen Marie Gundert geboren. 1881 zieht die Familie nach Basel, wo der Vater die Schweizer Staatsangehörigkeit annimmt. Nach der RĂŒckkehr nach Calw im Jahr 1883 besucht Hesse die Lateinschule in Göppingen. 1891 tritt er in das evangelische Klosterseminar in Maulbronn ein. Ein Jahr spĂ€ter flĂŒchtet er jedoch von dort, um Dichter zu werden. Nach einem Selbstmordversuch besteht er 1893 das EinjĂ€hrig-Freiwilligen-Examen (mittlere Reife) am Gymnasium in Cannstatt. Im gleichen Jahr beginnt er eine BuchhĂ€ndlerlehre, die er jedoch nach nur drei Tagen hinwirft. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker fĂŒhlt er sich wieder bereit fĂŒr Geistiges und beendet die zweite begonnene BuchhĂ€ndlerlehre erfolgreich. Nach den Gedichtsammlungen Das deutsche Dichterheim und Romantische Lieder bringt der Roman Peter Camenzind (1904) Hesse den Durchbruch als Autor. In diesem Werk und im zwei Jahre spĂ€ter fertiggestellten Unterm Rad (1906) verarbeitet er seine schlechten Erfahrungen aus der Schulzeit. 1911 unternimmt er die einzige große Reise seines Lebens, die ihn nach Ceylon und Sumatra fĂŒhrt. Die dort empfangenen EindrĂŒcke werden fĂŒr sein weiteres Werk sehr wichtig. 1916 erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Der Grund ist der Tod seines Vaters und die voranschreitende Schizophrenie seiner Frau Maria Bernoulli. Hesse begibt sich in die psychotherapeutische Behandlung eines SchĂŒlers von C. G. Jung. Die BeschĂ€ftigung mit der Jung’schen Archetypenlehre findet ihren literarischen Niederschlag in der 1919 veröffentlichten ErzĂ€hlung Demian und im Roman Narziß und Goldmund (1929/30). Hesses BĂŒcher bekommen einen fernöstlich beeinflussten, meditativen Charakter, besonders Siddhartha (1922). 1927, zwischen seiner zweiten und seiner dritten Heirat, erscheint der Roman Der Steppenwolf. WĂ€hrend der NS-Herrschaft werden viele BĂŒcher Hermann Hesses in Deutschland verboten. In dieser Zeit schreibt er sehr lange (1930–1943) an seinem großen SpĂ€twerk Das Glasperlenspiel. 1946 erhĂ€lt Hesse den Nobelpreis fĂŒr Literatur, 1955 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 9. August 1962 stirbt Hermann Hesse in Montagnola in seiner Wahlheimat, der Schweiz.


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