Zusammenfassung von Des Teufels General

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Des Teufels General Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Nachkriegszeit

Worum es geht

Dem Teufel verschrieben

Zuckmayers Stück handelt vom Fliegerhelden Harras, der die Schändlichkeit der Nationalsozialisten durchschaut und dennoch für sie kämpft – wegen seiner Leidenschaft fürs Fliegen. Seinem schlechten Gewissen verschafft er durch häufige abschätzige Bemerkungen über das Regime Luft. Dann gerät er in Verdacht, Flugzeuge der Luftwaffe zu sabotieren und für zahlreiche Abstürze seiner Kameraden verantwortlich zu sein. Obwohl Harras nichts mit den Vorfällen zu tun hat, treibt ihn seine Doppelrolle als Oppositioneller und Mitläufer schließlich in einen Konflikt, dem er sich einzig durch Selbstmord entziehen kann. Kritiker haben Zuckmayers Stück immer wieder Klischeehaftigkeit, Rührseligkeit und eine Tendenz zur Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen, womit sie nicht ganz Unrecht haben. Dennoch wurde Des Teufels General allein in der Theatersaison 1948/49 über 2000 Mal aufgeführt. Das einem ungekünstelten Realismus verpflichtete Werk wurde 1954 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle verfilmt und besticht auch heute noch durch seine Spannung, seine Dramatik und seine lebensnahe Sprache.

Take-aways

  • Carl Zuckmayers Des Teufels General ist eines der erfolgreichsten und meistgespielten Dramen der Nachkriegszeit.
  • Der Autor schrieb das Stück während des Kriegs im Exil, die Uraufführung fand 1946 am Zürcher Schauspielhaus statt.
  • Obwohl Fliegergeneral Harras ein Gegner der Nazis ist, hat ihn seine Leidenschaft für die Fliegerei dazu bewogen, für Hitlers Regime in den Krieg zu ziehen.
  • Der leutselige und trinkfreudige Harras ist bei seinen Untergebenen äußerst beliebt und kann sich abschätzige Bemerkungen über die Diktatur leisten.
  • Rätselhafte Flugzeugabstürze wecken bei den Nazis den Verdacht, Harras sei ein Saboteur.
  • Er wird verhaftet und erhält zehn Tage Zeit, den Grund für die Maschinenschäden aufzudecken.
  • Als er herausfindet, dass einer seiner engsten Mitarbeiter hinter den Sabotageakten steckt, besteigt er eines der manipulierten Flugzeuge und begeht Selbstmord.
  • Vorbild für die Harras-Figur war der deutsche Generalflugzeugmeister Ernst Udet, der sich 1941 erschossen hatte.
  • Offiziere der Wehrmacht haben mehrmals Pläne für einen gegen Hitler gerichteten Staatsstreich geschmiedet, die jedoch alle gescheitert sind.
  • Zuckmayer war einer der erfolgreichsten Dramatiker der Weimarer Republik. Von den Nazis wurde er mit einem Aufführungsverbot belegt und musste fliehen.
  • Während das Publikum das Stück mit Begeisterung aufnahm, warfen ihm Kritiker die Heldenverehrung einer moralisch fragwürdigen Figur vor.
  • 1954 wurde Des Teufels General unter der Regie von Helmut Käutner mit Curd Jürgens in der Hauptrolle verfilmt.
 

Zusammenfassung

Ein Tanz auf dem Vulkan

In einem Restaurant bereiten die Kellner Detlev und François die letzten Einzelheiten für einen Festempfang des Fliegergenerals Harras vor. Ein Büffet für 15 Personen steht bereit, die beiden Kellner entkorken Flaschen und füllen Aperitifgläser. Wenn Harras ein Fest gebe, dauere dies die ganze Nacht und es bleibe kein Auge trocken, sagt der eine zum anderen. Als sie im Vorzimmer Stimmen hören, öffnet Detlev blitzschnell eine unsichtbare Klapptür in der Wandverschalung, um etwas einzuschalten. Harras tritt ein. Er trägt Galauniform und hat eine Zigarette im Mundwinkel. Der General hört ein Ticken. Detlev versichert eilig, das müsse der Ventilator sein, doch als dieser ausgeschaltet wird, tickt es immer noch. Das Geräusch scheine aus der Wand zu kommen, sagt Harras, lässt das Ganze dann aber auf sich beruhen.

Ein Büffet wie in Friedenszeiten

Auch die anderen Gäste treffen ein: hohe Parteifunktionäre der NSDAP, Industrielle und Offiziere. Harras begrüßt sie mit saloppen, politisch reichlich gewagten Sprüchen, worauf Dr. Schmidt-Lausitz vom Propagandaministerium ausgesprochen säuerlich reagiert. Andere loben das üppige Büffet und den in Strömen fließenden Alkohol. Das sei ja wie in Friedenszeiten, meint Sigbert von Mohrungen, Präsident des Beschaffungsamtes für Rohmetalle. Friedrich Eilers, Oberst und Kampfstaffelführer, wird von seiner jungen Frau Anne begleitet, die wiederum ihre noch jüngere, aufreizend gekleidete Schwester Pützchen mitgebracht hat. Pützchen ist mit dem diensteifrigen, wagemutigen Fliegeroffizier Hartmann verlobt, äußert sich aber in ihrem Schwips derart abschätzig über ihn, dass sie von ihrem Vater Mohrungen zu mehr Zurückhaltung aufgefordert wird.

„Ein Nazi bin ich nie gewesen. (...) Immer nur ein Flieger. Und mein Geld habe ich mir selber verdient, hab oft genug den Kragen dafür riskiert. Ich hab auch nirgends eingeheiratet, nie aus der Parteikasse gelebt, keinen Juden bestohlen und mir kein Schloss in der Uckermark gebaut.“ (Harras, S. 25)

Plötzlich überbringt der Restaurantbesitzer Otto die Nachricht, dass Reichsmarschall Hermann Göring persönlich im Lokal erscheinen werde – die Anwesenden sind elektrisiert. Zunächst stoßen aber drei Kameraden von Harras hinzu, darunter auch Pützchens Verlobter Hartmann. Sie albern mit Harras herum und erzählen Fliegeranekdoten. Hartmann will seinen Urlaub auf dem Land verbringen, doch seine Verlobte kündigt an, in Berlin zu bleiben, um sich von Baron Pflungk ausführen zu lassen – für Hartmann sei das nichts, er könne ja nicht tanzen. Harras erklärt öffentlich, dass er nie ein Nazi gewesen sei und sich einzig und allein fürs Fliegen interessiere, worauf für einen Moment betretenes Schweigen eintritt. Dr. Schmidt-Lausitz versucht die Situation zu retten, indem er Harras’ Worte im Sinne des Nationalsozialismus zurechtbiegt, wofür sich der Frevler ironisch bedankt.

Hermann Göring lässt bitten

Der inzwischen eingetroffene Göring lässt ausrichten, dass er in einem anderen Raum zu ein paar Gläsern Champagner bittet. Die meisten eilen davon, Harras hingegen bleibt und kommentiert gegenüber Mohrungen und Pflungk die Lage an der Ostfront dahingehend, dass Deutschland sich längst in einer aussichtslosen Lage befinde und den Krieg gegen Russland verlieren werde. Über die militärische Führung redet er genauso abschätzig wie über Hitler selber. Als sich Pflungk entfernt, fordert Mohrungen den Fliegergeneral auf, mit seiner Wortwahl ein bisschen vorsichtiger zu sein. Doch Harras entgegnet, das sei seine Methode: Man wisse ohnehin, was er denke, und wenn er anfange, vorsichtig zu sein, könnten die überzeugten Nazis meinen, er habe Angst. Er wisse genau, dass Schmidt-Lausitz jeden Tag zwei Berichte an Himmler schicke, aber wenn er „einem von denen“ auf die Füße treten könne, dann tue er es mit Genuss. Schließlich werde er angesichts der immer verzweifelteren Lage mehr gebraucht denn je.

„Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie das Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse.“ (Harras zu Hartmann, S. 65)

Mohrungen sagt, dass sie beide für ein Deutschland arbeiten, mit dessen Regierung sie nicht einverstanden seien. Darauf entgegnet Harras, dass er sich von Anfang an keine Illusionen über die Nazis gemacht habe, aber er habe nun einmal einen Narren an der Fliegerei gefressen und könne sich einen Luftkrieg ohne seine Beteiligung schlicht und einfach nicht vorstellen. Was ihm Sorgen bereite, seien Materialschäden an den Flugzeugen, die in letzter Zeit immer häufiger auftreten würden. Irgendjemand betreibe systematisch Sabotage, aber bisher habe er nicht herausfinden können, wer dahinterstecke. Es sehe ganz danach aus, als versuche man, ihm eine Fallgrube zu schaufeln, da er ja die direkte Verantwortung für sämtliche Maschinen der Luftwaffe trage. Zu Oderbruch, dem Ingenieur im Luftfahrtministerium, habe er jedoch vollstes Vertrauen.

Hilfe für einen KZ-Häftling

Einige der Gäste kehren aus dem Nebenzimmer zurück, darunter auch die junge Schauspielerin Diddo Geiss, mit der Harras sogleich heftig zu turteln beginnt. Diddos Tante Olivia zieht den Flieger beiseite und flüstert ihm zu, dass ein ehemaliger jüdischer Häftling des KZs Buchenwald schwer verletzt im Polizeispital liege und so schnell wie möglich das Land verlassen müsse. Harras verspricht Hilfe. Später greift er zu einer Gitarre und singt unter allgemeinem Hallo und Händeklatschen Fliegerlieder.

„Für Sie wird sich das Rad nicht mehr drehen. Nicht mehr nach oben. Sie und Ihresgleichen haben lange genug auf uns herabgeschaut. Wir aber schauen nicht lange herab. Wir treten.“ (Schmidt-Lausitz zu Harras, S. 83)

Plötzlich winkt ihn sein treuer Adjutant Lüttjohann zu sich heran und flüstert ihm etwas zu. Das Gitarrenspiel bricht ab, und Harras sagt mit nüchterner, ernster Stimme, sämtliche Herren von der Fliegerstaffel seien an die Front zurückbeordert worden, die Urlaube habe man gestrichen. Hartmann reißt mit flammenden Augen den Arm hoch und schreit „Heil Hitler!“ Im Zwiegespräch mit Harras erklärt er, dass Pützchen die Verlobung gelöst habe. Eine Heirat komme nicht infrage, weil er seine rein arische Abstammung nicht lupenrein nachweisen könne, und die junge Frau bestehe auf einer Ehe mit jemandem, der in der Partei Karriere machen könne. Hartmann tröstet sich mit dem „großen, reinen und ewigen Tod“, der ihn auf dem Schlachtfeld erwarte. Der Fliegergeneral bezeichnet die Worte des jungen Offiziers als „olle Tiraden“. Die Gäste ziehen sich zurück, Harras bezahlt die Rechnung und hinterlässt den Kellnern ein großzügiges Trinkgeld.

„Jetzt wollen wir mal in den Spiegel gucken und über uns selbst gerührt sein. Was wir für edle Menschen sind. So schaun wir aus. Jeder hat seinen Gewissensjuden, oder mehrere, damit er nachts schlafen kann.“ (Harras, S. 98)

Nachdem er das Lokal verlassen hat, ruft Kellner Detlev die Polizei an: Es habe alles geklappt mit der heimlichen Aufnahme, aber es sei ein Geräusch zu hören gewesen. François bezeichnet die ganze Spionageaktion als widerlich, aber Detlev bedroht ihn und rechtfertigt sich mit den Worten, es bleibe ihm keine andere Wahl, als für die Nazis zu arbeiten, schließlich habe er Familie.

Es wird gefälligst deutsch gesprochen

Zwei Wochen später sitzen Harras’ Chauffeur Korrianke und sein Adjutant Lüttjohann aufgeregt in der Wohnung des Generals: Ihr Herr ist verhaftet worden. Als sie das Geräusch des Fahrstuhls hören, springen sie auf – doch es ist nur der amerikanische Journalist Buddy Lawrence. Er hat die Festnahme des Fliegerhelden gemeldet und soll deswegen ausgewiesen werden. Der hinzukommende Propagandist Dr. Schmidt-Lausitz empfiehlt ihm mit drohendem Unterton, sich möglichst schnell um seine Rückkehr in die USA zu kümmern. Schließlich betritt General Harras die Wohnung. Er begrüßt den Journalisten auf Englisch, was Schmidt-Lausitz zu der Bemerkung veranlasst, in Deutschland werde doch wohl deutsch gesprochen. Der Nazifunktionär überbringt Harras ein Ultimatum: Die Sabotageakte, für die er als Leiter des technischen Amtes verantwortlich sei, müssten innerhalb von zehn Tagen endgültig aufgeklärt und unterbunden werden. Andernfalls stehe die Existenz des Generals auf dem Spiel. Persönlich würde er allerdings keine zehn Minuten zögern, um seinen Gesprächspartner unschädlich zu machen, fügt Schmidt-Lausitz hinzu. „Gegenseitig“, antwortet Harras. Als er einen Revolver zieht, eilt der Propagandafunktionär zur Tür.

„Es rettet ja jeder etwas, heutzutage, was er nicht beweisen kann. Die Religion, die Kultur, die Demokratie, das Abendland – wohin man rotzt, ein Kreuzzug. Wenn ich nur einen treffen würde, der zugibt, dass er nichts als seine Haut retten will.“ (Harras, S. 113)

Die Schauspielerin Diddo, die sich in Harras verliebt hat, kommt zu Besuch. Sie sagt, sie wolle mit ihm fliehen, teilt ihm jedoch gleichzeitig mit, dass sie in Wien eine äußerst wichtige Rolle erhalten habe, für die sie noch am selben Tag zu- oder absagen müsse. Plötzlich tragen zwei Männer mit Rotkreuzbinde auf einer Bahre Diddos Tante Olivia herein. Sie ist auf der Straße ohnmächtig geworden, schlägt jedoch bald die Augen auf und überreicht Harras einen Umschlag. Er enthält den Abschiedsbrief des Juden, dem der General zur Flucht ins Ausland hat verhelfen wollen. Da ihm diese jedoch durch Harras’ Verhaftung verunmöglicht worden ist, hat er Selbstmord begangen. Harras ist erschüttert, liest den Brief und wirft ihn auf den Tisch.

Die Uniform ist zu braun

Von draußen dringen Stimmen und Gelächter herein und Baron Pflungk, Mohrungen sowie Pützchen betreten die Wohnung. Letztere trägt Parteiuniform und fragt den General, ob ihm diese gefalle. „Zu braun“, lautet die Antwort. Er ziehe wohl Fleischfarbe vor, entgegnet Pützchen lachend. Dem Journalisten Lawrence erzählt sie, worüber sie bei der Reichsfrauenführerschaft unterrichtet werde: Rassenpolitik, Zuchtwahl, Geschlechtshygiene usw. Harras bezeichnet dies alles als schäbigen Schwindel und nennt sich selbst einen „Juden honoris causa“. Mohrungen zieht ihn beiseite und teilt ihm gequält mit, dass bezüglich der Materialschäden alle Indizien gegen ihn sprächen. Einzig der Eintritt in die Partei und eine Verständigung mit Himmler könnten den General noch retten. Mohrungen ist nun plötzlich wieder linientreu und redet davon, dass man Deutschland und die Welt vor dem Bolschewismus bewahren müsse. Er bricht in Tränen aus und bittet Harras um Verständnis für seine ideologische Kehrtwende. Inzwischen hat Pützchen den auf dem Schreibtisch liegenden Brief entdeckt und an sich genommen.

„Sie haben auf Wehrlose geschossen – nur zum Spaß. Sie haben gelacht, wenn die vor Angst gewimmert haben. Sie – ich kann es nicht aussprechen, Herr General. Das hat doch nichts mehr mit Krieg zu tun. Nichts mit dem Ziel – nichts mit der Idee. Dafür gibt es doch keine Rechtfertigung. Das ist doch einfach – schändlich!“ (Hartmann zu Harras, S. 140)

Plötzlich trifft zum Entsetzen der versammelten Runde die Nachricht ein, dass Oberst Eilers bei einem Absturz tödlich verunglückt ist – erneut sei ein Materialschaden dafür verantwortlich. Harras rät seiner Geliebten Diddo, die Rolle in Wien anzunehmen; er werde versuchen, trotz aller Widrigkeiten mit ihr in Verbindung zu bleiben. Als bereits alle gegangen sind, kehrt Pützchen zurück. Auch sie ist in Liebe und Bewunderung zu Harras entbrannt und fordert ihn auf, sich endgültig auf die Seite der Nazis zu schlagen. Mit ihrer Hilfe könne er es zum zweitmächtigsten Mann, direkt nach dem Führer, bringen. Der General lehnt ab, und in ihrer zornigen Enttäuschung droht ihm nun Pützchen mit Verrat: Sie wisse, dass er Juden heimlich über die Grenze schmuggle. Außer sich greift Harras zu einer Peitsche und jagt die junge Frau aus der Wohnung. Sie werde ihn zur Strecke bringen, sind Pützchens Abschiedsworte.

Die Frist läuft ab

Am letzten Tag vor Ablauf der Frist, die ihm zur Aufklärung der Sabotageakte gesetzt worden ist, befindet sich Harras auf einem Militärflughafen bei Berlin. Der ehemals überzeugte Nazioffizier Hartmann erzählt dem General vom Massenmord an unschuldigen Zivilisten, den er mit eigenen Augen gesehen habe und den er als schändlich empfinde. Ob er an Gott glaube, will Hartmann von Harras wissen. Gott habe er nie gesehen – aber den Teufel, lautet die Antwort. Im Übrigen glaube er an ein übergeordnetes Recht, das vielleicht nicht an der Oberfläche und für jeden einzelnen Menschen wirksam sei, wohl aber im Kern der Welt. Die Witwe des verunglückten Eilers wirft Harras vor, am Tod ihres Mannes schuldig zu sein, weil er ihn nicht von seinem falschen Glauben an den Nationalsozialismus abgebracht habe und nichts tue, um dem Wahnsinn dieses Krieges ein Ende zu setzen. Der Beschuldigte entgegnet, als Einzelner könne er seine Schultern unmöglich gegen eine Lawine stemmen, er sei kein Gott, sondern nicht mehr als ein Mensch.

„Glauben Sie, dass dieser Krieg gerecht ist? Sie wissen, dass er ungerecht ist. Warum lassen Sie ihn geschehen? Warum bekennen Sie nicht?“ (Anne zu Harras, S. 144)

Gegenüber seinem Freund, dem Luftwaffeningenieur Oderbruch, gibt Harras zu, dass er bezüglich der Materialschäden nach wie vor im Dunkeln tappe. Schmidt-Lausitz habe ihm einen Revolver ausgehändigt, damit er einen ehrenvollen Ausweg wählen und Selbstmord begehen könne, aber dies käme für ihn nicht infrage. Einer plötzlichen Intuition folgend, starrt er Oderbruch an und schwört ihm ewiges Stillschweigen, wenn er die Verantwortlichen für die Sabotage nenne. Oderbruch gibt zu, mit einer Gruppe von Mitverschwörern selber dahinterzustecken. Es gehe darum, die Waffen zu zerbrechen, mit denen der Feind seinen zerstörerischen Krieg führe und Deutschland in den Abgrund stoße. Harras wirft Oderbruch zunächst Blutschuld und Brudermord vor, will seine Beweggründe aber dennoch nachvollziehen können. Oderbruch antwortet, er handle einzig aus Scham über die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen. Der General antwortet, dann müsse Oderbruch nicht die Krone des Baums schlagen, sondern dessen Wurzel, und die heiße nicht Eilers, sondern Hitler. Oderbruch fordert Harras auf, sich auf die Seite der Verschwörer zu schlagen. Harras entgegnet: Wer auf Erden des Teufels General geworden sei und ihm die Bahn gebombt habe, der müsse ihm auch Quartier in der Hölle machen. Er besteigt eine der defekten Maschinen, fliegt mit ihr los – und stürzt ab. Schmidt-Lausitz meldet, der Fliegergeneral sei in Erfüllung seiner Pflicht gestorben und erhalte ein Staatsbegräbnis.

Zum Text

Aufbau und Stil

Carl Zuckmayers Des Teufels General ist ein Drama in drei Akten. Der erste Akt versammelt fast alle Figuren des Stücks in einem Restaurant, der zweite spielt in der Wohnung des Generals Harras, der wesentlich kürzere, von dramatischen Umschwüngen geprägte dritte Akt im Büro eines Militärflughafens bei Berlin. Das Stück ist naturalistisch-traditionell aufgebaut und fesselt durch einen kraftvoll gezogenen, sämtliche Akte verbindenden Spannungsbogen. Zuckmayer zielt offensichtlich auf die psychologische Identifikation des Publikums mit der Hauptfigur, die das Geschehen von der ersten bis zur letzten Szene unangefochten dominiert. Zahlreiche Nebenfiguren haben dagegen aufgrund ihrer etwas eindimensionalen, kolportagehaften Zeichnung die Funktion, bestimmte Typen und politische Haltungen darzustellen. Auf Verfremdungseffekte, ins Publikum gesprochene Kommentare sowie auf zeitliche Brüche, wie sie etwa im Bühnenwerk des Zeitgenossen Bertolt Brecht üblich sind, verzichtet Carl Zuckmayer vollständig. Ein wichtiges Gestaltungsmittel ist die mundartlich gefärbte, oft kraftmeierisch-derbe Sprache zahlreicher Figuren. So spricht etwa ein Fliegeroffizier namens Pfundtmayer konsequent bayerisch, während Harras im freundschaftlichen Gespräch mit seinen Untergebenen berlinert. Die Dialoge des Stücks sind schnell und teilweise witzig, die Sprache ist ungekünstelt und lebensnah, nimmt jedoch insbesondere im dritten Akt phasenweise auch pathetische Züge an.

Interpretationsansätze

  • Im Mittelpunkt des Dramas steht mit dem Fliegergeneral Harras eine Figur, die ihr moralisches Dilemma nicht zu überwinden vermag und an inneren Widersprüchen zugrunde geht. Harras erkennt zwar die Verwerflichkeit des Naziregimes, doch eine geradezu unbezwingbare Leidenschaft für die Fliegerei treibt ihn dazu, seine Fähigkeiten den Verbrechern zur Verfügung zu stellen. Er ist außerstande, eine politisch-moralische Erkenntnis persönlichen Neigungen überzuordnen und danach zu handeln.
  • In seinem Wagemut, seinem schnoddrigen Charme und seiner hinter einer harten Schale verborgenen Herzensgüte erscheint Harras trotz aller Widersprüche als positive Identifikationsfigur. Damit er vor sich selber nicht völlig unglaubwürdig wird, benutzt er seine Stellung als Fliegerheld, um bei jeder Gelegenheit gegen den Nationalsozialismus zu wettern und bedrohten Juden zu helfen.
  • Indem sich der Titelheld als menschlicher Mitläufer des Nationalsozialismus erweist, untergräbt Zuckmayer die eindeutige Festlegung der moralischen Kategorien Gut und Böse und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass ein dem Menschen übergeordnetes, naturgegebenes Recht existiere.
  • Die Kontrastfigur zu Harras ist Oderbruch: Wo jener sich widersprüchlich verhält, folgt dieser geradlinig und konsequent seiner inneren Haltung, ohne Rücksicht auf persönliche Verluste.
  • Andere Figuren im Stück verkörpern prototypisch klischeehafte Haltungen, etwa feigen Opportunismus (Mohrungen), überzeugten Fanatismus (Hartmann) oder egoistischen Zynismus (Pützchen).

Historischer Hintergrund

Der Widerstand der Offiziere

Schon 1938 verschworen sich Offiziere der Wehrmacht und Mitglieder des Generalstabs zu einer Widerstandsbewegung gegen den deutschen Diktator Adolf Hitler. Die vom Generalstabschef des Heeres Franz Halder und von General Erwin von Witzleben angeführten Verschwörer waren entschlossen, den sich abzeichnenden Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei durch einen Staatsstreich zu verhindern, bei dem Hitler gefangen genommen oder getötet werden sollte. Doch die aufgrund eines Vermittlungsvorschlags von Benito Mussolini überraschend einberufene Münchner Konferenz machte die Umsturzpläne zunichte: Hitler erhielt das zur Tschechoslowakei gehörige Sudetenland auf diplomatischem Weg zugesprochen, der drohende Krieg war vorläufig abgewendet, die Verschwörergruppe brach auseinander. Spätere Attentatspläne scheiterten oft aufgrund unglaublich anmutender Zufälle – etwa weil eine im Jahr 1943 in Hitlers Flugzeug geschmuggelte Bombe wegen zu großer Kälte und eines defekten Zünders nicht explodierte.

Die historisch bedeutendste und folgenschwerste Aktion des deutschen Widerstands war das Attentat vom 20. Juli 1944, das unter der Führung von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg geplant worden war. Stauffenberg wollte während einer Sitzung im Führerhauptquartier Wolfsschanze im ostpreußischen Rastenburg zwei in einer Tasche versteckte Bomben explodieren lassen. Aufregung und Zeitdruck verhinderten jedoch, dass er beide Explosivkörper mit einem Zünder versehen konnte, sodass er fatalerweise lediglich die eine scharfe Bombe in seine Tasche steckte, was sich letztlich als ungenügend erwies. Kurz vor der Zündung verließ Stauffenberg unter einem Vorwand die Sitzung. Hitler überlebte den Anschlag leicht verletzt, während die Verschwörer zunächst davon ausgingen, dass ihr Vorhaben geglückt sei. Als sich jedoch herausstellte, dass Hitler noch am Leben war, endete die von den Aufständischen geplante Machtübernahme in einem Fiasko. Stauffenberg wurde am frühen Morgen des 21. Juli 1944 erschossen, rund 200 seiner Gefährten sollten später vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt werden.

Entstehung

Im November 1941 erfuhr Carl Zuckmayer auf seiner Farm in Vermont durch eine knapp formulierte Zeitungsnotiz, dass der deutsche Generalflugzeugmeister Ernst Udet beim Ausprobieren eines neuen Flugzeugs abgestürzt und tödlich verunglückt sei. Er habe ein Staatsbegräbnis erhalten. In Wahrheit hatte Udet sich erschossen, was aber aus Propagandagründen geheim gehalten wurde. Der draufgängerische Udet wurde zum Vorbild des Generals Harras in Zuckmayers Stück Des Teufels General, mit dessen Niederschrift der Dramatiker sogleich begann. Udet war während des Ersten Weltkriegs ein erfolgreicher Jagdflieger gewesen und hatte sich später eine überwältigende Popularität als Kunst- und Schauflieger erworben. Im Dritten Reich avancierte er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter in Görings Luftfahrtministerium. Obwohl er die Hitlerdiktatur ablehnte, machte ihn seine bedingungslose Fliegerleidenschaft zu einem Werkzeug des Regimes. Carl Zuckmayer hatte Udet persönlich gekannt und ihn 1936 zum letzten Mal in Berlin zum Mittagessen getroffen. In seiner Autobiografie erinnert sich der Schriftsteller an die Worte des Luftwaffenoffiziers: „Schüttle den Staub dieses Landes von deinen Schuhen, geh in die Welt und komm nie wieder. Hier gibt es keine Menschenwürde mehr.“ Des Teufels General wurde 1945 abgeschlossen und erlaubte es Zuckmayer, sich nach einer längeren, von tiefen Depressionen überschatteten Zeit künstlerischer Sterilität wieder in das literarische Leben einzugliedern.

Wirkungsgeschichte

Des Teufels General wurde im Dezember 1946 am Zürcher Schauspielhaus mit durchschlagendem Erfolg uraufgeführt. In Deutschland kam das Stück während der Spielzeiten 1947/48 insgesamt 884 Mal auf die Bühne, in der darauffolgenden Theatersaison wurde es gar 2069 Mal gegeben. Damit war Zuckmayer der meistgespielte Dramatiker der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Publikum war von der spannungsreichen Handlung, den kernigen Dialogen und dem anrührenden Schicksal der Hauptfigur begeistert. Während der Erfolg des Stücks in den 50er Jahren ungebrochen anhielt, wurde es im folgenden Jahrzehnt immer seltener gespielt und geriet beinahe in Vergessenheit. Zum einen stieß sein traditionell anmutender, geschlossener Aufbau und sein unverfremdeter Realismus bei den experimentell orientierten Regisseuren und Intendanten der 60er Jahre auf Ablehnung. Zum anderen kam Des Teufels General in die Schusslinie vor allem linker Kritiker. Sie warfen Zuckmayer vor, einen Mitläufer des Nationalsozialismus zum idealistischen Helden verklärt und damit das Dritte Reich verharmlost zu haben; die moralische Fragwürdigkeit des tapferen Fliegergenerals werde von dessen liebenswerter Schnoddrigkeit übertüncht, während die Nebenfiguren des Stücks klischiert seien und die Hitlerdiktatur lediglich als dürftig ausgeleuchtete pseudohistorische Staffage diene. In den 70er Jahren erkannte sogar der Autor mit einer gewissen Bitterkeit, dass die Popularität seines Stücks nicht nur auf dessen antifaschistischer Botschaft, sondern auch auf der Identifikationsmöglichkeit mit einem schneidigen Kriegshelden beruhte. Bereits 1954 diente das Drama als Vorlage für eine ebenfalls äußerst erfolgreiche Verfilmung unter der Regie von Helmut Käutner und mit Curd Jürgens in der Hauptrolle.

Über den Autor

Carl Zuckmayer wird am 27. Dezember 1896 im hessischen Nackenheim geboren. Vier Jahre später zieht die Familie nach Mainz, wo Zuckmayer eine glückliche Kindheit verlebt, das Gymnasium besucht und unter dem Eindruck der Expressionisten erste literarische Gehübungen unternimmt. 1914 schließt er die Mittelschule mit dem Notabitur ab, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Er nimmt an mehreren blutigen Schlachten an der Westfront teil, wobei sich seine anfängliche Kriegsbegeisterung zu einem radikalen Pazifismus wandelt. Nach der Entlassung aus der Armee studiert er ab 1919 in Heidelberg Literatur, Kunstgeschichte, Soziologie und Biologie. Als Dramaturg am Münchner Schauspielhaus lernt er Bertolt Brecht kennen. 1925 gelingt ihm mit dem volkstümlichen Stück Der fröhliche Weinberg der literarische Durchbruch. Auch seine folgenden Dramen Schinderhannes (1927), Katharina Knie (1929) und vor allem Der Hauptmann von Köpenick (1931) werden zu überwältigenden Erfolgen und machen Zuckmayer zu einem der bestverdienenden Autoren der Weimarer Republik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird sein Werk mit einem Aufführungsverbot belegt. Zuckmayer flieht zunächst ins österreichische Exil, wo ihn seine zweite Ehefrau, die Schauspielerin Alice Frank, nur mit Mühe davon abhalten kann, ihr gemeinsames Haus mit einem alten Revolver gegen die Beschlagnahmung zu verteidigen. Das Paar emigriert zuerst in die Schweiz, 1939 dann in die USA, wo sich Zuckmayer als Drehbuchautor in Hollywood versucht. Aus Geldnot pachtet er schließlich eine Farm in Vermont. Hier schreibt er u. a. Des Teufels General (1946), das zum Welterfolg wird. 1958 siedeln die Zuckmayers ins schweizerische Saas-Fee über, 1966 erhalten sie die Schweizer Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr erscheint Zuckmayers erfolgreichstes Buch, die Autobiografie Als wär’s ein Stück von mir. Nach kurzer Krankheit stirbt der vielfach preisgekrönte Autor am 18. Januar 1977 in Visp in der Schweiz.


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