Zusammenfassung von Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg

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Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Schelmenroman
  • Moderne

Worum es geht

Die Absurdität des Krieges

Als Jaroslav Hašeks Roman Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg 1924 erstmals in Buchform erschien, taten viele Kritiker ihn als Trivialliteratur ab. Zu ordinär, zu zynisch und defätistisch, lautete das Urteil. Erst in der Folgezeit fand das Werk Anerkennung. Heute zählt es zu den Klassikern der tschechischen Literatur. Sein Antiheld, der trottelige Prager Hundefänger Švejk, 1915 zum Militärdienst eingezogen und an die Ostfront geschickt, stolpert von einem Unheil ins nächste – nicht mit böser Absicht, sondern weil er Befehle allzu wörtlich nimmt und übertrieben eilfertig ausführt. Wie seine Vorgesetzten, die er damit zum Wahnsinn treibt, fragt sich der Leser ständig: Ist das ein Idiot oder ein genialer Witzbold? Ob Monarchie oder Kirche, obrigkeitshörige Bürokraten oder Ärzte, Priester oder Militärs: Alle kriegen in Hašeks Parodie ihr Fett ab. Eine zeitlose Satire auf den Krieg – höchst komisch und beklemmend zugleich.

Take-aways

  • Jaroslav Hašeks unvollendeter Roman Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg zählt zu den wichtigsten Werken der tschechischen Literatur.
  • Inhalt: Der zunächst wegen Idiotie ausgemusterte Josef Švejk wird im Ersten Weltkrieg zum Militärdienst eingezogen und an die Ostfront geschickt. Mit seiner gutmütigen, trottelig wirkenden Art schafft er es bald vom einfachen Burschen zum Offiziersdiener. Er verliert mehrfach seine Kompanie und gelangt nach Irrwegen schließlich doch an die Front.
  • Der Roman stellt auf satirische Weise Bürokratismus und Obrigkeitshörigkeit, Militarismus und übersteigerten Patriotismus in der k. u. k. Monarchie bloß.
  • Švejk entspricht dem Typus des klugen Narren, der Missstände in seiner Umwelt allein durch passive Beobachtung offenlegt.
  • Die Komik des Buches entsteht aus Švejks übertriebenem Pflichtgehorsam, mit dem er mehr Schaden als Nutzen anrichtet.
  • Der Roman quillt über von Anekdoten, Abschweifungen und Assoziationen.
  • Die Sprache ist umgangssprachlich, vulgär und reich an Kraftausdrücken, die Figuren haben etwas Comicartiges.
  • Das Werk hatte großen Erfolg beim breiten Publikum, wurde aber von der tschechischen Literaturkritik zunächst verrissen.
  • Axel von Ambesser verfilmte den Roman 1960 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle.
  • Zitat: „Und so griff der gute Soldat Švejk auf seine nette, liebenswürdige Art in den Weltkrieg ein.“
 

Über den Autor

Jaroslav Hašek wird am 30. April 1883 in Prag geboren. Nach dem Tod des Vaters verlässt er das Gymnasium und beginnt eine Lehre bei einem Drogisten. Doch der kündigt dem Jungen, der sich lieber in der Stadt herumtreibt, als zu arbeiten, schon bald. An der Handelsschule holt Hašek das Abitur nach. 1902 erhält er eine gut bezahlte Stelle bei einer Bank, verliert sie jedoch schon im nächsten Jahr wieder wegen wiederholten unentschuldigten Fehlens. Danach lebt Hašek mehr schlecht als recht vom Schreiben für verschiedene Zeitungen, in denen er mit Erfolg humoristische Kurzgeschichten veröffentlicht. Er vertrinkt sein Geld und kommt regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt. 1907 wird er Redakteur bei der Zeitschrift Komuna, 1910 dann Chefredakteur der renommierten Naturzeitschrift Svět zířat, in der er einer staunenden Fachwelt unsinnige Artikel über erfundene Tiere präsentiert. Als die Sache auffliegt, verliert er den Posten und lebt vom Hundehandel. 1910 heiratet Hašek Jarmila Mayerová. Nebenbei gründet der Anarchist Hašek die „Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“, eine Mischung aus politischer Partei und parodistisch-künstlerischer Aktionsgruppe. Als Soldat der k. u. k. Armee wird Hašek 1915 an die Ostfront geschickt und begibt sich freiwillig in russische Kriegsgefangenschaft. 1916 tritt er der tschechoslowakischen Legion bei, wo er publizistisch tätig wird, wechselt dann zur Roten Armee und tritt 1918 der Kommunistischen Partei Russlands bei. 1920 kehrt er nach Prag zurück, zusammen mit seiner zweiten Frau Alexandra Lvova – er ist jedoch von seiner ersten Frau nicht geschieden, lebt also in Bigamie. Alkoholexzesse, Wohnungslosigkeit sowie finanzielle und schwere gesundheitliche Probleme hindern ihn daran, seine Arbeit an seinem Hauptwerk Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg zu Ende zu führen. Hašek zieht sich nach Lipnice zurück, wo er am 3. Januar 1923 an Herzversagen stirbt.

 

Zusammenfassung

Trottel, Spötter oder Simulant?

Nachdem sich Josef Švejk, der vom Verkauf von Hunden mit gefälschtem Stammbaum lebt, im Wirtshaus über die Ermordung des Erzherzogs Ferdinand in Sarajevo lustig gemacht und einen Krieg prophezeit hat, wird er verhaftet. Nach einer psychiatrischen Untersuchung wird er als geistig behindert eingestuft und ins Irrenhaus gesteckt. Doch im Krieg werden alle Männer, selbst Schwerstkranke, gebraucht, und so kommt man auf Švejk zurück. Der leidet zwar angeblich an Rheuma und fährt im Rollstuhl zur Musterung, doch im Militärkrankenhaus soll ihm wie den vielen anderen Simulanten mit qualvollen Diäten und Einläufen das Simulieren ausgetrieben werden.

„Wenn heute irgendein Krieg ausbricht, dann geh ich freiwillig und diene Seiner Majestät, bis man mich in Stücke reißt.“ (Švejk, S. 16)

Švejk fällt durch seinen übermäßigen Gehorsam auf, und die Militärärzte fragen sich, ob er wirklich blöd ist oder ob er das Militär einfach auf die Schippe nehmen will. Als er auf die Frage, was er denke, antwortet, er denke gar nichts, weil das Denken den Soldaten verboten sei, verdonnert man ihn zu Garnisonsarrest. Mit seiner Sorglosigkeit und Unschuld schafft Švejk es jedoch in den Offiziersdienst bei einem Feldprediger namens Otto Katz, einem notorischen Trinker, Schnorrer und Frauenliebhaber, der mit dem Göttlichen nicht so viel am Hut hat und dem Švejk eins ums andere Mal aus der Patsche hilft.

Švejk geht zum Militär

Religion und Töten gehören untrennbar zusammen – ob bei den Wilden, die ihren Göttern Menschenopfer darbringen, oder in modernen Staaten, wo Priester die zum Tode Verurteilten zur Hinrichtung begleiten. Auch am Krieg hat sich bis heute nichts geändert: Die Menschen werden von den Herrschern wie Schlachtvieh in den Tod geschickt – mit dem Segen von Priestern aller Konfessionen.

„Und so griff der gute Soldat Švejk auf seine nette und liebenswürdige Art in den Weltkrieg ein.“ (S. 18)

Gemeinsam mit Otto Katz zelebriert Švejk einen Feldgottesdienst; die Utensilien haben sie zusammengestoppelt. Švejk, der dem Feldprediger als Ministrant assistiert, hat keine Ahnung, was er tun soll, entledigt sich seiner Aufgabe aber recht anständig – und hat dabei noch seinen Spaß. Ausgestattet mit Hanföl aus der Apotheke und einem Glöckchen, das Švejk aus einem Gasthof geklaut hat, sollen Katz und Švejk Schwerverwundeten die letzte Ölung erteilen – aber die Soldaten geben nicht viel auf die religiösen Formeln. Sie haben am eigenen Leib erfahren, dass der Tod keine ewige Rettung bedeutet, dass der Krieg den Menschen nicht veredelt, sondern ihn zum Tier macht. Und so benutzen sie das Öl, um ihre Schuhe einzufetten.

„Ich wurde beim Militär wegen Blödheit superarbitriert und amtlich durch eine Spezialkommission zum Idioten erklärt. Ich bin ein amtlicher Idiot.“ (Švejk, S. 25)

Nachdem Katz beim Kartenspiel seinen treuen Diener als Pfand eingesetzt und verloren hat, tritt Švejk in den Dienst von Oberleutnant Lukáš. Der freundliche, bei seinen Soldaten sehr beliebte und gegenüber Vorgesetzten selbstbewusst auftretende Mann hegt eine Abneigung gegen den verbreiteten Typus des kriecherischen, hinterlistigen Offiziersdieners, doch der ebenso gutmütige wie trottelige Švejk hat bald seine Sympathie. Er hilft seinem neuen Herrn bei seinen Frauengeschichten aus der Bredouille und besorgt ihm sogar einen Hund, der zuvor einem schwachköpfigen Oberst, der nur durch Beziehungen auf seinen Posten gelangt ist, gestohlen wurde. Ein schlechtes Gewissen hat er dabei nicht, schließlich sind auch die Soldaten aus ihrem Zuhause entwendet worden. Aber die Sache hat ein Nachspiel: Auf der Straße erkennt der Bestohlene seinen Hund wieder. Švejk, zur Rede gestellt, will nichts davon gewusst haben. Auf Lukáš’ erboste Frage, ob Švejk nur so tue oder ob er wirklich so blöd sei, meldet er gehorsamst, er sei so blöd. Zur Strafe wird Lukáš an die Kriegsfront zum 91. Regiment versetzt. Und der gute Švejk, der gerade noch auf Österreich geschimpft und den Untergang der Monarchie herbeigesehnt hat, zieht mit ihm für den Kaiser in den Krieg.

An die Kriegsfront

Schon im Zug nach Budweis gibt es Ärger. Ein Generalmajor empört sich: Lukáš spreche mit seinem Diener wie mit einem Freund – das leiste der Verbreitung demokratischer Ideen Vorschub. Nachdem Švejk irrtümlich die Notbremse gezogen hat und den Zug verlassen musste, ist Lukáš insgeheim froh, ihn los zu sein. Doch der treue Švejk lässt seinen Oberleutnant nicht im Stich. Statt einfach abzuhauen, irrt er ihm durch das halbe Land hinterher. Auf seinem Weg trifft er viele Menschen, die ihm Hilfe anbieten. Den Krieg will keiner, alle verfluchen den Kaiser und Österreich. Die Gendarmen und Militärs, in deren Hände er gerät, treibt Švejk mit seinen Reden indes in den Wahnsinn. Ist das ein Idiot? Ein russischer Spion? Ein Deserteur? Aber nein, versichert Švejk treuherzig, er sei nicht von seinem Regiment weggelaufen, er suche es vielmehr. Endlich in Budweis angekommen, meldet er sich freudestrahlend bei Lukáš zurück. Doch der ist verzweifelt – mit diesem Deppen hält er es nicht mehr aus.

„Größtenteils verschwand hier jede Logik, und es siegte der §, es würgte der §, blödelte der §, spuckte der §, lachte der §, drohte der §, und er vergab nicht.“ (S. 30)

Zusammen mit Marek, einem Einjährigfreiwilligen, mit dem er einige Tage in Arrest war und der ebenso wenig Respekt vor den Vorgesetzen hat wie er selbst, wird Švejk nach Ungarn verlegt – nicht wie die Masse der Soldaten im Viehwaggon, sondern in einem bequemen „Arrestantenwaggon“. Der Korporal, der die beiden beaufsichtigt, versucht zwar, seine Autorität zu bewahren, doch Švejk und Marek beleidigen und verspotten ihn in einer Tour – wohl wissend, dass es keine Zeugen gibt. In Bruck darf Švejk endlich wieder dem Oberleutnant dienen, der ihn abermals für seine amourösen Abenteuer einspannt – was Švejk allerdings vermasselt: Einen an die ungarische Angebetete seines Dienstherrn gerichteten Brief übergibt er dummerweise ihrem Ehemann und löst damit eine Schlägerei zwischen Ungarn und Tschechen aus. Um alle Beweise zu vernichten, schluckt er beim anschließenden Verhör den Brief herunter. Lukáš wird zur Strafe Kommandant der berüchtigten elften Marschkompanie und erhält einen neuen Diener: den verfressenen Baloun, der ihm alles wegisst. Wie froh ist der Oberleutnant, als sich Švejk ein paar Tage später gehorsam zurückmeldet.

Chaos und Versorgungsnot

Mit etwas Glück hat es Švejk vom einfachen Burschen zur Ordonnanz gebracht und muss nicht mehr schleppen und putzen, sondern versieht jetzt Telefon- und Bürodienst in der Regimentskanzlei von Rechnungsfeldwebel Vaněk. Das Bataillon soll nach Galizien an die Front, aber ehe es aufbricht, vergehen Tage im organisatorischen Chaos. Telegramme mit verschiedenen Anweisungen gehen ein, widersprüchliche Befehle überkreuzen sich. Derweil spielen die Herren Offiziere Karten. Der hoch motivierte Kadett Biegler träumt vom Kampf für seine Majestät, den Kaiser, und von einer Beförderung zum General, doch dann wälzt er sich auf einmal unter heftigen Schmerzen in seinen vollgeschissenen Hosen: Er hat die Cholera. Baloun kotzt, nachdem er sich wieder einmal überfressen hat. Und zwischen all dem philosophiert der Koch Jurajda, der in Zivil eine okkultistische Zeitschrift herausgegeben hat, über Jenseits und Seelenwanderung.

„Melde gehorsamst, dass ich deshalb nicht denke, weil dieses beim Militär den Soldaten verboten ist.“ (Švejk, S. 91)

Die Nachricht, dass Italien Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hat, löst unter den Soldaten unterschiedliche Reaktionen aus: Vaněk äußert Sympathien für die Italiener, weil er in seinem Zivilberuf als Drogist Geschäfte mit ihnen machte, der kaisertreue Leutnant Dub dagegen ergeht sich in patriotischen Sprüchen, und Baloun fürchtet, die Essensportionen könnten kleiner werden. Da der Soldatenzug immer noch im Bahnhof steht, geht das Gerücht um, man werde statt nach Galizien nach Italien geschickt. Wohltätige Damen verteilen Gebetszettel und Schachteln mit duftenden Pastillen, auf denen „Für Kaiser, Gott und Vaterland“ steht. Die Soldaten stopfen die Pastillen in sich hinein, um wenigstens etwas im Magen zu haben.

„Bildung bewirkt eine Veredelung der Seele, und das kann man beim Militär nicht gebrauchen. Je primitiver die Offiziere sind, umso besser.“ (S. 351)

Ein Generalmajor inspiziert die Waggons und befiehlt, dass um halb neun alle Soldaten auf die Latrine und dann schlafen müssen. Švejk erregt seine Aufmerksamkeit durch lautes Gähnen. Auf die Frage des Generalmajors, ob er schon auf der Latrine gewesen sei, erwidert er freimütig, ohne zu essen, müsse man auch nicht auf die Latrine. Sogleich ergeht der Befehl, die Versorgung der Soldaten zu sichern. Die zur Rede gestellten Kommandanten berichten vom Chaos und den widersprüchlichen Befehlen. Der Generalmajor reagiert verständnisvoll: Je länger der Krieg dauere, desto mehr Routine werde man bekommen. Und wenn man nur den Plan – um sechs Uhr Abendessen, um halb neun Latrine, um neun schlafen – einhalte, werde Österreich den Krieg schon gewinnen. Am nächsten Morgen überwacht er persönlich den mit militärischer Disziplin durchgeführten Latrinengang der Soldaten. Beim Anblick des Generalmajors springt Švejk von der Latrine und salutiert. Leutnant Dub entschuldigt ihn damit, dass er blödsinnig sei, doch der Generalmajor lobt Švejk und ordnet seine Beförderung an.

Lügen und Wirklichkeit im Krieg

Endlich fährt der Zug los. An einem der Bahnhöfe, in denen der Transport haltmacht, besorgt Švejk im Auftrag von Lukáš heimlich eine Flasche Kognak. Dem Leutnant Dub, der ihn erwischt, gaukelt er vor, die Flasche sei mit Wasser gefüllt. Zum Beweis trinkt er sie in einem Zug aus. Während er in einer Ecke des Waggons seinen Rausch ausschläft, schreibt Marek, der – obwohl politisch verdächtig – als ehemaliger Redakteur einer Tierzeitschrift mit der Aufzeichnung der Bataillonsgeschichte betraut ist, schon mal auf Vorrat von den ruhmreichen Siegen, den heldenhaften Taten der Soldaten und ihrer Liebe zur Monarchie. Wenn von ihnen einmal nichts mehr übrig sein wird, sollen wenigstens die Geschichten von Heldentod und Vaterlandsliebe die Herzen der Österreicher erwärmen. Je näher sie der russischen Grenze kommen, desto sichtbarer sind die Spuren des Krieges. Ausgebrannte Dörfer, verlassene Höfe, zerstörte Straßen und Verwesungsgestank bringen die patriotischen Gesänge der Soldaten im Zug zum Verstummen.

„Niemals habe ich irgendetwas absichtlich gemacht, Herr Oberleutnant, immer wollte ich ganz das Gegenteil machen, etwas Gutes, und ich kann nichts dafür, wenn wir beide davon gar keinen Profit hatten, sondern nur Kummer und Qual.“ (Švejk zu Lukáš, S. 421)

Durch Švejks Naivität bis zur Weißglut gereizt, hat Leutnant Dub seine Wut an seinem Burschen Kunert ausgelassen und diesen geohrfeigt. Für Švejk ist das zu viel: Er meldet Lukáš den Vorfall. Der ängstliche Kunert streitet aber alles ab, und Dub schwört Švejk Rache. Als der Marsch endlich losgehen kann, ist der Leutnant verschwunden. Der mit der Suche beauftragte Švejk trifft Dub, der den Soldaten strengstens den Bordellbesuch verboten hat, just dort an: im Bordell. Er ist vollkommen besoffen und muss im Planwagen auf den Feldzug mitgenommen werden. Die einfachen Soldaten dagegen gehen zu Fuß. Nach der tagelangen Zugfahrt fällt den Soldaten das Marschieren in voller Montur schwer. Es ist schwül und heiß, keiner hat mehr Wasser in seiner Feldflasche. Alle sind erschöpft und hungrig, niemand singt mehr. Aus seinem Wagen heraus feuert Dub – inzwischen wieder bei Sinnen – die Soldaten an: Entbehrungen und Strapazen zu ertragen, sei eine erhabene Aufgabe, und sie würden in die Geschichte eingehen.

Irrungen und Verwirrungen

Auf der Suche nach einem Nachtquartier verirrt sich Švejk und badet in einem Teich. Hier trifft er auf einen flüchtigen russischen Kriegsgefangenen, der vor Schreck nackt davonläuft. Švejk zieht seine Uniform an, um einmal zu sehen, wie ein russischer Soldat sich so fühlt. So finden ihn die österreichisch-ungarischen Soldaten, und sie reihen ihn in einen russischen Kriegsgefangenentransport ein. Er wird zum Feldwebel gebracht, der ihm von der Disziplin des österreichischen Heeres erzählt und zum Beweis einen Soldaten auf allen vieren kriechen, apportieren und bellen lässt.

„Ich habe verbotene Dinge sehr gern, weil ich mich schon immer in irgendetwas Verbotenem wiedergefunden habe, ohne dass ich davon etwas geahnt habe.“ (Švejk, S. 679)

Seine Ehrlichkeit bringt Švejk wieder nur Ärger ein: Aufgrund seiner wahrheitsgemäßen Aussage vor dem Standgericht, er habe freiwillig die russische Uniform angezogen, hält man Švejk für einen Überläufer, der im Dienst der Russen spioniert. Er soll so schnell wie möglich gehängt werden. Erst als ein Telegramm mit der Nachricht eintrifft, Švejk sei seiner Kompanie verloren gegangen und solle unverzüglich zurücküberstellt werden, hört man sich die ganze Geschichte an, wie er zu der russischen Uniform gekommen ist. Auf die Frage, warum er das nicht gleich erzählt habe, erwidert Švejk treuherzig: Man habe ihn ja nicht gefragt. Alle sind sich einig: Es handelt sich hier um einen Vollidioten. Und auch Švejk meldet voller Gehorsam, dass er bisweilen selbst an seinem Verstand zweifle – besonders abends.

„,Dafür sind wir ja Soldaten‘, sagte Švejk nachlässig, ‚deshalb haben uns ja unsere Mütter geboren, damit man uns in Stücke zerhackt, wenn wir die Uniform angezogen haben.‘“ (S. 811)

Von einer Eskorte bewacht, wird Švejk zurück zu seiner Brigade geführt. Als der neue Oberst ihn fragt, was er denn angestellt habe, antwortet Dub für ihn: Dieser Mann spiele bloß den Trottel, um seine Niedertracht zu verbergen. Doch der von einem Gichtanfall geplagte Oberst will die Anschuldigungen nicht hören und schmeißt Dub aus seinem Büro hinaus. Als die Schmerzen vorüber sind, ist er milde gestimmt: Švejk erhält eine neue Uniform, einen Zugfahrschein zur Station seiner Marschkompanie und Verpflegungsgeld für unterwegs. An der Front angekommen, hört Švejk schon das Donnern der Kanonen. In all dem Chaos findet er sein Bataillon endlich wieder. Alles ist beim Alten: Die Offiziere schlemmen und trinken Kognak, die anderen besaufen sich mit billigem Fusel, währenddessen Marek schon mal die glorreichen Kämpfe aufzeichnet, die sich in Zukunft wahrscheinlich ereignen werden. Der betrunkene Dub aber weiß, wie sie den Krieg gewinnen werden: mit Patriotismus, Pflichtbewusstsein und Selbstüberwindung.

Zum Text

Aufbau und Stil

Jaroslav Hašeks unvollendeter Roman Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg gliedert sich in vier Teile unterschiedlicher Länge. Die Handlung ist chronologisch aufgebaut und folgt im Wesentlichen dem eigenen Kriegserleben Hašeks. Der Roman ist überreich an Geschichten, Assoziationen und Abschweifungen. Stilistisch ist er stark durch das mündliche Erzählen geprägt, wie man es beispielsweise aus dem Wirtshaus kennt. Immer wieder wird die eigentliche Handlung durch längere Anekdoten unterbrochen, die jemand – in der Regel Švejk – aus seinem eigenen Erfahrungsschatz oder vom Hörensagen zum Besten gibt. Diese erscheinen in der jeweiligen Situation eher unpassend, woraus sich ein komischer Effekt ergibt, der sich als roter Faden durch den ganzen Roman zieht. Hašeks Sprache ist vulgär, Worte wie „Scheiße“, „Arsch“ oder „Fresse“ begegnen einem auf Schritt und Tritt. Die Charaktere sind eher eindimensional, statisch und erinnern in ihrer Holzschnittartigkeit an Comicfiguren.

Interpretationsansätze

  • Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg ist zwar kein autobiografisches Werk, es weist jedoch viele Übereinstimmungen mit Hašeks Leben in Prag und seinen eigenen Kriegserlebnissen an der Ostfront auf. Vorbild für die Figur des Švejk war der Offiziersdiener František Strašlipka, der laut Hašek seine Kameraden mit seinen endlosen Anekdoten quälte. Andere Facetten seiner selbst spiegelte der Autor in der Figur des intellektuellen und politisch engagierten Marek.
  • Wurde Švejk früher als trotteliger, aber bauernschlauer Schlawiner betrachtet, so betonen neuere Interpretationen sein großes Wissen auf vielen Gebieten sowie seinen urbanen Charakter. Keineswegs ist er ein Drückeberger, im Gegenteil: Švejk nimmt die Befehle stets wörtlich und legt einen allzu großen Pflichteifer an den Tag. Er ist eigentlich, wie schon der Titel sagt, ein „guter Soldat“, richtet aber dadurch – und darin liegt die Komik des Romans – letztlich mehr Schaden als Nutzen an.
  • Wie Till Eulenspiegel oder Don Quijote entspricht Švejk dem volkstümlichen Typus des klugen Narren, der die Absurdität der Welt aufdeckt, indem er sie einfach beobachtet.
  • Die Figur des Švejk ist eine Ikone des passiven Widerstands: Švejk lehnt die österreichisch-ungarische Monarchie ebenso ab wie alle anderen Autoritäten. Doch er beschränkt sich darauf, den bürokratischen Apparat, die Polizei, die Parteien, die Armee und besonders die katholische Kirche aus Sicht des einfachen Mannes zu beschreiben und dadurch bloßzustellen.
  • In Hašeks Roman finden der Krieg und das Töten nur am Rand statt. Die Front erreicht Švejk erst ganz am Schluss, von Kampfhandlungen erfährt man nur nebenbei. Somit handelt es sich hier nicht um einen realistischen Antikriegsroman, sondern vielmehr um die satirische, groteske Darstellung einer Welt, die durch den Krieg aus den Fugen geraten ist und in bürokratischem Chaos und Versorgungsnot, in hierarchischem Hickhack, Schikanen und Kompetenzgerangel versinkt.
  • Anders als die höheren Militärränge zeichnen sich die einfachen Soldaten, denen Švejk auf seinen Irrwegen begegnet, durch ungebrochene Lebenskraft und -freude aus, wodurch die Absurdität und Sinnlosigkeit des Massentötens im Krieg umso deutlicher hervortreten.

Historischer Hintergrund

Der Erste Weltkrieg als „totaler Krieg“

Seit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs 1806 waren die böhmischen Länder mit den Territorien der heutigen Nationen Tschechien, Slowenien und Slowakei Teil des Kaisertums Österreich, das sich als Vielvölkerstaat lange Zeit behaupten konnte. Dennoch häuften sich in der k. u. k. Monarchie, wie das Kaiserreich ab 1867 genannt wurde, im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert schwere innenpolitische Krisen. Die im 19. Jahrhundert aufkommende Nationalstaatsidee führte zu einem Erstarken von Nationalismus und Patriotismus in Europa. Eine Folge waren die Balkankriege von 1912/13. Doch so gewalttätig diese Auseinandersetzungen auch sein mochten, sie blieben doch regional und zeitlich begrenzt und wurden von kleinen, vergleichsweise bescheiden ausgerüsteten Armeen auf eher konventionelle Weise ausgetragen.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs änderte sich der Charakter des Krieges. Österreich-Ungarn nahm das Attentat auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo zum Anlass, seinem Erzfeind Serbien den Krieg zu erklären – und setzte damit eine fatale Kettenreaktion in Gang. Der österreichische Angriff auf Belgrad am 29. Juli 1914 rief einen Gegenschlag des militärisch erstarkten Russland hervor, das nicht zusehen mochte, wie sein Schützling Serbien gedemütigt wurde. Das wiederum löste ein Eingreifen Deutschlands aus, das Österreich seine Bündnispartnerschaft zugesichert hatte, und rief sogleich den russischen Alliierten Frankreich und in der Folge auch Großbritannien auf den Plan. Der serbisch-österreichische Konflikt weitete sich in kürzester Zeit auf ganz Europa aus.

Bei der Bevölkerung löste der Krieg zunächst eine Art Massenrausch aus, doch gerade in Österreich-Ungarn mit seinen verschiedenen ethnischen Gruppen herrschte keineswegs blinde Begeisterung. Hatten viele Tschechen den Krieg anfangs noch als selbstbewusstes Auftreten des Habsburgerreichs begrüßt, so wurde bald klar, dass er kaum mit einem schnellen Sieg zu beenden sein würde. Je weiter der Krieg fortschritt, desto mehr verhärtete sich der Hass zwischen den nationalen Gruppierungen. Von einer gemeinsamen habsburgischen Identität war man weit entfernt. Besonders in Böhmen misstraute man der tschechischen Mehrheit und beschuldigte immer wieder tschechische Soldaten, sie ergäben sich widerstandslos den Russen. Zudem holte, aller Propaganda zum Trotz, die Realität die Menschen schon bald ein. Bereits in den ersten Kriegsmonaten mussten die Armeen hohe Verluste hinnehmen, die dem fatalen Zusammenwirken von moderner Artillerie und Maschinengewehren geschuldet waren. Allein an der Ostfront fielen bis September 1914 rund 400 000 Soldaten der k. u. k Armee. Im Stellungskrieg wurde dann später das Töten geradezu industrialisiert.

Entstehung

Schon vor dem Krieg hatte Jaroslav Hašek 1912 unter dem Titel Der gute Soldat Švejk und andere Geschichtchen Erzählungen rund um den Kompanietrottel Švejk veröffentlicht. 1917 folgte der Erzählband Der brave Soldat Švejk in Gefangenschaft, der von Hašeks eigenen Kriegserfahrungen geprägt war und bereits viele Elemente des späteren Romans enthielt. Nach dem Krieg beschloss Hašek, einen Švejk-Roman in sechs Bänden zu schreiben. Wieder zurück in Prag, begann er mit der Abfassung. Er arbeitete vor allem im Wirtshaus, las dort auch Teile vor und arbeitete Ideen der Gäste ein. Doch in der alten Umgebung war der notorische Trinker Hašek zu abgelenkt, und so zog er 1922 nach Lipnice, um dort sein Projekt zu beenden. Da er keinen Verlag fand, veröffentlichte er den Švejk-Roman zunächst im Eigenverlag in groschenromanartigen Einzelheften, für die er schrille Werbeplakate entwarf. Die Hefte waren so erfolgreich, dass er mit der Produktion kaum nachkam. Der namhafte Verleger Adolf Synek nahm sich des Romans an und brachte ihn 1924 in gebundenen Bänden heraus, anfangs noch mit Ergänzungen des Schriftstellers Karel Vaněk, der das Buch nach Hašeks frühem Tod zu Ende schrieb. Die meisten der frühen Buchausgaben wurden von Hašeks Freund Josef Lada illustriert.

Wirkungsgeschichte

Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg erfreuten sich in Tschechien wie auch in Deutschland beim breiten Publikum großer Beliebtheit, fielen aber bei der zeitgenössischen bürgerlichen Kritik durch. Sie beurteilte den Roman als ordinär, zynisch und defätistisch. Der Prager Schriftsteller Max Brod dagegen hielt Hašeks Werk schon früh für einen Geniestreich, und Kurt Tucholsky schrieb, wie glücklich ein Volk sich schätzen müsse, einen solchen Helden zu haben. Insgesamt wurde das Buch in 50 Sprachen übersetzt, womit es das meistübersetzte Werk der tschechischen Literatur ist. In Deutschland erlebte das Werk durch eine moderne Neuübersetzung in den letzten Jahren eine Renaissance. 1960 verfilmte Axel von Ambesser den Švejk-Roman mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle.


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