Zusammenfassung von Die Geschichte vom Prinzen Genji

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Die Geschichte vom Prinzen Genji Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Roman
  • Heian-Epoche

Worum es geht

Das Leben eines strahlenden Prinzen

Prinz Genji erfährt schon früh den schmerzlichen Verlust seiner Mutter, die Lieblingsfrau des Kaisers. Kein Wunder, dass er sich zur Hofdame Fujitsubo hingezogen fühlt, die seiner Mutter gleicht. Als eine weitere Affäre mit der zukünftigen Frau des Thronfolgers an den Tag kommt, zieht Genji freiwillig in die Verbannung. Später kehrt er zurück und erlangt hohes Ansehen: Sein unehelich gezeugter Sohn ist mittlerweile Kaiser geworden und fördert ihn nun nach Kräften. Die Geschichte vom Prinzen Genji, um 1005 geschrieben von der Hofdame Murasaki Shikibu, gilt als erster Roman aus der Feder einer Frau. Als Lehrerin der Kaiserin war Murasaki mit den adligen Gepflogenheiten bestens vertraut und konnte für ihr Mammutwerk aus dem Vollen schöpfen. Die Handlung erstreckt sich über drei Viertel eines Jahrhunderts und bezieht Hunderte von Personen ein. Das Buch war schon zu Lebzeiten der Autorin berühmt und ist das am häufigsten illustrierte literarische Werk in der Geschichte Japans – ein Monument fernöstlicher Literatur.

Take-aways

  • Die Geschichte vom Prinzen Genji gilt als erster Roman einer Frau und ist eines der wichtigsten Werke der japanischen Kultur.
  • Inhalt: Prinz Genji ist der Sohn des Kaisers und einer seiner Nebenfrauen. Als solcher ist der schöne Jüngling den Intrigen am Kaiserhof ausgeliefert. Er flüchtet sich in Affären, geht freiwillig ins Exil, kehrt wieder zurück, bekleidet Staatsämter und findet in den Armen seiner zahlreichen Geliebten Trost, wenngleich die Sehnsucht nach wahrer Liebe ewig unerfüllt bleibt.
  • Die Hofdame Murasaki Shikibu schrieb den Roman im elften Jahrhundert für andere adlige Damen.
  • Über den Namen und die Lebensdaten der Autorin herrscht in der Fachwelt Uneinigkeit; sie dürfte etwa zwischen 970 und 1030 gelebt haben.
  • Der Roman ist ein Sittengemälde der adligen Gesellschaft während der Heian-Epoche, die in Japan als Goldenes Zeitalter gerühmt wird.
  • Die buddhistische Vorstellung von der Sinnlosigkeit des irdischen Lebens zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman.
  • Der Einzelne richtet in der Ständegesellschaft nur wenig aus. Wenn er nicht von hohem gesellschaftlichem Stand ist, sucht er Zuflucht bei einer mächtigen Person.
  • Der Text ist voller Andeutungen, Symbole und Metaphern, die den Zugang erschweren.
  • Prinz Genji entfaltet bis heute seine Wirkung in der japanischen Kunst, in Romanen, Büchern, Filmen, Mangas und selbst Computerspielen.
  • Zitat: „Genji, der Leuchtende … Er wusste, dass der Träger eines solchen Namens strenger Beurteilung und eifersüchtiger Beobachtung nicht entgehen konnte und dass man seine leichtesten Tändeleien der Nachwelt überliefern werde.“
 

Zusammenfassung

Genji, der Leuchtende

Als die Lieblingsfrau des Kaisers dem wunderschönen Knaben Genji das Leben schenkt, macht ihr die Kaiserin Kokiden das Leben am Hof zur Hölle, denn sie bangt um die Stellung ihres eigenen Sohnes. Aus lauter Gram stirbt die Mutter des schönen Jungen. Dieser wächst bei seiner Großmutter auf und kehrt erst später wieder an den Hof zurück. Kurz darauf zieht die junge Prinzessin Fujitsubo dort ein, die Genjis verstorbener Mutter gleicht, und zwischen den beiden entwickeln sich zärtliche Bande. Genji werden die Männerweihen verliehen, zeitgleich wird er mit Aoi, der Tochter des Ministers zur Linken, vermählt. Mit seinem Freund, dem jungen Stallmeister To no Chujo, der auch sein Schwager ist, ist er einer Meinung: Trotz aller Anstrengungen wählt der Mann doch nie die Richtige, sodass die wahre Liebe eine ewig unerfüllte Sehnsucht bleibt.

Geheimnis um einen Fächer

Als Genji in einem ärmlichen Stadtviertel weilt, fällt ihm ein Fächer auf. Hat ihn womöglich eine Frau absichtlich hingelegt? Der Vorfall geht Genji nicht aus dem Kopf und er beauftragt seinen Gefolgsmann Koremitsu, herauszufinden, wer dahintersteckt. Derweil versucht er, die Eifersuchtsanfälle der Dame Rokujo, seiner Geliebten, einzudämmen, obwohl er immer weniger Lust verspürt, ihren Launen nachzugeben. Als sich herausstellt, dass die geheimnisvolle Eigentümerin des Fächers von To no Chujos Pagen bedient wird, scheint sich ein Rätsel zu lüften: Womöglich handelt es sich um die Frau, von der To no Chujo einst schwärmte und mit der er ein Kind hat?

Ein kleines Mädchen

Genji wird krank und sucht einen heiligen Mann auf. Bei ihm trifft er auf eine Nonne und ein hübsches zehnjähriges Mädchen namens Murasaki, das verblüffende Ähnlichkeit mit Fujitsubo hat. Es wurde der Nonne in Obhut gegeben, die sich um die Zukunft des Mädchens sorgt. Genji beglückwünscht sich zu dieser Entdeckung. Wie oft, seufzt er, findet sich Schönheit völlig unvermutet an verborgener Stelle! Ein Priester erzählt ihm von den Unwägbarkeiten im diesseitigen Leben und von den Vergeltungen im jenseitigen. Genji wird angesichts seines jetzigen Lebenswandels von Gewissensbissen geplagt: Welch schreckliche Strafen werden wohl auf ihn warten? Er erkundigt sich nach dem Kind und erfährt, dass es die Tochter des Prinzen Hyobukyo und damit eine Nichte Fujitsubos ist.

Ein frevelhafter Akt

Als Genji wieder einmal nach Hause zu seiner Gemahlin, der Prinzessin Aoi, zurückkehrt, machen sich die beiden gegenseitig schlimme Vorwürfe. Das kleine Mädchen geht Genji nicht mehr aus dem Sinn. Ausgerechnet jetzt erkrankt Fujitsubo – und Genji wittert seine Chance, ihr näherzukommen. Fujitsubo ist durchaus bewusst, dass eine Beziehung zu Genji frevelhaft wäre. Sie lehnt zunächst jegliche Begegnung ab, doch die gegenseitige Anziehung raubt den beiden jede Vorsicht, und sie geben sich einander hin. Umso größer ist danach die Reue über den Fehltritt. Das schlechte Gewissen wirft Fujitsubo erneut aufs Krankenlager, und – sie ist schwanger.

Ein gefährliches Kind

Als die Nonne, in deren Obhut das Mädchen Murasaki bislang gelebt hat, stirbt, will Genji die Kleine gegen ihren Widerstand unbedingt zu sich nehmen. Da kommt der Vater, Prinz Hyobukyo, zu Besuch, um seine Tochter zu holen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion entführt Genji das Mädchen, das sich – sehr zu seiner Freude – rasch an seinem Hof einlebt. Genjis Frau Aoi wird zugetragen, dass jemand heimlich im Palast lebt. Weil sie ihrer Eifersucht kaum freien Lauf lassen kann, wird sie immer unnahbarer. Bald schenkt Fujitsubo einem Jungen namens Ryozen das Leben, doch dessen wahre Herkunft muss fortan wie ein Geheimnis gehütet werden, denn Fujitsubo ist die Gemahlin des Kaisers. Der Kaiser vergöttert diesen Knaben, die Mutter Fujitsubo aber wird von bösen Vorahnungen heimgesucht. Als der Kaiser die erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Genji und dem Kind anspricht, stehen Fujitsubo und Genji ungeheure Ängste aus. Fujitsubo wird zur Kaiserin ernannt und Genji in den Rang des Staatsrats erhoben.

Eine neue Geliebte

Über seinen Amtsgeschäften muss Genji manche Frau vernachlässigen, was sich insbesondere die Dame Rokujo zu Herzen nimmt. Als Rachegeist sucht sie Genjis Gattin Aoi heim, die schwanger ist. Aoi bringt einen Sohn zur Welt, der Yugiri genannt wird, und stirbt kurz darauf. Genji erscheint das Leben wie eine Reihe sinnloser Schicksalsschläge, und er bereut bitterlich das erkaltete Verhältnis zu seiner Frau. Dann entsinnt er sich der kleinen Murasaki und ihm fällt erneut auf, dass sie das Ebenbild jener ist, die er am meisten liebt: Fujitsubo. Das Verhältnis zwischen Genji und Murasaki wird inniger, bis er sie eines Nachts zur Frau macht. Erst jetzt informiert er Murasakis Vater Prinz Hyobukyo über den Verbleib seiner Tochter.

Schwindendes Glück

Als der alte Kaiser stirbt, werden Genji wichtige Staatsgeschäfte anvertraut. Die Regentschaft wird vom Minister zur Rechten übernommen, einem Mann von schwierigem Charakter. Fujitsubo ahnt, dass sie am Hof unter Kokidens Zepter nicht länger geduldet ist, und geht ins Kloster, wodurch sie zugleich Genjis Nachstellungen entflieht. Unglücklicherweise lässt sich dieser auf eine Affäre mit Oborozukiyo ein, einer Schwester von Kokiden. Das Verhältnis wird ausgerechnet von deren Vater, dem Minister zur Rechten, entdeckt, der alles seiner Tochter Kokiden erzählt. Für Kokiden ist nun nach dem Tod des Kaisers die Zeit der Rache gekommen. Genjis Stellung am Hof gerät ins Schwanken, und er geht freiwillig ins Exil.

In der Verbannung

Als eines Nachts ein fürchterliches Gewitter seine kleine Hütte heimsucht, sieht Genji im Traum seinen Vater, der ihm rät, diesen Ort zu verlassen. Prompt besucht ihn der ehemalige Statthalter von Akashi, bringt ihn auf sein Anwesen und bietet ihm sämtliche Annehmlichkeiten. Ganz uneigennützig handelt der Mann nicht, denn er möchte Genji mit seiner Tochter zusammenbringen. Obwohl Genji sich nach Murasaki sehnt, lässt er sich auf ein Verhältnis mit der Dame ein. Am Hof wandelt sich derweil die Stimmung, denn sowohl der neue Kaiser, Fujitsubos Sohn Ryozen, als auch die Witwe des alten Kaisers sind krank. Es werden Männer gebraucht, denen man Staatsgeschäfte anvertrauen kann, und Genji wird in die Hauptstadt zurückbeordert. Die Dame aus Akashi bleibt allein zurück und schenkt Genji eine Tochter, der eine glückliche Zukunft als Kaiserin vorausgesagt wird.

Verantwortungen

Kurz vor ihrem Tod vertraut die Dame Rokujo ihre Tochter Akikonomu Genji an. Es gelingt ihm, sie bei Hof einzuführen und sie sogar zur Gemahlin des Kaisers zu machen. Trotz dieses Erfolgs spielt Genji angesichts der Wechselfälle des Lebens immer wieder mit dem Gedanken, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Er baut eine Einsiedelei und bittet die Dame aus Akashi, mit ihm zu kommen. Diese aber hat schon zu viel von seinen Liebeshändeln gehört und weigert sich zunächst. Allerdings besitzt die Familie der Dame in der Nähe von Genjis Einsiedelei ein Grundstück – und dorthin will sie übersiedeln.

Die Aufklärung des Kaisers

Nur um der Zukunft des Kindes willen und schweren Herzens gibt die Dame aus Akashi ihre Tochter in Genjis Obhut. Das Kind erobert alsbald Murasakis Herz. Als Fujitsubo stirbt, empfängt sie ein letztes Mal ihren Sohn, den Kaiser, der noch immer nichts über die wahren Hintergründe seiner Geburt weiß. Erst der Geistliche, der Fujitsubo bis zuletzt betreut, eröffnet dem jungen Kaiser das Geheimnis seiner Herkunft. Dieser ist erschüttert und möchte am liebsten seinen Titel ablegen. Gern würde er mit Genji über die Vaterschaft sprechen, doch der weicht immer wieder aus.

Die nächste Generation

Yugiri, der Sohn von Genji und Aoi, erhält im Alter von zwölf Jahren die Mannesweihe, doch Genji weist ihm nur einen niederen Rang zu, weil er möchte, dass sich sein Sohn Verdienste durch Studien erwirbt. Kumoi, die Tochter von To no Chujo, steht von Kind auf mit Yugiri auf vertrautem Fuß, ihr Vater ist jedoch wegen Yugiris niedrigem Rang gegen diese Verbindung. Yugiri wiederum möchte nur eines: mit Kumoi zusammen sein.

Wiedergefundene Tochter

Tamakatsura, eine Tochter von To no Chujo und Yugao, der Dame mit dem Fächer, die einst auch Genjis Geliebte war, lebte einige Jahre getrennt von ihren Eltern in einer abgelegenen Provinz und ist inzwischen zu einer schönen Dame herangewachsen. Nun werden die unzähligen Freier immer zudringlicher. Tamakatsura flieht heimlich in die Hauptstadt. Dort erfährt sie, dass Yugao schon vor langer Zeit gestorben ist. Genji nimmt Tamakatsura bei sich auf, ja er täuscht sogar vor, ihr Vater zu sein.

Entrüsteter Vater

Unter den Freiern, die sich um Tamakatsura scharen, sind auch Tu no Chujos Söhne. Genji versucht, ihr den einen oder anderen Bewerber schmackhaft zu machen, entbrennt aber gleichzeitig selbst in heftiger Liebe zu ihr. Als Genji die Heimlichtuerei nicht mehr länger aushält, weiht er To no Chujo ein. Dieser ist erschüttert, als er erfährt, dass Tamakatsura seine Tochter ist; entrüstet ist er auch über das zweifelhafte Gebaren Genjis, weil er vermuten muss, Tamakatsura sei mittlerweile eine heimliche Nebenfrau Genjis. Endlich erhört Tamakatsura das Werben des Prinzen Higekuro und wird schwanger. Die beiden heiraten in großer Heimlichkeit, was Tamakatsura indes bald bereut.

Böse Rache

To no Chujo ist endlich geneigt, Yugiris Werben um seine Tochter Kumoi nachzugeben. Derweil zieht sich Suzaku, der zwischen dem alten und dem neuen Kaiser selbst für kurze Zeit Kaiser war und dann abdankte, in ein Kloster zurück. Zuvor vertraut er jedoch Genji seine Tochter Nyosan an, die dieser nun ganz zeremoniell heiraten muss. Zwar erträgt Murasaki es mit Fassung, als Nyosan als Braut einzieht, doch zum ersten Mal fühlt sie sich in ihrer Stellung bedroht. Als Genji eines Nachts Murasaki von seinen früheren Frauen, insbesondere von Rokujo und ihrer krankhaften Eifersucht, erzählt, provoziert er damit genau dieselbe Gefühlsregung bei Murasaki: Sie wird von hohem Fieber befallen. Obwohl Genji sich seit Rokujos Tod um deren Tochter Akikonomu gekümmert hat, sucht sie als Geist seine Gefährtinnen heim.

Kashiwagi gibt nicht auf

Während Genji an Murasakis Krankenlager weilt und Nyosan vernachlässigt, kann Kashiwagi, der älteste Sohn von To no Chujo, nur an Nyosan denken. Ein Verhältnis mit ihr ist jedoch nicht möglich, daher heiratet er ihre ältere Schwester Ochiba. Dann gesteht Kashiwagi doch Nyosan seine Liebe, sie gibt sich ihm hin und wird schwanger. Bei einem seiner seltenen Besuche bei Nyosan entdeckt Genji einen Brief von Kashiwagi; dieser wiederum erfährt, dass Genji von allem unterrichtet ist. Die Gewissensbisse quälen Kashiwagi so sehr, dass er krank wird und stirbt. Noch vor seinem Tod vertraut er Yugiri seine Frau Ochiba an.

Ein Kind wird geboren

Nyosan schenkt einem Jungen das Leben. Genji muss vorgeben, der Vater zu sein, was ihm schwerfällt, zumal er durch dieses Ereignis an sein heimliches Verhältnis mit Fujitsubo erinnert wird. Nyosan geht in ein Kloster. Yugiri erhält die Flöte seines Freundes Kashiwagi, der ihn nachts im Traum darum bittet, das Instrument dem richtigen Erben zu überreichen. Yugiri versucht, den Traum zu enträtseln, und besucht seinen Vater, doch Genji verrät nichts.

Murasakis Tod

Yugiri kümmert sich um die Familie seines verstorbenen Freundes und verliebt sich in die junge Witwe Ochiba. Ein Geistlicher aber befiehlt der Mutter Ochibas, dieses Verhältnis sofort zu beenden, denn die Folgen wären für alle Beteiligten entsetzlich. Sie schreibt Yugiri einen Brief, der jedoch in Kumois Hände gerät. Diese leidet sehr darunter, dass Yugiri in eine andere Frau verliebt ist. Yugiri erträgt die Abweisungen Ochibas mit Gleichmut, bis sie ihn nach einer Weile doch noch erhört. Unterdessen stirbt Murasaki, und Genji sieht im Leben keinen Sinn mehr. Er möchte nur noch eines: der Welt entfliehen. Die einzige Hoffnung, die ihn trägt, ist die Vereinigung mit Murasaki im Jenseits. Er löst seinen Besitz auf, vernichtet alle Briefe und sieht seinem Tod entgegen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der erste Teil der Geschichte vom Prinzen Genji führt in die glänzende Welt des japanischen Kaiserhofs ein. Die breit angelegten Ausführungen, mit denen einerseits realistisch und detailreich Zeremonien, Naturschönheiten, Kleider und sogar Dinge wie Briefpapier und Handschriften beschrieben werden, lassen andererseits die Figuren seltsam steif erscheinen, wenngleich manche Einwürfe der Autorin dem Ganzen einen munteren Ton verleihen. Stellenweise wirken die einzelnen Szenen und Begebenheiten wie lose aneinandergehängt; zumindest im ersten Teil scheint es an inhaltlicher Kohärenz zu mangeln. Dieser Eindruck schwächt sich im Lauf des Textes ab. Offenbar hat sich die Autorin beim Schreiben weiterentwickelt: Intrigen, Enttäuschungen und das Thema Tod rücken nun in den Vordergrund, Wehmut und Resignation bilden den Grundtenor des zweiten Teils. Unablässig ist von der Vergänglichkeit des Lebens die Rede, basierend auf dem buddhistischen Prinzip, wonach die materielle Welt nichts als Illusion ist. Vor diesem Hintergrund gewinnen auch die Figuren ein schärferes Profil.

Der Text wird von Andeutungen, Symbolen und Metaphern dominiert. Wie im japanischen Theater hat jede Geste, jede Bewegung, ja jeder Schritt eine besondere Bedeutung, die sich dem westlichen Leser nur schwer erschließt. Auch die zahlreichen Wechselgedichte, die zwischen den Liebenden ausgetauscht werden, verhindern eine zügige Lektüre.

Interpretationsansätze

  • Der Roman liefert ein Sittenbild der japanischen Ständegesellschaft um das Jahr 1000. Wer keinem gehobenen Stand angehört, ist seinem Schicksal ausgeliefert, es sei denn, jemand wie Genji hält seine schützende Hand über ihn.
  • Das im Roman vielfach thematisierte buddhistische Prinzip, wonach die materielle Welt nichts ist als eine Illusion, führt letzten Endes zur Verunsicherung des Individuums und zur Abkehr von der Welt – in vielen Fällen zum Rückzug ins Kloster. Die buddhistische Vorstellung des Karmas geht davon aus, dass sich jede Wirkung auf eine Ursache zurückführen lässt und dass man für alle Missetaten dereinst auf die eine oder andere Weise zur Rechenschaft gezogen wird.
  • Der Roman hat eine sehr zwiespältige Hauptfigur: Man kann Genji als bloßen Schürzenjäger sehen – oder aber als idealen Mann von Adel, der in allen Künsten bewandert ist und sich zum Beschützer schwacher Frauen aufwirft. Auch eine psychologische Deutung ist möglich: Genji verliert schon früh seine Mutter, und alle anderen Frauen, insbesondere Fujitsubo, sind lediglich ein Mutterersatz für ihn.
  • Möglicherweise sind die Frauenfiguren im Roman Widerspieglungen der verschiedenen charakterlichen Aspekte und heimlichen Wünsche der Autorin. Sie beschreibt aus weiblicher Perspektive, wie sich die Frauen Genji mehr oder weniger freiwillig unterordnen und sehnsüchtig auf seine Gunstbezeugungen warten.
  • In der Beziehung zwischen Mann und Frau im alten Japan spielte die Ästhetik eine größere Rolle als die Ethik: Wer keinen ästhetischen Sinn besaß – der sich beispielsweise in der Wahl des Briefpapiers und in der Handschrift ausdrückte –, hatte keine Aussicht auf Erfolg in Liebesdingen. Wer hier auftrumpfen konnte hingegen umso mehr.

Historischer Hintergrund

Blütezeit der Erzählkunst

Die Heian-Epoche (794–1192) gilt in vielerlei Hinsicht als eine glanzvolle Ära Japans: Die Künste entwickelten sich, und der Buddhismus hielt Einzug in die Gesellschaft. Eine ausgeklügelte Heiratspolitik trug zum Aufstieg und Machterhalt der Fujiwara-Dynastie bei. Es galt, möglichst viele der eigenen Töchter mit Kronprinzen oder Kaisern zu vermählen und dann Einfluss auf den Schwiegersohn zu nehmen. Die Regierungszeit von Fujiwara no Michinaga gilt als Höhepunkt der Heian-Epoche; er konnte vier seiner Töchter mit Kaisern verheiraten. In dieser Zeit entstand auch die japanische Silbenschrift, was die literarische Entwicklung förderte. Zuvor war für Staatsdokumente die chinesische Sprache verwendet worden, deren Studium Männern vorbehalten blieb.

Polygamie war damals in Japan in den oberen Gesellschaftsschichten weit verbreitet – und nur dort, denn sie war eine kostspielige Angelegenheit. Die Hauptfrau musste vom selben gesellschaftlichen Rang sein wie der Mann. Auf einem großen Anwesen begegnete man sich nur unregelmäßig und oft monatelang gar nicht. Gerade in adligen Kreisen waren die so genannten Hofgeschichten, die um die Beziehung zwischen Mann und Frau kreisen, beliebt und weit verbreitet. Das Grundmuster: Ein Mann besucht eine Frau und kann nicht einmal ihr Gesicht sehen, denn ständig sind sie durch einen Wandschirm voneinander getrennt.

Entstehung

Die Heian-Zeit brachte Frauen hervor, die ihre Persönlichkeit entwickeln und ihre künstlerische Seite ausleben konnten, da sie zwar am Hof, nicht aber im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen. Eine von ihnen war Murasaki Shikibu, aus deren Leben nur wenige verbriefte Einzelheiten überliefert sind. Was sie am Hof erlebte, schrieb sie in einem Tagebuch nieder, das die Jahre 1008 bis 1010 umfasst; dessen Inhalte flossen mit in Die Geschichte vom Prinzen Genji ein.

Auch fand eine Vermengung von frühbuddhistischen Gebetszeremonien und schamanistischen Ritualen – charakteristisch für die japanische Geisteswelt – Eingang in das Werk. Vermutlich wollte Murasaki Shikibu zunächst nur kleinere Geschichten schreiben und diese aneinanderhängen. Der hohe Bildungsstand der Autorin war damals außergewöhnlich: Im Gegensatz zu fast allen Geschlechtsgenossinnen jener Zeit schrieb sie auch auf Chinesisch.

Wirkungsgeschichte

Als gebildete Frau war Murasaki Shikibu eine Zielscheibe des Spotts für ihre leichtlebigeren Zeitgenossinnen. Ihre hervorragenden Kenntnisse der chinesischen Sprache und Kultur galten gar als Tabubruch. Noch dazu war sie eine – wenn auch stille – Kritikerin der damaligen Verhältnisse. Nicht selten klagt ihr Romanheld Genji über die Scheinheiligkeit der Höflinge und den Zwang, sich verstellen zu müssen. Die Beliebtheit der Geschichte vom Prinzen Genji, die in Abschriften in adligen Kreisen kursierte, führte dazu, dass sich immer mehr Frauen ein Beispiel an Murasaki Shikibu nahmen und selbst zu schreiben begannen. Während sich die Männer der Lyrik in chinesischen Schriftzeichen widmeten, konnte sich innerhalb der Frauengesellschaft, die eine einfache Silbenschrift benutzte, eine regelrechte Romantradition herausbilden. Das Resultat: über 200 Werke allein in der Heian-Periode. Murasakis Genji blieb das wichtigste von ihnen. Stellt man diesen ersten Roman aus der Feder einer Frau der westlichen Literatur gegenüber, wo zur selben Zeit vor allem Mythen weitergereicht wurden, in denen Einzelpersonen – von Helden einmal abgesehen – keine wichtige Rolle spielten, so ist der Unterschied frappierend.

Die Geschichte vom Prinzen Genji animiert bis heute zu zahllosen Adaptionen. Kozaburo Yoshimura und Kon Ichikawa verfilmten das Werk 1951 und 1966. 1980 erschien die Geschichte als Manga von Yamato Waki unter dem Titel Asakiyumemishi. Seit 2005 liegt sie als Videospiel für die Playstation 2 vor. Japanische Literaturwissenschaftler sehen das Werk als beispielloses Zeugnis des frühen Buddhismus in Japan und als Ausgangspunkt der modernen japanischen Literatur. Der japanische Philosoph Daisaku Ikeda verstieg sich sogar zu der Aussage, Prinz Genji sei die Inkarnation eines Bodhisattwa (Erleuchtungswesen im Buddhismus), weil er als leuchtender Prinz so viel Göttliches ausstrahle. Wenngleich der Stellenwert des Genji in der japanischen Literatur unbestritten ist, fand der Roman im Westen mit seiner Detailfreude, den schwer zu entziffernden Kulturcodes und der fehlenden Spannung zwischen den Figuren eine eher kritische Aufnahme.

Über die Autorin

Murasaki Shikibu wird zwischen 970 und 978 in Kyoto geboren. Der wahre Name der Autorin ist nicht bekannt; Murasaki ist ein Spitzname, der ihr wohl in Anlehnung an die Lieblingsfrau Genjis in ihrem Roman gegeben wird. Sie stammt aus dem Fujiwara-Clan. Als Kind lernt sie zusammen mit ihrem Bruder die chinesische Schrift lesen und schreiben, was für ein Mädchen der damaligen Zeit verpönt ist. Ihre Mutter stirbt vermutlich, als Murasaki noch klein ist. Als ihr Vater in eine abgelegene Provinz versetzt wird, folgt sie ihm zwar, kehrt aber angeblich zwei Jahre später wieder zurück und heiratet einen Cousin vierten Grades, der 20 Jahre älter ist als sie, aber als sehr wohlhabend gilt. Drei Jahre später, nach der Geburt einer Tochter, stirbt der Gatte. Murasaki beginnt an dem Roman Genji Monogatari (Die Geschichte vom Prinzen Genji) zu arbeiten. Sie tritt in den Hofdienst der Kaiserin ein – die einzige Möglichkeit, als alleinerziehende Witwe eine gewisse Sicherheit zu haben –, steht aber der Welt des Prunks distanziert gegenüber. Die Entstehung des Werks zieht sich über etliche Jahre hin, zumal ihr die Aufgaben im Dienst der Kaiserin nur wenig Freiraum lassen. Dank ihrer Intelligenz und Bildung wird Murasaki die Ehre zuteil, die engste Vertraute und Lehrerin der Kaiserin zu sein. Die Regentin aber ist äußert sittenstreng, und Murasaki sehnt sich nach mehr Freiheit und Unbekümmertheit. Zudem stellt ihr der Vater der Kaiserin nach und macht ihr das Leben erst recht unerträglich. Ob sie tatsächlich die Mätresse jenes Fujiwara Michinaga wird, der gleichzeitig auch Großkanzler des Reichs ist, ist nicht bekannt – einige Gedichte und Tagebucheinträge deuten darauf hin. Ihr Tagebuch Murasaki Shikibu Nikki, das ebenfalls veröffentlicht wird, endet 1010, darin erwähnt sie bereits ihr Buch Genji. 1025 steht sie noch in Diensten der Kaiserin, 1031 fehlt ihr Name auf einer Liste; andere Quellen sprechen davon, dass sie 1014 bereits gestorben sei. Während der Kamakura-Zeit (1185–1333) wird Murasaki Shikibu als eine der 36 weiblichen Unsterblichen der Dichtkunst geehrt.


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