Zusammenfassung von Die Kunst des digitalen Lebens

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Die Kunst des digitalen Lebens Buchzusammenfassung

Bewertung

7

Qualitäten

  • Kontrovers
  • Meinungsstark
  • Inspirierend

Rezension

Die heutige Nachrichtenflut, vor allem im Internet, lenkt uns von den wirklich wichtigen Dingen ab und erzeugt doch nur den Anschein von Informiertheit – das ist Rolf Dobellis Grundthese. So weit, so unkontrovers. Weit gewagter sein Lösungsvorschlag: kompletter Newsverzicht. Die Argumente, mit denen Dobelli diese radikale Schlussfolgerung zu untermauern sucht, scheinen aber teils recht zusammengesucht und sind bei näherer Betrachtung keineswegs so zwingend, wie vom Autor suggeriert. Dennoch: Das Problem ist real, und Dobellis Ansatz sicher bedenkenswert.

Take-aways

  • Nachrichtenmedien verkaufen Aktualität als Relevanz.
  • Entscheiden Sie selbst, was für Sie relevant ist, und bleiben Sie dabei bei Themen, von denen Sie etwas verstehen.
  • Ständiger News-Konsum führt zu falschen Risikobewertungen und schlechten Entscheidungen.
  • Vermeiden Sie News, wenn Sie die Welt in Ihren Zusammenhängen verstehen wollen.
  • Ständiger News-Konsum schwächt Körper, Seele und Geist.
  • News-Konsum verstärkt Denkfehler wie den Bestätigungsfehler.
  • News schaden Ihrer Konzentration, lähmen Ihr Denken und machen Sie unkreativ.
  • Verzichten Sie radikal auf News. Lesen Sie stattdessen Bücher oder Texte, die Zusammenhänge erklären.
  • Durch konsequenten News-Verzicht gewinnen Sie einen Arbeitstag pro Woche.
 

Zusammenfassung

Nachrichtenmedien verkaufen Aktualität als Relevanz.

Die erste Tageszeitung erschien 1650 in Leipzig. Die Einkommende Zeitung war das erste publizistische Nachrichtenmedium auf der Welt. In den folgenden Jahrzehnten eroberten Hunderte Zeitungen ganz Europa. News, wie wir sie heute nennen, wurden zum Geschäft. Als berichtenswert galt, was das Interesse der Leser weckte und damit den Absatz förderte. Fortan hieß es: Das Neue ist das Relevante. Diese Täuschung setzt sich bis heute fort – und findet sich eigentlich überall, wo auch Werbung zu finden ist: im Rundfunk, im Fernsehen, in Zeitungen oder auf Websites. 

„Durch die Digitalisierung haben sich die News von einem harmlosen Unterhaltungsmedium in eine Massenvernichtungswaffe gegen den gesunden Menschenverstand verwandelt.“

Dieses Dauerfeuer lässt uns glauben, wir seien informiert. Auch weckt es in uns die Furcht, etwas zu verpassen. Was Zucker für den Körper ist, sind News für den Geist: lecker, aber ungesund. Gesünder sind lange Formate, etwa Essays, Reportagen, Bücher oder Dokumentarsendungen. Doch auch Länge garantiert nicht Relevanz. Grundsätzlich sollten Sie alle Inhalte kritisch betrachten, die aus hauptsächlich werbefinanzierten Medien stammen. 

Entscheiden Sie selbst, was für Sie relevant ist, und bleiben Sie dabei bei Themen, von denen Sie etwas verstehen.

Letztes Jahr haben Sie etwa 20 000 News-Meldungen konsumiert – also etwa 60 pro Tag. Wie viele dieser Meldungen haben dazu geführt, dass Sie eine bessere Entscheidung für Ihr Leben getroffen haben? Vermutlich nicht allzu viele.

„Information ist heutzutage keine knappe Ressource mehr – Aufmerksamkeit hingegen schon.“

Doch tätigen Journalisten nicht eine saubere Vorauswahl hinsichtlich der wichtigsten Nachrichten? Nein, auch Journalisten wissen nicht, was tatsächlich relevant ist. Sie berichten, was Aufmerksamkeit verspricht. Das führt dazu, dass das Unwichtigste am lautesten verkauft wird. Die wirklich wichtigen Neuigkeiten sind meist die, über die nicht berichtet wird: Als 1993 der erste Internetbrowser erschien, gab es in Deutschland kein Medium, das darüber berichtet hätte. 

Was für Sie persönlich relevant ist, müssen Sie selbst entscheiden. Definieren Sie deshalb, welche Tatsachen und Entwicklungen in Ihrem persönlichen Leben wirklich wichtig sind: Erkundigen Sie sich, wie es Ihren Verwandten geht. Denken Sie über den Vortag nach und überlegen Sie, was Sie hätten besser machen können. Informieren Sie sich über geplante Gesetzesänderungen.

„Relevanz ist eine höchstpersönliche Angelegenheit.“

Doch was ist eigentlich relevant? Im engeren Sinne solche Informationen, die Ihnen erlauben, bessere Entscheidungen zu treffen. Im weiteren Sinne ist wichtig, was Ihnen hilft, Zusammenhänge besser zu verstehen.

„Gehen Sie in die Tiefe statt in die Breite.“
 

Von Warren Buffet stammt der Begriff des „Circle of Competence“: Was innerhalb des eigenen Kompetenzkreises liegt, beherrscht man meisterlich, alles außerhalb nur teils oder gar nicht. Buffets Rat lautet, sich immer innerhalb dieses Kreises zu bewegen. Dabei ist es nicht so entscheidend, wie groß der Kreis ist. Wichtiger ist, dass Sie seine Größe kennen. IBM-Gründer Thomas J. Watson sagte einmal: „Ich bin kein Genie. Ich bin punktuell intelligent – aber ich halte mich konsequent um diese Punkte herum auf.“ Richten Sie Ihr Berufsleben also anhand Ihres Kompetenzkreises aus. Damit fördern Sie nicht nur Ihre Karriere, sondern können auch leichter entscheiden, welche Dinge Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Informationen, die in Ihren Kompetenzkreis gehören, nehmen Sie zur Kenntnis, alle anderen ignorieren Sie. 

Ständiger News-Konsum führt zu falschen Risikobewertungen und schlechten Entscheidungen.

Die menschliche Wahrnehmung ist fehleranfällig. Wir reagieren zum Beispiel stark auf grelle, skandalöse, personenbezogene oder rasch wechselnde Reize. So werden wir unempfänglich für abstrakte, mehrdeutige oder komplexe Sachverhalte. News-Produzenten nutzen das systematisch aus. Das führt dazu, dass wir Risiken falsch einschätzen: Wir halten Terrorismus für eine größere Bedrohung als chronischen Stress, obwohl es sich genau andersherum verhält. Die Pleite einer Bank regt uns mehr auf als die Verschwendung von Steuergeldern.

„Die News-Industrie ist der Blinddarm einer Gesellschaft – permanent entzündet, aber ohne Funktion.“

Unser täglicher News-Konsum führt zu systematisch falschem Verhalten. Und es stimmt nicht, dass Medienkompetenz oder kritische Reflexion dagegen helfen: Das menschliche Gehirn ist zu schwach, um den ständigen Kampf gegen seine natürlichen Tendenzen zu gewinnen. Der Erfolg von Bankern und Ökonomen hängt zum Beispiel maßgeblich von einer adäquaten Risikobewertung ab – und selbst sie scheitern. Informationen zu den wahren Risiken finden Sie etwa in Büchern oder Statistiken.

Vermeiden Sie News, wenn Sie die Welt in Ihren Zusammenhängen verstehen wollen.

Sie können jeden Tag die neuesten Schreckensmeldungen aus Syrien lesen und werden den Krieg dennoch nicht besser verstehen. Die Aneinanderreihung von Nachrichten entschlüsselt nicht die wahren Zusammenhänge. Erschreckend wenige Journalisten sind überhaupt in der Lage, ursächliche Zusammenhänge korrekt zu erklären. Wenn Sie die Welt in ihrer ganzen Komplexität verstehen wollen, sollten Sie daher auf News verzichten.

„News haben keine Erklärungskraft.“

Thomas Jefferson stellte fest: „Wer überhaupt nichts liest, weiß mehr als wer nichts außer den Zeitungen liest“. Ein Dauerfeuer aus Meldungen behindert das Denken. Gleichzeitig entsteht die Illusion, gut informiert zu sein und die Welt zu verstehen. Das führt zur Selbstüberschätzung und beeinträchtigt die Entscheidungsqualität. Auch wenn Ihnen die Nachrichtenmedien das Gegenteil erzählen: News sabotieren Ihr Weltverständnis. Statt derart punktuell sollten Sie sich ganzheitlich und umfassend über die komplexen Abläufe des Weltgeschehens informieren.

Ständiger News-Konsum schwächt Körper, Seele und Geist.

Jeder Mensch hat einmal Sorgen oder durchlebt einen Tiefpunkt. Es gibt etliche Methoden, damit umzugehen. Doch die versagen bei anhaltendem News-Konsum. Die Forschung hat herausgefunden: Negative Nachrichten verstärken Ihre Sorgen, auch wenn sie mit Ihrer persönlichen Situation gar nichts zu tun haben. Wer produktiv sein, klar denken und gesund leben möchte, benötigt Willenskraft. Willenskraft ist eine begrenzte Ressource, die unter Stress deutlich abfällt. Die Folge ist ein Handlungsaufschub. Statt wichtige, aber schwierige Dinge zu lesen, überfliegen wir unwichtige, aber leicht verdauliche Informationen. Statt wie geplant ins Fitnessstudio zu gehen, starren wir aufs Handy, um durch vermeintlich wichtige Neuigkeiten zu scrollen. Der Teufelskreis besteht darin, dass News den Stresspegel in die Höhe treiben und so die Willenskraft reduzieren. Das wiederum führt zu noch mehr News-Konsum usw. Der künstlich erzeugte Dauerstress durch News-Konsum hat handfeste gesundheitliche Auswirkungen: Ihr Immunsystem wird geschwächt und Sie sterben wahrscheinlich früher. 

Auch setzen News uns und unsere Existenz in einen viel zu großen Rahmen. Das führt dazu, dass wir uns mit allen möglichen Menschen vergleichen – egal wie unrealistisch diese Vergleiche sind – und uns danach meist kleiner und schlechter fühlen. Wie wir uns und unseren Status wahrnehmen, hat nachweislich Einfluss auf unseren Hormonhaushalt. Zudem können wir an den meisten Dingen, die wir in den News lesen, nichts ändern. Dadurch verfallen wir in eine Art „erlernte Hilflosigkeit“, die sich bald auf andere Bereiche unseres Lebens ausweitet. Befassen Sie sich lieber nur mit Dingen, die Sie auch verändern und beeinflussen können. 

News-Konsum verstärkt Denkfehler wie den Bestätigungsfehler.

Es gibt viele systematische Denkfehler, die uns irrational entscheiden und handeln lassen. News geben zwar vor, für Aufklärung und damit eine bessere Entscheidungsbasis zu sorgen. Doch das stimmt nicht – im Gegenteil: Sie verstärken einige Denkfehler sogar. Ein Beispiel ist der sogenannte Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Informationen, die nicht unserer Überzeugung entsprechen, blenden wir gern aus. Dafür sind wir besonders offen für Informationen, die unsere Ansichten bestätigen. Je mehr News Sie lesen, desto mehr bestätigende Informationen sammeln Sie, weil heute die meisten Medien einer bestimmten Weltsicht folgen. So verstärken sie den Bestätigungsfehler und verkommen zu Erfüllungsgehilfen von Dogmen und Ideologien. Fragen Sie sich daher immer, welche konkreten Tatsachen das jeweilige Dogma zum Einsturz bringen würden. Nur die ernsthafte Suche nach Gegenargumenten schützt vor dem Bestätigungsfehler und verbessert Ihre Entscheidungen.

News schaden Ihrer Konzentration, lähmen Ihr Denken und machen Sie unkreativ.

Wir haben ein Arbeits- und ein Langzeitgedächtnis. Das Arbeitsgedächtnis kann nur wenige Informationen fassen. Deswegen können Sie sich eine lange Telefonnummer eher nicht nach einmaligem Hören merken. Damit wir komplizierte Sachverhalte wirklich verstehen, müssen die Informationen vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis gelangen. Das braucht eine gewisse Zeit und funktioniert – gerade bei abstrakten Inhalten – nur, wenn Sie konzentriert sind. News, mit ihrer ständigen Flut an neuen Informationen, rauben Ihnen auf Dauer die Fähigkeit zur Konzentration und hemmen Ihr Denken. Um beim Lesen genügend Konzentration aufzubauen, damit Sie das Gelesene tatsächlich verarbeiten können, braucht es etwa zehn Minuten. Das ist der Grund, warum Sie sich wahrscheinlich nicht an konkrete News aus dem letzten Monat erinnern können.

Noch destruktiver sind Online-News. Eine Studie hat gezeigt: Je mehr Hyperlinks ein Text enthält, desto weniger versteht der Leser. Denn er muss ständig entscheiden, ob er einem Link folgen will oder nicht. Willenskraft ermüdet jedoch schnell, ähnlich wie Muskeln. Wenn Sie zu viel davon an sinnlose Ablenkungen verschwenden, können Sie sich danach für eine Weile nicht mehr für wirklich wichtige Dinge motivieren. Dasselbe gilt für die Konzentration. Sogar die Struktur Ihres Gehirns verändert sich, wenn Sie über längere Zeit immer wieder News konsumieren: Sie beanspruchen nur noch die Hirnregionen, mit denen sie kurze Inhalte überfliegen. Das Lesen langer Texte und Bücher fällt Ihnen immer schwerer. Verzichten Sie also auf News und trainieren Sie die anderen Bereiche Ihres Gehirns.

News-Junkies sind selten kreativ. Denn herausragende Werke sind das Ergebnis konzentrierter Arbeit. Ablenkung aber zerstört Kreativität. Es stimmt natürlich, dass Informationen von außerhalb des eigenen Kompetenzkreises für Inspiration sorgen können. Doch solche Informationen finden Sie in jeder gut sortierten Buchhandlung. Blättern Sie in den Neuerscheinungen, die Ihr Interesse wecken. Kaufen Sie einige für Ihre Bibliothek. Treffen Sie regelmäßig Menschen aus anderen Fachbereichen oder mit einem völlig anderen Hintergrund und tauschen Sie sich mit ihnen aus. Das erweitert tatsächlich Ihre Perspektive.

„Pseudowissen schränkt unsere Kreativität ein.“

Wenn Sie auf neue Ideen kommen wollen, sind Musik, Filme, Bücher und andere Menschen die besseren Quellen. Die ergiebigste Quelle ist und bleibt allerdings der eigene Geist.

Verzichten Sie radikal auf News. Lesen Sie stattdessen Bücher oder Texte, die Zusammenhänge erklären.

Wenn Sie der News-Flut entkommen möchten, ist der sicherste Weg ein radikaler Schnitt: Verbannen Sie alle Nachrichtenquellen aus Ihrem Alltag: Verkaufen Sie Ihren Fernseher, löschen Sie alle entsprechenden Apps und Lesezeichen auf Computer, Tablet und Smartphone und wählen Sie eine Browser-Startseite ohne Nachrichtenlinks. Auf Reisen sollten Sie immer genug Bücher dabeihaben. Ignorieren Sie Gratiszeitungen und die allgegenwärtigen News-Bildschirme in Wartebereichen. Wenn Sie die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, nicht in Ruhe lässt, können Sie zum Beispiel „The world this week“ im Economist oder ähnliche wöchentliche Zusammenfassungen lesen. Greifen Sie zu Zeitschriften und Büchern, in denen ausgewiesene Fachleute publizieren. Meiden Sie Formate, die vor der Komplexität der Zusammenhänge kapitulieren und auf Vereinfachung setzen. Bevorzugen Sie stattdessen Quellen, die Ihnen tieferes Verständnis und einen echten Lerneffekt bescheren. Lesen Sie ein Buch pro Woche. Wenn Sie nach 20 Seiten nicht überzeugt sind, greifen Sie zu einem anderen Buch. Sind Sie von einem Buch begeistert, lesen Sie es gleich noch einmal.

Durch konsequenten News-Verzicht gewinnen Sie einen Arbeitstag pro Woche.

Die ersten sieben Tage Ihres News-Verzichts sind die schlimmsten: Sie fühlen sich vom Informationsfluss abgeschnitten, im Nachteil gegenüber anderen Menschen oder isoliert. Widerstehen Sie aber der Versuchung. Dazu brauchen Sie Disziplin und Willenskraft. In schwachen Momenten können Sie sich sagen, dass Sie sich nach den 30 Tagen wieder umentscheiden können. Aber diese 30 Tage müssen Sie durchhalten, denn damit überschreiten Sie eine wichtige Grenze: Sie merken, dass Sie nichts verpasst haben. In der Bilanz haben Sie 90 Minuten pro Tag gewonnen. Das entspricht einem Arbeitstag pro Woche oder mindestens einem Monat pro Jahr.

„Die Aneinanderreihung von Tatsachen wird mit der Einsicht in die Funktionszusammenhänge der Welt verwechselt.“

Nutzen Sie die so gewonnene Zeit, um Ihr Wissen zu vertiefen: Lesen Sie anspruchsvolle Bücher, belegen Sie Kurse und beschäftigen Sie sich mit Dingen, von denen Sie wirklich etwas verstehen. Sie werden merken, dass Sie mit dieser Strategie gegenüber anderen Menschen nicht im Nachteil, sondern im Vorteil sind. Der besteht darin, dass Sie tatsächliche Zusammenhänge erkennen, die noch nicht allgemeiner Konsens sind. Denn das funktioniert nur durch gründliches Nachdenken.

Über den Autor

Rolf Dobelli war CEO verschiedener Tochterfirmen der Swissair-Gruppe. Er ist Mitgründer von getAbstract, Kurator des Forums ZurichMinds und Autor mehrerer Romane, darunter Und was machen Sie beruflich?.

Dieses Dokument ist für den persönlichen Gebrauch bestimmt.


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