Zusammenfassung von Die Prinzessin von Clèves

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Die Prinzessin von Clèves Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Roman
  • Klassizismus

Worum es geht

Eine zeitlose Geschichte

Eine junge Frau gesteht ihrem Gatten, dass sie in einen anderen verliebt ist und hofft auf sein Verständnis. Dem Geliebten sagt sie, dass sie aus Angst vor der Vergänglichkeit seiner Liebe nicht mit ihm zusammen sein kann. Diese Handlungselemente sind bis heute für einen Roman nicht viel üblicher, als sie es vor 350 Jahren waren. Noch immer regen sie an, nachzudenken, zu diskutieren und Konventionen auf den Prüfstand zu stellen. Den Wert dieser Modernität erkennen nicht alle an: Der Roman wurde 2009 zum Politikum, als der damalige französische Präsident Sarkozy seinen Unmut darüber äußerte, dass dieses Werk immer noch zur Schullektüre zählt. Ein Aufschrei der Entrüstung folgte, ist Die Prinzessin von Clèves doch eine fesselnde Geschichte über eine unglückliche Liebe, die sich weitab von romantischen Klischees bewegt und, vom viel gescholtenen Schluss einmal abgesehen, ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Das Buch ist ein Musterbeispiel für die Zeitlosigkeit literarischer Werke und für ihre fortdauernde Fähigkeit, gesellschaftliche Diskussionen anzuregen.

Take-aways

  • Die Prinzessin von Clèves wird zu den besten Romanen der französischen Literaturgeschichte gezählt.
  • Inhalt: Die junge Mademoiselle de Chartres heiratet den Prinzen von Clèves, den sie zwar achtet, aber nicht liebt. Kurz darauf verliebt sie sich Hals über Kopf in den attraktiven Herzog von Nemours. Die beiden geben ihrer Leidenschaft nicht nach, doch die Prinzessin gesteht ihrem Mann, dass sie sich verliebt hat. Der stirbt letztlich an den Folgen seiner Eifersucht. Aus Tugendhaftigkeit bleibt die Prinzessin bis zu ihrem Lebensende allein.
  • Der Roman der Madame de La Fayette wurde anonym veröffentlicht.
  • Lange Zeit galt der Literat François de La Rochefoucauld, mit dem die Verfasserin eng befreundet war, als möglicher Autor.
  • Die Autorin lässt die Handlung rund 100 Jahre vor ihrer Zeit spielen, es finden sich aber auch Anspielungen auf die aktuelle Situation bei Hofe.
  • Das moralisierend wirkende Ende kam beim Publikum nie gut an.
  • Die leidenschaftliche Liebe auf den ersten Blick, die die Hauptfigur wie aus dem Nichts trifft, war ein neues Motiv in der Literatur des 17. Jahrhunderts.
  • Der dramaturgische Höhepunkt ist das Geständnis der Prinzessin: Alle vorherigen und nachfolgenden Entwicklungen sind damit verknüpft.
  • Dieses ungewöhnliche Handlungselement löste unter Zeitgenossen heftige Debatten über Ehrlichkeit, Liebe und Treue aus.
  • Zitat: „Und so bot ihr reichlich kurzes Leben ein Beispiel unnachahmlicher Tugend.“
 

Zusammenfassung

Am französischen Hof

In Frankreich herrscht König Heinrich II., der an seinem Hof die ehrgeizigsten und einflussreichsten Adligen Europas versammelt. Er unterhält seit 20 Jahren eine Affäre mit Diana von Poitiers. Diese Liebschaft wird von seiner Frau, der Königin, nach außen hin still geduldet. Das Leben bei Hof wird nie langweilig: Der König liebt alle Arten von Sport, die Damen sind der Poesie und der Musik zugeneigt. Der begehrteste Mann am Hof ist der Herzog von Nemours, der nicht nur ungemein gut aussehend, sondern auch liebenswürdig und charmant ist und sich seinen zahlreichen Verehrerinnen gegenüber immer freundlich verhält. Als die Königin von England stirbt, erkennt der König ihre Schwester Elisabeth als Nachfolgerin an, obwohl ihr Anspruch anfechtbar wäre. Er schickt einen Abgesandten an ihren Hof. Dabei kommt ans Licht, dass die neue englische Königin vom Herzog von Nemours gehört hat und ihn einmal treffen möchte. Heinrich bittet den Herzog, das Interesse auszunutzen und nach England zu reisen, um die Königin zu umwerben. Der Herzog sagt zu, allerdings will er Geheimhaltung für den Fall, dass die Königin ihn verschmäht.

Die Damen des Hofes

Unterdessen spricht der ganze Hof von einem Neuankömmling: Die wunderschöne Mademoiselle de Chartres hat gleich nach ihrer Ankunft mehreren jungen Männern den Kopf verdreht. Unter ihnen ist auch der Prinz von Clèves, der sich heftig in die junge Adlige verliebt. Die ist jedoch vorsichtig: Ihre Mutter Madame de Chartres hat sie vor den Gefahren gewarnt, die von Liebesbeziehungen ausgehen. Deswegen ist Mademoiselle de Chartres fest entschlossen, tugendhaft zu bleiben. Alle Damen am Hof haben untereinander Bündnisse und Zerwürfnisse, wobei sie sich, je nach Anliegen, einer der fünf mächtigen Frauen – der Herzogin von Valentinois, der Königin, Maria von Schottland, der Königin von Navarra oder der Schwester des Königs – zuwenden. Der Einfluss der Herzogin von Valentinois ist am größten. Das Netz aus Koalitionen und Feindschaften ist geprägt von Ehrgeiz und Liebeleien, was zu ständig neuen Konstellationen und Machtverhältnissen führt.

„Aber der Herzog von Nemours war ein unerreichbares Meisterwerk der Schöpfung. Dass er der am besten gebaute und schönste Mann weit und breit war, zählte noch zu seinen geringsten Qualitäten.“ (S. 10)

Madame de Chartres fasst für ihre Tochter eine Hochzeit mit Prince Dauphin, dem vornehmsten Junggesellen am Hof, ins Auge, doch dieser Plan scheitert, nachdem sich der König auf Anraten der Herzogin von Valentinois gegen die Verbindung ausspricht. Der Ruf von Mademoiselle de Chartres leidet darunter: Aus Furcht, der König könnte dagegen sein, will niemand sie heiraten. Nur der Prinz von Clèves zeigt weiterhin ernste Absichten – und wird tatsächlich erhört. Allerdings ist von Anfang an klar, dass seine Angebetete seine Gefühle nicht erwidert: Mademoiselle de Chartres empfindet nicht mehr als Achtung und freundschaftliche Gefühle für ihn. Er ist darüber unglücklich, doch sie heiraten trotzdem.

„Des Prinzen von Clèves’ Bewunderung für Mademoiselle de Chartres wuchs zu leidenschaftlicher Liebe, und es ergriff ihn der glühende Wunsch, sie zu heiraten.“ (S. 26)

Der Herzog von Nemours bekommt derweil positive Signale vom englischen Hof und bereitet seine Reise vor. Auf einem Ball trifft er dann jedoch die junge Prinzessin von Clèves und ist so hingerissen von ihr, dass er sie kaum aus den Augen lassen kann. Ihr geht es ähnlich, und sie verlieben sich heftig ineinander. Ab sofort hält der Herzog sich von all seinen weiblichen Bekannten fern und kann nur noch an die Prinzessin denken. Er behält seine Gefühle jedoch für sich, obwohl die Prinzessin sie längst erraten hat. Sie weiht ebenfalls niemanden ein – ihre Mutter erkennt allerdings die Anzeichen und macht sich große Sorgen um ihre Tochter.

Der Tod der Mutter

Von ihrer Mutter erfährt die Prinzessin, dass der Herzog zahllose Affären hatte und dass er angeblich in Maria von Schottland, Dauphine genannt, verliebt ist. Die Prinzessin ist erschüttert und zweifelt an ihrer Menschenkenntnis. Kann es sein, dass sie sich sein Interesse nur eingebildet hat? Sie spricht mit der Dauphine über den Herzog. Dabei erfährt sie, dass er der Dauphine früher durchaus nicht abgeneigt war, dass sich aber mittlerweile sein Verhalten ihr gegenüber verändert hat. Der Dauphine scheint es, als würde er sich kaum noch daran erinnern, ihr einmal zugetan gewesen zu sein. Sie würde nur zu gern die Gründe für diesen Umschwung erfahren. Kurz darauf erkrankt Madame de Chartres schwer. In ihren letzten Tagen ruft sie ihre Tochter zu sich: Sie warnt die junge Frau eindringlich davor, ihren Gefühlen für den Herzog nachzugeben, und rät ihr, den Hof zu verlassen, um nicht in Versuchung zu geraten. Nach dem Tod der Mutter fährt die Prinzessin tatsächlich mit ihrem Mann aufs Land, um dort ihre Trauerzeit zu verbringen. Sie ist noch immer verwirrt und vermisst ihre Mutter, die ihr die Richtung hätte weisen können.

Gerüchte und Offenbarungen

Die Prinzessin fährt mit ihrem Mann zurück nach Paris, wo sie von der Dauphine erfährt, dass der Herzog unsterblich in eine Frau verliebt sein soll, die ihn nicht erhört und deren Namen er nicht einmal seinen engsten Freunden verraten will. Offenbar will er für die mysteriöse Angebetete sogar seine Pläne, die englische Königin zu umwerben, aufgeben.

„Ehrgeiz und Liebeleien bildeten das eigentliche Element des Hofs; Herren wie Damen interessierten sich für nichts anderes. Es gab so viele Parteiungen und Intrigen, und die Damen waren an alledem so leidenschaftlich beteiligt, dass jede Kabale mit einer Liebschaft und jede Liebschaft mit einer Kabale verknüpft zu sein schien.“ (S. 28)

Wenig später erklärt der Herzog der Prinzessin, dass er sich für eine geliebte Frau vollkommen verändert habe. Ihr sei er so sehr ergeben, dass er niemandem diese Liebe zeigen wolle. Die Prinzessin weiß genau, dass er von ihr selbst spricht, erwidert aber nichts. Sie traut ihren eigenen Gefühlen nicht und hält weiter Abstand. Ihr Mann hat Verliebten gegenüber, solange sie offen mit ihren Gefühlen umgehen und sich tugendhaft verhalten, eine äußerst nachsichtige Einstellung. Deshalb denkt sie darüber nach, ihn in ihre Gefühlslage einzuweihen. Unterdessen stehen weitere Hochzeiten an: Madame Elisabeth, die Tochter von Heinrich II., soll den König von Spanien und die Schwester des Königs den Herrscher von Savoyen heiraten. Anlässlich der Doppelhochzeit soll ein großes Turnier stattfinden, zu dem Herausforderer aus verschiedenen Ländern anreisen werden. Bei einem kurzen Ausritt im Vorfeld der Feierlichkeiten stürzt der Herzog und wird bewusstlos. Die Prinzessin ist außer sich vor Sorge und achtet nicht auf ihr Verhalten. Als er wieder zu sich kommt, erkennt er an ihrem Ausdruck, dass sie ihn ebenfalls liebt.

Ein folgenschwerer Liebesbrief

Eines Abends wird ein Liebesbrief entdeckt, den angeblich der Herzog erhalten und dann verloren haben soll. Die Dauphine gibt das Schreiben der Prinzessin, die herausfinden soll, wer wohl die Absenderin ist. Die Unbekannte schreibt von ihrer glühenden Liebe für den Adressaten. Der Herzog scheint eine neue Geliebte zu haben. Die Prinzessin ist nun überzeugt, dass er die ganze Zeit über noch andere Geliebte hatte, und schämt sich für ihre Gefühle, die sie ihm nach dem Sturz offen gezeigt hat. Sie ist überrascht von der rasenden Eifersucht, die sie erfasst. Unterdessen gesteht der Vizegraf von Chartres, ein Onkel der Prinzessin, dem Herzog, dass es sich in Wahrheit um einen Brief an ihn handelt. Er will dies jedoch geheim halten und bittet ihn, das Schreiben wiederzubeschaffen. Als der Herzog zur Prinzessin kommt, wird ihm schnell klar, welcher Schaden bereits entstanden ist. Nur mit Mühe kann er sie davon überzeugen, dass er nicht der Adressat ist. Damit ist die Affäre jedoch nicht ausgestanden: Der Herzog und die Prinzessin arbeiten gemeinsam daran, den Ruf des Vizegrafen zu schützen, und verlieben sich dabei noch mehr ineinander. Die überwundene Eifersucht und ihre Freude daran, sich in der Nähe des Herzogs aufzuhalten, machen der Prinzessin wieder einmal klar, in welcher Gefahr sie schwebt. Sie fährt auf ihr Landgut Coulommiers, um Abstand zum Hof und zum Herzog zu gewinnen.

Eine ungewöhnliche Beichte

Der Prinz von Clèves versteht das Verhalten seiner Frau nicht und will unbedingt die Gründe erfahren. Schließlich gibt sie nach und beichtet, dass sie einen anderen liebt. Sie betont jedoch, dass sie ihren Gefühlen nie nachgegeben hat und dass sie das auch in Zukunft nicht tun werde. Weil sie schwach zu werden befürchtet, bittet sie ihren Mann, ihr zu erlauben, auf dem Land zu bleiben. Er ist nach der Enthüllung niedergeschlagen, hatte er doch gehofft, eines Tages ihre Liebe gewinnen zu können. Nun muss er erkennen, dass dies einem anderen gelungen ist. Er freut sich aber über ihr Vertrauen und verspricht, es niemals zu missbrauchen. Zu gern möchte er den Namen des Nebenbuhlers erfahren, doch die Prinzessin schweigt. Das ganze Gespräch wird aber vom Herzog belauscht, der gerade in der Gegend ist und eigentlich der Prinzessin einen Besuch abstatten wollte. Als er gesehen hat, dass auch der Prinz dort ist, hat er sich versteckt. Nun schleicht er sich davon, ohne mit der Prinzessin gesprochen zu haben. Er ist sicher, dass sie von ihm gesprochen hat. Einerseits ist er überglücklich, andererseits zeigen ihm die Maßnahmen der Prinzessin, wie ernst es ihr mit dem Entschluss ist, sich von ihm fernzuhalten.

Eine unerhörte Geschichte

Unterdessen vertraut der Prinz seiner Frau, die er anlässlich der beiden Hochzeiten wieder nach Paris bittet, vollkommen. Er ist sicher, dass sie stark genug ist, um von sich aus jeder Versuchung zu widerstehen. Er beobachtet sie bei Hofe genau und ist bald überzeugt, dass es sich bei dem geheimnisvollen Mann um den Herzog handeln muss. Der wiederum kann die Informationen des Gesprächs, das er belauscht hat, nicht für sich behalten und erzählt einem Freund davon. Bald erreicht die Anekdote von der tugendhaften Ehefrau auch die Prinzessin. Die ist völlig schockiert, weil sie sich nicht erklären kann, wie die Leute davon erfahren haben. Sie macht ihrem Mann schwere Vorwürfe. Er ist sich keiner Schuld bewusst und ist sich seinerseits sicher, dass sie indiskret gewesen sein muss. Schließlich beschließen beide, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Doch fortan liegt ein Schatten über ihrer Ehe. Der Herzog weiß, dass er die Situation nur retten kann, wenn er gesteht, dass er das Gespräch belauscht hat. Damit würde er die Prinzessin jedoch noch mehr bloßstellen und sie weiter verletzen. Also beschließt er, auf Abstand zu gehen.

„Sie stehen am Rand eines Abgrundes, und es bedarf großer Selbstüberwindung und Stärke, um nicht in die Tiefe hinabzustürzen.“ (Madame de Chartres zu ihrer Tochter, S. 82)

Die Verlobungs- und Hochzeitsfeierlichkeiten beginnen. Die Prinzessin bemerkt die Zurückhaltung des Herzogs und weiß sie zu schätzen. Beim Turnier tut er sich als einer der Besten hervor und trägt ihre Lieblingsfarbe, von der nur er weiß. Kurz vor dem Ende will der König einen letzten Zweikampf mit der Lanze ausfechten. Dabei wird er schwer am Auge verletzt. Die Ärzte können ihm nicht helfen – er stirbt sieben Tage später.

Der Tod des Prinzen

Der neue König besteigt den Thron und entmachtet die alten Günstlinge. Die Prinzessin will sich erneut aufs Land zurückziehen, während der Hof in Reims weilt. Bald wird klar, dass der Prinz die Liebe seiner Frau zu einem anderen nicht so gelassen hinnehmen kann, wie er gedacht hat. Die Eifersucht auf den Herzog und das Wissen, dass dieser die Gefühle der Prinzessin kennt, zerfressen ihn nach und nach. Als der Herzog beschließt, die Prinzessin auf dem Landsitz aufzusuchen, erfährt der Prinz davon und lässt den Herzog beschatten. Sein Vertrauter folgt dem Herzog zum Anwesen, wo dieser sich auf den Weg zum Gartenpavillon macht und die Prinzessin beobachtet. Als sie den Herzog bemerkt, flieht sie in einen Raum, in dem sich ihre Kammerzofen aufhalten. Er bleibt dennoch die ganze Nacht im Garten und kommt am folgenden Abend wieder – in der Hoffnung, dass sie ihn doch noch sehen will. Der Vertraute des Prinzen kann nur berichten, dass er den Herzog zum Anwesen verfolgt hat, wo dieser die Nacht verbrachte. Der Prinz geht nun vom Schlimmsten aus und ist so erschüttert, dass er schwer krank wird. Auf seinem Krankenlager konfrontiert er seine Frau mit den Vorwürfen, die sie zwar entkräften kann, aber zu spät: Die Gesundheit des Prinzen ist so schwer angeschlagen, dass er bald stirbt. Sie trauert aufrichtig um ihn und gibt sich eine Mitschuld an seinem Tod. Das lässt sie beinahe ihre Gefühle für den Herzog vergessen. Der bleibt aus Respekt vor ihrer Trauer auf Abstand.

Die Entscheidung

Die Prinzessin findet heraus, dass der Herzog in der Nähe ihres Hauses in Paris ein Zimmer gemietet hat, um sie beobachten zu können. Sie fühlt sich geschmeichelt, ihre Gefühle für ihn erwachen erneut. Der Herzog will derweil nicht länger warten und arrangiert mithilfe des Vizegrafen ein Treffen mit der Prinzessin. Zum ersten Mal seit Langem sind die beiden allein miteinander und können sich ungestört unterhalten. Die Prinzessin gesteht ihm ihre Liebe und sie offenbaren einander all ihre Geheimnisse; unter anderem erzählt ihr der Herzog, dass er damals das Gespräch belauscht hat. Die Prinzessin macht aber auch klar, dass sie sich und ihm die Schuld am Tod ihres Mannes gibt und dass es deswegen moralisch falsch wäre, wenn sie heiraten würden. Außerdem ist sie sicher, dass seine Liebe zu ihr, wären sie erst verheiratet, erkalten würde, denn das würde in einer Ehe beim Mann unweigerlich geschehen. Aus Angst vor dem schrecklichen Gefühl der Eifersucht, das sie seit der Episode mit dem Brief kennt, will sie sich nicht auf eine Beziehung mit ihm einlassen. Alle Versuche des Herzogs, sie umzustimmen, scheitern. Sie trifft sich danach nie wieder mit ihm, sondern zieht sich nach einer längeren Reise in ein geistliches Stift zurück. Der Herzog versucht noch über Jahre, sie zum Umdenken zu bewegen, doch alle seine Bemühungen bleiben erfolglos. Die Prinzessin bleibt ihrem Vorsatz bis zu ihrem Tod treu.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Roman ist in vier Teile gegliedert. Die entsprechenden Zäsuren sind beim Tod der Madame de Chartres, beim Auffinden des Briefes und beim Tod des Königs gesetzt. Die Handlung umfasst einen Zeitraum von rund zwei Jahren – den Lebensabschnitt der Hauptfigur zwischen ihrem 16. und ihrem 18. Jahr. Die Geschichte findet ihren Höhepunkt im Geständnis der Prinzessin, einer unerhörten Vorgehensweise, die, als Gerücht verbreitet, den ganzen Hof in Aufruhr versetzt. Alle Entwicklungen davor laufen auf diesen Höhepunkt zu, alle späteren sind direkt von ihm beeinflusst. Der Stil ist poetisch-emotional, wobei die wahren psychologischen Motive der Hauptfiguren oft recht nebulös bleiben. Die Autorin entwirft detailreiche Bilder vom Prunk des Hofes, von den Intrigen und Allianzen und den geschichtlichen Hintergründen. Heutige Leser finden die detaillierte Einleitung zu den Gegebenheiten am Hof und den Schwierigkeiten von Mademoiselle de Chartres, einen geeigneten Ehemann zu finden, eher langatmig. Für die zeitgenössischen Leser war sie allerdings hochinteressant, zumal deutliche Parallelen zum aktuellen Hof erkennbar waren.

Interpretationsansätze

  • Thema des Romans ist die Liebe in all ihren Facetten. Dabei wird klar unterschieden zwischen der Liebe zwischen Eheleuten, die eher eine Art Freundschaft ist, und den romantischen, leidenschaftlichen Gefühlen zwischen Geliebten. Zentral ist die Grundhaltung, dass sich die Liebe weder erzwingen noch beeinflussen lässt: Niemandem kann vorgeworfen werden, wenn er sich in jemanden verliebt, obwohl er gebunden ist, oder wenn die Liebe etwa im Verlauf der Ehe erkaltet. Die Gefühle können nur durch Ablenkung oder Abstand gezügelt werden.
  • Die leidenschaftliche Liebe wird im Roman als etwas völlig Überraschendes dargestellt, das plötzlich in die Leben der Betroffenen tritt und sie aus der Bahn wirft. Dieser Zusammenhang von Leidenschaft und Überraschung wird auch von René Descartes in Die Leidenschaften der Seele beschrieben. Möglicherweise hat die Autorin in Descartes’ Text eine Art theoretische Basis für ihre Erzählung gefunden.
  • Der im Roman vor allem von Madame de Chartres vertretene Ansatz der Selbstliebe und Selbstachtung ist ein wichtiges Leitmotiv der französischen Klassik: die „amour propre“, die zu Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, aber auch zum Schutz der individuellen Autonomie rät. Diese Selbstliebe gerät im Roman in einen offenen Konflikt mit der leidenschaftlichen Liebe, die die Prinzessin für den Herzog empfindet.
  • Das ehrliche Geständnis, mit dem die Prinzessin den Konflikt beenden will, bewirkt allerdings das Gegenteil: Der Prinz von Clèves stirbt an seiner Eifersucht, seinem Misstrauen und seiner enttäuschten Liebe.
  • Die Frauen sind die Schlüsselfiguren des Romans. Sie halten am Hof die Fäden in der Hand und entscheiden über Politik, Hochzeiten und Karrieren. In vielen Fällen sind die Männer, allen voran der König, nicht mehr als Erfüllungsgehilfen.
  • Die Figuren haben die Möglichkeit, über ihr Leben, vor allem aber über ihre Liebesbeziehungen, selbst zu bestimmen. Insofern ist der Roman bereits als Teil der Aufklärung zu begreifen – er zeigt die Gefahren, die auf dem Gebiet der Liebe lauern, und ruft auf, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen bzw. wohlüberlegt mit dem eigenen Schicksal umzugehen.

Historischer Hintergrund

Frankreich im 17. Jahrhundert

Ab Beginn des 17. Jahrhunderts setzten die französischen Könige auf eine expansive Außenpolitik, auf eine Machtzunahme in Europa und auf den Absolutismus als Staatsform, also die Vereinigung der exekutiven, legislativen und judikativen Gewalt in der Person des Königs. Während der Regentschaft des jungen Ludwig XIII. übernahmen die Kardinäle Richelieu und Mazarin die Staatsgeschäfte. Innenpolitisch schafften sich beide nicht wenige Feinde: Unter anderem versuchten die sogenannten Frondeure über Jahre, die beiden Kardinäle zu stürzen; diese Bewegung wurde aber 1652 zerschlagen. Mit dem Eingriff in den Dreißigjährigen Krieg, nach dem Frankreich das Elsass zugesprochen bekam, konnte es seine Vormachtstellung gegenüber dem ehemals so mächtigen Spanien ausbauen. Die Folge war eine kulturelle Wende in Europa: An allen Höfen wurde bald Französisch gesprochen – was über Jahrhunderte die Sprache des europäischen Adels blieb.

Ludwig XIV. übernahm nach Mazarins Tod 1661 selbst die Regierungsgeschäfte und vereinte in seinen Händen als Sonnenkönig eine nie gekannte Machtfülle. Er reformierte Bürokratie, Militär und Wirtschaft. Die französische Kunst und die Wissenschaft erlebten durch seine Förderung einen enormen Aufschwung, sein prunkvoller Hof und seine Selbstinszenierung bleiben unübertroffen. Die Dramatiker Molière und Jean Racine verhalfen dem französischen Theater zu einer Hochblüte.

Vier große Kriege, darunter der Spanische Erbfolgekrieg, führten beinahe zum Staatsbankrott, bedeuteten aber auch einen enormen Zugewinn an Territorium. Mit der rücksichtslosen Vertreibung und Verfolgung der Protestanten wendete sich Ludwig gegen die vorherige tolerante Haltung und zwang Hunderttausende zur Flucht.

Entstehung

Madame de La Fayette arbeitete zusammen mit zwei Assistenten rund acht Jahre an dem Roman. Die Handlung spielt um 1560, rund 100 Jahre vor ihrer eigenen Zeit, als deutlich weniger strenge Moralvorstellungen galten. Wohl unter dem Eindruck ihrer intellektuellen Freunde und Bekannten, etwa des Literaten François de La Rochefoucauld, verlieh die Autorin ihren Figuren bereits Züge der bürgerlichen Emanzipation, ohne ihnen alle Freiheiten des alten Adelsstands zu nehmen. Das schillernde Hofleben von Versailles während der Regentschaft von Ludwig XIV. lieferte ihr vermutlich zahlreiche Vorlagen und Ideen.

In der Literatur des 17. Jahrhunderts war das Motiv der Liebe, die wie ein Blitz einschlägt, noch neu. Vorrangig wurde die Liebe als ein langsam wachsendes Gefühl beschrieben, das entsteht, wenn sich zwei Menschen nach und nach besser kennenlernen.

Wirkungsgeschichte

Madame de La Fayette veröffentlichte den Roman Die Prinzessin von Clèves 1678 zunächst anonym. Erst ging man davon aus, dass er von La Rochefoucauld verfasst wurde, später wurde Madame de La Fayettes Sekretär die Autorschaft zugeschrieben. Der Roman wurde vom französischen Publikum begeistert aufgenommen, fand er doch einen neuen Zugang zu einem der ältesten Themen der Menschheit. Nachdem die erste Auflage schnell vergriffen war, folgten bald Nachdrucke. Vor allem die Frage, ob eine Frau mit ihrem Mann offen über ihre Gefühle zu einem anderen sprechen sollte und darf, wurde heftig diskutiert. Das Kulturmagazin Mercure Galant führte gar eine entsprechende Umfrage durch.

Der Roman war stilbildend für zahlreiche Werke des 18. und 19. Jahrhunderts, insofern er sich nicht mit märchenhaft übersteigerten Romanzen, sondern mit psychologisch genauen Beobachtungen konkreter Geschehnisse beschäftigte. Diesen Schwerpunkt setzte auch der große französische Romancier Stendhal, der in einem Brief ehrfürchtig von der „göttlichen Prinzessin von Clèves“ sprach.

Heute gilt das Werk als einer der besten französischen Romane – wobei das moralisierende Ende bei Lesern und Kritikern allerdings selten gut ankam. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1961 nach einem Drehbuch von Jean Cocteau. 2009 wurde der Roman zum Politikum, als Nicolas Sarkozy sich über den Einsatz des Werks als Schullektüre lustig machte. Lehrer und Studenten protestierten, indem sie den ganzen Roman in einer sechsstündigen Lesung öffentlich vortrugen. Der Dokumentarfilm Nous, Princesses de Clèves von 2011 zeigt, wie sehr Die Prinzessin von Clèves junge Schüler und Schülerinnen aus bildungsfernen Milieus und mit Migrationshintergrund zu bewegen vermag.

Über die Autorin

Marie-Madeleine de La Fayette kommt am 18. Januar 1634 als älteste von drei Töchtern des gebildeten Adligen Marc Pioche de la Vergne und seiner deutlich jüngeren Frau Isabelle Péna in Paris zur Welt. Der Vater ist der Erzieher eines Neffen von Kardinal Richelieu und unterhält enge Kontakte zu den bedeutenden intellektuellen Kreisen der Stadt. Dadurch wird sie bald in diese Zirkel aufgenommen, verkehrt in den Salons der geistig Interessierten und erweitert in diesem Umfeld ihre Bildung. Nach dem Tod des Vaters heiratet ihre Mutter den oppositionellen Chevalier de Sévigné, der nach dem niedergeschlagenen Widerstand der Frondeure verbannt wird und so der 18-jährigen Marie-Madeleine beinahe eine angemessene Verbindung verbaut. Nur mit einer enormen Mitgift, die aufgebracht wird, indem die jüngeren Schwestern ins Kloster geschickt statt verheiratet werden, kann der deutlich ältere und finanziell angeschlagene Graf de La Fayette zu einer Heirat bewogen werden. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. Marie-Madeleine setzt sich mit Eifer dafür ein, dass ihr Mann sein verlorenes Vermögen zurückerhält. Sie schreibt einige wenige Texte, lässt ihre literarische Laufbahn dann aber wieder ruhen, um ganz das aufregende gesellschaftliche Leben in Paris zu genießen, das unter dem jungen Ludwig XIV. eine wahre Blüte erlebt. Durch ihre Freundschaft zu Henriette d’Angleterre, Ludwigs Schwägerin, findet sie ab 1661 auch direkten Zugang zum Hof. Daneben unterhält sie enge Kontakte zu oppositionellen Kreisen, unter anderem schließt sie Freundschaft mit dem Literaten La Rochefoucauld. Sie verfasst weitere Werke wie den historischen Roman Zayde, das Porträt Histoire d’Henriette d’Angleterre und ihren bekanntesten Roman La Princesse de Clèves (Die Prinzessin von Clèves). Um 1690 zieht sie sich vom Hof zurück und stirbt am 26. Juni 1693 in Paris.


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