Zusammenfassung von Die Verlobten

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Die Verlobten Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Historischer Roman
  • Romantik

Worum es geht

Die Liebe in den Zeiten der Pest

Als Alessandro Manzoni seinen Erfolgsroman Die Verlobten schrieb, waren die Grundübel der italienischen Gesellschaft offenbar schon die gleichen wie heute: Eine Hand wäscht die andere, einträgliche Posten werden nur unter Freunden vergeben, die Machthaber sind vor allem an der Wahrung ihrer Privilegien interessiert, und das Volk hat jeglichen Glauben an Staat und Gesetze verloren: Viva l’Italia! In dem um 1630 spielenden Werk wirft ein Landadliger sein lüsternes Auge auf ein keusches Bauernmädel. Die tugendhafte Schöne widersetzt sich dem Tyrannen durch ihren Glauben, doch sie und ihr Geliebter werden getrennt, und die beiden müssen einige Abenteuer überstehen, ehe sie endlich mehr als nur Verlobte sein können. Manzonis Klassiker geht über eine reine Liebesgeschichte weit hinaus; er malt das historische Panorama einer Zeit, die geprägt ist von Adelswillkür, Krieg und Pest, aber auch von christlicher Nächstenliebe und Solidarität der Armen. Der Roman ist in Italien Pflichtlektüre und als solche den meisten Schülern ein Gräuel. Dies, obwohl sich kaum ein Klassiker so geschmeidig und spannend liest.

Take-aways

  • Die Verlobten gilt als wichtigstes Werk der italienischen Romantik.
  • Inhalt: Ein skrupelloser Adliger vereitelt die Hochzeit zweier einfacher Leute, weil er das hübsche Mädchen zu seiner Geliebten machen will. Die Verlobten flüchten und werden getrennt, überleben Hungersnot, Krieg und Pest und werden schließlich durch das Wirken zweier Geistlicher glücklich miteinander vereint.
  • Hauptthema ist der ewige Kampf zwischen Gut und Böse: Die bösen Mächte werden durch Tugendhaftigkeit und Gottvertrauen besiegt.
  • Der Roman aus dem frühen 19. Jahrhundert spielt um das Jahr 1630 zur Zeit der spanischen Fremdherrschaft in Italien.
  • Der Autor kombiniert Historie und Fiktion, um aus den historischen Ereignissen eine moralische Lehre abzuleiten.
  • Seine realistische, eindringliche Schilderung der Großen Pest von 1630 gilt als unerreicht.
  • Die erste Ausgabe übertrug Manzoni in einem 13-jährigen Kraftakt aus dem lombardischen Dialekt in die toskanische Hochsprache.
  • Er trug so zur Bildung einer einheitlichen Literatursprache in Italien bei, eine Leistung, die mit Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche vergleichbar ist.
  • Manzoni wird als literarischer Wegbereiter der italienischen Einigung gewürdigt.
  • Zitat: „Friss, auf dass du nicht gefressen werdest, war der allgemeine Grundsatz.“
 

Zusammenfassung

Die geplatzte Hochzeit

Der Pfarrer Don Abbondio wird auf dem Weg zu seinem Haus in einem Dorf am Comer See von zwei so genannten Bravi aufgehalten: furchterregende, schwer bewaffnete Gestalten mit langem Haar, die im Dienst tyrannischer Adliger Angst und Schrecken verbreiten. Die beiden Halunken drohen Don Abbondio, ihn umzubringen, sollte er am folgenden Tag Renzo Tramaglino und Lucia Mondella trauen. Hinter dem Befehl steckt der mächtige Don Rodrigo, der offenbar ein Auge auf das hübsche Bauernmädchen Lucia geworfen hat. Don Abbondio zittert vor Angst. Als der Seidenspinner Renzo am Tag darauf fröhlich bei ihm auftaucht, um sich nach der Uhrzeit der Trauung zu erkunden, bittet der Pfarrer verlegen um Aufschub. Der junge Mann wird misstrauisch und bringt den wahren Grund für die Weigerung in Erfahrung. Vor Wut bebend geht er zum Haus seiner Braut und berichtet Lucia und ihrer Mutter Agnese von dem Unglück. Das fromme Mädchen erzählt weinend von ihrer Begegnung mit Don Rodrigo und einem anderen Adligen. Rodrigo hat offenbar mit diesem darauf gewettet, dass sie ihm gehören werde.

Die Tafel der Mächtigen

Renzo bittet den Rechtsanwalt Doktor Azeccagarbugli um Rat. Dieser hält ihn fälschlicherweise für einen Bravo, der sich aus einer misslichen Affäre ziehen möchte, und bietet ihm eifrig Rechtsbeistand an. Als er aber begreift, dass der arme Renzo vielmehr sein Recht gegen den allmächtigen Don Rodrigo durchsetzen möchte, wirft er ihn wütend aus dem Haus. Die gottesfürchtige Lucia hat inzwischen ihren Beichtvater, den Kapuzinermönch Pater Christoforus, benachrichtigt. Er wird als Heiliger verehrt, da er sich aufopfernd um das einfache Volk kümmert. Das war jedoch nicht immer so. In seinem früheren Leben war er ein reicher Kaufmannssohn, der einmal im Streit einen arroganten Edelmann tötete. Er bereute die Tat, trat in den Orden ein und ging sogar persönlich zur Familie des Opfers, um demütig um Verzeihung zu bitten.

„Friss, auf dass du nicht gefressen werdest, war der allgemeine Grundsatz.“ (S. 19)

Der Pater eilt nun sofort zum Schloss Don Rodrigos. Dort sitzen u. a. der Gerichtsvogt und Doktor Azeccagarbugli an der üppig gedeckten Tafel und debattieren angeregt über Ritterfragen. Der Pater versucht zunächst, Don Rodrigo mit sanften Worten von seinen Plänen abzubringen. Ohne Erfolg. Rodrigo droht dem Geistlichen und schlägt vor, Lucia solle sich „unter seine Protektion“ begeben. Christoforus nimmt dieses schändliche Angebot nicht an: Er verdammt Don Rodrigo und prophezeit ihm ein böses Ende. Erzürnt und erschrocken zugleich wirft der Hausherr den Pater hinaus.

Zwei Überfälle

Agnese schlägt vor, den Pfarrer zu überrumpeln: Lucia und Renzo sollen sich in seiner Gegenwart als verheiratet erklären, dann sei die Ehe offiziell gültig. Renzo ist von dem Plan begeistert, Lucia aber plagen Zweifel. Sie fürchtet, dass eine solche Ehe vor Gott keinen Bestand habe. Erst als ihr Verlobter in einem Wutanfall droht, Don Rodrigo umzubringen, gibt sie klein bei. Doch auch der Tyrann schmiedet Pläne: Sein Oberbravo der Graue soll Lucia entführen und sie zu ihm ins Schloss bringen. Während die Brautleute sich mit einiger List ins Haus des Pfarrers einschleichen, suchen die Bravi vergeblich nach Lucia. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Der Pfarrer bemerkt den Überfall und wirft Lucia eine Tischdecke über den Kopf, um sie daran zu hindern, ihren Teil des Gelübdes zu sprechen. Er ruft um Hilfe, die Kirchenglocken läuten Sturm, die Bauern stürzen aus ihren Häusern. Ein Botschafter kommt mit einer Nachricht vom Kloster: Renzo und Lucia sollen dort sofort Schutz suchen. Der Pater hat nämlich über einen Diener Don Rodrigos von den Entführungsplänen erfahren. Renzo, Lucia und Agnese laufen querfeldein zu Pater Christoforus, der sie mit Fluchtplänen und Empfehlungsschreiben gleich weiterschickt: die beiden Frauen zu einem Kloster in Monza und Renzo nach Mailand.

Die Nonne von Monza

Im Kloster nimmt sich Signora Gertraudis der beiden Frauen an. Sie ist eine rätselhafte, schöne Nonne aus einer reichen Adelsfamilie, deren Eltern einst die teure Mitgift sparen wollten und sie als junges Mädchen zum Eintritt ins Kloster zwangen. Gertraudis hat das nie überwunden. Im klösterlichen Gefängnis lebt die verbitterte Frau ein Doppelleben, lässt ihre üblen Launen an den Klosterschülerinnen aus und beginnt ein Verhältnis mit dem Verbrecher Egidio, der in der Nähe wohnt. Sie fragt die arme Lucia nach Einzelheiten ihrer Geschichte aus, die so pikant sind, dass das Mädchen vor Scham errötet. Renzo erreicht Mailand am Martinstag 1628. Er traut seinen Augen nicht: Während auf dem Land eine Hungersnot herrscht, liegen hier Mehl und Brot buchstäblich auf der Straße. Was er noch nicht weiß: Das Volk hat aus Protest gegen die Teuerung die Backstuben gestürmt, ausgeplündert und die Gerätschaften in Brand gesetzt. Renzo lässt sich von einer Menschenmenge bis zum Haus des Proviantverwesers mitreißen, der für die Verteilung der Kornvorräte verantwortlich ist. Der Pöbel fordert dessen Tod, doch das geht Renzo zu weit. Er hilft dabei, den Mann vor der aufgebrachten Menge in Sicherheit zu bringen.

Flucht nach Bergamo

Anschließend geht Renzo mit einem Fremden ins Wirtshaus, der seinem zunehmend betrunkenen Gerede mit unbewegter Miene zuhört. Als Renzo am Tag darauf verkatert aufwacht, wird er sofort verhaftet – der Trinkkumpan vom Vorabend war ein Informant. Auf der Straße ruft Renzo um Hilfe. Die noch immer wütende Menschenmenge umzingelt die Häscher und verhilft Renzo zur Flucht in Richtung Bergamo, wo die Mailänder Justiz keinen Zugriff auf ihn hat. In einem Wirtshaus kurz vor der Grenze lauscht er einem Gespräch über den Aufstand in Mailand. Es heißt nun, dass dieser auf die Verschwörung einiger Fremder zurückgehe, von denen der Rädelsführer entkommen sei. Renzo erschrickt. Es dämmert ihm, dass er zum Sündenbock gestempelt wurde. Rasch flieht er über den Grenzfluss Adda zu seinem Vetter Bortolo, der ihm Arbeit in seiner Seidenspinnerei anbietet. In Renzos Heimatdorf brodelt derweil die Gerüchteküche: Die Nachrichten über seine angeblichen Verbrechen in Mailand passen nicht zu dem Bild, das man von dem jungen Mann hatte.

Die Entführung der Braut

Don Rodrigo, der immer noch hinter Lucia her ist, lässt seine Beziehungen zu weltlichen und geistlichen Machthabern spielen und erwirkt eine Versetzung des Paters Christoforus nach Rimini. Dann bittet er den „Ungenannten“ um Hilfe, einen adligen Verbrecher und Geächteten, der für seine grenzenlose Grausamkeit bekannt ist und als Vogelfreier unbehelligt in einer abgeschiedenen Festung lebt. Der Ungenannte beauftragt seinen Vertrauten Egidio mit der Entführung Lucias aus dem Kloster in Monza, bereut seinen Befehl aber schon kurze Zeit darauf. Denn mit zunehmendem Alter ist er ins Grübeln gekommen, über Gott, den Tod und was danach sein könnte. Vorstellungen, über die er als junger Mann höhnisch gelacht hat, verfolgen ihn nun im Schlaf.

„Hast du noch nicht entdeckt, dass die Schwachen, wenn sie die Krallen zeigen, nur den Kürzeren ziehen?“ (Pater Christoforus zu Renzo, S. 92)

Gertraudis erschrickt über den Befehl Egidios, Lucia auszuliefern. Doch sie gehorcht und schickt die Unwissende mit einer Botschaft zum Kloster der Kapuziner. Auf halbem Weg fangen die Handlanger des Ungenannten sie ab und bringen sie in einer Kutsche zur Burg. Lucia schreit, jammert und betet, bis sie in Ohnmacht fällt. Der Ungenannte ist ergriffen von der Reinheit des Mädchens. Er verspricht, über eine Freilassung nachzudenken. Lucia betet in der Nacht inbrünstig zur Mutter Gottes und gelobt, für den Fall ihrer Rettung Renzo zu entsagen und für immer Jungfrau zu bleiben. Nach einer schlaflosen Nacht sieht der Ungenannte am Morgen einen Menschenauflauf in dem Tal vor seiner Burg. Der Grund: Kardinal Federigo Borromeo ist in dem Dorf zu Besuch. Er ist ein Freund der Armen und Unterdrückten und gilt fast schon als Heiliger. Ganz gegen seine Gewohnheit geht der Ungenannte ohne Waffen und Gefolge ins Tal, um den Kardinal zu treffen.

Vom Saulus zum Paulus

Das ganze Dorf ist in Aufregung, als der Gefürchtete sich nähert. Nur Federigo ist entzückt, da er eine einmalige Chance wittert: einen Erzverbrecher zu bekehren. Und es gelingt. Von nun an will der Ungenannte sein Leben ändern. Er berichtet dem Kardinal von dem Anschlag auf Lucia. Sofort beauftragt Federigo den ebenfalls im Dorf anwesenden Don Abbondio, das Mädchen aus der Festung zu holen. Der Pfarrer gehorcht nur widerwillig, denn er traut dem Bekehrten nicht und fürchtet die Rache Don Rodrigos. Dem ist die überraschende Wendung jedoch so peinlich, dass er überstürzt nach Mailand abreist. Federigo erfährt unterdessen von Agnese die ganze Geschichte der unglücklichen Brautleute und wird auch über die unrühmliche Rolle Don Abbondios ins Bild gesetzt. Der Bischof stellt den Pfarrer wegen der nicht vollzogenen Trauung zur Rede, trifft aber nur auf trotziges Unverständnis. Ob er etwa sein Leben hätte riskieren sollen, fragt Don Abbondio ungläubig. Im Zweifel ja, antwortet Federigo streng. Der Pfarrer hätte auf Gott vertrauen und seine Vorgesetzten um Hilfe bitten sollen. Für Lucia findet Federigo im Haus Don Ferrantes eine vorläufige Unterkunft. Als Agnese von Lucias Gelübde erfährt, beschließt sie, die Hälfte des Goldes, das der Ungenannte ihr zur Entschädigung für Lucias Entführung geschenkt hat, Renzo zukommen zu lassen. Dieser aber hält sich unter falschem Namen verborgen. Endlich gelingt es Agnese, brieflich Kontakt zu ihm aufzunehmen. So hört auch der Verlobte von dem Gelübde. Er schwört, das Gold nicht anzurühren und seine Braut zurückzugewinnen.

Hunger, Krieg und Pest

Die Hungersnot verschlimmert sich. Die Stadt Mailand leidet besonders, da durch den Volksaufstand die Kornvorräte dezimiert wurden, die noch für Monate hätten reichen sollen. In der Stadt wimmelt es von zerlumpten, frierenden Bettlern, selbst die Edelleute haben ihre Prunkgewänder abgelegt. Aus Angst vor Seuchen werden die Bettler in das Lazarett vor der Stadt getrieben, das eigentlich für die Beherbergung Pestkranker gedacht ist. Bald drängen sich dort 10 000 Menschen, täglich sterben über 100 wegen der unsäglichen Zustände. Derweil hält auf dem Land der Krieg Einzug: Horden plündernder und mordender deutscher Soldaten sorgen für Angst und Schrecken. Don Abbondio und Agnese suchen auf der Festung des Ungenannten Schutz, der nicht nur seine eigene Burg, sondern das ganze Tal gegen den Ansturm verteidigt. Nach dem Durchzug der Landsknechte finden die Dörfler ihre Häuser ausgeraubt, die Einrichtung verbrannt und zertrümmert. Während der Pfarrer noch den Verlust bejammert, naht schon das nächste Unglück: die Pest. In Mailand versucht man lange, die Seuche zu leugnen. Als die Menschen sich nicht mehr blind stellen können, machen sie Hexen und so genannte Salbenschmierer für die Krankheit verantwortlich.

„Mittagwärts erschimmerten andre zusammengeflossene leichte und flaumige Wolken in tausend unaussprechlichen Farben – der Himmel über der Lombardei, so schön, wenn er schön ist, so strahlend, so friedevoll.“ (S. 348)

Im August wird auch Don Rodrigo angesteckt. Er bittet den Grauen, einen Wundarzt zu rufen. Doch der Bravo bestellt stattdessen die Monatti, dunkle Gesellen mit Schellen am Fußgelenk, die die Pestkranken in die Lazarette schleppen und deren Häuser ausplündern. Zum Abschied von seinem Herrn durchwühlt der Graue dessen Kleider nach Geld – zwei Tage später stirbt er selbst an der Pest. Renzo, der die Krankheit gehabt und überwunden hat, beschließt, Lucia zu suchen. Was er in Mailand sieht, erschüttert ihn zutiefst. Eine dunkle Rauchwolke von den zahllosen Verbrennungen hängt über der Stadt. Renzo fragt sich mühsam zum Haus Don Ferrantes durch, nur um dort zu erfahren, dass Lucia mit der Pest ins Lazarett eingeliefert wurde. Als ihn eine ausgezehrte Frau der Salbenschmiererei bezichtigt, stürzt sich ein entfesselter Mob auf ihn. Mit einem Sprung auf einen Leichenkarren kann er sich retten und gelangt so zum Lazarett.

Glücklich vereint

16 000 Pestkranke drängen sich auf engstem Raum. In einer Hütte sieht Renzo unzählige Säuglinge – Waisenkinder, die von Ammen und von Ziegen gestillt werden. Inmitten der Menschenmassen trifft Renzo Pater Christoforus, der die Kranken pflegt. Als Renzo sich zu einem Wutanfall gegen Don Rodrigo hinreißen lässt und Rache schwört, weist der Pater ihn zurecht: Nur Gott könne als Richter walten. Dann führt er den jungen Mann an das Krankenlager Don Rodrigos, und Renzo verzeiht ihm. Im Frauenlager findet er endlich Lucia. Sie ist inzwischen genesen, fühlt sich aber an ihr Gelübde gebunden und weist Renzo von sich. Erst als der Pater sie von ihrer Verpflichtung entbindet, stimmt sie der so lange verhinderten Trauung zu. Don Abbondio ziert sich zwar erneut, als er von den Hochzeitsplänen hört. Doch als er die Gewissheit hat, dass Don Rodrigo tot und nicht mehr zu fürchten ist, willigt er ein. Der Nachfolger Don Rodrigos kauft Renzo sein Haus und Land im Dorf zu einem sehr großzügigen Preis ab. Mit dem Geld und dem Gold des Ungenannten erwirbt er im Bergamaskischen eine Spinnmühle und wird Spinnherr. Renzo und Lucia leben glücklich zusammen und haben viele Kinder.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Roman lässt sich in vier Teile und einen Epilog gliedern: Der erste spielt auf dem Land in der Nähe des Comer Sees, im zweiten folgt der Leser den Hauptpersonen auf ihrer Flucht nach Monza und Mailand, der dritte Teil führt den Ungenannten ein, der vierte handelt von Hungersnot, Krieg und Pest. Im Epilog wendet sich alles zum Guten und aus den Verlobten werden endlich Eheleute. Manzoni schafft die Fiktion einer wahren Geschichte: Der Erzähler behauptet, sich auf ein zerfleddertes, handschriftliches Dokument aus dem 17. Jahrhundert zu stützen, dessen Inhalt er nun mit eigenen Worten wiedergebe. In dieser Funktion als angeblicher Nacherzähler greift er mehrfach in das Geschehen ein, kommentiert es ironisch oder liefert seitenlange Erläuterungen der historischen Umstände. Mit seinen eindringlichen, bildhaften Beschreibungen von menschlichen Gefühlen, Schicksalen und Naturschauspielen ist Manzoni seiner Zeit um Längen voraus. Vor allem die Passagen über die Pest in Mailand lesen sich fast wie das Drehbuch zu einem Film. Oft schreibt Manzoni aus der Perspektive seiner Figuren und lässt den Leser damit tief in deren Seelen blicken.

Interpretationsansätze

  • In Die Verlobten geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der sich an der Liebe zweier einfacher Leute aus dem Volk entscheidet: Tugendhafte und gütige Menschen wie der Pater, der Kardinal und der bekehrte Ungenannte stellen sich erfolgreich den bösartigen oder feigen Typen wie Don Rodrigo oder Don Abbondio entgegen.
  • Die Pest, an der Don Rodrigo zugrunde geht, während Renzo und Lucia sie überleben, steht für die göttliche Gerechtigkeit. Die alttestamentarische Vorstellung von einem rachsüchtigen Gott liegt dem aufgeklärten Manzoni aber fern. Vielmehr ist sein Gott ein barmherziger Richter. Der Ungenannte erhält z. B. trotz seines ruchlosen Lebens eine Chance zur Umkehr und wird gerettet.
  • Der Autor integriert historische Persönlichkeiten (z. B. Kardinal Federigo Borromeo) und historische Ereignisse (z. B. den Mailänder Brotaufstand) in die fiktionale Handlung, um am Ende aus der Geschichte eine moralische Lehre abzuleiten, die stark religiös geprägt ist: Vertrau auf Gott, sei gütig, großzügig und verzeih deinen Feinden.
  • Dieses christlich gefärbte Ideal reibt sich an der Realität der Kirche: Charaktere wie der feige Don Abbondio oder die verbitterte Nonne Gertraudis sowie der während der Pestepidemie grassierende Aberglaube machen die Schwachstellen der Kirche und ihrer Lehre deutlich.
  • Lucia und Renzo sind ein ungleiches Paar: Lucia repräsentiert das Ideal der tugendhaften, bescheidenen und mildtätigen Schönen, sie ist ein fast unwirkliches Abziehbild der unbefleckten Madonna. Renzo ist dagegen sehr viel realer gezeichnet: als braver, aber temperamentvoller Mann, der oft irrational handelt und mit dem sich ein Großteil der Leserschaft identifizieren kann.
  • Korruption, Vetternwirtschaft und die zynische Verachtung der Gesetze innerhalb der gebildeten und begüterten Machtelite sind die Grundübel der Gesellschaft. Diese vernichtende Analyse der norditalienischen Verhältnisse im 17. Jahrhundert ist im heutigen Italien noch immer erschreckend aktuell.

Historischer Hintergrund

Die italienische Romantik

Die im Roman erzählte Geschichte spielt von 1628 bis 1630, zur Zeit der spanischen Fremdherrschaft in der Lombardei. Den Hintergrund bilden reale Ereignisse wie die Mailänder Hungersnöte und der Brotaufstand von 1628 sowie der Mantuanische Erbfolgekrieg, ein Nebenschauplatz des Dreißigjährigen Krieges, auf dem Frankreich gegen die spanischen Habsburger um die Vorherrschaft in Norditalien kämpfte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Großen Pest von 1630, an der etwa zwei Drittel der lombardischen Bevölkerung starben.

Zur Zeit der Entstehung des Romans, etwa 200 Jahre später, hatten die Österreicher den Platz der Spanier eingenommen. Der Hass gegen diese Fremdherrschaft und das erwachende italienische Nationalbewusstsein während der Zeit des Risorgimento (italienische Einigungsbewegung, 1815–1870) schlug sich auch in der Literatur nieder. Ausgehend von der deutschen Romantik entwickelte sich in Italien ebenfalls eine romantische Bewegung. In dem Land, in dem nur ca. 2 % der Bevölkerung die italienische Schriftsprache beherrschten, war das Hauptziel der Romantiker die Entwicklung einer einheitlichen italienischen Literatursprache. Die neue italienische Literatur sollte nach ihrer Ansicht die Perspektive des Volkes einnehmen, die Regelhaftigkeit der Klassiker abstreifen und mit neuen Stilformen experimentieren. Der klassizistische Schwerpunkt auf der Mythologie wurde durch die Beschäftigung mit der Geschichte, vor allem der nationalen, ersetzt. Alessandro Manzoni gilt als wichtigster Vertreter der italienischen Romantik.

Entstehung

Von dem Roman existieren zahlreiche Fassungen, da der Autor sein Werk ständig erweiterte. Zwischen 1821 und 1823 entstand der erste Entwurf unter dem Titel Fermo e Lucia. Er wurde erst im 20. Jahrhundert veröffentlicht, weil Manzoni mit dieser Version unzufrieden war. Er ersetzte „Fermo“ durch den volkstümlicheren Namen „Renzo“ und schrieb den Roman in weiten Teilen um. 1825/26 ging eine dreibändige und vollständige Fassung in Druck, sie erschien 1827. Doch Manzoni sah das teilweise im lombardischen Dialekt geschriebene Werk immer noch nicht als vollendet an. In einem 13-jährigen Kraftakt übertrug er den Roman in die toskanische Hochsprache. Seit Dante und Boccaccio galt sie vielen als die schönste und reinste Form des Italienischen, und der Autor teilte diese Ansicht. Weil er selbst nur Lombardisch und Französisch sprach, ging er nach Florenz, um sich das lebendige, gesprochene Toskanisch anzueignen und seinen Roman „einer Spülung in den Gewässern des Arno“ zu unterziehen. Die endgültige Fassung erschien 1840–1842. Einige Romanfiguren haben historische Vorbilder, etwa der Vater der Nonne von Monza, der Ungenannte oder der Kardinal Borromeo. Nicht umsonst bezeichnete Manzoni den schottischen Meister des historischen Romans, Walter Scott, als sein literarisches Vorbild.

Wirkungsgeschichte

Schon bei seiner Erstveröffentlichung war der Roman ein großer Publikumserfolg und wurde sogleich ins Deutsche und Englische übersetzt. Manzoni schickte Johann Wolfgang von Goethe eines der ersten Exemplare. Der Dichterfürst hatte bereits andere Werke des Italieners gelesen und gelobt. Von dem Roman war er schlichtweg begeistert: Er „überflügelt alles, was wir in dieser Art kennen“, sagte er im Gespräch mit seinem Vertrauten Johann Peter Eckermann. Manzoni habe „Sentiment, aber er ist ohne alle Sentimentalität“. Goethe kritisierte allerdings den historischen Teil des Buchs über Hungersnot, Krieg und Pest, in dem der Autor nach seinen Worten „mit einem Mal den Rock des Poeten auszieht und eine ganze Weile als nackter Historiker dasteht“. Goethes Ratschlag an den Übersetzer, die bemängelten Passagen nicht oder nur sehr verkürzt wiederzugeben, befolgte dieser nicht.

Die Verlobten gilt als der größte und wichtigste Roman der modernen italienischen Literatur. Viele Interpreten vergleichen ihn aufgrund seiner Wirkung und des Wiedererkennungswerts einzelner Passagen mit Goethes Faust im deutschen Sprachraum. Bezüglich der Herausbildung einer allgemeinen italienischen Literatursprache lässt sich das Werk am ehesten mit der Bibelübersetzung durch Martin Luther vergleichen, die für die deutsche Sprache eine ähnliche Bedeutung hatte. Ganz im Sinn der Romantiker war der literarische Bestseller auch von politischer Bedeutung, indem er zur Entwicklung eines italienischen Nationalbewusstseins beitrug und so die Einigung Italiens vorantrieb. Heute beendet in Italien keiner eine weiterführende Schule, ohne sich ausgiebig mit dem Werk beschäftigt zu haben. Die übertriebene Kanonisierung brachte ihm schließlich den unverdienten Ruf eines verstaubten Klassikers ein. Umberto Eco sagte dazu: „Ich liebe diesen Roman, weil ich das Glück hatte, ihn zu lesen, bevor ich in der Schule damit gequält wurde.“

Über den Autor

Alessandro Manzoni wird am 7. März 1785 in Mailand geboren. Sieben Jahre später trennen sich seine Eltern. Die Mutter geht eine neue Verbindung ein und zieht nach Paris. Der als lernschwach geltende Manzoni wird in katholischen Internaten von Geistlichen erzogen. Mit 16 Jahren beschließt er, seine Studien privat fortzusetzen. Er freundet sich mit Schriftstellern an und entdeckt seine Liebe zur Poesie. 1805 zieht er zu seiner Mutter nach Paris, wo er mehrere aufklärerische Freidenker und Wissenschaftler kennen lernt. 1808 heiratet er die Schweizerin und Protestantin Henriette Blondel. Zwei Jahre später tritt diese zum Katholizismus über, und auch Manzoni wendet sich wieder seiner Religion zu. Die beiden kehren endgültig nach Mailand zurück. Die religiöse Bekehrung führt zu einer literarischen Kehrtwende: Zwischen 1812 und 1822 entstehen seine Inni sacri (Heilige Hymnen). Manzoni freundet sich immer mehr mit der Romantik an. In seiner ersten Tragödie Il Conte di Carmagnola (Der Graf von Carmagnola, 1820) bricht er mit den Regeln des Klassizismus. Danach widmet er sich hauptsächlich seinem einzigen Roman I promessi sposi (Die Verlobten), dessen erste Fassung 1827 erscheint. Zeitgenossen beschreiben den Dichter als sanftmütig und von trauriger Heiterkeit. Er spricht auf eine gehemmte Art und wagt aufgrund eines Nervenleidens nicht, allein auszugehen. Privat muss der mittlerweile in ganz Italien berühmte Schriftsteller einige Schicksalsschläge hinnehmen: 1833 stirbt seine geliebte Frau Henriette, und von den neun Kindern aus dieser Ehe überleben ihn nur zwei. Auch seine zweite Ehefrau stirbt vor Manzoni, im Jahr 1861. Der Tod seines ältesten Sohnes im April 1873 setzt ihm besonders zu. Manzoni erkrankt knapp einen Monat später an einer Hirnhautentzündung und stirbt am 22. Mai 1873. Die Trauer in Italien ist groß, die Beisetzung ist von fast königlichem Prunk. Manzoni zu Ehren komponiert Giuseppe Verdi sein berühmtes Requiem, das am ersten Todestag des Dichters uraufgeführt wird.


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