Zusammenfassung von Eine Geschichte aus zwei Städten

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Eine Geschichte aus zwei Städten Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Historischer Roman
  • Viktorianische Ära

Worum es geht

Sei gewarnt, England

Dickens’ Roman Eine Geschichte aus zwei Städten war eine Mahnung an Englands Oberschicht, das revolutionäre Potenzial der Unterschicht nicht zu unterschätzen. Am Beispiel der Französischen Revolution zeigte Dickens seinen Landsleuten, wie ein menschenfeindliches Klassensystem zwangsläufig zu dessen eigenem Untergang führt. Unter dem Eindruck der Revolutionen in Kontinentaleuropa und des Aufkommens der kommunistischen Idee legte Dickens den Finger in die Wunde: Er thematisierte den Gegensatz zwischen Arm und Reich. In der Rezeption waren besonders für Dickens’ Zeitgenossen der Aspekt der Warnung und der Appell an eine christlich fundierte Menschlichkeit vorherrschend. Für heutige Leser ist der Roman vor allem ein atmosphärisch dichtes, düsteres und spannendes Historiendrama – mit einem Happy End, das für die nervenaufreibende Lektüre entschädigt.

Take-aways

  • Eine Geschichte aus zwei Städten ist der zweite der beiden historischen Romane des englischen Romanciers Charles Dickens und sein meistverkauftes Werk.
  • Inhalt: Charles Darnay, ein nach England emigrierter französischer Adliger, gerät bei seiner Rückkehr nach Frankreich in die blutigen Wirren der Revolution. Unschuldig zum Tod verurteilt, wird er von seinem Doppelgänger Sydney Carton gerettet: Aus Liebe zu Darnays Frau steigt Carton selbstlos an Darnays Stelle aufs Schafott.
  • Das Motiv der Dreierbeziehung und das Opferthema stammen aus dem Theaterstück The Frozen Deep, das Dickens 1857 zusammen mit Wilkie Collins verfasste.
  • Die Erzählung lebt von der dichten, düsteren Atmosphäre voller Anklänge an die Schauerromantik.
  • Die Französische Revolution erscheint im Roman als eine Art Naturgewalt. Dickens sympathisierte mit den Zielen der Revolution, lehnte aber ihre Mittel ab.
  • Der Roman übt Kritik an den Klassengegensätzen und kann als Warnung an die englische Oberschicht verstanden werden.
  • Zur Zeit der Abfassung verbreitete sich die Idee des Kommunismus in Europa.
  • Zum Zweck historischer Genauigkeit bediente sich Dickens bei Thomas Carlyles Abhandlung über die Französische Revolution.
  • Der Roman erschien in wöchentlichen Fortsetzungen in der Zeitschrift All the Year Round.
  • Zitat: „Ich sehe die Menschen, für die ich mein Leben opferte, im Frieden und Wohlstand, nützlich und glücklich, daheim in jenem England, das mein Auge nicht mehr schauen wird.“
 

Über den Autor

Charles Dickens wird am 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth als eines von acht Kindern eines Marinezahlmeisters geboren. Weil die Familie über ihre Verhältnisse lebt und der Vater Schuldscheine nicht einlösen kann, kommt sie in ein Schuldgefängnis. Der zwölfjährige Charles wird Hilfsarbeiter in einer Fabrik, um selbst seinen Unterhalt bestreiten zu können. Die Erlebnisse der Kinderarbeit traumatisieren den Jungen und prägen später einen Großteil seines literarischen Werks. Als die Familie aufgrund einer Erbschaft des Vaters wieder freikommt, kann Charles Dickens seine Schulausbildung fortsetzen. Mit 15 Jahren wird er Schreiber in einem Anwaltsbüro. Bald darauf steigt er zum Gerichts- und Parlamentsreporter auf. 1836 heiratet er Catherine Hogarth, die Tochter eines Journalistenkollegen. Als er 1836/37 seine Episodenreihe Die Pickwickier (The Pickwick Papers) veröffentlicht, erlangt er schnell in ganz England Berühmtheit. Der nachfolgende Fortsetzungsroman Oliver Twist (1837/38) festigt seine Popularität. Er gibt mehrere Zeitschriften heraus und verfasst Kurzgeschichten und Romane. 1849/50 arbeitet Dickens an David Copperfield, einem Werk, das stark autobiografische Züge trägt. Nach 1852 erscheinen seine großen Spätromane Bleakhaus (Bleak House), Schwere Zeiten (Hard Times) und Große Erwartungen (Great Expectations). 1858 trennt sich Dickens von seiner Frau, mit der er inzwischen zehn Kinder hat. Gegen Ende seines Lebens unternimmt er ausgedehnte Lesereisen in Europa und Amerika. Weil sich seine Gesundheit zunehmend verschlechtert, erwirbt er 1868 den Landsitz Gad’s Hill Place bei Rochester. Am 9. Juni 1870 stirbt er dort an einem Schlaganfall. Als Schriftsteller von nationaler Bedeutung wird er in der Dichterecke der Westminster Abbey beigesetzt.

 

Zusammenfassung

Ins Leben zurückgerufen

Im Jahr 1775 befindet sich eine Kutsche auf dem Weg von London nach Dover. Passagier Jarvis Lorry, ein Bankangestellter, trifft in einem Gasthaus in Dover die hübsche Lucie Manette, eine etwa 17-jährige Waise. Lorry eröffnet dem Mädchen, dessen tot geglaubter Vater, der einst renommierte Arzt Dr. Manette, sei gar nicht tot, sondern habe lange Jahre in Paris in einem Kerker verbracht. Jetzt sei er frei. Lorrys Aufgabe sei es nun, den einstigen Geschäftspartner zu identifizieren, und diejenige seiner Tochter, dem Vater Trost zu spenden.

„Es war die beste und die schlimmste Zeit, ein Jahrhundert der Weisheit und des Unsinns, eine Epoche des Glaubens und des Unglaubens, eine Periode des Lichts und der Finsternis: Es war der Frühling der Hoffnung und der Winter der Verzweiflung (…)“ (S. 11)

In der Pariser Vorstadt Saint-Antoine herrschen Verwahrlosung und Armut. Defarge, der Betreiber eines Weinlokals, ist ein ehemaliger Bediensteter von Dr. Manette. Jetzt versteckt er ihn in einer Kammer. Defarge bringt Lorry und Lucie zu Dr. Manette. Der Anblick des geistig verwirrten Mannes schockiert die Besucher. Dr. Manette fertigt im Halbdunkel manisch einen Damenschuh. Er glaubt sich noch immer im Kerker. Lucie gibt sich ihrem Vater zu erkennen. Ohne zu wissen, ob er sie versteht, nehmen Lucie und Lorry Dr. Manette mit.

„Es ist ein seltsamer Zufall, dass wir beide, ich und Ihr, so zusammengeworfen wurden. Oder kommt es Euch nicht auch seltsam vor, dass Ihr in dieser Nacht allein mit Eurem Ebenbild hier auf dem Straßenpflaster steht?“ (Carton zu Darnay, S. 118)

London, 1780: Charles Darnay, ein attraktiver junger Mann, ist wegen Hochverrats angeklagt. Man wirft ihm vor, geheime Pläne der Engländer an die Franzosen verraten zu haben. In der Verhandlung gelingt es dem Verteidiger Mr. Stryver, die Zeugen der Anklage als unglaubwürdig zu entlarven. Lorry, Lucie sowie ihr inzwischen genesener Vater werden ebenfalls als Zeugen befragt.

„Glanzlos ging die Sonne auf; aber sie beschien nichts Traurigeres als diesen Mann von guten Anlagen und edlen Gefühlen, der seine Fähigkeiten nicht zu verwenden und sich selbst nicht zu helfen vermochte (…)“ (über Carton, S. 130)

Um die Anklage zu demontieren, präsentiert Stryver seinen Kollegen Sydney Carton, der große Ähnlichkeit mit Darnay aufweist. Es gelingt Stryver, die Zeugen zu verunsichern, und am Ende wird Darnay freigesprochen. Der zynische Carton sieht in seinem physischen Doppelgänger Darnay, was er selbst unter anderen Umständen hätte sein können. Spätabends sucht Carton Stryver auf, um mit ihm die nächsten Fälle zu besprechen.

Leben in London und Sterben in Paris

Jarvis Lorry ist mit Dr. Manette mittlerweile näher befreundet. Eines Tages trifft er beim Besuch nur die Haushälterin und mütterliche Freundin von Lucie, Miss Pross, an. Lorry fragt sie, ob sich Dr. Manette je über den Grund seiner langen Inhaftierung geäußert habe. Miss Pross schildert die psychischen Qualen, die Dr. Manette noch immer durchlebt, doch den Grund der Einkerkerung kennt sie nicht.

„‚Wir haben Unrecht getan‘, versetzte der Neffe, ‚und ernten jetzt die Früchte unseres Unrechts.‘“ (Charles zum Marquis St. Evrémonde, S. 174)

Nach einem Empfang bei dem mächtigen Höfling „Monseigneur“ verlässt der Marquis St. Evrémonde dessen Palast in Paris. Auf der rücksichtslos rasanten Fahrt zurück zu seinem Landsitz gerät ein Kind unter den Wagen und stirbt. Der Marquis meint, den verzweifelten Vater mit einer Münze entschädigen zu können. Defarge ist Zeuge der Szene. Ein Straßenarbeiter berichtet dem Marquis etwas später, er habe unter dessen Wagen einen geheimnisvollen Mann gesehen. In seinem Palast angekommen erwartet der Marquis die Ankunft seines Neffen, Charles Darnay. Kaum ist Darnay eingetroffen, erklärt er seinem Onkel, dass er auf Titel und Besitz verzichte, da sich mit beidem nur verhasstes Ausbeutertum verbinde. Der Marquis ist ein Aristokrat von altem Schrot und Korn und vertritt vehement die herrschende Ständeordnung samt Unterdrückung der Armen. Darnay widerspricht im Namen der Menschlichkeit. Am folgenden Morgen wird der Marquis tot aufgefunden. An dem Messer in seiner Brust ist ein Zettel. Darauf bekennt sich ein gewisser Jacques zu der Tat.

Männer mit und ohne Zartgefühl

Ein Jahr später hat sich Charles Darnay als Lehrer in London etabliert. Bei einem Besuch bei Dr. Manette gesteht er diesem seine Liebe zu Lucie. Dr. Manette ist einerseits gerührt, andererseits beunruhigt; er sichert ihm aber seine Unterstützung zu. Im Gegenzug will Darnay ihm seine wahre Identität offenbaren. Dr. Manette will das Geheimnis aber gar nicht hören. Erst am Tag der Hochzeit soll Darnay ihn einweihen. Am Abend erleidet Dr. Manette einen Rückfall in sein durch die Kerkerhaft verursachtes Leiden. Am selben Abend eröffnet Stryver seinem Kompagnon Carton, er gedenke Lucie Manette zu heiraten. Carton betrinkt sich daraufhin heftig, gibt aber vor, dass Stryvers Plan ihm nichts ausmache. Am folgenden Tag sucht Stryver Jarvis Lorry in der Bank auf, um ihm seine Absicht mitzuteilen. Lorry ist peinlich berührt und überredet Stryver, seine Werbung nicht vorzutragen, da sie keine Aussicht auf Erfolg habe. Stryver, der es nicht riskieren will, einen Korb zu bekommen, lässt seinen Plan fallen.

„(…) so denkt hin und wieder daran, dass es einen Menschen gibt, der bereitwillig sein Leben hingäbe, um ein Leben, das Ihr liebt, an Eurer Seite zu erhalten.“ (Carton zu Lucie, S. 214)

Bei einem Besuch trifft Carton Lucie Manette allein zu Hause an. Überwältigt von seinen Gefühlen für Lucie gibt er ihr einen Einblick in sein verpfuschtes Leben. Er beklagt verpasste Chancen, falsche Freunde und seine Trunksucht, und er dankt Lucie für einige lichte Momente, die er nicht mehr für möglich gehalten habe. Er weiß aber, dass er ihr seine Person nicht zumuten kann und darf. Als Beweis seiner uneigennützigen Zuneigung kündigt er an, alles in seiner Macht Stehende für Lucies Glück zu tun – und sollte es sein Leben kosten.

Das Schicksal wird gestrickt

In Defarges Pariser Weinlokal berichtet der Straßenarbeiter, der vor einem Jahr die Gestalt unter der Kutsche des ermordeten Marquis gesehen hat, Soldaten hätten diese Gestalt nun ergriffen und gehängt. Der Hingerichtete war der Vater des überfahrenen Kindes. Eine Bittschrift, die Defarge dem König überreicht hatte, konnte die Exekution nicht verhindern. Defarge ist Mitglied einer Gruppe von Revolutionären, die sich alle mit „Jacques“ anreden und die Pläne zur Vernichtung der gesamten Aristokratie spinnen. Madame Defarge erstellt schon lange eine geheime Todesliste in Form einer Strickarbeit. Eines Tages bekommt ihre Weinstube Besuch von einem Spion namens Barsad. Der berichtet, dass Lucie Manette den Neffen des ermordeten Marquis, Charles Darnay, heiraten wird. Madame Defarge setzt Darnays Namen auf die Liste, während Defarge aus alter Anhänglichkeit an Dr. Manette noch an dem Vorhaben zweifelt.

„Es dunkelte so sehr um die Weiber her, die strickend und strickend dasaßen, dass um sie selbst der düstere Schatten eines noch nicht errichteten Bauwerks aufwuchs, vor dem sie sitzen wollten, um zu stricken, zu stricken und fallende Köpfe zu zählen.“ (S. 260)

London: Am Morgen der Hochzeit erscheint Dr. Manette nach einem Gespräch mit Darnay leichenblass. Die Vermählten brechen in die Flitterwochen auf. Dr. Manette verfällt unmittelbar nach der Abreise seiner Tochter und ihres Gatten in seinen alten Kerkerzustand. Manisch beginnt er wieder an seiner Schuhbank zu werkeln. Neun Tage lang versucht Lorry, Dr. Manette aus seinem Zustand, von dem Lucie und Darnay nichts ahnen, zu befreien.

Die Ruhe und der Sturm

Am zehnten Tag erholt sich Dr. Manette. Er glaubt sich nun sicher vor einem erneuten Rückfall. Lorry redet mit Dr. Manette und erhält von diesem schließlich die Zustimmung, die Schuhbank und das Werkzeug wegschaffen zu dürfen. Als Dr. Manette zu seiner Tochter und seinem Schwiegersohn abreist, zerstören Lorry und Miss Pross diese Zeugnisse der Kerkerhaft. Nachdem Dr. Manette und das Ehepaar zurück in London sind, gesellt sich auch Carton zu der Familie. Er überbringt als Erster Glückwünsche und bittet Darnay um seine Freundschaft. Er erhält sie und wird zum Vertrauten der Darnays. Die Jahre vergehen. Lucie bringt eine Tochter zur Welt und auch einen Sohn, der aber jung stirbt. Die Familie lebt in stillem, bescheidenem Glück. 1789 bricht in Paris die Revolution los. Defarge und seine Frau kämpfen an vorderster Front bei der Erstürmung der Bastille. Der Gouverneur der Festung wird getötet, Madame Defarge selbst enthauptet ihn. Das wütende Volk zieht mordend durch Paris und übers Land. Das Schloss des Marquis St. Evrémonde wird niedergebrannt. In dem Dorf, in dem der Mörder des Marquis gehängt worden ist, setzt man den ehemaligen Steuereintreiber Gabelle fest.

Charles Darnays Kerker in Frankreich

Drei Jahre vergehen. Jarvis Lorry soll nach Paris entsandt werden, um bei der dortigen Filiale der Bank zu retten, was noch zu retten ist. Lorry besitzt einen Brief an den Neffen des Marquis St. Evrémonde. Darnay, der seine wahre Identität nur Dr. Manette offenbart hat, gibt vor, den jungen Marquis zu kennen, und nimmt den Brief an sich. Es handelt sich um einen Hilferuf des inhaftierten Gabelle. Als Aristokrat, der bewusst auf seinen Titel und sein Erbe verzichtet hat, glaubt sich Darnay vor den Revolutionären sicher. Heimlich bricht er auf. In Paris nimmt Defarge Darnay in Empfang und bringt ihn ins Gefängnis La Force. Hier wird er in eine Einzelzelle gesteckt. Lucie und Dr. Manette sind Darnay nach Frankreich gefolgt und suchen Lorry in Paris auf. Sie teilen ihm mit, dass Darnay gefangen gehalten wird. Die Revolutionäre schärfen unterdessen ihre Waffen, um ein Blutbad unter den Inhaftierten anzurichten. Dr. Manette gewinnt als ehemaliger Bastille-Häftling die Sympathien der Menge und erreicht, dass sein Schwiegersohn nicht getötet wird. Er selbst wird zum Inspektionsarzt von La Force und kann so den Kontakt zu Charles halten.

„Eine erbarmungslose See wild hin und her bewegter Gestalten, rachedürstender Stimmen und in dem Glutofen der Leiden so sehr gehärteter Gesichter, dass sie von keinem Mitleid mehr angerührt werden konnten.“ (S. 306)

Lucie wartet 15 Monate mit ihrer Tochter und Miss Pross in einer Pariser Wohnung auf Charles’ Freilassung. Die Gefängnisse füllen und leeren sich wieder, die Guillotine wird zum kultisch verehrten Instrument, das Volk befindet sich im permanenten Blutrausch. Eines Tages eröffnet Dr. Manette seiner Tochter, dass er für den Folgetag einen Prozess für Charles erwirkt hat. Das Tribunal tagt, und es gelingt dem beliebten Arzt, den Schwiegersohn zu retten. Erstmals ist Dr. Manette der Starke in der Familie. Nur einen Tag später wird Darnay aber erneut festgenommen. Angeklagt von den Defarges, wird er abgeführt und muss am folgenden Tag vor das Tribunal.

„,Du magst deinem Aussehen nach Madame Luzifer selber sein‘, sagte Miss Pross für sich; ,aber gleichwohl sollst du mir nichts anhaben können. Ich bin eine Engländerin.‘“ (S. 506)

In einem Wirtshaus findet Miss Pross ihren verloren geglaubten Bruder wieder. Es ist der Spion Barsad. Carton, der sich jetzt ebenfalls in Paris befindet, identifiziert diesen als einen der Zeugen gegen Darnay, damals in London. Er war außerdem Spion für die Aristokratie in Defarges Weinlokal und ist jetzt Schließer in Darnays Gefängnis. Als überführter Doppelagent ist Barsad erpressbar. Carton erhandelt sich als Gegenleistung für sein Schweigen Zutritt zu Darnays Zelle.

Enthüllung, Bedrohung und ein tödlicher Plan

Darnays Sache wird vor Gericht verhandelt. Dort kommen einige Geheimnisse ans Licht. Es stellt sich heraus, dass Defarge beim Sturm auf die Bastille in Dr. Manettes alter Zelle ein geheimes Schriftstück des Doktors gefunden hat, das die Umstände seiner Einkerkerung erklärt: 1757 holten die adligen Brüder St. Evrémonde – der Vater und der Onkel von Charles Darnay – den Doktor zu einer sterbenden Frau und einem schwer verwundeten Jungen. Darnays Onkel hatte die Frau vergewaltigt, ihren Mann töten lassen und ihren Bruder, den Jungen, niedergestochen. Die Sorge der Brüder St. Evrémonde galt allerdings nicht dem Leben ihrer Opfer, sondern einzig dem möglichen Skandal. Dr. Manette konnte seine Patienten nicht retten. Er erhielt am nächsten Tag Besuch von der Frau des Marquis St. Evrémonde mit ihrem kleinen Sohn Charles. Sie wusste, was ihr Schwager getan hatte, und bat Dr. Manette, der einzig überlebenden und versteckten Schwester seiner beiden verstorbenen Patienten zu helfen. Dr. Manette, der den Aufenthaltsort der Schwester nicht kannte, entschloss sich, den ganzen Vorfall zu melden. Sein Brief wurde aber von den St. Evrémondes abgefangen. Dr. Manette kam ins Gefängnis.

„Ich sehe die Menschen, für die ich mein Leben opferte, im Frieden und Wohlstand, nützlich und glücklich, daheim in jenem England, das mein Auge nicht mehr schauen wird.“ (Carton, S. 518)

Seine nun gefundene Niederschrift dieser Ereignisse führt ungewollt zur Anklage gegen Charles Darnay. Das Tribunal verhängt die Todesstrafe über den unschuldigen Nachfahren der verbrecherischen Brüder. Am Abend sucht Carton das Weinlokal der Defarges auf. Dort erfährt er, dass Madame Defarge in Wirklichkeit die Schwester der Opfer ist. Voll Rachsucht fordert sie nun auch die Verurteilung aller Familienmitglieder von Charles Darnay – sogar seiner Tochter. Carton fasst einen Entschluss. Er wird der Familie einen letzten Dienst erweisen. Unterdessen verfällt Dr. Manette erneut in seine alte Starre.

Cartons letzter Dienst

Mithilfe des Spions Barsad gelangt Carton in Darnays Zelle, betäubt den Gefangenen, tauscht mit ihm die Kleider und nimmt seinen Platz ein. Barsad bringt den besinnungslosen Darnay zu seiner Familie zurück. Per Kutsche und mit den Papieren von Carton ausgestattet, verlassen Lorry, Dr. Manette und die Darnays Paris. Unterdessen sucht Madame Defarge die Wohnung der Manettes auf, um weitere Punkte für ihre Anklage zu sammeln. Als sie dort nur Miss Pross antrifft, ahnt sie, dass die Familie geflohen ist. Die beiden Frauen kämpfen. Madame Defarge zieht eine Waffe. Miss Pross schlägt danach. Ein Schuss löst sich und tötet Madame Defarge. Miss Pross wird von dem Schuss taub und verlässt schließlich unerkannt die Stadt. Auf seinem Weg zur Guillotine schöpft Carton Trost aus seiner Opfertat. Eine junge Näherin, die ebenfalls hingerichtet werden soll, hat ihn erkannt. Sein Opfermut inspiriert und beruhigt sie. Beide treten den Gang auf das Schafott mit der Hoffnung auf eine bessere Welt an. Die Zeugen der Hinrichtung wollen auf Cartons Gesicht einen prophetischen Zug erkannt haben. Seine letzten Gedanken kreisen um die friedliche Zukunft der von ihm Geretteten.

Zum Text

Aufbau und Stil

Eine Geschichte aus zwei Städten ist ein historischer Roman. Aufgeteilt in drei Bücher mit insgesamt 45 Kapiteln, erzählt der Text weitgehend linear den Zeitraum von 1775 bis 1794 (mit Ausnahme eines Rückblicks ins Jahr 1757). Die szenische Ausgestaltung ist bildreich und voller Analogien. Dabei erinnert der Tonfall mit düsteren, prophetischen Andeutungen bisweilen an die Schauerromantik. Die Schilderung des Elends und der Gewalt ist sehr plastisch und atmosphärisch verdichtet. Etliche Motive wie Armut, Hunger, Blut oder Tod werden immer wieder aufgegriffen. Weniger ausgeprägt als in anderen Dickens-Werken, aber immer noch deutlich erkennbar ist die ironische Behandlung von Nebenfiguren. Auffällig sind auch die Gegenüberstellungen sich widersprechender Begriffe, etwa „Licht“ und „Dunkelheit“. In der szenischen Verdichtung verzichtet der Text oft über längere Strecken auf Schilderungen zugunsten des Dialogs. Kleine Rätsel in frühen Abschnitten, die erst später aufgelöst werden, erhöhen die Spannung der Handlung.

Interpretationsansätze

  • Im Roman erscheint die Revolution als Naturgewalt: Häufig wird sie im Text mit einer tosenden und brausenden See verglichen. Dadurch erscheint sie als natürliches und damit unvermeidliches Phänomen. Dickens sympathisierte mit den Zielen der Revolution in deutlich stärkerem Umfang als seine englischen Zeitgenossen. Doch ihre Mittel, ihren Verlauf und ihre Auswüchse billigte er ebenso wenig wie die konservative Elite seiner Zeit.
  • Wiederholt setzt Dickens die Metapher vom Säen und Ernten ein und verdeutlicht damit den unvermeidlichen Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Revolution ist für ihn eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Umstände.
  • Im Christentum sieht Dickens eine Alternative: Zahlreiche Verweise auf den christlichen Mythos, vor allem das wiederkehrende Motiv der Auferstehung, zeigen einen dritten Weg neben menschenverachtender Aristokratie und lebensfeindlicher Revolution.
  • Die persönliche Entscheidung gegen das Diktat der Lebensumstände weist den Weg aus der Gewaltspirale. Darnay, der sich bewusst von der Aristokratie distanziert, und Carton, der seiner Bedeutungslosigkeit bewusst das selbstlose Opfer entgegensetzt, sind die wahren Revolutionäre.
  • Liebe setzt sich gegen Hass durch. Die vom Hass getriebenen Figuren wie Madame Defarge oder der Marquis sterben ehrlos. Die Liebenden – wie Miss Pross, Darnay, Lucie, Dr. Manette und sogar der anfangs nüchterne Geschäftsmann Lorry – überleben mit der Perspektive auf ein glückliches Leben.
  • Der Verlust der Individualität und der eigenen, freien Entscheidung wird im Roman als Ursprung fehlender Menschlichkeit präsentiert. Die Masse kann nicht menschlich handeln.
  • Madame Defarges gestrickte Todesliste verweist auf das Weben des Schicksalsfadens durch die mythischen Schicksalsgöttinnen. Auch hier manifestiert sich der Aspekt der Unvermeidlichkeit.

Historischer Hintergrund

Vom Stand zur Klasse „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“, mit diesen Worten beginnt Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels. Als sie ihre Analyse der frühindustriellen Gesellschaft 1848 in London veröffentlichten, hatten sie als Ausgangspunkt der vorausgesagten Revolution England vor Augen. Mehr als irgendwo sonst in Europa hatte die Industrialisierung in England zu einer großen Kluft zwischen Arm und Reich geführt. Die Ständegesellschaft war ersetzt worden durch die Klassengesellschaft, die ein noch größeres revolutionäres Potenzial in sich barg als der Gegensatz zwischen Adel und Bürgertum im Frankreich des Jahres 1789.

Die englische Politik war sich der Gefahr bewusst. Bereits 1832 war mit dem Reform Act und der Stärkung des Unterhauses, der britischen Volksvertretung, das Wahlrecht zugunsten des Volks verändert worden. Im Zuge dieses Gesetzes wurde unter anderem die Macht des Oberhauses, der Versammlung der adligen Landbesitzer, massiv beschnitten und das Mitspracherecht der Städte und Gemeinden vergrößert. Dass sich die immer wieder explosive Stimmung zwischen Arbeitern und Fabrikbesitzern nicht in einer Revolution entlud, lag unter anderem an der Gründung von Gewerkschaften und an deren Einbeziehung in den politischen Entscheidungsprozess. Friedrich Engels beklagte 1858, ein Jahr vor der Veröffentlichung von Dickens’ Geschichte aus zwei Städten, in einem Brief an Karl Marx, dass das englische Proletariat mehr und mehr verbürgere, sodass „diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen“. Diese Auffassung teilten aber nicht alle Zeitgenossen. Die Angst vor der Revolution war trotz Arbeitervereinen und ersten Gewerkschaften ungebrochen.

Entstehung

1857 verfasste Dickens gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Wilkie Collins das Theaterstück The Frozen Deep. Die Grundkonstellation dieses Stücks, in dem ein Mann sich opfert, um das Liebesglück seiner Angebeteten mit einem anderen Mann zu sichern, wurde zur Kernidee für seinen Roman Eine Geschichte aus zwei Städten. Bei der Inszenierung von The Frozen Deep in seinem Amateurtheater lernte Dickens die Schauspielerin Ellen Ternan kennen und verliebte sich in sie. Für sie trennte sich der Autor von seiner Frau und den gemeinsamen Kindern.

Wirkungsgeschichte

Im April 1859 brachte Dickens, nachdem die von ihm gegründete Zeitschrift Household World sich nicht zufriedenstellend entwickelt hatte, das Journal All The Year Round an den Start. Die erste Ausgabe enthielt die ersten drei Kapitel der Geschichte aus zwei Städten. Die folgenden Kapitel veröffentlichte Dickens ebenfalls hier, im wöchentlichen Abstand. Zudem erschienen monatlich zusammenfassende Ausgaben mit Illustrationen. Durch diese Art der Verbreitung vergrößerte sich Dickens’ Leserkreis immens, denn die preisgünstigen Zeitschriften konnten sich die Menschen eher leisten als teure und aufwändig gedruckte Romane. Als wissenschaftliche Grundlage seines zweiten und letzten historischen Romans (nach Barnaby Rudge von 1841) diente ihm das Werk Die Französische Revolution von Thomas Carlyle, den Dickens sehr verehrte und dem er den Schluss seines Romans vorab brieflich zukommen ließ.// // Eine Geschichte aus zwei Städten ist das Dickens-Werk mit der größten Auflage weltweit. Auch wenn der Roman heute selten an vorderster Stelle genannt wird, wenn es um die bekanntesten Texte von Dickens geht, traf er seinerzeit einen Nerv. 120 000 Exemplare der ersten Ausgabe seines Journals All The Year Round wurden allein in England verkauft, fast zeitgleich erfolgte eine Veröffentlichung in den USA, die ebenfalls mit großem Interesse aufgenommen wurde. Schon 1860 kam es zu einer Theateradaption durch Tom Taylor, weitere folgten. Vier Stummfilme, drei Tonfilme, fünf Adaptionen fürs Fernsehen, eine Oper und drei Musicals zeugen davon, dass die Geschichte um das persönliche Schicksal von Menschen in einer historischen Ausnahmesituation bis heute ein Publikum findet.

Konservative Kreise in England haben Dickens’ Roman als fundamentale Kritik an der Revolution gelesen. So schenkte Premierministerin Margaret Thatcher 1989 dem französischen Staatspräsidenten François Mitterand zum 200-jährigen Jubiläum der Revolution eine wertvolle Erstausgabe des Romans – als Zeugnis der Vergeblichkeit der Revolution. George Orwell dagegen bescheinigte Dickens in einem Essay große Sympathien mit den Zielen der Revolutionäre. Dickens sei allerdings, so Orwell, zu sehr Engländer und Kind seiner Zeit, als dass er das jahrelange unmenschliche Morden und das Fehlen von verbindlichen, berechenbaren Strukturen hätte gutheißen können.


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