Zusammenfassung von Elektra

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Elektra Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Griechische Antike

Worum es geht

Vaterliebe und Mutterhass

Elektra ist eine ungewöhnliche Figur: Sie ist kein bemitleidenswertes Opfer, keine strahlende Heldin und auch kein verachtenswerter Bösewicht. Sieben Jahre lang trauert sie um ihren Vater Agamemnon, der von ihrer Mutter Klytaimestra und deren Liebhaber ermordet wurde. Sie wartet auf die Rückkehr ihres Bruders, damit dieser die lang ersehnte Rache nimmt. So sehr man bei der Lektüre Elektras Wut nachvollziehen kann, so irritiert ist man auch darüber, wie kaltherzig sie den Befehl zum Mord gibt. Die Eloquenz, mit der Sophokles Elektras Geschichte darstellt, lässt ihren ambivalenten Charakter nur noch klarer hervortreten. Es ist wohl gerade dieses schwer zu Fassende an der Rächerin, was die Zuschauer bis heute ins Theater lockt, Literaturwissenschaftler zu immer neuen Deutungen antreibt und Künstler zu zahlreichen Adaptionen dieses großen Klassikers inspiriert hat.

Take-aways

  • Sophokles’ Elektra behandelt eine zentrale Episode aus dem griechischen Atridenmythos, der von vielen Dichtern bearbeitet wurde.
  • Inhalt: Seit vielen Jahren schon wartet Elektra auf die Rückkehr ihres Bruders Orestes, der den Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen und die Schuldigen töten soll: ihre Mutter Klytaimestra und deren zweiten Mann Aigisthos. Orestes täuscht seinen Tod vor, nimmt blutige Rache und wird mit seiner Schwester wiedervereint.
  • Eine Besonderheit ist die Parteinahme des Chors, der sich nachdrücklich auf Elektras Seite stellt.
  • Neben Sophokles verarbeiteten auch Aischylos und Euripides den Stoff um die Rache von Agamemnons Kindern.
  • Im Unterschied zu Aischylos stellt Sophokles nicht Orestes, sondern dessen Schwester Elektra ins Zentrum der Handlung.
  • Euripides und Sophokles standen in ständigem Wettstreit. Es ist unklar, welche Elektra zuerst entstand und dem jeweils anderen als Vorlage gedient haben könnte.
  • Das Stück folgt den antiken Dramenregeln und spielt binnen eines Tages an einem Ort.
  • Die Forschung ist sich bis heute weder über die Datierung noch über die Deutung des Stücks einig.
  • Auch in der Neuzeit wurde der Stoff immer wieder bearbeitet, unter anderem von Voltaire, Hugo von Hofmannsthal und Eugene O’Neill.
  • Zitat: „Denn herangeführt wird der Toten / listigfüßiger Rächer unter das Dach / zu seines Vaters uralt reichen Sitzen, / frisch geschliffenen Mordstahl in Händen!“
 

Über den Autor

Sophokles wird 497 oder 496 v. Chr. im Dorf Kolonos nahe Athen geboren. Um seine Gestalt ranken sich zahlreiche Legenden. Verlässliche biografische Daten über den Verlauf seines für die damalige Zeit relativ langen Lebens sind aber nur wenige überliefert. Sein Vater Sophillos ist ein reicher Waffenhersteller, und Sophokles erhält eine gute Ausbildung. Wegen seiner Statur, seiner athletischen Geschicklichkeit und seiner herausragenden musikalischen Fähigkeiten führt er als Jugendlicher angeblich den Dankgesang anlässlich des griechischen Sieges über die Perser in der Seeschlacht von Salamis im Jahr 480 v. Chr. an. 471 oder 470 v. Chr. reicht er seine ersten vier Dramen für den Wettkampf der Dichter bei den Dionysosfesten ein und belegt auf Anhieb den zweiten Platz. 468 v. Chr. gewinnt er zum ersten Mal diesen Wettkampf – und das auch noch im direkten Vergleich mit dem berühmten Aischylos. Vom Alter und von seinen Überzeugungen her steht Sophokles zwischen Aischylos und Euripides, dem letzten der drei großen Dichter. Bei Aischylos lernt Sophokles nach eigenem Bekunden das Stückeschreiben. Er verfasst gut 130 Dramen, von denen jedoch nur sehr wenige erhalten sind, unter anderem die thebanische Trilogie AntigoneKönig Ödipus und Ödipus auf Kolonos. In den Jahren 443/442 v. Chr. wird Sophokles zu einem der Schatzmeister des Attischen Seebundes bestimmt. Im Samischen Krieg bekleidet er gemeinsam mit dem Staatsmann Perikles, mit dem er befreundet ist, das offizielle Amt eines Strategen, das er auch später noch zeitweise ausübt. 413/412 v. Chr. ist er Mitglied der oligarchischen Regierung, die Athen nach der katastrophalen militärischen Niederlage der Athener auf Sizilien zeitweise regiert. Um das Jahr 406 v. Chr. stirbt Sophokles in seiner Heimatstadt, ohne je eine der zahlreichen Berufungen an einen auswärtigen Königshof angenommen zu haben. Es wird berichtet, er sei an einer Weintraube erstickt – der Wahrheitsgehalt dieser Anekdote ist jedoch umstritten.

 

Zusammenfassung

Orestes’ Mordpläne

Mit seinem alten Erzieher und seinem Freund Pylades schmiedet Orestes Pläne, wie er seinen Vater Agamemnon rächen kann. Der Erzieher hat Orestes vor vielen Jahren gerettet, als dessen Vater umgebracht wurde. Nun sind sie zum Tatort zurückgekehrt: dem Haus von Orestes’ Familie. Ein Orakel hat Orestes geraten, seine Rache nicht mithilfe eines Heers, sondern durch eine List auszuführen. Der Erzieher soll verkünden, Orestes sei tot, und bei der Gelegenheit das Haus auskundschaften. Ein alter Mann, da ist sich Orestes sicher, wird kaum Verdacht erregen. Orestes selbst will am Grab seines Vaters Opfergaben bringen und dann unerkannt mit einer Urne zum Haus gehen. Er will behaupten, dass sich darin seine eigene Asche befinde. Orestes hat keine Angst, dass etwas schiefgehen könnte. Er glaubt, dass ihn großer Ruhm erwartet, wenn die List enthüllt wird. Sobald seine Rache gelungen ist, will er das Ansehen und den Reichtum seiner Familie wiederherstellen. Während sich der Erzieher und Orestes voneinander verabschieden, hören sie im Haus eine Frau weinen: Es ist Elektra.

Elektras Klage

Elektra tritt aus dem Haus und klagt über ihr Schicksal. Sie trauert noch immer um ihren Vater, der von ihrer Mutter Klytaimestra und deren Liebhaber Aigisthos ermordet wurde. Elektra verbringt ihre Tage mit Totenklagen und fleht die Götter an, den Mord zu rächen und die Schuldigen zu strafen. Sie bittet darum, dass ihr Bruder endlich zu ihr zurückkehren möge, um sie zu trösten und Rache zu nehmen. Mehrfach hat er ihr Nachrichten geschickt und sein Kommen angekündigt, doch bisher hat er sein Versprechen nicht wahr gemacht. Der Chor tritt hinzu und fragt Elektra, wann sie die Trauer endlich hinter sich lassen wolle. Ihre Klagen würden ihren Vater auch nicht wieder zum Leben erwecken.

„Sohn Agamemnons, der das Herr vor Troja einst / befehligte, nun bist du hier und darfst / all das erblicken, was du innig immer schon dir wünschtest. / Denn das alte Argos, deines Sehnens Ziel, ist dies (...)“ (Erzieher zu Orestes, S. 9)

Elektra hat ihr eigenes Leben zurückgestellt, hat auf Mann und Kinder verzichtet, weil sie immer auf Orestes gewartet hat – und das vergeblich. Der Chor rät ihr, die Zeit ihre Wunden heilen zu lassen. Zusammen erinnern sie sich an die Nacht, in der Agamemnon mit einem Beil erschlagen wurde. Elektra denkt mit Grauen daran zurück. Der Chor ist überzeugt, dass sie lange genug getrauert hat: Sie soll lernen, ihr Leid zu ertragen.

„Doch mir ist dahin schon der beste Teil meines Lebens, / hoffnungslos, und ich kann nicht mehr! / Kinderlos schwinde ich hin, / und kein liebender Mann beschützt mich (...)“ (Elektra, S. 23)

Für Elektra jedoch ist die Situation, mit der ihr verhassten Mutter und deren neuem Mann zusammenleben zu müssen, unerträglich. Klytaimestra beschimpft ihre Tochter bei jeder Gelegenheit und gibt ihr die Schuld daran, dass Orestes fort ist. Elektra sorgte damals dafür, dass der Junge in Sicherheit gebracht wurde, denn sie befürchtete, Aigisthos könnte ihn töten. Aigisthos hält sich derzeit auf dem Land auf, sodass Elektra und der Chor offen sprechen können. Sie alle hoffen, dass Orestes bald sein Versprechen wahr macht und zurückkehrt.

Ein Gespräch unter Schwestern

Elektras Schwester Chrysothemis kommt hinzu. Sie will wissen, warum Elektra ihre Zeit schon wieder mit Zorn und Klagen vertut, anstatt sich mit ihrem Schicksal abzufinden und sich ihrer Mutter zu beugen. Chrysothemis führt ein gutes Leben, weil sie ihren Hass zu verbergen weiß. Sie rät Elektra dazu, es ihr gleichzutun. Elektra wirft ihrer Schwester vor, ihren Vater zu verraten und ihrer Mutter nach dem Mund zu reden. Der Chor rät den beiden, einen Mittelweg zwischen den Extremen zu finden. Chrysothemis teilt ihrer Schwester mit, dass diese gleich nach Aigisthos’ Rückkehr fortgeschickt werden soll, sollte sich ihr Verhalten nicht ändern. Elektra ist von dieser Aussicht nicht schockiert, sie freut sich vielmehr, die vergiftete Atmosphäre im Haus ihrer Mutter nicht länger ertragen zu müssen. Sie ist nicht bereit, sich zu unterwerfen und vor ihrer Mutter zu kriechen. Sie würde sogar ihr Leben opfern, um ihren Vater zu rächen.

„Denn erstens ist der Umgang mit der Mutter, / die mich gebar, von schlimmstem Hass geprägt; dann lebe ich / in meinem eignen Haus zusammen mit des Vaters / Mördern, und von ihnen werde ich beherrscht (...)“ (Elektra, S. 27 f.)

Chrysothemis ist unterwegs zum Grab ihres Vaters, wo sie in Klytaimestras Auftrag Opfergaben niederlegen soll. Elektra ist entsetzt und will die Hintergründe erfahren. Offenbar hatte Klytaimestra einen Albtraum, der sie bewogen hat, ein Opfer am Grab ihres toten Mannes zu bringen. Elektra bittet ihre Schwester inständig, nicht die Gaben ihrer Mutter, sondern Haarlocken beider Schwestern ans Grab zu bringen. Chrysothemis ist einverstanden. Doch weil sie den Zorn ihrer Mutter fürchtet, bittet sie den Chor und Elektra um Stillschweigen.

Konflikt zwischen Mutter und Tochter

Klytaimestra kommt aus dem Haus heraus, um Opfergaben vor der Apoll-Statue abzulegen und zu beten. Sie ist erbost darüber, dass Elektra Aigisthos’ Abwesenheit nutzt, um sich bei anderen über sie beschweren. Sie wirft ihrer Tochter vor, den Mord am Vater nur als Vorwand dafür zu nehmen, ihr das Leben schwer zu machen. Klytaimestra gesteht ihre Tat und meint, gute Gründe dafür gehabt zu haben. Schließlich habe Agamemnon ihre Tochter, Elektras andere Schwester, getötet, nur um seinem Bruder Menelaos einen Gefallen zu tun. Sie ist sicher, dass auch die Tote den Mord gutgeheißen hätte. Zum ersten Mal seit Langem erklärt sich Klytaimestra bereit, offen mit ihrer Tochter über die Differenzen zu sprechen und sich anzuhören, was Elektra zu sagen hat.

„Nicht um das Recht zu wahren, hast du ihn ermordet, nein, es riss / des Schurken Schmeichelkunst dich hin, mit dem du jetzt zusammenlebst.“ (Elektra zu Klytaimestra, S. 53)

Elektra erwidert, Klytaimestra solle nicht vorgeben, Agamemnon wegen ihres Gerechtigkeitssinns getötet zu haben. Sie habe ihren Mann aus dem Weg geräumt, um mit ihrem Liebhaber zusammen sein zu können. Außerdem habe Agamemnon seine Tochter nicht Menelaos zuliebe geopfert, sondern weil es keinen anderen Weg gegeben habe, die Göttin Artemis zu besänftigen, die die Weiterfahrt des Heers nach Troja verhinderte. Und selbst wenn Klytaimestra, was Agamemnons Motive angeht, Recht hätte, hätte sie deswegen nicht die Erlaubnis gehabt, ihn zu ermorden. Wäre das ein gültiges Gesetz, müsste sie schließlich nun auch um ihr Leben fürchten. Elektra wirft Klytaimestra vor, schuld daran zu sein, dass sie und Orestes leiden. Und wenn sie Elektra vorwerfe, sie sei schlecht und schamlos, zeige das nur, dass diese ganz nach ihrer Mutter komme.

„So lasst mich bei den Göttern, Fremder, dies Gefäß, / wenn’s ihn denn birgt, in meine Hände nehmen, / dass ich mich selber und mein ganz Geschlecht / beweine und bejammere mit dieser Asche.“ (Elektra zu Orestes, S. 99)

Klytaimestra wird zornig und droht ihrer Tochter. Als Elektra sie daran erinnert, dass sie sich bereit erklärt habe, sich alles anzuhören, was Elektra zu sagen habe, entgegnet Klytaimestra, sie wolle nun ihr Opfer bringen und Elektra solle sie in Ruhe lassen. Klytaimestra betet zu Apoll, weil sie ihre Albträume nicht zu deuten weiß. Sie bittet den Gott darum, ihr das gute Leben nicht wegzunehmen.

Die Nachricht von Orestes’ Tod

Der alte Erzieher kommt dazu und fragt nach Aigisthos’ Frau. Er erklärt, der Phoker Phanoteus habe ihn geschickt, um die Nachricht von Orestes’ Tod zu überbringen. Elektra bricht in Wehklagen aus, während Klytaimestra genau wissen will, was geschehen ist. Der Erzieher berichtet von einem Wettkampf in Delphi, an dem Orestes teilgenommen habe: Er habe in allen Disziplinen gesiegt und sei schließlich auch beim Wagenrennen angetreten. In der letzten Runde sei er mit dem Wagen an die Wendesäule gekommen, dabei sei die Achse gebrochen. Orestes sei aus dem Wagen geschleudert und an einem Lederriemen hinter den Pferden hergezogen worden. Als man den Wagen angehalten habe, sei seine Leiche kaum noch zu identifizieren gewesen. Bald solle Orestes’ Asche in einer Urne in seine Heimat gebracht werden. Klytaimestra ist erschüttert, aber zugleich erleichtert, sich nicht mehr vor der Rückkehr ihres Sohnes fürchten zu müssen. Sie sieht in seinem Tod ein Zeichen der Götter dafür, dass es falsch von ihren Kindern war, ihr immer wieder Rache anzudrohen. Klytaimestra geht mit dem Boten ins Haus.

„O liebste Frauen, o ihr Bürgerinnen, / seht hier Orestes, der durch Trick und Tücke / verstorben und durch Trick und Tücke jetzt gerettet ist!“ (Elektra zum Chor, S. 109)

Als Elektra allein ist, beweint sie ihren Bruder und damit ihre letzte Hoffnung auf Rache und auf einen Neuanfang. Sie hat ihren Lebensmut verloren und möchte lieber sterben, als weiter bei ihrer Mutter zu sein.

Enttäuschte Hoffnung

Chrysothemis kommt vom Grab zurück, voller Eile, um Elektra eine frohe Nachricht zu überbringen. Sie ist sicher, dass Orestes schon bald zu ihnen zurückkehren wird: Am Grab lagen neue Opfergaben, darunter auch eine Locke – und Haare zu opfern steht nur Chrysothemis, Elektra oder eben Orestes zu. Das lässt nur den Schluss zu, dass ihr Bruder am Grab war. Elektra dämpft die Freude ihrer Schwester und berichtet von Orestes’ Tod. Sie geht davon aus, dass jemand anders aus Trauer um Orestes die Locke niedergelegt haben muss. Elektra erklärt Chrysothemis, dass es nun an ihnen sei, Rache zu nehmen. Orestes, auf den sie immer gewartet hätten, werde nicht kommen. Wenn die Schwestern ihr Leben jemals selbst bestimmen oder heiraten wollten, müssten Aigisthos und Klytaimestra sterben. Elektra ist sich sicher, dass sie beide Ruhm ernten und endlich frei sein werden, wenn sie das Liebespaar töten. Chrysothemis widerspricht ihr: Als Frauen hätten sie gegen Aigisthos keine Chance. Elektra hat mit dieser Antwort gerechnet und ist entschlossen, den Plan allein durchzuführen. Chrysothemis macht sich Sorgen um sie, will sie aber nicht verraten. Die Schwestern trennen sich – keine kann die Haltung der jeweils anderen verstehen.

„Denn herangeführt wird der Toten / listigfüßiger Rächer unter das Dach / zu seines Vaters uralt reichen Sitzen, / frisch geschliffenen Mordstahl in Händen!“ (Chor, S. 123)

Der Chor besingt die Auseinandersetzung zwischen den Schwestern. Elektra sei einsam, aber entschlossen, die Mörder zu töten, selbst unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Der Chor wünscht ihr Glück bei ihrem Unterfangen und hofft, dass sie mit Macht und Reichtum belohnt wird.

Das Wiedersehen der Geschwister

Orestes und Pylades kommen zum Haus und fragen, wo sie Aigisthos finden. Der Chor erklärt, sie seien hier richtig, und verweist sie an Elektra, ohne jedoch ihren Namen zu nennen. Orestes übergibt seiner Schwester, ohne dass beide einander erkennen, die Urne, über der sie bitterlich weint. Sie beklagt den Verlust ihres geliebten Bruders und ihr Schicksal und wünscht sich, sie hätte damals nicht eingegriffen: Dann wäre Orestes wenigstens zu Hause und nicht in der Fremde gestorben. Nun könne sich ihre Mutter freuen, dass sie die Rache ihres Sohnes nicht mehr fürchten müsse. Elektra würde am liebsten sterben, um ihrem Leid ein Ende zu setzen. Orestes erkennt seine Schwester und hat Mitleid mit ihr. Er erklärt ihr, dass sie nicht zu trauern brauche, doch sie versteht ihn zunächst nicht. Schließlich gibt er sich zu erkennen. Die Geschwister fallen sich überglücklich in die Arme. Der Chor freut sich mit ihnen.

Rachepläne

Orestes bittet Elektra, still zu schweigen; er will weder etwas über Klytaimestras Schlechtigkeit hören noch soll jemand von seiner Rückkehr erfahren. Am liebsten würde Elektra allen von dem Wiedersehen erzählen und Orestes nicht mehr aus den Augen lassen. Sie ist sicher, dass die Götter ihren Bruder zu ihr geschickt haben. Orestes bittet Elektra nun, sich die Erzählung ihres Schicksals für später aufzuheben und ihm nur zu berichten, was er für die Ausführung seiner Rache wissen muss. Sie erklärt ihm, dass Aigisthos auf Reisen ist. Orestes will sich Zugang zum Haus verschaffen, indem er weiter als Überbringer der Todesbotschaft auftritt. Elektra soll die trauernde Schwester spielen, die die Asche ihres Bruders in Empfang genommen hat. Der Erzieher tritt dazu. Er befürchtet, dass sie enttarnt werden könnten, und mahnt zur Eile. Orestes erklärt Elektra, dass es sich bei dem alten Mann um den Diener handelt, dem sie vor Jahren ihren Bruder anvertraut hat. Elektra möchte alles über die Flucht erfahren, doch dafür ist keine Zeit. Gemeinsam sprechen sie ein kurzes Gebet vor der Apoll-Statue und machen sich dann auf.

Klytaimestras und Aigisthos’ Tod

Elektra und die Frauen des Chors warten draußen, während Orestes und Pylades im Haus ihr blutiges Werk vollbringen. Die Frauen hören, wie Klytaimestra die Männer erkennt und schreit. Sie fleht Orestes an, Mitleid zu haben, doch vergeblich. Elektra fiebert vor der Tür mit und wünscht sich, Aigisthos würde gleich mit seiner Frau sterben. Schließlich treten Orestes und Pylades heraus. Kurz darauf entdeckt der Chor Aigisthos, der gerade heimkehrt. Die Männer gehen zurück ins Haus, während die Frauen Aigisthos empfangen. Er erkundigt sich bei Elektra nach den Besuchern, die die Nachricht von Orestes’ Tod überbracht haben. Elektra erzählt ihm, die Männer seien im Haus. Aigisthos freut sich über diese Kunde und will Orestes’ Überreste der ganzen Stadt präsentieren, damit alle, die noch immer auf die Rückkehr von Agamemnons Sohn hoffen, endlich aufgeben.

„O Atreus’ Geschlecht, wie drangst du, nachdem du vieles erlitten, / mühevoll durch zur Freiheit, / durch den heutigen Ansturm ans Ziel gebracht.“ (Chor, S. 135)

Elektra öffnet das Tor, aus dem Orestes und Pylades mit Klytaimestras verhülltem Körper treten. Aigisthos denkt, es handle sich um Orestes’ Leiche, und will sie sich ansehen. Als er seine Frau erkennt, wird ihm klar, wer ihm gegenübersteht. Aigisthos weiß, dass er der Nächste ist, der sterben wird. Er bittet darum, noch etwas sagen zu dürfen, doch Elektra verbietet es. Orestes befiehlt Aigisthos, ins Haus zu gehen: Er soll an derselben Stelle sterben, an der er einst Agamemnon ermordet hat. Der Chor kommentiert: Mit Aigisthos’ Tod haben sich Orestes und Elektra endlich von ihrem Leid befreit.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das Stück spielt, entsprechend den Regeln des antiken Dramas, binnen eines Tages an einem Ort, nämlich vor Elektras und Orestes’ Elternhaus. Die zeitliche und räumliche Verdichtung führt in vielen Dramen zu Ungereimtheiten. Sophokles gelingt es jedoch, die Abfolge der Geschehnisse ganz selbstverständlich wirken zu lassen. Nach einem Prolog wird zunächst in drei Schritten Elektras Klage gesteigert: Man sieht sie allein, dann mit ihrer Schwester, schließlich mit der Übeltäterin: ihrer Mutter. Ebenfalls in drei Schritten erfolgt im Anschluss der Verlust ihrer Hoffnung: Erst überbringt der Erzieher die Nachricht von Orestes’ Tod, dann muss Elektra ihrer Schwester davon erzählen und schließlich wird ihr die Urne überreicht. Sophokles’ poetische Sprache besticht vor allem durch die zahlreichen treffenden Metaphern. Emotional aufgeladene Szenen setzt er mit schnellen Sprecherwechseln um, die den Konflikt erlebbar machen, so zum Beispiel in der Diskussion zwischen Elektra und Chrysothemis oder beim Wiedersehen von Orestes und Elektra.

Interpretationsansätze

  • Die Tragödie Elektra ist Teil des Atridenmythos um die Familie Agamemnons, der seine Tochter Iphigenie opferte und danach von seiner Frau Klytaimestra ermordet wurde. Die einzelnen Episoden des umfangreichen Mythos wurden in der Antike wiederholt von verschiedenen Dichtern aufgegriffen. So wurde Elektras Geschichte unter anderem von Euripides verarbeitet, der aber andere Schwerpunkte setzte als Sophokles.
  • Im Zentrum von Sophokles’ Drama steht nicht der Racheplan, sondern Elektras beharrliche Trauer um den Vater und ihre Hoffnung auf Erlösung durch ihren Bruder Orestes. Diese Hoffnung verliert sie, als sie von seinem vermeintlichen Tod erfährt. Auf den Tiefpunkt folgt die Wende im Schicksal der Hauptfigur: Orestes gibt sich zu erkennen.
  • Elektra ist eine ambivalente Figur: Während der Zuschauer die Trauer um ihren Vater nachvollziehen kann, macht es ihr Hass auf die Mutter zumindest einem heutigen Publikum schwer, sich mit der Protagonistin zu identifizieren.
  • Obwohl Elektra im Gespräch mit ihrer Mutter klarstellt, dass deren Tat selbst dann Unrecht gewesen wäre, wenn sie sie aus Rache vollzogen hätte, kommt unter den Geschwistern nie der leiseste Zweifel an ihren eigenen Racheplänen auf. Die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Muttermords stellt sich daher nicht nur aus heutiger Sicht, sondern auch im Kontext des Stücks selbst.
  • Die Rolle des Chors geht bei Sophokles über die eines neutralen Beobachters hinaus. Er erklärt sich solidarisch mit Elektra und lobt sie wiederholt. Sophokles setzt den Chor effektiv ein, um die Sympathien der Zuschauer zu lenken, etwa wenn es um die Frage geht, ob Elektra ihre Rachepläne weiterverfolgen sollte.
  • Es lassen sich zahlreiche Parallelen zwischen Elektra und Antigone, einer weiteren wichtigen Figur von Sophokles, ziehen. Beide Frauen geben sich vollkommen der Trauer um einen getöteten Verwandten hin, jedoch ist Antigones zentraler Beweggrund die Liebe, während Elektra, so scheint es, mehr von Mutterhass als von Vaterliebe angetrieben ist.

Historischer Hintergrund

Athen im fünften vorchristlichen Jahrhundert

In den Perserkriegen im fünften Jahrhundert v. Chr. behaupteten sich die griechischen Staaten erfolgreich. Damit ging im Jahr 447 die Gründung des attischen Seebunds einher, dem Athen vorstand. Als Folge dieser Ereignisse entwickelte sich in Athen die erste demokratische Staatsordnung. Die entscheidende Macht im Staat blieb jedoch der Stratege Perikles, der die Harmonie im Innern vor allem durch die Ausschaltung seiner Gegner sicherstellte. Auf den Friedensschluss mit Perserreich folgte für Athen eine Phase des äußeren Friedens, die ab 443 einen bisher nicht gekannten Aufschwung im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereich ermöglichte.

In dieser Zeit erblühten insbesondere die Dichtkunst (hier vor allem das Dreigestirn der Tragödiendichter Sophokles, Aischylos und Euripides), die Geschichtsschreibung (Herodot), die bildende Kunst, die Medizin (Hippokrates von Kos) und die Philosophie (Sokrates). Prächtige Bauten wie der Parthenon wurden errichtet und die Athener sahen sich selbst als die Krone der Menschheit. Bei den alljährlich stattfindenden Festen der Großen Dionysien wurden zur Erbauung des Volks die neusten Dramen aufgeführt und – je nach Publikumserfolg – ausgezeichnet.

Politisch folgten bald wieder unruhige Zeiten: In den Jahren ab 431 kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten, vor allem mit Sparta. Im Innern setzte sich die kulturelle Blüte fort: Athen wurde im kulturellen Bereich zum Vorbild für ganz Griechenland und blieb bis zum Aufstieg Roms das bedeutendste geistige Zentrum der bekannten Welt.

Entstehung

Elektra erzählt eine Episode aus dem Atriden- oder Tantalidenmythos, benannt nach den Stammvätern der Dynastie. Die Geschichte um Agamemnons mit einem Fluch beladene Familie taucht bereits in Homers Ilias auf. Die einzelnen Episoden des Mythos wurden in der Antike immer wieder neu ausgestaltet. Sophokles setzte seine Schwerpunkte völlig anders als sein Vorgänger Aischylos, der die Episode im zweiten Teil seiner Orestie-Trilogie thematisierte. Bei Aischylos spielt Elektra nur eine kleinere Rolle.

Die in Elektra erzählten Ereignisse sind etwa sieben Jahre nach Agamemnons Tod und 20 Jahre nach der Opferung seiner Tochter Iphigenie anzusiedeln. Deren Geschichte wiederum wird unter anderem in Euripides’ Iphigenie in Aulis und Iphigenie bei den Taurern erzählt. Bis heute herrscht in der Forschung Uneinigkeit über die Datierung von Sophokles’ Elektra, vor allem im Hinblick auf ihr zeitliches Verhältnis zu der Elektra seines Zeitgenossen und Konkurrenten Euripides. Es gibt plausible Gründe, das Stück auf den Anfang des Peloponnesischen Krieges um 430 v. Chr. zu datieren, allerdings ordnen es einige Forscher auch ins Spätwerk des Dichters ein. Daher ist heute kaum festzustellen, ob Euripides Sophokles’ Fassung beeinflusst hat oder ob es genau umgekehrt war. Euripides gestaltete die Geschichte jedenfalls grundsätzlich anders aus als Sophokles: Elektra lebt verheiratet auf dem Land und trifft ihren Bruder Orestes wieder, mit dem sie die Trauer um den Vater eint. Nach der vollzogenen Rache bereuen die Geschwister ihre Tat.

Wirkungsgeschichte

Sophokles’ Elektra wurde bereits in der Antike rege rezipiert und hat weitere Fassungen sowie Fortsetzungen maßgeblich beeinflusst. Sophokles’ Zeitgenosse Euripides setzte seine eigene Elektra mit dem Stück Orestes fort und stellte dabei die Frage nach den psychischen und rechtlichen Folgen des Muttermords für Orestes. In dem Drama wird dieser nach dem Mord von Rachegeistern geplagt und verfällt dem Wahnsinn. Sophokles selbst verfasste kein direktes Nachfolgewerk zu Elektra.

Sophokles’ Elektra war zwar nicht der gleiche Ruhm beschieden wie seiner Antigone oder dem König Ödipus, dennoch zählt die Tragödie zu den bekanntesten Stücken der griechischem Antike. In der Neuzeit wurde der Stoff unter anderem von Voltaire (Oreste, 1750), Hugo von Hofmannsthal (Elektra, 1903) und Eugene O’Neill (Trauer muss Elektra tragen, 1931) neu aufgelegt. Wie O’Neill, der die Handlung in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs verlegte, wählte Hofmannsthal einen psychoanalytischen Zugang zum Stück. Seine Version wurde von Richard Strauss zur gleichnamigen Oper ausgestaltet.

Bis heute stehen in der Forschung zahlreiche fundamental verschiedene Deutungen des Stücks nebeneinander: Vor allem die Einschätzungen zum Charakter der Elektra gehen weit auseinander.


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