Zusammenfassung von Kim

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Kim Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Schelmenroman
  • Viktorianische Ära

Worum es geht

Vom Straßenjungen zum Geheimagenten

Würde Kim heute geschrieben, wäre manches an dem Buch eine ziemliche Zumutung. Allein das Setting in der britischen Kolonie Indien, wo sich ein ganzes Volk wie selbstverständlich das Recht nahm, ein anderes nach seinen Maßstäben zu zivilisieren – was der Autor offenbar keineswegs missbilligt. Dann die in ihrer Eigenart überzeichneten Moslems, Hindus, Buddhisten, Engländer, Inder, Afghanen, Bengalen, Priester, Lamas, Bauern, Soldaten, Händler, Diebe, Bettler, Männer und Frauen – heute würde man dazu Stereotype sagen, politisch unkorrekte Verallgemeinerungen. Kim selbst aber, dieser geniale Anarchist, dieses gänzlich souveräne und furchtlose Kind, gegen den sich der andere radikale Lausebengel der Weltliteratur, Tom Sawyer, ausnimmt wie ein verängstigter Sonntagsschüler – Kim würde sicher auch als Figur der zeitgenössischen Literatur von den Lesern geliebt werden. Kim ist die so leidenschaftliche wie unsentimentale Fantasie eines Mannes, der in seiner Kindheit den magischen „Melting Pot“ Indien erfahren hat, aber ebenso militärische Zucht und brutale Unterdrückung. Und er ist das schlagende Herz eines wunderbaren Romans, der weit mehr ist als ein Jugendbuch.

Take-aways

  • Der Roman Kim ist das Hauptwerk des britischen Schriftstellers Rudyard Kipling.
  • Inhalt: Der englische Waisenjunge Kim lebt zur Zeit der Kolonialherrschaft im indischen Lahore auf der Straße. Er schließt Freundschaft mit einem tibetischen Lama und begibt sich mit ihm auf Wanderschaft durch Indien. Außerdem wird er vom englischen Geheimdienst als Nachwuchsspion rekrutiert und erlebt als solcher zahlreiche Abenteuer.
  • Kim vereint Merkmale verschiedener Genres. Am ehesten lässt sich das Werk als Schelmenroman in der Tradition eines Don Quijote einordnen.
  • Ursprünglich war Kim als Kurzgeschichte oder als Kurzgeschichtensammlung geplant.
  • Kim erschien im Todesjahr von Königin Victoria, während eines Epochenbruchs, und lässt sich als idealisierende Rückbesinnung auf ein Goldenes Zeitalter lesen.
  • Kipling war mit Indien bestens vertraut, da er die ersten fünf Jahre seines Lebens dort gelebt und später sieben Jahre lang als Reporter dort gearbeitet hatte.
  • Dennoch traute er seinem eigenen Gedächtnis nicht voll und zog für Kim seinen Vater zurate, der früher Kustos des Museums von Lahore gewesen war.
  • Kim spielt im Kontext des „Great Game“, einer Art Kalter Krieg zwischen England und Russland um die Dominanz in Zentralasien.
  • Rudyard Kipling erhielt 1907 als erster englischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis.
  • Zitat: „Oberst Sahib, nur einmal in tausend Jahren wird ein Pferd geboren, das so für das Spiel gemacht ist wie unser Fohlen hier.“ (über Kim)
 

Zusammenfassung

Kim trifft den Lama

Der im indischen Lahore lebende weiße Straßenjunge Kim ist mit allen Wassern gewaschen. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben, sein Vater war Unteroffizier in einem irischen Regiment der Kolonialarmee, verfiel aber dem Opium und starb ebenfalls. Er hinterließ einige Papiere, die Kim stets bei sich trägt. Außerdem prophezeite er Kim, eines Tages werde ein roter Stier auf grünem Feld ihn holen kommen.

„Er saß unter Missachtung der städtischen Vorschriften rittlings auf der Kanone Zam-Zammah, die auf einem Backsteinsockel gegenüber dem alten Ajaib-Gher stand – dem Wunderhaus, wie die Einheimischen das Museum von Lahore nennen. (…) Kim hatte ein gewisses Recht dazu (…), da die Engländer über den Punjab herrschten, und Kim war Engländer.“ (S. 7)

Als Kim am Museum von Lahore herumlungert, fällt ihm ein seltsamer Fremder auf: ein alter tibetischer Lama auf Wanderschaft. Kim führt ihn ins Museum, zum englischen Kustos. Der zeigt dem Lama die Schätze des Museums: Statuen, Friese, Reliefs; der Lama kommentiert diese begeistert und entpuppt sich dabei als Gelehrter. Er berichtet von seiner Mission: Er sucht einen mythischen Fluss, dessen Wasser die Macht hat, den, der darin badet, vom Rad des Lebens zu befreien. Zunächst will er mit dem Zug nach Benares und dann zu Fuß weiter.

„Kim lachte verlegen. ,Ich bin auf der Suche nach … einem Stier – einem roten Stier auf einem grünen Feld, der mir helfen soll.‘“ (S. 30)

Kim ist von dem seltsamen Fremden fasziniert und dient sich ihm als Begleiter an. Er will für ihn betteln gehen, da er mit Land und Leuten vertraut ist. Der Lama nimmt Kim als Chela, als Schüler, an. Er meint, der Junge sei ihm vom Himmel gesandt, zumal Kim ebenfalls auf der Suche ist: nach dem roten Stier auf grünem Grund aus der Prophezeiung seines Vaters.

Die geheime Botschaft

Kim nimmt den Lama mit zu dem afghanischen Pferdehändler Mahbub Ali, seinem Freund. Mahbub und Kim leben davon, ihre Mitmenschen übers Ohr zu hauen, zu manipulieren oder auszuhorchen, sind aber zueinander vollkommen aufrichtig. Was Kim allerdings nicht weiß: Mahbub ist Geheimagent im Dienst der Briten. Hin und wieder erledigt Kim Aufträge für Mahbub, als Kundschafter oder Zuträger. Auch diesmal hat er einen Auftrag für Kim: Er soll einem britischen Offizier in Ambala eine Botschaft überbringen. Angeblich geht es um ein Pferd, tatsächlich aber um Krieg oder Frieden: Fünf mächtige Fürsten rebellieren gegen die Regierung. Mit dem Zug fahren Kim und der Lama bis Ambala. Dort macht sich Kim auf die Suche nach dem Offizier. Er versteckt sich im Gebüsch vor dessen Haus und wartet. Nach einer Weile kommt der Mann heraus. Kim wirft ihm den Zettel zu. Der Offizier geht hinein, um die Nachricht zu lesen. Kim beobachtet ihn durchs Fenster. Da kommt eine Kutsche an. Bei dem Gast handelt es sich um den Oberbefehlshaber der Armee. Der unterhält sich mit dem Offizier. Wieder lauscht Kim. Die Botschaft löst bei beiden Männern große Besorgnis aus. Sie beschließen eine Strafaktion gegen die aufsässigen Fürsten. Kim begreift: Hier bahnt sich Großes an.

Die Prophezeiung wird wahr

Kim und der Lama sind auf der Grand Trunk Road unterwegs. Abends machen sie an einem Rastplatz halt. Dort lernen sie eine alte Dame aus dem Dorf Kullu kennen, die mit großem Gefolge in einem verschleierten Fuhrwerk auf dem Weg nach Hause ist. Sie überredet die beiden, nach Kullu mitzukommen. Denn sie will einen zweiten Enkel und verspricht sich vom Lama magische Unterstützung. Auf der Suche nach dem heiligen Fluss entfernen sich Kim und der Lama für einen kurzen Abstecher von der Straße. Sie kommen an einen Mangohain, von wo sie ein nahendes englisches Regiment erspähen. Dessen Fahne zeigt einen roten Stier auf grünem Grund. Kim ist aufgeregt: Die Weissagung erfüllt sich! Als die Truppen Rast machen, schleicht sich Kim allein ins Lager, wo der Regimentsgeistliche Bennett eben einen Trinkspruch ausbringt. Kim wird ertappt und durchsucht. Bennett findet die Papiere, die Kims Vater hinterlassen hat. Er zieht den katholischen Geistlichen Vater Victor zurate. Auf Kims Taufschein steht in der Handschrift des Vaters: „Kümmert euch um den Jungen.“ Die Männer begreifen: Kim ist der Sohn eines der Ihrigen. Sie fragen ihn aus, und Kim erzählt ihnen von dem Lama. Zu dritt gehen sie ihn holen.

„,Ich frage mich, ob du manchmal ein Gespenst bist oder manchmal ein böser Kobold‘, sagte der Lama und lächelte bedächtig. ,Ich bin Euer Chela.‘ Kim glich seinen Schritt dem des Lama an – jener unbeschreiblichen Gangart der Fußreisenden überall auf der Welt.“ (S. 98)

Kim ahnt, dass Bennett und Vater Victor ihn zu einem Weißen erziehen wollen. Er will das aber nicht und verspricht dem Lama, bei erster Gelegenheit zu ihm zurückzukehren. Der Lama ist zunächst bestürzt darüber, dass ihm sein Chela weggenommen werden soll. Doch dann begreift er, dass er die Aufgabe hat, Kim eine Erziehung als Sahib, als Herr, zu ermöglichen. Er erkundigt sich nach der besten Schule im Land und danach, was die Erziehung dort kostet. Vater Victor nennt St. Xavier in Lakhnau. Der Lama verspricht zu schreiben und setzt seine Wanderung fort. Die Soldaten marschieren nach Ambala.

„Lurgan Sahib (…) ist jemand, dem du gehorchen musst, wenn er bloß mit der Wimper zuckt. Man sagt, er kann zaubern, aber das braucht dich nicht zu kümmern. Geh den Berg hinauf und frag. Hier beginnt das große Spiel.“ (Mahbub Ali zu Kim, S. 232)

In Ambala muss Kim zu seinem Verdruss die Schulbank drücken. Er schreibt an Mahbub mit der Bitte, er solle ihn von der Schule wegholen. Eines Tages erzählt Vater Victor, dass der Lama geschrieben habe und die Kosten für Kims Ausbildung in St. Xavier übernehmen wolle. Vater Victor bezweifelt, dass der Lama das Geld schicken wird. Sollte er es aber tun, will er Kim die Zugfahrt nach Lakhnau bezahlen. Ansonsten werde er ihn in ein Militärwaisenhaus stecken. Über solche Aussichten ist Kim wenig erbaut.

Der junge Spion

Auf Kims Bitte ist Mahbub nach Ambala gekommen. Zur Enttäuschung des Jungen verhilft er ihm aber nicht zur Flucht. Sie treffen den Engländer Creighton, einen Bekannten von Mahbub. Kim erkennt in ihm den Offizier aus Ambala. Vater Victor berichtet ihnen, dass der Lama tatsächlich Geld geschickt hat. Creighton bietet an, Kim nach Lakhnau zu begleiten. Der wittert ein Abenteuer. Ihm ist klar: Mahbub und Creighton sind Spione und wollen auch ihn zu einem machen.

„Oberst Sahib, nur einmal in tausend Jahren wird ein Pferd geboren, das so für das Spiel gemacht ist wie unser Fohlen hier.“ (Mahbub zu Creighton über Kim, S. 262)

Die Schulzeit in Lakhnau verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Von August bis Oktober herrscht Regenzeit, und die Schüler bekommen Ferien. Kim soll so lange auf eine Kasernenschule, doch das ist gar nicht nach seinem Geschmack. Also büxt er kurzerhand aus. Creighton erfährt von Kims Flucht und kann nicht umhin, die Gerissenheit des Jungen zu bewundern. In Ambala trifft Kim Mahbub und erzählt ihm von seinen jüngsten Erlebnissen. Kim erklärt sich bereit, die Lehrzeit als Spion gewissenhaft zu absolvieren, bedingt sich aber aus, dass er während der Ferien tun und lassen kann, was er will. Mahbub ist klug genug, ihm seinen Willen zu lassen.

„Kim kippte die Kilta auf dem Boden aus – eine Kaskade von Messinstrumenten, Büchern, Kalendern, Schriftstücken, Karten und seltsam duftenden einheimischen Briefen. Ganz unten befand sich eine bestickte Tasche, die ein versiegeltes, vergoldetes und farbig bemaltes Dokument enthielt, wie es Fürsten einander schicken. Kim hielt vor Begeisterung den Atem an und überdachte die Situation aus dem Blickwinkel eines Sahib.“ (S. 393)

Am Morgen darauf bricht Mahbub mit Kim nach Simla auf, wo er ihn zur Ausbildung zu einem Edelsteinhändler namens Lurgan Sahib schickt. Bei ihm lernt Kim das Handwerk eines Spions: genaues Beobachten, ein Gedächtnis für Details, die Kunst der Verkleidung und anderes. Eines Tages präsentiert ihm Lurgan den dicken, kauzigen Hari Babu und erklärt, dass dieser, allem Anschein zum Trotz, einer der besten Spione überhaupt sei. Nach den Ferien begleitet Hari Babu Kim zurück nach Lakhnau. Unterwegs erklärt er ihm weitere Tricks ihres Gewerbes und schenkt ihm zum Abschied ein Döschen mit nützlichen Medikamenten. Mahbub und Creighton zeigen sich mit Kims Entwicklung sehr zufrieden.

„So ist die Suche also beendet. Wegen des Verdiensts, das ich erworben habe, ist der Fluss des Pfeils hier. Er sprudelte vor unseren Füßen aus dem Boden, wie ich es gesagt habe. Ich habe ihn gefunden. Sohn meiner Seele, ich habe meine Seele von der Schwelle zur Freiheit zurückgerissen, um dich von jeglicher Sünde zu befreien – so wie ich frei und sündenlos bin! Gerecht ist das Rad! Gewiss ist unsere Befreiung! Komm!“ (Lama zu Kim, S. 450)

Mit 16 Jahren verlässt Kim St. Xavier. Bevor er in den regulären Dienst eingespannt wird, darf er noch ein halbes Jahr seiner Nase folgen. Er bekommt ein Amulett als Erkennungszeichen. Kims erstes Ziel ist Benares, wo er den Lama, der in einem Tempel untergekommen ist, wiedertreffen will. Kim wirft sich ihm in liebevoller Ehrerbietung zu Füßen. Er will wieder sein Chela sein und mit ihm die Wanderung und die Suche nach dem heiligen Fluss fortsetzen. Von seinem Job als Spion erzählt Kim dem alten Mann nichts. Zusammen fahren sie nach Delhi.

Die Feuerprobe

Unterwegs setzt sich ein verletzter Mann zu ihnen ins Abteil. Kim sieht, dass der Mann dasselbe Amulett trägt wie er; er ist also ein Kollege. Der Mann erkennt Kims Amulett ebenfalls. Er stellt sich als E 23 vor und erstattet Kim unauffällig Bericht: E 23 hat einen wichtigen Brief an sich gebracht und versteckt. Kurz darauf wurde er überfallen. Seine Feinde haben ihn des Mordes bezichtigt, weshalb er nun im ganzen Land polizeilich gesucht wird. Kim wendet an, was er gelernt hat: Mit Kurkumapulver färbt er die Haut des Mannes gelb, er malt ihm einen roten Punkt auf die Stirn und heißt ihn, sich auszuziehen und sein Haar mit Asche einzuschmieren – der Aufzug eines Sadhus, eines heiligen Mannes. In Delhi angekommen, gelingt es E 23, die Polizei zu täuschen; trotz Großaufgebot wird er nicht erkannt. Dann entdeckt er einen weiteren Kollegen unter den Polizisten und vertraut sich ihm an. Wenig später erzählt er Kim, dass die Bergung des Briefes veranlasst ist.

Kim und der Lama setzen ihre Pilgerfahrt fort. Ihr Ziel ist das Haus der alten Dame aus Kullu, die sie gastfreundlich aufnimmt. Sie erzählt Kim, ein Heiler aus Bengalen sei im Haus. Der gibt sich dem erstaunten Kim als Hari Babu zu erkennen. Unter vier Augen erzählt er ihm, weshalb er hier ist: Er soll zwei feindliche Agenten finden und ausspionieren. Die beiden sind als Jäger getarnt im Gebirge unterwegs und knüpfen diplomatische Beziehungen zu den dortigen Fürsten. Hari Babu will sich bei ihnen als Diener einschleichen. Kim soll mit dem Lama in der Nähe bleiben – zur Sicherheit. Der Lama soll natürlich von alledem nichts wissen. Gleich am nächsten Tag geht es los.

In geheimer Mission auf dem Dach der Welt

Bald befinden sich Kim und der Lama im Hochgebirge inmitten gewaltiger Bergriesen. Einige Male begegnen sie wie zufällig Hari Babu. Der hält Kim auf dem Laufenden: Er hat die gesuchten Agenten, einen Russen und einen Franzosen, ausfindig gemacht. Da die beiden ziemlich verloren sind, hat Hari Babu keine Mühe, sich ihnen als Führer anzudienen. Er findet heraus, dass sie wichtige Aufzeichnungen und Dokumente in einem roten Tragekorb bei sich führen. Bald treffen sie auf Kim und den Lama. Der ist gerade damit beschäftigt, Kim in der Auslegung einer heiligen Zeichnung zu unterweisen. Die Fremden interessieren sich für das Bild und wollen es kaufen, doch der Lama lehnt ab. Der Russe will das Geschäft erzwingen, indem er Münzen hervorkramt und nach dem Bild greift. Dabei zerreißt es. Die Lage eskaliert. Der Lama bewaffnet sich mit seinem eisernen Federkasten. Da schlägt ihn der Russe ins Gesicht. Sofort stürzt sich Kim auf den Mann und rollt mit ihm bergab. Die einheimischen Kulis der Fremden fliehen vor Entsetzen über das Sakrileg, da sie die Rache der Götter fürchten. Sie ziehen den Lama mit sich. Kim, der den Russen verletzt zurücklässt und vor dem Franzosen, der auf ihn schießt, flieht, schließt sich ihnen an, da die Kulis das Gepäck der Spione, darunter den roten Tragekorb, mitgenommen haben. Der Lama ist von der Aufregung stark mitgenommen und bricht zusammen. Doch nach einem Schluck Whisky erholt er sich etwas. Die Kulis beschließen, nach Shamleg zu wandern.

Hari Babu bleibt gegenüber den Fremden in seiner Rolle. Er führt ihnen eindringlich die Schwere ihres Vergehens vor Augen und mahnt sie zur Flucht. Der Russe ist jedoch nach dem Kampf mit Kim am Bein verletzt und kann kaum laufen.

Eine Beinahe-Liebschaft

Bald erreichen die Kulis mit Kim und dem Lama das Dorf Shamleg, das an einem 2000 Fuß tiefen Abgrund liegt. Die Kulis fleddern das Gepäck der Fremden, nehmen, was sie gebrauchen können, und schmeißen den Rest in den Abgrund, mit Ausnahme des roten Tragekorbs. Darin findet Kim Briefe, Karten, Aufzeichnungen und eine reich bestickte Brieftasche mit einem Schreiben eines indischen Fürsten an den Zaren. Eine Bewohnerin des Dorfes namens Lispeth macht Kim Avancen. Doch er geht nicht darauf ein. Stattdessen bittet er sie, Hari Babu ausfindig zu machen und ihm einen Brief zu überbringen, in dem er diesen über die Dokumente unterrichtet.

Lispeth kehrt mit einer Botschaft von Hari Babu zurück. Der kann sich von den Fremden nicht loseisen und geht mit ihnen nach Simla. Danach will er sich mit Kim treffen, der nun aufbricht. Vergeblich versucht die Frau, ihn zum Bleiben zu bewegen.

Erleuchtung

Nach einem beschwerlichen Abstieg kommen Kim und der Lama im Flachland an. Kim lässt nach einer Sänfte zu der alten Dame schicken. Diese kommt, und bald sind sie wieder dort, von wo sie vor Kurzem aufgebrochen sind. Sowohl Kim als auch der Lama sind von den Strapazen äußerst geschwächt. Kim schläft 36 Stunden durch. Dann geht es ihm wieder besser. Derweil durchstreift der Lama die Umgebung auf der Suche nach seinem Fluss – und findet ihn tatsächlich! Nun ist er erleuchtet. Hari Babu ist inzwischen auch eingetroffen. Er zeigt sich hocherfreut, Kim gesund wiederzusehen. Der übergibt ihm die Dokumente. Besonders der Brief an den Zaren ist höchst brisant. Hari Babu kündigt schwere Konsequenzen für die Fürsten an. Der Lama berichtet Kim, er sei durch seine Erschöpfung schon dem Tode nahe gewesen, habe sich aber entschlossen, wieder ins Leben zurückzukehren – wegen Kim.

Zum Text

Aufbau und Stil

Kim ist in 15 Kapitel unterteilt; jedem ist ein Gedicht von Kiplings Hand vorangestellt. Die relativ starke Selbstständigkeit der Kapitel zeugt noch davon, dass der Roman zunächst wohl als Kurzgeschichtensammlung konzipiert war. Aus der Entstehungsgeschichte ergibt sich auch die Schwierigkeit, Kim in ein bestimmtes Genre einzuordnen: Teils scheint das Buch ein Entwicklungs- oder Erziehungsroman zu sein, teils eine Abenteuergeschichte oder eine Coming-of-Age-Story, teils wieder eine Heldenfahrt – sogar eine doppelte, da ja sowohl Kim als auch der Lama auf der Suche nach einer höheren Bestimmung sind. Kipling selbst hat wohl vor allem einen Schelmenroman im Sinn gehabt, in Anlehnung etwa an Cervantes’ Don Quijote. In seiner Autobiografie erzählt Kipling, wie seine Mutter auf seine Ankündigung, er wolle sich für seinen Roman an Cervantes orientieren, reagierte: „Steh da nicht in deinen Wollstiefeln rum und erzähl mir was von Cervantes! Du weißt genau, dass du nie und nimmer eine anständige Handlung hinkriegst.“ Ganz Unrecht hatte sie damit nicht. Tatsächlich lebt Kim vor allem von seinen großartigen Schilderungen, den witzigen Dialogen und der Lebendigkeit seiner Figuren. Da stört es auch nicht weiter, dass dem Roman ein richtiges Ende fehlt: Zwar finden Kim und der Lama schließlich, was sie gesucht haben, dennoch könnten ihre Abenteuer eigentlich endlos weitergehen.

Interpretationsansätze

  • Kim ist eine idealisierende Rückbesinnung auf ein vermeintliches Goldenes Zeitalter. Fast zeitgleich mit Erscheinen des Buches starb Königin Victoria, unter deren 64-jähriger Herrschaft das britische Empire seine große Blütezeit erlebt hatte. Ihr Tod markierte einen Epochenbruch.
  • Während aber Kipling sich in anderen Werken deutlich als Befürworter des britischen Imperialismus zeigt – berühmt-berüchtigt ist besonders sein Gedicht The White Man’s Burden –, steht in Kim das liebevoll gezeichnete indische, nicht etwa das britische Indien im Vordergrund.
  • Kipling hatte seine frühe Kindheit in Indien verbracht, als 17-Jähriger kehrte er dorthin zurück und verdiente sein Geld über sieben Jahre lang als Reporter. Seine Erlebnisse und Eindrücke flossen in den Roman ein, der so zu einem akkuraten Gesellschaftsporträt wurde.
  • Viele der Figuren aus Kim haben reale Vorbilder. Kims Lehrer Lurgan Sahib hat Kipling nach dem Vorbild des geheimnisvollen Edelsteinhändlers Alexander M. Jacob modelliert, der einen kleinen Laden in Simla besaß. Der Kustos des Museums in Lahore entspricht niemand anderem als Kiplings Vater John Lockwood Kipling, der diesen Posten tatsächlich bekleidete. Der englische Oberbefehlshaber, den Kim so treffend nachzuahmen versteht, trägt deutliche Züge des realen Feldmarschalls Frederick Roberts.
  • Kim ist eine Versöhnung der Gegensätze: zwischen Orient und Okzident, Hindus und Moslems, Christen und Buddhisten, niederen und hohen Kasten, ordnender Zivilgewalt und kreativer Anarchie, der Spiritualität des Lamas und der Weltlichkeit Kims. Daraus spricht Kiplings Freimaurertum, aber auch seine offene, vorurteilsfreie und unsentimentale Weltsicht, in der vor allem Verdienst und Tugend zählten.

Historischer Hintergrund

The Great Game

Die Geschichte der britischen Herrschaft über Indien geht zurück bis ins Jahr 1600, als Königin Elisabeth I. einem Konsortium aus einflussreichen Londoner Kaufleuten ein Handelsmonopol für Indien ausstellte – die East India Company war geschaffen. Zunächst mussten sich die Briten damit abfinden, dass sowohl Holländer als auch Portugiesen weiterhin auf eigene Faust Handelsbeziehungen mit dem Subkontinent unterhielten. Durch eine Mischung aus geschickter Diplomatie und militärischer Schlagkraft gelang es England jedoch bald, die Privilegien der Kompanie auch wirklich durchzusetzen.

1615 verdrängten die Briten die Portugiesen aus der Stadt Surat; 1640 gründeten sie die Stadt Madras an der Nordostküste; 1661 ging die bedeutende Hafenstadt Bombay durch die Heirat des englischen Königs Karl II. mit einer Tochter des portugiesischen Königs an England; 1699 stellte die Kompanie an ihrem Hauptstützpunkt in Bengalen die Festung Fort William fertig, woraus später Kalkutta entstand. Mit der Schlacht bei Plassey 1757, wo Truppen der Kompanie bengalische Streitkräfte entscheidend schlugen, etablierte sich England als dominierende Macht auf dem Subkontinent. Im folgenden Jahrhundert lehnten sich jedoch immer wieder einheimische Fürsten gegen die Fremdherrschaft auf und ließen die Engländer nie zur Ruhe kommen. Erst im späten 19. Jahrhundert, unter Königin Victoria als Kaiserin von Indien, setzte eine Phase der Konsolidierung ein. Indien wurde zum „Kronjuwel“ des britischen Empire, eine höchst einträgliche Kolonie mit einer effizienten Verwaltung.

Gefahr drohte jedoch von außen: Russland war ab Beginn des 19. Jahrhunderts bemüht, England die Herrschaft in Indien streitig zu machen. Nach und nach hatte das Zarenreich fast ganz Zentralasien unter seine Kontrolle gebracht. Mit dem Frieden von Gulistan endete der Russisch-Persische Krieg. Russland gewann dabei die Vorherrschaft im Kaukasus und begann nun, nach Afghanistan zu greifen. Doch dieses gehörte zur britischen Einflusssphäre, und Russland wollte keinen offenen Krieg mit England riskieren. Das galt übrigens auch andersherum, und so kam es zu einem unterschwelligen Kräftemessen, das vor allem auf diplomatischer bzw. geheimdienstlicher Ebene oder in Form von Stellvertreterkonflikten ausgetragen wurde, bei denen beide Seiten einheimische Machthaber für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchten. Für diesen kalten Krieg bürgerte sich die Bezeichnung „The Great Game“ ein.

Entstehung

Schon um 1892, als Kipling, bereits eine literarische Berühmtheit, sich aufgrund seiner Heirat mit einer Amerikanerin in den USA niederließ, kam ihm die Idee zu Kim. Ursprünglich sollte es wohl eine Kurzgeschichte werden, vielleicht sogar eine Sammlung von Kurzgeschichten, nach dem Muster von Staaks und Genossen. Dann jedoch ließ Kipling die Arbeit an Kim einige Jahre ruhen und verfasste derweil Das Dschungelbuch und Das zweite Dschungelbuch. Womöglich fühlte er sich nicht in der Lage, die indische Kulisse des Plots aus eigener Erinnerung zu gestalten, und wollte daher seinen Vater zurate ziehen. Der aber wohnte in England.

1897 kehrte Kipling dann samt Familie dorthin zurück. Nun hatte er ausführlich Gelegenheit, mit seinem Vater an der Geschichte zu arbeiten. Von dem, was die beiden Männer aussponnen, fand nach Kiplings Schätzung jedoch nur etwa ein Zehntel Eingang in die Endfassung. Der Roman ging durch zahllose Überarbeitungen, immer wieder unterbrach Kipling die Arbeit und kehrte mit neuen Ideen zum Manuskript zurück. Auch arbeitete er vermutlich große Stücke eines anderen, nicht abgeschlossenen Romans mit ein. Anfang 1900 war das Buch dann fertig. Sein Vater fragte nach, ob Kipling das Ende gesetzt habe oder Kim selbst; Kipling bejahte Letzteres, worauf sein Vater beruhigt entschied: „Dann wird es wohl nicht komplett schlecht sein.“

Wirkungsgeschichte

Kim wurde ab Dezember 1900 zunächst in Amerika im McClure’s Magazine sowie ab Januar 1901 in England im Cassell’s Magazine als Seriengeschichte veröffentlicht. Als Buch erschien es im Oktober 1901. Kiplings Meisterwerk fand bei Kritik und Publikum gleichermaßen Anklang. Der erste Ministerpräsident Indiens, Jawaharlal Nehru, bezeichnete Kim als sein Lieblingsbuch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kolonialismus weltweit abgewickelt wurde und die Öffentlichkeit das Thema kritisch zu sehen begann, geriet auch Kim unter Beschuss und wurde wegen der angeblich imperialistischen Weltsicht seines Autors stark angefeindet. Der Literaturwissenschaftler Edward Said etwa bezeichnete das Werk als „Meisterwerk des Imperialismus“. Kim wurde 1950 verfilmt; die Hauptrollen spielten Dean Stockwell (Kim) und Eroll Flynn (Mahbub Ali).

Über den Autor

Rudyard Kipling wird am 30. Dezember 1865 in Bombay geboren und verbringt dort seine ersten Lebensjahre. Seine Eltern sind wohlhabend, sein Vater leitet die Kunstakademie und später das Museum von Lahore. Rudyards wohlbehütetes Leben findet ein jähes Ende, als seine Eltern beschließen, ihn ab seinem fünften Lebensjahr nach England zu schicken, um ihn dort erziehen und ausbilden zu lassen. Für Kipling beginnt eine düstere Zeit: Seine englischen Pflegeeltern sind streng, extrem religiös und gehen nicht gerade zimperlich mit dem Jungen um. Er leidet unter Schlaflosigkeit, die ihn sein ganzes Leben begleiten wird. Mit zwölf Jahren schicken ihn seine Eltern auf ein Internat. Diese Zeit genießt Kipling, lernt er hier doch echte Kameradschaft kennen. Die Offizierslaufbahn, auf die die Schule in erster Linie vorbereiten soll, kommt für Kipling wegen einer Sehschwäche nicht infrage. Mit 17 Jahren kehrt er deshalb nach Indien zurück und nimmt auf Vermittlung seines Vaters eine Stelle als Journalist bei der Civil & Military Gazette an. Ab 1885 beginnt Kipling damit, Kurzgeschichten in der Zeitung zu veröffentlichen – mit einigem Erfolg: Die gesammelten Werke erscheinen 1888 in Buchform. Die Erfahrungen des Koloniallebens beeindrucken den jungen Autor stark und beeinflussen seine Geschichten. Ab 1887 arbeitet er für den Pioneer, was eine intensive Reisetätigkeit mit sich bringt. Bei seiner Rückkehr nach England 1889 ist er bereits berühmt und wird als Erbe von Charles Dickens gefeiert. 1892 heiratet Kipling und zieht mit seiner Frau in die USA. In Neuengland werden sein Sohn und seine Tochter geboren, und dort arbeitet er auch am Dschungelbuch (The Jungle Book, 1894). 1897 zieht er mit seiner Familie zurück nach England. 1899 wird sein Gedicht The White Man’s Burden (Die Bürde des weißen Mannes) veröffentlicht. Dieser Ausdruck wird vielfach als Euphemismus für den Imperialismus verstanden. 1901 erscheint Kiplings vermutlich wichtigstes Werk, Kim. 1907 erhält er den Nobelpreis für Literatur. Nach dem Ersten Weltkrieg, gebeutelt durch den Tod seines Sohnes, hat Kipling immer weniger Erfolg. Er stirbt am 18. Januar 1936 in London.


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