Zusammenfassung von Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung

Eine Komödie

Leipzig 1774
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

Buch kaufen

Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung Buchzusammenfassung
Ein armseliger Lehrer trennt sich von seinem besten Stück – und findet trotzdem sein Glück.

Rezension

Abc der Schulmisere

Ein Germanistikstudent hangelt sich nach der Uni von Praktikum zu Praktikum. Um sein WG-Zimmer bezahlen zu können, gibt er den Kindern wohlhabender Eltern Nachhilfeunterricht. Doch dann wird eine Schülerin von ihm schwanger ... So oder so ähnlich könnte eine vom Hofmeister inspirierte Dokusoap im 21. Jahrhundert beginnen. Allerdings müssten sich die Produzenten mächtig ins Zeug legen, um dem Stürmer und Dränger Jakob Lenz – selbst ein Opfer des Prekariats des späten 18. Jahrhunderts – das Wasser reichen zu können: Denn bei Lenz kopulieren, duellieren, geißeln, ersäufen und kastrieren sich die karikaturistisch verzerrten Figuren, dass das Theaterblut nur so spritzt. Schon die im Titel erwähnten „Vorzüge der Privaterziehung“ sind pure Ironie, und es wird kruder und abstruser, je schneller die Handlung auf das unglaubwürdige Happy End zueilt. Bertolt Brecht nannte es das „Abc der Teutschen Misere“, ein Stück über die „Selbstentmannung des Intellektuellen“ – sicher ein Thema, bei dem heute noch Nachhilfebedarf besteht.

Zusammenfassung

Armer, arbeitsloser Akademiker
Läuffer, ein Pfarrerssohn mit abgeschlossenem geisteswissenschaftlichem Studium, denkt laut über seine Zukunftsperspektiven nach: Der Vater hat kein Geld, um ihm eine Stelle als Beamtengehilfe zu erkaufen. Für den Pfarrersberuf findet er sich...
Lesen Sie die Hauptaussagen dieses Buches in weniger als 10 Minuten. Erfahren Sie mehr über unsere Produkte. oder loggen Sie sich ein.

Über den Autor

Jakob Michael Reinhold Lenz wird am 23. Januar 1751 in Seßwegen in der russischen Ostseeprovinz Livland (heute Estland/Lettland) als Sohn eines protestantischen Pfarrers und einer Pastorentochter geboren. Mit 15 veröffentlicht er sein erstes Gedicht, 1768 beginnt er, in Königsberg Theologie zu studieren. Dort lernt er Immanuel Kant kennen und schätzen und beschäftigt sich auf dessen Anraten hin mit den Schriften Jean-Jacques Rousseaus. Nach drei Jahren bricht er sein Studium ab und heuert gegen den Willen seines Vaters als Gesellschafter der Gebrüder Kleist an, zweier junger Offiziersanwärter, die er nach Straßburg begleitet. Hier macht er Bekanntschaft mit dem fast gleichaltrigen Johann Wolfgang von Goethe und verliebt sich in dessen ehemalige Geliebte Friederike Brion. Doch Lenz wirbt vergeblich um sie. In der Straßburger Zeit schreibt er die Dramen Der Hofmeister und Der neue Menoza sowie die Anmerkungen übers Theater, die 1774 veröffentlicht werden. Von der Schriftstellerei allein kann er nicht leben, sodass er weiterhin privat unterrichtet. Im Frühjahr 1776 folgt er seinem großen Vorbild Goethe an den Weimarer Hof, doch wegen einer „Eseley“ – wie Goethe es nannte – wird er gegen Jahresende der Stadt verwiesen. Bis heute ist nichts Genaues über den Streit bekannt. Lenz wird zunehmend von Anfällen paranoider Schizophrenie und religiösen Wahnvorstellungen heimgesucht. Anfang 1778 versucht er während seines Aufenthalts bei einem Pfarrer im Elsass, ein totes Kind zum Leben zu erwecken. Seine Hilferufe an den Vater verhallen ungehört. Schließlich holt der jüngere Bruder ihn nach Riga zurück. Weil er dort beruflich nicht Fuß fassen kann, verdingt sich Lenz fortan als Hofmeister, lernt Russisch und geht nach Moskau. Er verkehrt mit den dortigen Freimaurern und entwirft pädagogische und politische Reformvorhaben. In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1792 stirbt er aus ungeklärten Umständen auf einer Moskauer Straße.


Kommentar abgeben

Mehr zum Thema

Mehr in den Kategorien