Zusammenfassung von Der Tod in Venedig

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Der Tod in Venedig Buchzusammenfassung
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Rezension

Verhängnisvolle Knabenliebe

Mit Mitte 30 verfasste Thomas Mann diese Novelle, die vor autobiografischen Elementen geradezu strotzt. Er schildert das Verhängnis einer Künstlernatur, wie der Dichter selbst eine war. Dieser Künstler ist der Schriftsteller Gustav Aschenbach, den ein seltsames Fernweh zur Ferienreise nach Venedig lockt. Vor der Kulisse dieser Stadt des Verfalls entspinnt sich für Aschenbach eine ungeheuerliche Romanze - zu einem halbwüchsigen Knaben. Ganz der vergeistigte Romancier, vergöttert er den blondgelockten Jüngling als Ideal der Schönheit und als lebendig gewordenes Kunstwerk. Es dauert eine Weile, bis er sich eingesteht, dass er das Unvorstellbare für den Jungen empfindet: Liebe. Spätestens jetzt beginnt sein Abstieg, wird sein zuvor maßvolles und diszipliniertes Leben brüchig und endet schließlich in rauschhafter Verzückung - und dem Tod in Venedig. Thomas Mann stattete seine meisterhafte Novelle mit einem reichen mythologischen und ästhetischen Subtext aus. Die typisch Mann’sche Künstlerproblematik, die Themen Tod, Verfall und Auseinanderbrechen bürgerlicher Wertmaßstäbe finden sich, wie so häufig im Werk des großen Dichters, auch hier.

Über den Autor

Thomas Mann wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Er ist der zweite Sohn einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie, sein älterer Bruder Heinrich wird ebenfalls Schriftsteller. Thomas hasst die Schule und verlässt das Gymnasium ohne Abitur. Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie 1894 nach München, dort arbeitet Mann kurzfristig als Volontär bei einer Feuerversicherung. Als er mit 21 Jahren volljährig ist und aus dem Erbe des Vaters genug Geld zum Leben erhält, beschließt er, freier Schriftsteller zu werden. Er reist mit Heinrich nach Italien, arbeitet in der Redaktion der Satirezeitschrift Simplicissimus und schreibt an seinem ersten Roman Buddenbrooks, der 1901 erscheint und ihn sofort berühmt macht. Der Literaturnobelpreis, den er 1929 erhält, beruht vor allem auf diesem ersten Buch – Mann, nicht uneitel, erwartet die Auszeichnung allerdings schon 1927. Trotz seiner homoerotischen Neigungen heiratet er 1905 die reiche Jüdin Katia Pringsheim. Sie haben sechs Kinder, darunter Klaus, Erika und Golo Mann, die ebenfalls als Schriftsteller bekannt werden. Weil Thomas den Ersten Weltkrieg zunächst befürwortet, kommt es zwischen ihm und seinem Bruder Heinrich zum Bruch, der mehrere Jahre andauert. 1912 erscheint die Novelle Der Tod in Venedig, 1924 der Roman Der Zauberberg. In den 1930er Jahren gerät er ins Visier der Nationalsozialisten, gegen die er sich in öffentlichen Reden ausspricht; seine Schriften werden verboten. Nach der Machtergreifung Hitlers kehrt er von einer Vortragsreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Zunächst leben die Manns in der Schweiz, 1938 emigrieren sie in die USA, 1944 nimmt Mann die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1947 erscheint Doktor Faustus, eine literarische Auseinandersetzung mit der Naziherrschaft. Nach dem Krieg besucht Thomas Mann Deutschland nur noch sporadisch; die von ihm vertretene Kollektivschuldthese verschafft ihm nicht nur Anhänger. Als die Manns 1952 nach Europa zurückkehren, gehen sie wieder in die Schweiz. Thomas Mann stirbt am 12. August 1955 in Zürich.

 

Zusammenfassung

Tapetenwechsel

Der Schriftsteller Gustav Aschenbach, der sich seit seinem 50. Geburtstag sogar "von Aschenbach" nennen darf, schlendert eines Nachmittags durch München. Die Arbeit hat am Vormittag seiner ganzen Aufmerksamkeit bedurft und ihn ermüdet. Ein Spaziergang durch den Englischen Garten soll ihn aufmuntern. An der Bahnstation am Nordfriedhof wartend, macht Aschenbach eine merkwürdige Beobachtung. Ihm fällt ein seltsamer, hagerer Mann vor der Aussegnungshalle auf. Diesen mustert er eindringlich. Der Fremde bemerkt Aschenbachs Interesse und beantwortet dies mit einem geradezu kriegerischen Blick. Aschenbach ist peinlich berührt und entfernt sich. Wenig später stellt er fest, dass ihn plötzlich die Reiselust gepackt, ja geradezu überfallen hat. Reisen betrachtet er als eine notgedrungene Maßnahme, die dann und wann nötig, aber nicht unbedingt immer wünschenswert ist. Zwar kann Aschenbach mit seinem Schaffen zufrieden sein, aber er merkt zunehmend, dass sein künstlerisches Talent auch eine Bürde ist. Sein Arbeitsfluss ist gehemmt, sein Einverständnis mit dem eigenen Werk geschwunden. Die Vorstellung, vier Wochen im Süden zuzubringen, verspricht neuen Esprit und neue Antriebskräfte, sodass Aschenbach eine Ferienreise vor sich selbst rechtfertigen kann.


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