Zusammenfassung von Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft

San Francisco 1976
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

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Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft Buchzusammenfassung
Eine brillante Analyse der Gefahren, die vom unkritischen Einsatz des Computers ausgehen.

Rezension

Kritischer Umgang mit der Technik

„In diesem Buch geht es nur vordergründig um Computer“ – das ist der erste Satz eines Werks, dessen Titel das Gegenteil suggeriert. In der Tat hat Joseph Weizenbaum Grundsätzliches im Visier: die Autonomie des Menschen gegenüber der Technik, den gesunden Menschenverstand und nicht zuletzt den politischen Willen, den es braucht, um die Sachzwänge und Verselbstständigungstendenzen der Rechenmaschinen im Zaum zu halten. „Ich bin kein Computerkritiker“, entgegnete Weizenbaum stets, wenn er als solcher tituliert wurde, „Computer kann man nicht kritisieren. Ich bin Gesellschaftskritiker.“ Weizenbaum, der seine Autorität und sein Wissen aus der Tatsache zog, dass er als Computerexperte zu den Pionieren der Branche gehörte, stellt die Arbeitsweise des Rechners der menschlichen Vernunft gegenüber und skizziert die Entwicklung von „judgement“ zu „calculation“, also von einem komplexen, intuitiven Urteilen zum reinen Berechnen. Was auf dem Weg von der analogen zur digitalen Wahrnehmung an Wahrheit verloren geht, versucht dieses Buch festzuhalten. Eine eindringliche Warnung an die Adresse einer technokratischen Gesellschaft.

Zusammenfassung

Der Mensch und seine Werkzeuge
Die Geschichte des Menschen ist untrennbar mit der Geschichte seiner Werkzeuge verbunden. Mit ihrer Hilfe hat er seine natürliche Umwelt tief greifend verändert und seine Möglichkeiten potenziert. Sie sind Ausdruck des planvollen menschlichen Denkens. Denn...
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Über den Autor

Joseph Weizenbaum wird am 8. Januar 1923 in Berlin als Sohn eines Kürschnermeisters in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Nach der Machtergreifung der Nazis muss die Familie Deutschland verlassen und emigriert in die USA, wo sie zunächst bei Verwandten in Detroit unterkommt. Die Erfahrung dieses Bruchs, der neuen Sprache und des Fremdseins in der neuen Umgebung schildert Weizenbaum später als prägend für seinen weiteren Weg. Hinzu kommt, dass er sich weniger zum Sport und zu den Vergnügungen der anderen Jungen hingezogen fühlt als zur Mathematik. Sein Studium, unterbrochen vom Militärdienst, absolviert er an der Wayne State University in Detroit. 1950 macht er seinen Abschluss als Master. Von 1955 bis 1963 arbeitet er bei General Electric an der Entwicklung des ersten computergestützten Banksystems. 1963 wird er als Assistenzprofessor für Computerwissenschaften an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) berufen, 1970 zum Professor ernannt. Am MIT entwickelt er 1966 das Programm ELIZA, das der Erforschung der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine dient. Das Programm macht Weizenbaum in der Szene berühmt; die teilweise völlig unkritischen Reaktionen der Menschen gegenüber dem Computer aber entsetzen ihn regelrecht und bewegen ihn zu mehreren Veröffentlichungen, die 1976 in sein Buch Computer Power and Human Reason (Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft) münden. Von da an ist seine Rolle endgültig die des Warners und des Außenseiters im wissenschaftlichen Establishment. Nach seiner Emeritierung nimmt er verschiedene Gastprofessuren an und wird mit mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Ab 1996 lebt er wieder in Berlin, wo er am 5. März 2008 an den Folgen eines Schlaganfalls stirbt.


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    Guest vor 3 Jahren
    Eine Schlüsselstelle des Buches ist die Untersuchung von sprachlichen Umformulierungen. Eine mathematische Formel a * (b + c) lässt sich beliebig umformen, ohne den Wert des Ausdrucks dadurch zu verändern. Nehmen wir aber eine sprachliche Äusserung, z.B. "Ich kenne keinen Mann, der grösser ist als Peter.", lässt sich diese umformen in "Ich kenne keinen grösseren Mann als Peter.", woraus wir die Transformationsregel "Ich kenne keinen X, der grösser ist als Y." [wird zu] "Ich kenne keinen grösseren X als Y." ableiten können. Das ganze funktioniert aber nur, solange Y männlich ist. "Ich kenne keinen Mann, der grösser ist als Elisabeth" ist ein korrekter Satz mit der gleichen Syntax, auf ihn lässt sich aber die Transformationsregel nicht anwenden: "Ich kenne keinen grösseren Mann als Elisabeth." ist Unsinn, da "Elisabeth" (in unserem Kulturkreis) eine weibliche Person bezeichnet.
    Das Problem scheint mir zu sein, dass mathematische Symbole a priori definiert werden können, Symbole der natürlichen Sprachen jedoch nicht. Die Variable a ist eine positive natürliche Zahl, also eine 1, zu der beliebig oft eine 1 dazugezählt werden kann. Kennt der Computer eine natürliche Zahl, kennt er alle. Bei Wörtern und Namen ist dies jedoch nicht möglich. Ob ein Y weiblich oder männlich ist, hängt vom Kontext und vom kulturellen Hintergrund ab, den man einem Computer zuerst beibringen müsste.

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