Zusammenfassung von Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Wien 1906
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Die Verwirrungen des Zöglings Törleß Buchzusammenfassung
Sex und Gewalt im Jungeninternat.

Rezension

Sex und Gewalt im Internat

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Romane um 1900. Er ist zeitlos in der Schilderung des Lebensgefühls Pubertät: das Warten und Suchen, die Leere und Langeweile, das Gefühl, vor einem Tor zu stehen, das sich noch nicht aufgetan hat. Aus heutiger Perspektive ist das Buch geradezu hellsichtig, was diktatorische Systeme betrifft: Es scheint die perverse Vernichtungslogik des Nationalsozialismus an zwei jugendlichen Klassentyrannen sowie ihrem Opfer und ihrem Mitläufer durchzudeklinieren. Während heute das Thema Homosexualität unter Internatsschülern kaum noch schockiert, so ist man doch sehr irritiert darüber, wie das Gewaltopfer vom Erzähler als „moralisch minderwertig“ taxiert wird. Der Mitläufer Törleß empfindet kein Mitleid mit dem Gefolterten, er hilft ihm lange nicht und am Ende nur, um dem Ganzen selbst zu entkommen – und er empfindet bis zum Schluss ausdrücklich keine Reue. Während die Erzählweise, wenn sie nah an Törleß ist, durch ihre Modernität überzeugt, nervt sie an den vielen Stellen, wo der Erzähler es besser weiß und das Erleben der Hauptfigur nicht nur kommentiert, sondern sogar korrigiert.

Zusammenfassung

Abschied von den Eltern
Begleitet von einer Gruppe von Mitschülern nimmt der 16-jährige Törleß am Bahnhof Abschied von seinen Eltern, die ihn in den letzten zwei Tagen in der Einöde seines Militärinternats besucht haben. Vier Jahre zuvor wollte er unbedingt in dieses berühmte Internat...
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Über den Autor

Robert Musil wird am 6. November 1880 in Klagenfurt geboren. Als Zwölfjähriger kommt er ins Internat, zuerst auf die Militär-Unterrealschule in Eisenstadt, dann auf die Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen (heute Tschechien). Die anschließende, von den Eltern gewünschte Offiziersausbildung bricht er ab und studiert Maschinenbau, nebenbei betätigt er sich auch schriftstellerisch. 1901 schließt er das Studium als Ingenieur ab und wird später wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart. Während dieser Zeit beginnt er an seinem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß zu arbeiten, veröf¬fentlicht diesen aber erst 1906. Der Roman wird ein großer Erfolg. Musil studiert erneut, diesmal in Berlin Philosophie, Mathematik und Psychologie; dieses Studium schließ er 1908 mit einer Dissertation über Ernst Mach ab. Musil beschließt, auf eine Universitätslaufbahn zu verzichten und stattdessen als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1911 heiratet er die Witwe Martha Marcovaldi, die einige Jahre älter ist als er und bereits zwei Kinder hat. Im Ersten Weltkrieg dient Musil als Hauptmann. 1917 wird sein Vater geadelt und Musils offizieller Name lautet nun Robert Edler von Musil. Er verfasst Erzählungen und Essays; Berühmtheit erlangt er aber erst 1930 wieder, als er das erste Buch von Der Mann ohne Eigenschaften veröffentlicht, auf das 1933 das zweite Buch folgt. Von 1931 bis 1933 lebt er in Berlin, dann kehrt er wieder nach Wien zurück. Im Sommer 1938 zieht er mit seiner jüdischen Frau in die Schweiz. Obwohl ihm der Rowohlt Verlag längst keine Vorschüsse mehr zahlt, arbeitet Robert Musil, mittlerweile völlig verarmt und auf Almosen angewiesen, weiterhin täglich an der Fortsetzung seines großen Romans. Am 15. April 1942 stirbt er im Genfer Exil.


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