Zusammenfassung von Faktizität und Geltung

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Faktizität und Geltung Buchzusammenfassung
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Rezension

Ein Plädoyer für den demokratischen Rechtsstaat

Mit seinem zweiten großen Hauptwerk, Faktizität und Geltung, hat Jürgen Habermas die Diskurstheorie zu einer Rechts- und Staatsphilosophie ausgebaut. Er geht dabei von modernen pluralistischen Gesellschaften aus, in denen sowohl religiöse Glaubenssysteme als auch traditionelle Wertvorstellungen ihren gesamtgesellschaftlichen Einfluss verloren haben. Daraus entsteht das Problem, wie soziale Normen einerseits faktische und andererseits legitime Geltung erlangen können, wie sie also von jedem Bürger befolgt und gleichzeitig anerkannt werden können. Diese letztlich politische Aufgabe, die Gesellschaft zu integrieren, muss in der Moderne das Recht übernehmen – und kann das, so Habermas, nur in Form einer rechtsstaatlich organisierten demokratischen Praxis leisten. Die eigentliche Pointe liegt darin, dass diese demokratische Praxis im Lichte der Habermasʼschen Theorie des kommunikativen Handelns zu verstehen und zu gestalten ist. Die Ausarbeitung dieser These zu einem diskurstheoretischen Modell deliberativer Politik nimmt den Großteil des über 700 Seiten starken Buches in Anspruch. Das ist zwar nicht immer leicht zu lesen, dafür aber ein umfassender und anregender Versuch, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in modernen Gesellschaften zu denken. 

Über den Autor

Jürgen Habermas wird am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren und wächst in Gummersbach in einem konservativ-bürgerlichen Umfeld auf. Als Jugendlicher erlebt er den Zweiten Weltkrieg und das Ende des Nationalsozialismus mit. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelt er früh ein Interesse am Marxismus, beschäftigt sich aber auch mit jüdischer und christlicher Mystik. Von 1949 bis 1954 studiert Habermas Philosophie, Geschichte, Psychologie, Literatur und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn. Nach der Promotion arbeitet er zunächst freiberuflich als Journalist und schreibt unter anderem für die FAZ, ehe er 1956 an der Universität Frankfurt Assistent von Theodor W. Adorno wird. Als es jedoch mit Institutsleiter Max Horkheimer zu Differenzen kommt, habilitiert sich Habermas nicht in Frankfurt, sondern 1961 an der Universität Marburg mit der Schrift Strukturwandel der Öffentlichkeit. Zeitgleich tritt er eine Professur in Heidelberg an. Ab 1965 lehrt er in Frankfurt – als Nachfolger von Horkheimer. 1968 erscheint sein einflussreiches Werk Erkenntnis und Interesse. Die Studentenbewegung findet zunächst Habermas’ Unterstützung. Mit der Zeit jedoch wandelt sich seine Einstellung, er kritisiert die Studentenführer als zu dogmatisch und realitätsfern. 1971 verlässt Habermas Frankfurt und wird Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, zusammen mit Carl Friedrich von Weizsäcker. Immer wieder meldet sich Habermas öffentlich zu Wort. So auch 1977, als die RAF Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer tötet und die Philosophie der Frankfurter Schule als geistiger Wegbereiter des Terrorismus kritisiert wird. 1981 erscheint Habermas’ Hauptwerk Theorie des kommunikativen Handelns. 1983 kehrt er an die Universität Frankfurt zurück und lehrt dort bis zu seiner Emeritierung 1994.

 

Zusammenfassung

Die Kategorie des Rechts

Es soll eine Rechtsphilosophie vorgestellt werden, die im Zeichen der Theorie des kommunikativen Handelns steht und die Notwendigkeit eines radikal demokratischen Rechtsstaates nachweist. Weshalb ist ausgerechnet die Diskurstheorie für dieses Projekt einer zeitgenössischen Rechts- und Staatstheorie besonders geeignet? Die traditionellen, auf Individuen fokussierten Vorstellungen vom Staat und der praktischen Vernunft befinden sich angesichts pluralistischer Gesellschaften in einer Krise. Von den zahlreichen Versuchen ihrer Neubegründung erscheint nur die Diskurstheorie Erfolg versprechend, denn sie wandelt praktische in kommunikative Vernunft um: eine durch sprachliche Verständigung – also kommunikatives Handeln – erzielte intersubjektive Koordination von Interaktionen.


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