Zusammenfassung von Jahrestage

Aus dem Leben von Gesine Cresspahl

Frankfurt am Main 1970
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

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Jahrestage Buchzusammenfassung
Vier Jahrzehnte deutsch-deutscher Geschichte, in 366 Tagen erzählt – die „Jahrestage“ sind ein Jahrhundertroman von epischer Breite und Größe.

Rezension

40 Jahre deutscher Geschichte

Der ahnungslose Leser steht vor Johnsons Jahrestagen wie der Ochs vorm Berg: Schier unüberwindbar erscheint dieser Wälzer von gut 1700 Seiten über die unnahbare Gesine Cresspahl und ihre frühreife Tochter Marie. Die Themen und Motive verschwimmen vor den Augen: Kindheit während der Nazizeit, Jugend in der stalinistisch geprägten DDR, Übersiedlung, Verlust der Heimat und schließlich die New Yorker Gegenwart, geprägt von Rassendiskriminierung und Nachrichten über Kriegstote in Vietnam. Die Gefahr ist groß, dass dem Besteiger dieses Romanbergs nach den ersten Schritten die Puste ausgeht. Allzu leicht kann er – umgeben von plattdeutschen Dialogen, seitenlangen Zeitungszitaten und Stimmen aus dem Jenseits – die Orientierung verlieren. Doch wenn er durchhält und es bis zum Gipfel schafft, bietet sich ihm ein einmaliger Anblick: Vier Jahrzehnte deutscher Geschichte breiten sich vor ihm aus. Er hat die Farben der Mecklenburger Ostseeküste in sich aufgesogen, den einsamen Tod des alten Cresspahl beweint und über skurrile Geschichten wie den Ersatz des Christkindes durch das „Solidaritätsmännchen“ in der DDR gelacht. Es war ein Kraftakt. Aber er hat sich gelohnt!

Zusammenfassung

Zwei Deutsche in New York
August 1967. Die aus Mecklenburg stammende Gesine Cresspahl lebt seit sechs Jahren mit ihrer zehnjährigen Tochter Marie in New York. Marie hatte anfangs große Schwierigkeiten, sich einzuleben. Doch nun liebt sie die Stadt, die Mietwohnung am Riverside Drive und...
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Über den Autor

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 im polnischen Kamień Pomorski, dem damaligen Cammin in Vorpommern, als Sohn eines Landwirts und Gutsverwalters geboren. Das vierte Schuljahr verbringt er in einem Eliteinternat der Nationalsozialisten. Anfang 1945 flieht der Elfjährige mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Mecklenburg. Sein Vater stirbt in sowjetischer Haft. Nach dem Abitur in Güstrow studiert er zunächst Germanistik in Rostock. Er protestiert in einer Großversammlung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) gegen die staatliche Verleumdung der evangelischen Jungen Gemeinde und wird daraufhin exmatrikuliert. Johnson tritt aus der FDJ aus. In Leipzig wird er wieder zum Studium zugelassen. Sein Diplom macht er 1956 bei Hans Mayer, einem prominenten jüdischen Literaturwissenschaftler, der nach Kriegsende in die DDR zurückgekehrt ist. Im gleichen Jahr vollendet er seinen ersten Roman, Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953, der von ost- und westdeutschen Verlagen abgelehnt und erst posthum veröffentlicht wird. Der Roman Mutmaßungen über Jakob erscheint 1959 im Frankfurter Suhrkamp Verlag und wird auf der Buchmesse enthusiastisch gefeiert. Er handelt vom Leben und Tod eines Grenzgängers, der auf keiner Seite Deutschlands zurechtkommt. Kurz nach dem Erscheinen siedelt Johnson nach Westberlin über. In den 60er Jahren folgen mehrere Werke, in denen er historische Ereignisse wie den DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953, den Ungarnaufstand 1956 und den Mauerbau 1961 aufarbeitet. Anfang 1968, während eines Stipendiums in New York, beginnt er die Arbeit an seinem Hauptwerk Jahrestage. Die ersten drei Bände erscheinen 1970, 1971 und 1973. 1974 zieht er nach Sheerness-on-Sea, einem einsamen Ort auf der englischen Themse-Insel Sheppey. Er trinkt, leidet unter schweren Depressionen und einer Schreibblockade. Für Letztere macht er die Untreue und angebliche Spionagetätigkeit seiner Frau Elisabeth verantwortlich. Auf Drängen seines Verlegers beendet er 1983 den vierten Band der Jahrestage. Am 23. Februar 1984 stirbt er 49-jährig an Herzversagen. Seine Leiche wird erst drei Wochen später gefunden.


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