Zusammenfassung von Lazarillo de Tormes

Alcalá de Henares, Medina del Campo, Antwerpen, Burgos 1554
Diese Ausgabe: Reclam, Mehr

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Lazarillo de Tormes Buchzusammenfassung
Hunger, Heuchelei und Bauernschläue im Spanien des 16. Jahrhunderts – der erste Schelmenroman der Weltliteratur.

Rezension

Der erste Schelmenroman

Lazarillos respektlose, bittere, verzweifelte und dabei ungemein komische Lebensgeschichte war unerhört in ihrer Zeit: Mitte des 16. Jahrhunderts war die spanische Literatur von Idyllen und Heldengeschichten beherrscht. Im Lazarillo de Tormes stand plötzlich ein Hunger leidender Junge aus dem Proletariat im Mittelpunkt, in dessen Erlebnissen die Misere des Landes ebenso zum Vorschein kam wie die Niedrigkeiten und die Doppelmoral der feineren Kreise. Adel und Klerus werden hier als Schmarotzer an einem darbenden Volk gezeichnet – und als skrupellos unproduktive Klassen trugen sie in der Tat die Hauptschuld an Spaniens jahrhundertelangem Rückstand. Aus Lazarillo, dem bauernschlauen Kerl, der sich mit knurrendem Magen durchlaviert und dabei in aller Unschuld der Gesellschaft den Spiegel vorhält, wurde ein Vorbild für zahlreiche literarische Nachfolger: Das kurze und mitunter etwas unebene Buch begründete das Genre des Schelmenromans, das noch immer neu variiert wird. Die katholische Kirche ließ das Buch umgehend verbieten und gestattete dann über lange Zeit nur eine zensierte Ausgabe. Der Autor tat wahrscheinlich gut daran, anonym zu bleiben. Heute kann man seine souveräne Mischung aus volkstümlicher und rhetorisch zugespitzter Sprache längst wieder in ganzer Breite und Tiefe genießen.

Zusammenfassung

Eine elend arme Kindheit
In einer kurzen Vorrede drückt der Erzähler Lázaro de Tormes die Hoffnung aus, sein Werk möge viele Leser finden. Er habe den Text mit den besten Absichten verfasst, deshalb enthalte er bestimmt einige bedenkenswerte Punkte. Vor allem aber wünscht er sich...
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Über den Autor

Noch immer weiß man nicht, wer den Lazarillo de Tormes geschrieben hat. Und es ist gut möglich, dass die Frage auch auf ewig ungelöst bleibt. Im Lauf der Zeit hat es allerdings etwa ein Dutzend verschiedene Zuschreibungen gegeben. Eine der ersten stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts und weist einen ranghohen Mönch des Hieronymiten-Ordens als Autor aus. In seiner Zelle soll sich angeblich ein Entwurf des Textes befunden haben. Weitere Kandidaten waren Alfonso de Valdés, ein Sekretär Karls V. und zugleich Anhänger der humanistischen Lehren des Erasmus von Rotterdam, und der populäre Schriftsteller Sebastián de Horozco. Dieser war ein Rechtsgelehrter aus Toledo, der historische Schriften und eine Reihe von Erzählungen verfasst hat. Auch Fernando de Rojas, der Autor des berühmten Theaterstücks La Celestina (1499), war als Urheber im Gespräch. In jüngster Zeit erhielt eine Zuschreibung neuen Aufwind, die bereits 1607 in einer Enzyklopädie spanischen Schrifttums vorgenommen worden war: Demnach stammt der Lazarillo aus der Hand des Dichters und Diplomaten Diego Hurtado de Mendoza. Dieser sprach neben Latein und Griechisch auch Arabisch und Hebräisch und war als Botschafter seines Landes u. a. in England, Rom und Venedig tätig. Er genoss eine umfassende Bildung und galt als eine der maßgeblichen Persönlichkeiten seiner Zeit. Hurtado de Mendoza unternahm diplomatische Missionen für Karl V. und pflegte darüber hinaus eine Freundschaft mit der berühmten Mystikerin Teresa von Ávila. Seine ältere Schwester Maria Pacheco war die Gattin des Revolutionärs Juan de Padilla, eines Adligen, der 1520 den Comuneros-Aufstand gegen Karl V. anführte.


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