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Wem die Stunde schlägt

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Wem die Stunde schlägt

S. Fischer,

15 Minuten Lesezeit
12 Take-aways
Text verfügbar

Was ist drin?

Hemingway verdichtet seine Erfahrungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg zu einem menschlichen Drama in drei Tagen. Einer seiner größten Romanerfolge.


Literatur­klassiker

  • Roman
  • Moderne

Worum es geht

Der Roman des Spanischen Bürgerkriegs

Unmittelbar im Anschluss an seine Tätigkeit als Kriegsberichterstatter in Spanien verarbeitete Ernest Hemingway seine Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Roman, der zu seinen meistgepriesenen und erfolgreichsten Werken zählt. Der junge Amerikaner Robert Jordan nimmt, wie viele Intellektuelle der damaligen Zeit, als Mitglied der Internationalen Brigaden am Kampf gegen die Faschisten Francos teil. Als Sprengstoffexperte ist Jordan ein Einzelkämpfer. Er wird zu bestimmten Einsätzen kommandiert und muss sehen, wie er sich zusätzliche Hilfe bei den Partisanen vor Ort organisiert. Zur Unterstützung einer groß angelegten Offensive soll er mithilfe einiger bäuerlicher Guerilleros eine strategisch wichtige Straßenbrücke sprengen. In den drei Tagen und drei Nächten der Vorbereitung wird die Gruppe, zu der auch zwei Frauen gehören, zur Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt; Robert und Maria entdecken ihre Liebe. Das Ende ist tragisch, genau wie die historische Realität. Auch wenn das Buch etwas uneinheitlich wirkt und etliche Nebenfiguren blass bleiben, gelingt Hemingway eine sehr spannungsvolle, exemplarische Verdichtung eines weltpolitischen Dramas.

Take-aways

  • Nach seinem antifaschistischen Engagement im Spanischen Bürgerkrieg gelang Hemingway mit Wem die Stunde schlägt einer seiner größten Erfolge.
  • Einen dreitägigen Partisaneneinsatz setzt er in ein existenzielles Schicksalsdrama um.
  • Der amerikanische Kriegsfreiwillige Robert Jordan erhält den Auftrag, mithilfe einheimischer Partisanen hinter den feindlichen Linien eine Brücke zu sprengen.
  • Die Partisanengruppe wird von dem zwielichtigen Pablo und dessen Frau Pilar angeführt.
  • Pilar beschützt die zarte, junge Maria, die nach der Erschießung ihrer Eltern und nach Vergewaltigungen durch die Faschisten entkommen konnte.
  • Jordan und Maria verlieben sich ineinander und überwinden in den drei Tagen bis zur Brückensprengung die traumatischen Erfahrungen ihres bisherigen Lebens.
  • Pablo versucht mehrfach, den Auftrag Jordans zu sabotieren. Die beiden liefern sich einen unterschwelligen Kampf um das Kommando der Gruppe.
  • Auf dem Marsch zu einer Partisanengruppe, von der sie Hilfe erwarten, erzählt Pilar eine Episode vom Anfang des Kriegs und enthüllt den sadistischen Charakter ihres Mannes.
  • Die Gruppe wird am folgenden Tag nach überraschendem Schneefall von einer faschistischen Patrouille aufgespürt und vernichtet.
  • Obwohl das Unternehmen zum Scheitern verurteilt scheint, ermöglicht Pablo doch noch die Sprengung, die sich jedoch als strategisch sinnlos erweist.
  • Auf dem Rückzug wird Jordan tödlich verletzt, Maria muss ihn zurücklassen.
  • Obwohl im Roman nur Randfiguren des historischen Geschehens mitspielen, entsteht ein meisterhaft dichtes Bild des Spanischen Bürgerkriegs.

Zusammenfassung

Eine Brücke muss gesprengt werden

General Golz, der Befehlshaber einer Division der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, hat den Amerikaner Robert Jordan über die Sprengung einer Straßenbrücke in der Sierra de Guadarrama instruiert. Die eigentliche Sprengung ist für einen Fachmann wie Jordan kein Problem. Es ist vielmehr der Zeitpunkt, der Schwierigkeiten bereitet – die Brücke soll genau zu Beginn der großen Offensive gesprengt werden, mit der Golz eine strategisch wichtige Passhöhe erobern will. Die Aktion ist Voraussetzung für die geplante Einnahme der Stadt Segovia: Ohne Flussübergang kann der Gegner keine Verstärkung zur Abwehr der Partisanenoffensive heranführen. Allerdings darf die Sprengung auch nicht zu früh erfolgen, denn das würde dem Feind das ganze Vorhaben verraten. Das geplante Datum des Angriffs ist bekannt, aber ob die Aktion nicht verschoben oder in letzter Minute abgeblasen wird, lässt sich nicht vorhersagen.

„Ich muss die Gewissheit haben, dass die Brücke weg ist. Nicht zu früh, damit sie nicht repariert werden kann, falls der Angriff verschoben wird. Nein, sie muss in die Luft fliegen, sowie der Angriff beginnt, und ich muss wissen, dass sie weg ist.“ (Golz, S. 14)

Mit Anselmo, einem ortskundigen Führer, der ihn durch die feindlichen Linien gelotst hat, erkundet Jordan nun das schroffe, bergige, von Kiefernwäldern überzogene Gelände rund um die Schlucht, wo sich die Brücke befindet. Bald begegnen sie Pablo, einem kräftigen Bauern, der die Partisanengruppe dieser Gegend anführt. Der mürrische, an keine Militärdisziplin gewöhnte Analphabet hält Jordans Dynamit zunächst für ein willkommenes Mitbringsel. Als der Amerikaner ihm bedeutet, dass es für eine besonders wichtige Aktion gedacht sei, für die er die Verantwortung trage, reagiert Pablo skeptisch. Jordan ist auf die Hilfe Pablos und seiner Gruppe angewiesen; sie sollen vor der Sprengung die Wachen an der Brücke ausschalten. Eigentlich müsste Jordan die ganze Unternehmung wie ein Befehlshaber leiten – Pablo allerdings sieht dadurch seine Stellung als Anführer bedroht.

„Wenn es stimmt, was der Zigeuner sagt, dass sie von mir erwarteten, ich würde Pablo töten, dann hätte ich es tun müssen.“ (Jordan, S. 78 f.)

Gemeinsam suchen die drei das versteckte Höhlenlager von Pablos Schar auf. Pablo hat einige Kavalleriepferde erbeutet, auf die er sehr stolz ist. Zu seinem Trupp gehören u. a. Andrés, Agustín, der Zigeuner Rafael, Pablos Frau, die beherzte Pilar, und Maria, eine zarte junge Frau mit goldbrauner Haut. Als Mädchen musste sie mit ansehen, wie die Faschisten ihre Eltern erschossen, sie wurde vergewaltigt und man rasierte ihr die Haare ab. Als sie zusammen mit anderen Gefangenen verlegt werden sollte, sprengten Partisanen den Zug, und sie konnte entkommen. Jetzt kümmert sich Pilar mit mütterlicher Fürsorge um sie. Pilar ist eine lebenserfahrene Frau, aus der auch „ein tüchtiger Mann“ hätte werden können, wie sie selber sagt.

Drohender Zweikampf und junge Liebe

Robert Jordan kehrt mit Anselmo zu der Schlucht zurück, um das Terrain um die Brücke in Augenschein zu nehmen. Er fertigt eine Skizze an und notiert sich wichtige Details. Um die Wachmannschaften auszuschalten, benötigen Pablo und seine Leute die Hilfe eines weiteren Freischärlertrupps aus der Nachbarschaft. Dessen Anführer wird wegen seiner Schwerhörigkeit El Sordo genannt, der Taube.

„Aus mir wäre ein tüchtiger Mann geworden, aber ich bin ganz Weib und ganz hässlich.“ (Pilar, S. 117 f.)

Zurück in der Höhle, kommt es während eines Essens zu einer Machtprobe zwischen Jordan und Pablo. Pablo weigert sich ausdrücklich, sich selbst an der Brückensprengung zu beteiligen, überlässt die Entscheidung jedoch jedem Einzelnen. Alle nehmen Partei für Jordan, erst recht, nachdem Pilar sich für ihn ausgesprochen hat. Sie ist die eigentliche Anführerin der Gruppe. Die Situation ist brenzlig, und Jordan hält seine Waffe schussbereit. Dass man von ihm erwartet, Pablo nach diesem Streit zu töten, wird ihm aber nicht klar. Die Gelegenheit verstreicht ungenutzt.

„(...) und da sah ich den Saal voller Menschen, die mit Knüppeln und Dreschflegeln drauflosschlugen und stachen und prügelten und stießen und die weißen, hölzernen Gabeln schwangen, die jetzt rot waren (...), und so ging’s im ganzen Saal zu, während Pablo auf dem großen Stuhl saß, die Schrotflinte auf den Knien, und zusah (...), und Menschen schrien wie Pferde im Feuer.“ (Pilar, S. 134)

Später, bei einem Gespräch über den Tod ihrer beider Väter, kommen sich Jordan und Maria näher. Während die Eltern des Mädchens ermordet wurden, hat sich Jordans Vater selbst das Leben genommen. In der Nacht nach ihrem Gespräch besucht Maria Jordan – mädchenhaft scheu, aber mit dem festen Vorsatz, sich von ihm küssen und auch lieben zu lassen. Den liebevollen Umgang zwischen Mann und Frau hat sie bis jetzt nicht kennengelernt, und Jordan scheint ihr der Richtige dafür zu sein. In seinem engen Flanellschlafsack schlafen die beiden miteinander.

Auf dem Weg zu El Sordo

Am zweiten Tag von Robert Jordans Aufenthalt bricht Pablos Gruppe auf, um sich mit derjenigen von El Sordo zu treffen. Während einer Rast schildert Pilar ausführlich, wie Pablo zu Beginn der Kampfhandlungen zwischen Republikanern und Faschisten seinen Heimatort eroberte und etwa 20 Faschisten einfangen und umbringen ließ: Mühlenbesitzer, Grundbesitzer, Futtermittelhändler, den Bürgermeister, den Pfarrer etc. – also alle Besitzenden. Sie wurden im Rathaus zusammengetrieben und von dort aus einer nach dem anderen durch eine Gasse von Revolutionären mit Dreschflegeln und Stöcken getrieben, totgeprügelt und schließlich über eine Klippe gestürzt. Im Lauf des Massakers steigerten sich die Beteiligten unter zunehmendem Alkoholeinfluss in einen wahren Blutrausch. Sie drangen ins Rathaus ein und metzelten die noch Verbliebenen nieder. Drei Tage später eroberten die Faschisten die Stadt zurück.

„Es müsste doch möglich sein, in siebzig Stunden sein Leben ebenso auszuschöpfen wie in siebzig Jahren, vorausgesetzt, dass man bis dahin aus dem Vollen gelebt und ein gewisses Alter erreicht hat.“ (Jordan, S. 197)

Die Gruppe kommt bei El Sordo und seine Partisanen an; der Schwerhörige kennt Jordans Vorhaben in groben Zügen und verhält sich dem Neuankömmling gegenüber sehr wohlwollend. Er hat sogar Whiskey herbeischaffen lassen, um den „Inglés“ gastfreundlich bewirten zu können – so wird Jordan von den einfachen Leuten genannt, die nicht zwischen einem Amerikaner und einem Engländer unterscheiden. Nachdem El Sordo alle Details verstanden hat, sichert er seine Teilnahme an der Aktion zu.

Die Ruhe vor dem Sturm

Nach der Rückkehr von El Sordo finden Jordan und Maria genügend Zeit, sich eine gemeinsame Zukunft auszumalen. Die Brückensprengung soll am übernächsten Morgen stattfinden. Jordan erzählt Maria von Madrid, wohin er sie mitnehmen will. Madrid ist für ihn so etwas wie seine spanische Heimatstadt, hier kennt er Hotels und Restaurants, in denen er sich zu Hause fühlt, hier hat er sich mit Kameraden von den Internationalen Brigaden getroffen. Jordan denkt zurück an Begegnungen aus der Friedenszeit und an einige Kriegserlebnisse. Er hat das Gefühl, dass sich sein ganzes Leben auf diese 70 Stunden in den Bergen verdichtet.

„Wenn wir nach dem Krieg keine Religion mehr haben, dann, glaube ich, muss irgendwie eine zivile Buße organisiert werden, damit alle sich von dem Morden reinigen können, sonst werden wir nie eine anständige und menschliche Grundlage für unser Leben haben.“ (Anselmo, S. 233)

Überraschenderweise – es ist schon Mai – beginnt es zu schneien. Das könnte bedeuten, dass Golz’ Offensive abgeblasen und die Brückensprengung überflüssig wird. Pablo freut sich diebisch darüber: Die Sprengung würde unweigerlich faschistische Patrouillen in die Berge ziehen, und mit dem bisherigen, relativ beschaulichen Partisanenleben wäre es vorbei. Er und seine Gruppe müssten ein Leben als gehetztes Freiwild führen.

„Ich werde nie vergessen, wie widerlich es mir war, als ich zum ersten Mal merkte, dass er ein cobarde war. Los, sag es in deiner Muttersprache. Feigling!“ (Jordan über seinen Vater, S. 392)

Die Gruppe von El Sordo hinterlässt Spuren im Schnee und wird von einer Faschistenpatrouille aufgespürt. Die Partisanen werden auf einer Hügelkuppe eingekreist. Sie können sich ein paar Stunden behaupten, weil sie sich still verhalten. Doch dann geht ausgerechnet der Hauptmann El Sordo selbst in den Tod, als er sich nach großmäuligen Provokationen aus der Deckung wagt. Die Gruppe um Pablo und Pilar hört die Schüsse und will den Kameraden zu Hilfe eilen. Doch Jordan, der sich über die Lage auf dem Hügel völlig im Klaren ist, hält sie davon ab. Sie würden nur blindlings ins eigene Verderben rennen. Als die Faschisten Verstärkung aus der Luft erhalten und der Hügel bombardiert wird, ist der Kampf für El Sordos Leute verloren. Die Faschisten schneiden den Toten die Köpfe ab, um sie später identifizieren zu können.

Die letzte Nacht

Bei Anbruch der Nacht schickt Jordan Andrés mit einer Depesche zu Golz. Er will den General dazu bewegen, auf den Angriff zu verzichten, obwohl der Schnee in der glühenden Sonne bereits wieder geschmolzen ist. Jordan vermutet, dass die geplante Offensive von den Faschisten abgefangen würde: Seine Wachposten haben ungewöhnlich viele Material- und Truppenbewegungen beobachtet, und er glaubt, dass die Offensive und die Sprengung der Brücke sinnlos wären. Allerdings kennt er den Gesamtplan von Golz nicht. Die Sprengung der Brücke könnte auch ein Ablenkungsmanöver oder ein Bluff sein. In dieser Situation muss Jordan an den von ihm bewunderten Großvater denken, der am Amerikanischen Bürgerkrieg teilgenommen und ihm die Grundbegriffe des Soldatentums und der Männlichkeit vermittelt hat. Dazwischen schiebt sich die Erinnerung an den Selbstmord des eigenen Vaters, den er als Verrat an diesem Männlichkeitsbild ansieht, eine traumatische Kindheitserfahrung. Er zwingt sich dazu, seinen Vater in Gedanken als Feigling zu bezeichnen.

„Ich habe zugesehen, wie sie beide erschossen wurden und mein Vater sagte: ‚Viva la República!‘, als sie ihn an die Wand des Schlachthauses stellten und erschossen.“ (Maria, S. 407)

Jordan und Maria verbringen ihre dritte Liebesnacht miteinander. Er malt sich ein unbeschwertes Zusammensein mit ihr in Madrid aus, ist sich aber bewusst, dass dies wohl ein schöner Traum bleiben wird. Zu viele Risiken birgt der Kampfauftrag, mit dem er weiterhin rechnen muss. Maria erzählt ihm nun vollkommen offen und ausführlich die Geschichte der Erschießung ihrer Eltern durch die Faschisten und die ihrer Vergewaltigungen. Bevor sie und Jordan einschlafen, versprechen sie sich, heiraten zu wollen.

Der Angriff

Mitten in der Nacht wird Jordan von Pilar geweckt. Obwohl sie ihm hoch und heilig versichert hat, persönlich seinen Rucksack mit dem Dynamit zu bewachen, wurde der Packen aufgeschlitzt. Es war Pablo, der mit etwas Dynamit und vor allem mit Zündvorrichtungen verschwunden ist, die Jordan dringend gebraucht hätte. Er weiß zwar, dass er etwas improvisieren kann, aber das Ganze riecht nach Verrat. Pilar ist untröstlich.

„Dann hörte er ein Geräusch vorbeizischen, sssst-tack-bum! Es war wie ein Peitschenknall, der zu einem hohlen Dröhnen anschwoll, und auf dem gegenüberliegenden Hang spritzte die Erde empor in einer kleinen Fontäne, von einer grauen Rauchfahne gekrönt.“ (S. 531)

Unterdessen ist Andrés mit Jordans Depesche unterwegs zu General Golz. Nicht das nächtliche Durchqueren der feindlichen Linien ist dabei die Hauptschwierigkeit, sondern den republikanischen Posten beizubringen, in welcher Mission er unterwegs ist und dass man ihn möglichst schnell weiterleiten soll. Untergeordnete Soldaten halten Andrés sogar für einen faschistischen Agenten, doch dann trifft er immerhin auf einen Kompanieführer, der die Wichtigkeit seines Auftrags erkennt und ihn mit seinem Motorrad weiterfährt. Gerade dieser Kompanieführer allerdings wendet sich im entscheidenden Moment an den falschen Mann, einen alternden französischen Politgeneral namens André Marty, der hinter allem und jedem Verrat wittert und die beiden Boten festhalten lässt. Nach langem Hin und Her und mithilfe von Martys Untergebenen kann Andrés die Depesche doch noch beim Stab von General Golz abgeben. Doch es ist zu spät. Die Kriegsmaschinerie ist bereits in Bewegung gesetzt worden und nicht mehr aufzuhalten. Die Offensive findet wie geplant statt – sinnlos, weil der Gegner nicht mehr überrascht wird.

„,Roberto!‘, rief Maria und drehte sich um. ‚Lass mich bei dir bleiben! Lass mich bei dir bleiben!‘ – ‚Ich bin bei dir!‘, rief Robert Jordan. ‚Ich bin jetzt bei dir. Wir sind beisammen. Geh!‘“ (S. 538 f.)

Unerwartet kehrt Pablo ins Lager zurück. Er hat Jordans Material in eine Schlucht geworfen, sich dann aber anders entschieden und in der Nacht sogar ein paar Freischärler aufgetrieben, die bei Jordans Aktion helfen werden. Der Angriff auf die Brücke verläuft im Großen und Ganzen planmäßig. Die Wachmannschaften werden getötet, Jordan kann die Sprengladungen fachgerecht anbringen, die verlorenen Zünder werden durch Handgranaten ersetzt. Lange dauert der Kampf um den Wachposten bei einer flussabwärts gelegenen Sägemühle, den Pablo mit seinen Leuten ausficht. Als er als Einziger wieder auftaucht, ist klar, dass er seine eigenen Mitkämpfer erschossen hat, um ihre Pferde für seinen eigenen Rückzug zur Verfügung zu haben. Pablo, denkt Jordan, ist eben doch einfach ein Mörder, voller Lust am Töten, ein dreckiges, verkommenes Schwein.

„Du hast ein ebenso gutes Leben gehabt wie dein Großvater, nur dass es kürzer ist. Diese letzten Tage, sie haben dein Leben so schön gemacht, wie es nur immer sein konnte.“ (Jordan, S. 541)

Dann wird die Sprengung ausgelöst. Die Brücke birst, Anselmo, von einem schweren Metallsplitter getroffen, stirbt, und die Überlebenden müssen sich schnellstmöglich zurückziehen. Pferde sind genug vorhanden, sie galoppieren los. Doch als sie eine Straße überqueren, werden sie unter Beschuss genommen. Fast alle können sich in den Schutz eines Waldes retten, auch Maria. Robert Jordan reitet als Letzter, kommt ebenfalls durch, doch sein Pferd wird getroffen, stürzt und begräbt Jordan unter sich. Seine Hüfte ist gebrochen. Jeder Versuch, ihn weiterzuschleppen, wäre aussichtslos. Maria will sich nicht von ihm trennen, aber er tut alles, um sie zum Weiterreiten mit den anderen zu bewegen. Allein zurückbleibend, erwartet er das Auftauchen der faschistischen Patrouille.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Roman schildert in 43 unterschiedlich langen Kapiteln die Aktivitäten einer Partisanengruppe während drei Tagen des Spanischen Bürgerkriegs. Die Geschehnisse werden geradlinig erzählt, doch die Perspektive wechselt mehrmals. Zwar werden rund drei Viertel der Geschichte aus der Sicht von Robert Jordan berichtet, Hemingway nimmt aber unvermittelt auch andere Erzählstandpunkte ein (Anselmo, Pilar) oder gibt Ereignisse wieder, bei denen Robert Jordan nicht zugegen ist. So etwa der Irrweg von Andrés zum Hauptquartier von General Golz, der parallel zu den Kampfhandlungen an der Brücke geschildert wird – mit großem Spannungseffekt. Außerdem finden sich Passagen, ja ganze Kapitel, in denen sich Jordan an sein früheres Leben in den USA oder in Madrid erinnert. Sowohl seinen Reflexionen wie auch denen anderer Figuren wird viel Platz eingeräumt.

Interpretationsansätze

  • Der Titel des Buches verweist auf die existenzielle Sinnfrage menschlichen Lebens im Angesicht des Todes. Er ist ein Zitat aus einem Gedicht von John Donne, das dem Roman als Motto vorangestellt ist. Darin heißt es: „Niemand ist eine Insel (...). Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn mich betrifft die Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; es gilt dir selbst.“
  • Robert Jordan ähnelt einem Märchenhelden, der in ein fremdes Land zieht, um sich dort unter Gefahr und Abenteuern zu bewähren und so zu einer eigenen Identität zu finden. Er trägt seinen republikanischen Idealismus mit nach Spanien und versucht ihn dort zu verwirklichen. Jordan wird aber durch die zynische kommunistische Propaganda und die unfähige Kriegsbürokratie desillusioniert.
  • Auch die anderen Partisanen sind keine strahlenden, tugendhaften Helden. Jeder hat seine individuellen Motive zur Teilnahme am Kampf. Die Palette reicht von dem sadistischen Pablo, dem Bösewicht des Buches, bis zu dem fromm-humanen Anselmo, für den das Töten eigentlich eine Sünde ist.
  • Die Beziehung von Maria und Jordan ist weit mehr als eine Variante des bekannten literarischen Themas von Liebe und Tod. Indem sie sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten anvertrauen, setzen sie füreinander einen therapeutischen Prozess in Gang, der ihre traumatisierten Leben heilt. Die Kriegsumstände beschleunigen diesen Prozess.
  • Die zupackende und mütterliche Pilar, die eigentliche Anführerin der Gruppe, ist die dritte Hauptfigur des Romans. Ohne dass sie besonders autoritär auftreten würde, geschieht nichts gegen ihren Willen. Durch ihre ausführliche Erzählung der Ermordung einiger Faschisten erhält sie besonderes Gewicht im Buch.
  • Hemingway verdichtet die Geschehnisse des Spanischen Bürgerkriegs auf eine einzige Episode im Leben vermeintlicher Randfiguren. Nicht politisch-militärische Analysen des Kriegsablaufs stehen im Mittelpunkt, sondern menschliche Schicksale, die sich zu einem exemplarischen Bild dieses Krieges fügen.

Historischer Hintergrund

Der Spanische Bürgerkrieg und die Internationalen Brigaden

Erst 1931 wurde Spanien ein Staat mit republikanischer Verfassung. Die Regierung orientierte sich nach links und erließ in dem rückständigen Land fortschrittliche Gesetze wie etwa die Einführung eines Jahresurlaubs. Bei Wahlen 1933 erstarkte jedoch die konservative Opposition, hinter der vor allem die Großgrundbesitzer und die Kirche standen. Das politische Klima verschärfte sich dramatisch, es kam zu politischen Attentaten. Der Spanische Bürgerkrieg begann als Militärputsch unter der Führung des Generals Francisco Franco gegen die Volksfrontregierung aus Sozialisten und Kommunisten am 17. 7. 1936 in Spanisch-Marokko. Von dort aus konnten die Putschisten schnell in Andalusien Fuß fassen. Große Teile der regulären Armee liefen zu Franco über, sodass die republikanische Regierung bald ohne Gegenwehr dastand. Das nördliche und westliche Spanien fiel in die Hände der Putschisten, die am 1. 10. 1936 in Burgos eine Gegenregierung unter Franco bildeten. Beide Bürgerkriegsparteien wurden vom Ausland unterstützt. Die Faschisten erhielten Militärhilfe aus dem Italien Mussolinis und aus Hitler-Deutschland. Bekannt ist der Einsatz der deutschen Legion Condor, die mit ihren Flugzeugen 1937 die baskische Stadt Guernica zerstörte. Pablo Picasso schuf zum Gedenken daran das gleichnamige berühmte Monumentalgemälde.

Intellektuelle und Künstler aus ganz Europa und aus den USA sympathisierten mit der Republik und stellten sich, zusammen mit Zehntausenden anderer Freiwilliger als Internationale Brigaden für Kampfeinsätze zur Verfügung. Zu den bekanntesten Mitstreitern zählten George Orwell, André Malraux, Egon Erwin Kisch, Willy Brandt, der Fotograf Robert Capa, Octavio Paz und Arthur Koestler. Organisiert wurden die Internationalen Brigaden durch die stalinistisch gesteuerte Kommunistische Internationale, die für die Republik im Hintergrund die Fäden zog. Die Kommunisten waren einerseits die Einzigen, die in der Lage waren, eine gewisse Disziplin hervorzubringen und eine strategisch-militärische Planung auf die Beine zu stellen, andererseits versuchten sie, Einfluss auf die spanische Regierung zu gewinnen, und scheuten vor radikalen Säuberungen – auch innerhalb der Brigaden – nicht zurück. 1938 erhielten die Brigadisten pro forma spanische Pässe und wurden in die reguläre Armee integriert. Der Spanische Bürgerkrieg endete mit dem Sieg Francos im März 1939. Der Diktator regierte das Land bis zu seinem Tod 1975 und setzte den jetzigen König Juan Carlos als seinen Nachfolger ein.

Entstehung

Bereits während seines ersten Europaaufenthalts Anfang der 1920er Jahre war Ernest Hemingway von Paris aus nach Spanien gereist. Das Land der Stierkämpfe faszinierte den zum Machismo neigenden Autor. Sein erster bedeutender Roman Fiesta (1926) spielt dort. Auch 1929 und 1932 in Spanien, spendete er im Sommer 1936, gleich nach Ausbruch des Bürgerkriegs, 40 000 $ aus seinem Vermögen an die Republikaner für den Ankauf von Sanitätsmaterial. Im Frühjahr 1937 traf er als Kriegsberichterstatter der North American Newspaper Alliance in Spanien ein. Er blieb bis 1938 und unternahm von Madrid aus mehrere ausgedehnte Reisen an verschiedene Frontabschnitte. In jener Zeit arbeitete er auch an dem Dokumentarspielfilm The Spanish Earth mit, der die Situation in Spanien einfangen sollte und viele Motive und Landschaftsstimmungen enthält, die auch in Wem die Stunde schlägt vorkommen. Hemingways journalistisches Hauptquartier war das Nobelhotel Florida in Madrid. Hier teilte er sich mit Martha Gellhorn, die ebenfalls als Kriegsberichterstatterin in Spanien war und die später seine dritte Frau wurde, eine Zimmerflucht. Hemingway war zu dieser Zeit bereits ein weltberühmter, wohlhabender Schriftsteller und er pflegte einen luxuriösen Lebensstil. In Madrid verkehrte er auch in dem im Buch erwähnten Hotel Gaylord. Dort wohnten die Russen von der Komintern, die Hemingway das Gefühl vermittelten, „dazuzugehören“, denn er verfasste zu dieser Zeit kommunistenfreundliche Texte. 1938 kehrte Hemingway zunächst in die Vereinigten Staaten zurück, kaufte sich aber Anfang 1939 ein Haus in der Nähe von Havanna auf Kuba. Hier entstand von März 1939 bis Juni 1940 das Manuskript des Romans.

Wirkungsgeschichte

Wem die Stunde schlägt erschien im Oktober 1940 mit einer Erstauflage von 75 000 Exemplaren und wurde ein literarischer Triumph für Hemingway. Publikum wie Kritik waren begeistert, das Buch wurde sofort ein Bestseller. Es gilt als das bedeutendste literarische Werk über den Spanischen Bürgerkrieg, über den auch viele andere Kriegsteilnehmer geschrieben haben. Besonders gelungene Passagen wie die äußerst dichten Schilderungen von Kriegshandlungen dienten vielen späteren Autoren als Vorbild, beispielsweise Norman Mailer für Die Nackten und die Toten, so wie Hemingways Werk insgesamt für viele europäische Autoren der Nachkriegszeit als vorbildhaft galt. Der Roman wurde 1943 mit Ingrid Bergman und Gary Cooper in den Hauptrollen verfilmt. Ein Song der Rockband Metallica trägt, offenbar von Hemingway inspiriert, ebenfalls den Titel For Whom the Bell Tolls.

Über den Autor

Ernest Hemingway ist nicht nur als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bekannt, sondern auch wegen seines abenteuerlichen und teilweise glamourösen Lebens. Geboren am 21. Juli 1899 im amerikanischen Bundesstaat Illinois als Sohn eines Landarztes und einer Opernsängerin, lernt er schon als Kind von seinem naturbegeisterten Vater das Jagen und Angeln. Die Liebe zur Natur und das raubeinige Naturburschenimage, das er später kultiviert, rühren aus dieser Zeit. Seine berufliche Laufbahn beginnt er als Lokalreporter in Kansas City, und die Herkunft vom journalistischen, faktenorientierten Schreiben ist mitbestimmend für Hemingways typischen Stil. Am Ersten Weltkrieg nimmt er freiwillig als Sanitäter teil, nach dem Krieg schließt er sich in Paris einer Gruppe von Schriftstellern und Künstlern um Gertrude Stein an. Die Winter 1925 und 1926 verbringt er im österreichischen Montafontal, wo er den Roman The Sun Also Rises (Fiesta) schreibt, der 1926 erscheint und mit dem ihm sein literarischer Durchbruch gelingt. Hemingway bleibt auch Reporter und Kriegsberichterstatter, so im Griechisch-Türkischen Krieg 1922, im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 und im Zweiten Weltkrieg. 1940 erscheint For Whom the Bell Tolls (Wem die Stunde schlägt). 1954 erhält er den Nobelpreis für die Novelle The Old Man and the Sea (Der alte Mann und das Meer, 1952). Hemingway sucht oft ganz bewusst die Nähe zu Gefahr, Abenteuer, Risiko; er liebt die Großwildjagd in Afrika und den Stierkampf und überlebt zwei Flugzeugabstürze. Seine Bücher schreibt er meist unter enormem psychischem Druck. Wie viele Schriftsteller seiner Zeit ist er alkoholkrank. Er sucht den Lebensgenuss in vollen Zügen, leidet aber auch unter Depressionen. Ernest Hemingway heiratet viermal und hat drei Söhne; die berühmteste Ehe ist die dritte mit Martha Gellhorn, einer ebenfalls bedeutenden Reporterin und Schriftstellerin. Mit ihr zusammen lebt er ab 1940 auf Kuba. In Idaho setzt Hemingway nach längerer Krankheit seinem Leben am 2. Juli 1961 durch einen Gewehrschuss selbst ein Ende – ähnlich wie bereits sein Vater und wie später seine Enkelin Margaux.

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