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Kultur, Raum und Zeit
Buch

Kultur, Raum und Zeit

Ansätze zu einer vergleichenden Kulturtheorie

Nomos, 2012 Mehr

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Bewertung der Redaktion

8

Qualitäten

  • Analytisch
  • Wissenschaftsbasiert
  • Inspirierend

Rezension

Nur wenige Menschen sagen es laut – insgeheim glauben es aber viele: Das westliche Modell der Individualgesellschaft und der liberalen Demokratie werde sich über kurz oder lang global durchsetzen – es ist doch schließlich das Beste, was die Menschheit hervorgebracht hat! Hans Jakob Roth, der über 30 Jahre im diplomatischen Dienst im ostasiatischen Raum tätig war, glaubt das nicht. In Kultur, Raum und Zeit vertritt er die These, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Individual- und Kollektivgesellschaften wesentlich fundamentaler und bedeutsamer sind, als wir gemeinhin denken – und dass sie auch auf lange Sicht nicht verschwinden werden. Er entwickelt daher zum einen eine Theorie, die diese Unterschiede begründen soll, zum anderen wirbt er für ein neues, interkulturelles Verständnis. Der hohe Abstraktionsgrad, mit dem er seinen Gegenstand behandelt, verleitet ihn leider oft zu einer gewissen argumentativen Sprunghaftigkeit. Im Aufbau wirkt das Ganze daher leicht diffus. Die tiefe Vertrautheit, die er mit ostasiatischer Kultur hat, spürt man dafür auf jeder Seite. getAbstract empfiehlt sein Buch allen, die an den akademischen Diskursen zu Kulturtheorie interessiert sind, sowie allen, die an den Verheißungen des Individualismus zweifeln.

Zusammenfassung

Über die Notwendigkeit einer vergleichenden Kulturtheorie

In den westlichen Industriegesellschaften herrscht ein fundamentaler Irrglaube, der unsere Wahrnehmung der globalen Gegenwart verzerrt: Wir gehen noch immer davon aus, dass der Siegeszug westlicher Technologien und der wirtschaftliche Aufstieg anderer Nationen zwangsläufig zu einer Demokratisierung nach westlichem Vorbild sowie zu einer Angleichung der kulturellen Wertesysteme führen wird. Es deutet jedoch alles darauf hin, dass auch im 21. Jahrhundert konkurrierende kulturelle Wertesysteme existieren werden. Mehr denn je brauchen wir darum kulturwissenschaftliche Theorien, die uns eine realistischere Sicht auf die globale Gegenwart und ihre Herausforderungen ermöglichen.

Die Kulturwissenschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend auf die phänomenologische Methode der reinen Beschreibung kultureller Erscheinungen zurückgezogen. Vergleiche und das Aufzeigen von Unterschieden werden gescheut, da die grundlegende Frage unbeantwortet bleibt, von welchem objektiven Standpunkt aus Kulturen überhaupt miteinander verglichen werden können. Will man jedoch systematische kulturelle Unterschiede...

Über den Autor

Hans Jakob Roth ist promovierter Wirtschaftshistoriker und war über 30 Jahre lang im diplomatischen Dienst tätig, zuletzt als Schweizer Generalkonsul in China. Er lehrt heute im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik.


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