Zusammenfassung von Meine Taten

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Meine Taten Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Geschichte
  • Römische Antike

Worum es geht

Die Taten des Augustus

Kaiser Augustus gilt als eine der bedeutendsten Figuren der Weltgeschichte. Gegen Ende seines Lebens verfasste er den Text Res gestae divi Augusti („Die Taten des göttlichen Augustus“), der Rechenschaft ablegen sollte über die Erfolge seiner langen Herrschaft. Nach dem Tod des Kaisers wurde das Werk, auf Bronzetafeln graviert, am Mausoleum des Augustus angebracht. Die Originalinschriften sind zwar verloren gegangen, doch konnten in den vergangenen Jahrhunderten an verschiedenen Orten des ehemaligen Römischen Reichs Abschriften gefunden werden, die zusammen den heute fast vollständig vorliegenden Text wiedergeben. Das Werk liest sich eher sperrig. Es enthält keinerlei erzählende Prosa und besteht ausschließlich aus der Nennung und Auflistung von Fakten. Es ist somit hauptsächlich für Historiker interessant, aber auch für historisch interessierte Laien. Meine Taten ist zudem vor allem ein Propagandatext, da er die Taten des Augustus sehr einseitig positiv darstellt.

Take-aways

  • Meine Taten ist der Rechenschaftsbericht des römischen Kaisers Augustus und gilt als „Königin der antiken Inschriften“.
  • Inhalt: Kaiser Augustus schildert an seinem Lebensabend die Ereignisse seiner langen Herrschaft. Er zählt die Kriege auf, die er geführt hat, die Ehren, die ihm zuteilwurden, und die Bauwerke, die er hat errichten lassen.
  • Der Text wurde als Inschrift auf Bronzetafeln eingraviert und vor dem Mausoleum des Augustus angebracht. Die Originale sind jedoch verloren gegangen.
  • Augustus schildert seine Taten aus der Ichperspektive. Der Text ist in 35 Absätze unterteilt und grob thematisch geordnet.
  • Meine Taten ist propagandistisch aufgemacht und betreibt geschickt Legendenbildung.
  • Dieser Stil dient vor allem der Legitimierung des Kaisertums, einer noch jungen politischen Institution.
  • Aus Meine Taten spricht eine gewaltige historische Leistung: die Beendigung jahrhundertelanger innenpolitischer Wirren, die Einigung und Stabilisierung Roms.
  • Die heutige Textgestalt von Meine Taten basiert hauptsächlich auf einer antiken Inschrift in einem Augustus-Tempel im heutigen Ankara.
  • Nach seinem Tod wurde Augustus als Gott verehrt.
  • Zitat: „Als ich meinen dreizehnten Konsulat bekleidete, nannte mich der Senat, der Ritterstand und das gesamte römische Volk einhellig ‚Vater des Vaterlandes‘ (…)“
 

Zusammenfassung

Die Anfänge

Mit 19 Jahren stellte Augustus ein Heer auf, mit dem er das Römische Reich von Staatsfeinden befreite. Zum Dank wurde er zunächst Senator mit dem Rang eines Konsuls und militärischem Mandat. Wenig später wurde er vom Volk zum Konsul gewählt. Außerdem sollte er als Triumvir den Staat reformieren.

„Die meinen Vater ermordet haben, trieb ich in die Verbannung und rächte durch gesetzmäßigen Richtspruch so ihr Verbrechen. Und als sie darauf Krieg gegen den Staat begannen, besiegte ich sie zweifach in offener Feldschlacht.“ (S. 25)

Augustus verurteilte und verbannte die Männer, die seinen Vater ermordet hatten. Doch diese gaben nicht klein bei und erklärten Rom den Krieg. Augustus errang gegen sie zwei Siege „in offener Feldschlacht“.

Er führte zahlreiche Kriege, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Reiches, und siegte auf See und an Land. Dabei verzieh er rebellischen römischen Provinzen, verschonte auch ausländische Völker, sofern ihnen vertraut werden konnte, und verleibte sie dem Römischen Reich ein. Augustus befehligte insgesamt 500 000 Soldaten . Er lehnte jedoch die Alleinherrschaft ab, die ihm von Volk und Senat wiederholt angeboten wurde. Ebenso weigerte er sich, Konsul auf Lebenszeit zu werden.

Die Ehren des Augustus

Augustus wurde vielfach durch Triumphzüge geehrt: zweimal per Ovatio, dreimal durch kurulische Triumphzüge. Außerdem wurde er 21-mal zum Imperator ausgerufen. Dazu kommen 55 Dankfeste aufgrund militärischer Erfolge. Insgesamt wurden während seiner Regentschaft 890 Feiertage abgehalten. Augustus war 13-mal Konsul und hatte 37 Jahre lang die Amtsbefugnisse eines Volkstribuns inne.

„Kriege zu Wasser und zu Lande, gegen innere und äußere Feinde, habe ich auf dem ganzen Erdkreis geführt und als Sieger alle römischen Bürger, die um Gnade baten, geschont.“ (S. 25 f.)

Einmal gelang es Augustus durch fürsorgliche Maßnahmen binnen weniger Tage Rom vor einer Hungersnot zu bewahren, als nämlich das Getreide zur Herstellung von Brot knapp wurde. Als die Konsuln ihn mehrfach und einhellig zum alleinigen Hüter des Staates einsetzen und ihn mit außerordentlichen Vollmachten ausstatten wollten, lehnte Augustus ab. Dabei berief er sich auf das Herkommen und die Gebräuche im alten Rom, die so etwas nicht zugelassen hätten.

Augustus und das Volk

Augustus war zehn Jahre lang Teil einer dreiköpfigen Kommission, die Reformen durchführen sollte. Während 40 Jahren war er zudem Rangältester im Senat. Er war Pontifex maximus und Augur. Auch war er Mitglied der Quindecemviri sacris faciundis und der Septemviri epulonum, außerdem Arvalbruder, Sodalis Titius und Fetiale (verschiedene bedeutende Priestergemeinschaften im alten Rom; Anmerkung der Redaktion).

„Mein Name wurde auf Senatsbeschluss ins Kultlied der Salier aufgenommen, und durch Gesetz verfügt, dass ich für immer unverletzlich sein solle (…)“ (S. 31)

Augustus erhöhte die Zahl der Patrizier und setzte den Senat dreimal neu zusammen. Er ließ Volkszählungen im Römischen Reich durchführen: Die erste ergab eine Zahl von 4 063 000 römischen Bürgern, eine zweite 4 233 000 und eine dritte 4 937 000. Zu Ehren des Augustus wurden Spiele für die Bevölkerung ausgerichtet, und die Bürger beteten für ihn.

Rückkehr nach Rom

Zum Dank für Augustus’ Rückkehr aus Syrien nach Rom wurde ein Opferaltar an der Porta Capena eingerichtet. Die alljährlichen Feiern anlässlich jener Rückkehr erhielten den Namen Augustalia. Nachdem Augustus später von seiner Tätigkeit aus Spanien und Gallien zurückkehrte, wurde ihm auf dem Marsfeld ein Altar des „Augustus-Friedens“ geweiht, an dem ebenfalls jährlich Opfer gebracht werden sollten.

„Auf Anordnung des Senats ist mir ein Teil der Prätoren und Volkstribunen (…) mit (…) den angesehensten Männern nach Campanien entgegengesandt worden, eine Ehrung, die bis auf den heutigen Tag außer für mich noch für niemanden beschlossen wurde.“ (S. 33)

Ihm wurde auch eine Abordnung der angesehensten Männer Roms nach Kampanien entgegengesandt. Augustus erfuhr damit eine Ehre, die bis dato noch niemandem je zuteilgeworden war.

Der Tempel des Ianus Quirinus wurde entsprechend alten Gebräuchen nur geschlossen, wenn im ganzen Römischen Reich Frieden herrschte. Dies war vor Augustus’ Zeit überhaupt erst zweimal geschehen – während der Regentschaft von Augustus erfolgte die Schließung auf Senatsbeschluss dreimal.

„Ich habe errichtet die Curia und das daran anstoßende Chalcidicum, einen Apollo-Tempel auf dem Palatin mit Säulenhallen, einen Tempel für den Gott gewordenen Julius Cäsar, das Lupercal, eine Säulenhalle beim Circus Flaminius (…)“ (S. 39)

Augustus hatte zwei Söhne, Gaius und Lucius, die beide schon mit 15 Jahren zu Konsuln bestimmt wurden. Sie sollten das Konsulat dann fünf Jahre später antreten. Sobald sie beide volljährig sein würden, sollten sie den Staatssitzungen beiwohnen dürfen. Weiter wurden sie von den römischen Rittern zu „Führern der Jungmannschaft“ ernannt und erhielten silberne Schilde und Lanzen. Beide Söhne starben früh.

Augustus als Wohltäter

Augustus spendete während seiner Regentschaft wiederholt verschiedene Summen oder auch Getreide an Bedürftige und entschädigte Gemeinden, auf deren Land er Soldaten angesiedelt hatte: insgesamt 600 Millionen Sesterzen auf italischem Gebiet und 260 Millionen in den Provinzen. Er unterstützte die Staatskasse viermal aus privaten Mitteln und stockte den Militärfonds auf, um Veteranen zu unterstützen – jedes Mal mit dreistelligen Millionenbeträgen. Augustus half außerdem Hunderttausenden Bürgern mit seinem eigenen Geld bzw. Getreide. Insgesamt gab der Kaiser während seiner Herrschaft über 600 Millionen Denare zum Wohl Roms aus.

„Dreimal habe ich in meinem eigenen Namen Gladiatorenspiele veranstaltet und fünfmal in dem meiner Söhne oder Enkel; bei diesen Spielen kämpften etwa zehntausend Menschen.“ (S. 43)

Augustus lehnte mehrfach 35 000 Pfund Gold ab, die ihm die Städte und Gemeinden Italiens als „Kranzgold“ bei der Ernennung bzw. später anlässlich der Ausrufung zum Imperator überreichen wollten.

Von Augustus errichtete Bauwerke

Augustus ließ zahlreiche Gebäude im Römischen Reich errichten. Dazu gehören in der Stadt Rom unter anderem die Kurie und daneben das Chalcidicum, auf dem Palatin ein Tempel des Apollo, außerdem ein Tempel für Julius Cäsar, ein Tempel der Magna Mater und etliche weitere.

„Das Meer habe ich von der Seeräuberplage befreit. In diesem Krieg habe ich von den Sklaven, die ihren Herren entlaufen waren und Waffen wider den Staat ergriffen hatten, etwa dreißigtausend gefangen und ihren Besitzern zur Bestrafung übergeben.“ (S. 45)

Den kapitolinischen Tempel und das Theater des Pompeius ließ er aufwändig renovieren, wurde dafür jedoch nicht mit Inschriften gewürdigt. Außerdem ließ er das Forum Iulium und die Basilika zwischen den Tempeln des Castor und Saturn vollenden, die unter seinem Vater angefangen, jedoch nicht fertiggestellt worden waren.

„Die gallischen und spanischen Provinzen und ebenso Germanien habe ich befriedet, ein Gebiet, welches durch den Ozean von Gades bis zur Mündung der Elbe umschlossen wird.“ (S. 47)

Als die Basilika durch einen Brand zerstört wurde, ordnete Augustus an, sie noch größer wieder aufzubauen. Für den Fall, dass er sterben würde, bevor die Basilika fertig war, beschied er, dass seine Erben den Bau abschließen sollten. Außerdem ließ Augustus in der Stadt Rom 82 Heiligtümer wiederherstellen und fast alle Brücken renovieren.

„Durch Ansiedlung von Soldaten gründete ich Städte in Africa, Sizilien, Makedonien, den beiden spanischen Provinzen, in Achaia, Asien, Syrien, der Gallia Narbonensis und Pisidien.“ (S. 49)

Aus Mitteln, die er im Krieg erbeutet hatte, errichtete Augustus das Augustus-Forum und außerdem einen Tempel zu Ehren des Mars Ultor. Er gab die Errichtung eines Theaters in Auftrag, das er nach seinem Schwiegersohn Marcus Marcellus benannte. Schließlich gab er 100 Millionen Sesterzen für Weihgeschenke in zahlreichen Tempeln aus, allesamt aus Kriegsbeute.

Brot und Spiele

Dreimal ließ Kaiser Augustus in seinem eigenen Namen Gladiatorenspiele veranstalten, fünfmal im Namen seiner Söhne und Enkel. Zwei Spiele mit auswärtigen Athleten wurden im Namen des Augustus veranstaltet, ein weiteres im Namen seines Enkels. Es kamen noch 23 Spiele hinzu, die Augustus stellvertretend für Beamte ausrichten ließ. Im dem Jahr, als er zum 13. Mal Konsul war, veranstaltete er erstmals Spiele zu Ehren des Mars. 26-mal wurden bei Spielen im Namen des Augustus oder seiner Nachkommen afrikanische Raubtiere gejagt und getötet, insgesamt 3500 Tiere.

„Als ich meinen dreizehnten Konsulat bekleidete, nannte mich der Senat, der Ritterstand und das gesamte römische Volk einhellig ‚Vater des Vaterlandes‘ (…)“ (S. 53)

Augustus ließ in Rom eine große Seeschlacht für das Volk veranstalten, für die der Fluss in einer Länge von 1800 Fuß und einer Breite von 1200 Fuß ausgehoben werden musste. Die 30 drei- oder zweirudrigen Schiffe, die dort zum Einsatz kamen, waren mit Rammspornen versehen.

Augustus als Kriegsherr

Augustus führte Krieg gegen die Seeräuber und befreite die Meere von ihnen. Dabei nahm er 30 000 abtrünnige Sklaven gefangen und führte sie wieder ihren Besitzern zu. Ganz Italien leistete ihm den Gefolgschaftseid. Desgleichen schworen ihm die gallischen und spanischen Provinzen, Africa, Sizilien und Sardinien Gefolgschaft.

Augustus trieb in allen Provinzen die Grenzen des Römischen Reiches weiter in feindliches Gebiet voran und befriedete Gallien, Spanien und Germanien. Er eroberte die Alpen bis zum Tyrrhenischen Meer – alles streng rechtmäßig. Die Cimbern, Charyden und Semnonen sowie andere germanische Völker baten darum, Freunde des Augustus und der Römer sein zu dürfen. Mit zwei Heeren ließ Augustus währenddessen Äthiopien und Arabien angreifen. Hierbei wurden große Erfolge erzielt und zahlreiche Feinde getötet.

Augustus eroberte Ägypten und gliederte es dem Römischen Reich ein. Als König Artaxes ermordet wurde, machte er dessen Reich Großarmenien nicht zur römischen Provinz, sondern ernannte Tigranes, den Sohn des Königs Artasvedes, zum Herrscher.

Überall im Römischen Reich siedelte Augustus Soldaten an und gründete damit etliche Städte – 28 allein in Italien. Außerdem gelang es Augustus, sich wieder in den Besitz von Feldzeichen zu bringen, die einst in Kriegen gegen die Spanier, die Dalmater oder die Gallier verloren gegangen waren. Auch den Parthern nahm er von diesen erbeutete römische Feldzeichen ab und zwang sie, Rom um Freundschaft zu bitten.

Weitere Erfolge des Augustus

Noch nie zuvor war ein römisches Heer gegen die Pannonier ins Feld gezogen. Erst Augustus wagte es und schickte seinen Stiefsohn Tiberius Nero als Oberbefehlshaber des Heeres. Dieser besiegte die Pannonier und verleibte ihr Gebiet bis zur Donau dem Römischen Reich ein. Ebenso mussten sich die Daker geschlagen geben und wurden unter das römische Joch gezwungen.

Zum ersten Mal in der Geschichte Roms kamen Delegationen indischer Könige nach Rom. Weiter schickten auch Bastarner, Skythen, Sarmaten, Albaner, Hiberer und Meder Botschafter nach Rom, um Freundschaftsgesuche zu stellen. Die Partherkönige Tiridates und Phraates, die Britannierkönige Dumnobellaunus und Tincomarus und etliche andere Herrscher kamen zu Augustus und baten ihn um Zuflucht. Augustus bestimmte die Könige, die die Völker der Parther und der Meder regieren sollten.

Vater des Vaterlands

Als Augustus im sechsten und siebten Jahr seines Konsulats die Bürgerkriege niedergeschlagen hatte, gab er freiwillig die höchste Gewalt ab und übergab den Staat wieder der Regierung durch den Senat und das römischen Volk.

Von da an wurde er, auf Senatsbeschluss, Augustus genannt. Man hängte ihm Lorbeer an die Türpfosten und einen Bürgerkranz über seine Tür. Seither war Augustus der einflussreichste und angesehenste Mann im Römischen Reich, verfügte aber nicht über außergewöhnliche Machtbefugnisse. Im Jahr seines 13. Konsulats erhielt Augustus vom Senat die Ehrenbezeichnung „Vater des Vaterlands“.

Der Kaiser ist, als er diese Taten aufzeichnet, 75 Jahre alt.

Zum Text

Aufbau und Stil

Meine Taten ist weniger eine Erzählung als vielmehr eine schmucklose Aufzählung von Fakten. Das Werk ist damit eher für Historiker interessant als für literarisch interessierte Leser. Der Titel Meine Taten bzw. Res gestae divi Augusti im Original war so nicht vom Autor vorgesehen. Er verdankt sich der Tatsache, dass die wichtigste erhaltene Inschrift mit diesen Worten beginnt. Tatsächlich setzt sich die vollständige Überschrift noch einige Zeilen fort. Der Bericht des Augustus ist in 35 Abschnitte unterteilt und lose nach Themen geordnet: Kriege, Bauwerke, Ehrungen, großzügige Spenden, territoriale Erweiterungen des Reichs, Demutsbezeugungen unterworfener Herrscher. Eine chronologische Anordnung herrscht nur innerhalb der einzelnen Themenabschnitte, gelegentlich gestattet sich Augustus in seinen Schilderungen aber auch kleinere Abschweifungen. Augustus beschreibt seine Taten aus der Ichperspektive und in der Vergangenheitsform. Vier Abschnitte wurden dem Text von unbekannter Hand postum hinzugefügt.

Der Stil des Augustus ist, im lateinischen Original, lapidar und sachlich, aber dennoch geprägt von feinem Sprachgefühl, insofern als der Kaiser stets versucht, sprachliche Gemeinplätze zu vermeiden und stattdessen frische Formulierungen zu finden. Er steht damit eher der stilistischen Gedrängtheit und Knappheit eines Julius Cäsar nahe als den ausufernden, altertümelnden Ornamenten eines Cicero.

Interpretationsansätze

  • Meine Taten sind die politischen Memoiren des Kaisers Augustus und somit eine Art Rechenschaftsbericht seiner Herrschaftszeit. Aus diesem spricht eine gewaltige historische Leistung: die Beendigung jahrhundertelanger innenpolitischer Wirren, die Herstellung politischer und sozialer Stabilität und eine nachhaltige Festschreibung des außenpolitischen Status quo.
  • Augustus betreibt allerdings gezielte Imagepflege. Er behandelt ausschließlich die Erfolge seiner Herrschaft und unterschlägt die Schattenseiten. Teils biegt er Fakten zurecht, teils erfindet er auch etwas. Strittige oder unbequeme Handlungen, wenn sie denn überhaupt Erwähnung finden, stellt Augustus als schicksalhafte Notwendigkeit dar, die sich seinem Einfluss entzog.
  • Dabei scheint es Augustus jedoch nicht allein um Selbstbespiegelung zu gehen. Der Propagandastil von Meine Taten dient vor allem der Legitimierung des Kaisertums, einer noch jungen politischen Institution. Dieser weitsichtige Pragmatismus kennzeichnet den Kaiser Augustus als geschickten Politiker und durchaus selbstlosen Menschen.
  • Augustus beschließt sein Werk mit dem Hinweis darauf, dass er sich nicht als tyrannisches Oberhaupt des Staates sehe, sondern vielmehr als Ersten unter Gleichen neben anderen Regierungsbeamten. Diese Figur des Primus inter Pares wurde später zum Gemeinplatz aufgeklärten Königtums.

Historischer Hintergrund

Der Beginn der römischen Kaiserzeit

Seit etwa 475 v. Chr. bestand Rom als Republik. Die Regierungsgewalt war auf verschiedene sich gegenseitig kontrollierende Organe verteilt, deren Repräsentanten vom Volk gewählt wurden. So sollte sichergestellt werden, dass kein Einzelner die ganze Macht an sich reißen konnte. Das höchste Amt war das Konsulat, daneben gab es Ädilen, Zensoren, Prätoren, Quästoren, Volkstribunen und natürlich den Senat. In diesem System gründete jedoch der Konflikt zwischen der Oberschicht, den Patriziern, und dem einfachen Volk. Dieser Konflikt kam in den römischen Bürgerkriegen ab 133 v. Chr. zum Ausbruch. Rom war zu dieser Zeit zwar schon Hegemon des Mittelmeerraums, jedoch noch nicht die Weltmacht, die es einst werden würde.

Während der Krisenzeit machten sich drei ehrgeizige Politiker die Wirren zunutze und schwangen sich gemeinsam zu Herrschern auf: Gnaeus Pompeius, Marcus Crassus und Julius Cäsar bildeten das sogenannte Erste Triumvirat. Doch bald geriet auch dieses Bündnis unter Spannung. 53 v. Chr. starb Crassus, und aus dem Kampf zwischen Cäsar und Pompeius ging Ersterer als Sieger hervor. Der äußerst beliebte und erfolgreiche Feldherr Cäsar ließ sich zum Diktator ausrufen, wurde jedoch bald darauf Opfer einer Verschwörung unter der Führung von Marcus Brutus.

Cäsars Adoptivsohn Octavian bildete gemeinsam mit den Feldherren Marcus Antonius und Marcus Lepidus das Zweite Triumvirat und vernichtete die Aufrührer. Wie zuvor Cäsar stellte nun auch Octavian seine Partner geschickt kalt und errang bald die ganze Macht. Vom Senat mit dem Ehrennamen Augustus versehen, wurde er 27 v. Chr. zum ersten Kaiser Roms. Die Republik war damit endgültig Geschichte.

Entstehung

Kaiser Augustus behauptet im letzten Abschnitt von Meine Taten, den Text im Alter von 75 Jahren verfasst zu haben. Das mag auf Teile des Werks zutreffen, wahrscheinlich ist aber, dass die Entstehung sich über mehrere Jahre hingezogen hat und dass der Kaiser noch kurz vor seinem Tod mit 77 Jahren letzte Veränderungen vornahm. Dass Augustus Meine Taten eigenhändig verfasste, ist durchaus bemerkenswert, war er doch ein Zeitgenosse der größten Dichter der römischen Klassik: Vergil, Horaz, Ovid, Properz, Catull und nicht zuletzt der bedeutende Historiker Livius. Vergil hatte bereits das Versepos Aeneis verfasst, in der der Kaiser als Heilsbringer verherrlicht wird. Doch zum einen war Augustus selbst ein Mann der Schrift. Der römische Historiker Sueton berichtet, Augustus habe all seine Reden und selbst Unterhaltungen mit seiner Frau Livia schriftlich vorbereitet. Auch versuchte er sich neben zahlreichen Prosaschriften als Dichter und schrieb sogar eine Tragödie. Zum anderen war von den Genannten fast niemand mehr am Leben, als Augustus das Projekt seiner politischen Memoiren ins Auge fasste. Immerhin halfen ihm bei der Niederschrift, laut Sueton, seine Freigelassenen Polybius und Hilarion.

Wirkungsgeschichte

Augustus verfasste Meine Taten in zweifacher Ausfertigung. Daneben hielt er seinen letzten Willen schriftlich fest sowie eine Übersicht des militärischen und finanziellen Status quo des Reiches. Die versiegelten Schriftrollen hinterlegte er im Tempel der Vesta. Nach seinem Tod wurden die Siegel gebrochen und Meine Taten wurde im Senat vorgelesen. Den Anweisungen des Kaisers folgend, gravierte man den Text auf Bronzetafeln und brachte diese am Eingang zum bereits 29 v. Chr. errichteten Augustus-Mausoleum an. Leider sind die Tafeln nicht erhalten. Jedoch ließ Tiberius, Adoptivsohn und Nachfolger des Augustus, etliche Abschriften in Stein anfertigen. Eine davon wurde 1555 an den Wänden eines Augustus-Tempels im heutigen Ankara entdeckt: einmal auf Latein und einmal in griechischer Übersetzung. Der Historiker Theodor Mommsen bezeichnete dieses Monumentum Ancyranum (nach dem Fundort Ankara) wegen seiner Bedeutung und des guten Erhaltungszustands als „Königin der antiken Inschriften“. Später fanden sich in der ehemaligen römischen Provinz Galatien (heutige Türkei) noch weitere Inschriften, die das Monumentum Ancyranum ergänzten. Daher liegt der Text heute nahezu lückenlos vor.

Als überaus bedeutsame Quelle zur Geschichte der frühen Kaiserzeit beeinflusste Meine Taten wesentlich die Vorstellungen, die sich die Nachwelt über die römische Antike machte. So war es ja auch vom Autor selbst beabsichtigt. Dem Beispiel seines Adoptivvaters folgend schrieb später auch Kaiser Tiberius seine Res gestae auf. Das Dokument ist jedoch nicht erhalten.

Über den Autor

Augustus wird am 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom geboren. Er stammt aus einer angesehenen und begüterten Familie. Sein Vater ist Senator und hat davor als Prätor bei der endgültigen Niederschlagung der Rebellionen unter Catilina bzw. Spartacus mitgewirkt. Er stirbt jedoch früh. Über seine Mutter ist Augustus mit Julius Cäsar verwandt. Dieser nimmt sich um 49 v. Chr. in Ermangelung eines eigenen Sohnes des jungen Mannes an und ebnet ihm den Weg in die Politik. Per Testament adoptiert Cäsar ihn postum und macht ihn 44 v. Chr. durch seinen Tod zum Haupterben. Das trägt Octavius, nun Octavian genannt, die Feindschaft von Marcus Antonius ein, der sich selbst als legitimen Erben Cäsars betrachtet. Doch gegen alle Versuche Marcus Antonius’, den Aufstieg des politisch geschickten und wohlberatenen Octavian zu verhindern, behauptet sich dieser. Schließlich verbünden sie sich: Gemeinsam mit Marcus Lepidus bilden sie das sogenannte Zweite Triumvirat und herrschen allgewaltig über Rom. 42 v. Chr. vernichten Octavian und Marcus Antonius die Heere der Cäsar-Mörder Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi. Dadurch setzen sie sich gegen Lepidus durch und teilen das Reich unter sich auf. Doch Octavian will mehr: die Alleinherrschaft. 31 v. Chr. besiegt er Marcus Antonius in der Seeschlacht von Actium. 27 v. Chr. macht er sich zum Kaiser und wird von nun an Augustus genannt. Auf 100 Jahre des Bürgerkriegs folgen nun 200 Jahre des inneren Friedens und der Stabilität, davon 40 Jahre unter Augustus. Zu dessen Errungenschaften zählen der Umbau Roms „von einer Stadt aus Ziegeln zu einer aus Marmor“ (Augustus), eine gewaltige Ausdehnung der Reichsgrenzen und die Etablierung des Kaisertums. Unter seiner Herrschaft blühen Kunst und Literatur. Augustus ist überaus beliebt und wird nach seinem Tod am 19. September 14 n. Chr. als Gott verehrt.


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