Rezension von Nach dem Krieg sind alle gleich

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Nach dem Krieg sind alle gleich Buchzusammenfassung
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Bewertung

9

Qualitäten

  • Augenöffner
  • Umfassend
  • Wissenschaftsbasiert

Rezension

Die wachsende Ungleichheit in vielen Ländern der Welt bewegt die Gemüter. Inmitten der Stimmen aus Politik und Wirtschaftswissenschaften zu dem Thema liefert der Historiker Walter Scheidel einen anderen und frischen Blick: Mit vielen Beispielen aus allen Ecken der Welt und noch mehr Zahlen aus der nahen und fernen Historie legt er dar, wann und wie es in der Geschichte zu einer Reduzierung der Ungleichheit gekommen ist: nämlich immer nur durch große, gewaltsame Umwälzungen. Scheidel schreibt anschaulich, ist darüber hinaus erfreulich unideologisch und bleibt bei den Fakten. Sein Fazit, dass die Aussichten auf eine friedliche Nivellierung gering sind, ist ernüchternd. Ein Buch für alle, die in Sachen Ungleichheit aus der Geschichte lernen wollen.

Über den Autor

Wolfgang Scheidel ist gebürtiger Österreicher, habilitierte in Wien und lehrt nach mehreren Stationen in Europa und den USA an der Stanford University.

 

Ungleichheit in der Geschichte

Ungleichheit ist eines der ganz großen Themen unserer Tage. Walter Scheidel bewegt sich mit seinem Buch Nach dem Krieg sind alle gleich in der Gesellschaft von Autoren wie Joseph Stiglitz, Branko Milanović oder Thomas Piketty. Doch der Blick des Historikers eröffnet eine andere Perspektive auf das Thema als der der Ökonomen. Ungleichheit, so Scheidel, ist nichts Neues, es hat sie in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben. Zumindest seit die Menschen sesshaft wurden, ihr Essen aus domestizierten Tieren und Pflanzen bezogen und Grundbesitz wichtig wurde, nahmen die Unterschiede zu. Ökonomisch-soziale Ungleichheit scheint grundsätzlicher Bestandteil menschlicher Gesellschaften zu sein. Es hat in der Vergangenheit sogar Phasen gegeben, in denen die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen noch größer war als heute – was man fast nicht glauben mag angesichts der Tatsache, dass 2015 die reichsten 62 Menschen auf der Welt so viel wie die ärmste Hälfte der Bevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen, besaßen.

Wer nach politischen Lösungen ruft, dem empfiehlt Scheidel einen Blick in die Geschichte. Die zeigt über viele Jahrhunderte und Kulturen hinweg, dass es der Politik nie gelungen ist, für sozialen Ausgleich zu sorgen. Vielmehr waren es immer Kriege und Katastrophen, die zu einer Nivellierung führten. Der Autor spricht von den „vier apokalyptischen Reitern der Nivellierung“: Kriege mit Massenmobilisierung, Revolutionen, Staatsversagen und Pandemien. Nur sie konnten in der Vergangenheit Ungleichheit im großen Stil beseitigen. Nivellierung gab es immer nur bei Anwendung von Gewalt. Den „vier apokalyptischen Reitern der Nivellierung“ fielen Millionen von Menschen zum Opfer.


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