Zusammenfassung von Satyricon

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Satyricon Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Satire
  • Römische Antike

Worum es geht

Ausschweifungen im alten Rom

Die Welt steht unter der Herrschaft des Fruchtbarkeitsgottes Priapus – so jedenfalls erscheint es Enkolpius, der im Römischen Reich zur Zeit des Kaisers Nero lebt. Enkolpius liebt den Knaben Giton und lebt mit ihm zusammen. Leider nicht ungestört: Andauernd hat er Grund zur Eifersucht. Zusammen erleben Enkolpius und Giton haarsträubende Abenteuer und lernen einen ganzen Reigen skurriler Figuren kennen: die Priesterin Quartilla, die ihren Dienst für Priapus allzu wörtlich nimmt, den neureichen Trimalchio, der auf einem Festmahl seine eigene Beerdigung inszeniert und dabei versehentlich die Feuerwehr auf den Plan ruft, oder den verarmten Poeten Eumolpus, den seine Dichterei immer wieder in Lebensgefahr bringt. Als dann Enkolpius bei dem Fruchtbarkeitsgott in Ungnade fällt, hat er ein Problem – und Viagra gab es damals noch nicht ... Im Satyricon, dem Roman des römischen Politikers und Schriftstellers Petronius, wird die Welt der Antike wieder bunt und lebendig. Mal derb, mal mit feiner Ironie schildert Petronius die Neureichen und Sklaven, die Villen, Bäder und Bordelle und nimmt die Schwächen seiner Mitmenschen aufs Korn, die auch uns recht bekannt vorkommen.

Take-aways

  • Der antike Abenteuer- und Erotikroman Satyricon ist das Werk des römischen Politikers Petronius, eines Vertrauten des Kaisers Nero.
  • Mit den Abenteuern des Ich-Erzählers Enkolpius nimmt Petronius die damalige Gesellschaft satirisch aufs Korn.
  • Ein zentrales Thema ist die Darstellung sexueller Ausschweifungen.
  • Enkolpius ist in den Lustknaben Giton verliebt, muss seine Beziehung zu ihm aber ständig gegen Nebenbuhler verteidigen.
  • Zusammen mit seinem Freund Askyltos und Giton erlebt Enkolpius ein opulentes Gastmahl bei dem neureichen, ungebildeten Trimalchio.
  • Später unternimmt er mit Giton und dem verarmten Dichter Eumolpus eine Schiffsreise.
  • Auf dem Schiff treffen sie alte Bekannte wieder, vor denen sie eigentlich flüchten wollten, und lösen damit einen Tumult aus.
  • Wenig später erleiden sie Schiffbruch und lassen sich in der Stadt Kroton nieder, wo nur Erbschleicher wohnen.
  • Dort gelangen sie zu Wohlstand, weil sich Eumolpus als kinderloser reicher Mann ausgibt und die Einwohner Krotons seine Gunst gewinnen wollen, um ihn zu beerben.
  • Weil er einen Kult des Fruchtbarkeitsgottes Priapus gestört hat, wird Enkolpius mit Impotenz bestraft und erst nach vielen Mühen wieder geheilt.
  • Petronius verwendet in diesem Werk alle Stilebenen, von der lateinischen Hochsprache bis zur vulgären Ausdrucksweise des einfachen Volkes.
  • Vom ursprünglichen Text sind nur Fragmente erhalten; neben großen Teilen der Handlung fehlt manchmal auch der Textzusammenhang im vorhandenen Material.
 

Zusammenfassung

Abenteuer in der Stadt

Enkolpius beklagt sich bei dem Redner Agamemnon über den Niedergang der Rhetorikausbildung. Die Studenten sollten eigentlich darauf vorbereitet werden, vor Gericht aufzutreten. Das Studium sei jedoch völlig praxisfern: Die jungen Leute lernten nur, Phrasen zu dreschen über Themen, die mit der Realität und dem späteren Beruf nichts zu tun hätten. Von der Kunst der Rhetorik, wie sie früher von Könnern gelehrt wurde, habe man sich bereits weit entfernt. Agamemnon stimmt Enkolpius zu. Seiner Ansicht nach liegt der Grund für die Misere darin, dass viele auf eine gründliche Ausbildung ihrer Kinder keinen Wert mehr legen und stattdessen schnelle Erfolge sehen möchten. Nach diesem Anspruch müssten sich die Rhetoriklehrer richten, sonst hätten sie bald keine Schüler mehr.

„Nachdem wir dann mit mehreren Gängen bewirtet worden waren, begannen wir einzunicken; aber da rief Quartilla: ‚Ja ist’s denn möglich? Euch steht der Sinn nach Schlaf, wo ihr doch wisst, dass wir diese nächtliche Feier der zeugenden Kraft des Priapus widmen müssen?’“ (S. 32)

Enkolpius bemerkt, dass sein Freund Askyltos, der das Gespräch verfolgt hat, verschwunden ist. Enkolpius sucht ihn, verirrt sich in der Stadt und bittet schließlich eine alte Marktfrau um Hilfe. Diese bietet sich an, ihm den Weg zu zeigen, führt ihn aber stattdessen direkt in ein Bordell. Dort trifft er dennoch auf Askyltos, der von einem Mann mit demselben Trick hierher gelockt wurde. Gemeinsam gehen sie zurück in ihre Unterkunft, wo sie zusammen mit dem Lustknaben Giton wohnen.

„Ein Tag ist rein gar nichts. Dreh dich nur einmal um, und schon wird es Nacht. Darum ist es auch das weitaus Gescheiteste, man geht aus der Schlafkammer schnurstracks ins Speisezimmer.“ (S. 63)

Dort angekommen, beschuldigt Giton Askyltos, dieser habe ihn unter Drohungen vergewaltigen wollen. Enkolpius ist darüber sehr aufgebracht, aber der Streit legt sich bald wieder. Dennoch bittet Enkolpius darum, Askyltos möge sich so bald wie möglich eine eigene Wohnung suchen, denn er möchte Giton wieder für sich allein haben.

„Trimalchio aber erklärte, einer seiner Schutzgötter heiße Profitler, der zweite Glückler, der dritte Gewinnler.“ (S. 101)

Auf dem Markt versuchen Enkolpius und Askyltos, einen gestohlenen Mantel zu verkaufen. Ein Bauer, der sich für das Kleidungsstück interessiert, bietet selbst ein Hemd an, das den beiden zuvor gestohlen wurde und in das zudem eine größere Summe Geld eingenäht ist. Nun beschuldigen sich beide Parteien gegenseitig als Diebe, sie einigen sich aber schließlich darauf, dass der wertvolle Mantel bis zur Klärung der Angelegenheit bei Gericht hinterlegt wird, während Enkolpius und Askyltos das scheinbar wertlose Hemd mitnehmen können.

„Ja sogar ich hatte schon angefangen mitzuweinen, als Trimalchio sagte: ‚Da wir also wissen, dass wir sterben müssen, warum sollen wir das Leben nicht auskosten?’“ (S. 125)

Abends kommen Quartilla, eine Priesterin des Fruchtbarkeitsgottes Priapus, ihre Magd und ein Mädchen in die Wohnung der drei. Quartilla beschuldigt die Männer, geheime Riten belauscht und gestört zu haben. Sie bittet darum, die Geheimnisse nicht zu verraten, möchte aber noch auf ganz andere Weise entschädigt werden – mit sexuellen Gefälligkeiten für sich und ihre Begleiterinnen, die in einer wüsten Orgie enden. Unter anderem werden Enkolpius und Askyltos zur Strafe von zwei Homosexuellen vergewaltigt, und es wird eine „Hochzeit“ zwischen Giton und dem minderjährigen Mädchen inszeniert.

Das Gastmahl

Enkolpius, Askyltos und Giton sind zu Gast bei Trimalchio, einem ehemaligen Sklaven, der nach seiner Freilassung zu enormem Reichtum gelangt ist. Nun nutzt er jede Gelegenheit, diesen mit seinem verschwenderischen Lebensstil zur Schau zu stellen; zugleich aber ist Trimalchio ausgesprochen dumm und abergläubisch. Er ist ein Mann mit ausgefallenen Ideen und stürzt die Freunde von einer Verblüffung in die andere: So werden beim Spiel heruntergefallene Bälle nicht aufgehoben, sondern weggeworfen und durch neue ersetzt; ein Sklave hält immer einen silbernen Nachttopf bereit, den sein Herr bei Bedarf vor aller Augen benutzt. Ausgefallen und luxuriös ist das Mahl selbst: Trimalchio lässt z. B. Gerichte passend zu den zwölf Tierkreiszeichen auftragen und einen mit lebenden Drosseln gefüllten Keiler servieren. Die Gäste schimpfen derweil über die Teuerung und die unfähigen Politiker. Trimalchio unterhält sie mit allerhand skurrilen Einfällen, die aber zugleich seine mangelnde Bildung beweisen. So bringt er bei dem Auftritt einer Schauspieltruppe die Inhalte griechischer Sagen völlig durcheinander. Die Gäste erzählen sich angeblich selbst erlebte Gruselgeschichten über Hexen und Werwölfe und betrinken sich immer mehr.

„Glaubt mir: Hast du einen Groschen, bist du auch einen Groschen wert; hast du was, giltst du was.“ (Trimalchio, S. 136)

In alkoholisiertem Zustand kommt Trimalchio auf seinen Tod zu sprechen: Er verliest sein Testament und bespricht mit dem Steinmetz Habinnas das Aussehen seines Grabmals, das er bereits in Auftrag gegeben hat. Auch dieses Grab soll weitaus größer und prunkvoller sein als üblich und die Vorzüge des Bestatteten herausstellen. Als sich anschließend die ganze Gesellschaft ins Bad begibt, wollen sich Enkolpius, Askyltos und Giton heimlich davonschleichen. Dummerweise laufen sie einem wütenden Hofhund in die Quere. Vor Schreck fällt Askyltos in einen Fischteich; Enkolpius springt hinterher, um seinen Freund zu retten. Ein Hausmeister beruhigt den Hund, darf aber die Gäste nicht zu der Tür hinauslassen, durch die sie hereingekommen sind. Da sie nun schon nass sind, beschließen die Freunde, doch mit ins Bad zu gehen. Danach führt man alle Gäste in einen anderen Speisesaal, wo sie weiter bewirtet werden. Trimalchio beginnt von Neuem, seinen eigenen Tod zu inszenieren: Er lässt sich die Toga bringen, die ihm als Totengewand dienen soll, bittet die Gäste, sich wie auf seiner Beerdigung zu fühlen, legt sich auf ein Sofa und lässt von Musikern einen Trauermarsch spielen. Der Lärm wird jedoch von der Feuerwehr fälschlicherweise als Alarm interpretiert – sie bricht die Tür auf und setzt das Haus unter Wasser. Diese Gelegenheit nutzen die drei Freunde nun endgültig zur Flucht.

Neue Eifersucht

Für den Rest der Nacht holt sich Enkolpius Giton ins Bett. Als er jedoch am nächsten Morgen aufwacht, liegt der Junge bei Askyltos. Enkolpius ist wiederum eifersüchtig und fordert Askyltos zum zweiten Mal auf, die Wohnung zu verlassen. Es kommt zu einem heftigen Streit um Giton, bis Askyltos vorschlägt, den Jungen einfach selbst wählen zu lassen, bei wem er bleiben möchte. Enkolpius stimmt zu, weil er sich der Zuneigung Gitons sicher ist, aber zu seinem Entsetzen entscheidet sich dieser, mit Askyltos zu gehen. Die beiden ziehen aus, und auch Enkolpius, erschüttert über das Verhalten seiner vermeintlichen Freunde, sucht sich eine neue Bleibe. Nach drei Tagen beschließt er, sich zu rächen. Er nimmt sein Schwert und macht sich auf den Weg zu Askyltos, kommt aber nicht weit – ein Soldat hält ihn auf und entwaffnet ihn.

Ein unglücklicher Dichter

In einer Galerie, wo er seinen Erinnerungen an Giton nachhängt, trifft Enkolpius auf Eumolpus, einen älteren Herrn, den er wegen seiner schäbigen Kleidung gleich als Dichter identifiziert. Um Enkolpius über seinen Verlust zu trösten, erzählt ihm Eumolpus von einer Beziehung, die er selbst einmal zu einem Jungen hatte, und dichtet Verse zu einem Gemälde über die Eroberung Trojas. Das bringt ihm aber wenig Dank ein: Einige zufällige Zuhörer bewerfen den deklamierenden Dichter mit Steinen. Eumolpus und Enkolpius flüchten, der Dichter nimmt den Vorfall aber gelassen hin – denn genau so ergeht es ihm immer, wenn er im Theater etwas vortragen möchte. Auch Enkolpius hat von den Ergüssen des Dichters fürs Erste genug, aber als ihm Eumolpus verspricht, das Dichten für heute sein zu lassen, lädt er Enkolpius zum Essen ein.

Ein neuer Kampf um Giton

Als Enkolpius mit seinem neuen Freund anschließend ins Badehaus geht, trifft er dort Giton wieder, der für Askyltos Sklavendienste verrichtet und Enkolpius inständig bittet, ihn mit nach Hause zu nehmen. Enkolpius kommt dieser Aufforderung umgehend nach, zumal Eumolpus gerade Verse vorträgt und abgelenkt ist. Enkolpius und Giton versöhnen sich, der Friede hält aber nicht lange: Enkolpius’ Eifersucht flammt sofort wieder auf, als Eumolpus in seiner Wohnung auftaucht und deutliches Interesse an Giton zeigt. Als er dann trotz seines Versprechens auch schon wieder zu dichten beginnt, kommt es zum Streit. Giton verlässt den Raum, kurz darauf flüchtet auch Eumolpus – und sperrt Enkolpius unerwartet im Zimmer ein. Da dieser glaubt, jetzt hätte sich Eumolpus mit Giton davongemacht, möchte er sich an seinem Bett erhängen. Aber ehe er so weit ist, kommen Eumolpus und Giton zurück. In den folgenden Tumult platzt der Hauswirt mit dem Abendessen und missdeutet das Chaos im Zimmer. Er beschuldigt die drei, sie hätten sich wegschleichen wollen, ohne die Miete zu zahlen. Eumolpus wird handgreiflich; die Prügelei setzt sich auf der Straße unter Beteiligung betrunkener Wirtshausgäste fort. Enkolpius sperrt die Tür zu, um mit Giton wieder seine Ruhe zu haben.

„Ihr Götter und Göttinnen, wie schlimm sind doch die dran, die außerhalb der gesetzlichen Ordnung leben: Stets müssen sie mit der verdienten Strafe rechnen!“ (Enkolpius, S. 254)

Inzwischen lässt Askyltos Giton durch einen Ausrufer suchen. Er hat eine Belohnung von 1000 Sesterzen ausgesetzt. Schnell versteckt Enkolpius den Jungen unter seinem Bett. Hier bleibt er unentdeckt, als Askyltos kurz darauf das Zimmer durchsuchen lässt. Bald kommt aber auch Eumolpus zurück, der seine Belohnung abholen möchte. Er entdeckt Giton, weil dieser in seinem Versteck niesen muss. Es gelingt dem Jungen jedoch, Enkolpius und Eumolpus wieder miteinander zu versöhnen.

Die Fahrt auf dem Schiff

Die drei begeben sich an Bord eines Schiffes. Als Enkolpius erfährt, dass es einem gewissen Lichas gehört und dieser mit seiner Geliebten Tryphäna ebenfalls an der Reise teilnimmt, gerät er in Panik: Vor diesen beiden müssten sie sich hüten, weil er einst die Frau des Lichas verführt und der Tryphäna den Giton ausgespannt habe. Nun überlegen Enkolpius und Giton, wie sie unerkannt bleiben können. Nach einigem Hin und Her beschließen Enkolpius und Giton, sich von einem Barbier Haare und Augenbrauen abscheren zu lassen. Eumolpus malt den beiden Brandzeichen auf die Stirn, damit sie aussehen wie entlaufene Sklaven. Es wird jedoch bekannt, dass sich zwei Reisende heimlich an Bord die Haare haben schneiden lassen. Da dies angeblich Unheil bringt, werden die Schuldigen zur Strafe ausgepeitscht. Dabei schreit Giton so laut, dass Tryphäna ihn an der Stimme wiedererkennt. Der Schwindel fliegt auf und beide Parteien prügeln aufeinander ein, bis Tryphäna auf Drängen des Steuermanns den Streit schlichtet. Wenig später gerät das Schiff in einen Sturm und sinkt. Lichas kommt dabei ums Leben, Enkolpius und Giton werden von Fischern gerettet. In letzter Minute holen sie noch Eumolpus aus dem Wrack – allerdings gegen seinen Willen, denn er dichtet gerade und reagiert sehr empfindlich auf die Störung.

Der Aufenthalt in Kroton

Die Schiffbrüchigen machen sich auf den Weg nach Kroton, die nächste Stadt. Unterwegs deklamiert Eumolpus ein langes Gedicht über den Bürgerkrieg, anscheinend das Werk, das er auf dem sinkenden Schiff verfasst hat. Die drei werden gewarnt, dass in Kroton lauter Erbschleicher wohnen. Also hecken sie einen Betrug aus: Eumolpus spielt einen kinderlosen reichen Mann, Enkolpius und Giton geben sich als seine Sklaven aus. Mit ihrer Lügengeschichte sind sie erfolgreich: Die Einwohner Krotons bemühen sich um Eumolpus’ Gunst und versorgen ihn reichlich. Nun leben die drei endlich einmal im Wohlstand.

Die Rache des Fruchtbarkeitsgottes

Enkolpius erfährt, dass sich die vornehme und attraktive Circe in ihn, den vermeintlichen Sklaven, verliebt hat. Ein Treffen wird arrangiert, er bietet ihr gern seine Liebesdienste an – und versagt. Circe macht sich über ihn lustig, gibt ihm aber eine zweite Chance. Enkolpius bemüht sich sehr, versagt jedoch wieder und fällt bei Circe endgültig in Ungnade. Ihm ist klar, wo das Problem liegt: Er steht noch unter dem Fluch des Fruchtbarkeitsgottes Priapus, weil er einst eine kultische Handlung störte.

„Nicht bei mir liegt der Fehler, sondern bei meinem Werkzeug. Ein kampfbereiter Soldat war ich, doch hatte ich keine Waffen. Wer für diese Panne verantwortlich ist, weiß ich nicht.“ (Enkolpius, S. 265)

Was nun? Verstört sucht Enkolpius einen Priapus-Tempel auf, um die Gottheit wieder gnädig zu stimmen. Mit allerhand sonderbaren Ritualen wollen die Priesterin Onothea und die alte Proselenos Enkolpius von seiner Impotenz befreien, treiben es aber so bunt, dass er flüchtet.

„Es gibt nichts Verfehlteres als die unsinnige Voreingenommenheit der Menschen und nichts Unsinnigeres als gleisnerische Sittenstrenge.“ (Enkolpius, S. 273)

Derweil versuchen die Einwohner Krotons noch immer, sich Eumolpus’ vermeintlich gewaltiges Erbe zu sichern. Das geht so weit, dass eine Frau ihn bittet, ihre beiden Kinder bei sich aufzunehmen. Angeblich sollen sie seine Schüler sein, aber in Wahrheit stehen sie ihm für Liebesdienste zur Verfügung. Inzwischen ist Enkolpius von seinem Leiden geheilt worden.

„Du musst einfach die Augen schließen und dir vorstellen, du würdest dir nicht Menschenfleisch, sondern zehn Millionen Sesterzen einverleiben.“ (Eumolpus, S. 296)

Schließlich verfügt Eumolpus, dass nur diejenigen von seinem angeblichen Besitz etwas erhalten werden, die bereit sind, seine Leiche zu zerstückeln und zu essen. Um den potenziellen Beteiligten ihre Hemmungen zu nehmen, fügt er noch einige historische Beispiele für Kannibalismus an.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das Satyricon des Petronius ist ein so genanntes Prosimetrum: ein Text, der teils in Prosa, teils in Versen verfasst ist. Er besteht aus einzelnen Episoden um den Ich-Erzähler Enkolpius und seine Freunde Giton, Askyltos und Eumolpus. In die eigentliche Handlung sind zahlreiche andere Textformen, Erzählungen und Hinweise auf Fremdtexte eingestreut: Rätsel, Spukgeschichten, Dichterzitate, Verweise auf Fabeln usw. Das Werk ist nur in Fragmenten überliefert und dürfte ursprünglich weitaus umfangreicher gewesen sein. Charakteristisch für den Text sind daher zahlreiche Lücken und Anspielungen auf Ereignisse in verloren gegangenen Kapiteln. Das macht die Lektüre mitunter etwas mühsam, weil der Textzusammenhang fehlt. Einigermaßen vollständig und in sich geschlossen ist nur die zentrale Episode, das Gastmahl des Trimalchio (lat.: Cena Trimalchionis), das auch als eigenständiger Text veröffentlicht wurde. Stilistisch greift Petronius auf ein umfangreiches Repertoire zurück, das von der Hochsprache wissenschaftlicher Abhandlungen über das Pathos heroischer Verse bis hin zur vulgären Ausdrucksweise des einfachen Volkes reicht. Daher ist das Werk im Original auch die wichtigste Quelle für Vulgärlatein.

Interpretationsansätze

  • Petronius beschreibt und karikiert im Satyricon die Gesellschaft im Römischen Reich zur Zeit des Kaisers Nero. Der Text sprüht vor Humor in allen Spielarten; das Spektrum reicht von derben Witzen und Obszönitäten bis zu feinen ironischen Anspielungen, die für den heutigen Leser oft kaum mehr zu erkennen sind.
  • Das Werk ist weder als moralisierendes Sittenbild noch als bloße Pornografie zu verstehen. Mit seinem distanziert-heiteren Unterton lässt Petronius die Leser über seinen eigenen Standpunkt bewusst im Unklaren.
  • Die treibende Kraft aller Handlungen sind sexuelle Begierden und Habsucht. Sittliche Ideale, religiöse Normen oder Rechtsvorschriften spielen keine Rolle. Die Figuren des Romans wollen alle nur das eine und bewegen sich dabei jenseits aller – zumindest heutigen – Geschmacksgrenzen.
  • In seinem exzentrischen Lebensstil hat der neureiche Verschwender Trimalchio Ähnlichkeit mit Kaiser Nero. Auch in anderen Stellen finden sich Anspielungen auf den damaligen Herrscher.
  • Petronius persifliert mit seinem Text andere literarische Werke der Antike: Enkolpius muss, wie Odysseus oder Äneas, zahlreiche Abenteuer bestehen und fällt der Rache eines Gottes anheim. Aber dieser ist ausgerechnet der Fruchtbarkeitsgott Priapus – und Enkolpius in der Folge ein mit Impotenz geschlagener Antiheld. Die Verse des Eumolpus ziehen außerdem das Pathos zeitgenössischer Gedichte ins Lächerliche.
  • Interessant ist der Roman heute insbesondere aufgrund seiner detailgenauen Milieuschilderungen, die den Leser in die Welt der römischen Antike zurückversetzen.

Historischer Hintergrund

Die Regierungszeit des Kaisers Nero

Tiberius Claudius Nero Drusus Germanicus Caesar, kurz Nero, Kaiser des Römischen Reiches in den Jahren 54–68, ist als Inbegriff des grausamen Despoten in die Geschichte eingegangen. Seine Regierungszeit fiel in eine Epoche, in der das Reich von blutigen Machtkämpfen und Intrigen erschüttert wurde. Nach der langen Herrschaft des Kaisers Augustus regierte zunächst Tiberius, nach dessen Tod gelangte im Jahr 37 der grausame Caligula an die Macht. Vier Jahre später wurde dieser ermordet und Claudius zum Kaiser ernannt. Er heiratete Agrippina, die Schwester Caligulas, die bereits einen Sohn aus erster Ehe hatte: Nero. Ihn an die Macht zu bringen, war Agrippinas Ziel. Als Nero knapp 17 Jahre alt war, ermordete sie ihren Mann Claudius – Nero wurde sein Nachfolger. Die ersten Regierungsjahre verliefen positiv, der junge Nero stand noch unter dem Einfluss seines Lehrers, des Philosophen Seneca. Aber mit der Zeit wurde seine Herrschaft mehr und mehr von Willkür und Despotismus bestimmt. Tatsächliche oder vermeintliche politische Feinde wurden ermordet oder zum Selbstmord gedrängt; zu Neros Opfern zählen vermutlich auch seine Mutter, seine Frau und sein Stiefbruder. Seneca musste sich im Jahr 62 aus der Politik zurückziehen; nach dem Brand Roms im Jahr 64 ordnete Nero eine Christenverfolgung an.

Im Jahr 65 versuchte Calpurnius Piso, den Kaiser zu stürzen. Diese so genannte Pisonische Verschwörung scheiterte jedoch, es kam zu zahlreichen Hinrichtungen und erzwungenen Suiziden. Auch Petronius und Seneca mussten sich das Leben nehmen. Aber bereits drei Jahre später ereilte Nero das gleiche Schicksal: Als ein Aufstand das Ende seiner Herrschaft besiegelte, beging er mit 31 Jahren Selbstmord. Berühmt und berüchtigt ist Nero auch durch sein exzentrisches Verhalten, seine künstlerischen Ambitionen und seinen verschwenderischen Lebensstil. Er prägte eine Zeit, in der moralische und religiöse Werte keine Rolle mehr spielten. Die wohlhabende Oberschicht war nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht, ihr Lebensstil war zügellos und ausschweifend. Auf sexuellem Gebiet gab es keine Tabus: Homo- und Bisexualität, Päderastie und Promiskuität waren nichts Außergewöhnliches. Ähnlich wie Jahrhunderte später im Barock ging mit diesem Überschwang eine intensive Auseinandersetzung mit dem Tod einher: Aus dem Bewusstsein der Vergänglichkeit entstand eine übersteigerte Lebensgier.

Entstehung

Keine antike Quelle gibt darüber Auskunft, wer das Satyricon verfasst hat. Deshalb wurde über den Autor lange spekuliert; inzwischen gilt es als relativ sicher, dass der Text von Petronius stammt, einem Vertrauten Neros. Wann genau das Satyricon entstanden ist, lässt sich nicht mehr exakt nachvollziehen, aber zahlreiche Details weisen darauf hin, dass es zur Regierungszeit Neros verfasst wurde. Heute nimmt man an, dass Petronius das Werk im Jahr 65 schrieb, also kurz vor seinem Tod. Die Gesellschaft des Römischen Reiches in den ersten Jahrzehnten unserer Zeitrechnung war eine Welt, die er selbst nur zu gut kannte: So war Petronius als Fachmann für Geschmacksfragen am Hof Neros für die Unterhaltung von Gästen und die Inszenierung von Gastmahlen, wie er sie im Satyricon beschreibt, zuständig. Nach dem, was wir von seinem Lebenswandel wissen, verband ihn wohl einiges mit seinen freizügigen Helden. Petronius schrieb das Werk für die römische Oberschicht, die die feinen ironischen Anspielungen verstand und über genug Bildung verfügte, um sich etwa über die Dummheit eines Trimalchio zu amüsieren. Vorbilder für diese Figur fand Petronius u. a. in den Werken von Seneca und Horaz. Mit dem Titel Satyricon stellte Petronius eine inhaltliche Verbindung zu den Satyrn her, lüstern-animalischen Gestalten aus der griechischen Mythologie, die meist im Gefolge des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos auftreten. Zugleich klingt das lateinische Wort „satura“ (Satire) mit an.

Das Werk in der uns heute vorliegenden Gestalt ist in vier verschiedenen Quellen überliefert, von denen jede nur einen Teil des Gesamttextes umfasst. Die älteste dieser Quellen ist eine Handschrift aus der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts. Das „Gastmahl des Trimalchio“ wurde erst 1650 in einer Bibliothek in Dalmatien entdeckt.

Wirkungsgeschichte

Die freizügigen, geradezu obszönen Darstellungen im Satyricon haben in den nachfolgenden Jahrhunderten vielfach Anstoß erregt. Dies mag ein Grund dafür sein, weshalb der Text, im Gegensatz zu anderen literarischen Werken der Antike, nur bruchstückhaft überliefert ist. Geschätzt wurde das Werk u. a. von Honoré de Balzac und Friedrich Nietzsche, der vom „Wohlgefühl in der reineren Luft, der überlegeneren Geistigkeit des schnelleren Schrittes, der frei gewordenen und überschüssigen zukunftsgewissen Kraft“ des Satyricon schwärmte. Der Text ist ein Vorläufer der Schelmenromane, die im 16. Jahrhundert in Mode kamen, Enkolpius ein Ahne von Till Eulenspiegel oder Grimmelshausens Simplicissimus. Auch zu Fälschungen regte der Text an: Ende des 17. Jahrhunderts behauptete der französische Offizier François Nodot, eine vollständige Fassung des Werks zu besitzen, die sich jedoch bald als nicht authentisch entpuppte. Verfilmt wurde der Stoff 1969 unter der Regie von Federico Fellini.

Über den Autor

Von Petronius sind neben dem Satyricon keine weiteren Werke bekannt. Sein Name ist uneinheitlich überliefert: In verschiedenen Quellen wird er Titus Petronius, Gaius Petronius, Petronius Niger oder Petronius Arbiter genannt. Auch das Geburtsjahr ist nicht genau zu bestimmen. Vermutlich wird Petronius in den ersten Jahren unserer Zeitrechnung geboren. Er wird Statthalter in Bithynien und im Jahr 62 n. Chr. Konsul. Am kaiserlichen Hof ist er für Geschmacksfragen zuständig. Mit seiner herausragenden Stellung schafft er sich jedoch auch Feinde: Als die Pisonische Verschwörung bekannt wird, wird er denunziert, fällt in Ungnade und muss 66 n. Chr. Selbstmord begehen. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus zeichnet in seinen Annalen das Bild eines genussfreudigen Mannes: „ein Virtuose in der Kunst, höchsten Genuss mit Geschmack zu paaren“. Tacitus hat der Nachwelt auch eine Beschreibung von Petronius’ Tod überliefert: Ihr zufolge zelebriert Petronius selbst seinen Suizid, verwandelt ihn in ein ästhetisches Ereignis. Seine letzten Stunden verbringt er bei einer heiteren Feier im Kreis von Freunden und lässt sich dabei mehrmals die Pulsadern öffnen und wieder verbinden. Außerdem nimmt er noch nach seinem Tod Rache an Nero: Es ist üblich, dass die Opfer Neros, die auf sein Geheiß Selbstmord begehen müssen, den Kaiser in ihrem Testament bedenken. Auch Petronius verfasst ein Schreiben, das nach seinem Tod dem Kaiser ausgehändigt wird – es ist jedoch kein Testament, sondern eine detaillierte Schilderung der sexuellen Ausschweifungen Neros, mit den Namen sämtlicher Partner. Die Gestalt des Petronius wurde Jahrhunderte später auch literarisch verarbeitet: Henryk Sienkiewicz lässt ihn in seinem Roman Quo vadis? auftreten, der 1905 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.


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