Unsere Welt neu denken
Eine Rezension von

Unsere Welt neu denken

Eine Einladung

Maja GöpelUllstein • 2020

Weniger ist wunderbar 

von Gundula Stoll

Die Bestsellerautorin Maja Göpel begeistert und spaltet zugleich: Herkömmliches Wachstum ist für sie „Planetenzerstörung“ und die Mehrwertsteuerentlastung während der Coronapandemie eine „Porsche-Prämie“. Geht es nicht etwas weniger polemisch? Ihre Antwort: Leider nein.

Umweltschützer und Klimakämpfer wittern seit einiger Zeit Morgenluft: Erstmals darf sich in Deutschland eine junge, grüne Kandidatin Hoffnungen auf das Kanzleramt machen. Das Bundesverfassungsgericht hat die Regierung dazu verdonnert, beim Klimaschutz nachzubessern, und endlich melden sich auch die USA im globalen Kampf gegen den Klimawandel zurück: Präsident Joe Biden hat angekündigt, die Treibhausgasemissionen seines Landes bis 2030 zu halbieren. All das ist gut. Aber ist es auch gut genug?

Jedes Jahr wandert der Tag, an dem wir bereits verbraucht haben, was für das ganze Jahr reichen sollte, im Kalender weiter nach vorn. 2019 war das der 29. Juli. (Maja Göpel)

Nicht, wenn es nach Maja Göpel geht. Ihr Anliegen ist auch nicht vorrangig der Klimaschutz. Vielmehr stellt sie unsere gesamte Lebensweise und Wirtschaftsordnung infrage. Denn was andere Fortschritt nennen, ist für sie nichts anderes als „Ausbreiten und Ausbeuten, Expandieren und Extrahieren“ – und zwar in einem Maß, das längst die planetaren Grenzen sprengt. Göpel ist überzeugt: Die Autoren von Die Grenzen des Wachstums, veröffentlicht vor knapp einem halben Jahrhundert, haben in allen Punkten Recht behalten – noch immer rasen wir mit Vollgas auf den ökologischen und zivilisatorischen Kollaps zu.


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