Rezension von Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

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Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst Buchzusammenfassung
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Bewertung

9

Qualitäten

  • Augenöffner
  • Meinungsstark
  • Brisant

Rezension

Internetpionier Jaron Lanier legt mit diesem Buch eine furiose, über weite Strecken polemische, doch immer kompetente Generalabrechnung mit den amerikanischen Social-Media-Giganten vor. Seine Hauptkritik gilt dem destruktiv-parasitären Geschäftsmodell der Unternehmen. Dabei handelt es sich eben nicht um Werbung, wie oft behauptet wird. Vielmehr werden die Algorithmen von Facebook und Co. ständig darauf optimiert, Nutzer mit Methoden des Behaviorismus abhängig zu machen und ihr Verhalten zu modifizieren. Die Social-Media-Nutzer sind das Produkt – die zahlenden Werbetreibenden sind die eigentlichen Kunden der Social-Media-Firmen. Die fatalen Auswirkungen dieses Geschäftsmodells auf Menschen und Gesellschaft beschreibt Lanier in zehn Kapiteln und spitzt sie in der titelgebenden Aufforderung zu. Wegen ihres laxen Verhältnisses zum Thema Datenschutz stehen die Social-Media-Konzerne besonders in Europa schon lange in der Kritik. Lanier geht darüber hinaus. Für ihn sind die toxischen Nebenwirkungen so gravierend, dass er keine nachhaltige Zukunft für die gegenwärtigen Geschäftsmodelle sieht.

Über den Autor

Jaron Lanier ist ein Internetpionier der ersten Stunde und prägte Begriffe wie „Virtual Reality“ oder „Avatar“. Bereits Anfang der 1980er-Jahre entwickelte er einen Datenhandschuh, mit dem man sich im virtuellen Raum bewegen konnte. Er lehrte unter anderem an der Columbia University, in Yale und Berkeley. Heute arbeitet er für Microsoft Research.

 

Besser Katze als Hund

Kennzeichend für Laniers Stil ist das virtuose Miteinander sachlich-technischer Schilderungen und metaphorischer Zuspitzung. So wählt Lanier für den Einstieg ins Buch eine Analogie aus der Tierwelt: Das Internet ist voll von Katzenvideos, schreibt er. Doch warum dominieren Katzen und nicht Hunde? Im direkten Vergleich sind Hunde leichter zu dressieren. Katzen bleiben in gewisser Weise immer unberechenbar und eigensinnig – und dadurch interessanter. Laniers These: Nutzer von Facebook verhalten sich wie domestizierte Hunde. Sie sind in einer Art und Weise verhaltensmanipuliert, wie das mit Katzen nie möglich wäre. Womit der Autor bei der Kernaussage des Buches angelangt ist: Das Geschäftsmodell der mächtigsten Internetkonzerne beruht auf Manipulation. Er fordert den Leser auf, zur Katze zu werden, und liefert im Folgenden mehr als genug Gründe dafür.

Der Verlust des freien Willens

Zunächst wirft Lanier einen Blick in die Wissenschaftsgeschichte. Lange bevor es Computer oder Smartphones gab, entstand mit dem Behaviorismus eine Forschungsrichtung, die auf Modifikation tierischen und menschlichen Verhaltens zielte. Ein wichtiger Vertreter dieser Richtung war der US-Psychologe Burrhus Frederic Skinner, der die nach ihm benannte Skinner-Box erfand, in der Tiere über einen Mechanismus für ein bestimmtes Verhalten belohnt und so auf dieses Verhalten dressiert werden. Fatalerweise funktioniert die behavioristische Konditionierung auch beim Menschen. Wie langjährige Forschungen zeigen, ist es möglich, Menschen mit behavioristischen Methoden zu manipulieren, ohne dass sie es bemerken. Facebook, behauptet Lanier, bedient sich exakt solcher Techniken. Er zitiert dazu Sean Parker, den ersten Präsidenten der Firma: „Wir müssen dir sozusagen ab und zu einen kleinen Dopaminkick verpassen, weil jemand ein Foto oder ein Posting oder sonst was gelikt oder kommentiert hat.“ Ein ehemaliger hochrangiger Facebook-Mitarbeiter, den Lanier ebenfalls zu Wort kommen lässt, räumt ein: „Jetzt haben wir, glaube ich, einen wirklich schlimmen Zustand erreicht. Er untergräbt das Fundament des Verhaltens der Menschen zu- und untereinander.“ Der Feed-Algorithmus von Facebook, so Lanier, zielt darauf ab, Nutzer abhängig zu machen und ihr Verhalten zu manipulieren.


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