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Hidden Champions – Die neuen Spielregeln im chinesischen Jahrhundert

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Hidden Champions – Die neuen Spielregeln im chinesischen Jahrhundert

Campus,

15 min read
8 take-aways
Audio & text

What's inside?

Wie mittelständische, kaum bekannte Unternehmen erfolgreich in der Wirtschafts-Champions-League spielen.


Bewertung der Redaktion

9

Qualitäten

  • Analytisch
  • Augenöffner

Rezension

Wir leben im chinesischen Jahrhundert, und die Spielregeln haben sich geändert. Davon ist Hermann Simon überzeugt. In diesem Buch kehrt er erneut zu seinem Lieblingsthema der „Hidden Champions“ zurück. Er liefert eine detaillierte Analyse mittelständischer Firmen im deutschsprachigen Raum, die in ihren Märkten zu den Weltbesten gehören. Vor dem Hintergrund des „chinesischen Jahrhunderts“ beleuchtet er die aktuellen und künftigen Herausforderungen der heimlichen Asse und gibt Hinweise, wie ihnen die erforderliche Transformation gelingen kann.

Take-aways

  • Hidden Champions sind die heimlichen Asse der Wirtschaftswelt.
  • Der Erfolg der Hidden Champions beruht unter anderem auf föderalistischen Strukturen, regionalen Ökosystemen und der geografischen Lage.
  • Die Abschwächung der Globalisierung und die globale Verschiebung der Märkte fordern die Hidden Champions heraus.
  • Wer Weltmarktführerschaft anstrebt, kommt an China und den USA nicht vorbei.
  • Digitalisierung und Innovation werden zu wesentlichen Antriebskräften der Transformation.
  • In Sachen Nachhaltigkeit sind Hidden Champions Pioniere.
  • Europäische Hidden Champions sind erstklassig in Innovationen, aber zweitklassig in deren Vermarktung.
  • Hidden Champions in aufsteigenden Branchen haben bessere Zukunftschancen als solche in absteigenden Branchen.

Zusammenfassung

Hidden Champions sind die heimlichen Asse der Wirtschaftswelt.

Haben Sie schon einmal von Kalle, Gottschalk oder Utsch gehört? Diese Mittelständler errangen ihre weltweite Marktführerschaft mit scheinbaren Kleinigkeiten: Wursthüllen, Heftzwecken und Kfz-Kennzeichen. Es sind „Hidden Champions“ – global tätige, mittlere Unternehmen des deutschsprachigen Raums, die in ihren Märkten eine führende Position innehaben. Hermann Simon prägte den Begriff „Hidden Champions“ 1990. Die mittlerweile modifizierte Definition der Hidden Champions umfasst Unternehmen mit bis zu 5 Milliarden Euro Umsatz. Sie zählen in ihren Märkten zu den Top 3 weltweit oder sie sind auf ihrem Kontinent die Nummer eins, dabei einer breiten Öffentlichkeit aber kaum bekannt.

„Die Welt ist voller Geschäftschancen, auch mit kleinen Dingen. Die Hidden Champions haben diese Chancen oft als Pioniere ergriffen und mit diesen kleinen Dingen weltweit führende Marktpositionen erreicht.“

Typischerweise profitieren diese Firmen von internationaler Arbeitsteilung und Spezialisierung in ihren Märkten. Diese wurden dank Globalisierung und Standardisierung in den letzten Jahrzehnten größer und attraktiver. Neben den Großunternehmen leisten die mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Längerem einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand ihrer exportorientierten Nationen. Die Hidden Champions zeichnen sich durch Mut, Innovationsgeist und eine gute Portion Bescheidenheit aus. Ein Ansatz, der mittlerweile auf großes Interesse stößt und auf der ganzen Welt Nachahmer findet.

Der Erfolg der Hidden Champions beruht unter anderem auf föderalistischen Strukturen, regionalen Ökosystemen und der geografischen Lage.

Aktuell gibt es weltweit etwa 3400 Hidden Champions, die in 59 Ländern beheimatet sind. Mit Abstand die meisten Firmen zählt Deutschland, gefolgt von den USA, Japan, Österreich und der Schweiz. Gemessen an ihrer Einwohnerzahl führen die drei deutschsprachigen Nationen das Ranking deutlich an. Woran liegt diese Dominanz? Eine Rolle spielte die Geschichte: Alle drei Länder waren anders als Frankreich oder Japan nie Nationalstaaten und von jeher föderalistisch geprägt. Hinzu kam die Kleinstaatlichkeit, die Unternehmen schon früh zwang, ins Ausland zu expandieren, um erfolgreich wachsen zu können. Ebenso wirkten das duale Bildungssystem, ein ausgeprägter Fokus auf Produktivitätsfortschritte sowie regional vorhandene Ökosysteme wie etwa die Uhrenproduktion im Schwarzwald als Katalysatoren im Kampf um die weltweite Marktführerschaft. Auch aufgrund der zentralen Lage in Europa, eingebettet zwischen den Wirtschaftsmächten USA und China, und einer internationalen Mentalität hatten die deutschsprachigen Mittelständler bisher die Nase vorn.

„Hidden Champions sind mental global.“

Die Kennzeichnungen „Made in Germany“ und „Swiss Made“ entwickelten sich auf der ganzen Welt zu Gütesiegeln höchster Qualität. Wen interessiert da noch, dass die Engländer den Deutschen „Made in Germany“ 1887 als Herkunftsbezeichnung für minderwertige Qualität aufzwangen?

Die Abschwächung der Globalisierung und die globale Verschiebung der Märkte fordern die Hidden Champions heraus.

Die Weltwirtschaft hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts sehr dynamisch entwickelt. Die weltweiten Pro-Kopf-Exporte haben sich zwischen 1980 und 2019 mehr als verfünffacht. Die atemberaubende Entwicklung wird noch deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass im Jahr 1900 erst 1,6 Milliarden Menschen auf der Erde lebten, während es heute 7,7 Milliarden sind. Bei der Entwicklung des Wachstums fällt jedoch auf, dass es seit 2011 nur noch bescheidene Zuwächse gibt. Nach einer Phase der Hyperglobalisierung zwischen 1990 und 2010 ist der Globalisierungsmotor im letzten Jahrzehnt quasi zum Stillstand gekommen. Für deutsche Exportweltmeister bedeutet das eine dramatische Veränderung, der sie sich eher früher als später stellen müssen.

„Im Jahr 2050 leben mehr als vier Fünftel der Menschheit in Asien-Pazifik und Afrika.“

Hinzu kommt, dass gemäß Prognose der UNO die Bevölkerung im asiatischen und afrikanischen Raum in den nächsten Jahren stark wachsen und zu einer Verschiebung der Märkte beitragen wird. Natürlich ist das Bevölkerungswachstum nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung gleichzusetzen. Die USA, China und die EU zählen auch in Zukunft zur „ersten globalen Liga“, angetrieben vom chinesischen Wachstumsmotor. Lediglich zur „zweiten globalen Liga“ gehören Großbritannien, Japan, Schwellenländer wie Brasilien, Russland und Indien sowie Afrika und Länder des Mittleren Ostens. Hidden Champions müssen demzufolge in der ersten globalen Liga präsent sein, um eine weltweite Marktführerschaft aufbauen oder halten zu können. Angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen ist eine Transformation für globale Spitzenreiter unausweichlich.

Wer Weltmarktführerschaft anstrebt, kommt an China und den USA nicht vorbei.

Die USA sind der größte Einzelmarkt für deutsche Exporteure. Dahinter folgt mit einigem Abstand China, das aber mit hohen Wachstumsraten deutlich am Aufholen ist.

„Die USA und China stehen neben dem Heimatmarkt Europa ganz vorne auf der Prioritätenliste der Hidden Champions.“

Obwohl die USA den deutschen Unternehmen politisch und kulturell näher stehen, dürfen sich Hidden Champions auf keine Entweder-oder-Strategie wie zu Zeiten des Kalten Krieges einlassen. Der amerikanische Markt stellt angesichts seiner Sättigung, der hohen Wettbewerbsintensität und Heterogenität eine große Herausforderung dar. Die viel beschworenen transatlantischen Beziehungen erweisen sich oft als Illusion, wie das Scheitern von DaimlerChrysler gezeigt hat. Jedoch haben Digitalisierung und Innovation die wirtschaftliche Verzahnung in den letzten Jahren wieder verstärkt.

Am chinesischen Markt kommt angesichts seiner Größe und des starken Wachstums niemand vorbei. Das wird noch lange Zeit so bleiben. Allerdings ist es auch gerade diese Größe, die Mittelständler beim Markteintritt schier verzweifeln lässt. Selbst Toyota benötigte 15 Jahre, um im Reich der Mitte ein flächendeckendes Händlernetz aufzubauen. Hidden Champions stellt dies vor große organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Speziell in reifen Industrien wie dem Kohlebergbau ergeben sich für deutsche Mittelständler neue Perspektiven. Dasselbe gilt für die von Chinas Regierung priorisierten Zukunftssektoren wie Elektromobilität oder Schienenverkehr. Die Unternehmen Schenck Process, Weltmarktführer in Mess- und Verfahrenstechnik, und SMT Schaft, Weltmarktführer bei Monorails im Untertagebau, konnten das Wegfallen ihrer Heimmärkte mit dem Wachstum in China ausgleichen.

„Wer wachsen und global mithalten will, muss in China dabei sein.“

Dass von China auch in Sachen Innovationen viel zu erwarten ist, belegen seit einigen Jahren eindrücklich die stark steigenden Patentanmeldungen. Chinesische Firmen werden deutschen Weltmarktführern künftig das Leben schwer machen. Auch wenn sie sich noch in einer frühen Globalisierungsphase befinden, haben die Chinesen hohe Ambitionen, selbst zu Hidden Champions zu werden. Daraus kann den Deutschen eine ernsthafte Bedrohung erwachsen, denn schon heute beschäftigt die chinesische Konkurrenz drei- bis fünfmal mehr Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung.

Digitalisierung und Innovation werden zu wesentlichen Antriebskräften der Transformation.

Digitalisierung und Innovation gewinnen weiter an Bedeutung und verändern die Rahmenbedingungen für die Unternehmen entscheidend. In der digitalen Welt wird schneller kommuniziert, Ergebnisse können leichter bewertet und ausgetauscht werden. Da Komplexität und Geschwindigkeit stetig zunehmen, sollten Firmen auf den Austausch mit Gleichgesinnten ihres Ökosystems Wert legen. Einigen mittelständischen Weltmarktführern fällt das immer noch schwer. Sie verlassen sich lieber auf eigene Ressourcen, als mit Partnern zu kooperieren.

„Die traditionelle ‚Do-it-yourselfʻ-Kultur der Hidden Champions steht auf dem Prüfstand und erfordert ein Umdenken.“

Ebenso wie sich Hidden Champions lieber auf das eigene Know-how verlassen, bevorzugen sie oft auch inkrementelle Innovationen. Neuerungen erfolgen in kleinen Schritten. Die Möglichkeit, ein Produkt oder eine Dienstleistung mithilfe digitaler Tools ganz neu zu konzipieren, bleibt oft ungenutzt. Zumeist sind es Start-ups, die die Gunst der Stunde nutzen. Sie haben in digitalen B2B-Märkten trotz hoher Eintrittsbarrieren Erfolgschancen. Beispielsweise konnte das deutsche KMU Phoenix Contact mit einem Batterieladesystem, das eine deutlich schnellere Ladekapazität als die bisherigen Systeme aufweist, im Bereich der Elektromobilität Fuß fassen. Hingegen sind die digitalen B2C-Märkte bereits fest in amerikanischer und chinesischer Hand. Das Kölner Unternehmen DeepL stellt hier mit seinem hochwertigen Übersetzungsdienst eine Ausnahme dar und überflügelt sogar das Angebot des Platzhirschs Google.

In Sachen Nachhaltigkeit sind Hidden Champions Pioniere.

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet, dass Umweltschutz, Sozialaspekte und gute Unternehmensführung und -kontrolle hohe Bedeutung haben – diese Dreiheit wird auch mit dem Kürzel ESG (Environmental, Social, Governance) bezeichnet. Nachhaltigkeit erstreckt sich dabei auf die gesamte Wertschöpfungskette. Das ist vielen Hidden Champions schon lange bewusst.

„Nachhaltigkeit hat das Potenzial, eine ähnlich große Transformation wie die Digitalisierung auszulösen.“

Die Firma Harting, marktführend in der Verbindungstechnik, vergab bereits 1989 einen internen Umweltpreis. Die Firma Gelita, Weltmarktführer in der Gelatine-Produktion, tätigt Investitionen nur noch, wenn diese CO2-neutral sind. Die treibende Kraft hinter der Nachhaltigkeit sind die Verbraucher. Für sie ist nachhaltiges Wirtschaften kein „nice to have“ mehr, sondern ein Differenzierungsmerkmal. Auch in Bezug auf soziale Nachhaltigkeit können die meisten Hidden Champions punkten: Die Firmen zeichnet eine äußerst niedrige Fluktuationsrate aus, bei einem gleichzeitig überdurchschnittlichen Ausbildungsstand der Mitarbeitenden.

Europäische Hidden Champions sind erstklassig in Innovationen, aber zweitklassig in deren Vermarktung.

Marktführer müssen sich ständig neu erfinden. Das betrifft den gesamten Wertschöpfungsprozess und alle Aspekte des Kundennutzens. Die Hidden Champions gehören zu den innovativsten Unternehmen ihrer Branchen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bezeichnet 80 Prozent aller Hidden Champions als Innovatoren.

Für den Innovationserfolg braucht es die richtigen Köpfe und Kompetenzen im Topmanagement. Ebenso wie Innovationen ist auch die ausgeprägte Ambition, die Nummer eins im Markt zu sein, stets Chefsache. Gründer und Topmanager von Hidden Champions erheben explizit ihren Anspruch auf die Marktführerschaft.

„Marktführer bleibt man nur durch ständige Innovation.“

Ein Indikator für Innovationskraft sind Patente. Im Ranking europäischer Patente im Verhältnis zur Einwohnerzahl führt die Schweiz mit deutlichem Abstand vor Schweden, Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Diese Patentdichte erklärt auch das Phänomen der vielen deutschsprachigen Hidden Champions. Allerdings schwächeln die Europäer im Vergleich mit Amerikanern und Chinesen zwar nicht bei der Forschung, aber bei der Kommerzialisierung neuer Ideen. Es fehlen auch jüngere Hidden Champions, die in den Zukunftsmärkten der Weltbesten mitspielen können.

Hidden Champions in aufsteigenden Branchen haben bessere Zukunftschancen als solche in absteigenden Branchen.

Einige Entwicklungen stellen für Hidden Champions große Herausforderungen oder sogar Bedrohungen dar. Sie treffen besonders jene Unternehmen, die in absteigenden Branchen der „Sunset Industries“ tätig sind. Dazu zählen etwa der deutsche Bergbau oder Verbrennungsmotoren und Getriebe. Unzählige direkt betroffene oder zuliefernde Hidden Champions blicken hier in eine ungewisse Zukunft. Für sie ist entscheidend, die Weichen in Richtung neue Produkte, Services und Branchen zu stellen. Sie müssen schnell das nötige neue Know-how aufbauen und Innovationen realisieren.

Dem gegenüber stehen Veränderungen, die agilen und anpassungsfähigen Weltmarktführern speziell in B2B-Nischenmärkten die Chance bieten, ihre Position zu halten oder auszubauen. Wer in „Sunrise Industries“, das heißt in aufsteigenden Branchen wie Medizintechnik, Energie oder Robotik tätig ist, hat deutlich bessere Aussichten.

„Agilität, eine natürliche Stärke der Hidden Champions gegenüber Großunternehmen, wird noch größere Relevanz erfahren.“

Die nötige Transformation gelingt, wenn die Mittelständler agil und hochinnovativ bleiben. Dazu braucht es neben Willen und Fleiß auch Offenheit, um bei unternehmerischen Defiziten oder Kapitalengpässen Hilfe von außen anzunehmen.

Über den Autor

Hermann Simon ist Unternehmensberater und emeritierter Wirtschaftsprofessor. Er hat über 30 Bücher verfasst, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Er prägte den Begriff „Hidden Champions“ für mittelständische Weltmarktführer.

Dieses Dokument ist für den persönlichen Gebrauch bestimmt.

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