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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

Fischer Tb,

15 mins. de lectura
10 ideas fundamentales
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¿De qué se trata?

Eine psychologische Analyse der Moderne – und die Vorarbeit zu fĂŒnf großen Romanen Dostojewskis.


Literatur­klassiker

  • Psychologischer Roman
  • Realismus

Worum es geht

Depressiver WutbĂŒrger anno 1864

Was macht ein Mensch, den die AufklĂ€rung aus religiösen und traditionellen ZusammenhĂ€ngen herausgerissen hat und der in der schönen neuen Welt der Technik und Naturwissenschaft keinen Halt findet? Er rebelliert. Gegen die Welt, gegen die Gesellschaft, gegen sich selbst. Was aber tut er, wenn er weiß, dass diese Rebellion nur ein romantischer Reflex, ein halbgares Aufbegehren und sinnlose GefĂŒhlsduselei ist? Er resigniert, verbittert, vereinsamt. Dostojewskis namenloser Antiheld in den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch ist ein widersprĂŒchlicher, selbstzerstörerischer, zynischer und fieser Charakter. Er ist reflektiert, sich seiner Situation bewusst, doch ihm fehlt jegliche Orientierung. Und das macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes asozial. Die einzigen Konstanten sind sein Leid und sein Hass auf sich selbst und die Welt. Heute wĂŒrde man einen solchen Menschen je nach AusprĂ€gung entweder manisch-depressiv oder WutbĂŒrger nennen.

Take-aways

  • Die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch sind die thematische und philosophische Basis fĂŒr die fĂŒnf großen Romane Dostojewskis.
  • Inhalt: Ein zynischer Eremit haust in einer Ă€rmlichen Kellerwohnung und philosophiert ĂŒber den modernen Menschen und dessen UnzulĂ€nglichkeiten. Er erzĂ€hlt von der fĂŒr beide Seiten erniedrigenden Begegnung mit einer Prostituierten und versucht sich selbst Rechenschaft abzulegen ĂŒber die eigene Verkommenheit. Dabei verstrickt er sich permanent in WidersprĂŒche.
  • Der Text besteht aus zwei Teilen: einem Monolog und einer ErzĂ€hlung.
  • Dostojewski stellt seinen ErzĂ€hler in einer Fußnote als erfundenen, aber realistischen Vertreter seiner Zeit vor.
  • Der namenlose ErzĂ€hler spricht ein fiktives Publikum an, dem er zeitgeistige Positionen und Haltungen unterstellt.
  • Die Aufzeichnungen sind eine direkte Widerrede auf den Roman Was tun? des sozialistischen Utopisten Nikolai Tschernyschewski.
  • Der Text ist ein Gegenentwurf zum unkritischen Fortschrittsglauben, der im 19. Jahrhundert in so unterschiedlichen politischen Lagern wie Sozialismus und Kapitalismus ĂŒblich war.
  • Friedrich Nietzsche und Thomas Mann schĂ€tzten den Text sehr.
  • Die Wirkung des Werks erstreckt sich bis zu den Existenzialisten Jean-Paul Sartre und Albert Camus.
  • Zitat: „Kann denn ein bewusster Mensch sich ĂŒberhaupt noch irgendwie achten?“

Zusammenfassung

Der RĂŒckzug in den Untergrund

Der ErzĂ€hler, ein 40-jĂ€hriger Mann, hat sich vor ungefĂ€hr 20 Jahren in seine Ă€rmliche Behausung in einem Kellergeschoss in St. Petersburg zurĂŒckgezogen. Nach einer Erbschaft im letzten Jahr hat er sich auch aus seinem Beruf als Kollegienassessor zurĂŒckgezogen und haust seitdem nur noch in seinem „Kellerloch“. Er meidet Kontakte und sieht sich selbst als schlecht, aberglĂ€ubisch, in sich widersprĂŒchlich und charakterlos – und damit aus seiner Sicht als einen typischen, „bewussten“ Menschen des 19. Jahrhunderts.

„Ich bin ein kranker Mensch 
 Ich bin ein böser Mensch. Ein abstoßender Mensch bin ich.“ (S. 7)

Bewusstsein ist fĂŒr ihn eine Krankheit – unter anderem fĂŒhrt ein gesteigertes Bewusstsein zu TrĂ€gheit. Wer unter dieser Krankheit leidet, wird nie ein erfolgreicher „Tatmensch“, sondern ist sich stets seiner eigenen Erniedrigung bewusst. Trotzdem liegt ein Genuss im Bewusstsein der eigenen Erniedrigung. Diesen Genuss zu erklĂ€ren, ist die Motivation fĂŒr die Aufzeichnungen des ErzĂ€hlers.

„

Ja, der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts muss, er ist dazu sogar moralisch verpflichtet, ein im Großen und Ganzen charakterloses Wesen sein; dagegen ist ein charakterfester Mensch, ein Tatmensch – ein im Großen und Ganzen beschrĂ€nktes Wesen.“ (S. 9)“

Der ĂŒberbewusste Mensch ist kein natĂŒrlicher, sondern ein Retortenmensch. Er ist im Vergleich zum „richtigen“ Tatmenschen eine Maus – und hĂ€lt sich selbst auch dafĂŒr. Er findet keinen Halt in den Naturgesetzen wie der beschrĂ€nkte Tatmensch, im Gegenteil: Er nimmt sie nicht hin, sondern hinterfragt sie, lehnt sich gegen sie auf und verzweifelt an ihnen. Der ĂŒberbewusste Mensch weiß, dass er, sollte er sich einmal GefĂŒhlsregungen wie Liebe und Hass hingeben, schon kurze Zeit spĂ€ter sich selbst verachten wird, weil er sich wider besseres Wissen auf eine SelbsttĂ€uschung eingelassen hat. So bleibt er also tatenlos sitzen oder er schwatzt.

„

Kann denn ein bewusster Mensch sich ĂŒberhaupt noch irgendwie achten?“ (S. 20)“

Man sagt, der Mensch werde zwangslĂ€ufig anfangen, gut und edel zu handeln, wenn er erst ĂŒber seine wahren Interessen aufgeklĂ€rt sei. Zivilisation mache den Menschen sanfter, behaupten die AufklĂ€rer. Doch die Geschichte ist voll von sogenannten zivilisierten Menschen, die gegen die eigenen Interessen handeln. Zivilisation ist kein Garant fĂŒr weniger Grausamkeit – teils bewirkt sie gar das Gegenteil. Das liegt nicht daran, dass der Mensch noch keine Einsicht in seine Fehler erlangt hat. Es liegt nicht daran, dass er sich den GesetzmĂ€ĂŸigkeiten der Natur noch nicht unterworfen hat, mit denen die Vernunft einhergeht – und auch nicht daran, dass er sich noch nicht in seine Rolle als „Drehorgelstift“ im mathematisch vorhersehbaren System eingefunden hat. Nein, der Mensch handelt gegen seine eigenen Interessen, einzig, weil er es will.

Des Menschen Wille

Sein freies Wollen ist – gerade in seiner Unberechenbarkeit – fĂŒr den Menschen der „allervorteilhafteste Vorteil“, der in keinem vernĂŒnftigen System seinen Platz hat. Erst der freie Wille macht den Menschen komplett, stiftet IdentitĂ€t – genau, um sich das zu versichern, erstrebt der Mensch ihn. Selbst der vernĂŒnftigste Mensch wird irgendwann aus reiner Monotonie und Undankbarkeit den Pfad der Vernunft vorsĂ€tzlich verlassen und Dinge tun, die ihm und anderen wissentlich schaden. Der Verstand deckt nur einen Teil des menschlichen Lebens ab. Das Wollen hingegen beinhaltet sowohl logisch VerstĂ€ndliches als auch Irrationales – die ganze LebensfĂ€higkeit eben. Weshalb sollte der Mensch eine Verbesserung seines Willens benötigen? Logik ist nicht unbedingt menschlich. Vielleicht wehrt sich der Mensch nur darum gegen die Vernunft und die Gesetze der Natur, weil er instinktiv Angst davor hat, das Ziel seiner Bestimmung zu erreichen; er ist ein strebendes Wesen, das Erreichen ist nicht seine Sache. Er braucht das Leid, nicht nur die GlĂŒckseligkeit, denn beides sind Vorteile fĂŒr ihn.

Der ErzĂ€hler schwört, nicht ein Wort seiner bisherigen AusfĂŒhrungen wahrhaftig zu glauben. Seine Leser oder Zuhörer können ihm vorhalten, er sei nur ein eitler und dreister Schwindler, der sich scheue, das auszusprechen, was er eigentlich aussprechen will, und sich stattdessen in WidersprĂŒche verwickle. Aber diese Leser und Zuhörer sind ja auch nur erfunden. Was man wirklich sagen will, schreibt man nicht nieder zur Veröffentlichung. Nicht mal Freunden teilt man es mit. Dem ErzĂ€hler geht es darum, zu prĂŒfen, ob er sich selbst gegenĂŒber wahrhaftig sein kann.

„

(
) jetzt will ich es gerade ausprobieren: Kann man denn wenigstens sich selbst gegenĂŒber ganz und gar aufrichtig sein, ohne vor der vollen Wahrheit zurĂŒckzuschrecken?“ (S. 45)“

Bei der Niederschrift einiger Begebenheiten aus seiner Vergangenheit will sich der ErzĂ€hler weiterhin an ein erdachtes Publikum wenden – nicht, weil er tatsĂ€chlich fĂŒr Leser schreibt, sondern weil er in dieser Form leichter schreiben kann. Aber warum ĂŒberhaupt schreiben? Die Papierform ist feierlicher und ernster, sie entlastet und ist ein probates Mittel gegen die Langeweile im Kellerloch.

Bei nassem Schnee

Als der ErzĂ€hler 24 Jahre alt ist, arbeitet er in einer Kanzlei und hat das GefĂŒhl, dass seine Kollegen ihn nicht nur meiden, sondern ihm gegenĂŒber Ekel empfinden. Doch seine Kollegen – selbst die ungepflegtesten und hĂ€sslichsten – scheinen sich niemals Gedanken darĂŒber zu machen, dass sich jemand vor ihnen ekelt. Der ErzĂ€hler aber ist sich sicher, dass sie sich vor ihm ekeln. Der Grund fĂŒr diese Überzeugung ist seine Eitelkeit, sein immens hoher Anspruch an sich selbst. Sein Selbstekel fĂŒhrt zur Gewissheit, dass auch die Umwelt ihn verachtet. Er hĂ€lt sein Gesicht fĂŒr hĂ€sslich, niedertrĂ€chtig – und fĂŒr dumm. Gerade das ist fĂŒr ihn das Schlimmste; ein hĂ€ssliches Äußeres wĂ€re tragbar, wenn nur die eigene Klugheit sichtbar wĂ€re. So aber entwickelt der ErzĂ€hler ein GefĂŒhl der Minderwertigkeit seinen Kollegen gegenĂŒber, keinem Blick kann er standhalten. Er empfindet sich selbst zwar als entwickelt, aber als vereinzelt. Die anderen dagegen sind eine stumpfsinnige, einförmige Herde.

Der ErzĂ€hler erlebt den Selbstekel in Phasen; mal flĂŒchtet er ins Eremiten-Dasein, mal sucht er GesprĂ€che. Er wirft sich „Romantizismus“ vor, aber nicht den „törichten“ deutschen oder französischen Romantizismus, sondern den russischen. Der russische Romantiker ist ein widersprĂŒchlicher Charakter: hoch bewusst und klug, im Besitz eines hehren, unantastbaren Ideals und unsagbar ehrlich und pragmatisch. Einmal hat der ErzĂ€hler versucht, Freundschaft mit einem Kollegen zu schließen, dies aber nach kurzer Zeit wieder verworfen.

Eine verlorene Kraftprobe

Die einzige BeschĂ€ftigung, die dem ErzĂ€hler die Situation im Kellerloch ertrĂ€glich macht, ist das Lesen. Wenn auch das nicht mehr hilft, gibt er sich nĂ€chtlichen, schĂ€bigen „Liederlichkeiten“ hin. Einmal betritt er eine Kneipe, in der gerade eine SchlĂ€gerei stattfindet, deren Teilnehmer er plötzlich zu beneiden beginnt. Er versucht, selbst darin verwickelt zu werden. Doch er wird nicht wie erhofft aus dem Fenster geworfen, sondern schlicht ignoriert – eine schmerzhafte Erniedrigung. Der Offizier, der ihn nur beiseiteschiebt, statt ihn zu schlagen, wird in der Folge fĂŒr ihn zur Besessenheit. Der ErzĂ€hler ersinnt verschiedene Wege, mit dem Offizier in Kontakt zu treten. Er verfasst eine Novelle, in der er den Offizier verunglimpft, und bietet sie einer Zeitung an, doch diese lehnt ab. Er verfasst einen Brief, in dem er den Offizier vor die Wahl stellt zwischen einer Entschuldigung und einem Duell, doch er verschickt ihn nicht. Wahnhaft tĂŒftelt er an einem Plan, den Offizier auf offener Straße zu konfrontieren. Er beschließt, ihm entgegenzugehen und nicht auszuweichen. Doch so oft er es auch versucht – immer ist er selbst derjenige, der ausweicht. FĂŒr sein Scheitern verachtet er sich. Schließlich schafft er es doch, dem verhassten Offizier nicht auszuweichen. Es kommt zum Zusammenstoß, aber der Offizier scheint ihn nicht zu bemerken. Der ErzĂ€hler jedoch ist sich sicher: Er hat den Zusammenstoß bemerkt. Drei Tage lang ist er in Hochstimmung, da er sich nun öffentlich bewiesen und sich sozial mit dem Offizier gleichgestellt hat. Doch dann kippt seine Stimmung zurĂŒck in die ĂŒbliche Selbstzermarterung.

„

An eine zweitrangige Rolle habe ich nie denken können und mich gerade deshalb in der Wirklichkeit ruhig mit der letzten abgefunden.“ (S. 64)“

Nach seinen Ausschweifungen folgen in der Regel Reue und eine Phase intensiver, monatelanger TrĂ€umerei. In seinen TrĂ€umen ist der ErzĂ€hler ein Held – geliebt und verehrt von allen, dem „Schönen und Erhabenen“ verpflichtet, ein WohltĂ€ter der Menschheit. Nach maximal drei Monaten aber stellt sich der Drang ein, wieder unter Menschen zu gehen. Einer der wenigen Menschen, die als Kontaktperson infrage kommen, ist der BĂŒrovorsteher des ErzĂ€hlers, Anton Antonytsch Setotschkin. Er besucht ihn an seinem „Jour fixe“, setzt sich wortlos dazu, wenn der Amtsvorsteher und weitere GĂ€ste sprechen, und findet zurĂŒck aus der Euphorie in seinen Normalzustand.

Konfrontation mit der eigenen Jugend

Ein anderer Ansprechpartner des ErzĂ€hlers ist sein alter Schulfreund Simonow. Nach einem Jahr besucht er ihn wieder und findet dort zwei weitere ehemalige Schulkameraden, die den Abschied ihres gemeinsamen Bekannten Swerkow besprechen. Der ErzĂ€hler wird von Simonow irritiert empfangen und von den ĂŒbrigen Anwesenden ignoriert.

„

Ich hasste sie maßlos, obgleich ich womöglich noch schlechter war als sie.“ (S. 75)“

Schon in der Schule hat der ErzĂ€hler Swerkow gehasst, denn dieser war ein adliger Aufschneider, ein beliebter, hĂŒbscher Dummkopf mit UnterstĂŒtzung aus höheren Kreisen und blendenden Karriereaussichten. Als sich die Runde ĂŒber die Bezahlung des Abschieds-Diners verstĂ€ndigt und den ErzĂ€hler dabei ĂŒbergeht, schreitet dieser ein und bietet sich als weiteren Geldgeber an. Die Runde ist einerseits verĂ€rgert und andererseits irritiert, denn man weiß ĂŒber das schlechte VerhĂ€ltnis des ErzĂ€hlers zu Swerkow. Doch der ErzĂ€hler lĂ€sst sich nicht abwimmeln und beharrt erbost auf seiner Teilnahme am Abendessen. Die Runde akzeptiert widerwillig.

Die Schulzeit war fĂŒr den ErzĂ€hler ein einziges Spießrutenlaufen: Permanente DemĂŒtigungen durch die MitschĂŒler und sich selbst waren sein Alltag. Er denkt, dass er eigentlich nicht zu Swerkows Abschied gehen darf, weiß aber, dass er wider besseres Wissen trotzdem hingehen wird, auch wenn – oder gerade weil – er seine Anwesenheit bei der Feierlichkeit als taktlos empfindet. Er ist nicht der Feigling, fĂŒr den ihn die anderen halten. Darum wird er hingehen, auch wenn allein der Gedanke daran SchĂŒttelfrost und Verzweiflung bei ihm auslöst.

Am folgenden Tag ist er um fĂŒnf Uhr nachmittags im vereinbarten Restaurant und findet die anderen dort nicht vor. Erst eine Stunde spĂ€ter erscheinen sie und der ErzĂ€hler muss feststellen, dass man ihn ĂŒber die Verschiebung der Anfangszeit nicht in Kenntnis gesetzt hat. Seine EntrĂŒstung quittieren die anderen mit GleichgĂŒltigkeit oder Schadenfreude. Das Essen wird aufgetragen, es wird viel getrunken und die GesprĂ€che bei Tisch beginnen. Der ErzĂ€hler ist peinlich berĂŒhrt, als Simonow ihn nach seiner Anstellung und seinem Gehalt fragt. Er nennt es und erntet eine Mischung aus Mitleid und Hochmut von den Anwesenden. Bevor alter Streit wieder aufbricht, lenkt Simonow die Aufmerksamkeit mit einer Anekdote auf sich. Der ErzĂ€hler wird erneut behandelt, als wĂ€re er nicht da. Schließlich fĂ€hrt er Simonow bei dessen Aufschneiderei wutentbrannt in die Parade und verursacht fast einen Eklat. Ein angedrohtes Duell wird mit Lachen quittiert, der Versuch einer Entschuldigung des ErzĂ€hlers wird rĂŒde abgebĂŒgelt.

„

,Oh, wenn ihr nur wĂŒsstet, welcher GefĂŒhle und welcher Gedanken ich fĂ€hig, wie hoch entwickelt ich bin!‘, dachte ich zuweilen und wandte mich in Gedanken an das Sofa, auf dem meine Feinde saßen.“ (S. 87 f.)“

Die Gesellschaft bricht auf und lĂ€sst den empörten ErzĂ€hler, der sich noch Geld von Simonow leiht, stehen. Der ErzĂ€hler aber weiß, wohin die anderen fahren, und folgt ihnen. Er hat vor, Simonow zu ohrfeigen und ein Duell zu fordern. Als er das Ziel, ein Bordell, erreicht, findet er weder Simonow noch die anderen vor. Stattdessen trifft er auf ein MĂ€dchen namens Lisa, deren Dienste er in Anspruch nimmt. Auch bei dem MĂ€dchen glaubt der ErzĂ€hler, Abscheu ihm gegenĂŒber zu erkennen. Er erzĂ€hlt ihr, dass er heute gesehen habe, wie eine Dirne im Sarg aus einem Kellerbordell herausgetragen wurde. Er prophezeit Lisa eine Ă€hnliche Karriere: ein, zwei Jahre hier, dann ein Ă€rmlicheres Bordell und schließlich der Keller mit Krankheit und frĂŒhem Tod. Als Alternative schildert er ihr Ehe und FamilienglĂŒck und spricht dabei mit kĂŒnstlichem Pathos – „wie nach dem Buch“, bemerkt Lisa. Doch der ErzĂ€hler treibt sein Spiel weiter und bringt Lisa zur Verzweiflung ĂŒber ihr Schicksal. Schließlich gibt er dem gebrochenen MĂ€dchen seine Adresse. Lisa zeigt dem ErzĂ€hler beim Abschied einen Liebesbrief von einem Studenten, den sie vor einigen Tagen kennengelernt hat und der nichts von ihrer BeschĂ€ftigung weiß – als Beweis dafĂŒr, dass auch sie geliebt wird.

Der Diener und das MĂ€dchen

Wieder zu Hause schreibt der ErzĂ€hler einen weltmĂ€nnischen Brief an Simonow und legt das geliehene Geld bei. Dabei verdrĂ€ngt er fĂŒr kurze Zeit, wie sehr er sich davor fĂŒrchtet, dass Lisa tatsĂ€chlich bei ihm auftauchen könnte. Er schickt seinen Diener Apollon mit dem Brief zu Simonow. Apollon ist ein „Despot“, eitel und selbstverliebt. Er behandelt den ErzĂ€hler, seinen Arbeitgeber, herablassend, und doch kann dieser sich seit Jahren nicht von ihm trennen. Nach der Swerkow-Verabschiedung steht nun die Bezahlung von Apollon an. Doch der ErzĂ€hler weigert sich, ihm Geld zu geben, um gegen das anmaßende Verhalten Apollons ein Zeichen zu setzen. Er hofft, Apollon so eine unterwĂŒrfige Bitte um Bezahlung entlocken zu können, doch nichts geschieht. Apollon schweigt bloß und sieht den ErzĂ€hler herablassend an. Dem ErzĂ€hler platzt der Kragen: Schreiend eröffnet er Apollon, dass er ihm sein Gehalt erst zahlen werde, wenn dieser fĂŒr sein hochmĂŒtiges Verhalten um Entschuldigung bittet. Doch Apollon bleibt weiterhin ungerĂŒhrt und macht die Situation fĂŒr den ErzĂ€hler damit unertrĂ€glich. Er beleidigt Apollon und verlangt, dass dieser ihn dafĂŒr bei der Polizei anzeigt. Mitten in der Eskalation des Streites betritt Lisa die Kellerwohnung.

Der ErzĂ€hler ist völlig außer sich. Er schickt den verĂ€chtlich zögernden Apollon hinaus, um Tee und GebĂ€ck zu besorgen, und gibt ihm den ausstehenden Lohn. Lisa ist verschĂŒchtert und teilt mit, dass sie das Bordell verlassen will. Der ErzĂ€hler richtet seine Wut nun gegen Lisa: Er habe nur mit ihr gespielt, nichts sei ernst gemeint gewesen.

„

Ich will nĂ€mlich nur in Worten spielen, nur im Kopf trĂ€umen, in Wirklichkeit aber brauche ich, weißt du was: dass euch der Teufel holt, das brauche ich!“ (S. 132)“

Lisa scheint die Verzweiflung und das UnglĂŒck des ErzĂ€hlers zu spĂŒren. Auch als dieser sie bösartig beleidigt, geht sie nicht. Im Gegenteil: Sie wirft sich ihm in die Arme. Doch die kurze Leidenschaft, die nun folgt, kippt schon bald wieder in die beiderseitige Erkenntnis, dass der ErzĂ€hler unfĂ€hig ist, zu lieben. Liebe ist fĂŒr ihn bloßer Machtkampf.

„

Sie hatte erraten, dass der Ausbruch meiner Leidenschaft Rache war, eine neue Erniedrigung ihrer Person, und dass zu meinem ursprĂŒnglichen, beinahe grundlosen Hass jetzt ein persönlicher, neidischer Hass hinzugekommen war 
“ (S. 135)“

Erst auf DrĂ€ngen des ErzĂ€hlers rafft Lisa ihre Sachen zusammen und geht. Der ErzĂ€hler drĂŒckt ihr beim Abschied noch einen Geldschein in die Hand – im vollen Bewusstsein seiner Niedertracht. Lisa verschwindet, das Geld lĂ€sst sie da. Er stĂŒrzt ihr nach, doch bricht er die Verfolgung schon bald ab, im Wissen, dass es doch nichts bringen wĂŒrde. Er ist beschĂ€mt, weiß, dass sein Verhalten ĂŒbel war, redet sich aber ein, diese KrĂ€nkung sei fĂŒr Lisa letztlich von Nutzen, denn Erniedrigung bedeute schließlich auch Erkenntnis.

„

KrĂ€nkung – das ist doch LĂ€uterung; das ist das Ă€tzendste und schmerzendste Bewusstsein!“ (S. 138)“

Der ErzĂ€hler glaubt, es sei ein Fehler gewesen, seine Aufzeichnungen zu beginnen. Ein Roman verlangt einen Helden, doch er hat lediglich einen Antihelden geliefert. Das „lebendige Leben“ ist eine Anstrengung, eine Überforderung fĂŒr den heutigen Menschen. Er reagiert darauf mit Ekel und dem Wunsch nach Eingrenzung und Beschneidung von Freiheit. Hier ist ein guter Punkt, die Aufzeichnungen zu beenden.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch bestehen aus zwei Teilen, denen eine Fußnote des Autors vorangestellt ist. Darin wird erklĂ€rt, dass die Aufzeichnungen mitsamt ihrem namenlosen Verfasser zwar erfunden, in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklungen aber „unausbleiblich“ seien. Der erste, kĂŒrzere Teil, „Das Kellerloch“, ist ein Monolog des ErzĂ€hlers zu seiner eigenen Verfassung und der Verfassung der Welt, in der er lebt. Im zweiten Teil, „Bei nassem Schnee“, erzĂ€hlt der ErzĂ€hler Begebenheiten aus seinem Leben. Diesem zweiten Teil ist ein Gedicht von Nikolai Nekrassow vorangestellt, in dem es um die Rettung einer Prostituierten geht. Beide Teile sind in der Ich-Perspektive verfasst. Im Buch wird immer wieder ein fiktives Publikum mit „meine Herrschaften“ angesprochen. Diesem Publikum werden Fragen und Antworten zugeschrieben, die der ErzĂ€hler wiederum pariert. Der gesamte Text ist von WidersprĂŒchen geprĂ€gt; oft wird in einem Satz zurĂŒckgenommen, was ein paar SĂ€tze vorher behauptet wurde. So entsteht der Eindruck, der Text bewege sich zwei Schritte vor und einen zurĂŒck. Es gibt zahlreiche literarische Anspielungen auf verschiedene, meist russische BĂŒcher des 19. Jahrhunderts. Der Text endet mit dem Einschreiten des Autors, der die angeblich noch weitergefĂŒhrten Aufzeichnungen des ErzĂ€hlers eigenmĂ€chtig beendet.

InterpretationsansÀtze

  • Der Text ist ein Gegenentwurf zum unkritischen Fortschrittsglauben, der im 19. Jahrhundert in so unterschiedlichen politischen Lagern wie Sozialismus und Kapitalismus ĂŒblich war. Dem unmenschlichen Rationalismus hĂ€lt er den menschlichen Irrationalismus als treibende Kraft entgegen.
  • Der russische Begriff „podpĂłlje“, der mit „Kellerloch“ ĂŒbersetzt wird, lĂ€sst sich auch mit „Untergrund“ ĂŒbersetzen. Im Originaltitel schwingt daher bereits die Bedeutung „Unterbewusstsein“ mit. Es handelt sich bei dem Roman um eine literarische Darstellung der Macht des Unterbewussten.
  • Der namenlose Ich-ErzĂ€hler ist ein Beispiel fĂŒr den modernen, entwurzelten Menschen, der die BezĂŒge zu Religion, Familie und Gesellschaft verloren hat. Er kreist nur noch um sich selbst. Der Vorwurf des Textes lautet: Die AufklĂ€rung treibt die fortschrittsglĂ€ubigen Vernunftmenschen in den perfekt organisierten, technokratischen „Ameisenhaufen“. Den „bewussten“ Menschen, der dabei nicht mitmachen will, treibt sie dagegen in Isolation und Egozentrik.
  • Freiheit ist paradox: Gegen die aufklĂ€rerische Vorstellung, durch Freiheit sei es möglich, sich aus eigenem Interesse fĂŒr die beste aller Gesellschaftsordnungen zu entscheiden, vertritt der Ich-ErzĂ€hler einen Freiheitsbegriff, der den freien Willen – losgelöst von Vernunft und eigenem Vorteil – ins Zentrum stellt. Nach dieser Vorstellung kann Freiheit auch die Entscheidung zur Unfreiheit, zum Selbsthass und zur DemĂŒtigung anderer sein.
  • Dostojewskis Kellerloch-Figur zeigt, dass der Mensch triebgesteuert und nicht vernunftgesteuert funktioniert. Hier lĂ€sst sich eine Parallele zu der psychoanalytischen Beschreibung des Menschen durch Sigmund Freud ziehen. Auch die sehr prominente Behandlung der TrĂ€ume des Ich-ErzĂ€hlers in der Funktion verdrĂ€ngter WĂŒnsche und Triebe erinnert an Freuds Theorie der Traumdeutung.

Historischer Hintergrund

Russland und St. Petersburg im 19. Jahrhundert

Ende des 18. Jahrhunderts lebte rund die HĂ€lfte der russischen Bevölkerung, etwa 40 Millionen Menschen, in Leibeigenschaft. Erst unter Zar Alexander II. wurde sie 1861 aufgehoben – ungefĂ€hr 50 Jahre spĂ€ter als in allen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Doch die Leibeigenschaft war mit ihrem offiziellen Ende noch nicht de facto abgeschafft. Um das Land, auf dem die ehemaligen Leibeigenen Frondienste fĂŒr ihren Herren verrichtet hatten, kaufen zu können, mussten sie weiterhin hart fĂŒr sie arbeiten. Ein Ergebnis dieser Entwicklung war eine massive Landflucht. Auf der einen Seite suchten die ehemaligen Leibeigenen, die sich den Landkauf nicht leisten konnten, ihr Heil in den wenigen stĂ€dtischen Industriestandorten. Auf der anderen Seite suchten auch die adligen Gutsbesitzer Zuflucht in der Stadt, denn ihnen ging aufgrund fehlender technischer Neuerungen auf dem Land und fehlender Leibeigener zunehmend die Existenzgrundlage verloren.

Russlands Hauptstadt St. Petersburg spielte in dieser Entwicklung eine besondere Rolle. Die Einwohneranzahl der Metropole hatte sich von 1863 bis 1897 mehr als verdoppelt, von 539 000 auf 1,2 Millionen Einwohner. In ihrer Weltoffenheit, ihrer industriellen Entwicklung und auch als HandelsstĂŒtzpunkt war die Stadt landesweit fĂŒhrend. Ende des 19. Jahrhunderts stammte ĂŒber 10 Prozent der gesamten Industrieproduktion Russlands aus St. Petersburg oder dem direkten Umland. Die Sonderrolle der Hauptstadt hatten bereits ihr GrĂŒnder Zar Peter I. und Zarin Katharina die Große durch engere Anbindung an den europĂ€ischen Westen im 18. Jahrhundert festgelegt. Tausende von auslĂ€ndischen FachkrĂ€ften – vor allem aus Deutschland – waren dabei in die Stadt geholt worden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man sich vom industriellen, technisch hochgerĂŒsteten und zunehmend sĂ€kularen Westen wegzubewegen und sich mehr auf die slawischen und orthodoxen Wurzeln zu besinnen – eine Bewegung, die in der Folge selbst 70 Jahre Sowjetunion nicht beseitigen konnten.

Entstehung

Fjodor Dostojewski unternahm im Jahr 1862 Reisen unter anderem nach England und Deutschland und gewann dabei sehr negative EindrĂŒcke von der materialistischen Grundeinstellung und der unkritischen Technikbegeisterung in diesen LĂ€ndern. In Deutschland hĂ€ufte er in Casinos Spielschulden an. Auch gesundheitlich ging es ihm nicht gut. Als er im Winter 1863/64 mit der Niederschrift der Aufzeichnungen aus dem Kellerloch begann, litt er unter epileptischen AnfĂ€llen. Zur selben Zeit erkrankte seine erste Frau schwer an Tuberkulose und kurz zuvor war die Zeitschrift Vremja seines Bruders – die geplante Veröffentlichungsplattform fĂŒr die Aufzeichnungen – von der Zensur verboten worden. Die Entstehungsvoraussetzungen fĂŒr den Text waren also denkbar schlecht.

Inhaltlich ist der Text ein direkter Widerspruch gegen den fortschrittsglĂ€ubigen Roman Was tun? des sozialistischen Utopisten Nikolai Tschernyschewski von 1863. Zentrale Begriffe wie zum Beispiel das „Kellerloch“ tauchen dort wörtlich auf. Dostojewski und Tschernyschewski hatten 1862 bei der Weltausstellung in London unabhĂ€ngig voneinander den Kristallpalast besucht. FĂŒr Tschernyschewski wurde dieser zum Symbol einer positiven Utopie, fĂŒr Dostojewski zum technokratischen Schreckensbild, fern von jeglicher Menschlichkeit. Die Aufzeichnungen richten sich daher folgerichtig und gezielt gegen die Utopie einer sich automatisch durchsetzenden Vernunft, wie sie in Tschernyschewskis Buch entworfen wird.

Wirkungsgeschichte

Die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch erschienen 1864 erstmals in mehreren Teilen in der Zeitschrift Epocha, deren Herausgeber Dostojewski und sein Bruder waren. Nach der erzwungenen Einstellung der VorlĂ€uferzeitschrift war der unmittelbare Verkaufserfolg des noch neuen Blattes eher bescheiden. Zudem war der Zeitgeist aufseiten des utopischen Sozialismus, gegen deren beliebten Vertreter Nikolai Tschernyschewski die Aufzeichnungen Stellung bezogen. Der Roman gilt als Grundlage fĂŒr Dostojewskis folgende fĂŒnf große Romane von Schuld und SĂŒhne bis Die BrĂŒder Karamasow. 

Die Wirkung des relativ kurzen Textes begann mit seiner intensiven Rezeption im Ausland. In Deutschland erschien die erste Übersetzung 1895 unter dem Titel Aus dem dunkelsten Winkel der Großstadt. Friedrich Nietzsche sah in dem Text, den er bereits vorher in der französischen Übersetzung gelesen hatte, â€žeinen wahren Geniestreich der Psychologie“. Thomas Mann schĂ€tzte Dostojewskis „radikalen Zynismus der seelischen Preisgabe“. Der deutsch-amerikanische Philosoph Walter Kaufmann nannte die Aufzeichnungen â€ždie beste OuvertĂŒre zum Existenzialismus, die jemals geschrieben wurde“. In den Werken der Existenzialisten Jean-Paul Sartre (Der Ekel von 1938) oder Albert Camus (Der Fall von 1956) klingen Motive und philosophische Grundlagen von Dostojewskis Text ebenso an wie in Charles Bukowskis Aufzeichnungen eines Außenseiters von 1969. Die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch wurden 1995 von Regisseur und Drehbuchautor Gary Walkow unter dem Titel Notes from Underground verfilmt. Es existieren auch diverse Hörspiel- und BĂŒhnenfassungen.

Über den Autor

Fjodor M. Dostojewski wird am 11. November 1821 als zweites von acht Kindern in einem Moskauer Armenhospital geboren. Nach einer Jugendzeit in Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen tritt er 1838 gemeinsam mit seinem Bruder in die St. Petersburger MilitĂ€rakademie ein. Hier zeigt sich bereits sein schriftstellerisches Talent. Nach Abschluss des Studiums wird Dostojewski 1843 im Kriegsministerium angestellt. Dort hĂ€lt es ihn aber nicht lange: Trotz massiver finanzieller Probleme quittiert er den Dienst bereits ein Jahr spĂ€ter. Sein Ziel: Schriftsteller zu werden. Sein Erstling, der Briefroman Arme Leute (1846), macht ihn schlagartig berĂŒhmt. Die intensive Arbeit an weiteren Werken und die Versagensangst fĂŒhren zu ersten epileptischen AnfĂ€llen. 1849 wird er wegen Mitgliedschaft im revolutionĂ€ren Petraschewski-Kreis, einer Art Geheimbund, zum Tod verurteilt. BuchstĂ€blich in letzter Sekunde, bereits auf dem Richtplatz, wird er jedoch vom Zaren begnadigt und zu vier Jahren Zwangsarbeit sowie vier Jahren MilitĂ€rdienst verurteilt. WĂ€hrend der Zeit in Sibirien bekehrt er sich zum christlichen Glauben. 1854 lernt er Marja Dimitrijewna kennen, die er 1857 heiratet. Nach Beendigung des MilitĂ€rdienstes kehrt er 1859 nach Moskau zurĂŒck. Die Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, eine Beschreibung seiner Verbannung nach Sibirien, erscheinen 1861 in der von Dostojewski gegrĂŒndeten Zeitschrift Vremja. Im nĂ€chsten Jahr unternimmt er seine erste Europareise und ein Jahr darauf die zweite. Dostojewski ist ein Spieler, der sich wegen seiner Sucht hoch verschuldet. Nach der dritten Europareise erscheint 1866 der Roman Schuld und SĂŒhne in der Zeitschrift Russkij vestnik. Der Roman Der Spieler wird im selben Jahr veröffentlicht. Bis 1871 reist Dostojewski auf der Flucht vor seinen GlĂ€ubigern durch Europa und hĂ€lt sich unter anderem in Florenz auf, wo er seinen Roman Der Idiot verfasst. Die Romane Die DĂ€monen (1871) und Die BrĂŒder Karamasow (1879) werden große Erfolge. Am 9. Februar 1881 stirbt Dostojewski in St. Petersburg an den Folgen seiner Epilepsie und einem chronischen Lungenleiden.

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