Schon Karl Marx sah die Entfremdung als die grundlegende Conditio des Menschen in der modernen Industriegesellschaft. Der Philosoph und Manager Michael Andrick buchstabiert dies nun fĂŒr die Arbeitswelt des beginnenden 21. Jahrhunderts aus. Mit RĂŒckgriff auf die Philosophie liefert er wichtige Einsichten und Anregungen und am Ende sogar einen ĂŒberraschenden, wenn auch wenig konkreten Ausweg aus einer als heillos beschriebenen Welt. Ein mitunter schwieriges, aber dennoch empfehlenswertes Buch fĂŒr alle, die eine philosophisch grundierte Analyse ihrer beruflichen Alltagserfahrung suchen.
Es ist rÀtselhaft, wie wir es schaffen, die katastrophalen Folgen unserer Wirtschafts- und Lebensweise auszublenden.
Wir leben in einem Wirtschaftssystem, das darauf angelegt ist, die Menschen und den Planeten auszubeuten und zu zerstören. Ein enormer Teil unserer Wertschöpfung wird darauf verwendet, Produkte zu bewerben, die schĂ€dlich oder ĂŒberflĂŒssig sind. Wir fahren mit ĂŒberdimensionierten, energiefressenden Fahrzeugen herum, wir nutzen Plastikverpackungen fĂŒr unsere Nahrungsmittel, die wir dann ins Meer werfen, wo sie die Fische fressen, die wiederum unsere Nahrung sind, oder wir subventionieren unsere Landwirtschaft so umfassend, dass die Produkte der armen Bauern im globalen SĂŒden nicht mehr wettbewerbsfĂ€hig sind.
Wir alle sind als Konsumenten und BerufstĂ€tige maĂgeblich daran beteiligt, dass die ZustĂ€nde so sind, wie sie sind, ob wir nun als Investmentbankerin oder Marketingexperte, als Ingenieur oder Politikerin arbeiten. NatĂŒrlich sind wir keine Verbrecher, dennoch resultieren aus unserer TĂ€tigkeit verbrecherische ZustĂ€nde. Wie kann es sein, dass uns das nicht auffĂ€llt? Wie kommt es zu dieser âmoralischen AnĂ€sthesieâ?
Philosophieren...
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