Bei der Analyse von Diktaturen stehen meist die Diktatoren im Fokus. Ihre skrupellose, brutale und oft pathologische Persönlichkeit fasziniert. Doch Fritz B. Simon betont in seinem Buch zu Recht, dass Diktaturen aus gesamtgesellschaftlichen Prozessen entstehen und nicht aus dem Willen Einzelner. In seiner weitgefächerten geschichtlichen Rundschau zeigt Simon, welche Muster Diktaturen aufweisen. Ihre Machtergreifung, ihr Funktionieren und auch ihr Ende haben Parallelen, die alle Demokraten kennen sollten, wenn sie die Entstehung von Diktaturen erkennen und verhindern wollen.
Staaten können demokratisch oder autokratisch verfasst sein, je nachdem, wie sehr die Macht des Herrschers beschränkt ist.
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Historisch gesehen waren die meisten Gesellschaften über die längste Zeit hierarchisch strukturiert. Die Autokratie ist der Normalfall, die Demokratie dagegen eine sehr junge Ausnahmeerscheinung. Erst seit dem 18. Jahrhundert sind Staaten wahrhaft demokratisch verfasst – für das antike Griechenland und Rom gilt dies nur sehr bedingt.
In einer Demokratie ist das Handeln der Herrscher durch Gesetze und Kontrollorgane beschränkt. Jede Regierung wird nach einer festgelegten Zeit durch Neuwahlen abgelöst und in öffentlichen Debatten darf frei über die Herrscher diskutiert werden. In Autokratien dagegen muss der Herrscher sein Handeln vor niemandem rechtfertigen. Er steht über dem Gesetz und herrscht uneingeschränkt: Sein Wort ist Gesetz und deshalb ist das Gesetz unvorhersehbar und willkürlich. Öffentliche Debatten sind eingeschränkt bis verboten, Kritik am Herrscher wird geahndet. Wird ein Autokrat vom Volk akzeptiert, spricht man zum Beispiel von einer Monarchie...
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