Zusammenfassung von Amerika

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Amerika Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Entwicklungsroman
  • Moderne

Worum es geht

Kafkas erster Roman

Amerika ist der unbekannteste von Kafkas Romanen und wohl auch der am wenigsten kafkaeske – der Begriff steht für die eigentümlich absurde, oft irreale und bedrohliche Stimmung in Kafkas Werken. Amerika ist eher von einer leichten, hoffnungsvollen Erzählweise geprägt, durch die das Kafkaeske nur hin und wieder durchscheint: Ein 16-Jähriger wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt und muss sich dort eine Existenz aufbauen. Durch sonderbare Zufälle findet er seinen reichen Onkel, der ihn fördert. Doch unglückliche Umstände, Ungerechtigkeiten und die eigene Gutgläubigkeit stürzen den Jungen in zunehmend ausweglose Situationen. Er wird zum Opfer und Spielball seiner Umwelt, und alle Anstrengungen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, bleiben erfolglos. Franz Kafkas Roman ist Fragment geblieben. Dennoch lohnt sich die Lektüre dieses ungewöhnlichen Werks.

Take-aways

  • Amerika ist der erste und gleichzeitig unbekannteste Roman von Franz Kafka.
  • Der Autor schildert darin den Werdegang eines jungen Auswanderers in einer fremden, teilweise feindlichen Umwelt.
  • Der 16-jährige Karl Roßmann aus Prag wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil er ein Dienstmädchen geschwängert hat.
  • Durch Zufall trifft er bei der Ankunft auf seinen reichen Onkel, der ihn bei sich aufnimmt und ihn fördert.
  • Doch als Karl gegen den Willen des Onkels die Einladung eines Bekannten annimmt, wird er von ihm verstoßen und muss daraufhin allein zurechtkommen.
  • Als Erstes macht er die Bekanntschaft Robinsons und Delamarches, zweier Landstreicher, die Karl nach Kräften ausnutzen.
  • Dann findet er eine Stelle als Liftjunge in einem Hotel, verliert sie jedoch bald wieder.
  • Schließlich landet er erneut bei den Landstreichern, die nun mit der exzentrischen Sängerin Brunelda zusammenleben und Karl als Diener ausbeuten.
  • Als ein Theater Mitarbeiter sucht, bewirbt sich Karl dort und wird angenommen.
  • Franz Kafka hat den Roman nie fertiggestellt; der Text wurde nach seinem Tod als Fragment herausgegeben.
  • Amerika ist der am wenigsten kafkaeske, d. h. von absurden, bedrohlichen und irrealen Ereignissen durchzogene Roman des Autors.
  • Während Kafka zu Lebzeiten als Schriftsteller kaum Beachtung fand, zählen seine Werke heute zur Weltliteratur.
 

Zusammenfassung

Ankunft in einer fremden Welt

Der 16-jährige Karl Roßmann aus Prag wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil er ein Dienstmädchen geschwängert hat. Als er nach der Ankunft in der Fremde das Schiff verlassen will, stellt er fest, dass er seinen Regenschirm in der Kabine vergessen hat. Also bittet er einen Mitreisenden, kurz auf seinen Koffer aufzupassen, und läuft zurück, um den Schirm zu holen. Aber der Rückweg, den er kennt, ist versperrt. Karl muss einen anderen Weg nehmen und verläuft sich auf dem großen Schiff so gründlich, dass er schließlich nicht mehr weiß, wo er sich genau befindet. Aus Verzweiflung klopft er einfach an irgendeine Kabinentür. Drinnen packt gerade ein Mann seine Sachen und bittet Karl, hereinzukommen. Wie sich herausstellt, ist der Mann Heizer auf dem Schiff, will sich nun aber eine neue Arbeit suchen, weil er sich von seinem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlt. Karl empfindet Mitleid mit ihm und hört sich seine Geschichte an. Der Heizer bietet Karl an, ihn mit vom Schiff zu nehmen, wenn es ganz leer ist; dann könnten sie den Schirm und hoffentlich auch den Mann mit dem Koffer leichter finden. Doch erst will der Heizer noch zum Kapitän, um sich über seinen Vorgesetzten zu beschweren. Karl begleitet ihn und erreicht, dass der Kapitän den Heizer anhört. Dessen Beschwerden sind jedoch so wirr, dass der Kapitän schon bald das Interesse verliert. Es sind auch noch andere Männer im Raum, unter ihnen ein Senator, der Karl plötzlich nach seinem Namen fragt. Als Karl ihn nennt, gibt sich der Senator als sein Onkel zu erkennen.

„Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht.“ (S. 7)

Karl weiß zwar, dass er einen ihm unbekannten Onkel in Amerika hat, ist nun aber verunsichert, denn der Fremde heißt mit Nachnamen Jakob. Doch der Senator kennt so viele Details aus Karls Vergangenheit, dass dieser sein Misstrauen verliert – der Onkel wird wohl nach der Auswanderung seinen Namen geändert haben. Er erklärt nun auch, woher er so viel über Karl weiß: Das Dienstmädchen, das von Karl schwanger wurde, hat ihm einen langen Brief geschrieben und Karls Ankunft angekündigt. Der Junge möchte sich noch weiter um das Schicksal des Heizers kümmern, aber der Onkel nimmt ihn umgehend mit nach Hause.

Im Haus des Onkels

Der Onkel ist ein schwerreicher Geschäftsmann, der in einem riesigen Haus in New York wohnt. Er nimmt Karl bei sich auf und hilft ihm, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. So wird z. B. eigens für ihn ein Lehrer engagiert, der Karl in Englisch unterrichtet.

„Du hast dich gegen meinen Willen dafür entschieden, heute Abend von mir fortzugehen, dann bleibe aber auch bei diesem Entschluss dein Leben lang; nur dann war es ein männlicher Entschluss.“ (Brief des Onkels an Karl, S. 91)

Eines Abends hat der Onkel Besuch von zwei Geschäftspartnern, Herrn Green und Herrn Pollunder. Karl darf bei dem Treffen mit dabei sein. Mit Pollunder kommt er ausführlicher ins Gespräch, und schließlich lädt dieser Karl ein, ihn und seine Tochter Klara auf ihrem Landgut zu besuchen. Karl sagt gerne zu. Pollunder will Karl unbedingt noch am selben Abend mitnehmen. Der Onkel reagiert darauf merkwürdig zurückhaltend und gibt erst nach vielen Ausflüchten endlich seine Zustimmung. Er lässt Karl aber nur bis zum nächsten Morgen fort, angeblich weil sein Neffe den Englischunterricht nicht versäumen darf.

Zu Besuch bei Herrn Pollunder

Nach einer langen Autofahrt kommen Karl und Pollunder bei dessen Landhaus an. Klara erwartet die beiden schon und berichtet, dass gerade noch ein Gast gekommen sei – Herr Green. Karl ist enttäuscht, dass er Pollunder und Klara nun nicht für sich allein hat, und auch Pollunder scheint der Gast nicht recht willkommen zu sein. Dennoch essen sie alle gemeinsam. Anschließend will Klara Karl mit auf ihr Zimmer nehmen. Der möchte aber erst einmal in seinem eigenen Zimmer bleiben. Klara wird darüber so böse, dass sie ihn angreift. Sie ist sportlich und ihm körperlich überlegen, was Karl sehr kränkt. Klara lädt ihn nochmals ein, in ihr Zimmer zu kommen, und verlässt den Raum.

„Karl erschrak darüber nicht, denn er hatte es ja vorausgesehen und sah nichts Schlimmes darin, dass die Kameraden, von denen er ja auch Vorteile erwartete, einige Kleinigkeiten von ihm bezahlen ließen, wenn es auch anständiger gewesen wäre, diese Sache vor dem entscheidenden Augenblick ausdrücklich zu besprechen.“ (S. 110)

Karl ist über Klaras Verhalten so aufgebracht, dass er beschließt, sofort zu seinem Onkel zurückzukehren. Er macht sich auf den Weg zum Speisesaal, wo er Pollunder und Green zuletzt gesehen hat. Doch in dem dunklen, weitläufigen Haus verirrt er sich vollkommen. Schließlich begegnet ihm ein Diener, der ihn zum Speisesaal führt. Karl teilt Pollunder mit, dass er sofort gehen möchte. Da mischt Green sich ein: Es sei nun Viertel nach elf, und um Mitternacht habe er eine wichtige Mitteilung für Karl. So lange möge dieser sich noch gedulden. Karl lässt sich darauf ein und verbringt die verbleibende Zeit bei Klara, die nun wesentlich freundlicher ist als vorher.

Der Aufbruch

Greens Mitteilung entpuppt sich als ein Brief des Onkels. Auf dem Umschlag steht, dass Karl das Schreiben um Mitternacht übergeben werden soll. Es ist ein Abschiedsbrief – der prinzipientreue Onkel hat sich sehr darüber geärgert, dass Karl gegen seinen Willen mit zu Pollunder gefahren ist, und will den Neffen nun nie wieder sehen. Green übergibt Karl sogar dessen alten Koffer, mit dem er die Überfahrt angetreten hat, und den Schirm. Karl ist misstrauisch, denn offenbar hat Green es darauf abgesehen, dass er vom Onkel verstoßen wurde. Wäre Karl gleich zum Onkel gefahren, wie ursprünglich vorgehabt, und hätte sich von Green nicht zurückhalten lassen, dann wäre er wohl noch vor Mitternacht dort angekommen und hätte den Brief gar nicht mehr erhalten. Nun aber lässt sich die Sache nicht mehr ändern.

„Ich dachte, sie wären Freunde, aber im Geheimen wollten sie mir nur schaden.“ (Karl über Robinson und Delamarche, S. 126)

Also verlässt Karl Pollunders Gut und fragt im nächstgelegenen Gasthaus nach einem möglichst billigen Zimmer. Die Wirtin führt ihn in einen Raum mit zwei Betten, in denen jedoch bereits zwei Personen schlafen. Die beiden recht verwahrlost wirkenden jungen Männer sind der Franzose Delamarche und der Ire Robinson. Wie sich am nächsten Morgen herausstellt, haben sie weder Arbeit noch Geld. Sie wollen in die Stadt Butterford wandern, um dort nach Jobs zu suchen. Da sie Karl versprechen, sich auch gleich um eine Lehrstelle für ihn zu kümmern, geht er mit.

„Konnte man einen Liftjungen weiter dulden, der solche Freunde hatte, von denen er sich überdies während seiner Dienststunden besuchen ließ?“ (S. 159)

Doch die beiden haben bemerkt, dass Karl Geld bei sich hat, und schon das erste gemeinsame Essen lassen sie sich ganz selbstverständlich von ihm bezahlen. Die folgende Nacht wollen die drei im Freien verbringen. Karl erklärt sich wiederum bereit, für alle im nahe gelegenen Hotel Occidental Essen zu kaufen. Der Andrang ist groß, und Karl kommt zunächst nicht zum Zug. Erst als die Oberköchin irgendwann auf ihn aufmerksam wird, kriegt er sein Essen. Sie bietet ihm außerdem an, mit seinen beiden Begleitern im Hotel zu übernachten, doch Karl lehnt ab. Als er zu Robinson und Delamarche zurückkommt, haben die beiden seinen Koffer durchwühlt. Karl ist ärgerlich - erst recht, als er bemerkt, dass das einzige Foto, das er von seinen Eltern besitzt, fehlt. Es kommt zum Streit zwischen den drei Weggefährten. Plötzlich taucht ein Hotelangestellter auf: Die Oberköchin wolle den Korb zurückhaben, in dem sie Karl das Essen mitgegeben habe. Außerdem lasse sie diesem ausrichten, dass er immer noch im Hotel übernachten könne. Nun nimmt er das Angebot dankbar an.

Karl als Liftjunge

Als Karl im Hotel ankommt, wartet die Oberköchin schon auf ihn und bietet ihm eine Stelle als Liftjunge an, die Karl gern akzeptiert. Die Arbeit ist anstrengend, umso mehr, als er in dem großen Saal, den er sich mit vielen anderen Liftjungen teilen muss, kaum Schlaf finden kann. Doch er gibt sich alle Mühe, seine Arbeit gut zu verrichten, und lernt in seiner knappen Freizeit noch kaufmännische Korrespondenz, um sich weiterzubilden.

„Gerade du aber kommst mir, weil es mir so beliebt, sogar stark verdächtig vor.“ (der Oberportier zu Karl, S. 195)

Eines Nachts steht plötzlich Robinson vor Karls Lift. Er ist betrunken und bettelt Karl um Geld an. Der Junge lässt sich dazu erweichen, ihm die Trinkgelder der letzten Nacht zu versprechen. Dann muss sich Robinson auch noch übergeben und behauptet, er sei viel zu schwach, um wieder weggehen zu können. Karl wird die ganze Sache immer peinlicher. Da sich der Betrunkene nicht wegschicken lässt, bringt Karl ihn erst einmal in den Saal, damit er dort seinen Rausch ausschlafen kann. Diese Aktion dauert nur ein paar Minuten, doch als Karl zurückkommt, bedient bereits ein anderer Junge seinen Lift, und Karl wird ins Büro des Oberkellners zitiert. Dort teilt man ihm mit, dass er entlassen sei, weil er sich unerlaubt von seiner Arbeit entfernt habe. Die Oberköchin setzt sich zwar für den Jungen ein, aber als bekannt wird, dass er einen Betrunkenen in den Schlafsaal eingeschleust hat, ist Karls Schicksal besiegelt. Plötzlich steht er sogar fälschlicherweise im Verdacht, Geld für Robinson gestohlen und sich nachts mit ihm in der Stadt herumgetrieben zu haben. Nun ist auch die Oberköchin von ihm enttäuscht und kann die Entlassung nicht mehr verhindern. Sie gibt ihm jedoch eine Empfehlung für eine Pension mit, in der er erst einmal unterkommen kann, und verspricht ihm, sich weiter um ihn zu kümmern.

Auf der Flucht

Karl holt seine Sachen, braucht dafür aber etwas länger, als ihm zugestanden wurde. Deshalb wartet am Ausgang ein wütender Oberportier auf ihn, um ihn auch für dieses Vergehen zu bestrafen. Er behandelt den Jungen so grob, dass diesem schließlich nichts anderes übrig bleibt, als zu fliehen – ohne Koffer, Geld, Papiere und ohne das Empfehlungsschreiben der Oberköchin. Als er dem Hotel entkommen ist, trifft er auf Robinson, der vorgibt, von den anderen Jungen im Schlafsaal schwer verletzt worden zu sein, sodass Karl ihn nach Hause begleiten müsse. Karl sieht zwar, dass er maßlos übertreibt, lässt sich aber erneut erweichen und fährt mit ihm zu der Unterkunft, die Robinson sich mit Delamarche und der schwergewichtigen, exzentrischen Sängerin Brunelda teilt.

„Und Karl sagte sich bei diesen Erinnerungen, dass er auch als Liftjunge genug gelitten hatte und dass doch alles vergebens gewesen war, denn nun war dieser Liftjungendienst nicht, wie er gehofft hatte, eine Vorstufe zu besserer Anstellung gewesen, vielmehr war er jetzt noch tiefer hinabgedrückt worden und sogar sehr nahe an das Gefängnis geraten.“ (S. 196)

Dort angekommen, möchte Karl Robinson endlich loswerden, schafft es aber wieder nicht. Er gerät mit ihm in Streit, und schließlich wird ein Polizist auf die beiden aufmerksam. Er verlangt Karls Papiere, doch die sind noch im Hotel Occidental. So droht der Polizist, ihn dorthin zurückzubringen. Diesen Auftritt möchte Karl sich unbedingt ersparen und flieht deshalb vor dem Polizisten. Nach einer Verfolgungsjagd läuft er direkt in Delamarches Arme, der ihn mit in seine Wohnung nimmt. In einem einzigen, völlig verwahrlosten Zimmer lebt Delamarche mit Brunelda zusammen. Robinson muss als ihr Diener die meiste Zeit auf dem Balkon verbringen und darf die Wohnung nur betreten, wenn ausdrücklich nach ihm verlangt wird.

Bei Brunelda gefangen

Brunelda fühlt sich auch von Karl gestört und schickt ihn zu Robinson auf den Balkon. Karl teilt ihm mit, er wolle so schnell wie möglich von hier weg, aber Robinson macht ihm klar, dass dieses Ziel für ihn zurzeit unerreichbar ist – im Moment darf er noch nicht einmal den Balkon verlassen. Von Robinson erfährt Karl nun auch, weshalb die beiden Landstreicher nach ihm gesucht haben: Brunelda ist mit Robinsons Arbeit nicht zufrieden und wünscht sich einen neuen Diener, der die Wohnung besser in Ordnung hält. Karl ist gar nicht begeistert von der Aussicht, jetzt für Brunelda und Delamarche arbeiten zu müssen, und will sofort gehen. Doch da gibt es Unruhen auf der Straße, Delamarche und Brunelda kommen auf den Balkon: Am nächsten Tag soll ein neuer Richter gewählt werden, und einer der Kandidaten lässt sich in einem Umzug durch die Straßen tragen. Karl bittet Brunelda, sie verlassen zu dürfen, aber die will davon nichts hören. Delamarche droht Karl gar, ihn der Polizei zu übergeben, falls er sich nicht fügt.

„Wie willst du weggehen, wenn du nicht einmal ins Zimmer hineingehen darfst?“ (Robinson zu Karl, S. 223)

Als Brunelda ihn schließlich ins Zimmer schickt, um das Bett für sie vorzubereiten, wittert Karl seine Chance zu fliehen. Doch die Tür zum Treppenhaus ist versperrt, und in dem chaotischen Zimmer kann Karl keinen Schlüssel finden. Er versucht die Tür aufzubrechen, wird aber von den drei anderen überwältigt und verprügelt. Er verliert das Bewusstsein und kommt erst mitten in der Nacht wieder zu sich. Als er auf den Balkon geht, entdeckt er auf dem Nachbarbalkon einen lesenden jungen Mann. Karl kommt mit ihm ins Gespräch und erfährt, dass der junge Mann Student ist. Studieren kann er jedoch nur nachts, denn tagsüber muss er in einem Warenhaus arbeiten, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das alles hält er nur durch, weil er viel Kaffee trinkt. Der Student rät Karl, bei Brunelda zu bleiben, da er dort noch ein vergleichsweise leichtes Leben habe. So fügt sich Karl in sein Schicksal und bleibt erst einmal als Diener bei Brunelda und Delamarche.

Der Weg zum Theater

Karl liest in einer Ankündigung, dass das Naturtheater in Oklahoma viele Mitarbeiter suche, und beschließt, es einmal dort zu versuchen. Er fährt zum angegebenen Treffpunkt, wo eine riesige Werbeveranstaltung stattfindet. Alle Bewerber müssen ihre Papiere vorlegen. Karl hat keine, wird aber nach langem Hin und Her trotzdem aufgenommen - jedoch nicht als Schauspieler, wie er zuerst glaubt, sondern als technischer Arbeiter. Alle neu Eingestellten erhalten erst einmal eine gute Mahlzeit und werden dann auf eine lange Zugfahrt nach Oklahoma geschickt.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Roman Amerika ist Fragment geblieben. Die Einteilung und die Überschriften der ersten sechs Kapitel stammen noch von Franz Kafka selbst, die übrigen beiden Abschnitte wurden vom Herausgeber Max Brod bearbeitet. Die Kapitel eins bis sieben erzählen eine durchgehende Handlung, das achte schließt sich dagegen recht locker und fast zusammenhanglos an. Im Anhang fügt der Herausgeber noch zwei Textfragmente an, die den Dienst Karls bei Brunelda beschreiben und die somit in die inhaltliche Lücke zwischen dem vorletzten und dem letzten Kapitel des Romans gehören. Aus Gesprächen mit Kafka schloss Brod, dass Karls Begegnung mit dem Naturtheater von Oklahoma als Schluss des Romans gedacht war. Die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten Karl Roßmann geschildert, allerdings nicht als Ich-, sondern als Er-Erzählung. Auf diese Weise bleibt der Leser ebenso unwissend wie Karl und steht den mitunter unbegreiflichen Vorgängen genauso hilflos gegenüber. Die Sprache ist nüchtern und wenig emotional und bildet damit einen krassen Gegensatz zu der oft dramatischen, manchmal irrationalen Handlung. Kafka zählte in Prag zur deutschsprachigen Minderheit, was man seinem Stil durchaus anmerkt: Die Sprache wirkt mitunter steif und ein wenig fremd. Auffällig ist auch, dass Kafka häufig ausgesprochen lange, kunstvolle Schachtelsätze verwendet.

Interpretationsansätze

  • Franz Kafkas Romandebüt Amerika ist sein am wenigsten kafkaesker Roman. Die Geschichte des jungen Auswanderers Karl Roßmann ist nur mit wenigen absurden und irrealen Ereignissen versehen, und die Atmosphäre des Buches ist nicht so düster wie in anderen Romanen Kafkas, sondern leichter und hoffnungsvoller.
  • Kafka selbst hat seinen Roman als einen modernen David Copperfield gesehen. Wie er in seinem Tagebuch schrieb, habe er den Bildungsroman des Engländers Charles Dickens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den aktuellen Ereignissen seiner Zeit verknüpfen wollen.
  • Kafka lässt seinen Helden immer wieder aufs Neue scheitern, indem er dessen Glauben an das Gute im Menschen und in der Welt als naiven Gerechtigkeitssinn bestraft.
  • Karl gerät in ein System von Abhängigkeiten, wie Kafka den Kapitalismus einmal genannt hat. Er gelangt von seinem Onkel zu Pollunder, von diesem zu den Vorgesetzten im Hotel, schließlich zu Robinson und Brunelda – eine Abhängigkeit führt zur nächsten.
  • Karl erlebt den ins Negative verkehrten amerikanischen Traum: nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern vom wohlbehüteten Zögling eines reichen Onkels zum versklavten Diener heruntergekommener Halunken.
  • Doch Karl ist auch das Opfer schicksalhafter Verkettungen, die er selbst nicht beeinflussen kann. Trotz seines guten Willens und seiner Strebsamkeit ist er letztlich nur ein Spielball des Schicksals, das alle seine gut gemeinten Bemühungen zunichtemacht.
  • Darin zeigt sich Kafkas pessimistische Weltsicht: Der Mensch kann sein Leben nicht selbstbestimmt führen, sondern ist letztlich das Opfer seines Umfelds und seines Schicksals.

Historischer Hintergrund

Der Aufbruch in die Neue Welt

Amerika zog nach seiner Entdeckung über Jahrhunderte hinweg Menschen an, die ein neues Leben beginnen wollten. Vor allem im 19. Jahrhundert und dann noch einmal zu Beginn des 20. Jahrhunderts strömten Millionen von Einwanderern in die USA, vor allem aus Europa. Denn dort war in vielen Ländern die Bevölkerungszahl stark gestiegen, etliche Menschen konnten sich und ihre Familien kaum noch ernähren. Die beginnende Industrialisierung löste gesellschaftliche Umbrüche aus, was viele an den Rand der Gesellschaft und in die Armut drängte. In den USA dagegen boomte die Wirtschaft, Arbeitskräfte waren stets willkommen, und wer etwas leistete, hatte auch eine Chance, es zu Wohlstand zu bringen.

Daneben spielten bei den Auswanderern auch politische Gründe eine Rolle. Die USA waren seit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 ein demokratischer Staat. In Europa dagegen wurden Forderungen nach politischen Reformen lange unterdrückt und Aufstände blutig niedergeschlagen. So zog es auch viele Menschen, die sich nach Freiheit und Demokratie sehnten, in die USA, unter ihnen Angehörige ethnischer Minderheiten, z. B. Juden, die in ihrer Heimat unterdrückt wurden.

Doch nicht alle Auswanderer fanden in der neuen Heimat ihr Glück. Viele von ihnen waren Menschen ohne Berufsausbildung, die nur einfache Arbeiten leisten und deshalb nicht viel Geld verdienen konnten. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs gab es in den USA auch immer wieder Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, die vor allem die unteren Bevölkerungsschichten traf. Die Arbeitsbedingungen waren schlecht, die soziale Fürsorge nur wenig ausgeprägt. So lebten auch in Amerika viele Menschen in bitterer Armut, hausten in Elendsquartieren oder waren obdachlos.

Entstehung

Amerika ist der Debütroman Franz Kafkas. Eine erste Fassung des Textes nahm er bereits Ende 1911 oder Anfang 1912 in Angriff, vernichtete sie dann aber wieder. Im Herbst 1912 begann er von Neuem und schrieb nun innerhalb weniger Wochen den größten Teil des Romans nieder. Das erste Kapitel erschien 1913 unter dem Titel Der Heizer als eigenständige Erzählung. Der Rest des Textes blieb erst einmal in der Schublade.

Im Oktober 1914, als Kafka an seinem Roman Der Prozess arbeitete, nahm er auch die Arbeit an Amerika wieder auf und verfasste das letzte Kapitel. Weitere Ergänzungen gab es danach nicht mehr, der Roman ist unvollendet geblieben. Zusammen mit anderen Manuskripten übergab Kafka den Text vor seinem Tod seinem Freund Max Brod mit der Bitte, alles zu vernichten. Doch Brod erfüllte diesen letzten Wunsch nicht, sondern entschied sich dafür, die Texte herauszugeben. Er war es auch, der dem Roman den Titel Amerika gab; Franz Kafka selbst nennt das Buch in seinen Aufzeichnungen Der Verschollene. Kafka hat die USA nie besucht, sondern sich alle Informationen aus Büchern angeeignet. Amerika gilt als das einzige seiner Werke, für das er Recherchen auf sich nahm.

Wirkungsgeschichte

Franz Kafka hielt nicht viel von seinen Qualitäten als Schriftsteller; zahlreiche Manuskripte vernichtete er, ohne dass sie je publiziert wurden. Lediglich einige ausgesuchte Texte ließ er selbst veröffentlichen, und diese erschienen nur in sehr kleinen Auflagen. Der Heizer gehört zu den wenigen Publikationen, die noch zu Lebzeiten Kafkas nachgedruckt wurden. Erst der Schriftsteller Max Brod, der mit Franz Kafka befreundet war und von diesem den Auftrag bekommen hatte, die restlichen Manuskripte zu vernichten, brachte Amerika wie auch viele andere Werke Kafkas nach dessen Tod an die Öffentlichkeit und sorgte damit für den Ruhm des Prager Autors als Klassiker des 20. Jahrhunderts.

Amerika erschien 1927. Zunächst blieb das Romanfragment, wie auch die übrigen Werke Kafkas, im deutschsprachigen Raum weitgehend unbeachtet. In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Situation sogar noch, denn unter den Nationalsozialisten waren die Werke des jüdischen Autors nicht erwünscht. Die Herausgabe wurde behindert, schließlich sogar verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kafka zunächst in den USA und Frankreich bekannt, ab den 1950er Jahren endlich auch in Deutschland. Inzwischen zählen seine Werke zur Weltliteratur.

Über den Autor

Franz Kafka wird am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Als deutschsprachiger Jude gehört er gleich in doppelter Hinsicht einer Minderheit an. Der Vater Hermann Kafka ist Kaufmann, die Mutter Julie im Geschäft des Vaters tätig; so wächst das Kind in der Obhut verschiedener Dienstboten auf. Der lebenstüchtige Vater bringt für seinen kränklichen, künstlerisch begabten Sohn kein Verständnis auf − ein Konflikt, der das gesamte Werk Kafkas prägen wird. Nach dem Abitur möchte Kafka eigentlich Philosophie studieren, entscheidet sich aber nach dem Willen des Vaters für Jura und promoviert 1906. Danach arbeitet er bei einer Unfallversicherung. Sein Beruf ist ihm eine Last, weil ihm zu wenig Zeit zum Schreiben bleibt; er erledigt die Arbeit aber gewissenhaft. Auf Schaffensphasen, in denen er Nächte durchschreibt, folgen längere unproduktive Abschnitte. 1902 lernt er Max Brod kennen, eine lebenslange Künstlerfreundschaft beginnt. Ab 1908 veröffentlicht er kurze und längere Erzählungen in Zeitschriften und als Buchpublikationen, darunter Die Verwandlung (1915) und Das Urteil (1916). Er beginnt drei Romane, Der Verschollene (später veröffentlicht unter dem Titel Amerika), Der Prozess und Das Schloss, stellt aber keinen fertig – für ihn ein fundamentales Scheitern. Kafkas Beziehungen zu Frauen sind problematisch. 1912 lernt er bei Max Brod die Berlinerin Felice Bauer kennen, mit der er sich zweimal verlobt und wieder entlobt. Auch die weiteren Beziehungen sind nicht von Dauer. 1917 erkrankt er an Tuberkulose. Immer wieder muss er seine berufliche Arbeit unterbrechen, um sich an Ferienorten, in Sanatorien oder bei seiner Schwester Ottla zu erholen. Die gewonnene Zeit kann er aber nicht in gewünschter Weise in Literatur umsetzen. Als er am 3. Juni 1924 stirbt, hat er Max Brod testamentarisch angewiesen, seine unveröffentlichten Manuskripte zu vernichten. Der Freund hält sich nicht daran und ermöglicht so den Weltruhm Franz Kafkas.


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