Zusammenfassung von Bekenntnisse

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Bekenntnisse Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Religion
  • Spätantike

Worum es geht

Der Weg zum Glauben

Wie kann man glücklich leben? Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit jeher. Sie trieb auch den jungen Augustinus um, der in der Endphase des Römischen Reiches in Nordafrika aufwuchs. Karrierestreben und Sexualität, die obskuren Lehren einer Sekte und schließlich eine radikale Lebenswende - in seinen Bekenntnissen beschreibt Augustinus rückblickend seinen Weg vom aufmüpfigen Jugendlichen und ehrgeizigen Aufsteiger zum christlichen Bischof. Aus seiner späteren Perspektive ist ihm klar: Glück kann der Mensch nur in einer positiven Beziehung zu Gott finden. In seinem eigenen Leben sieht Augustinus den besten Beweis für diese These. Mit scharfsinnigen psychologischen Analysen und einer für seine Zeit ungewöhnlichen Offenheit beschreibt er seine Entwicklung und seinen Glauben. Das Buch ist eine Mischung aus Autobiografie, Gebet, philosophischer Abhandlung und Bibelauslegung. Schon die neun Kapitel des autobiografischen Teils sind von allgemeinen Betrachtungen und Gebetspassagen durchzogen; die letzten vier Kapitel beschäftigen sich ausschließlich mit philosophischen und theologischen Fragen. Augustinus’ Wirkung auf die Lehre der Kirche, aber auch auf die literarische Gattung der Autobiografie war enorm.

Take-aways

  • Augustinus, einer der Kirchenväter, hat die Theologie und Philosophie Europas über Jahrhunderte hinweg entscheidend beeinflusst.
  • Die Bekenntnisse sind Autobiografie, philosophische Abhandlung, Bibelauslegung und Gebet zugleich.
  • Der Autor beschreibt darin sein Leben bis zu seiner Bekehrung zum katholischen Glauben.
  • Augustinus stammt aus Thagaste in Nordafrika. Später geht er nach Rom und nach Mailand, bevor er in die Heimat zurückkehrt und dort Bischof wird.
  • Zwar wird er schon von seiner Mutter christlich geprägt, doch zunächst zählen für ihn nur Karriere und Sexualität.
  • Dann möchte er sein Leben der Weisheit widmen und schließt sich der Sekte der Manichäer an.
  • Als er von dieser Lehre enttäuscht wird, entschließt er sich nach langen inneren Kämpfen, Christ zu werden und sein Leben radikal zu ändern.
  • Der philosophisch-theologische Teil des Buches enthält Gedanken über das menschliche Gedächtnis, die Zeit und die Schöpfungsgeschichte.
  • Der Text ist rhetorisch ausgefeilt und enthält zahlreiche Zitate aus der Bibel. Immer wieder wird Gott direkt angesprochen.
  • Augustinus war für die Theologie der katholischen Kirche im Mittelalter bestimmend, doch auch die Reformatoren beriefen sich auf ihn.
  • Seine Gedanken über die Zeit waren noch für Philosophen der Neuzeit von Bedeutung.
  • In der Literaturgeschichte haben die Bekenntnisse die Entwicklung der modernen Autobiografie maßgeblich beeinflusst.
 

Zusammenfassung

Kindheit und Schulzeit

Die Güte Gottes begleitet Augustinus von Anfang an durch sein Leben, auch wenn er selbst sich dessen erst spät bewusst werden soll. Ein erster Beweis für diese Güte ist schon die Muttermilch, mit der er ernährt wird, und die Liebe seiner Mutter Monika. Das Verhalten des Menschen ist grundsätzlich von der Sünde geprägt. Das ist selbst bei ganz kleinen Kindern erkennbar, die schon gierig oder eifersüchtig sein können. Die Schulzeit im heimatlichen Thagaste (Stadt im heutigen Algerien) ist für Augustinus eine Qual. Da er nicht besonders lerneifrig ist, wird er häufig geschlagen. Er leidet sehr darunter und muss noch die schmerzliche Erfahrung machen, dass ihm niemand beisteht: Gott erhört ihn nicht, als er ihn mit kindlichem Glauben um Schutz bittet, und die Erwachsenen lachen nur über die Züchtigungen. Die Inhalte dieser Schulbildung sind schädlich, weil sie keinen Bezug zum christlichen Glauben haben.

Erfahrungen der Sünde

Nach der Schulzeit beginnt Augustinus eine Ausbildung in Rhetorik, die er jedoch im Alter von 15 Jahren unterbrechen muss, weil seinen Eltern das Geld fehlt. In dieser Zeit muss er sich auch mit seiner erwachenden Sexualität auseinandersetzen, erhält aber wenig Orientierung von seinen Eltern: Eine Hochzeit, damals in diesem Alter durchaus üblich, kommt für die Eltern nicht infrage, weil eine Ehe der Karriere des Sohnes schaden könnte. Aber vor außerehelichen Beziehungen und Ehebruch warnt ihn seine christliche Mutter ebenfalls eindringlich. Augustinus lässt sich von Freunden zu einem Diebstahl verleiten: Aus bloßem Übermut plündern sie nachts einen Birnbaum und verfüttern die Früchte anschließend an die Schweine. An diesen Erfahrungen zeigt sich, wie ein Mensch, der noch keine Beziehung zu Gott hat, von Impulsen getrieben wird und sich dadurch immer tiefer in sündhaftes Verhalten verstrickt. Getrieben von seinem Verlangen ist der Mensch auf der Suche, kann aber das, was er sucht, letztlich nur in Gott finden. Was den Menschen erfreut, wird zur Sünde, wenn nicht Gott an erster Stelle steht.

Stadtleben

Nach einem Jahr setzt Augustinus seine Ausbildung in Karthago (Stadt im heutigen Tunesien) fort und wird auch hier von einem Verlangen nach Liebe getrieben; dieses Gefühl ist im Grunde eine erste Sehnsucht nach Gott. Er findet Gefallen am Theater, was für seine charakterliche Entwicklung nicht gut ist: Denn hier spielt man dem Publikum unechtes Leid vor, wodurch man auch nur unechtes Mitleid erregt. Freude hat Augustinus außerdem an seinen ersten Erfolgen als Redner. Mit 18 Jahren liest er Ciceros Hortensius, und diese Lektüre beeindruckt ihn tief: Er fasst den Entschluss, sein Leben ganz der Suche nach Weisheit zu widmen. Schon damals ist das für ihn gleichbedeutend mit der Suche nach Gott. Aufgrund der christlichen Prägung seiner Mutter beginnt er die Bibel zu lesen, legt sie aber bald enttäuscht beiseite, da ihm ihr Stil im Vergleich zu den Schriften Ciceros plump und primitiv erscheint. Stattdessen schließt er sich einer Sekte an, den Manichäern. Seine Mutter, die sich eine Bekehrung ihres Sohnes zum Christentum wünscht, leidet sehr unter diesem Schritt, hat aber keinen Einfluss.

Suche nach der Wahrheit

Augustinus’ Leben wird nun von der Lehre der Manichäer und von seinem beruflichen Ehrgeiz bestimmt; außerdem geht er eine nicht eheliche Beziehung ein. Der Tod seines besten Freundes stürzt ihn in tiefe Trauer und löst eine Lebenskrise aus. Wieder zeigt sich, dass Menschen nur in der Beziehung zu Gott ein erfülltes Leben führen können: Um glücklich zu sein, braucht der Mensch stabile Beziehungen. Sobald er aber sein Herz an andere Menschen oder irdische Dinge hängt, muss er notwendigerweise enttäuscht werden, da alles Irdische vergänglich ist. Ewig und unvergänglich ist allein Gott; nur wenn der Mensch Gott liebt, findet er die dauerhafte Liebe, nach der er sich sehnt. Denn er ist für die Beziehung zu Gott geschaffen und kann Gott in seinem eigenen Herzen finden.

„Denn zu dir hin hast du uns geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir.“ (S. 9)

Auf der Suche nach dem Lebenssinn verfasst der junge Augustinus eine philosophische Schrift und beschäftigt sich viel mit den Wissenschaften. Er hat eine gute Auffassungsgabe, aber alles Lernen hat keinen wirklichen Nutzen für ihn, weil er Gott, der die Wahrheit selbst ist, noch nicht erkannt hat.

Erste Hinwendung zum Christentum

Augustinus vergleicht die Glaubenssätze der Manichäer mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und entdeckt Widersprüche. Die anderen Sektenmitglieder verweisen ihn mit seinen Fragen auf ihren Bischof Faustus, der ihm alles erklären könne. Aber als Augustinus nach neun Jahren endlich mit Faustus zusammentrifft, ist er enttäuscht: Faustus kann zwar gut reden, was aber den Rhetoriker Augustinus nicht sonderlich beeindruckt. Ansonsten gibt Faustus offen zu, dass er keine naturwissenschaftlichen Kenntnisse besitze und Augustinus’ Fragen nicht beantworten könne. Augustinus ist grundsätzlich der Meinung, dass die Erkenntnis Gottes wichtiger ist als naturwissenschaftliche Erkenntnis, und da für ihn Gott und die Wahrheit eins sind, kann er keinen Glauben vertreten, der offensichtliche Unwahrheiten enthält. Da ihn zunächst auch keine andere Religion oder Philosophie überzeugen kann, bleibt er noch bei den Manichäern, ist aber von deren Lehre enttäuscht.

„So wird zur Buhlerin die Seele, die sich abkehrt von dir und fern von dir sucht, was sie rein und makellos nur findet, wenn sie heimkehrt zu dir.“ (S. 75)

Als Lehrer für Rhetorik wechselt er von der Universität Karthago zuerst nach Rom und später nach Mailand. Dort macht er die Bekanntschaft des katholischen Bischofs Ambrosius. Von dessen Predigten ist er fasziniert, wenn auch zuerst nur wegen Ambrosius’ rhetorischen Fähigkeiten. Erst nach und nach beginnt er sich auch für den Inhalt zu interessieren.

Innere Kämpfe

Nun steckt Augustinus erneut in einer Krise: Dass die Lehre der Manichäer nicht der Wahrheit entspricht, ist ihm inzwischen klar. Bisher hat ihn die kritische Haltung der Manichäer zum Christentum davon abgehalten, sich diesem zuzuwenden. Da er sich nun eingehender mit der christlichen Lehre beschäftigt, stellt er fest, dass von den Argumenten der Manichäer kein einziges stichhaltig ist. Er sträubt sich jedoch noch gegen einen Übertritt zum Christentum, weil er nicht schon wieder vorschnell irgendwelche Glaubenslehren annehmen möchte, wie er es bei den Manichäern getan hat. Außerdem ist es für ihn selbstverständlich, dass er als wirklich konsequenter Christ ehelos leben müsste. Dann würde er sein Leben ganz der Suche nach Weisheit widmen, wie er es sich mit 18 Jahren vorgenommen hat. Dass er nun, als 30-Jähriger, dieses Ziel noch nicht erreicht hat, quält ihn. Aber gleichzeitig hat er für eine solch radikale Lebenswende nicht den Mut. So kämpft er eine Weile mit sich, sieht aber bald ein, dass auch dieser Zustand der Ungewissheit auf Dauer unerträglich ist.

„Da ward mir plötzlich schal all mein eitles Hoffen, und mit unglaublicher Inbrunst richtete sich meines Herzens Begehren auf die unsterbliche Weisheit.“(S. 91)

Auf Betreiben seiner Mutter, die ihm nach Rom nachgereist ist, trennt er sich von seiner langjährigen Partnerin, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. Das Ziel seiner Mutter ist es, dass er eine Ehe mit einer anderen Frau eingeht, also verlobt er sich mit einem Mädchen, das jedoch erst in zwei Jahren heiratsfähig ist. Da er sich allerdings für diese zwei Jahre ein Leben ohne Partnerin nicht vorstellen kann, sucht er sich eine neue Geliebte.

Gotteserlebnis und Bekehrung

Als Intellektueller sucht Augustinus zunächst einen rein verstandesmäßigen Zugang zum Glauben. Noch ist er von der Lehre der Manichäer geprägt, die sich Gut und Böse als zwei körperliche, gegeneinander kämpfende Mächte vorstellen. Dass Gott nicht körperlich sein soll, keine räumliche Ausdehnung besitzt, aber dennoch existiert, ist für Augustinus schwer nachzuvollziehen. Ebenso quält ihn die Frage, woher das Böse in der Welt stammt, wenn die ganze Welt von einem guten Gott geschaffen sein soll.

„Selig, wer dich liebt, in dir seinen Freund und um deinetwillen auch den Feind! Er allein verliert keinen, der ihm lieb ist, da er alle in dem Einen liebt, der nie verloren gehen kann.“ (S. 139)

Verständlicher wird ihm der christliche Glaube durch die Schriften der Neuplatoniker, in denen er viele Aussagen des Neuen Testaments wiederfindet. Unter dem Einfluss der neuplatonischen Vorstellung, dass man Gott im eigenen Inneren findet, sucht er ihn auf diese Weise – und hat ein Gotteserlebnis, das er trotz seiner Sprachgewandtheit kaum beschreiben kann und das seine Zweifel ausräumt.

„Aber von nun an richtete ich mein Augenmerk ernstlich darauf, ob ich die Manichäer nicht irgendwie mit zwingenden Beweisgründen des Irrtums überführen könnte. Hätte ich mir nur ein geistiges Wesen denken können, wären alle jene Wahngebilde sogleich zerstört und aus meinem Geiste verbannt worden, aber dazu war ich nicht imstande.“ (S. 205 f.)

Nun kann Augustinus die christliche Lehre akzeptieren, dass die Welt von einem guten Gott geschaffen wurde. Das Böse stellt er sich als eine Art minderwertiges Gutes vor. Sünde ist die Abkehr des menschlichen Willens von Gott. Nun findet Augustinus auch einen Zugang zu den Texten der Bibel. Der Mut, Beruf und Beziehung aufzugeben und sein Leben ganz Gott zu widmen, fehlt ihm jedoch noch immer. Erst nach schweren inneren Kämpfen kommt es zu der Lebenswende, die er als seine eigentliche Bekehrung ansieht. Vorbereitet wird die Umkehr vom Besuch eines Bekannten, der ihm von zwei Männern erzählt, die sich nach der Lektüre einer christlichen Schrift zu einer radikalen Veränderung ihres Lebens entschlossen.

„Ohne allen Zweifel, in voller, klarer Gewissheit sage ich, Herr: Ich liebe dich.“ (S. 433)

Allein im Garten ringt Augustinus um eine Entscheidung. Da hört er eine Kinderstimme singen: „Nimm und lies.“ Er greift zu einer Schrift des Paulus und schlägt einen Vers auf, der Enthaltsamkeit fordert. Daraufhin entschließt er sich zu der schon lange gewünschten Lebenswende. Er entscheidet sich für die Ehelosigkeit, gibt seinen Beruf als Redner auf und zieht sich mit Freunden und Verwandten auf ein Landgut zurück, um die Bibel zu studieren. Bald darauf lässt er sich taufen. Seine Rückkehr nach Afrika verzögert sich, da kurz vor der Abreise die Mutter stirbt. Augustinus betrauert ihren Tod sehr; in ihrem christlichen Lebenswandel war die Mutter ein Vorbild für ihn.

Augustinus’ Beziehung zu Gott und seine menschliche Schwäche

Augustinus’ Leben als Christ ist von der Liebe zu Gott geprägt. Auf der Suche nach dem Objekt dieser Liebe, nach Gott selbst, durchwandert er die Schöpfung und kann dort den Schöpfer nicht finden. Schließlich sucht er in sich selbst, in seinem Gedächtnis. In diesen „Gefilden und weiten Hallen“ sind alle Erinnerungen, Empfindungen und Kenntnisse aufbewahrt und können von dort wieder hervorgeholt werden. Das Fassungsvermögen des menschlichen Gedächtnisses ist praktisch unbegrenzt, und hier ist auch Gott zu finden.

„Und ich sprach zu all dem, was draußen vor den Türen meines Fleisches steht: So sagt mir doch von meinem Gott, wenn ihr’s denn nicht seid, sagt mir etwas von ihm. Sie aber riefen mit gewaltiger Stimme: Er hat uns geschaffen!“ (S. 435)

Die Suche nach Gott ist eigentlich die Suche nach dem seligen Leben, und danach streben merkwürdigerweise alle Menschen, auch diejenigen, die von Gott nichts wissen wollen. Da man aber nur etwas wünschen kann, was man kennt, muss der Mensch eine Erinnerung an Gott besitzen, die diesen Wunsch in ihm wachruft. Menschen, die Gott nicht kennen, suchen alle möglichen Freuden, aber wirkliche Seligkeit findet man nur in der Beziehung zu Gott.

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ (S. 553)

Doch es gibt noch vieles, was Augustinus von Gott trennt. Da alles Irdische Gott unterstellt ist, soll der Mensch nur an Gott selbst Freude haben, nicht an irdischen Dingen. Deshalb ist schon die Freude an der Musik oder wissenschaftliche Neugierde eine Sünde. Diesen hohen Anspruch kann Augustinus selbst nicht erfüllen. Jedoch fühlt er sich trotz seiner Unvollkommenheit von Gott angenommen, denn Gottes Gnade macht ihn gerecht.

Schöpfung, Zeit und Ewigkeit

Wie ist die biblische Schöpfungsgeschichte zu verstehen? Die Welt ist durch Gottes Wort geschaffen. Die spitzfindige Frage, was Gott denn vor der Schöpfung der Welt tat, ist schon im Ansatz falsch: Die Zeit wurde erst zusammen mit der Welt erschaffen. Davor gab es nur die Ewigkeit und somit auch keine Zeit, in der Gott etwas hätte tun können.

„So hast du denn aus nichts Himmel und Erde geschaffen, groß den einen, klein die andere, denn du bist allmächtig und gut und machst alles gut, den großen Himmel und die kleine Erde.“ (S. 599)

Die Zeit ist praktisch nicht greifbar, da sie als Vergangenheit nicht mehr und als Zukunft noch nicht existiert; und die Gegenwart wird so rasch zur Vergangenheit, dass man auch in ihr die Zeit nicht bestimmen oder messen kann. Im Geist des Menschen sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jedoch vorhanden als Erinnerung, Anschauung und Erwartung. Daher lässt sich auch die Zeit nur im menschlichen Geist messen.

„Wir also sehen, was du geschaffen, weil es ist, aber nur darum ist es, weil du es siehst.“ (S. 735)

Eine gründliche Auslegung der ersten beiden Bibelverse legt den Schluss nahe, dass es neben dem sichtbaren Himmel noch einen unsichtbaren geben muss. Den sichtbaren Himmel und die Erde hat Gott aus einer „formlosen Masse“ geschaffen, diese Masse aber aus nichts. Jedoch lassen die biblischen Texte unterschiedliche Deutungen zu. In einer allegorischen Interpretation der Schöpfungsgeschichte lassen sich die einzelnen Phasen der Schöpfung als Sinnbild für die Entstehung der Kirche oder das Leben der Christen deuten.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Bekenntnisse bestehen aus insgesamt 13 Büchern oder Kapiteln. In den ersten neun beschreibt Augustinus sein Leben bis zu seiner Bekehrung. Das zehnte Buch beschäftigt sich mit seinem gegenwärtigen Glauben und leitet mit einer Abhandlung über das Gedächtnis zum philosophisch-theologischen Teil über. Das elfte Buch enthält Gedanken über die Zeit. Mit der Auslegung der Schöpfungsgeschichte im 12. und 13. Buch endet das Werk. Der inhaltliche Bruch zwischen dem autobiografischen und dem religionsphilosophischen Teil ist so augenfällig, dass die letzten drei Bücher in den folgenden Jahrhunderten oft als nachträgliche Ergänzung empfunden und in manchen Ausgaben weggelassen wurden.

Einheitlich ist jedoch der Stil des Werks: Augustinus entwickelt seine Gedanken im ständigen Dialog mit Gott, zahlreiche Passagen sind als Gebet und als Lob Gottes formuliert. Dass der Text von einem Lehrer für Rhetorik verfasst wurde, ist ihm deutlich anzumerken: Es ist ein sprachliches Kunstwerk, durchsetzt mit rhetorischen Fragen, Wortspielen und Bildern, mit zahllosen Bibelzitaten und überschwänglichen Lobreden auf die Güte Gottes. Dadurch wirkt das Werk auf heutige Leser eher befremdlich, ist aber auch beeindruckend durch seine sprachliche Schönheit.

Interpretationsansätze

  • Augustinus vermittelt ein sehr positives Gottesbild: Gott ist vollkommen, unveränderlich und liebevoll, er allein kann alle Bedürfnisse des Menschen erfüllen. Der Mensch ist für eine Beziehung zu Gott geschaffen und findet in dieser den Sinn seines Lebens.
  • Für Augustinus ist Gott zugleich auch die Wahrheit und die Weisheit. Deshalb ist die Suche nach Gott gleichbedeutend mit der Suche nach Erkenntnis. Glaube und Verstand sind keine Gegensätze; neben der Bibel ist auch der menschliche Verstand ein Mittel, um Gott näherzukommen.
  • Radikal, asketisch und lebensfeindlich sind dagegen die Konsequenzen, die Augustinus aus diesem Glauben zieht: Wenn der Mensch nur in Gott glücklich werden kann, dann hat alles irdische Glück keinen Wert. Also ist alles abzulehnen, was sonst im Leben Freude machen könnte: Genuss, Sexualität, Ehrgeiz, Erfolg. Das menschliche Leben wird völlig auf den Glauben reduziert.
  • Ebenso radikal ist die Gnadenlehre des Augustinus: Der Mensch ist von Natur aus sündhaft und kann nur durch die Gnade Gottes gerecht werden, nicht durch eigene Verdienste. Ob ein Mensch angenommen wird oder nicht, entscheidet allein Gott. So kann sich der Mensch nicht dagegen wehren, wenn er von Gott verworfen wird.
  • Problematisch ist auch die Unterordnung der Philosophie unter die Theologie: Wenn das Streben nach Erkenntnis nur das Ziel verfolgen soll, den Menschen näher zu Gott zu bringen, wird die Wissenschaft abgewertet und eingeengt.

Historischer Hintergrund

Der Untergang Roms und der Aufstieg des Christentums

Das vierte und fünfte Jahrhundert n. Chr. waren von zwei wesentlichen Strömungen geprägt. Das Römische Reich, das mit seiner Kultur und seiner militärischen Stärke über Jahrhunderte hinweg die Weltgeschichte bestimmt und in seiner größten Ausdehnung fast die ganze damals bekannte Welt umfasst hatte, befand sich im Niedergang. Von außen wurde es durch die Angriffe der Goten und Alemannen bedroht, von innen durch politische Instabilität. Nach dem Tod von Kaiser Theodosius I. im Jahr 395 kam es zur Teilung in ein Oströmisches und ein Weströmisches Reich. 410 wurde die Stadt Rom, die jahrhundertelang als unbesiegbar galt, von den Westgoten unter Alarich erobert und geplündert. Nur wenige Jahrzehnte später (476) endete mit der Abdankung des Kaisers Romulus Augustulus das Römische Reich im Westen, im Osten konnte es sich noch länger halten.

Die zweite große Strömung dieser Zeit bestand im Aufstieg des Christentums, das sich von einer unterdrückten Sekte zur Staats- und Massenkirche entwickelte. Nach zahlreichen Verfolgungen in den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. wurde unter dem christlichen Kaiser Konstantin die neue Religion mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 anerkannt. Von seinen Nachfolgern kehrte nur Julian Apostata zum alten römischen Kult zurück; 391 erhob Theodosius das Christentum zur Staatsreligion. Mit ihrem Erstarken formte sich die christliche Religion zur Institution Kirche aus und setzte sich auf Konzilen mit verschiedenen Lehrmeinungen auseinander. So rückte die Dogmatik in den Mittelpunkt, Glaubensregeln wurden definiert. Zugleich wuchs der Einfluss der Kirche auf den Staat. In dieser Zeit wirkten Kirchenväter und wichtige christliche Denker wie Gregor von Nyssa, Ambrosius, Hieronymus, Laktanz u. a.

Entstehung

Augustinus hat seine Bekenntnisse vermutlich in den Jahren 397–401 verfasst, also in seinen Anfangsjahren als Bischof von Hippo Regius (Stadt im heutigen Algerien). Im Text selbst nennt er mehrere Gründe, die ihn zur Abfassung des Textes bewogen haben: Er wolle den Menschen zeigen, wie sehr die Begegnung mit Gott sein Leben verändert habe, und die Christen sollten sich mit ihm über das Erreichte freuen und wegen seiner Schwächen für ihn beten. So ist der autobiografische Teil eine Art Lebensbeichte vor Gott und den Menschen, Augustinus legt ein Bekenntnis ab über sein früheres sündiges Leben, seinen Glauben und die Güte Gottes. Darüber hinaus spiegelt der Text in seiner thematischen Vielfalt die Herausforderungen, denen Augustinus als Bischof gegenüberstand. Wie er sich in seinem Amt mit anderen Glaubensrichtungen auseinandersetzen und gültige Glaubensregeln definieren musste, so sind auch seine Bekenntnisse vom Ringen um die Wahrheit und von der Konfrontation mit anderen Lehren, z. B. dem Manichäismus, geprägt.

Wirkungsgeschichte

Augustinus gilt als einer der wichtigsten Kirchenlehrer. Sein Einfluss auf die Theologie und Philosophie Europas ist kaum zu überschätzen, und das nicht nur im positiven Sinn: Mit seiner radikalen Askese, dem Misstrauen gegenüber der Wissenschaft, der Ablehnung der Sexualität und der Unterordnung des menschlichen Handelns unter den Glauben war Augustinus der geistige Wegbereiter des Mittelalters und hat die Theologie der katholischen Kirche bis in die Neuzeit bestimmt. Seine gefühlsbetonte, innige Gottesbeziehung dagegen, die in den Bekenntnissen deutlich zum Ausdruck kommt, prägte die Mystik der folgenden Jahrhunderte. Aber nicht nur die Katholiken, auch die Reformatoren beriefen sich auf Augustinus. Martin Luther knüpfte mit seiner Lehre von der Rechtfertigung des Menschen „allein aus Gnade“ an die augustinische Gnadenlehre an.

Kritik erntete Augustinus schon zu Lebzeiten hauptsächlich wegen dieser Gnadenlehre: Die Vorstellung, dass es einzig und allein von der Gnade Gottes abhänge, ob ein Mensch gerettet oder verworfen wird, stieß auf Widerspruch. Friedrich Nietzsche spottete über die „psychologische Falschheit“ und „hündische Religiosität“ der Bekenntnisse. Augustinus’ Gedanken über das Wesen der Zeit wurden von zahlreichen Philosophen der Neuzeit aufgegriffen, unter ihnen Edmund Husserl, Martin Heidegger, Bertrand Russell, Karl Jaspers und Ludwig Wittgenstein. Daneben sind die Bekenntnisse auch literaturgeschichtlich von Bedeutung: Zwar waren autobiografische Texte schon in der Antike bekannt, aber in den Bekenntnissen wagte zum ersten Mal ein Autor eine kritische Selbstdarstellung. Mit seiner Offenheit und seiner Konzentration auf das eigene Innere wurde Augustinus zum Vorläufer der modernen Autobiografie und des psychologischen Romans und zum direkten Vorbild vieler literarischer Werke. So verfasste z. B. Jean-Jacques Rousseau 1765–1770 eine Autobiografie in Form einer Lebensbeichte und veröffentlichte sie unter dem Titel Les Confessions.

Über den Autor

Augustinus zählt neben Ambrosius, Hieronymus und Gregor zu den vier lateinischen Kirchenlehrern. Geboren wird er am 13. November 354 n. Chr. in Thagaste in Nordafrika. Sein Geburtsort liegt in der numidischen Provinz des Römischen Reiches, im heutigen Algerien. Die religiösen Umbrüche jener Zeit prägen auch sein Leben: Die Mutter ist überzeugte Christin, der Vater lässt sich erst kurz vor seinem Tod taufen. Als Kind erlebt Augustinus die kurzzeitige Rückkehr zu den alten römischen Gottheiten unter Kaiser Julian Apostata. Trotz finanzieller Schwierigkeiten ermöglichen ihm seine Eltern, dem antiken Bildungsideal entsprechend, ein Studium der Rhetorik. Anschließend wirkt Augustinus als Professor für Rhetorik, zuerst in Karthago, später in Rom und ab 384 in Mailand. Nach der Bekehrung zum Christentum im Jahr 386 findet seine Taufe zu Ostern 387 statt. Anschließend lebt er mit Freunden in einer Art klösterlicher Gemeinschaft, ehe er 391 zum Priester geweiht wird und um das Jahr 396 das Amt des Bischofs von Hippo Regius übernimmt, einer Stadt in Nordafrika. Religiöse Konflikte mit Anhängern verschiedener christlicher Lehren schwächen und bedrohen seine Gemeinde und fordern ihn immer wieder zu Auseinandersetzungen heraus. In dieser Zeit wandelt sich seine anfangs recht tolerante Haltung immer mehr in Strenge und Unerbittlichkeit gegenüber Andersdenkenden, sodass er schließlich sogar eine enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat propagiert und mit Hilfe der Staatsgewalt seine Gegner zu unterdrücken versucht. Am 28. August 430 stirbt er in Hippo Regius. Augustinus ist Autor zahlreicher Werke. Überliefert sind rund 500 Predigten, mehr als 200 Briefe und über 100 Schriften, von denen einige recht umfangreich sind. Neben den Bekenntnissen zählen Der Gottesstaat (De civitate dei, entstanden ca. 413–426) und Über die Dreifaltigkeit (De trinitate, 399–419) zu seinen wichtigsten Werken. Augustinus wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt.


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