Zusammenfassung von Bildnis einer Dame

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Bildnis einer Dame Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Psychologischer Roman
  • Moderne

Worum es geht

Die Schwierigkeiten weiblicher Selbstverwirklichung

Was tut eine intelligente und selbstbewusste junge Frau, wenn sie finanziell unabhängig ist und ihr Leben ganz nach ihrem Willen gestalten kann? Diese Frage stellt sich Ralph Touchett, eine Figur in Henry James’ Roman Bildnis einer Dame. Er bewundert seine hübsche und kluge Cousine Isabel Archer und lässt ihr ein Vermögen zukommen, weil er sehen möchte, wieweit sie sich selbst verwirklicht, wenn sie die Möglichkeit dazu hat. Die Antwort ist bald gefunden: Allen Warnungen zum Trotz heiratet die idealistische Isabel einen mittellosen Mann, der sie fasziniert. Dass es bloß ihr Reichtum ist, der ihn anlockt, muss sie später schmerzlich erfahren. Nur Stolz und Pflichtgefühl halten sie davon ab, ihre freudlose Ehe wieder zu beenden. Obwohl der Roman im 19. Jahrhundert spielt, steht ein Thema im Zentrum, das nichts von seiner Bedeutung verloren hat: die Frage nach Selbstbestimmung oder Schicksal, nach den Möglichkeiten und Grenzen persönlicher Freiheit. Der Leser ist bald fasziniert von Isabel Archers Persönlichkeit, von ihren Träumen, ihren hohen Zielen und fatalen Fehlentscheidungen. Ein zutiefst menschliches Buch, das zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur gehört.

Take-aways

  • Der Roman Bildnis einer Dame ist eines der wichtigsten Werke des amerikanischen Schriftstellers Henry James.
  • Inhalt: Die junge Isabel Archer ist intelligent und selbstbewusst. Durch eine große Erbschaft wird sie auch finanziell unabhängig. Dann heiratet sie aus Idealismus den mittellosen Gilbert Osmond. Die beiden führen eine unglückliche Ehe, und schließlich erfährt Isabel, dass sie einer Intrige zum Opfer gefallen ist: Osmond war nur hinter ihrem Geld her. Trotzdem kehrt sie nach einer Reise zu ihm zurück.
  • Das Buch vermittelt ein eher düsteres Weltbild: Trotz aller Bemühungen werden die Figuren nicht glücklich.
  • Ein zentrales Thema sind die Möglichkeiten und Grenzen persönlicher Freiheit.
  • Der Roman entstand ab 1879 in Florenz und Venedig und wurde 1880/81 zunächst als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht.
  • Die psychologisch ausgefeilte Darstellung der Charaktere machte das Buch berühmt.
  • Henry James wurde zum Vorbild für viele Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts, etwa Joseph Conrad oder James Joyce.
  • Das Buch hat deutliche autobiografische Bezüge; James verarbeitete seine eigenen Erfahrungen als Amerikaner in Europa.
  • Er war einer von zahlreichen amerikanischen Schriftstellern, die ihren Wurzeln in der europäischen Kultur nachspürten.
  • Zitat: „Du wolltest dir selber das Leben ansehen, aber es war dir nicht vergönnt, schon für diesen Wunsch wurdest du bestraft. Du warst das Korn in der Mühle der Konvention.“ (Ralph zu Isabel)
 

Zusammenfassung

Besuch aus Amerika

In einem Landhaus in England leben der alte, kranke Mr. Touchett und sein Sohn Ralph Touchett. Mr. Touchett ist Amerikaner und hat in England als Bankier ein Vermögen verdient. Seine exzentrische Ehefrau Mrs. Touchett lebt schon lange ihr eigenes Leben und hält sich nur noch gelegentlich bei ihrer Familie auf. Ralph leidet an Tuberkulose und hat deshalb seine Stellung in der Bank des Vaters aufgeben müssen. Eines Abends trifft Mrs. Touchett wieder ein, in Begleitung ihrer Nichte Isabel Archer, die der Familie bisher nicht bekannt war. Isabel ist Anfang 20 und Vollwaise. Sie ist recht frei aufgewachsen und hat nie eine geregelte Ausbildung genossen, macht dies aber mit ihrer Intelligenz und Wissbegierde wett. Auch für ihre Schönheit wird sie gelobt, und so kann sie nicht umhin, sich für etwas Besonderes zu halten. Sie ist fest entschlossen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Zwei Verehrer

Bei den Touchetts lernt Isabel den jungen Lord Warburton kennen, der in der Nachbarschaft lebt. Obwohl er Aristokrat ist, vertritt er liberale Gedanken. Warburton verliebt sich auf den ersten Blick in Isabel und macht ihr bald einen Heiratsantrag. Er wäre eine glänzende Partie und Isabel schätzt ihn sehr, weist ihn aber dennoch ab. Für sie kommt der Antrag zu plötzlich, und sie möchte sich jetzt noch nicht binden. Fast zeitgleich kündigt sich ein zweiter Verehrer an: Der wohlhabende Caspar Goodwood, dem Isabel kurz vor ihrer Abreise nach Europa bereits einen Korb gegeben hat. Goodwood ist ihr nach England nachgereist und hält sich in London auf. Er kann sich mit der Zurückweisung nicht abfinden und möchte Isabel unbedingt noch einmal sprechen. Inzwischen ist auch Isabels Freundin Henrietta Stackpole angekommen, die als Journalistin tätig ist und beruflich in England zu tun hat. Auch sie wohnt für einige Zeit bei den Touchetts. Henrietta würde es begrüßen, wenn Isabel Goodwood heiratete. Sie drängt sie, mit ihr nach London zu fahren, unter dem Vorwand, das Leben in der Metropole kennen lernen zu wollen. Ralph Touchett schließt sich den beiden Damen an, und sie verbringen zusammen einige Tage in London.

Heiratsunwillig

Eines Abends sitzt Isabel allein in ihrem Hotelzimmer, da steht plötzlich Caspar vor der Tür. Henrietta hat ihm mitgeteilt, wo ihre Freundin zu finden ist. Er drängt Isabel erneut zur Heirat. Sie wehrt sich und sagt, dass sie überhaupt nicht heiraten möchte. Um Caspar loszuwerden, bittet sie ihn schließlich, sie wenigstens noch für zwei Jahre in Ruhe zu lassen. Unterdessen erfährt Ralph, dass sich der Gesundheitszustand seines Vaters dramatisch verschlechtert hat. Er reist noch am selben Tag zurück, und Isabel begleitet ihn; Henrietta dagegen bleibt in London. Auf dem Landgut angekommen, lernt Isabel Madame Merle, eine Freundin von Mrs. Touchett, kennen. Der alte Mr. Touchett ist kaum noch bei Bewusstsein, doch eines Abends kann er noch einmal mit seinem Sohn sprechen. Er bittet Ralph, etwas mit seinem Leben anzufangen und Isabel zu heiraten. Ralph ist dagegen. Zwar verehrt er Isabel, doch er rechnet sich keine großen Chancen bei ihr aus. Außerdem ist er selbst schwer krank. Er hat allerdings einen Wunsch: Isabel soll die Hälfte des großen Vermögens erben, das eigentlich ihm selbst zugedacht war. Er mag Isabels eigenständige Art und möchte wissen, wie sie ihr Leben gestalten wird, wenn sie finanziell unabhängig ist.

Eine reiche Erbin

Während Mr. Touchetts Krankheit schließt sich Isabel immer enger an Madame Merle an, die eine geschiedene Frau mit angenehmen Umgangsformen ist. Isabel bewundert ihre neue Freundin und bespricht bald auch vertrauliche Dinge mit ihr. Dann stirbt Mr. Touchett, und Isabel erbt eine enorme Summe, was Mrs. Touchett so überrascht, dass sie mit Madame Merle darüber spricht. Einige Zeit später reisen Mrs. Touchett und Isabel nach Florenz. Auch Ralph verbringt den Winter dort, seiner Gesundheit zuliebe. Madame Merle hält sich ebenfalls dort auf, und sie hat einen Plan. Da sie nun weiß, wie reich Isabel ist, möchte sie sie mit einem Bekannten verkuppeln, Gilbert Osmond. Dieser hat wenig Geld und geht keiner geregelten Tätigkeit nach. Stattdessen sammelt er Antiquitäten und verbringt seine Zeit mit Aquarellmalen. Er ist verwitwet und hat eine 15-jährige Tochter, Pansy. Als Madame Merle Osmond von der reichen und schönen Isabel erzählt, erwacht sein Interesse.

In Rom

Nun sorgt Madame Merle dafür, dass die beiden sich treffen. Osmond gibt sich alle Mühe, Isabel zu beeindrucken, und zeigt ihr seine Kunstschätze. Isabel ist fasziniert von dem zurückhaltenden, gebildeten Witwer. Er erscheint ihr ganz anders als die Männer, die sie bisher kennen gelernt hat. Mrs. Touchett und Ralph dagegen mögen Osmond nicht besonders. Sie hegen den Verdacht, dass er nur auf Isabels Vermögen aus ist. Doch die idealistische Isabel denkt gar nicht daran, dass Osmond finanzielle Interessen haben könnte. Ralph schlägt einen längeren Aufenthalt in Rom vor – um die beiden zu trennen. Isabel ist entzückt und lädt Osmond ein, doch nachzukommen. Bei einer Stadtbesichtigung in Rom steht plötzlich Lord Warburton vor ihr. Spontan erneuert er seinen Heiratsantrag, denn er hat Isabel die ganze Zeit über nicht vergessen können. Doch Isabel lehnt erneut ab. Als wenig später auch Osmond in Rom eintrifft und Warburton sieht, welche Sympathien Isabel für ihn hegt, reist er ab. Auch Isabel muss Rom bald verlassen, weil ihre Tante weiterreisen möchte. Beim Abschied gesteht Osmond der jungen Frau seine Liebe, doch Isabel ist bei ihm ebenso unschlüssig wie bei allen anderen Heiratskandidaten. Osmond drängt sie nicht.

Eheunglück

Ein Jahr später kehrt Isabel nach Florenz zurück, und nun entscheidet sie sich, Osmond zu heiraten – ein Entschluss, der bei Mrs. Touchett und Ralph Entsetzen auslöst. Ralph versucht, Isabel zu warnen. Er hat das Gefühl, dass Osmond sie ebenso kühl und überlegt ausgesucht hat wie ein ausgefallenes Stück für seine Antiquitätensammlung – ohne sie wirklich zu lieben. Doch Isabel lässt sich nicht beirren. Sie bewundert Osmond und möchte ihm mit ihrem Geld etwas Gutes tun.

„Nun, Sie können sich verlieben, in wen Sie wollen, aber verlieben Sie sich nicht in meine Nichte.“ (Mr. Touchett zu Lord Warburton, S. 19)

Etwa drei Jahre später ist das Verhältnis zwischen Isabel und ihrem Mann bereits abgekühlt. Isabel hat inzwischen feststellen müssen, dass Osmond nicht der unabhängige Charakter ist, für den sie ihn gehalten hat. Er ist im Gegenteil sehr auf Konventionen bedacht und will sie in das Korsett gesellschaftlicher Pflichten zwängen. Während ihrer Verlobungszeit hat sie ihm zuliebe ihre eigenen Wünsche und Ansichten völlig hintangestellt, doch nun kommt ihr unabhängiges Wesen wieder zum Vorschein, was Osmond erschreckt und abstößt. So leben beide nebeneinander her, mit mehr und mehr Verachtung für den anderen. Doch Isabel kann sich nicht eingestehen, dass sie unglücklich ist, und zwingt sich dazu, wenigstens nach außen den Schein zu wahren – immerhin ist sie diese Ehe gegen alle Widerstände eingegangen.

Die nächste Generation

Auf einer Abendgesellschaft bei den Osmonds taucht überraschend Lord Warburton auf. Er hat Ralph, dem es immer schlechter geht, nach Italien begleitet. Isabel erscheint ihm verändert, viel zurückhaltender als früher. Gegen den Willen ihres Mannes ist sie nun häufig bei Ralph zu Besuch. Dieser ahnt bald, wie es um ihre Ehe steht, und hat ein schlechtes Gewissen. Schließlich hat er Isabel das großzügige Erbe verschafft, und gerade dieser Reichtum hat sie ins Unglück gestürzt. Bald zeigt Warburton Interesse für Pansy. Die ist zwar in den jungen Edward Rosier verliebt, doch Osmond stellt sich eher vor, dass seine Tochter einen Lord heiraten würde; ein Mann wie Rosier hat seiner Ansicht nach nicht genug Geld. Osmond weiß, dass Warburton Sympathien für Isabel hegt, und so befiehlt er ihr eines Abends, ihren Einfluss bei dem Lord geltend zu machen, damit die Heirat zustande kommt. Isabel packt die Angst. Sie will nicht das Machtinstrument ihres Mannes sein; zugleich fürchtet sie, dass Warburton Pansy nur heiraten möchte, um ihr selbst näher zu sein.

Eine gescheiterte Verbindung

Isabels Befürchtungen bestätigen sich, als sie auf einem Ball zusammen mit Pansy auf Lord Warburton trifft: Dieser bemüht sich sichtlich um Isabel, nicht aber um ihre Stieftochter. Nun hat Isabel ein Problem: Ihr Gewissen sträubt sich dagegen, Pansy mit einem Mann zu verkuppeln, der sie nicht liebt. Das bedeutet aber, dass sie sich gegen die Pläne ihres Mannes auflehnen muss. Pansy ihrerseits hat nur Interesse an Rosier. Warburtons nächster Besuch bei den Osmonds ist ein Abschied – der Lord reist zurück nach England. Von einem Heiratsantrag an Pansy ist nicht mehr die Rede. Osmond ist überzeugt, dass seine Frau die Verbindung absichtlich verhindert hat, und macht ihr eine Szene. Später schaut Henrietta bei Isabel vorbei, weil sie das Gefühl hat, dass ihre Freundin unglücklich ist – deren Briefe haben sich so verändert. Henrietta gegenüber kann Isabel endlich zugeben, wie es um ihre Ehe steht. Henrietta rät ihr zu einer Trennung, doch Isabel sträubt sich. Sie hat sich aus freien Stücken für Osmond entschieden und glaubt, jetzt auch die Konsequenzen tragen zu müssen.

Neue Konflikte

Kurz darauf beschließt Ralph, nach England zurückzukehren – er wird immer schwächer und möchte zu Hause sterben. Als Madame Merle erfährt, dass aus der Verbindung zwischen Lord Warburton und Pansy nichts geworden ist, ist sie außer sich. Isabel versteht diese Reaktion nicht; zugleich sieht sie, wie sehr Osmond und Madame Merle bei der Partnerwahl auf Reichtum achten. Nun begreift sie, dass die Touchetts Recht hatten: Osmond hat sie nur des Geldes wegen geheiratet, und Madame Merle war die Kupplerin. Diese Erkenntnis erschüttert Isabel: Gerade sie, die sich für klug hielt und sich ihren Mann mit Bedacht aussuchen wollte, hat sich täuschen lassen. Um Pansy gefügig zu machen, verbannt Osmond sie kurzerhand in ein Kloster, ohne Isabel überhaupt etwas davon zu sagen.

Eine ungeahnte Entdeckung

Isabel erhält ein Telegramm aus England: Ralph liegt im Sterben und möchte sie noch einmal sehen. Isabel möchte sofort abreisen, aber Osmond ist dagegen. Seiner Ansicht nach ist die Reise nicht notwendig, und seine Frau hat sich nach seinen Wünschen zu richten. Isabel ist verzweifelt. Sie möchte Ralph unbedingt noch einmal sehen, will aber auch ihre Pflichten als Ehefrau nicht vernachlässigen. Da trifft sie auf Amy, Osmonds Schwester, die gerade zu Besuch ist. Amy ist erstaunt über Isabels Gewissenskonflikte. Um ihr die Entscheidung leichter zu machen, verrät sie Isabel ein lange gehütetes Familiengeheimnis: Osmond und Madame Merle hatten über mehrere Jahre ein Verhältnis, während sie beide noch verheiratet waren. Pansy stammt nicht aus Osmonds erster Ehe, sondern aus dieser Verbindung. Um allen Verdächtigungen aus dem Weg zu gehen, hat Osmond sie später als seine eheliche Tochter ausgegeben, die noch kurz vor dem Tod seiner Frau zur Welt gekommen sei. Inzwischen ist Osmonds Interesse an Madame Merle längst erloschen, aber sie hat ihm immerhin noch eine reiche Frau verschafft. Isabel ist von dieser Eröffnung wie erschlagen. Noch am selben Tag bricht sie nach England auf, ohne Osmond zu benachrichtigen. Nur von Pansy verabschiedet sie sich noch. Das Mädchen hat genug vom Klosterleben und ist jetzt bereit, jeden Mann zu heiraten, den ihr Vater für sie bestimmt. Sie nimmt Isabel das Versprechen ab zurückzukommen.

Wieder in England

Bei Isabels Ankunft ist Ralph schon so schwach, dass er kaum noch sprechen kann. Am Abend vor seinem Tod können die beiden ein letztes Mal miteinander reden. Jetzt lässt Isabel ihre Maske fallen und gesteht ihrem Cousin, wie unglücklich sie ist. Ralph versucht ihr Mut zu machen: Isabel sei noch jung und könne in ihrem Leben vieles ändern. In der folgenden Nacht stirbt er; am Begräbnis nehmen auch Lord Warburton und Caspar Goodwood teil. Isabel bleibt noch einige Zeit bei Mrs. Touchett. Ihr Pflichtgefühl sagt ihr, dass sie wieder zu ihrem Mann zurückkehren sollte, doch sie kann sich nicht überwinden. Eines Tages kommt Warburton zu Besuch. Angeblich ist er seit Kurzem verlobt, er macht aber einen sehr unglücklichen Eindruck. Auch Goodwood taucht wieder auf. Er hat Ralph vor seinem Tod versprochen, sich um Isabel zu kümmern, solange sie in England sei, und er hält dieses Versprechen gerne ein. Er liebt Isabel noch immer, weiß um ihre unglückliche Ehe und möchte ihr helfen. Deshalb bietet er ihr an, einfach mit ihm zu kommen; er will für sie da sein. Isabel spürt Goodwoods Zuneigung und ist von diesem Gefühl ergriffen, aber als Goodwood sie küssen will, flieht sie ins Haus. Zwei Tage später sucht er Isabel bei Henrietta in London, doch sie ist nach Rom abgereist. Goodwood ist am Boden zerstört. Henrietta rät ihm zur Geduld.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der umfangreiche Roman ist in 55 Kapitel gegliedert. Ein namenloser Erzähler berichtet das Geschehen, er spricht den Leser hin und wieder direkt an und bezieht ihn in die Geschichte ein, indem er öfters in der Wir-Form schreibt. Die Handlung beginnt kurz vor Isabels Ankunft auf dem Gut der Touchetts und endet mit ihrer überstürzten Heimreise nach Rom. Auffällig ist, dass der Erzähler gerade die wichtigsten Ereignisse in Isabels Leben – ihre Zustimmung zu Osmonds Heiratsantrag, ihre Verlobung und ihre Hochzeit – nur am Rande erwähnt. Ausführlich geschildert wird das Jahr zwischen Isabels Ankunft in England und dem Abschied von Osmond. Dann setzt die Handlung ein Jahr später wieder ein, nach der Verlobung. Der letzte Handlungsblock beginnt etwa drei Jahre nach der Hochzeit, im Jahr 1876 – übrigens die einzige konkrete Zeitangabe im Roman. Das Geschehen wird überwiegend aus Isabels Perspektive erzählt, hin und wieder auch aus der Sicht anderer Figuren. Der Stil des Romans ist eher langatmig und behäbig, James ergeht sich in ausführlichen Beschreibungen mit langen, verschachtelten Sätzen. Diese Passagen wechseln sich mit langen Dialogen ab.

Interpretationsansätze

  • Persönliche Freiheit und Selbstbestimmung sind die zentralen Themen von Bildnis einer Dame. Der Roman zeichnet ein pessimistisches Bild: Auch wenn Menschen fest entschlossen sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, ist das noch lange keine Garantie für eine glückliche Zukunft. Oft können sie zum Zeitpunkt der Entscheidung die Folgen ihres Handelns gar nicht abschätzen. So sind sie auch bei allem guten Willen letztlich dem Schicksal ausgeliefert. Die Freiheit ist für James folglich kein ausschließlich positiver Wert: Die Möglichkeit zur freien Entscheidung birgt immer auch das Risiko des Scheiterns.
  • James zeichnet eine Welt, in der sich Hilfsbereitschaft nicht auszahlt. Gerade dort, wo Menschen etwas Gutes tun wollen, etwa durch Geld, richten sie mehr Schaden an. Wer seinen Idealen folgt, wird blind für die Realität und läuft Gefahr, zum Spielball anderer zu werden. Ein übertriebenes Pflichtgefühl kann der Lösung von Problemen im Weg stehen. Umgekehrt gilt aber auch: Wer andere skrupellos ausnutzt, wie Osmond und Madame Merle, wird durch diese Intrigen nicht glücklicher.
  • Unglückliche Beziehungen spielen in Bildnis einer Dame eine wichtige Rolle. Während viele der Figuren auf Partnersuche sind, gibt es zugleich keine einzige Beziehung, die auf Dauer funktioniert. Ehen werden arrangiert und scheitern; ältere Ehepaare wie die Touchetts haben sich längst voneinander entfremdet; Liebe ist oft einseitig und wird nicht erwidert.
  • Manche sehen in Isabels Verhalten eine Flucht vor Gefühlen und Sexualität. Deshalb entscheide sie sich gegen die beiden leidenschaftlichen Verehrer Warburton und Goodwood und für den gefühlskalten Osmond.
  • Henry James zeichnet ein düsteres Bild der Welt: Seine Helden suchen auf unterschiedliche Weise nach Lebenssinn und Glück – in Beziehungen, Reichtum, Idealismus oder Selbstbestimmung. Doch welchen Weg sie auch einschlagen, sie scheitern irgendwann und finden das ersehnte Glück nicht.

Historischer Hintergrund

Amerikanische Schriftsteller in Europa

Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zog es Millionen von Auswanderern aus Europa in die USA. Zur gleichen Zeit kehrten zahlreiche amerikanische Schriftsteller und andere Künstler ihrer Heimat zumindest vorübergehend den Rücken und zogen es vor, in Europa zu leben. Ihr Bestreben war es, die Wurzeln ihrer Kultur besser kennen zu lernen. Denn die damals noch junge US-amerikanische Kultur hatte sich aus der europäischen entwickelt; zahllose europäische Auswanderer hatten ihre Traditionen mit in die neue Heimat gebracht. Zudem waren die USA vor ihrer Unabhängigkeit eine britische Kolonie gewesen und entsprechend stark vom Mutterland beeinflusst.

Der heute bekannteste Europareisende jener Zeit ist Mark Twain, der 1867 und 1878 den Kontinent durchstreifte und seine Erfahrungen in mehreren Reiseberichten veröffentlichte. Einige Jahre zuvor war Washington Irving, einer der ersten wichtigen Schriftsteller des jungen amerikanischen Staates, nach Europa gereist. Aus gesundheitlichen Gründen unternahm er in den Jahren 1804–1806 eine Europareise und ließ sich zwischen 1815 und 1832 in England nieder, von wo aus er öfter in andere europäische Länder reiste. James Fenimore Cooper, den Autor eines so uramerikanischen Werkes wie Lederstrumpf, zog es ebenfalls für einige Jahre auf den alten Kontinent: Zwischen 1826 und 1833 lebte er mit seiner Familie in Frankreich. Auch die Schriftsteller Ralph Waldo Emerson und Nathaniel Hawthorne suchten in Europa nach Inspiration.

Diese Entwicklung erlebte einen zweiten Höhepunkt in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Doch nun kamen die Schriftsteller aus anderen Motiven. Paris war damals die Hauptstadt der Moderne, der Treffpunkt der Avantgarde. Anders als in den eher konservativ geprägten USA war das Publikum hier aufgeschlossen für Neues, auch Provozierendes. Das zog Künstler wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder Ezra Pound an: Sie alle lebten in den 1920er Jahren in Paris.

Entstehung

Henry James begann die Arbeit an Bildnis einer Dame während eines Aufenthaltes in Florenz im Frühjahr 1879. Ein Jahr später widmete er dem Roman noch einmal viel Zeit, als er sich in Venedig aufhielt – so schildert er es selbst in seinem Nachwort. In diesem Werk verarbeitete James zahlreiche Erfahrungen seiner eigenen Biografie. Wie Isabel Archer wuchs auch der Autor recht frei auf und reiste schon als Kind viel mit seinem wohlhabenden Vater.

Die Schauplätze des Romans kannte James aus eigener Anschauung; und das Milieu der reichen Amerikaner im Ausland, in dem sich Isabel mit ihrer Tante bewegt, war ihm schon seit Kindertagen wohlbekannt. Auch James hatte sich als Ausländer in England niedergelassen, er war also mit den kulturellen Gegensätzen vertraut, mit denen sich seine Heldin Isabel im Roman auseinandersetzen muss. Möglicherweise gibt es für die Figur der Isabel sogar ein reales Vorbild – eine Cousine von James, die dieser sehr verehrte und die jung an Tuberkulose starb.

Wirkungsgeschichte

Bildnis einer Dame erschien ab Herbst 1880 zunächst als Fortsetzungsroman in der britischen Literaturzeitschrift Macmillan’s Magazine und wenig später in der US-amerikanischen Zeitschrift The Atlantic Monthly. 1881 folgte die Buchausgabe in England und Amerika. Der Roman fand von Anfang an bei Publikum und Kritik großen Anklang und sorgte dafür, dass Henry James schon zu Lebzeiten als Schriftsteller großen Ruhm genoss.

Noch heute gilt Bildnis einer Dame als eines der wichtigsten Werke der amerikanischen Literatur. Berühmt geworden ist der Roman vor allem wegen der psychologisch ausgefeilten Figurenzeichnungen. Henry James wurde damit zu einem Wegbereiter der Moderne, zu einem Vorbild für Autoren wie Joseph Conrad. Seine intensiven Einblicke in die Gedankenwelt der Figuren nahmen die Technik des Bewusstseinsstroms vorweg, die James Joyce einige Jahrzehnte später in seinen Werken zur Perfektion führte. Bildnis einer Dame wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

1996 entstand ein Kinofilm unter der Regie von Jane Campion, mit Nicole Kidman und John Malkovich in den Hauptrollen.

Über den Autor

Henry James gilt in der angelsächsischen Welt als großer Klassiker der Literatur um 1900, als Meister des subtilen psychologischen Romans und Wegbereiter der literarischen Moderne. Am 15. April 1843 in eine großbürgerliche, wohlhabende und intellektuelle New Yorker Familie hineingeboren, erhält er eine umfassende Bildung und lernt schon früh die Klassiker der Weltliteratur kennen. Sein Vater ist einer der angesehensten amerikanischen Intellektuellen, befreundet mit Denkern wie Thoreau, Emerson und Hawthorne. Henry James’ Bruder William wird Psychologieprofessor in Harvard und Begründer des Pragmatismus in der Philosophie. Henry James selbst studiert, nachdem er in seiner Jugend Europa bereist hat, für kurze Zeit Jura in Harvard und betätigt sich bald als Journalist, zunächst als Kritiker, dann auch als Zeitungskorrespondent in Paris. 1876 siedelt er nach England über, wo er sich endgültig niederlässt. Viele seiner berühmten Romane und Erzählungen wie Daisy Miller (1878), Die Europäer (The Europeans, 1878) oder Die Gesandten (The Ambassadors, 1903) spielen vor dem Hintergrund der Begegnungen vornehmer Amerikaner mit Europäern. Der Gegensatz zwischen Alter und Neuer Welt, zwischen europäischer Kultur und amerikanischer Naivität spielt in seinem Werk eine wichtige Rolle. Da Henry James vermögend und somit finanziell unabhängig ist, kann er sich ganz dem Schreiben und seinen intellektuellen Interessen widmen. Auch in England steht er in engem Kontakt zu den führenden Geistern seiner Epoche. 1904/05 reist James nach 25 Jahren erstmals wieder in die Vereinigten Staaten, unter anderem um die Ausgabe seiner gesammelten Werke vorzubereiten und zu begleiten, darunter sein meistgelesenes Buch, die Gespenstergeschichte Das Durchdrehen der Schraube (The Turn of the Screw, 1898). 1915 erwirbt Henry James die englische Staatsbürgerschaft. Er stirbt am 28. Februar 1916 im Londoner Stadtteil Chelsea.


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