Zusammenfassung von Coriolanus

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Coriolanus Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Tragödie
  • Elisabethanische Ära

Worum es geht

Ein antidemokratischer Antiheld

Krieg kann er gut, Politik eher nicht und Demokratie erst recht nicht: Der römische Kriegsheld Coriolanus ist bei allem Kampfesmut ein Unsympath, eine erstaunlich negative Figur. Im Zentrum der Handlung stehend, bewegt er sich charakterlich und politisch keinen Deut. Er verachtet das Volk und findet es ein Unding, dass diese Plebejer jetzt Mitspracherechte haben und er sie um ihre Stimmen bitten muss, wenn er Konsul werden will. Er verspottet und beschimpft sie – sehr zum eigenen Nachteil, denn das bringt ihm die Verbannung und, nach einer weiteren Wendung, den Tod. Coriolanus zählt nicht zu den großen Shakespeare-Tragödien; dafür ist die Hauptfigur nicht tief und nicht wortmächtig genug. Seine Widersprüchlichkeiten sind schnell erzählt, und zwar von anderen, denn große Monologe sind seine Sache nicht. Trotzdem ist auch dieses Stück solide gebaut und hält einige überraschende Umschwünge bereit. Coriolanus gilt als Shakespeares politischstes Stück, wegen der Parallelen zwischen Rom im Übergang zur Republik und England unter Jakob I. – aber auch, weil es in seiner Aufführungsgeschichte von der radikalen Rechten wie von der radikalen Linken vereinnahmt werden konnte. Die Debatte über Shakespeares politische Position hält bis heute an.

Take-aways

  • Coriolanus ist Shakespeares politischste Tragödie.
  • Inhalt: Der römische Kriegsheld Coriolanus will Konsul werden. Vom adligen Senat wird er gewählt, aber er scheitert am Volk, das er verachtet. Er wird aus Rom verbannt und verbündet sich mit seinem Erzfeind Aufidius gegen Rom. Kurz vor dem Angriff gelingt es seiner Mutter, ihn umzustimmen. Daraufhin wird er von Aufidius erstochen.
  • Das Kernthema ist der Konflikt zwischen Adel und Volk.
  • Die Hauptfigur Coriolanus ist ein großer Krieger, aber hochmütig. Er verachtet das einfache Volk und ist gegen dessen Recht auf Mitbestimmung.
  • Prägend für Coriolanus und schließlich auch verantwortlich für seinen Untergang ist seine dominante, ehrgeizige Mutter.
  • Das Volk wird einerseits als Opfer von Benachteiligung, andererseits als wankelmütig und leicht manipulierbar dargestellt.
  • Über die politische Positionierung des Autors wurde viel gestritten; eine eindeutige Parteinahme Shakespeares ist nicht erkennbar.
  • Das Stück wurde sowohl von der politischen Rechten als auch von der Linken für die eigenen Zwecke reklamiert.
  • Coriolanus hat viele Bearbeitungen erfahren. Die bekannteste deutsche stammt von Bertolt Brecht.
  • Zitat: „Der tiefsten Hölle Glut verschling das Volk!“
 

Zusammenfassung

Aufruhr in Rom

Die Bürger in Rom empören sich über die Teuerung des Getreides. Sie schimpfen auf den Adel, besonders auf Cajus Marcius, der das Volk immer besonders schlecht behandelt habe. Ihn wollen sie sogar töten, um dann die Getreidepreise selbst bestimmen zu können. Menenius Agrippa tritt zu ihnen. Obwohl auch er ein Adliger ist, respektieren sie ihn, weil er dem Volk immer zugetan war. Auf ihren Ärger über den Adel antwortet er mit einem Gleichnis: Einst gerieten die Körperteile untereinander in Streit und klagten den Bauch an, dass er als Einziger faul sei und nur immer ans Essen denke. Der Bauch antwortete, dass er das Vorratshaus sei und alle mit dem versorge, was sie benötigen. Der Bauch, so Menenius weiter, sei ein Bild für den Adel, die Bürger seien die Glieder. In Wirklichkeit verdankten sie also dem Adel alles.

„Das, wovon der Adel schwelgt, würde uns ernähren.“ (ein Bürger, S. 5)

Marcius tritt hinzu und beleidigt gleich die Bürger. Er verachtet das einfache Volk und macht daraus keinen Hehl. Er berichtet Menenius empört, dass dem Volk jetzt als Folge von dessen Protest fünf Tribune als Vertretung im Senat zugestanden wurden.

Krieg gegen die Volsker

Da kommt ein Bote und meldet, dass die Volsker, ein aufständisches Volk, mal wieder Krieg gegen Rom führen. Marcius zieht mit Freude in den Kampf gegen seinen Erzfeind Tullius Aufidius, den Anführer der Volsker. Er hasst und schätzt ihn zugleich, denn in ihm sieht er einen nahezu ebenbürtigen Gegner.

„Wenn wir und Cajus Marcius uns begegnen / So ist geschworen, dass der Kampf nicht endet, / Bis einer fällt.“ (Aufidius, S. 14)

Marcius’ Mutter Volumnia und seine Frau Virgilia sitzen zu Hause und warten voller Angst darauf, dass Marcius aus dem Krieg heimkehrt. Sie preisen seine Herrlichkeit. Virgilia will so lange das Haus nicht verlassen, bis er wohlbehalten zurück ist – trotz hartnäckiger Versuche ihrer Freundinnen, sie auf andere Gedanken zu bringen. Eine dieser Freundinnen kommt mit Neuigkeiten: Römer belagern die Volsker-Stadt Corioli, während der Großteil des Volsker-Heers dem römischen Heer entgegenzieht.

„Warum soll hier mit Wolfsgeheul ich stehen, / Um Hinz und Kunz und jeden anzuflehn / Um nutzlos Fürwort?“ (Marcius, S. 46)

Der Kampf vor Corioli ist hart. Zuerst sieht es für die Volsker besser aus, dann für die Römer. Als die Volsker in ihre Stadt flüchten, verfolgt Marcius sie. In diesem Moment werden die Tore geschlossen, sodass er ganz allein in der Stadt gegen die Feinde kämpfen muss. Die Römer geben ihn schon verloren, da kommt er verletzt und von Feinden verfolgt zurück. Die Römer stürmen daraufhin die Stadt. Trotz seiner Verwundung will Marcius sofort weiterkämpfen: auf dem Schlachtfeld zwischen Corioli und Rom. Dort trifft er auf Aufidius, den er besiegt, der aber entkommt. Marcius hat Unglaubliches vollbracht und wird als Held gefeiert. Er zeigt sich aber weder an Ehrungen noch an der Kriegsbeute interessiert.

Fast auf dem Höhepunkt der Macht

Von großem Jubel begleitet kehrt Marcius nach Rom zurück. Alle staunen ihn an und bewundern ihn. Er bekommt den Beinamen Coriolanus, weil er die Stadt Corioli so heldenhaft besiegt hat. Die beiden Volkstribune Sicinius und Brutus machen sich Sorgen, weil sie davon ausgehen, dass Marcius nun bald Konsul sein wird – das allerdings, so sind sie überzeugt, wäre das Ende der Mitbestimmung des Volks. Sie beschließen, die Bürger daran zu erinnern, dass Marcius sie immer gehasst hat.

„Wollt Ihr die Bahn, / Die Ihr begannt, vollenden, sucht den Weg, / Den Ihr verloren habt, mit sanfterm Geist. / Sonst könnt Ihr nimmermehr als Konsul herrschen.“ (Sicinius zu Marcius, S. 53)

Tatsächlich ist Marcius einer von drei Kandidaten um das Amt des Konsuls, und der Senat will, dass er den Posten erhält. Ein Senator bittet Sicinius und Brutus, beim Volk ein gutes Wort für Marcius einzulegen, denn die Bürger Roms müssen ihm noch ihre Stimmen schenken, damit er Konsul werden kann. Sicinius und Brutus sagen, dass Marcius dann aber freundlicher als bisher zum Volk sein müsse.

„Ihr sprecht vom Volk, / Als wäret Ihr ein Gott, gesandt zu strafen / Und nicht ein Mensch, so schwach wie sie.“ (Brutus zu Marcius, S. 54)

Dann hält Konsul Cominius eine Lobrede auf Marcius: Schon als Kind sei er der mutigste und beste Kämpfer gewesen, dazu immer sehr bescheiden. Der Senat bestätigt Marcius, dass er ihn zum Konsul machen will. Jetzt muss Marcius nur noch das Volk anreden und ihm seine Kriegswunden zeigen, so will es der Brauch. Marcius bittet darum, ihm diesen Brauch zu erlassen, doch das gewährt man ihm nicht.

„Das Volk nur ist die Stadt.“ (die Bürger, S. 58)

Unter den Bürgern ist man sich uneinig, ob man ihm die Stimme schenken soll: Einerseits bewundert man ihn als ruhmreichen Helden, andererseits hat man ihn noch nie freundlich erlebt. Widerstrebend mischt sich Marcius unters Volk, er bringt es kaum über sich, um Stimmen zu bitten und windet sich um das Bitten und Freundlichsein herum. Er verweist auf seinen Einsatz in den Kriegen und erhält so einige Stimmen. Dann sagt Menenius, dem Brauch sei nun Genüge getan. Gleich werde er in einer Senatssitzung zum Konsul ernannt werden.

Die Stimmung kippt

Brutus und Sicinius treten zu den Bürgern. Auf Nachfrage sagen diese, sie hätten sich von Marcius viel eher verhöhnt gefühlt, als dass dieser freundlich um Stimmen gebeten hätte. Und seine Wunden habe er ihnen auch nicht gezeigt. Die Volkstribune erinnern das Volk daran, dass es von Marcius immer verachtet worden ist. Daraufhin sind die Bürger entschlossen, Marcius’ Ernennung zum Konsul noch zu verhindern.

„Die Macht der bürgerlichen Strenge fühl’ er, / Die ihm so nichtig dünkt.“ (Sicinius über Marcius, S. 60)

Als Coriolanus von Brutus und Sicinius hört, dass die Stimmung im Volk sich nun gegen ihn gewendet hat, lästert er sowohl über die Volkstribune, die zu Unrecht ein Mitspracherecht hätten, wie auch über das Volk. Er wittert sogleich, dass die Tribune das Volk aufgehetzt haben. Sicinius und Cominius mahnen Coriolanus zur Mäßigung, damit er nicht alles verdirbt, aber dieser lässt seinem Hass freien Lauf. Er sagt offen und voller Verachtung, dass er die Mitbestimmung des Volkes für unsinnig hält: Sie sei zu Notzeiten beschlossen worden und müsse nun vom Adel zurückgenommen werden. Brutus bezeichnet ihn daraufhin als Hochverräter und fordert seinen Tod.

„Der tiefsten Hölle Glut verschling das Volk!“ (Marcius, S. 69)

Es gelingt Marcius’ adligen Freunden, ihn aus dem Tumult fort und zu seinem Haus zu lotsen. Sie haben Angst vor einem Bürgerkrieg und versuchen die Gemüter der Volkstribune zu besänftigen. Menenius erreicht bei den Tribunen, dass er Marcius holen gehen darf, damit dieser sich verantworten kann, statt dass er ohne Prozess vom Felsen gestürzt wird.

Marcius wütet

Marcius zeigt sich uneinsichtig, obwohl alle ihn zum Einlenken bewegen wollen, seine Freunde wie auch seine Mutter Volumnia. Er sagt, er könne und wolle sich nicht verbiegen. Erst als Volumnia resigniert und es aufgibt, ihn überzeugen zu wollen, lenkt er ein. Er will nun zum Marktplatz gehen und sich per Täuschung in die Herzen stehlen, um doch noch Konsul zu werden.

„Er ist verbannt / Als Feind des Volks und seines Vaterlands.“ (Brutus über Marcius, S. 71)

Es gelingt ihm aber nicht, sein Vorhaben umzusetzen. Es genügt, dass Sicinius den Vorwurf des Verrats an der römischen Verfassung wiederholt, und schon gerät Marcius wieder in Rage. Er wiederholt seine Schmähungen gegen das Volk und auch seine Ablehnung der politischen Mitbestimmung. Sicinius verbannt ihn im Namen aller Bürger aus der Stadt und mahnt ihn: Sollte er jemals wiederkehren, werde er getötet. Da verlässt Marcius hasserfüllt Rom und lässt seine Familie zurück.

Freunde werden Feinde, Feinde werden Freunde

Marcius geht geradewegs zu seinem Erzfeind Aufidius, der jetzt nicht mehr in Corioli lebt, sondern in Antium. Er schlägt ihm vor, gemeinsam gegen Rom zu kämpfen, da er seine Heimat jetzt hasst und sich rächen möchte. Aufidius nimmt das Angebot freudig an – es heilt augenblicklich seinen Neid auf Marcius. Er gibt Marcius spontan die Hälfte seiner Macht, da dieser Rom am besten kennt und weiß, wie man es besiegen kann.

„Ganz edler Marcius! oh! lass mich umwinden / Den Leib mit meinen Armen, gegen den / Mein fester Speer wohl hundertmal zerbrach (…)“ (Aufidius, S. 82)

In Rom trifft die schlimme Nachricht ein, dass Marcius als Feind auf die Stadt vorrückt. Alle sind von der Nachricht schockiert und gehen davon aus, das Rom verloren ist, es sei denn, man kann Marcius noch umstimmen. In dieser Situation wird nach Schuldigen gesucht: Die adligen Senatoren geben den Volkstribunen die Schuld, und einige Bürger behaupten jetzt, sie seien aufgehetzt worden, damit sie der Verbannung zustimmen. Eigentlich habe diese gegen ihren Willen stattgefunden.

„Nun ist es aus – wir kehren heim nach Rom, / Und sterben mit den Unsern. (…) / Still bin ich, bis die Stadt in Flammen steht, / Dann sag ich etwas noch.“ (Volumnia, S. 103 f.)

Bei den Volskern ist Marcius eine umschwärmte Gestalt, Soldaten strömen ihm massenhaft zu. Aufidius ist ein bisschen irritiert über Marcius’ allzu stolzes Gebaren, das dieser selbst ihm gegenüber an den Tag legt. Einer seiner Hauptmänner sagt zu Aufidius, es sei ein Fehler gewesen, dass er die Macht geteilt habe – er hätte die Führung entweder ganz behalten oder ganz abgeben sollen.

Rom in Angst

Marcius’ Freund Cominius versucht mit ihm zu reden, aber alte Freundschaften zählen für Marcius nicht mehr. Cominius sagt den anderen Patriziern, nun hätten nur noch Volumnia und Virgilia die Möglichkeit, ihn von seinem schrecklichen Vorhaben abzuhalten. Der alte Menenius, der wie ein Vater für Marcius war, versucht dennoch sein Glück und sucht den Feldherrn im Lager der Volsker vor Rom auf. Marcius zeigt sich hart und ist durch nichts zu erweichen; er sagt, selbst seine Familie bedeute ihm nichts mehr. Sein Entschluss steht fest: Am folgenden Tag soll Rom gestürmt werden.

„Meine Wut ist hin, / Mein Herz durchbohrt der Gram. (…) / Obwohl in dieser Stadt / Er manche gatten-, kinderlos gemacht, / Und nie zu sühnend Leid auf uns gebracht, / So sei doch seiner ehrenvoll gedacht.“ (Aufidius über Marcius, S. 112)

Da kommen seine Mutter, seine Frau und sein Sohn zu ihm. Marcius will auch ihnen gegenüber hart bleiben. Er kämpft gegen die Verbundenheit mit ihnen, doch er merkt, wie seine Härte dahinschmilzt. Vor seiner Mutter kniet er schließlich nieder, beteuert aber dennoch, dass auch sie ihn nicht davon abhalten werde, seine Rache an Rom zu vollstrecken. Volumnia schildert die schlimme Lage, in der sich die Frauen seit Marcius’ Verbannung befinden. Sie seien zerrissen zwischen der Liebe zum Vaterland und der Liebe zu ihm, denn eins von beiden werde untergehen, wenn es zum Krieg komme. Sie sagt, bevor er sein Vaterland angreife, müsse er zuerst auf ihren Leib treten. Seine Frau Virgilia schließt sich an: auch auf ihren. Sein kleiner Sohn sagt, auf ihn solle er nicht treten.

Marcius steht auf und will gehen. Volumnia spricht noch einmal zu ihm und sagt, sie verlangten nicht von ihm, dass die Volsker zugunsten der Römer untergingen. Es gehe nicht darum, dass er gegen seine Ehre handle. Nein, sie und ihre Schwiegertochter bitten ihn darum, beide Völker zu versöhnen, was ihm zu viel größerer Ehre gereichen würde. Als Zerstörer des eigenen Vaterlands würde er dagegen als finstere Gestalt in die Geschichte eingehen. Marcius scheint sich abzuwenden, da gibt Volumnia auf. Sie fügt sich nun in das Schicksal, dass Rom wohl in Kürze in Flammen stehen wird. Da lenkt Marcius aber doch noch ein. Er sagt Aufidius, dass er Frieden will.

In Rom bangt und hofft man noch. Ein Bote bringt Sicinius die Nachricht, sein Mittribun Brutus werde vom Volk durch die Straßen geschleift und man werde ihn töten, wenn die Frauen bei Marcius nichts erreichen sollten. Doch ein zweiter Bote bringt die frohe Kunde, dass die Bedrohung vorüber ist. Die Volsker ziehen mit Marcius ab. Voller Erleichterung feiert Rom die gute Nachricht.

Mord aus Neid

In Antium bereitet Aufidius eine Rede an sein Volk vor. Er hegt Groll gegen Marcius, weil dieser ihn im Namen des Kampfes gegen Rom an Macht und Beliebtheit übertrumpft hat, um dann am Ende doch alles aufzugeben und so den Sieg für die Volsker zu verschenken. Aufidius’ Vertraute stimmen ihm zu, dass das unverzeihlich sei. Sie sind sich einig, dass Marcius sterben muss und dass Aufidius dadurch seine alte Größe wiedergewinnen wird. Gemeinsam mit den Verschwörern ersticht Aufidius Marcius. Er stellt sich auf den Leichnam, doch kurze Zeit später ist seine Wut verraucht. Er möchte des Toten trotz allem ehrenvoll gedenken.

Zum Text

Aufbau und Stil

Coriolanus ist eine Tragödie in fünf Akten, von denen jeder in mehrere Szenen unterteilt ist. Das Stück ist zum größten Teil in reimlosen Blankversen verfasst. Im Handlungsaufbau lassen sich drei Hauptteile unterscheiden, die die Akteinteilung überlappen. Im ersten erscheint Coriolanus in seiner heldischen Bestform, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der zweite Teil zeigt seinen Fall von der höchsten Ehre in die Verbannung, beim Versuch, Konsul zu werden. Der dritte Teil handelt von Coriolanus’ Rückkehr nach Rom aufseiten der Volsker, kulminiert darin, dass Volumnia ihn überzeugt, Rom zu verschonen, und endet mit Coriolanus’ Tod von der Hand des neidischen Aufidius. Kein anderes Drama von Shakespeare ist so sehr auf die Hauptfigur konzentriert wie Coriolanus, und gleichzeitig gibt es keine andere Hauptfigur bei Shakespeare, die selbst so wenig von ihren Gefühlen und Gedanken preisgibt. Coriolanus äußert sich nicht in langen Monologen, denn weder Selbstreflexion noch Wortgewandtheit würden zu dieser Figur passen. Seine Sprache ist knapp, aufbrausend und voller Beschimpfungen für das von ihm verachtete Volk.

Interpretationsansätze

  • Im Zentrum der Handlung steht der Klassenkonflikt zwischen der politischen und ökonomischen Elite, den Patriziern, und dem einfachen Volk, den um mehr Rechte kämpfenden Plebejern. Shakespeare schlägt sich nicht eindeutig auf die eine oder andere Seite: Er zeigt sowohl den Adel als auch das Volk mit ihren jeweiligen Licht- und Schattenseiten.
  • Coriolanus ist ein widersprüchlicher Held: Als Krieger ist er ungeheuer tapfer und vereint sämtliche soldatischen Tugenden; allerdings ist er auch hochmütig, intolerant und in seinen Reaktionen auf geradezu kindische Weise trotzig. Damit ist er als Politiker völlig ungeeignet.
  • Coriolanus ist der radikalste und am wenigsten subtile Vertreter der Patrizier. Viele Figuren um ihn herum sind schlauer und manipulativer. Sein Freund Menenius etwa teilt mit ihm durchaus den aristokratischen Dünkel, aber er ist geschickt im Reden und kann Kompromisse aushandeln. So kommt er unbeschadet durch die Konflikte, die Coriolanus zu Fall bringen.
  • Auf der Seite der Plebejer sind es die Volkstribune Sicinius und Brutus, die die Interessen des Volkes durchaus mit manipulativen Taktiken vertreten und das Volk gegen Coriolanus aufbringen – was allerdings ein Leichtes ist, weil Coriolanus das Volk tatsächlich verachtet und zudem schnell aufbraust.
  • Die Plebejer selbst, die Bürger Roms, sind ebenfalls widersprüchlich dargestellt. Einerseits erscheint ihre Empörung über die Teuerung von Grundnahrungsmitteln berechtigt, und ihr Einfordern von Mitbestimmung schildert Shakespeare mit Sympathie. Andererseits wirkt das Volk wankelmütig und manipulierbar. Es äußert innerhalb kurzer Zeit völlig unterschiedliche Meinungen zu Coriolanus als Konsul und zu seiner Verbannung.
  • Die einflussreichste Gestalt in Coriolanus’ Leben ist seine dominante Mutter, die all ihren Ehrgeiz in ihren Sohn setzt, ihn zum Krieger erzieht und ihn auch unbedingt als Konsul sehen möchte. Sein Trotz und seine fatale Sturheit gehen auf ihre Erziehung zurück, und sie allein hat die Macht, ihn zwei Mal umzustimmen.

Historischer Hintergrund

Die Schwierigkeiten des Königs mit dem Parlament

1603 fand in England eine bedeutende Ära ihr Ende: die Regentschaft von Königin Elisabeth I. Elisabeth hatte das Königreich 45 Jahre lang regiert. Während dieser Zeit erlebte England einen beeindruckenden politischen und wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land löste Spanien als stärkste Seefahrernation ab und wurde zur europäischen Großmacht. Zum nationalen Selbstbewusstsein trug auch der wachsende materielle Wohlstand des Bürgertums bei. London war eine lebendige und intellektuell neugierige Stadt mit rund 200 000 Einwohnern, und Elisabeth war eine große Förderin von Kunst und Schauspiel: Unter ihrer Herrschaft wurden die Spielstätten zu Erlebnisorten für alle Bevölkerungsschichten. Es kam zu einem regelrechten Theaterboom, begleitet von einem – künstlerisch äußerst fruchtbaren – Wettbewerb unter den Schauspielertruppen.

Als Elisabeth 1603 kinderlos starb, wurde Maria Stuarts Sohn Jakob König von England – König von Schottland war er schon ein Jahr nach seiner Geburt im Jahr 1566. Mit ihm begann die Herrschaft des Hauses Stuart in England, und mit Elisabeths Tod endete die Herrschaft der Tudor-Dynastie. Auch Jakob war geistig interessiert: Er gab eine Bibelübersetzung in Auftrag (die King-James-Bibel) und ließ sich Shakespeares Stücke bei Hof vorspielen. Seine Regentschaft in England war aber innenpolitisch schwierig. Als überzeugter Vertreter eines gottgegebenen Königtums hatte er Probleme mit der parlamentarischen Mitbestimmung und wusste doch eine größere Eskalation des Machtkampfs zwischen Regent und Parlament zu verhindern. 1605 wurde die sogenannte Pulververschwörung gerade noch entdeckt und damit ein Anschlag auf König und Parlament in letzter Minute verhindert.

Entstehung

Coriolanus wurde vermutlich zwischen 1605 und 1608 geschrieben. Es war eine der letzten Tragödien, die Shakespeare verfasste. Wie Antonius und Cleopatra, das im gleichen Zeitraum entstand, ist Coriolanus eine römische Tragödie, die jedoch im Unterschied zum erstgenannten Stück (und auch zu Julius Caesar) nicht am Ende, sondern zu Beginn der römischen Republik spielt. Die Handlung ist, halb historisch, halb legendenhaft, nach dem Fall des letzten Königs von Rom, Tarquinius, angesiedelt, als Patrizier und Plebejer um die Vormacht rangen.

Shakespeares Interesse an römischer Geschichte stand einerseits im größeren Zusammenhang der Renaissance, die generell von der Antike fasziniert war und sich Inspiration bei den alten Römern und Griechen holte. Andererseits werden von Forschern die Parallelen zur politischen Situation in England gezogen, denn König Jakob I. hatte ein absolutistisches Machtverständnis und befand sich daher im Konflikt mit dem englischen Parlament.

Die historische Quelle für das Stück war vermutlich die Lebensbeschreibung des Coriolanus in den Parallelbiografien von Plutarch. Diese wurden im ersten Jahrzehnt v. Chr. geschrieben und im Jahr 1579 ins Englische übersetzt.

Wirkungsgeschichte

Es ist nicht bekannt, ob Coriolanus zu Shakespeares Lebzeiten aufgeführt wurde. Insgesamt ist es ein eher selten gespieltes Werk des englischen Dramatikers. Gedruckt wurde das Stück erstmals 1623, im Rahmen einer Shakespeare-Werkausgabe. 1682 brachte der Dichter Nahum Tate eine melodramatische Bearbeitung auf die Bühne, und seither kamen zusätzlich zum Original immer wieder politisch-tendenziöse Bearbeitungen zur Aufführung. In Deutschland stammt die einflussreichste von Bertolt Brecht (Coriolan von Shakespeare, 1952).

Obwohl das Stück nicht als eine der großen Shakespeare-Tragödien gilt, hat Coriolanus doch über die Jahrhunderte hinweg wegen des politischen Themas für anhaltende Debatten gesorgt. Man ist sich uneins, welche der dargestellten Seiten Shakespeare favorisiert haben könnte. Das Drama wurde von der politischen Linken wie von der politischen Rechten in den verschiedensten historischen Situationen für die eigene Partei vereinnahmt; es wurde sowohl als profaschistisches als auch als prokommunistisches Stück aufgeführt, je nach Absicht des Regisseurs.

2011 wurde Coriolanus unter der Regie von Ralph Fiennes verfilmt. Fiennes spielte auch die Hauptrolle, während Coriolanus’ Mutter durch Vanessa Redgrave verkörpert wurde; die Handlung wurde ins 21. Jahrhundert verlegt.

Über den Autor

William Shakespeare kann ohne Übertreibung als der berühmteste und wichtigste Dramatiker der Weltliteratur bezeichnet werden. Er hat insgesamt 38 Theaterstücke und 154 Sonette verfasst. Shakespeare wird am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon getauft; sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er ist der Sohn des Handschuhmachers und Bürgermeisters John Shakespeare. Seine Mutter Mary Arden entstammt einer wohlhabenden Familie aus dem römisch-katholischen Landadel. 1582 heiratet er die acht Jahre ältere Anne Hathaway, Tochter eines Gutsbesitzers, mit der er drei Kinder zeugt: Susanna sowie die Zwillinge Hamnet und Judith. Um 1590 übersiedelt Shakespeare nach London, wo er sich innerhalb kurzer Zeit als Schauspieler und Bühnenautor einen Namen macht. Ab 1594 ist er Mitglied der Theatertruppe Lord Chamberlain’s Men, den späteren King’s Men, ab 1597 Teilhaber des Globe Theatre, dessen runde Form einem griechischen Amphitheater nachempfunden ist, sowie ab 1608 des Blackfriars Theatre. 1597 erwirbt er ein Anwesen in Stratford und zieht sich vermutlich ab 1613 vom Theaterleben zurück. Er stirbt am 23. April 1616. Über Shakespeares Leben gibt es nur wenige Dokumente, weshalb sich seine Biografie lediglich bruchstückhaft nachzeichnen lässt. Immer wieder sind Vermutungen in die Welt gesetzt worden, wonach sein Werk oder Teile davon in Wahrheit aus anderer Feder stammen. Als Urheber wurden zum Beispiel der Philosoph und Staatsmann Francis Bacon, der Dramatiker Christopher Marlowe oder sogar Königin Elisabeth I. genannt. Einen schlagenden Beweis für solche Hypothesen vermochte allerdings niemand je zu erbringen. Heutige Forscher gehen mehrheitlich davon aus, dass Shakespeare der authentische und einzige Urheber seines literarischen Werkes ist.


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